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Fake it til you make it?

Eintrag erstellt von selfrevolution · - 597 Ansichten

Musste gerade an diese Theorie denken, dass wir ja in verschiedenen Situationen verschiedene Menschen sind. "Fake it til you make it", meinte meine Freundin. Hab' die Phrase eifnach mal im Google eingegeben, da steht: "English aphorism which suggests that by imitating confidence, competence, and an optimistic mindset, a person can realize those qualities in their real life".

Klingt so viel besser als die deutsche Übersetzung des Vortäuschens. Man imitiert ein Verhalten, ein Gehabe, man imitiert eine Person, bis man diese Person wird. Der Gedanke ist eben der, dass man am Ende kein "Fake" mehr ist, der so tut als ob, sondern dass man tatsächlich der ist, der man vorzugeben meint. Es fühlt sich auch nicht mehr unnatürlich an.

Is' eine interessante Theorie, aber ich denke, lebenspraktisch hat sie ihre Grenzen. Lächle. Lächle einfach nur, und du wirst glücklich werden; das ist das Versprechen. So zu tun, als wäre man Arzt, so zu tun, als wäre man Erfolgreich, als wäre man Anwalt, das kann schon sehr ins Auge gehen. Da spricht er wieder, der Skeptiker in mir. Die Instanz, die die Grenzen einer jeden Theorie sucht, die Gültigkeit einerjeden Aussage infrage stellt.
Ein Mensch, der einen Bär imitiert, dem wird trotz aller Imitation kein Fell wachsen, er wir keinen Fisch mit der bloßen Hand fangen, und er wird sich auch nicht so viel Fett anfressen können, dass er den Winter in einer Höhle schlafen kann. Wo sind die Grenzen der Theorie im Menschlichen Bereich? Notwendigerweise einmal dort, wo die notwendigen Voraussetzungen schlichtweg nicht erfüllt sind, und diese können mannigfaltig sein. "Fake it til you make it" ist wohl das, was Menschen dazu bringt, anzunehmen, dass sie reich werden, indem sie Reiche imitieren, die gleiche Bekleidung kaufen, dieselben Parteien wählen, die Sprache und den Duktus übernehmen; doch Reichtum - auch wenn uns der Kapitalismus das weiß machen will - ist nicht alleine davon abhängig, was man selbst tut. Erfolg ist nur begrenzt auf die eigene Aktivität zurückzuführen. Manchmal ist die eigenaktivität noch nichteinmal notwendig. Manche sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen, oder viel eher: in die richtige Familie, im richtigen Land geboren worden.

Fake it, til you make it. Trotzdem alle interessant. Wenn man alles genauso macht wie jemand, der Erfolg mit dem hat, was er tut, kommt dann das gleiche raus? Es sollte, so wir überhaupt an den Einfluss des eigenen Verhaltens glauben, wohl schon der Fall sein. Und an an Einfluss Selbst zu glauben, ist interessanterweise einer der Hauptfaktoren für Schulerfolg; …wobei ich gerade nichteinmal weiß, ob hier eine Kausalität besteht oder nicht bloß eine Koinzidenz, und falls eine Kausalität besteht, in welche Richtung diese geht. Eigentlich interessant, sich das mal für's Privatleben zu überlegen. Habe ich deshalb Erfolg, weil ich an mich glaube oder glaube ich an mich selbst, weil ich Erfolg habe? Oder gibt es die Variable(n) x (die soziale Anerkennung, genetische Dispositionen, das Unterstützende Umfeld, etc.), die sowohl für den Erfolg als auch für den Glauben an die Selbstwirksamkeit verantwortlich ist?

Wie sagt der gelbe Frosch in mir? Nobody knows. [Man möge sich an dieser Stelle ein Stück Papier vorstellen, das sich in Rauch auflöst.]
Ist es also wirklich so wichtig, an sich selbst zu glauben?



8 Kommentare


Empfohlene Kommentare

„If you spend time with quitters and losers, you will become a quitter and a loser.“

Es gibt da sowas, das nennt sich Spiegelneuronen. Daraus folgt, dass unser jeweiliges Umfeld einen erheblichen Anteil daran hat, wer wir sind und damit auch wie erfolgreich wir sind. Unser Umfeld zieht uns (unbewusst) mit. Sowohl positiv als auch negativ. Wenn man in diesen Kategorien denken mag. Man kann dies nämlich auch ganz simpel als Erfahren (weder positiv noch negativ) sehen. Spiegelneuronen sitzen direkt hinter den Augen und bekommen alles mit! Sie lösen beim beobachten einer Situation ähnliche Gefühls- und Aktivitätsmuster aus (siehe u. a. das Gähnen). So hat das Umfeld auch einen entscheidenen Einfluss auf dein Mindset und damit auch auf deinen Erfolg (der natürlich Subjektiv ist). Natürlich hat es seine Grenzen. Ein Bär wirst du damit nicht 😁 Allerdings haben Untersuchungen ergeben, dass z. B. reiche ganz andere Glaubenssätze verinnerlicht haben als arme Menschen. Zum Beispiel glauben reiche nicht an das Schicksal. Außerdem haben reiche andere Verhaltensmuster als arme, die sie dabei unterstützen, mehr Erfolg zu haben wie z. B. das tägliche lesen von Büchern, das vermeiden von Reality-TV und das die genetische Veranlagung für den Erfolg nicht entscheidend ist. Um mal paar aufzuzählen.

Hat man reiche in seinem Umfeld, übernimmt man automatisch auch deren Verhaltensweisen und Glaubenssätze, was dann zum persönlichen Erfolg führt.

Was man aber natürlich auch bedenken muss: Es gibt für nichts eine Garantie!

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"If you spend time with quitters and losers, you will become a quitter and a loser." Diese Annahme begründeste du mit Spiegelneuronen, d.h. neurologisch, d.h. biologisch, materialistisch. Ich hab' von Neurologie keine Ahnung. Find' das schon interessant und würde ganz allgemein (gerne auch von dir, wenn du willst) mehr darüber erfahren; nimm's mir aber halt auch nicht übel, wenn ich - auf Grund von Unkenntnis - mal die vorsichtige "Kann sein"-Haltung einnehme.
Wir denken ja alle imemr wieder mal, dass wir etwas wissen; ich weiß weder wie "umstritten" oder "unumstritten" diese Theorie der Spiegelneuronen ist, noch kann ich halt beurteilen, wie "richtig" du sie interpretierst. Ich kenn's u.a. aus der Pädagogik sehr gut, dass wissenschaftliche Erkenntnisse und Theorien, sobald sie die Disziplin auch nur zehn Zentimeter weit verlassen, plötzlich etwas anderes sagen. Klingt jetzt wie ein Angriff, is' aber wirklich nicht so gemeint: wie viel und in welchem Kontext hast du mit Neurologie und Spiegelneuronen dergleichen zu tun?

"Ähnliche Aktivitätsmuster" sind rein intuitiv "plausibel", aber "ähnliche Gefühlsmuster" find' ich extra spannend. Kann mir das gut vorstellen; ich denke, davon lebt das "Mitreißen können". Es gibt ja dieses Phänomen, dass eine Person etwas erzählt, das "eigentlich" sehr langweilig wäre, das aber deshalb so interessant ist, weil es die Person selbst mit so viel Freude erzählt. Hm. Die Frage ist auf der anderen Seite: wäre das "Glück", das man dabei empfindet … "bloß" gespiegelt, oder hat das irgendwie eine Art "Begründung" (z.B. dass man denkt: "Wenn die Person so begeistert ist, dann muss die Sache doch toll sein, und dann ist es gut, mehr darüber zu erfahren").
Ich kann mir sogar sehr gut vorstellen, dass es primär oder zumidnest zu einen großen Teil (wir wollen ja nicht monokausal denken) "gespiegelt" ist. Womöglich resultiert gespiegelte Glück auch aus den gespiegelten Aktivitätsmustern. Leiblichkeit is' ja ein Thema, das ich in meiner pädagogischen Ausbildung stark vernachlässigt hab', aber es gibt ja durchaus die Innenwirkung von Körperhaltung und Bewegungsmuster.


Wie dem Auch sei: klar wird man durch das Spiegeln kein Bär. Eiche haben sicher andere Glaubenssätze verinnerlicht als Arme, aber die Frage ist halt: sind es diese Glaubenssätze, die zum Reichtum geführt haben? Sind diese Glaubenssätze notwendig? Oder sind sie gar hinreichend? Beides würde ich zumindest einmal ablehnen und hierbei auf eine Art Outcome-Bias verweisen. Es gibt Menschen, die zu Reichtum gekommen sind, ohne dass sie den Habitus der Reichen übernommen haben; und es gibt Menschen, die den Habitus von Reichen übernommen haben (bzw. teilweise übernommen haben: siehe nächster Teil), die aber nicht zu Reichtum gekommen sind.
Zur Vollständigen Übernahme des "Reichen"-Habitus: ich weiß nicht, was empirisch genau alles dazu gehört, aber ich nehme an, dass eine gewisse Einstellung gegenüber Geld und damit v.a. ein bestimmter Umgang mit Geld einhergeht, der für Arme gar nicht möglich ist. Wenn beispielsweise Reiche Menschen investieren - sagen wir 80% in sichere Kapitalanlagen, 20% in Risiko-Kapitalanlagen - dann ist das für jemanden, der kein Kapital hat, das er investieren kann, nicht möglich; ergo ist es gar nicht möglich, die Verhaltensweise zu nachzuahmen, die Reiche zeigen.

D.h. dass die Bekanntschaft mit Reichen nicht zwangsläufig zu Erfolg führt. Mag sein, dass es förderlich ist; aber auch hier stellt sich die Frage, ob der Erfolg durch die Mimesis entsteht, oder durch die Unterstützung. Meine Freundin hat deutlich mehr Geld als ich, und ich komme zwar aus einer entschieden armen Familie (d.h. nicht Mittelschicht, sondern tatsächlich Unterschicht), habe seit ca. 10 Jahren aber das Glück, immer jemanden zu haben, der mir im Notfall Geld borgen kann; und zwar relativ einfach, so viel, wie ich brauche und ohne Druck. Wenn ich kein Geld für die Studiengebühren habe, muss ich mein Studium nicht schmeißen, weil ich mir 400 Euro ausborgen kann; und mit der Miete komm' ich schlichtweg nicht in Verzug, weil ich mir auch drei Monatsmieten ausborgen könnte, wenn es notwendig wäre.
D.h., selbst wenn ich irgendwie … zu soetwas ähnlichem wie Erfolg kommen würde, wäre das wohl weniger durch die Mimesis sondern mehr durch die Unterstützung passiert; das hat wenig mit Spiegelneuronen zu tun.

Hm. Ich oute mich dann mal als Armer: ich glaube zwar definitiv nicht an das Schicksal, ich glaube aber auch nicht daran, dass ich mehr als 40% von dem, was in meinem Leben so passiert, "bestimme". Mit "bestimmen" meine ich: ich glaube nicht, dass mehr als 40% von dem, was in meinem Leben passiert, auf mein eigenes Verhalten zurückzuführen ist. Es ist einfach Zufall, Glück, Pech, "Umwelt" (ganz ohne Mimesis).

…don't get me wrong: ich find' die Sache mit den Spiegelneuronen als Erklärungsfaktor für Verhalten interessant, und auch die Mimesis als "Lebensstategie" bzw. "Lernstrategie". Man kann sicher auch mit beiden zusammen "arbeiten"; also daran arbeiten, sich selbst sozusagen "von außen" zu manipulieren.

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Wenn du selbst nicht an dich glaubst - warum sollte es dein Umfeld tun?
"Fake it till you make it" kann als simple Aufforderung zur Hochstapelei verstanden werden. Nur: glückliche Menschen lächeln selten den ganzen Tag. Du spürst aber, wenn sie um dich sind :-)
Wer ohne entsprechendes Budget nur das Verhalten reicher Menschen imitiert, ist schlich dumm und wird außer Schulden wenig Erfolge verbuchen. Viel wichtiger ist - wie so oft - wohl das Mindset.

Ein Junior-Projektleiter direkt von der Uni kann Meetings i.d.R. noch nicht souverän moderieren. Denen geben ich oft denselben Spruch mit wie deine Freundin dir. Die einen sehen darin eine Aufforderung zum "Faken", die anderen bauen darauf daß sie es "noch nicht" können und sind bestrebt zu lernen. Und das funktioniert eben sehr gut, indem man Andere beobachtet, die etwas besser können als man selbst und diese dann darin nachahmt (!= 1:1 kopiert!). Kinder lernen nicht anders. Die Grundannahme erfolgreicher Kandidaten ist jedenfalls "ich werde es können, dafür muß ich mich aber in die Situationen begeben". In Kombination mit nicht vorhandenem Fachwissen führt der Satz aber tatsächlich oft direkt in die Hochstapelei und zu verschiedenen Katastrophen.

Spiegelneuronen spielen bei Erfolg sicher mit rein, wirken m.W. aber eher auf empathische Kompetenzen wie z.B. dem intuitiven dem Aufbau von Rapport.
Selbstwirksamkeit hingegen ist keine greifbare Realität, sondern bestimmt die Wahrnehmung deiner selbst in der Welt. Hast du wirklich "nur Glück" daß Leute bereit wären dir in Notlagen Geld zu leihen? Ich persönlich würde nicht jedem Geld leihen. Ergo macht jemand *dem ich es leihe* etwas anders, als der dem ich es nicht leihe - oder? Es ist schön zu wissen, wenn man sich auf Leute verlassen kann. Dann hat man sich i.d.R. aber auch dieses Vertrauen erworben, sprich: Selbstwirksamkeit?
Andere Sets:
Dein Kumpel verwehrt dir die Leihgabe - ist er verantwortlich dafür daß du aus deiner Bude fliegst? Dein Geschäftspartner haut dich übers Ohr - ist er verantwortlich dafür, wenn du nicht wieder auf die Beine kommst? Alles eine Frage der Perspektive und wie man mit Erfolgen und insbesondere Niederlagen umgeht.

Ich persönlich meide Menschen, die Schuld und Verantwortung tendenziell bei anderen suchen oder andere schlechtreden mit dem Ziel sich selbst besser zu fühlen. So einfach es klingst - es ist nicht immer einfach solche Energievampire direkt zu erkennen. Suche Menschen die Dinge besser können als du und positiv auf die Welt blicken - nur so entwickelst du dich weiter und nimmst deinen Erfolg selbst in die Hand.

bearbeitet von ohnedu

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…warum sollte mein Umfeld an mich glauben? Naja, völlig richtig: warum sollte es? Ich meine: natürlich ist es für das eigene Leben wichtig, dass andere an einen glauben, und wohl noch wichtiger, dass man selbst an sich und seine Selbstwirksamkeit glaubt. Aber so wirklich berechtigt, in sachlicher Hinsicht, finde ich diesen Glauben nicht. Also zumindest nur begrenzt: wenn jemand ein Schach-Elo von 2700 hat, dann wird' er wohl ein guter Schachspieler sein, und ich werd' wohl auf ihn setzen, wenn er gegen jemanden spielt, der 700 Punkte niedriger gewertet ist. Aber die Frage ist ja: warum hat es Spieler 1 soweit gebracht? Das is' sicher nicht sein alleiniger Verdienst. Die Eltern müssen sein Talent früh gefördert haben, Geld in vernünftige Schachlehrer investiert haben; irgendein Großmeister nimt sich in der Regel des Spielers an und arbeitet konkreter mit ihm, das Umfeld sollte ihn nicht hänseln, weil er Schach spielt, die Gesundheit und die Fitness müssen passen (Mikail Tal war auch nur ein Jahr lang Weltmeister; kein Wunder, wenn er ständig im Krankenhaus war), er muss überhaupt in einem Land geboren worden sein, in dem Schach gespielt wird, und so weiter.

Aber ja, es is' schon richtig: Fabiano Caruana trainiert täglich viele, viele Stunden; ich spiel' vielleicht 'ne gedankenlose Blitz-Partie nebenbei. Also, dass er so viel besser is', kommt nicht von ungefähr. Und so wird's wohl auch bei deinem Junior-Projektleiter sein (darf ich auch dich mal nach deinem Bildungs- und Karriereweg fragen?).


"Ich persönlich meide Menschen, die Schuld und Verantwortung tendenziell bei anderen suchen oder andere schlechtreden mit dem Ziel sich selbst besser zu fühlen. So einfach es klingst - es ist nicht immer einfach solche Energievampire direkt zu erkennen. Suche Menschen die Dinge besser können als du und positiv auf die Welt blicken - nur so entwickelst du dich weiter und nimmst deinen Erfolg selbst in die Hand."

Ich meinde Menschen, die die Schuld bei anderen suchen genauso. Oder sagen wir: ich kenn' außerhalb meines beruflichen Kontextes keine (ich arbeite mit Menschen mit Behinderungen, Problemen etc.; hab' da 'nen Klienten, der überhaupt nie für irgendwas Verantwortung übernimmt. Er schafft's nichtmal, sienem Vermieter Berscheid zu geben, dass ein Schaden in der Wohnung besteht. Das soll der Vermieter schon … k.A. erreaten? Regelmäßig vorbeikommen und Sachen in de rWohnung reparieren?).

Zu mir selbst hab' ich da 'n komisches Verhältnis. Früher hab' ich stark an meine Selbstwirksamkeit geglaubt - wie du sagst: es is' keine Realität sondern eine Frage der Wahrnehmung. Und v.a. haben andere stark an mich geglaubt. Mittlerweile hab' ich genügend Zeug - aus eigener Kraft bzw. aus eigener Faulheit und Feigheit - in den Sand gesetzt.
Hm,… eigentlich schon 'ne interessante Sache: bei mir selbst geh' ich doch irgendwie davon aus, dass ich es selbst bin, der Mist baut, bei anderen seh' ich stärker die Faktoren, die von außen kommen. Für meine "Erfolge" wiederum seh' ich vor allem die Außenfaktoren, die notwendig waren. Nach dem Schema: "Oh, ich habe einen Job bekommen. aber das wäre nicht passiert, wenn ich mir nicht Staffi die Visitenkarte in die Hand gedrückt hätte, und mir gesagt hätte, dass ich mich bewerben soll", "oh ich hab' eine gute Seminararbeit geschrieben. Aber das wäre nicht passiert, wenn ich nicht den Luxus des Erasmussemester gehabt hätte, wo ich keinen Stress hab', und dass meine Freundin un die Dozentin einander gut kennen spielt auch eine Rolle" und so weiter.
Bei anderen wäre es dann: "Ihr wurde das Kind vom Jugendamt weggenommen. Stimmt: sie ist eine schreckliche Mutter. Aber es wundert nicht, weil ihre Mutter früh gestorben is' und die Familie in der sie aufgewachsen ist, richtig asozial war. Sie is' ja auch nicht die einzige in der Familie, der die Kinder weggenommen werden"; "Oh, sie hat das Studium schmeißen müssen. Aber gut, sie hat von ihrer Familie einen derartigen Erfolgsdruck bekommen, dass es nicht wundert, dass sie ein Burnout bekommt und zusammenbricht"; aber tatsächlich auch in die andere Richtung: "Ja, er verdient jetzt ganz gut; aber hätte ihn seine Familie nicht unterstützt, dann hätte er nicht so schnell bei der Firma anfangen können".

Hm,… geht stark vom "Fake it til you make it" weg, aber die Frage der Verantwortung is' dann ja doch irgendwie aufgetaucht. Wenn mein Kumpel (Schwester, Cousin, Freundin) mir kein Geld mehr borgt und ich aus meiner Wohnung flieg', dann sind die definitiv nicht Schuld. Im Gegenteil: ich wär' ohne die gar nicht so lange in meiner Wohnung geblieben…
Ah, okay, das is' im konkreten Fall nicht richtig: auch ohne die familiere Unterstützung hätte ich meine Wohnung defintiiv behalten; ich komm' grundsätzlich auch ohne die aus; aber es macht das Leben so unglaublich viel einfacher, Leute zu haben, die einen finanziell unterstützen, wenn es mal "notwendig" (oder sagen wir: hilfreich) ist.
Aber dem Prinzip nach jedenfalls; dieses "ich hab' aus eigener Kraft"-Erfolgsgerede geht mir einfach 'n bisschen auf den Geist. Ohne viele andere Faktoren, hätten die meisten gewisse Erfolge eben nicht gehabt. Und das gleiche gilt für Misserfolge: "Die Anja is' selbst Schuld, dass sie ständig pleite is'. Was sucht sie sich auch keinen g'scheiten Job?" … na vielleicht weil sie von all den Absagen dermaßen auf den Boden getreten is', dass sie ein "Tut leid, aber wir halten Sie in Evidenz" nimmer hören kann? Vielleicht, weil sie mit ihren Kinder so viel Stress hat? Vielleicht weil … und so weiter.

Ah,… nochmal zum Kopieren: "Kinder lernen nicht anders" würd' ich so mal nicht ganz teilen. Die Frage wie Kinder und wie Menschen überhaupt lernen (und was "Lernen" überhaupt ist), is' recht komplex; dazu gibt's verschiedene pädagogische, psychologische und neurowissenschaftliche Theorien (vielleicht nicht ganz so oft gefragt, aber mindestens genauso wichtig is' die Frage, was Lernen überhaupt ist).
Gerade in der Nachahmung beispielsweise steckt durch einen Bruch, durch den "Fehler in der Nachahmung" ein kreatives Moment. Der Wert dieses Moments is# natürlich ein besonderer; damit mein' ich: über den kann nichts pauschal gesagt werden. Kann sein, dass sich durch den Fehler eine "absolute" Verbesserung des Prozesses ergibt, kann sein, dass der Bruch für die individuelle Leistung besser is' (nach dem Schema: für Person A is' es besser, so zu moderieren, für Person B is' es besser, wenn sie so moderiert), kann aber natürlich auch sein, dass das konkraproduktive Brüche bestehen, die man vielleicht schnell als "kann's noch nicht richtig" abtun kann; aber z.B. beim Sport oder in der Musik muss man da schon ziemlich aufpassen: ich hab' viele, viele Jahre Baseball gespielt. Mein Wurf is' echt toll, aber mein Ellenbogen is' etwas zu weit unten (d.h. ich werf' zu stark von der Seite, statt von oben). Diesen Fehler hab' ich aber in 17 Jahren Baseball dermaßen eingeübt, dass der nimmer wirklich verschwinden wird; zumindest nicht, ohne dass ich meinen sehr guten Wurf komplett verwerfe und versuch' "von ohne" anzufangen.
Und Menschen denken beim Nachhamen ja hin und wieder auch nach; sie meinen, dass etwas womöglich besser ist, als das Original. Genauso wie Menschen überhaupt erst einmal beurteilen und auswählen müssen, was sie nachahmen wollen bzw. was das Relevante ist. Wenn du dir denkst: "oh, der gelbe Frosch sagt, dass er erinen guten Wurf hat; den kopiere ich", dann wirst du wohl nicht alles kopieren, was ich so tu'. Wenn ich mich vor dem Wurf am Hintern Kratze, dann wirst du wahrscheinlich denken: "das is' wohl nicht relevant", wenn ich nach dem Wurf bzw. am Ende des Wurfes, meinen rechten Fuß erst einen halben Mter in die Höhe schmeiß und dann vor dem linken Fuß lande,… k.A. denkst du, dass das was mit der Qualität meines Wurfes zu tun hat? Wäre das etwas, worauf zu schauen würdest? Würdest du auf mein Handgelenkt schauen, oder darauf, was mein Nacken macht? Ist es relevant, was mein linker Arm bei der Sache macht?

Imitation is' kompliziert. *kopfkratz* Das fällt mir "jetzt erst" (also lerntheoretisch gestützt z.B. auf Lutz Koch oder auch auf Gadamer; selbst wenn er mit "Lernen" eigentlich so gar nichts zu tun hat, sodnern nur mit "verstehen", aber man vergiss solche Sachen oft) auf. "Fake it til you make it" macht aus einem Menschen eben doch keinen Bären; und aus Klaus wird auch nicht Norbert, egal wie sehr Klaus versucht, Norbert zu werden.

 

Nochmal nebenbei: mich würd's interessieren, was du so für einen Karriere- und Bildungsweg hinter dir hast. :)

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Meine Frage zielte genau in die andere Richtung - solange ich selbst an mich glaube, ist es unerheblich, ob das Umfeld mich für Superman hält oder nicht. Aber: Glaube ohne Handlung führt zu genau nichts - es geht also eher darum, an den Erfolg meiner geplanten Handlungen zu glauben und entsprechend zu agieren. Mache ich das nicht, kommen Erfolgserlebnisse – wenn überhaupt – nur durch Zufall. Und hinterlassen dann womöglich einen faden Beigeschmack, kombiniert mit den Gefühl es nicht verdient zu haben.

Ob ich grundsätzlich die Fähigkeit habe, Ziele zu verfolgen, ist sicher verknüpft mit der persönlichen Historie – bedeutet aber nie, das ich in dieser gefangen bin. Natürlich haben manche bessere Startbedingungen als andere und Chancengleichheit ist eine Utopie. Aber: selbst pfiffige Leute mit denkbar besten Voraussetzungen scheitern. Manche davon springen vom Dach. Während Anja vielleicht irgendwann begreift, daß es hirnrissig ist „[...] immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“ (Einstein)

Die Schuld bei anderen suchen – ich ertappe mich zu oft dabei. Ich meine nicht so platte Allüren wie "Chef ist Schuld weil er mir die Weiterbildung nicht genehmigt hat". Oft ist es viel subtiler. Beispiel: Ich hab schlecht geschlafen und der Tag startet beschissen, weil die Kaffemaschine streikt. Saukalt und Regen. Anschließend verpasse ich erst die Bahn, dann den Flug. Der Kunde ist pissig weil ich zu spät bin, ich bin angespannt ob des ganzen Ärgers, das Ergebnis des Termins dementsprechend katastophal. Abends bin ich sauer auf DeLonghi, die Bahn, die Lufthansa, den Kunden und den Rest der Welt. Schlafe schlecht und next day ...
Die Alternative: ich akzeptiere daß ich müde bin und kaffeelos aus dem Haus gehen muß. Der Flieger hat Verspätung, ich hole mir einen Kaffee und rufe den Kunden an, daß ich später komme. Er ist erleichtert, weil selbst in Zeitnot. Im Flieger ratze ich 45Min. Entspannt treffen wir uns 2 Stunden später als geplant und kommen zu einem guten Ergebnis für beide Seiten. Nach einem gemeinsamen Essen falle ich müde ins Bett und schlafe wie ein Baby. Morgens streikt die Kaffemaschine … Jeden verdammten Morgen stehe ich vor dieser Wahl :-)

Zum Lernen: Lerntheorie ist mein Feld nicht, inspirierend finde ich einige Vorträge von Gerald Hüther und Vara Birkenbihl – ohne sie fachlich beurteilen zu können. Nachahmen und Kopieren bleiben nach meinem Kenntnisstand daher zwei Paar Schuhe. Die von dir angeführten Beispiele sind mir schlicht "Kopierversuche". Natürlich bringt man sich selbst als "kreativen Moment" immer mit ein. Ich schaue mir an, wie etwas bei anderen funktioniert und adaptiere (nur) die Teile, die zu meiner Persönlichkeit passen - oder auch nicht, wenn ich feststelle dass mir andere Wege besser liegen. Das in meinen Auge Wesentliche ist aber: obwohl ich etwas nicht kann, begebe ich mich in die Situation. Womöglich blamiere ich mich auf die Knochen. Aber: ohne die Konfrontation lerne ich es eben nie. Und das bleibt für mich die Quintessenz von "Fake it till you make it".

Grob zu meinem Background: Hauptschule > Lehre zum Werkzeugmacher > Abi Abendschule > naturwissenschaftliches Studium >> IT-PL in diversen Konzernen >> Berater für IT-Infrastruktur

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Der fade Beigeschmack des zufälligen Erfolgs und das Gefühl, diesen nicht verdient zu haben; eine wirklich treffende Beschreibung dessen, was ohne den Glauben an die Selbstwirksamkeit wahrscheinlich überbleibt. Ich erinner' mich an ein paar interessant Momente meines Lebens, auf die ich richtig stolz war, obwohl sie keine so große Sache waren:

In meinem vierten Semester hatte ich eine schwere Prüfung vor mir, bei der es mir wichtig war, sie mit "Sehr gut" abzuschließen, weil ich gleichzeitig als tutor für die Professorin gearbeitet habe (und es auch weiterhin tun wollte). Ich hab' mich damals an eine Lektion erinnert, den ich unten beschrieben werde. Jedenfalls habe ich auf ein Sehr Gut hingearbeitet und es erreicht.

In meinem ersten Semester im Master hatte ich fünf Lehrveranstaltungen, von denen vier quasi mein Spezialgebiet waren und bei der fünften habe ich eine Einladung für eine Publikation bekommen (klingt viel toller als es war; daraus wurde eine Rezension, für die ich ewig gebraucht habe, und die ich irgendwie schlecht fand). Darum hatte ich vor, das Semester mit fünf Sehr gut abzuschließen, und hab's auch getan. Auch hier habe ich mich an diese Lektion erinnert.

Beide Erfolge waren weitaus befriedigender als alle "Sehr Gut", die ich sonst so bekommen habe. Es waren Bestätigungen der Selbstwirksamkeit; es waren keine zufälligen Erfolge.
Die Lektion, die damit in Verbindung steht, is' nochmal ein ordentliches Stück älter. Ich hab' damals (neben der Schule) in einer Multi-Level-Marketing (="Schnellballsystem") Vermögensberatung gearbeitet. Grundsätzlich 'ne ziemliche Abzocke und so weiter, aber ich war trotz komplett ausbleibendem Erfolg länger dabei als andere; und ich habe damals viel gelernt, das ich für die nächsten Jahr gut gebraucht habe. Sachen, die ich heute "verloren" (nicht vergessen) habe. Inbesondere eine Lektion:
Der Büroleiter wollte jeden Monat einen Monatsplan, in den wir reinschrieben sollten, wie viel wir vorhaben, diesen Monat zu verkaufen, sodass man am Ende das Ziel mit dem Erfolg vergleichen konnte, das selbst gesetzte Sol mit dem Ist. Das is' mir ziemlich am Geist gegangen und war viel von diesem blödsinnigen, hochtrabenden Erfolgsgerede. Im Zuge dessen hat sich ein Gespräch mit … sagen wir mal hochtrabend "meinem Mentor" ein Gespräch ergeben, in dem es um Lebensziele und Träume ging. Die Frage war, wie viel ich eigentlich gerne verdienen würde; so irgendwann mal. Ich meinte scherzhaft: "Naja wollen; ich würd' gern 'ne Million im Monat verdienen."
Die interessante Frage, die dieser Mentor dann gestellt hat (relativ alter Kerl, schon über 50, was für die Firma und die Branche unüblich war; und er war selbst erst wenige Jahre drin), war: "Willst du das wirklich?". Im Grunde ging es letztlich darum: wenn man eine Million verdienen will, muss man auch für eine Million arbeiten. Damals hab' ich noch nicht über den Begriff der Selbstwirksamkeit nachgedacht. Aber die Frage hat mir zu denken gegeben: will ich das wirklich? Wenn ich es geschenkt bekomme, nehme ich es mit Handkuss, aber ist das mein Ziel (klar war es das nciht, weil das nur ein Scherz war)? Mir ist dann die Differenz zwischen "Wollen" und … "Wünschen" klargeworden bzw. hab' ich sie für mich eingeführt.

Das Sehr Gut auf die Prüfung und auf die fünf Seminare, die ich vorher angesprochen habe, das war etwas, das ich wollte, und für das zu arbeiten ich bereit war. Ich wollte eine Zeit lang auch den Notenschnitt von 1,0 halten, aber ich habe dann doch irgendwo einen Zweier hingenommen, um mir einfach nur eine Seminararbeit zu ersparen, hab' Zeug schleifen lassen, weil meine Aufmerksamkeit dann doch wo anders lag; mein ganzes Leben hat sich dann einfach verändert. Ich war nicht mehr bereit, für 1,0 zu arbeiten. Und das war okay, und das ist okay.
Es ist sogar gut, dass ich nicht mehr bereit dafür war, weil ich etwas anderes wollte: das Leben geniesen und mir ein Privatleben aufbauen. Hm,… ich glaub', für mein verkacktes Privatleben hab' ich in der Tat wem anderen die Schuld gegeben (Ex-Freundin, 7 Jahre Beziehung); und von dieser Bindung wollte ich mich lösen (und hab's gemacht).

Hm,… und vorlauter Spaß haben, Spaß suchen, kompromisse Schließen und so weiter hab' ich mich dann wohl verloren und den Glauben an (meine) Selbstwirksamkeit ein Stück weit verloren. Und auch die Selbstwirksamkeit von anderen. Ich glaube, dass ich damit ein Stück weit Recht habe. Nicht immer kommt man dort an, wo man hin will, selbst wenn man bereit ist, dafür zu arbeiten. Manchmal ändert sich auch das Ziel. Und manchmal, gerade wenn andere Subjekte beteiligt sind, ist man mit dem Willen und dem Wollen von anderen konfrontiert; gerade im Zwischen menschlichen kann man "zu viel" oder "zu sehr" wollen. Das weiß wohl jeder, der sich mal zum Affen gemacht hat, weil er verknallt war. Vielleicht war's auch diese Erkenntnis, die den Glauben an die Selbstwirksamkeit relativiert. Sicher ist, dass mit jedem Scheitern das Glauben schwieriger wird.

Das klingt jetzt so traurig, is' es aber irgendwie gar nicht. Ich bin weder 'n depressiver Mensch noch bin ich gerade "schelcht drauf". Im Gegenteil: ich bin gerade sogar irgendwie gut drauf, weil ich mich an diese zwei Momente erinnere, in denen mein Handeln und mein Wollen so sehr ineinander aufgegangen ist, dass es Eins wurde, dass das Scheitern fast schon zur Unmöglichkeit wurde: so als würde ich sagen "ich will auf's Klo gehen". Klar kann ich auf dem Weg hinfallen, einen Schlaganfall bekommen und was weiß ich, aber ehrlich gesagt: wenn ich sage, dass ich jetzt auf's Klo gehe, dann werde ich damit Erfolg haben.
Fühlt sich gut an, sich daran zu erinnern. Ob ich aus dieser sehr schönen Erinnerung Konsequenzen für mich ziehe, weiß ich nicht. Ich denke immer, dass ich meinen Master abschließen will - und zwar sehr gut. Das heißt: ich dneke immer, dass ich bereit bin, dafür zu arbeiten. Aber jetzt, in diesem Moment weiß ich das nicht genau, und zwar weiß ich es deshalb nicht, weil ich anhand meines Handelns sehe, dass ich lieber Posting im Forum hier schreibe, dass ich lieber eine Runde Schach spiele etc., als an meiner Abreit zu schreiben.

…das Leben ist kompliziert. Hm. Ich danke dir für deinen Kommentar, den fand ich echt inspirierend.

 

btw.: Was ich von Vera Birkenbiehl bisher gehört hab', sind v.a. so kleine Tipps. Coole Sache, weil es einfach zu verstehen und einfach umzusetzen is'. Macht sich sicher in so Softskill-Seminaren ganz gut, und auch im Alltag is' das sicher nett. Unabhängig von der wissenschaftlichen Richtigkeit (die kann ich nicht beurteilen, komm' aus der Pädagogik, sie macht mehr Psychologie) würd' ich daraus halt leider nicht so viel hinsichtlich der Frage, wie Lernen funktioniert oder was Lernen ist ableiten können.

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Sorry für die späte Antwort, hab es gar nicht mitbekommen, dass Du geantwortet hast …

Zuerst einmal habe ich nichts mit Neurologie bzw. Spiegelneuronen zu tun. Also bin ich interessierter Laie. Habe dazu aber einige populärwissenschaftlichste Bücher gelesen. Davon habe ich mein Wissen. Wie exakt diese allerdings sind, kann ich nicht sagen. Da es aber Bücher von renommierten Autoren waren, gehe ich davon aus, dass es fachlich korrekt ist.

Es gibt auch mWn eine Studie der Berkeley Universität, dass das Einkommen und die Umwelt (die nahestehendsten Personen) recht stark positiv korreliert. Finde sie aber jetzt leider nicht auf Anhieb.

Auch meine persönliche Erfahrung zeigt, dass es hinhaut. Würde alleine allerdings nie ausreichen, was mir auch klar ist. Wäre schließlich dann nur eine Stichprobe, die nichts aussagen kann. 

 

Man kann ja schließlich auch schön sehen, wenn Mädels/Jungs mit 12-13 in Cliquen kommen und sich dem Umfeld sehr schnell anpassen. Kleidung, Slang, Einstellungen etc. werden sich sehr ähnlich. 

Natürlich führt aber der Umgang mit reichen nicht automatisch zum Reichtum. Es ist aber sehr förderlich. Auch wegen möglicher Kontakte. Daran hängt ein ganzer Rattenschwanz (sagt man das auch, wenn man es positiv meint?). Aber wie oben schon geschrieben, eine Garantie gibt es nie.

Das Problem, wenn du denkst, dass vieles vorherbestimmt ist, ist, dass Du dann ja nicht verantwortlich sein kannst. Egal, ob die Welt indeterministisch oder deterministisch ist, ist egal. Wir müssen denken bzw. so tun, als ob sie indeterministisch ist, weil wir sonst für unser handeln nicht verantwortlich sind bzw. nicht zur Verantwortung gezogen werden können, weil fremdbestimmt. Wenn das Leben vorherbestimmt ist (übrigens ungleich Schicksal), können wir nicht bestraft werden, wenn wir z. B. töten, weil es nicht wir sind, die so handeln.

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Warnung: Ich komm' da komplett vom Thema ab und so weiter, aber hey: ich darf das. Einfach weil's auch mein blog is'; da muss ich nciht "beim Thema bleiben". aber irgendwie is' doch imemr so eine gewisse Relation da; also .. .vielleicht bin ich mehr beim Thema als man denkt.

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Hey… also deterministisch seh' ich die Welt nicht. Im Gegenteil: ich lande immer wieder in Diskussionen mit Vertretern eines streng deterministischen Welbildes, die außerdem (ihrer) Außenperspektive auf das Subjekt einen erkenntnistheoretischen Sonderstatus zuschrieben, also quasi so tun, als wären sie selbst "ortlose" Beobachter oder als gäbe es überhaupt einen Ort der Beobachtung, der außerhalb aller Orte ist (Gott-Perspektive). Das setzt aber die Außenpespektive vor die Innenperspektive; und mir fällt letztlich kein erkenntnistheoretisch überzeugender Grund dafür ein, dass die Gott-Perspektive die ja unmöglich ist, aber von der diese Vertreter ausgehen) … besser, legitimer ist, als die Perspektive des Subjekts selbst:
Einwenig anders beschrieben: Wenn Person A "allwissend" über die Gegenwart ist (d.h. alle Nuturgesetze kennt und die das Universum empirisch vollständig erfasst hat), dann könnte sie, so die Annahme der Vertreter eines deterministischen Weltbildes, vorhersehen, was Person B tut. Damit würde Person B für sie zum "Objekt" werden, oder (wohl eher noch zum Film, wenn Person A davon ausgeht, dass sie selbst Objekt ist, was Vertreter dieser Form des Determinsmus ja tun). Person A kann also sagen: "Person B hat keinen freien Willen, weil alles, was sie tut und entscheidet, vorherbestimmt und vorhersehbar ist". Angenommen, es wäre eben tatsächlich alles vorhersehbar; würde das dennoch nciht den "(Freien (?)) Willen" negieren. Was ist der Unterschied zwischen "Willen" und "Freiem Willen"? Aus der Perspektive von Person B, der Innenperspektive (selbst wenn diese Selbst Vertreterin des Determinismus ist), kann sie ihr Ich und die Tatsäche, dass die Entscheidungen trifft, nicht negieren. Dass die Entscheidungen vorhersehbar sind und meinetwegen physikalische, psychologisch etc. determiniert sind, ändert nicht an der Tatsache, dass es sich um Entscheidungen handelt.

…lange Rede, kurzer Sinn, oder gar kein Sinn und langweiliges (und angeberisches) Gebrabbel: ich glaube nicht einmal, dass alles vorherbestimmt ist, und es ist letztlich auch irrelevant für mich. Ich argumentiere (bzw. postuliere, behaupte) auf einer viel pragmatischeren Ebene, dass wir den Einfluss unserer Entscheidungen auf unser Leben überschätzen.

…man gerät zufällig an die falschen Leute. Meine Freundin spielt 'ne große Rolle in meinem Leben. Ich hab' sie in 'ner Bar kennengelernt. Was hab' ich getan, um sie kennenzulernen? Ich hatte lange Haare, das war's. Sie hat mich angesprochen und ich hab's nicht verkackt. Ende.

…was hab' ich getan, dass mir meine Schwester Geld borgt, wenn ich welches brauche? Naja, ich bin ihr Bruder. und kein totaler Vollidiot. Wenn ich genau dergleiche wäre, der ich jetzt bin, wir aber keine Geschwister wären, würde sie mir nichts borgen, da bi nich mir sicher.

…wie bin ich in der Arbeit mit Behinderten Menschen gelandet? Ich war zu faul, mir einen Job zu suchen und hab' einfach bei der Numer angerufen, die mir 'ne Studienkollegin gegeben hat. Das war übrigens auch bei meinem Job im Hort so; 'ne Freundin gibt mir 'ne Nummer und sagt: Da meld' dich.

…klar bin ich "selbst Schuld", dass mein Leben so passiv läuft; aber es läuft ja nicht schlecht. Ich find# meinen Job schon okay und hab' mich über den Job im Hort gefreut. Aber das is' alles nicht wirklich durch meine "Entscheidungen" zustandegekommen. Hät' sie mir die Nummer von einer Hotelrezeption gegeben, weil ich ja eh so ein Nachtmensch bin, dann hät' ich dort auch angerufen. Mein Leben wäre drastisch anders verlaufen, ich wär' wahrscheinlich nicht in der Arbeit mit Behinderten gelandet, hätte gewisser Erfahrungen nicht gemacht, andere hingegen schon, etc. und das alles nur, weil meine studienkollegin halt nicht im Hotel, sondern im Hort gearbeitet hat.

…und warum hatte ich lange Haare (der Grund, aus dem meine Freundin mich damals angegraben hat)? Weil ich irgendwann am Teenager zu faul und zu geizig zum Haareschneiden lassen war, ein Kumpel, den ich letztlich im Diablo 2 Battlenet kennengelernt hab', meine Haare toll fand, weil er ein Metalhead war, und … dann war ich halt der Typ mit den tollen Haaren; und meine erste Freundin hat halt auch lange Haare gemocht. Irgendwie hab' ich mich dran gewöhnt. Keine Entscheidung im eigentlichen Sinne, und doch relevant für mein Leben.

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Wenn Jung und Mädels mit 13 in Cliquen kommen, dann is' es oft so, dass ähnliche Leute in ähnlichen Gruppen zusammenkommen; u.a. schon, weil sie in unterschiedlichen Schulen sind. Das Kind eines Top-Managers und einer Chefärztin geht nicht auf die gleiche Schule wie das Kind einer arbeitslosen Deutschen, die mal mit einem syrischen Asylanten zusammen war, jetzt aber Alleinerzieherin is'. Meine These geht in die andere Richtung: dass Menschen, die Reiche Menschen im Umfeld und im Freundeskreis haben, öfter selbst reich werden, liegt daran, dass sie eigentlich schon im Vorhinein eher reich waren, und deswegen erst in den Bekanntenkreis gekommen sind. Und wenn die nicht vorher schon reich waren, dann waren's die Kontakte zu den Reichen, deren Unterstützung etc., die relevanter fürihren Erfolg waren, als irgendwie Verhaltensweisen, die sie sich abgeschaut haben. Nicht, dass letzteres nicht grundsätzlich vorkommen kann … aber es spielt eine eher geringe Rolle. Vor allem, wenn's um Geld geht.

Anders is' es wohl bei Bildungsinstitutionen, Gruppe usw. (also "Reichtum" is' für mich da eher die Ausnahme). Ich glaub', wenn jemand Methematik studiert, wird er anders, als wenn er Soziologie studiert. Ich hab' mit Pädagogik begonnen, war begeistert, und deke jetzt "wie ein Pädagoge". Hät' ich Mathematik studiert, dann würd' ich anders denken.
Das sind jetzt alles nur Annahmen, dafür hab' ich keine (wissenschaftlichen) empirischen Hinweise.
…gleiches Gilt wohl für "Konzertgeher", "erfahrene Clubber", "Fitnessjunkies" etc.

Dieses Credo "Schau dir die 5 Menschen in deinem Umfeld an, mit denen du am meisten Zeit verbringst. Du bist der Durchschnitt davon." … das funktioniert wahrscheinlich ganz gut. Aber ich glaub' nicht, dass du das so leicht ändern kannst, indem du halt andere Leute kennenlernst. Es hat schon einen Grund, dass man gerade diese Leute kennengelernt hat.

…ich lern' einfach keine wirklich dummen Menschen kennen. Sorry, kommt einfach nicht vor; is' keine Abneigung von mir, glaub' ich, das … passiert einfach so.
Ich könnte jetzt krampfhaft versuchen, "Manager" kennenzulernen, in einer Versicheurng anfangen und mich dort an die großen Ranmachen; der Erfolg davon wäre wahrscheinlich sehr gering. Die würden erkennen, dass ich "nicht dazu gehör'", dass das wohl Arschkriecherei is', dass ich mich da in einen Kreis hineinschwindeln will, weil ich nahe der (unterstellten) Sonne sein will, und am Ende des Tagen würd' ich ach der Arbeit heim gehen, mich bei irgendeiner Bekannten auskotzen und danach mit 'nem Kumpel auf ein Konzert gehen.

…ich sag' nicht, dass das gar nicht funktioniert, aber das bruacht extrem viel Zeit. Und ich würde v.a. dieses Management-Geschwafel, das Erfolgsgerede und das, was Reiche Leute von sich geben, nicht sonderlich ernst nehmen. Is' ein etwas konstruiertes Beispiel, aber wenn eine Person durch russisches Roulette 'ne Million Euro gewinnt, und eine andere Person 20 Jahre lang dafür arbeitet, dann haben am Schluss beide 'ne Million, beide sind reich und beide können irgendwelchen Mist erzählen; nur weil einer von beiden Erfolg beim russischen Roulett hatte, würd' ich nicht sagen, dass er Ahnung hat.

…und wenn wir mal die Konstruktion des Beispiels wegnehmen, kannst du das Russische Roulett durch einen extrem riskanten Hedgefond ersetzen, der halt zufällig Erfolg hatte; durch die Investition in DIE EINE Aktie, von der die Person "von Anfang an gewusst hat, dass sie Erfolg haben wird" (das is' etwa so ernst zu nehemn, wie den Lottogewinner, der "diesmal ein total gutes Gefühl" hatte und "irgendwie wusste, dass er diesmal gewinnt"). Du kannst auch durchaus vernünftigere Sachen dazuschmeißen: es gibtin diesen Multi Level Marketing Vermögensberatungen durchaus Leute, die zu Kohle gekommen sind. Die sind halt rechtzeitig auf den Zug aufgesprungen; ja das war 'ne Entscheidung. Der Zug hätte genausogut einfahren können. Dass gerade dieser Zug angekommen is', is' vielleicht kein "Zufall", vielleicht war's schon irgendwie naheliegend; aber nur weil jemand einmal (oder auch zweimal) den richtigen Zug erwischt hat, heißt das nicht, dass er Ahnung von irgendwas hat.

…bin mir gerade nimmer sicher, wie das Beispiel ging, hab's in einem Buch gelesen. Ah… ich versuch's mal zu rekonstruieren:

Stell dir vor, es gibt einen Haufen Aktien von Firmen, deren Entwicklung unvorhersehbar ist. Und dann reduzieren wir das auf einen Kopf- oder Zahl- Wurf.
Puh… sorry, is' schwer zu rekonstruieren,…

Ich hab' eine Grundmenge von 1 000 000 Menschen, ja? Jetzt schick' ich an 500 000 Menschen davon eine Mail aus, dass ich das vorhersehen kann: und es wird Kopf rauskommen. An 500 000 Menschen schick' ich eine Mail, dass Zahl rauskommt.
Nachdem es Kopf wird, schick' schreib' ich die 500 000 Leute, denen ich "Kopf" Geschrieben hab', nochmal an: der Hälfte schreib' ich "Kopf", der anderen schreib' ich "Zahl". Ich bin spezialist, und sie mögen mir doch Vertrauen, mir für meine Tipps Geld schicken, bla, bla, bla.

…das ganze mach' ich mehrmals. Für 250 000 Menschen bin ich dann dreimal richtig gelegen, für 125 000 viermal, für 62 500 fünfmal, für 31 250 Menschen sechsmal, für 15000 (vereinfacht) Menschen sieben mal, für 7500 Menschen acht mal, für 3750 Menschen neunmal, für  grob 1600 zehn mal; und wenn mir dann irgendwan mal die Leute glauben (hey, ich bin zehn mal richtig gelegen), dann schicken sie mir ja vielleicht doch mal Geld. Ich glaub', es gibt eine Betrügermasche, die so in etwas abläuft.
…nur weil einer 10 mal hintereinander beim Kopf oder Zahl gewonnen hat, würd' ich dem keinen Cent für seinen Ratschlag geben. (Oder … realistischerweise würd' ich's vielleicht doch, weil ich auf die Masche reinfall'. Nicht bei Kopf oder Zahl, aber bei irgendwelchen anderen, komplexeren Sachen vielleicht schon; Wetttipps beim Fußball oder sowas).

Ehm,… think about it. Und geh' mal über den Friedhof der guten Ideen (jetzt fällt mir auch das Buch wieder ein bzw. jetzt hab' ich's gefudnen: Rolf Dobelli (2014): "die Kunst des Klaren Denkens". Is' auch ziemlich banal und eifnach zu lesen; man kann theoretisch über mehrere Sachen gern diskutieren, aber so als "Sammlung" is' es schon nett). …am Friedhof der guten Ideen, am Friedhof der talentierten Musiker etc. sind haufenweise Leute, die's nicht geschafft haben, obwohl die Ideen super waren, die Leute Engagiert etc.; einfach weil … Schinken. Im Nachhinein kann man leicht mal sagen: "War doch klar, dass…", aber wenn man sich mal in so einen Blödsinn wie Schädelvermessung einließt und versucht, die Logik nachzuvollziehen, wer weiß, wie blöd die Idee dann wirklich is'.
Don't get me wrong: ich bin kein Vertreter der Schädelvermessung und just 4 Info: soweit ich weiß, war die Schädelvermessung auch von Anfang an schon stark umstritten; aber mir fällt bis heute nicht wirklich ein Argument ein, warum die nicht funktionieren sollte; also: warum sollte Schädelvermessung unwissenschaftlicher sein, als bunte Bilder von der Gehirnaktivität verschiedener Areale? Weil die Persönlichkeit bzw. das Denken im Hirn und nicht im Kopf passiert? Ist es so unrealistisch, dass Menschen mit - was weiß ich - einer flachen Stirn eher zu Kriminalität neigen; während es realistis ist, zu sagen, dass Menschen mit einer überaktiven Hypophysendrüse leicher jemandem vertrauen? Joa, vielleicht is' die empirische Basis der Neurologie vorhanden und die Schädelvermessung war "frei erfunden". Aber so von der Idee her würd' ich persönlich auch im Nachhinein nicht sagen können: "War doch völlig klar, dass das scheitern muss. Wer kommt schon auf die blöde Idee von Schläfenfalten auf den Charakter zu schließen?"

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