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Eine kleine Gruselgschichte

Eintrag erstellt von selfrevolution · - 263 Ansichten

Wir hatten ein paar schöne Tage. Dass es nicht viele sein werden, war mir klar; ich hab' auf zwei Wochen getippt, aber es war dann doch nur eine. Einwenig mit schwammigen Emotionen gefüllt, aber das war eben das Schöne; dass zwar nicht realistisch aber zumindest emotional das "Mehr" da war.

Also … zwei benebelte Menschen landen miteinander im Bett. Einer davon mit konservativen Werten und lockerer emotionaler Einstellung, der andere mit lockeren Werten aber emotionaler Kamikaze-Einstellung. Erstmal weiß keiner so Recht, was er sagen soll, also schickt Kamikaze einfach eine Nachricht: lass uns rummachen!
Was die Konservative denkt, ist natürlich unklar, weil sie innerlich wohl zerrissen is'. Vielleicht wollte sie in dem Moment wirklich nicht mehr als einfach nur vögeln und hat Kamikaze falsch eingeschätzt; der hat doch ständig andere Frauen und eine offene Beziehung. Der muss doch locker sein. Aber auf der anderen Seite … ist Sex eine ernste Sache. Und eine emotionale Sache. Eine bedeutungsvolle Sache. Jedenfalls nichts, was ein konversatives Mädchen einfach so machen würde, ohne dass es eine Bedeutung hat. Ja, ein konservatives Mädchen kann das emotional gar nicht, oder?

Es muss also mehr bedeuten, und auch Kamikaze scheint interessiert an einer Wiederholung. Und einer Vertiefung. Und er scheint echt … das Ganze viel ernster zu nehmen, als es das konservative Mädchen gedacht hat. Will er etwa wirklich etwas von ihr? Sie hätte ihn doch nie so eingeschätzt. Sie mochte ihn immer, war immer irgendwie angezogen, so ein cooler Kerl; aber es war klar, dass das nichts werden kann. Dafür ist er viel zu … anders gepolt. Aber er scheint voll da zu sein; offen zu sein. Dass es nichts wird ist wohl klar, denn er hat eine Freundin. Und er sagt auch, dass das so bleiben wird. Aber er ist sehr präsent, das ist doch irgendwie widersprüchlich.

…naja, er hat sie halt auch echt gern. Und sie zieht an, sie fragt, ob er wieder vorbeikommen will, sie spielt nicht herum mit "vielleicht", sie ist nicht "zu beschäftigt", sie ist spontan, sie ist toll, sie ist interessiert, und sie hat keine Angst, Emotionen zu zeigen. Denn Kamikaze mag eine offene, lockere Wertvorstellung haben, aber im Grunde is' er ein emotionaler Mensch, der sich eigentlich sehr gerne bindet. Und zwar an alle Menschen gleichzeitig. Der alle in sein Leben holen möchte und alles ernster nimmt, als er es gerne würde.

Gut, gut, das ist eine gruselige Kombination. Sie will irgendwie raus aus der Sache, weil sie das Ganze nicht so ernst gemeint hat, aber sie kann nicht sagen, dass sie's nicht ernst gemeint hat, weil sie ja konservativ ist, und ihr das etwas bedeuten muss. Und … das hat es ja auch. Also wirklich. Er ist ein toller Kerl. Super anziehend. Super einfühlsam. Aber … aber dass er ihre lauwarmen Gefühle erwidert, damit hat sie nicht gerechnet. Das kann doch nicht wirklich so sein, oder? Kann das wirklich etwas ernstes werden? Also, darüber muss man sich dann schon Gedanken machen. Zumindest das konversative Mädchen.
Kamikaze hat es einfacher, was die Entscheidungsfindung betrifft: voll drauf! Es is' zwar total dämlich, aber es fühlt sich gut an. Natürlich wird das nicht lange gut gehen. Sie wird irgendwann einen anderen Kerl kennenlernen, mit dem sie was Ernstes beginnt; das is' der Lauf der Dinge und so wird das schon passieren. Ein Problem wird es erst … nunja, wenn das nicht passiert. Dafür braucht man natürlich schon ein Ausstiegsszenario. Aber ... darüber braucht man sich doch jetzt keine Gedanken machen: aus is' es von selbst irgendwann. Dass er voller Gefühle ist, das macht ihm nichts. Schmetterlinge lügen, so viel weiß der gelbe Frosch. Aber es is' toll sich die Schmetterlinge anzusehen und ihnen nachzujagen, solange sie noch überraschend, frisch und schön sind, und man sich noch nicht an ihnen satt gesehen hat. So wie ein neuer Lieblingssong, den man auf Dauerschleife stellt und in der Playlist hochpusht.

Tja… sie hat's beendet. Ob die Gründe echt oder vorgeschoben sind - nämlich, dass sie keinen bedeutungslosen, lockeren Sex haben kann - das ist eigentlich egal. Interessant für mich finde ich, nach meinen "Glückwünschen" für die weitere Zeit, die Formulierung "jetzt wieder mehr Zeit für andere haben".

Ja, zeitintensiv war die Sache die letzten Tage schon. Drei Übernachtungen in sieben Tagen und noch ein Abendbesuch; das is' nicht mehr "locker". Und ich muss an diesen einen Moment denken, als ich mich gefragt habe: hätte ich doch nicht um Mitternach nochmal vorbeikommen sollen? Hätte ich doch nicht mein Date für sie sausen lassen sollen? Und ich frage mich, ob ich sie wirklich noch hätte zu mir einladen sollen. Sie ist zwar gekommen und wir hatten einen super schönen Abend. Aber war der vielleicht zu viel? Und ich frage mich: hätte ich am nächsten Abend wirklich noch einmal bei ihr übernachten sollen? Und ich frage mich, ob ich nicht den Abend heute absagen hätte sollen.

…und dann kam mir dieser eigenartige Gedanke. Quasi wie eine Erleuchtung, ah… ich meine ein Irrlicht, das aber doch toll is'. Nämlich: nö. Nö, ich hab' schon irgendwie alles soweit richtig gemacht. Stimmt vielleicht nicht ganz, aber es war schön. Und wenn ich jetzt drüber nachdenk', dann is' das wohl wirklich ein Irrlicht. Ja, wahrscheinlich wär's wirklich gut gewesen, mal einen Gang zurückzuschrauben.
Aber hey, was soll's. Es is' einwenig verunsichernd, dass sie diejenige war, die die Notbremse gezogen hat, die einen aus dem Zug geschmissen hat und so weiter, und es kommt allgemein auch besser an, derjenige zu sein, der Schluss macht. Aber ehrlich gesagt … gerade angesichts dieser komischen Konstellation denk' ich, dass man keine Angst haben sollte, der zu sein, mit dem Schluss gemacht worden ist. Jemanden wegzustoßen, nur weil man das Gefühl hat, demnächst selbst weggestoßen zu werden, das kommt mir irgendwie feige vor. Und es verhindert auch eine schöne Zeit. Schluss machen, jemanden wegstoßen, das sollte man wohl dann, wenn man keine Lust mehr drauf hat … oder aber, ich mein', wir sind hier ja im Pick Up forum, wenn man denkt, dass es mehr anziehung an Spannung schafft. Aber jemanden wegstoßen, um "cool" zu sein, um der Sieger zu sein; um zu verhindern, dass man selbst weggestoßen wird, das is' eigentlich sogar ein ziemlich trauriger Grund, eine Sache zu beenden.

…und das Ding ist, der Gedanke kam mir vorhin, dass ich glaube, dass auch das konservative Mädchen den Kamikaze-Frosch weggeschubst hat, weil sie Angst hat, verletzt zu werden; Angst hat sich zu verbrennen. Denn hey: es war schon verdammt schön, und es ist nicht so, als hätte ich mich aufgedrängt. Wir haben beide angezogen, und wir sind beide auf das Anziehen der anderen eingegangen. Sie hat mit dem heftigen Liebesgeflüster begonnen (und mich einwenig angesteckt, auch wenn ich da zurückhaltender war) und ich hab' die Initiative beim Ausmachen von Treffen übernommen - vom "groben Plan" (Donnerstag da und dort) bis zu Kleinen Plan: "Lass uns mal rüber gehen und dort versteckt rummachen. Die anderen sollen ja nichts wissen."
Also … wir haben es beide genossen, und ich sage einmal, zumindest etwas über Zimmertemperatur war es schon seit Jahren zwischen uns, und die letzte Woche war schon sexy; nicht kochend heiß, aber schon so wie ein frisch gemachter Tee, bei dem es weh tut, wenn man die Tasse anfasst. Also ich glaub', sie hat's beendet, weil sie Schiss davor hatte, wie es ist, wenn ich dann doch irgendwann Schluss mach'; und dass einer von beiden Schluss macht war absolut klar. Dann is' sie verletzt und hat Zeit verloren. Das läuft ja doch auf nichts hinaus, und sie muss sich darauf konzentrieren, einen richtigen Freund zu finden. Auf immer! Auf Ewig! Oder zumindest will man ja kein Fickfetzen sein. Oder ... oder doch? In beiden Fällen is' der gelbe Frosch scheinbar der falsche: was Ernstes kann's nicht werden, weil er vergeben is'; und was lockeres kann's nicht sein, weil er dafür echt zu präsent ist, zu viel investiert und das alles voll emotional ist.

Alles legitim. Es waren nur ein paar Tage, aber die haben sich echt heftig angefühlt. Wie … wie eine Beziehung im Schnelldurchlauf. Hübsch, hübsch. Also echt. Is' nicht so, dass ich "froh" bin, dass es vorbei is' und es is' nicht so, dass es mir nicht lieber gewesen wäre, das hätte doch noch 'ne zweite Woche gehalten. Oder gar einen Monat! Aber mir war echt so klar, dass das nicht lange gut geht, und ich wollte mich emotional mal echt nicht zurück halten. Hatte schon sehr, sehr lange nichts mehr mit einem Schmetterling.



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