Oneitis, Neediness, Pick Up: Gibt es denn das Besondere überhaupt?

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Das Leben wird leichter.

Mein Standing im neuen Job hat sich stabilisiert. Ich habe eine Begabung für die Arbeit. Ich arbeite jetzt in unmittelbarem Kontakt mit Menschen und es hat sich gezeigt, dass ich ein pädagogisches/psychologisches Geschick habe - kein Wunder, denn ich weiß, wie es ist, wenn es einem schlecht geht, wenn man ganz unten ist. Oder sich zumindest so fühlt. 

Das Stottern habe ich immer noch nicht angesprochen, obwohl es schon gute Gelegenheiten gegeben hätte. Mal schauen. Ich muss sehr viel lernen, aber die Arbeitszeiten sind sehr human, so dass ich genügend Zeit zum Verarbeiten der vielen Infos habe. 

 

Ich will ein wenig von meinem Wochenende berichten. Meine Eindrücke fließen lassen, in Geschichten verwandeln, um sie noch einmal zu genießen.

Am Freitagabend war ich mit meinem Freund und gemeinsamen Freunden im Park beim Grillen. Es sind jene Freunde, die ich letztes Jahr als meine Kifferclique bezeichnet habe. Durch sie habe ich meinen Freund kennengelernt. Er selbst kifft aber nicht mehr. 

Zwei von meinen Freundinnen haben vor kurzem ihre Jobs verloren und obwohl sie eine Zeit lang sehr stabil waren, kiffen sie nun wieder. In ihnen erkenne ich mich selbst wieder, so wie auch jenen Schmerz, durch den ich ging. Es ist ein Weg, den man so lange alleine beschreitet, bis man von sich aus Hilfe sucht. Deswegen sprach ich sie auch nicht darauf an. Ohnehin waren wir zum Spaß haben im Park.

 

Das oberste Kriterium für die Location war, dass man dort kiffen kann. Und so trafen wir uns in einem Park, den ich bis dahin nur von außen kannte. Von hohen, rostigen Eisengittern eingezäunt, die dichte Bewucherung sagte mir, dass der Park schon sehr alt war, in einer Gegend gelegen, die ebenfalls alt ist, mit pflasterbesteinten Straßen. Durch das verwachsene Äußere konnte man nicht die Schönheit erahnen, die sich im Inneren verbarg. Schmale Kieswege, von hoch in den Himmel ragenden Bäumen umsäumt, führten uns vorbei an größeren und kleineren Grasflächen, geschmückt von einzelnen Sträuchern und Bäumen, hie und da ragte eine Steinsäule in die Höhe. Der Park hatte etwas Verwunschenes, einen Hauch Düsterkeit, so dicht bewachsen, dass sich hier jegliche Magie, aber auch das Unheil gut versteckt halten konnte. Überall Menschen, so bunt wie schillerndes Laub im Spätsommer. Die Hellherzigen auf den offenen Flächen, die Düsteren versteckt in den Schatten des Grüns. Etwas abseits der Wege, geschützt von Sträuchern und Bäumen setzten wir uns auf Decken ins Gras. Der Grill war noch nicht einmal aufgebaut, da wanderte schon der erste Joint an mir vorbei und machte seine Runde. Vorbei, denn ich habe nicht das Bedürfnis zu kiffen. 

Nach dem Essen und inmitten der heiteren, unbekümmerten Stimmung stand ich auf, mit der Absicht, die beiden Buben zu beschäftigen, die von einer von uns mitgebracht wurden und die die Gruppe immer wieder störten, indem sie sich auf die anwesenden Männer stürzten und Blödsinn machten. Obwohl meine weiche Stimme nicht in der Lage ist, sich mit Schreien durchzusetzen, hörten mir die beiden Rabauken sofort zu und waren empfänglich für die Spiele, die ich ihnen vorschlug. Sogar die von mir aufgestellte Regel, sich für den Rest des abends nicht mehr gegenseitig zu hauen, hielten sie von da an ein. So spielte ich mit ihnen Fußball, lief einen kleinen Parcours, zeigte ihnen Turnübungen und lief huckepack mit den beiden durch den Park. Beide sind verhaltensauffällig, denn sie wachsen nicht im besten Umfeld auf. Aber ich spürte, dass sie zugänglich waren. 

Die Nacht ließen mein Freund und ich zuhause ausklingen, indem wir Liebe machten. 

Am Samstag fuhr ich mit meinem Freund und unseren Rädern mit der Fähre ins alte Land. Ein Fleckchen Paradies. Apfel- und Zwetschgenplantagen, grünes Leben überall, niedliche Städtchen aus typisch norddeutschem Klinker. Am Rande einer dieser Ortschaften machten wir halt und kehrten im Garten eines urigen Restaurants ein. Dort waren nur Rentner und mein Freund meinte nur: "Wo sind wir denn hier gelandet? Also lange halte ich es hier nicht aus." Ich schmunzelte in mich hinein, denn aus ihm sprach der Stadtmensch, der nie woanders als in der Weltstadt Hamburg lebte. Ich hingegen war glücklich, der Geruch des Landes, das Geräusch der Bäume, weit entfernt die Traktoren hörbar, die Heu für den Winter einfuhren. 

Auf unserem weiteren Weg kauften wir ein kleines Körbchen mit Zwetschgen, frisch vom Baum und so wunderbar süß duftend, dass ich wieder ein kleines Kind war, das barfuß im Garten steht und die dunkellila Früchte auf Zehenspitzen vom Baum pflückt. Zurück fuhren wir ein Stück auf dem Deich, mussten aber wegen der vielen Mücken doch den Fahrradweg entlang des Airbus-Geländes an der Hauptstraße nehmen. Die ganze Strecke über suchte mein Freund nach einem Plätzchen, an dem er mich ficken könnte, denn da seine hungerbedingte schlechte Laune durch das Einkehren im Restaurant wie weggeflogen war, kam nun seine zweite Begierde zum Vorschein. Mein buntes Blumenkleid, so sagte er, könne er ja einfach hochschieben. Auf meinem Rad, der kühle Fahrtwind durch meine Haare, mit meinem herumalbernden Freund neben mir, fühlte ich mich so leicht wie der Rock meines Kleides auf dem windigen Deck der Fähre.

Die Sonne ging langsam hinter uns in der Elbe unter, als wir dieses Stück grünen Friedens hinter uns ließen und die Fähre uns der großen Stadt entgegen brachte. Die salzige Luft um uns herum vermischte sich mit dem süß-säuerlichen Geschmack der Zwetschgen und mit dem Arm meines Freundes um meine Schultern gelegt spürte ich zugleich liebevolle Wärme so wie auch die Lebendigkeit der Welt um mich herum. Das Zifferblatt des Michels reflektierte golden das letzte Sonnenlicht und die glitzernde Elbphilharmonie wirkte, als führte sie das Wasser der Elbe in den Himmel hinfort. "Schön ist sie ja, die Elbphilharmonie, aber das Ding war einfach zu teuer. Steht in keiner Relation. Hm, aber schön ist sie wirklich" holte mich mein Freund aus meinem seligen Sein zurück. 

 

Heute habe ich bis abends den Tag bei meinem Freund verbracht. Wir schliefen lange, da wir zuvor bis tief in die Nacht Sex hatten. Jenen Marathon führten wir nach dem Frühstück fort. Die Energien zwischen uns sind stark und kraftvoll und es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht miteinander verschmelzen.

Erst der Hunger trieb uns aus dem Haus, doch gerade als wir uns mit unseren Falafel- und Kebabtellern auf den bereits belaubten Boden - ein Vorgeschmack auf den nahenden Herbst - unter den Baum setzen wollten, fing der Regen an zu fallen. 

Mit den Rädern fuhren wir zurück zu ihm, zogen uns eine Folge "Breaking Bad" rein, hatten noch einmal Sex und danach fuhr ich nach Hause. 

 

Heute nun schlafen wir getrennt. Wir haben sehr viel Zeit miteinander verbracht. Harmonische und schöne Zeit. Aber für heute wollen wir uns jeweils wieder alleine spüren. 

 

 

Wieso erzähle ich das alles so ausschweifend? Weil ich es so sehr genieße, diese ganzen wundervollen Eindrücke. Die Farben und Düfte, die Menschen um mich herum, jeder einzelne Baum, jede menschliche Interaktion. Die Liebe zu meinem Freund. 

 

Ich genieße das so unendlich, denn das alles hatte ich nicht, als ich noch jünger war. Das Küssen im Regen, das Musik hören im Bett und das gemeinsame Chillen, das Essen bestellen und das Herumalbern, das durch die Wohnung tanzen, das sich einfach lieben. 

 

So sollte es sein. So sollte es schon immer sein.

Ich wollte so einen Satz niemals schreiben, aber: Er macht mich glücklich. Mit ihm fühle ich mich wirklich glücklich. 

 

Gerade höre ich "I will, I swear." Eine Band, auf die ich kurz vor meinem Weggang aus meiner Studienstadt in einem Hotelzimmer in Indien aufmerksam geworden bin. Sehr melancholische Musik, aber wunderschön. Sie hat mich lange begleitet, als ich durch eine sehr schmerzhafte Phase - die Einsamkeit in einer neuen Stadt - ging. 

Heute nun habe ich mich daran erinnert. 

 

Habt eine wunderschöne, dunkle Nacht. Mit neuem Licht morgen Früh. 

 

bearbeitet von Candygirl
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Etwas Zeit ist vergangen, seit ich mich das letzte Mal gemeldet habe.

Der neue Job hat sehr viel Energie gefordert. Aber ich habe mich mittlerweile sehr gut eingelebt. Mein Sprechen hat sich stabilisiert, ich telefoniere wieder völlig souverän, trete selbstbewusst auf. Alle Kollegen und insbesondere die Leute in meinem Team mögen mich sehr. Ich war nach dem Verlust meines vorherigen Jobs sehr traurig, dass ich aus meinem wundervollen Team gerissen wurde. Jetzt hat sich aber gezeigt, dass es auch woanders tolle Menschen gibt, die es absolut wert sind, Altes abzulegen und Neues zu beginnen. Es ist schön, von ihnen umgeben zu sein, von Menschen mit ihren ganz eigenen Geschichten, jeden Tag.

Mir ist wieder einiges klar geworden in der letzten Zeit. Das Leben hat mir Hinweise gegeben und ich habe die Zeichen verstanden.

Ich habe einige Entscheidungen getroffen, die mich unglücklich gemacht haben und ich denke, ich soll lernen, das selbst gewählte Unglück zu erkennen, um mich beim nächsten Mal anders zu entscheiden.

 

Vor zwei Wochen bin ich 30 geworden. Den Abend davor war ich Salsa tanzen und die Nacht habe ich mit meinem Freund verbracht. Kurz bevor er in mich eindrang, schaute er mir in die Augen und sagte das selten zwischen uns ausgesprochene: "Ich liebe dich." Als ich "Ich liebe dich auch" erwiderte, fühlte ich mich in meinem Inneren zutiefst erfüllt und glücklich. Auf meinen Wohnzimmertisch hatte er bereits einen Strauß zart-pastellfarbener Rosen sowie mein Geschenk gestellt.

Am nächsten Tag in der Arbeit kamen meine Kollegen Happy Birthday-singend mit einer Kerze, Blumen und Himbeertorte in mein Büro. Als ich die Kerze ausblies, wünschte ich mir, mich für immer an diesen Moment zu erinnern. Den Moment, in dem sich alles in mir friedvoll und zutiefst glücklich anfühlte.

Dieses Gefühl hielt jedoch nicht lange, denn ich hatte falsche Entscheidungen getroffen. 

Anstatt abends mit meinem Freund schön essen zu gehen, fuhr ich übers Wochenende an meinem 30. Geburtstag mit zwei Freundinnen und deren Freunden an den Strand zu den Beachvolleyballmeisterschaften. Ich trank abends etwas süßen Sekt aus einem Plastikbecher und verbrachte den Abend und die Nacht Spiele spielend mit fremden Menschen, nachdem meine Freundinnen früh ins Bett gegangen waren.

Am nächsten Abend gingen alle auf eine Party, aber ich blieb zuhause und ging früh ins Bett, denn ich wollte für Montag fit sein. Ein wichtiger Termin wartete.

Als ich im Bett lag schaute ich auf Facebook nach, wie viele Leute zu meiner Geburtstagsparty zugesagt hatten, die eine Woche später stattfinden sollte. Von 40 eingeladenen Gästen, hatten 4 Leute zugesagt. Ich lag allein im Bett in einer dunklen Ferienwohnung, eine Träne lief über meine Wange, während das Lied far from home von Gamper & Dadoni durch meine Ohren hindurch tief in meinem Herzen widerhallte. 

So many nights im wastin' my time,
Driftin' on a way that guides me to neverland,
And it feels like being far from home,
To escape from the world we know.

Wieso lief ich weg von der Welt? Wieso hatte ich gewählt, alleine, weit weg von meinem Inneren Zuhause, meinen Geburtstag mit fremden Menschen zu verbringen? Wieso hatte ich gewählt, mich fremd zu fühlen?

 

 Am Montag wurde ich krank und sagte meine Geburtstagsparty ab. Ein paar Freunde schrieben mir. Ich sagte, dass ich krank sei, aber auch, dass zu wenige zugesagt hätten. Es machte mich traurig. 

 

Einen weiteren Hinweis des Lebens bekam ich ein paar Tage später.

 

Krank schleppte ich mich in die Arbeit. Als es nicht mehr ging, ging ich zum Arzt, um mich krank schreiben zu lassen. Die Ärztin wollte mich vier Tage lang krank schreiben. Entsetzt sagte ich: "Das geht nicht, ich habe Termine." Sie sah mich an, ganz ernst, eindringlich, aber sehr liebevoll. "Das ist ein ganz deutliches Zeichen, dass Sie nicht auf sich achten." In mir klirrte es. Etwas zerbrach. Eine Fassade. Eine Mauer. Ich spürte es ganz deutlich. Ihre Worte trafen mich in meinen Tiefen. Meinem echten, wahrhaftigen Sein. Fernab all des Erlernten, Aufgezwungenen, Hineingeprügelten.

Früher durfte ich nicht krank sein. Ich musste funktionieren. Die Erkältung konnte noch so stark sein, nach einer maximal kurzen Schonfrist wurde ich von meiner Mutter mit Schmerzmitteln wieder in die Schule geschickt.

 

Die Krankheit kam zur richtigen Zeit, denn ich hatte trotz der Warnung meines Physiotherapeuten wieder mit dem Sport angefangen und hätte am ersten Wettkampf teilgenommen. So aber wurde ich anderweitig ausgebremst. Gestern war ich wieder im Training und heute schmerzen meine Achillessehnen wieder sehr. 

 

Ich habe mich entschieden, so schwer es mir auch fällt, erst einmal wieder zu pausieren. Ich liebe Volleyball und ich war so gut. Wenn ich spiele, bin ich einfach nur glücklich. Aber im Moment bin ich auf dem Feld nur noch ein Schatten meiner Selbst. Ich habe es nun verstanden. Volleyball soll nur dazu dienen, mich glücklich zu machen. Ich soll es als das nehmen, was es ist. Spaß und Freude, es mir nicht länger vom Inneren Kritiker bombardieren lassen. Nur mit so einer langwierigen Verletzung lerne ich es zu schätzen.

Und gleichzeitig lerne ich jetzt, wirklich auf mich acht zu geben. Eine vernünftige Entscheidung zu treffen und zu pausieren, bis die Sehnen heil sind. Ansonsten trainiere ich mich hinein in den Verfall. Mache meinen Körper kaputt. Die Achillessehne ist die stärkste Sehne des Körpers, aber ich habe sie monatelang systematisch beschädigt, ohne auf die Hilfeschreie zu hören. Habe sie ignoriert und verdrängt. Die Warnungen waren da. Ein Körper ist nicht unzerstörbar. Nicht einmal das Stärkste in uns erträgt es, hält es aus, wenn wir uns selbst boykottieren und kaputt machen. 

Abermals ein Zeichen, in mich hineinzusehen, zu hören, zu fühlen. Nichts, was passiert, soll uns schaden. Aber manchmal muss es eben richtig wehtun, bis wir bereit sind zu lernen. 

Habt einen schönen Abend, eine sternvolle Nacht und zauberhafte Träume. Ich fahre jetzt zu meinem Freund und melde mich bald wieder mit neuen Abenteuern aus Candy`s kleiner Welt.

 

 

 

 

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Hallo saian und alle Anderen, die hier mit mir sind.

 

Ich habe mich länger nicht gemeldet. Das Forum war eine Zeit lang nicht erreichbar und so spürte auch ich eine Zeit lang keine Verbindung.

Schön, dass sie wieder hergestellt ist.

 

Mein neuer Job hat mir eine feste Struktur gegeben. Eine Form, einen Namen. Aber abermals bin ich eine festgefahrene Gestalt, die tut, was verlangt wird. Ich habe ein ganz wundervolles Team und wir geben uns gegenseitig Kraft, doch im Inneren sind wir alle unglücklich. Aber wir haben einander und ich bin dankbar, jeden Tag, dass ich so tolle Menschen getroffen habe. Dennoch ist der Job anstrengend und stressig. Obgleich ich schon Erfolge vorzuweisen habe, merke ich, wie es an meinen Energien zehrt. Letzte Woche hatte ich Urlaub und auf die Frage, wie es ohne mich war, antwortete mein Kollege ohne zu zögern:"Langweilig! Ohne dich ist es langweilig. Du bist so lebendig!" 

 

"Lebendig", so hallte es lange nach. In meinen Ohren hinein in meine Seele. Wieso hatte er "lebendig" gesagt, obwohl ich mich doch so leer fühle?

Ich kann nicht sagen, wohin die Reise in diesem Job geht. Aber ich weiß, dass ich nach wie vor vom Schreiben träume.

Ja, Träume. Denn es sind nur Gedanken, die nicht durch meine Hände hindurch ihren Weg auf Papier schaffen. So komme ich von der Arbeit nach Hause und gehe zum Training oder betäube mich zuhause mit Sinnlosigkeiten. Jeden Tag. Ohne zu fühlen. Ohne zu schreiben. Eines Tages aber, das weiß ich, werde ich meine Gedanken zu Papier bringen. Ich werde schreiben und mir mit meinen eigenen Händen und Worten etwas aufbauen, damit ich heraus komme aus dieser seltsamen Arbeitswelt und endlich hineingehe in ein selbst erschaffenes neues Leben. 

Gleichzeitig ist das meine größte Angst. Denn die Arbeit lenkt mich von mir selbst ab. Selbst in meinem Urlaub konnte ich nicht entspannen. Immerzu ist es unruhig und ruhelos, rastlos in mir. Ein Hin- und Herzappeln meiner Gedanken, meiner Seele, meines Inneren. Ohne den äußeren Zwang zur Arbeit fühle ich mich wie ein Astronaut, der im Weltall schwebt, in leerem Raum, unfähig sich aus eigener Kraft zu bewegen. Nichts treibt ihn voran, nichts bringt ihn zu Fall, er treibt bewegungslos umher, wohlwissend, dass er in diesem Zustand sterben wird, dass er nur auf den Tod wartet, und bis es dazu kommt, einfach nichts tun wird. Nur wartet.

Eigentlich will ich das nicht. 

Ich möchte etwas schaffen, etwas erschaffen, etwas hinterlassen, meinem Leben einen Sinn geben.  

 

Eigentlich könnte ich das ja. Ich könnte in meiner freien Zeit schreiben und dem Universum den Rest überlassen. Denn dies hier ist nicht das Weltall und ich kein Astronaut. Die Materie um mich herum ist voller Kraft und bietet alle Möglichkeiten, mich aus eigener Kraft zu bewegen. Doch keine von all den mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutze ich. Und so bleibe ich unglücklich. In meinem selbst erschaffenen Weltall.

 

Das sind so meine Gedanken, wenn ich alleine bin. Aber mein Kollege hatte schon recht: Wenn ich unter Menschen bin, seien es Kollegen, in meiner Mannschaft, Freunden oder meinem geliebten Freund, dann bin ich wirklich lebendig und sprudele vor Energie. Nur wenn ich alleine mit mir selbst bin, kriege ich nichts auf die Reihe. 

 

Mit mir alleine zu sein... Da ist immer noch so viel Minderwertigkeitsgefühl, Angst, vielleicht sogar Selbsthass. Vielleicht sogar ganz sicher. Wer bin ich? Hinter all dem? 

Mein Freund sagte vor kurzem zu mir etwas, woraufhin ich - seinen Worten zufolge - aussah, als wäre ich unendlich zerbrechlich. "Du bist einfach ein so sanftes Wesen", sagte er zu mir. Diese Worte hörte ich nicht zum ersten Mal.

 

Ich wünschte, ich könnte euch etwas Positiveres berichten. Dass ich jetzt jeden Tag glücklich bin, aufgehört habe zu rauchen und jeden Tag an meinen Träumen bastele. Aber so ist es leider nicht. Nach wie vor kreise ich um mich selbst und meine Schmerzen und in Kreisen zu gehen, hat noch niemanden auch nur einen Schritt vorangebracht.

Eine positive Sache vielleicht: Ich bin die Kilos der Arbeitslosigkeit wieder losgeworden und habe in den letzten Wochen viel Fitnesstraining gemacht. Mein Körper ist wieder fest geworden und ich fühle mich wohler. 

 

Eine Sache wollte ich ebenfalls noch erzählen. Ich hatte euch ja mal von meiner arabischen Liebe erzählt. Vor ein paar Wochen musste ich vermehrt an ihn denken. Von Zeit zu Zeit kommt er in meine Gedanken zurück. Vor ein paar Tagen dann hatte ich einen aufschlussreichen Traum. Ich war in einem dunkelgrün schimmernden Zimmer, ein Raum mit alten Holzmöbeln eingerichtet. Ein Schreibtisch mit Stuhl, ein altes Bett mit unscheinbarer Tagesdecke, ein staubiger Spiegel an der Wand, der sich kaum von der dunklen Wand abhob. Wie ein Hotelzimmer aus vergangener Zeit. Am Fenster zum Hof war eine Feuerleiter, deren Umrisse ich trotz der Dunkelheit erkennen konnte und das Fenster hinaus zur Straße war von einem dunklen Vorhang verhangen. Vor jenem Fenster stand er, als ich wie aus dem Nichts heraus in jenem Zimmer erschien. Ich kam nicht zur Tür hinein. Das Zimmer war an einem fernen und entlegenen Ort, fern unserer Zeit und an einem Ort, an dem ich noch nie zuvor war. Mit dem Rücken stand ich zu dem Fenster mit der Feuerleiter. "Kommst du je wieder zu mir zurück?", fragte ich. Er machte eine abweisende Handbewegung, während er mit der anderen sein Handy aus seiner Jackentasche griff, denn er hatte seine Jacke an, bereit zu gehen, er war nur kurz an diesen Ort gekommen, mich zu treffen. Als er den Anruf beantwortete und mir den Rücken zukehrte, hörte ich, dass eine Italienerin an der anderen Leitung war. Seine Frau. Mit welcher er ein Kind hat. Er sprach mit ihr, während ich begriff, dass ich mittlerweile ein Niemand für ihn war. Da waren keine Gefühle mehr, keine Wichtigkeit mehr für ihn, dieses Gespräch mit mir zu führen. Kein Bedarf. Ich war nur noch eine Geschichte in seiner Vergangenheit. Und doch war er gekommen.

 

Er lebt sein Leben. Hat eine Familie gegründet, die jetzt für ihn wichtig ist. Während ich ihn immer noch bitte, mich in meinen Träumen an fernen, entlegenen Orten zu treffen, um mit mir über hypothetische Zukunftsvisionen zu sprechen, welche meine Hoffnungen nähren sollen, dass er eines Tages zu mir zurückkommt. 

 

Obwohl ich selbst mittlerweile jemanden gefunden habe, der mich glücklich macht.

 

Vielleicht kam ich auch nur an diesen Ort, um die Feuerleiter zu sehen. Sie ist immer da. Ich muss mich nur entscheiden, sie zu benutzen. Das gilt für alles im Leben.

 

Das war so das Aktuellste. Bestimmt erzähle ich euch bald etwas von meiner Beziehung. Da gibt es schöne Geschichten. Voller Liebe und Harmonie, ein paar Albernheiten und viel Leidenschaft. Aber vor allem liebevollen Umgang. In 11 Monaten haben wir nicht ein einziges Mal gestritten.

 

Ich hoffe, euch allen ist es gut ergangen und dass ihr auch jeden Tag schöne Geschichten erlebt. 

Habt eine schöne Nacht. 

 

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Gast

Du hast einen sehr coolen Schreibstil. Man merkt, dass dir das Schreiben Freude bereitet und du träumst, etwas selbst zu schreiben, zu verfassen. Weißt du auch, in welche Richtung du schreiben möchtest? Also etwas Biografisches oder eher in Richtung Thriller, Roman?

 

Ich könnte mir gut vorstellen, dass du ein Buch in der Ego-Perspektive schreiben könntest. Unabhängig davon, ob du über dich selbst schreibst oder eine andere Person. Die Gedankengänge, die du hast und mit Adjektiven etc schmückst, lesen sich sehr ... fantasievoll. 

 

Im Bezug auf dein Leben kann ich dir wahrscheinlich keinen Rat mitgeben, da ich das so nicht kenne. Ich habe nicht den Drang etwas zu hinterlassen. Ich lebe eher für den Moment. In den Tag hinein. Spontan. Manchmal leer, gewiss, aber nicht permanent. Und meistens auch ohne Druck / Stress. Den mache ich mir gar nicht erst. :-)

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Am 23.11.2016 um 23:41 schrieb Candygirl:

Mein neuer Job hat mir eine feste Struktur gegeben. Eine Form, einen Namen. Aber abermals bin ich eine festgefahrene Gestalt, die tut, was verlangt wird. Ich habe ein ganz wundervolles Team und wir geben uns gegenseitig Kraft, doch im Inneren sind wir alle unglücklich. Aber wir haben einander und ich bin dankbar, jeden Tag, dass ich so tolle Menschen getroffen habe. Dennoch ist der Job anstrengend und stressig. Obgleich ich schon Erfolge vorzuweisen habe, merke ich, wie es an meinen Energien zehrt. Letzte Woche hatte ich Urlaub und auf die Frage, wie es ohne mich war, antwortete mein Kollege ohne zu zögern:"Langweilig! Ohne dich ist es langweilig. Du bist so lebendig!" 

 

"Lebendig", so hallte es lange nach. In meinen Ohren hinein in meine Seele. Wieso hatte er "lebendig" gesagt, obwohl ich mich doch so leer fühle?

Ich kann nicht sagen, wohin die Reise in diesem Job geht. Aber ich weiß, dass ich nach wie vor vom Schreiben träume.

Ja, Träume. Denn es sind nur Gedanken, die nicht durch meine Hände hindurch ihren Weg auf Papier schaffen. So komme ich von der Arbeit nach Hause und gehe zum Training oder betäube mich zuhause mit Sinnlosigkeiten. Jeden Tag. Ohne zu fühlen. Ohne zu schreiben. Eines Tages aber, das weiß ich, werde ich meine Gedanken zu Papier bringen. Ich werde schreiben und mir mit meinen eigenen Händen und Worten etwas aufbauen, damit ich heraus komme aus dieser seltsamen Arbeitswelt und endlich hineingehe in ein selbst erschaffenes neues Leben. 

Gleichzeitig ist das meine größte Angst. Denn die Arbeit lenkt mich von mir selbst ab. Selbst in meinem Urlaub konnte ich nicht entspannen. Immerzu ist es unruhig und ruhelos, rastlos in mir. Ein Hin- und Herzappeln meiner Gedanken, meiner Seele, meines Inneren. Ohne den äußeren Zwang zur Arbeit fühle ich mich wie ein Astronaut, der im Weltall schwebt, in leerem Raum, unfähig sich aus eigener Kraft zu bewegen. Nichts treibt ihn voran, nichts bringt ihn zu Fall, er treibt bewegungslos umher, wohlwissend, dass er in diesem Zustand sterben wird, dass er nur auf den Tod wartet, und bis es dazu kommt, einfach nichts tun wird. Nur wartet.

Eigentlich will ich das nicht. 

Ich möchte etwas schaffen, etwas erschaffen, etwas hinterlassen, meinem Leben einen Sinn geben.  

 

Eigentlich könnte ich das ja. Ich könnte in meiner freien Zeit schreiben und dem Universum den Rest überlassen. Denn dies hier ist nicht das Weltall und ich kein Astronaut. Die Materie um mich herum ist voller Kraft und bietet alle Möglichkeiten, mich aus eigener Kraft zu bewegen. Doch keine von all den mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutze ich. Und so bleibe ich unglücklich. In meinem selbst erschaffenen Weltall.

 

Das sind so meine Gedanken, wenn ich alleine bin. Aber mein Kollege hatte schon recht: Wenn ich unter Menschen bin, seien es Kollegen, in meiner Mannschaft, Freunden oder meinem geliebten Freund, dann bin ich wirklich lebendig und sprudele vor Energie. Nur wenn ich alleine mit mir selbst bin, kriege ich nichts auf die Reihe. 

 

Mit mir alleine zu sein... Da ist immer noch so viel Minderwertigkeitsgefühl, Angst, vielleicht sogar Selbsthass. Vielleicht sogar ganz sicher. Wer bin ich? Hinter all dem? 

Mein Freund sagte vor kurzem zu mir etwas, woraufhin ich - seinen Worten zufolge - aussah, als wäre ich unendlich zerbrechlich. "Du bist einfach ein so sanftes Wesen", sagte er zu mir. Diese Worte hörte ich nicht zum ersten Mal.

 

Ich wünschte, ich könnte euch etwas Positiveres berichten. Dass ich jetzt jeden Tag glücklich bin, aufgehört habe zu rauchen und jeden Tag an meinen Träumen bastele. Aber so ist es leider nicht. Nach wie vor kreise ich um mich selbst und meine Schmerzen und in Kreisen zu gehen, hat noch niemanden auch nur einen Schritt vorangebracht.

Eine positive Sache vielleicht: Ich bin die Kilos der Arbeitslosigkeit wieder losgeworden und habe in den letzten Wochen viel Fitnesstraining gemacht. Mein Körper ist wieder fest geworden und ich fühle mich wohler.

 

 

Das war für mich gerade sehr interessant zu lesen, weil es mir zum Teil ähnlich geht. Die Arbeit lenkt mich ab vor dem Schmerz und der Angst in mir. Und wenn ich mit mir alleine bin dann passiert es mir auch öfters, dass ich nichts auf die Reihe kriege. An manchen Samstagen und Sonntagen war ich jeweils ganze 5h wach - die restlichen 19h des Tages habe ich geschlafen. Beim Schlafen fühle ich mich wohl, da ist kein Schmerz, keine Angst. Mir macht die Arbeit Spaß oder zumindest könnte es schlimmer sein. Aber ich spüre auch: ich stehe nicht voll dahinter, ich sehe nicht meine Bestimmung darin. Aber welche Art von Tätigkeit/Arbeit würde ich am sinnvollsten finden? Was würde ich eigentlich stattdessen am liebsten machen? Darauf habe ich keine Antworten. Ich versuche allerdings gerade Ideen auszumalen, was ich machen könnte. Dennoch fühl ich mich orientierungslos... was ist meine Begabung, was sind meine Interessen, was bringt genug zum Überleben, wofür bin ich überhaupt geeignet? Ich kann mich mit unserer verschwenderischen, umweltbelastenden Wirtschaftsform nicht identifizieren... Und so vertiefe ich mich in die Arbeit. Ich vertiefe mich - denn so habe ich das Gefühl, dass ich "lebe" -  dass ich in Kontakt mit meiner Lebendigkeit stehe, mein Leben spüre. Es gibt mir Tiefe im Leben, mich der Arbeit wirklich zu widmen und es nicht nur als lästige Beschäftigung zu betrachten. Und ich jetzt wo ich meinen Text durchlese fallen mir durchaus Widersprüche auf.

Ich hab das jetzt einfach mal frei aus geschrieben, weil es für mich schön ist deine Offenheit zu erfahren - und zu sehen, dass man nicht der Einzige ist, dem gewisse Dinge schwer fallen bzw. einem ähnliche Dinge beschäftigen. Und im Gegenzug Offenheit von meiner Seite aus entgegebenbringen.

In diesem Sinne wünsche ich uns gutes Gelingen, auf unserem Weg :-)

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Bernstyler, sehr schön beschrieben. Ich finde mich wieder, in deinen Worten.

 

Ich schreibe im Moment sehr wenig hier, weil ich allgemein in meinem Leben gerade sehr wenig tue. Ich bin sehr ruhig geworden. Einhergehend mit meiner schweren Achillessehnenverletzung, welche mich körperlich ausgebremst hat, ist auch meine Seele still und bewegungslos geworden. Ich komme abends nach Hause und setze mich auf meine Couch, starre auf meinen Laptop und versinke ins Nichts. Zuvor habe ich so viel Sport gemacht und wenngleich es meinen Sehnen wieder ganz gut geht, bin ich selbst immer noch ruhig. 

Da sind so viele Worte in meiner Seele, doch sie finden im Moment keinen Weg hinaus. Weder durch meinen Körper beim Sport noch durch das Schreiben vermag ich mich im Moment auszudrücken. Lieber ziehe ich es vor, nach der Arbeit zuhause im Nichts zu versinken. Weder in meine Gedanken noch ins Tun. Einfach ins Nichts.  

 

Tagein, tagaus frage ich mich, weshalb ist mir das Herz so schwer? Ich tue all dieses Nichts und fühle mich leer. 

Weihnachten war eine schöne Abwechslung, ich hatte alles lichtvoll und glitzernd dekoriert, hatte jeden Tag Menschen um mich, die ich liebe, sie bekocht und umsorgt. Urlaub von mir selbst. Von meiner eigenen inneren Leere.

 

Ich will wieder beginnen, Bewegung in mein Leben zu bringen. Sehne mich danach, wieder laufen zu gehen. Die Kälte in mir zu überwinden und mich aus eigener Kraft wieder warm zu machen.

Doch dieses Mal will ich nicht, wie vor drei Jahren in meiner ersten Hamburg-Zeit, vor mir selbst und meinen Schmerzen davonlaufen, mich selbst bis zur völligen körperlichen Erschöpfung durchpeitschen, sondern ich will es bewusst und mit Liebe tun. Mir im Anschluss ruhige Zeit mit mir selbst schenken. Mich dehnen, warm duschen und dann im Schneidersitz sitzend einen Tee trinken. In der Stille, während ich in mich selbst hineinsehe, ohne Angst zu haben, in meiner eigenen Leere zu versinken.

 

Ich will mich lebendig fühlen. Und Dinge mit Liebe tun. Ich sehne mich so sehr danach. Mir selbst endlich nah zu sein.  

 

So oft habe ich gelesen, dass wir alle verbunden sind, alles mit allem, alles um uns mit uns. Dass alles durch und mit uns fließt, nichts fest und starr ist. Doch ich selbst habe mich fest und starr gemacht, mich getrennt von allem und jedem. Eingekapselt und eingepfercht in meine selbst erschaffene eisern kalte Hülle. Ich habe so große Sehnsucht nach dieser dumpf im Inneren gefühlten Verbundenheit.

 

Mach mich frei, mein Herz

Von meiner selbst gewählten Düsterheit

Bring mich zurück, mein Herz

Wohin ich mich endlos sehne

Lösch meine Gedanken aus, mein Herz

welche mich Allein sein lassen

Bring mich zurück, mein Herz

In dir will ich zuhause sein.

 

Mein Gebet für diese Nacht. Damit es mich in eine neue Zeit begleitet. Da wächst etwas in mir, ich spüre es deutlich. Mit dem neuen Jahr hat eine neue Lebensphase begonnen. Es wird ein gutes Jahr. 

Das wünsche ich euch allen. Dass es für uns alle ein gutes Jahr wird. Auf unserem Weg, wie du so wundervoll verbindend schriebst, Bernstyler. 

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Ich finde du bist geradezu prädestiniert für künstlerische, kulturelle kreative Hobbies, es wundert mich ehrlich gesagt, dass du eher viel Sport machst. Das wurde dir hier auch immer wieder mehr oder weniger gesagt. Du bist sehr expressiv und sehr emotional, das kann man alles trotz Archillessehne machen 😎.  Es gibt Improtheater, Clubs von Dichtern und Autoren die sich zum Austausch treffen usw usw. Besser als nur in der Bude zu hocken.

Ansonsten schön mal wieder was von dir zu lesen.

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vor 2 Stunden schrieb Stone Cold:

Ich finde du bist geradezu prädestiniert für künstlerische, kulturelle kreative Hobbies, es wundert mich ehrlich gesagt, dass du eher viel Sport machst. Das wurde dir hier auch immer wieder mehr oder weniger gesagt. Du bist sehr expressiv und sehr emotional, das kann man alles trotz Archillessehne machen

Das sehe ich genauso.

Vielleicht kann ich Candy Girl da gut verstehen. Wenn man so emotional ist, dann ist das Chaos. Man ist verträumt, versinkt in Gedanken. Viele Menschen um einen herum leben anders. Nach festen Regeln, Tagesabläufen, Ordnungen. Als ob sie sich nicht darum kümmern würden, um ihre Gefühlswelt. Wie Roboter scheinen sie einem manchmal. Ich hab mich häufig gefragt, wenn ich mal wieder in Gedanken und Melancholie versunken bin, wie es die anderen nur schaffen einfach weiter zu machen. Morgens aufzustehen, ihren Pflichten nachzukommen. Ich habe mich gefragt warum es ihnen so einfach fällt, und mir so schwer. Man fängt an sich nach Beständigkeit zu sehen, weil man sonst in einem Loch versinkt oder in schwindelerregende Höhen fliegt. Die Höhen waren bei mir immer die Schaffensphasen. In den Tiefen hab ich mich von anderen isoliert, wollte leiden. Es hat sich für mich so angefühlt, als gäbe es einen Kampf in mir, tagein - tagaus. Ich habs immer formuliert als Traum gegen Realität. Der eine Teil sehnt sich nach Freiheit, Kreation, Unabhängigkeit, Disziplinlosigkeit. Der andere möchte Sicherheit, Verantwortung übernehmen, Ordnung. Das war auch der Grund, warum ich unzuverlässig war, nichts zu Ende bringen konnte. Das hat ein paar Jahre gedauert bis ich das in Einklang bringen konnte.

Mir hat ein beruflicher Alltag geholfen und keine Prinzipien mehr zu beugen. Ich habe beschlossen dass ich, wenn ich mich für etwas entscheide, es durchziehe. Unabhängig von meiner temporären Gefühlswelt. Wobei es mir immer noch schwer fällt, kreative, langfristige Projekte zu Ende zu bringen, zu denen ich nicht extern "gezwungen" werde. Ich werde aber immer besser darin mir Sachen vorzunehmen und die dann auch zu Ende zu bringen. Gleichzeitig ziehe ich nicht mehr mit mir so hart ins Gericht, wenn ich es nicht tue.

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Ruhig und still war mein Winter, glücklich und lebendig die ersten Frühlingswochen. Lange habe ich mir dieses Mal Zeit gelassen, eine Geschichte zu finden, die ich euch erzählen kann, wenngleich das Leben voller Geschichten ist. 

Gefunden habe ich sie Ostermontag Nacht an einer Bushaltestelle, als ich in den dunklen Nachthimmel schaute, eine typisch sternenlose Nacht in Hamburg, wolkenverhangen. An jener Bushaltestelle fragte ich mich, weshalb ich nicht viel öfter in den Himmel schaue, sondern immerzu auf den Boden, gedankenversunken, trostlos und trübe.  

 

Da erinnerte ich jenen Tag am Strand vor etwa drei Wochen, als ich mit meinem Freund in Südostasien war. Wir liefen durch die Bäume hindurch, über den Sand, geradewegs zum Meer, welches dem Himmel so nah war, dass die Wolken im Horizont zu versinken schienen. Ich streckte meine Hand aus, so als könnte ich sie berühren, machte mich innerlich für dieses flauschig-weiche Gefühl auf meinen Fingerkuppen bereit. Ich griff ins Leere. 

"Ich kann mir gut vorstellen, weshalb die Menschen früher glaubten, dass die Erde eine Scheibe sei", sagte ich zu ihm. Er antwortete mir: "Und doch haben sie es getan. Sind mit Schiffen dem vermeintlichen Abgrund entgegen gesegelt. Sie haben an etwas geglaubt und es einfach getan. Auch wenn sie vielleicht Angst hatten. Oder einen Rest Zweifel spürten." 

In mir löste sich ein Schmerz auf. Denn mir wurde bewusst, dass ich bei allem, was ich tat, Angst hatte und zweifelte. Doch selbst mit Angst und Zweifeln kann man seine Pläne in die Tat umsetzen.  

 

An jenem Ostermontag hatte ich eine meiner Kiffer-Freundinnen besucht. Sie war eine Zeit lang clean, hat aber vor 8 Monaten ihren Job verloren und seither sehe ich sie selten nüchtern. Als ich aus dem Bus ausstieg und in ihre Straße bog, musste ich lächeln. Silvester vor einem Jahr stand ich genau an jener Hauswand, bekifft und mit meiner Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Die herumfliegenden Böller und Raketen waren mir zu laut, zu grell, zu aggressiv. "Ist alles in Ordnung?" Fragte mein Freund, den ich an jenem Abend erst kennengelernt hatte. Ich bejahte, doch er wich nicht mehr von meiner Seite, stellte sich vor mich und beschützte mich. 

Er war erst gegen 23 Uhr zu meiner Freundin gekommen. Ich saß am Tisch, mit dem Rücken zur Tür und drehte meinen Kopf über meine Schulter, als er laut polternd in die Wohnung gestürmt kam. Als er mich sah, wurde er einen Augenblick ganz still und seine Stimme war auf einmal ruhiger. Er setzte sich zu mir und begann ein Gespräch, doch ich war nicht mehr imstande, mich mit ihm zu unterhalten, denn das Gras hatte für Zeitsprünge und Erinnerungslücken gesorgt. Meine Stummheit schien ihn nicht zu irritieren, denn er selbst wirkte irritiert und bemüht, die richtigen Worte zu finden. Da war etwas in diesem Raum. Ganz plötzlich. Dieser Riese, der so laut und ungestüm mit seiner Schreckschusspistole herumfuchtelnd in die Wohnung gepoltert war, saß nun vor mir, vor meiner zerbrechlichen, zarten Seele und es war so, als hätten sich Kraft und Sanftheit mit einem Mal vereint. 

Nach dem Böllern liefen wir auf den Kiez und er wich nicht von meiner Seite. Als ich in der roten Laterne tanzte und er an der Bar saß, beobachtete ich ihn, wie er mich beobachtete, wie ich mich umringt von Männern zur Musik wiegte.

Obwohl der Club eng und dunkel war und sich jeder irgendwie berührte oder sich dumpf berührt fühlte, benebelt durch Gras und Alkohol, wurden mein Verstand, mein Herz und mein Körper plötzlich völlig klar, als ich mich auf seinen Oberschenkeln abstützte, ganz nah mit meiner Brust an seine reichte und ihm etwas ins Ohr flüsterte. 

 

Ich bestellte mir einen Kirschsaft und ließ ihn nicht merken, wie ich ihn weiter beobachtete, wie er mich beobachtete, wie ich mich mit einem anderen Mann unterhielt.

 

Ich hätte mit ihm nach Hause gehen können, denn zufällig wohnen wir im gleichen Stadtteil und hatten den gleichen Weg. Ich wusste, dass, wenn ich die gleiche Bahn nehmen würde, wir in seinem Bett landen würden. Ich wusste aber auch, dass ich mich am nächsten Morgen davongeschlichen hätte und den Rest des Tages vor Einsamkeit vergehend im Bett getindert hätte. 

 "Du schläfst bei uns, komm!" Holte mich meine Freundin aus der Zukunft zurück. Ich verabschiedete ihn und schlief auf einer ausklappbaren Matratze auf dem Boden, nachdem wir nochmal einen Joint geraucht hatten. Am nächsten Morgen wachten wir auf und gingen ohne uns zu verabschieden, denn die Gastgeberin hatte sich in der Nacht noch übergeben und wir wollten sie schlafen lassen. 

Nachmittags saß ich auf meiner Couch und folgte dem ersten Impuls, den ich hatte. Ich bat eine aus der Kiffer-Clique um seine Nummer. "Hab Spaß, Schatz", schrieb sie, denn sie alle hatten bereits lange zuvor gesagt, dass wir sofort aufeinander stehen würden, wenn wir uns zum ersten Mal sehen. Doch niemand hätte ahnen können, dass wir einander lieben würden. Dass wir uns seither jeden einzelnen Tag noch mehr ineinander und in die Liebe verlieben, die Welt jeden Tag für uns heller wird, wir gegenseitig unsere Schmerzen von uns nehmen. 

 

So haben wir uns kennengelernt. Und alles begann an jener Hauswand. Dort wusste ich, dass er mich von da an beschützen würde. Dass ich vor ihm meine zerbrechliche und sanfte Seele zeigen durfte.     

 

Am Ostermontag kiffte ich zum ersten Mal wieder seit langer, langer Zeit. Wir schauten Filme und es war eigentlich wie immer. Nur, dass ich auch gut ohne Gras den Nachmittag hätte verbringen können. 

 

Das Gras holte später an der Bushaltestelle so viele Geschichten aus mir hervor, die ich erlebt oder gesehen hatte, oder welche, die ich einfach nur aus einem Impuls heraus ersann. 

 

Aber Yoga holt dasselbe aus mir hervor. Gestern lag ich auf meiner Matte im Studio. Normalerweise laufen bei der Meditation unbemerkt und still Tränen über meine Schläfen. Doch nicht gestern. Gestern war ich ein Tropfen, der aus dem Himmel ins Meer stürzt, mit einer gewaltigen Kraft auf die Wasseroberfläche schlägt, aufgefangen wird und eintaucht, ruhig und still, unbemerkt von der Welt einsinkt und sich schließlich in allem auflöst. In dem großen Ganzen. Verbunden mit allem. 

 

Ich habe euch jetzt Geschichten erzählt, weil ich das Bedürfnis hatte, etwas fließen zu lassen, was lange unter Verschluss war. 

Doch wie ist meine Situation im Moment? 

Ich bin glücklich. Ja, ich bin glücklich. 

 

Ich habe meine Baustellen, nach wie vor, aber ich habe beschlossen, alles, was jetzt ist, zu akzeptieren, den Widerstand aufzugeben. Ja, ich rauche immer noch. Ja, ich habe die letzten Monate einfach nichts getan, was mich im Außen voranbringen würde. Aber das ist alles in Ordnung. Das Rauchen gebe ich auf, wenn der Zeitpunkt gekommen ist. Das Buch schreibe ich fertig, wenn es sein soll. Vielleicht soll es nie sein. Ich muss nichts Großes leisten, um in dieser Welt jemand zu sein. Ich bin ein wundervoller, herzenswarmer Mensch, ich bin imstande, in meiner Umgebung so viel Liebe zu erschaffen, dass sich jeder angenommen und geliebt fühlt. Und das ist alles, was ich will. Liebe und Frieden.

 

Noch eine letzte Geschichte für heute Nacht, bevor ich ins Bett gehe. Vor über einem Jahr hatte ich mich bei der Bundeswehr für die Offizierslaufbahn beworben, denn ich habe mich wirklich überall und für alles beworben. Niemals hätte ich mit einer positiven Antwort gerechnet. Das Absageschreiben hat mich nicht überrascht und eigentlich war ich erleichtert, denn ich wusste, dass Offiziere ständig ihren Wohnsitz wechseln müssen und ich doch endlich ankommen wollte.

Im Urlaub dann bekam ich eine Einladung. In ein paar Wochen fahre ich hin. Ich weiß nicht, weshalb ich es tue. Vielleicht bin ich neugierig. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass nichts ohne Grund geschieht.

 

Vielleicht erzähle ich bald mehr vom Urlaub. Und von der Liebe. In die ich mich jeden Tag mehr verliebe. Die jeden Tag in meinem Herzen aufgeht wie eine Knospe voller Morgentau. Und mich erfüllt. Ich strahle. Ich bin wieder erblüht. Ich liebe. Ich liebe mich selbst. 

 

Auf dass ihr ebenfalls diese Gefühle erlebt und jeden Tag davon erfüllt seid. Das wünsche ich euch. Danke, dass ihr bei mir seid. 

 

 

   

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Du solltest wirklich was mit Schreiben machen. Scheinst ein sehr kreativer und literarisch begabter Mensch zu sein. Trau dich. 

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Am 22.4.2017 um 20:28 , Viribus schrieb:

Du solltest wirklich was mit Schreiben machen. Scheinst ein sehr kreativer und literarisch begabter Mensch zu sein. Trau dich. 

"Trau dich" Ja, das sollte ich. Ich bekomme hier so viel positives Feedback - meinen Schreibstil betreffend, und ja, auch in meinem Herzen ist dieser Wunsch da, zu schreiben, Lesungen zu halten, etwas von der Liebe, die ich im Inneren fühle, in die Welt zu geben, an meinen Schmerzen aber auch Freuden teilhaben zu lassen. 

Wenn ich nicht so große Angst hätte. 

In der Schule war Deutsch immer mein Lieblingsfach. Ich liebte Gedichte, Kurzgeschichten, Dramen und Romane und las mich durch alle literarischen Epochen hindurch. In den Geschichten fand ich Frieden.

Im Unterricht nicht. Gedichte, Geschichten und Romane mussten untersucht werden wie auf einem Seziertisch, zerfleddert und zerlegt bis auf ihr Skelett, um sie zeitgeschichtlich einzuordnen und ihnen im Anschluss mit obskuren, kruden Thesen Fleisch, Sehnen und Organe wieder hineinzustopfen. 

 

Mir war das fremd. Denn schon früh spürte ich, dass ich immer nur mich selbst las, dass ich immer fand, wer ich selbst in jenem Augenblick war. In den Texten fand ich meine Schmerzen, meine Sehnsüchte und meine Träume. Während die Anderen sich unter der Aufsicht der Lehrer noch die Zähne am Versmaß ausbissen, so hatte der Klang des Jambus, Anapäst, Trochäus und Daktylus meine Seele längst aus dem Raum durchs Fenster hindurch hinein in die Lüfte und über alle Berge hinfort mitgenommen, wo ich mich wog in den Wellen der Ewigkeit.

Wenn ich mich einbrachte, verstand man meine Worte nicht. Und ich verstand auch ihre nicht.

Bei Klassenarbeiten konnte ich die Vorgaben nicht erreichen und meine Zensuren waren schlecht. Man sagte mir, ich könne nicht schreiben.

 

Dass ich nicht schreiben könne, hielt sich in mir fest. Und irgendwann schrieb ich nur noch für mich selbst. Bei Prüfungen schrieb ich, was ich dachte, dass verlangt wurde, mein Herzblut floss jedoch in meine Tagebücher und Gedichthefte hinein, wenn ich im Internat auf dem Fensterbrett meines Zimmers saß.    

 

Dort hinein schrie und weinte ich alles, was ich niemandem sagen konnte, was niemand hören durfte, was ich nicht fühlen konnte, da ich es selbst vor mir verbarg. 

Diese Art des kreativen Umgangs mit negativen Gefühlen, das Verwandeln in Worte und Bilder, behielt ich bei. Mein Leben lang. Auch wenn es Monate oder gar Jahre gab, in denen ich nicht schrieb, so gab es immer wieder Nächte, in denen ich nicht schlafen konnte, umnachtet von jenem seltsamen dumpf-tauben Gefühl in mir, welches mich antrieb, die Worte aus mir herausfließen zu lassen, ohne dass ich deren Sinn verstanden hätte. 

 

Erst als ich vor zwei Jahren mit meinem Buchprojekt begann und die Texte als Mosaiksteinchen in die ganze Geschichte einbaute, verstand ich deren Sinn, sah die Tränen zwischen den Zeilen, den Schmerz, der sich dahinter verbarg. Die Buchstaben waren damals meine Tränen und sind es bis heute geblieben. 

 

"Wie wunderschön man Schmerz ausdrücken kann, nicht wahr? Das ist sicher eines der Geheimnisse von Schmerz, dass er uns zu Künstlern macht." Das schrieb mir vor vielen Jahren meine Therapeutin, nachdem ich das Gedicht "Trennung bestehen" von Sabine Naegeli mit ihr geteilt hatte, welches mich über den Verlust meiner großen Liebe hinwegtrösten sollte. 
 

Das ist wohl auch mein Geheimnis. Und der Grund, weshalb viele hier meine Texte mögen. Weil es mein Herzblut ist, mein Schmerz, welcher mich innerlich zerbersten lassen würde, wenn ich ihn nicht zuvor in Worte verwandelte. Da ist ein unendlich tiefer Krater in mir, angefüllt mit Erinnerungen, abertausend Bildern. 

 

Manchmal frage ich mich, was aus mir geworden wäre, wenn ich eine normale Kindheit gehabt hätte. Aber dann komme ich immer zu dem Schluss, dass es mir bestimmt war, denn ich bin nicht normal. Ich bin nicht wie andere Menschen. Ich habe eine Gabe, oder einen Fluch, je nachdem. Ich kann fühlen, was andere Menschen fühlen. Ein Blick in ihre Augen und ich erkenne sie. Erkenne, was sie erlebt haben, was sie davongetragen haben, sehe ihre Potentiale sowie ihre selbst auferlegten Hindernisse.  

Aus diesem Grund musste ich den tiefsten Schmerz erfahren, um die Tiefe für die Schmerzen Anderer zu erlangen.

Wenn ich mich konzentriere und mir den Zustand der Welt bewusst mache, fühle ich das Leid, als wäre es mein eigenes. 

Gewaltfilme schaue ich mir grundsätzlich nicht an, weil mir der Horror bis unter die Haut geht und ich nächtelang davon träume.

 

Es ist schon spät und ich bin müde... Vielleicht ist das heute alles recht wirr. 

 

Für heute will ich nur noch sagen, dass ich wieder langsam und zögerlich an dem Buch arbeite... um des Schreiben willens... weil es mir Frieden gibt.  

 

Ich sehe das Licht. In allem und jedem. 

bearbeitet von Candygirl
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Jeder hat und findet seinen eigenen Weg in und durch die Wogen des Lebens.

So mögen Deine geschriebenen Worte die sein, die ein Anderer einem stillen Zuhörer erzählt hätte, während Du Sie einfach mit dem Klang der Bögen aus Tinte dem lauschenden Papier erzähltest ... 

Was könnte daran falsch sein (?) - nichts - denn es ist Dein Weg.

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Gerade wenn du seit Kindheit mit negativer Rückmeldung belastet wurdest, ist eine solche Angst vor dem Schreiben sehr verständlich. Die meisten Ängste jedoch sind nicht begründet (im Sinne einer rational fundierten, logischen Begründung). Eine Angst zu überwinden ist eines der befreiendsten Dingen. So viele Menschen verpassen Gelegenheiten, leben ein unglückliches Leben oder "verleben" ihr gewöhnliches Leben, weil sie aus Angst Dinge nicht tun.

Super, dass du nun anfängst ein Buch zu schreiben.

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„Sei nicht traurig, Baby,“ sagte er.

„Ich bin nicht traurig,“ sagte sie und fügte hastig hinzu „mein Tag war heute zu schön, als dass ich traurig sein könnte“ und meinte eigentlich „mein Tag war heute zu schön, als dass du mich traurig machen könntest.“

Und dennoch gaben sich für den Rest des Abends Schluchzen und traurige Gedanken abwechselnd die Hand, kletterten die Wände hoch, zogen ihre Bahnen durch den Raum, durchwoben von sehnsuchtsvollen Klängen.  

Manchmal muss man gehen lassen. Menschen müssen ihren eigenen Weg gehen, auch wenn man schon längst in den eigenen Illusionen die Tänze der Zukunft getanzt hat.

Die Figur des Bräutigams auf der Hochzeitstorte ist geformt aus Fondant, darin befinden sich keine eigenen Gedanken, Wünsche und Hoffnungen. Und somit ist diese Figur nur das Abbild einer Illusion.

Illusionen zerbersten, so wie ein Schiff an einer Felsklippe zerschellt.

All die Stimmen in meinem Kopf, die deuten und interpretieren und abwechselnd für Hoffnung und Schluchzen sorgen. All die Stimmen.

Bis auf die eine, die sich langsam und still in meinen Tiefen regt. „All das ist nicht wichtig, was dir all die anderen Stimmen im Innen und Außen sagen. Es gibt nur eine einzige Frage, die du dir stellen musst: „Macht es dich glücklich?“

 

Das Kind in dir, das unentwegt in endlosem Entsetzen fragt: „Warum liebst du mich nicht?“

Sei gewiss, es wird unendlich geliebt, zu jeder Zeit, bis in die endlose Ewigkeit hinein und weit darüber hinaus, durch alle Zeiten und Orte hindurch, bis ans Ende allen Seins.
Der Schmerz sowie auch der Trost liegen in deinem Herzen. Du musst nur mutig sein.

 

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Ich sehe diesen Thread zum ersten mal. 

Ich habe die ersten 2-3 Statements gelesen und dann bemerkt, dass es schon 2 Jahre her ist, nachdem du IHN wieder treffen wolltest.

Mich würde aber sehr interessieren, wie das alles weiterging und du dich entwickelt hast? Lohnt es sich alles zu lesen oder kannst eine aktualisierte Kurzform posten?


Grüße

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vor 23 Minuten, Lokdog schrieb:

Lohnt es sich alles zu lesen oder kannst eine aktualisierte Kurzform posten?

 

Lies alles. Lohnt sich.

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Es gibt keine aktualisierte Kurzform, da muss ich dich enttäuschen. Denn mein Sein gleicht dem Meer, Tag und Nacht sehnen sich meine Wellen dem Strand entgegegen, schäumen hingebungsvoll, ziehen sich zurück, abermals und erneut, und doch berührt kein einziges Wassermolekül den Strand mehr als ein einziges Mal.

 

Bitte entschuldigt, dass ich schon wieder in Rätseln spreche. Aber vielleicht werdet ihr herauslesen, was ich im Moment nicht imstande bin, direkt auszudrücken.

 

Gebt mir Zeit. Dann gibt es ein richtiges Update. Es sind ganz tolle  Sachen passiert in der letzten Zeit, aber auch Aufwühlendes.

Sobald sich dieses Seil gelöst hat, welches im Moment meine Taille zusammenschnürt und mich ohnmächtig gegen die Wand drückt, werde ich euch berichten.

Gebt mir Zeit.

 

 

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Ihr Lieben,

 

es gibt mich noch.

Mit meinem Freund bin ich noch zusammen, aber es hat sich verändert. Er investiert kaum in die Beziehung und gemeinsame Unternehmungen in diesem Sommer kann ich an einer Hand abzählen. Er hat zwischenzeitlich seinen Job verloren und wieder mit dem Kiffen angefangen. Mittlerweile arbeitet er zwar wieder, aber das mit dem Kiffen hat er beibehalten.

Jeden meiner Versuche mit ihm über unsere Beziehung zu sprechen, blockt er ab. Zuweilen ist er davon genervt. Mitte Juli hätten wir uns beinahe getrennt und seitdem rauche ich auch wieder, nachdem ich im April erfolgreich aufgehört hatte. Die Trennung konnten wir nicht durchziehen, stattdessen verbrachten wir den folgenden Tag eng umschlungen, so als wollten wir uns nie wieder lolassen.

Er sagt, er liebt mich.

Mehr kann ich dazu im Moment nicht schreiben, weil ich selbst hin und hergerissen bin, ob ich meine Gefühle des nicht-geliebt-werdens auf ihn projiziere, oder ich ihm tatsächlich nichts bedeute.

 

Das ist ohnehin nicht der Grund, weshalb ich heute diesen Thread wieder aufsuche.

 

Ich schreibe wieder an dem Buch.

 

Letztes Wochenende war ich mit meiner Schwester unterwegs. Zuerst fuhren wir mit der Fähre, danach gingen wir auf die Elbphilharmonie und schließlich in ein Café. Dort erzählte ich ihr, wie genervt ich von meinem Job bin. "Das gibt`s doch nicht, wie negativ du bist." Sagte sie und riss mich damit aus meinem alltäglichen Jammern. "Wenn du so unglücklich bist, dann such dir doch etwas anderes." "Nein," antwortete ich, "darum geht es nicht. Ein anderer Bürojob würde mich genauso frustrieren. Ich bin das einfach nicht. Nichts von alledem. Ich bin eine Künstlerin." Und da erzählte ich ihr vom Schreiben.

"Du strahlst, wenn du davon sprichst."

 

 

Seit ein paar Tagen arbeite ich wieder an dem Buch und überarbeite es stilistisch. Ich kürze viel und schreibe einige Stellen um, damit man nichts wiedererkennt.

Ich werde es veröffentlichen. Vielleicht im Frühling 2018.

 

Ich habe auch bereits eine Idee für das Cover. Ich habe eine wunderschöne Zeichnung vom Profil einer Frau entdeckt. In genau diesem Stil möchte ich das Cover haben. Ich muss nur einen Künstler finden, der das umsetzt.

 

Es kommt mir vor, als sei das mein Lebenswerk. Seit Jahren arbeite ich nun schon daran. Einen Lektor kann ich mir nicht leisten, aber dadurch, dass ich die Kapitel immer wieder monatelang liegen lasse und anschließend überarbeite, habe ich die Fehler auf ein Minimum reduziert.

Ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden, wie ich mit der Arbeit vorankomme.

 

Da entsteht etwas, da wächst etwas. Ich erschaffe etwas mit meinen eigenen Händen. Und das fühlt sich wunderbar an.

 

  Fühlt euch umarmt und ich freue mich, wenn ihr mich weiter auf meinem Weg begleitet.  

 

 

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Gast El Rapero
vor 1 Stunde, Candygirl schrieb:

 

 Ich bin eine Künstlerin." Und da erzählte ich ihr vom Schreiben.

 

 

 

Ich muss nur einen Künstler finden, der das umsetzt.

 

 

 

 

Finde den Fehler.

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Du weißt ja jetzt deine Richtung: Künstlerin. Vlt kannste anfangen alle Weichen für diese Richtung zu stellen. Gibt n Bürojob in der Branche? Gibt es Künstlersocialcircle ? Oder du konzentrierst dich auf dein Projekt und es zu verkaufen. 

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Vielleicht versuche ich in der Tat, das Bild selbst zu malen. 

 

Ja, Stone Cold, ich stelle bereits die Weichen in diese Richtung. 

Ich mache im Moment eine Ausbildung zur Yoga-Lehrerin, denn irgendwann will ich von dem Leben können, was ich liebe. Und das ist Sport und Schreiben.

Ich habe eigentlich gar nichts zu erzählen im Moment, denn all meine Worte fließen in das Buch.

 

Dennoch suche ich das Forum immer wieder auf, es ist für mich zu einem kleinen, virtuellen Zuhause geworden.

Danke, dass ihr mir ein Zuhause seid.

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vor 13 Minuten, Candygirl schrieb:

Und das ist Sport und Schreiben.

Und das traue ich Dir auch zu. 

Im Ernst: Ich bin der Arschlochauftraggeber für jeden Texter. Es gibt nur 3 Texter in DE, mit denen ich zusammen arbeite. Davon ist einer gut, aber inzwischen extrem teuer und wird von Konzernen gebucht. Die restlichen können zumindest einigermaßen Schreiben, auch wenn ich die Mühe und das Feingefühl für Worte vermisse. Brauche ich einen neuen Texter im Pool, schreibe ich das Ding aus und vergebe so den selben Miniauftrag 30-50x an unterschiedliche Leute. Es ist selten, dass da einer hängen bleibt. 

Aber Du, Mädel. Du kannst schreiben. Mach das zu Deinem Beruf und finde raus, wie Du damit Geld verdienen kannst. Da ist dann noch ein wenig Lernkurve dahinter und das geht nicht nur mit Büchern. Schau mal, ob Du vllt. für den Joga Bereich schreiben kannst und da Kunden findest.

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Aus meiner beruflichen Erfahrung würde ich dringend abraten, vom Verfassen von Texten leben zu wollen, die Zeiten sind vorbei. Aktuelles Beispiel aus dem Buch-Bereich: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/themen/die-umsaetze-der-buchbranche-brechen-ein-15208155.html

Im Journalismus sieht ebenso finster aus, und von Blogs etc. kann sowieso keiner leben. Was (aber sehr, sehr mühsam) funktionieren kann, sind PR-Texte, Industrie-Texte (Kataloge, Websites für Firmen, Produktbeschreibungen), solche Sachen - aber für die meisten künstlerisch interessierten Texter ist das keine Verlockung. 

Yoga-Lehrer ist jedenfalls zukunftssicherer. Oder einen 9-to-5-Büro-Job, und das Schreiben so organisieren, dass man davon nicht leben muss. Standbein - Spielbein. 

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