• Einträge
    22
  • Kommentare
    35
  • Ansichten
    7.283

6 - Behindert.

Eintrag erstellt von selfrevolution · - 560 Ansichten

Angeregt vom Thread über die schlimmsten Dates...

 

http://www.pickupforum.de/topic/146294-eure-schlimmsten-gar-schrecklichen-dates/

 

...hab' ich mir ein Mädchen in Erinnerung gerufen, das sicherlich eines der Dates war, bei denen ich mich am verwirrtesten gefühlt hab'. Es is' ein paar Jahre her, da hab' ein auch einer Singleplattform beim Mädel angechattet und nach ca. einer Minute festgestllt, dass sie ca. 4 Minuten von mir entfernt wohnt. Ihr Vorschlag, dass wir auf einen Kaffee gehen anstatt zu chatten klang gut, aber ich wusste halt wirklich gar nichts über sie.
Nun, sie war wohl geistig behindert. Also nicht auf die "die Alte is' voll behindert"-Art, sondern sie war, soweit ich das beurteilen konnte, tatsächlich irgendwie behindert.

 

In dem Kaffee hab' ich mich von der Kellnerin beobachtet gefühlt, und da das Mädel erzählte, dass sie fast täglich hier is', war mir schon recht klar, dass die Kellnerin, wohl recht viel über das Mädel wusste. Wir haben geplaudert, uns irgendwann verabschiedet, und ich bin heim. Da hat sie mir 'ne SMS geschrieben, wie ich sie finden würde, und ich hab's erstmal nicht über's Herz gebracht, ihr 'nen Korb zu geben. Was ich genau gesagt hab', weiß ich nicht mehr, aber ich weiß noch, dass ich danach ziemlich verwirrt war. Ich bin definitiv ein mehr oder weniger Intellektueller, und hab' tatsächlich recht viel üer das Mädchen nachgedacht. Sie war behindert und sexuell für mich völlig unattraktiv, aber auf eine für mich unerklärliche Weise fand ich sie plötzlich doch ... interessant. Und zwar weil sie war, wie sie war.
Wir haben uns nocheinmal zum DVD-Schau'n bei ihr getroffen. Natürlich wohnte sie noch bei ihren Eltern, aber die waren so stilvoll, sich komplett rauszuhalten; also ich hab' die nicht zu Gesicht bekommen. Ich bin dann aber doch auf Distanz geblieben. Hab' ihre Einladung, mich zu ihr zu ins Bett zu setzen abgelehnt, aber irgendwie mochte ich das Mädel schon. Sie war mir sehr sympathisch.
Hm,... ich hab' mich nach dem Film verabschiedet und meinte, dass ich mt Freunden noch im Kino verabredet wäre, und ein paar Tage nach diesem Date hab' ich mich dann so rausgeredet, dass ich meinte, mich in eine andere verliebt zu haben. Sie hat noch ein, zwei mal irgendwas geschrieben, und ich hate irgendwann eine Nachricht auf meiner Sprachbox, dass sie im Krankenhaus wäre, und ob ich nicht Lust hätte, sie zu besuchen, aber ich hab' das dann nicht getan.

 

...aber, und das is' gewissermaßen der essenzielle Punkt: irgendwie hat sie mich schon interessiert. Und das nicht aus der Faszination heraus, dass sie ein behinderter Freak is' oder so, sondern ich mochte sie persönlich, und vielleicht nichteinmal nur platonisch; definitiv nicht sexuell, aber auch keine klassische Freundschaft.



2 Kommentare


Empfohlene Kommentare

In meinem Leben hab' ich davor schon öfter behinderte Menschen gesehen und find' Mitleid "langweilig". Also ja, ich hatte sicher Mitleid, als ich damals gezögert hab', ihr einen Korb zu geben. Aber ich weiß nicht, ob's nur Mitleid war. Ich war glaub' ich nie der Typ, der behinderten jegliche Eigenverantwortlichkeit aberkennt und sie nur noch als Opfer sieht.

Ich arbeite seit einem Jahr übrigens als persönlicher Assistent für Behinderte, und damit is' nicht gemeint, dass ich sie füttere (auch wen ich das schon gemacht hab') und ihnen den Arsch auswisch' (was ich niemals tun werd'), sondern dass ich ihnen dabei helf', ihren Alltag zu meistern und sie - nicht nur ais pädagogischen sondern auch aus egoistischen Gründen - möglichst zur Selbstständigkeit anrege.

Ich tu' mir einerseits sehr schwer, den Begriff "behindert" theoretisch zu fassen, v.a. weil ich von der Uni (ich studier' wissenschaftliche Pädagogik und kenn' schon diverse Begriffsproblematiken, v.a. nicht nur hinsichtlich der Stigmatisierungsthematik sondern auch hinsichtlich der Begriffsbildungsproblemeatik) eine gewisse Sensibilität und Fülle an Argumentationsstränge mitbekommen hab', die ich wohl nicht ganz in der Lage zu sortieren bin (vielleicht auch einfach zu faul).

Rein intuitiv aber bin ich gar nicht so vorsichtig damit, das Attribut jemandem zuzuschreiben. Wenn jemand Trisomie 21 hat oder Authist is' oder so, dann is' er behindert; mit einem extrem niedrigen IQ is' man behindert und so weiter. Also das, was im Alltag so als "behindert" gilt reich mir für einen intuitiven Gebrauch aus. Das klingt wahnsinnig unreflektiert, und das is' es auch. Aber cih denke, um damit zu arbeiten bzw. einen persönlichen Umgang zu finden, braucht man weder eine konkrete Diagnose noch das allgemeine Attribut "behindert"; außer vielleicht, wenn man darüber plaudert.

Wenn ein Mädel beispielsweise ein extremes (und ich meine ein echt extremes) Bindungsbedürfnis hätte, würde ich einen Weg wählen, damit umzugehen, völlig unabhängig davon, ob ich es jetzt als "behindert" oder "gesund" klassifizieren würde.

Im Konkreten Fall dieses Mädchens weiß ich es nicht mehr genau, aber ein paar Faktoren, an die ich mich erinnere:

- Sie hat rein optisch "leicht behindert" ausgesehen.

- Sie war definitiv nicht die Hellste.

- Sie dürfte, wenn ich das damals richtig mitbekommen hab', nicht nur keinen Job gehabt haben, sodnern das fürte kein Thema gewesen sein (ein Aspekt, der bei vielen Behinderten der Fall is' und v.a. auch zur sozialen Exklusion beiträgt).

- Sie dürfte auch körperlich Probleme gehabt haben, weil sie beim zweiten Treffen auch irgendein Gerät am Körper trug, das irgendwas gemessen/überprüft und so hat.

- Sie war sehr viel (als Patientin) in Krankenhäusern.

Ich hab' das damals dann doch rasch beendet, weil sie auch wahnsinnig euphorisch gewirkt hat, sich so sehr gefreut hat, dass ich irgendwas Positives geschrieben hat, als sie gefragt hat, wie ich sie finden würde, und ich schließlich dachte, sie würde sich doch sehr große Hoffnungen machen, dass ich ihr neuer Freund werden würde, was ich nicht vorhatte. Normalerweise is' das für mich nicht so eine Sache, weil ich den meisten Mädels zutrau', dass sie reif genug sind, mehr oder weniger realistisch abschätzen zu können, wie die Situation is', und auch mit Enttäuschungen mehr oder weniger vernünftig und reif umgehen können (und auch weil sie sicher auch mehr oder weniger genug "Interessenten" haben, um nicht in mir "die eine gute Chance" zu sehen). Ich hab' ihr diese Reife sicher weniger zugetraut als anderen, und denk' es war auch gut, sauber die Notbremse zu ziehen, bevor ich ihr irgendein Herz brech' oder "schon wieder so ein Arschloch" bin, das ihr ewig Hoffnugnen macht und so. Grundsätzlich wird sie schon wen finden. Irgendwie war sie ja eh süß und interessant. Und ihre Eltern haben's auch ganz richtig gemacht, dass sie sich da komplett rausgehalten haben.

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar

Erstelle ein Mitgliedskonto, oder melde Dich an, um zu kommentieren

Du musst ein Mitgliedskonto haben, um einen Kommentar verfassen zu können

Mitgliedskonto erstellen

Registriere Dich ganz einfach in unserer Community.

Mitgliedskonto registrieren

Anmelden

Du hast bereits ein Mitgliedskonto? Melde Dich hier an.

Jetzt anmelden