Twists Tagebuch
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Licht am Ende des Tunnels / Die Pick-Up-WG

Die Tage darauf waren die absolute Hölle. Meine Klausuren standen an und ich konnte nicht mehr unter Leute. Die Tristesse der Uni verdrängte den Trubel der Nacht. Man nahm mir meine Medizin, die ich momentan so dringend brauchte.

Ich saß von nun an den lieben langen Tag Zuhause und büffelte vor mich hin. Zwischendurch versank ich in Gedanken  und dachte über die Ereignisse der letzten Monate nach – über das Drama und die Trennung von meiner Ex-Freundin. Dann wurde es mir zu viel. Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren – es war noch so viel Stoff und die Zeit rannte mir davon. Ich ließ mich für die letzte Klausur krankschreiben und entging somit haarscharf einem Fiasko. Ich fühlte mich ausgelaugt und erschöpft. Mit letzten Kräften rettete ich mich in die Semesterferien.

Unruhig kaute ich an meinen Fingernägeln. Es war 13:23. Sie Sonne kämpfte sich durch meinen Rollladen, der durch den Wind zum Zittern gebracht wurde. Die Stille in meinem Zimmer trotze der Unruhe, die in mir herrschte. Ich fühlte mich hier falsch und wollte weg. Weg von dem Leistungsdruck der Uni. Weg von meiner Ex. Weg vom Schmerz.

Ich wählte die Nummer meines Vaters. Dreimal klingelte es. Dann nahm er ab. „Was ist los, Twist?“, fragte er mich. Seine Stimme Schnitt in mein Fleisch, wie ein scharfes Messer. Ich erklärte ihm kurz und knapp, wie schlecht es mir ging. Ich fühlte mich nackt. Was war bloß los mit mir.

48 h später saß ich ihm Flieger. 800 KM trennten mich von meiner Heimat.  Als ich aus dem Flieger stieg, fiel mir auf, dass es hier wärmer war. Die Luft war nicht so schwer, aber auch nicht so rein – eines leichten Kratzes erfüllte meine Lungen, während ich den schweren Koffer hinter mit herzog.  

Ich sprach mit meinem Vater einige belanglose Sätze, während ich in meinem Handy tippte. Ein Gefühl des Aufbruchs erlöste mich aus  meiner lähmenden Apathie. Morgens sollte mein Geburtstag sein – ich hatte nichts geplant und genau das fühlte sich nach den letzten stressigen Wochen gut an.

Als ich aufwachte und mein Handy anschaltete, begrüßte mich eine kurze Nachrichte eines alten Wings, Andreas: „Klar, Dicker. Du kannst gern vorbeikommen. Wir machen einen drauf!“ Es war soweit – ich sah das Licht am Ende des Tunnels.

Einen Tag später befand ich mich im Zug. Meine Mutter hatte mir den Geburtstagskuchen in die Hand gedrückt, als ich mich von ihr verabschiedete. Wieder wollte ich nur weg. Ich sehnte mich nach dem Abenteuer, ich wollte unter Leute, ich wollte wieder etwas fühlen.

Am Bahnhof begrüßte mich Andreas. Ich lernte Andres in diesem Forum kennen. Wir kannten uns kaum, hatte uns lediglich einmal getroffen, um über dies und jedes zu reden und ein Bier zu genießen ­– heute feierte ich meinen 25. Geburtstag  ­– mit ihm – so konnte das Leben manchmal laufen.

Wir setzten uns erstmal in eine Bar und bestellten 2 große Bier. Andreas strahlte Lebenslust aus. Er war etwas kleiner als ich und hatte braune Haare. Seine Augen blitzten jedes Mal auf, wenn eine hübsche Frau an uns vorbeilief. Trotzdem hörte er jedem meiner Worte zu. Das beeindruckte mich.

Er war keiner der Menschen, die jemanden volltexten oder in ihrer eigenen Welt gefangen sind. Nein, er befand sich zwischen 2 Welten und genau das gefiel mir. Meine anfängliche Skepsis verflog, während wir das nächste Bier exten. „Was willst du, Twist?, fragte er mich mit einem schelmischen Grinsen, während er an seiner Zigarette zog und der süßen Bedienung hinterherschaute.

Ich verwarf meinen ersten Gedanken. Ich wusste, dass ein „keine Ahnung“ ihn langweilen würde – also versuchte ich seine Sprache zu sprechen: „Was wohl, so viele Fotzen ficken, wie geht.“ Andreas hustete. Zum ersten Mal hatte ich ihn überrascht. Zufrieden drückte er seine Camel-Zigarette aus, während er den Rauch auspustete und ein süffisantes „Ok.Ok.“ von sich gab.

Was mir besonders an Andreas gefiel, war seine Unbeschwertheit, die mit seiner Fickt-Euch-Alle-Attitüde eine Kombination ergab, die mit genau den Aufschwang gab, die ich brauchte. Im Nachhinein glaube ich, dass wir einander das gaben, was der jeweils andere brauchte. Ich war der nachdenkliche, umgängliche Typ, mit dem netten Lächeln, der Andeas nach dem fünften Tequila bremste und ihm ins Ohr flüsterte, dass morgen auch noch ein Tag sei. Er war der Teufel auf meiner Schulter, der mir zeigte, dass es sich lohnte das zu nehmen, was man wolle, egal welche Konsequenzen es nach sich zog

Als wir in der ersten Bar angekommen waren, begrüßte mich Andreas Mitbewohner. Er hieß Marko und streckte mir fröhlich seine Hand entgegen. Marko war der Typ, der sich 24/7 mit Selbstverwirklichung beschäftigte.  Eine reine Seele, die einem nie ein Haar krümmen würde, und die man, egal, wie lang man auch Zeit mit ihr verbrachte, nie wirklich kennenlernen würde. Er schien mir sofort suspekt.

Andreas öffnete das erste Set. Er flirtete mit einer schwarzhaarigen Türkin, die so gar nicht zu ihm passte. Sein Game war rough und direkt. Er überlegte nicht lang. Er machte. Das Mädchen lachte, gleichzeitig quatschte Marko einen Meter daneben mit einem anderen Mädchen.

Ich schaute den beiden fasziniert zu. Ich bewunderte, wie proaktiv sie waren und beschloss, einen Jägermeister an der Bar zu trinken. Der Bass dröhnte, während ich das Kleingeld zusammenkratzte, das ich dem Barkeeper einen Augenblick später reichen sollte.  

Als ich zum Tisch zurückkam, musste ich überrascht feststellen, dass Andreas abgehauen war. Seine schwarzhaarige Dame saß gottverlassen neben mir und nippte an ihrem Drink, während sie mich mit großen Augen anschaute. Vorher kam sie mir so unerreichbar und unfreundlich vor. Kurz überlegte ich, ob es am Jägermeister oder an ihr lag, dass ich nun keinerlei Problem mehr damit hatte, mit ihr zu sprechen. Wir wechselten einige Sätze auf Englisch und tranken zusammen den nächsten Shot – immer noch war von Andreas nicht zu sehen.

Mittlerweile überlegt ich mir, wie ich weiter vorgehen sollte – sie war nicht hässlich und ich sehnte mich nach Bestätigung, jedoch turnte mich der Fakt ab, dass Andras sie geöffnet hatte. Ich kannte Andreas nicht gut, aber ich war mir sicher, dass er es mir nicht übelnehmen würde, wenn ich sie küssen würde. Trotzdem tat ich mir schwer zu eskalieren. Ich beäugte sie kritisch ­– lag es an ihrer langen Nase? Oder an ihren großen Poren?

Ich konnte es nicht tun. Frustriert lehnte ich mich zurück. Ich würde keinen weiteren Schritt wagen. Als Andreas einige Minuten später wiederkam, fühlte ich mich erlöst. Mich einem breiten Lächeln umarmte er die schwarzhaarige Chick. Kurz darauf küssten sich die beiden. Ich schaute hin und her und dachte darüber nach, dass ich derjenige sein könnte, der sie küsste.

Dann ging ich aufs Klo. Auf dem Weg öffnete ich ein Set. Eine Blondine stand vor mir ­– leicht arrogant, nicht besonders hübsch – ihr Outfit passte nicht zu ihr. „Egal", dachte ich. Ich war zu anspruchsvoll, Andras gab sich auch mit mittelmäßigen Frauen zufrieden. Ein paar Sätze später stand Marko neben mir – euphorisch wies er mich darauf hin, dass er und Andras den Club wechseln wollte.

Wir liefen die Treppe hinauf. Auf den Stufen lagen Kippen-Stummel und Essenreste – was ein abgefuckter Ort – ich hatte mich sofort verliebt. Verliebt, wie in dieser Kleinstadt – nicht mehr als 150.000 Menschen lebten hier, doch es roch in diesen Tagen des Februars nach Freiheit und Abenteuer. Ich atmete ein und atmete aus und ich überlegte, wann ich mich zuletzt so lebendig gefühlt hatte.

Andras hatte immer noch die Türkin am Start.  Leider wollte sie nicht mit uns weiterziehen, sondern so schnell wie möglich Nachhause. „I want to go to my hotel“, lallte sie mit einem üblen Akzent, während Andreas sie umarmte. 30 Minuten später, standen wir vor ihrem schicken Hotel. Marko und ich planten, wo wir nun hingehen sollten, während Andreas seine Zunge in den Hals der Türkin schob und sich von ihr verabschiedete.

Was ich an Marko wertschätzte, war seine positive Einstellung. Das Strahlen in seinen Augen erinnerte mich an das eines Kleinkinds, dass auf einen Spielplatz stürmt. Zuerst hatte ich ihn komisch gefunden – er stand zu Beginn des Abends oft abseits von uns und beobachtete die Szenerie – er war 1,70 groß, trug eine Brille und war vom Aussehen sehr unscheinbar. Jedoch war er alles in allem ein netter Zeitgenosse und ich mochte ihn nach dieser anfänglichen Skepsis mehr und mehr.

Nervös tippelte ich mit meinen schwarzen Chucks auf dem Boden vor dem Hotel. Andreas quatschte und herzte die Türkin und ließ sich alle Zeit der Welt. Ich versuchte Augenkontakt herzustellen – ich wollte ihm klarmachen, dass es langsam Zeit dafür war, weiterzuziehen. Es war mein erster Abend und ich hatte heute noch viel vor. Meine bisherige Ausbeute stimmte mich äußerst unzufrieden.

Schließlich bemerkte mich Andreas doch noch. Er beschleunigte seine Abschiedsprozedur und wir machten uns endlich auf den Weg.  Schnellen Schrittes liefen wir in die Stadt. Es war bereits 2 Uhr.  Ich drehte mich nach rechts. Wieder beobachtete ich Andreas. Zufrieden zog er an seiner Zigarette. „Habt ihr das Hotel gesehen? Ich hätte aggressiver sein sollen. Ich hab` noch nie eine Frau in einem Luxushotel gefickt.“ Aggressiver? Zu diesem Zeitpunkt war ich der Meinung, dass Andreas mehr als genug dafür getan hatte, um an das Höschen der anatolischen Touristin zu gelangen.

Ich hatte damals oft das Gefühl, dass ich mich unter Wert verkaufte, wenn ich einer Frau zeigte, dass ich sie wollte. Mein Stolz war äußerst schnell gekränkt. Hier konnte ich viel von Andreas lernen – er kümmerte sich wenig darum, wie er bei anderen Menschen ankam und sorgte somit dafür, dass seine Ergebnisse um ein Vielfaches besser waren als meine.

Auf dem Weg zu dem nächsten Club öffnete ich ein Set mit drei Frauen. Andreas beobachtete abseits, wie wir uns schlugen. Ich redete mit einer jungen Halbspanierin, die etwas wortkarg war. Ich konzentrierte mich darauf, guten Augenkontakt zu halten und viel Self-Amusement zu betreiben. Als ich zu Marko hinüberschaute, bemerkte ich wie er sichtlich bemüht war, die beiden Frauen bei Laune zu halten.  Ich stellte mich den anderen zwei Chicks vor. Danach checkte ich die Logistik und fand raus, dass die drei morgen Schule hatten und bereits auf dem Heimweg waren. Nichtdestotrotz versuchte ich sie zu motivieren, mit uns in den nächsten Club zu kommen. Keine Chance. Ich fragte nach der Nummer der Halbspanierin und nachdem wir unsere Kontaktdaten ausgetauscht hatten, trennten sich unsere Wege. Marko gab mir sofort ein High Five: „Richtig Stark, Twist!.“ Ich schaute zu Andreas, der lässig gegen eine Laterne lehnte. Er nickte beipflichtend. Kurz darauf trafen wir auf einen Freund von Andreas. Wir entschieden uns dazu in eine kleine Location zu gehen. „Das ist mein Geheimtipp für dich, Twist“, sagte Andreas zu mir, während wir die Wendeltreppe hinunterliefen. Ich verspürte große Vorfreude und war gespannt darauf, was mich nun erwarten würde. Zu meinem Bedauern erwartete mich gähnende Leere. Es war unter der Woche und an diesem Tag schienen sich die Leute nicht drum zu reißen, die Nacht zum Tag zu machen. Andreas Freund war gut dabei und griff lachend nach einer Torte, die an der Bar zu finden war. „Wenn hier schon nix geht, dann zocken wir Hauptsache was Süßes!“

Hier schien sich eine Jubiläums-Feier abzuspielen. Die Menschen um uns herum, interessierte es augenscheinlich wenig, was wir mit dem Kuchen anstellten und so genehmigte ich mir auch ein Stück.

Ich schrieb den Abend ab. Hier befanden sich lediglich 3 Frauen und die waren vertieft in Gespräche mit ein paar älteren Hipstern und/oder sturzbesoffen. Mein Akku war leer und Andreas war ebenfalls müde. „Morgen geht es weiter, Twist!“, rief mir Andreas ins Ohr während er seinen Arm um mich legte. Ich nahm diese Worte als Versprechen und konnte den nächsten Tag kaum erwarten.

 Eigenes Fazit:

+ Game von Andreas und Marko beobachtet und analysiert
+ Location gewechselt
+ Logistik abgeklärt
+ Nummer geholt

- Lediglich 2 Sets gemacht
- Zu viel überlegt / bei der Türkin zu viel kalibriert, bevor ich mit ihr geredet habe
- Bei 3er-Set nicht versucht zu isolieren
- Nicht körperlich geworden / zu brav

bearbeitet von Der Twist

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Extrem ehrlich! Respekt!

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