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12 - I survived

Eintrag erstellt von selfrevolution · - 762 Ansichten

 

 

1. Der unbeliebteste Gast

Heute hat eine meiner besten Freundinnen geheiratet. Natürlich war ihr engste Freundeskreis da, den ich als Teil dessen sehr gut kenne. Ohne mich hätte sie keinen davon kennengelernt - auch ihren Trauzeugen hat sie durch mich kennengelernt. Das heißt aber auch, dass ich mit einigen Gästen der Hochzeit Geschichten habe. Das hat zu einer Horror-Konstellation geführt:

 

Meine Ex-Freundin. Kryptonit. Wir können sie durchaus auch so nennen. Die Trennung war damals nicht sauber, und diverse Wiedersehen sind im Drama geendet. Ich bin nicht wirklich über sie hinweg, oder zumindest verliere ich all meine Schlagfertigkeit, meinen Schneid, mein Selbstvertrauen, mein Charisma, ja ich denke, dass ich sogar rein optisch weniger attraktiv aussehe, wenn sie da ist. Ihre Anwesenheit hat mich still, distanziert, abwesend und schüchtern gemacht. Tja, die letzten Begegnungen sind im Drama geendet, weshalb Kryptonit einen großen Bogen um mich macht oder mich ignoriert. Also genau das, was auch ich mache.

 

Borderliner. Auch sie können wir einfach so nennen. Ob sie tatsächlich Borderlinerin ist, ist mir egal (aber sie ist wirklich ein Psycho). Die hab’ übrigens auch ich aufgetrieben - vor ein paar Jahren. Wir hatten nichts miteinander, weil damals ihr Freund daheim war, und sie dann schließlich … nunja: sie selbst war. Ein Psycho. Borderliner hasst es, nicht im Mittelpunkt zu stehen. Aber es gibt eines, was sie mehr hasst: wenn ich im Mittelpunkt stehe. Das bin ich auf der Hochzeit natürlich nicht, aber alle paar Monate beschließt sie, mich zu hassen. Ich hätte ja kein großen Problem damit, wenn nicht SIE ein Problem damit hätte.

 

Narzissa Malfoy. Narzissa ist die jüngste Schwester der Braut, und wie Narzissa Malfoy wäre sie durchaus sehr hübsch, wenn sie nicht immer ein Gesicht machen würde, als hätte sie einen unguten Geruch in der Nase. Achja: Narzissa hasst mich. Sie hasst mich wirklich. Die Geschichte dahinter ist irrelevant. Aber sie hasst mich.

 

Es gibt nicht so viele Leute, mit denen ich ein wirklich spannungsvolles, konflikthaftes Verhältnis habe. Aber … alle, die mir einfallen, waren auf der Hochzeit. Und die Hochzeit war klein. Mit einem vierten Mädel bin ich übrigens vor ein paar Jahren auch schon zusammengekracht, aber mit dem hatte ich dazwischen immerhin nichts zu tun, also keine echte Geschichte des Konflikts.

 

 

2. Am Rande des Geschehens

…dass ich mit dieser Konstellation kein gutes Los gezogen habe, ist offensichtlich. Kryptonit hat mir den Schneid gestohlen, sodass ich einfach ein kleines, winselndes Froschschenkerl war. Mein Kumpel, der Trauzeuge, hat sich an meine Ex, eben Kryptonit, gehängt. Die beiden verstehen sich herausragend (platonisch - er ist der Milch und Kekse - Typ). Auch Borderliner versteht sich mit dem Trauzeugen. Jeder liebt Milch und Kekse. Ich auch. Nur … ich wollte nicht zu nahe an das Kryptonit kommen. Also blieb ich weg. Und zu nahe an die Borderline wage ich mich auch nur dann, wenn ich einen normal-guten Tag habe, nicht wenn keine zwei Meter weiter mein Kryptonit steht.

So haben sich die drei augenscheinlich prächtig miteinander vergnügt, Kryptonit hatte ihre Lach-Attacken, die mich innerlich immer zusammenzucken lassen, und Boarderliner hat die Gürtellinie unterschritten. Sie weiß, dass Kryptonit meine Schwäche ist, auch wenn sie das nur einmal sehr kurz erlebt hat. Die Gunst der Stunde muss sie wohl nutzen, um Seitenhiebe auszuteilen. Nachdem sie offenbar einen Fehler gemacht hat, sagt sie in unüberhörbarer Lautstärke zu Kryptonit: “Dein Fehler steht da drüben.”

Natürlich könnte ich etwas tun, etwas sagen, Borderliner ist schwach. Sehr schwach. Mann muss nur pusten, und sie bricht heulend zusammen. Aber dank der Anwesenheit von Kryptonit bin ich selbst ein kümmerlicher Froschschenkel, und da es die Hochzeit einer meiner besten Freundinnen ist, ist eine Eskalation ein No-go. So schleiche ich der Hochzeitsgesellschaft nach, halte mich möglichst am Rand auf. Die standesamtliche Trauung, dann die Fotos, als es in eine längere Pause geht, und es irgendwie “naheliegend erscheint”, dass ich diese mit dem Trio (Trauzeuge, Kryptonit und Borderliner) verbringen sollte, hau’ ich einfach ab. Erst zur kirchlichen Trauung bin ich zurück. Und dann beim Essen…

 

3. Der Vorstoß

Ich setze mich. Warum auch immer,… das Trio setzt sich zu mir. Borderliner tut ahnungslos. “Warum ist der gelbe Frosch so müde? Normal lacht er so viel. Ach und ich bin viel schöner als er.” Das mit dem “ach und ich bin viel schöner als er” ist im Übrigen ein wörtliches Zitat. Es gibt nichts, was in ihrem Leben wichtiger ist, als in allem besser zu sein als ich, was zu einem sehr frustrierenden Leben für sie führt, weil ich ohne Kryptonit eigentlich recht schwer zu schlagen bin.

Ein paar Gesprächsfetzen tauschen wir aus, und als das Buffet eröffnet wird, holen sich Borderliner und der Trauzeuge etwas. Kryptonit und ich sitzen alleine am Tisch. Sie weiß nicht, ob sie wegschauen soll, oder einfach so tun soll, als wäre ich nicht da. Womit sie nicht rechnet, das ist mein Killer-Move. Der Trick, der alles an diesem Tag zum Kippen bringt: “Hallo übrigens.”

Nunja, der Rest ist Geschichte. Sie meinte, sie hätte sich nicht getraut mich anzusprechen, weil sie nicht wusste, ob ich dann auf sie losgehen würde. Ich werde weiter in die Gespräche eingebunden, fühle mich auch selbst etwas wohler und bekomme von Kryptonit mitgeteilt, dass Boarderliner sie schon den ganzen Tag lang zulabert (was ich schon mitbekommen habe - nur hatte ich gedacht, dass sich die beiden gut verstehen). Kryptonit und ich, wir tragen unsere Differenzen aus, indem wir jeder zwei Gläser als Tore auf den Tisch stellen und versuchen, Tore mit allen möglichen Dingen beim anderen zu schießen. Währenddessen tun wir etwas, was für mich unmöglich erschienen hat: wir reden.

 

4. Spiel, Satz und Sieg! Fick dich, Borderliner!

…nein, wir sind nicht im Bett gelandet. Kryptonit ist eben doch mein Kryptonit. Sie gewinnt gegen mich. Einfach per Definition. Sie hat die Macht. Aber … dass ich diesen Tag überlebt habe, das ist eine herausragende Leistung (oder so ähnlich). Nach der Hochzeitsfeier sind wir nur mehr der engere Kreis, und Borderliner verlässt schließlich die Runde. Nicht heulend, aber mit Regenwetter-Gesicht. Irgendwer hat irgendwas gesagt, was ihr nicht gefallen hat. In der Bar, in die die Gesellschaft verlegt wird, kommt es schließlich dazu, dass Kryptonit, der Trauzeuge und ich uns gut miteinander unterhalten. Positiv. Es macht … Spaß. Kryptonit erzählt mir, dass Borderliner ihr den ganzen Tag über - und zwar wirklich den ganzen Tag lang - von den Problemen, die Borderliner mit mir hat, erzählt hat. Borderliner hat zu ihr auch gesagt, sie würde Sachen sagen, so dass ich sie hören würde, hat sich dann aber doch wiederum von mir weggedreht und so. Jedenfalls: total asoziales Verhalten, und wir sollten Borderliner auf keinen Fall ihre Nummer geben.

Ja, Kryptonite hätte durchaus anders reagieren können, aber man muss bedenken, dass eine Eskalation in irgendeiner Art auf der Hochzeit ein No-Go war, und auch Kryptonit hat viele, viele Charakterschwächen; Ehrlichkeit und Integrität wären auch nicht gerade die Eigenschaften, die ich zum Beschreiben ihres Charakters benutzen würde, und so weiter. Aber … wir sind in der Lage, miteinander zu reden. Ein Sieg für mich. Und Borderliner: Fick dich einfach nur. Auf der Hochzeit meiner besten Freundin, wo eine Eskalation ein No-Go is’, meine größte Schwäche gegen mich zu nutzen is’ auch mit keiner Entschuldigung und keinem Geheule mehr gut zu machen. Per Definition unerwünscht. Verkriech dich in deinem Loch und schäm dich. Und bleib dort.



3 Kommentare


Empfohlene Kommentare

...huch. Kryptonit hat mich auf Facebook angeschrieben. Also einfach nur, um irgendeine unwichtige Info zu einer Diskussion, die wir hatten, nachzulegen und sich zu bedanken, dass ich nicht mehr so gemein zu ihr bin. :rolleyes:

bearbeitet von Der Gelbe Frosch
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Was ist eigentlich die genaue Funktion von so einem scheiß Kryptonit-Menschen? 

Warum gibt es sowas? Um Leute psychisch Krank zu machen? Hat das irgendwelche biologischen oder evolutionäre Gründe? Ist das ein scheiß Nemesis, der dir für den Rest deines Lebens Motivation gibt aus deinem Arsch zu kommen und jeden Tag das Maximum rauszuholen, damit du ihn irgendwann besiegen kannst?

Jeder Mensch, den man so kennen lernt außerhalb der Familie ist austauschbar und wird vergessen im Laufe der Zeit oder spielt zumindest keine Rolle mehr in einem Leben früher oder später. 

Aber diese eine abgefuckte Person ist wie ein abgefuckter Schatten.

Ich will die Fotze nicht mehr in meinem Leben haben, aber würde ganz gerne wissen, wie es ihr ergangen ist. ?

 

 

bearbeitet von ordem e progresso

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…huch. “Funktion”? Ich fürchte nicht alles, was existiert, hat eine Funktion oder einen Sinn. Manches is’ einfach, wie es ist.

Ich glaub’ auch nicht, dass Kryptonit-Menschen einen Nemesis für den Rest des Lebens darstellen, aber ja, ich denk’, dass manches sehr lange bleibt oder auf eine ganz bestimmte Art und Weise recht lange so bleibt. Ich glaub’ so ziemlich jedes Mädel, in das ich mal verknallt war “tut” noch etwas mit mir. Selbst, wenn ich relativ locker mit ihnen umgehen kann, irgendwie is’ es anders als mit anderen Leuten.

 

Aber wie auch immer … mein Kryptonit und ich schreiben seit über ‘ner Woche auf Facebook rum. Sie hat mir Komplimente über meine Zähne gemacht. O.o Allerdings nicht zum 30! Geburtstag gratuliert (shame on her!). Ich glaub’, ich würd’ gern wieder was mit ihr anfangen.

 

Hm,… das find’ ich eigentlich auch interessant. Kann’s nicht ach sein, dass Kryptonitmenschen gleichzeitig Pusher sind? Also,… sie können einen kaputt machen, aber sie können einen auch pushen, wie kaum jemand. Schrecklich!

 

bearbeitet von Der Gelbe Frosch

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