Candygirl

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Über Candygirl

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    Sport, Malen, Schreiben, Baguette bestellen, Sprechen, meine wundervollen Freunde, Herzen voller Liebe, Liebe in die Welt tragen, lieben

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  1. "Schließ mich weg, schließ mich weg" schreit das Herz. "Wie soll ich jemals wieder vertrauen? Wie jemals wieder wagen zu lieben?" "Solange du dir selbst nicht traust, kannst du nicht lieben. Nicht dich selbst und auch niemanden sonst. Lerne, dir selber zu vertrauen, auf dich selbst zu hören, dann kannst du dich wieder der Liebe schenken. Dich selbst zum Geschenk machen auf dem Altar der Liebe." So klingt die Weisheit der Seele, welche in mir hin und her wiegt wie das Meer, sanft und liebevoll, in Wogen und Wellen. Das Schlimmste ist jetzt überstanden. Die Gedanken an ihn werden weniger. Ich konzentriere mich auf mich selbst, arbeite fast jeden Tag an Natarajasana, kümmere mich um mich, höre in mich hinein. Und ich sehe es jetzt auch: Wir haben nicht zueinander gepasst. Ich spüre jetzt, dass ich so viel mehr will als das, was er mir jemals hätte geben können. Noch immer knabbere ich an der Art und Weise der Trennung. Aber auch das wird eines Tages nicht mehr wichtig sein. Jeden Tag verblasst er etwas mehr in meiner Erinnerung. Schon jetzt erinnere ich kaum den Klang seiner Stimme. Und irgendwann wird er verschwunden sein. Ich arbeite im Moment an dem wohl wichtigsten Projekt meines Lebens: Dem Projekt Selbstliebe. Und das Universum unterstützt mich tatkräftig auf diesem wundervollen Weg. Etwas Geld ist aus verschiedenen Richtungen zu mir geflossen und aufgrund weiterer Fügungen konnte ich mir einen großen Traum erfüllen. Ich habe zufällig vergangenen Montag einen sehr günstigen Flug gefunden und werde in fünf Monaten für vier Wochen auf den Philippinen herumreisen. Mich meinen Ängsten stellen. All Ein. Eins sam. Ich habe heute gar keine große Lust von meinen Dates und Bekanntschaften zu erzählen. Außer vielleicht: Wenn ich Sex wollte, könnte ich ihn jederzeit haben, ich bin aber im Moment extrem wählerisch. Das sind vorerst meine Neuigkeiten. Ach, eine Sache noch: Candygirl trägt jetzt Lippenstift ;) Ich wünsche euch, dass ihr ebenfalls eine magische Adventszeit habt, die Lichter dort draußen und in euch selbst genießen könnt und dass auch eure Träume sich erfüllen.
  2. Meine Seele schmiegte sich an seine Seele. "Du musst jetzt aufwachen, meine Liebste" klang seine sanfte Stimme tief in mir. "Lass mich noch etwas verweilen, hier, hier bei dir. Es ist kalt draußen und der Regen fällt schwer" flüsterte ich mit geschlossenen Augen und nächtig-müder Stimme. "Dann verbleib noch einen Augenblick, hier, hier bei mir. Doch geh, ehe die Nacht vergeht." Und er küsste meine Stirn und hielt mich noch näher an sich. Meine Seele schmiegte sich an seine Seele. Bis der Tag begann. Seither wandle ich in alten, längst vergessenen Gewölben, das hin und her wiegende Knarren der schweren Holztür von weit hinter mir, der Wind, welcher das von draußen geborgte Laub über den marmornen Boden treibt, es um meine nackten Knöchel tanzen lässt. Fern das hallende Verklingen von Kinderstimmen. Am Ende der Hallen die Tür zum Garten, durch deren buntes Glas das Licht zu mir zerbricht. Aber noch wandle ich in Schatten. Von Schatten hin zum Licht. Diese Bilder sind in den letzten Tagen in mir gewachsen, aber ich konnte sie nicht eher hier niederschreiben, da das Ladekabel meines abgeklapperten Laptops nun endgültig den Geist aufgegeben hat. Schwer mögen euch jene Bilder erscheinen, doch nicht nur schwer ist derzeit mein Leben, wenngleich ich der Schwere genügend Raum gebe, um zu sein. In der Stille, wenn ich mit mir alleine bin. Die größte Zeit des Tages jedoch, in der Welt dort draußen, strahle ich nun wieder. Und davon will ich euch jetzt berichten. Von dem Strahlen, der Leichtigkeit. Vor eineinhalb Wochen habe ich beschlossen, wieder Männer in mein Leben zu lassen, oder besser gesagt, in mich zu lassen. Ihr erinnert euch, als ich hier geschrieben habe, dass ich mir einen Mann als Trostpflaster mit besonderen Qualitäten wünsche? Es ist unglaublich, aber genau so jemanden habe ich gefunden. Einen wirklich sehr, sehr lieben Mann. Schon als ich seine Stimme gehört hatte, spürte ich seine Herzenswärme. Er gibt mir nicht nur den Sex, den ich gerade brauche, sondern er ist da, hält mich die ganze Nacht, lacht mit mir, wir hören einander aufmerksam zu, auch der Traurigkeit in uns, er ist da und er tut mir gut. Er weiß, dass er mir ein Trost sein soll und ich weiß, dass er ab Februar aus beruflichen Gründen das Land verlassen wird. Uns beiden ist klar, dass wir für eine begrenzte Zeit einander lieben dürfen, um danach wieder die eigenen Wege zu gehen. Das Universum gibt mir aber noch so viel mehr. Bei Tinder und Lovoo matche ich genau die Männer, die ich haben will. Und auch in meinem Alltagsleben flirten Männer mit mir, machen mir Komplimente, alte Bekannte melden sich über Facebook und umgarnen mich. Es kommt nicht von ungefähr: Ich bin schön geworden. Habe seit der Trennung abgenommen und mich zudem sehr um mich selbst gekümmert. Seit sechs Wochen rauche ich nicht mehr, dafür pflege ich mich: Meine Haut ist wieder rosig-frisch und meine Haare glänzen. Zudem kämme ich sie nicht mehr auf Teufel komm raus glatt, sondern trage meine natürlichen Wellen. Ich bin da angekommen, wo ich immer sein wollte: Bei mir selbst. Der Adventskalender, den ich mir im Moment selbst bastele, ist beinahe fertig. Darin sind unter anderem drei Lippenstifte von MAC im Wert von über 60 Euro. Nie zuvor hätte ich so viel Geld für Lippenstift ausgegeben, doch ich gönne mir jetzt. Männer, Lippenstifte, gutes Essen, Ruhe, Freunde. Aus Selbstliebe. Es tut mir sehr leid für seine Seele. Dass er es war, der mir so viel Schmerz zufügen musste, damit ich das größte Geschenk auf Erden empfangen konnte: Zu erkennen, dass man selbst Liebe ist. Selbstliebe. Immer mehr kann ich ihn loslassen, denn er war nicht meine Liebe, es war immer meine eigene, meine eigene Liebe, welche ich mit ihm teilte. Dennoch kommen noch Tränen. In den Abendstunden. Wenn ich einsam bin. Obwohl ich einsam bin. Eins sam. Ja, ich stottere noch immer. Mal mehr, mal weniger. Es kommt und geht und es darf sein. Es ist in Ordnung. Alles ist in Ordnung. Ich weiß nicht, der wievielte Tag heute ist. Seit der Trennung. Es ist nicht mehr wichtig. Es wird einer kommen, der mich unendlich lieben wird, so wie ich mich selbst liebe. Aber noch nicht jetzt. Ich bin noch nicht bereit. Ihr dürft euch in der nächsten Zeit auf viele Männergeschichten einstellen. Dating ist aufregend und intensiv, aber vor allem auch lustig. Ich werde viele Geschichten voller Emotionen zu erzuählen haben und sie gerne mit euch teilen. Habt eine schöne Nacht. Ich verbringe sie heute bewusst allein.
  3. Tag 49 Ich komme eben vom Yoga. Auf dem Weg zum Studio - ich laufe eigentlich immer zu Fuß - fiel mir auf, wie beschwingt und zufrieden ich vor mich hinlief. Dabei fiel mir ein, wie düster und vernichtend meine Gedanken vor der Beziehung waren, zuweilen so stark, dass sie im Begriff waren, mich zu zerstören. Ich erinnerte, wie unendlich leer und ausgelaugt ich vor zwei Jahren war, meine Seele so ausgehungert nach Nähe und Zärtlichkeit, dass sie sich beinahe selbst verschlang. Und dann, in der Beziehung, wurden meine Bedürfnisse nach körperlicher Nähe gestillt. Zum ersten Mal in meinem Leben. Wo zuvor unstillbarer Hunger, grenzenlose Sehnsucht und schwarze, dunkle, tosende Gier war, trat nun ruhige Wärme, stiller Frieden und umarmende Liebe. In mir ist nun nicht mehr dieses herzerbarmende Flehen, das weinende und schreiende Leiden meiner Seele. Meine Seelengebete sind erhört worden und ich habe erhalten, was zu meiner Heilung nötig war, zu meiner Ganz-Werdung, denn das bedeutet Heilung. Ich bin nun ganz, denn der verlorene, verkümmert-verkrüppelte Teil, der damals keine Liebe bekam, kein Streicheln, kein Umarmen, keine Küsse, kam zu mir zurück, nachdem er weit, weit fort war, all die Jahre. Und all die Jahre wandelte ich rast- und ruhelos durch fremde, kalte Betten auf der Suche nach ihm, getrieben von der Leere, welche er in mir hinterlassen hatte, als er ging. Und nun, da er wieder bei mir ist, bin ich eine andere. Ich bin nun wahrlich einsam, im ursprünglichen Sinne. Die Silbe -sam hat eine so wundervolle Bedeutung, welche wir alle längst vergessen haben. Zusammen mit einem Substantiv bedeutet sam <erfüllt sein von>. Und so bin ich nun Eins-sam. Ich bin erfüllt vom Eins sein. Ich bin Eins, ich bin Ganz. Ich brauche keinen anderen Menschen mehr, um mich ganz zu fühlen. Ich werde irgendwann wieder einen Menschen brauchen, der meine Bedürfnisse befriedigt, aber ich werde niemanden mehr brauchen, der eine Leere in mir füllt. Er hat mir so weh getan, aber dadurch ist nichts in mir zerbrochen. Wenn etwas zerbrochen ist, dann nur die Illusion, die mich davon abhielt, ich selbst zu sein.
  4. Chopin, du hast recht mit dem Date.. Du hast es in Worte gefasst, was ich nur diffus in mir spürte. Es hat sich ohnehin erledigt - er hat sich nicht mehr gemeldet. Was ich im Übrigen als großes Kompliment ansehe. Tag 45 Er hat mir am Donnerstag Vormittag geschrieben: "Ich hoffe, es geht dir gut." Ich habe nicht geantwortet und dann am Freitag seine Nummer blockiert. Er kann mich nicht mehr anrufen. Ob SMS durchgestellt werden, weiß ich nicht. Heute war ich den ganzen Tag gut abgelenkt, da ich ein Punktspiel hatte und ziemlich gut war. Volleyball macht mich einfach glücklich. Doch ansonsten weine ich sehr viel. Da sind so viele Worte in mir, die ich ihm so gerne sagen würde. Und da das nicht geht, möchte ich sie sehr gerne mit euch teilen. "Was möchtest du hören, wie es mir geht? Es geht mir nicht gut. Du hast mich wochenlang von dir gestoßen und ich war trotzdem zuckersüß und lieb zu dir. Und die Art und Weise, wie du es hast enden lassen, das alles habe ich nicht verdient. Ich möchte, dass du mich gehen lässt. Ich möchte all das abschließen und vergessen. Du hast mir so weh getan." Seit sechs Wochen und drei Tagen kostet mich jeder einzelne Tag so viel Kraft und ich frage mich, wie ich all das bisher geschafft habe. Ich muss wohl einen Schritt vor den nächsten gesetzt haben in diesem düsteren Schmerzensnebel. Denn so fühlt es sich seither an: Als sei ich in jenem dunklen Schleier gefangen und suchte meinen Weg hinaus. Ich habe mich eben sehr lange gedehnt und Natarajasana geübt, wie immer im Kerzenschein vor meiner Fensterfront, in den Nachthimmel und die Sterne hinein. Der Schmerz tanzt mit mir, er ist in mir und um mich herum, ich umarme ihn und lasse mich von ihm führen, er tanzt mich und ich tanze ihn, bis wir einander eines Tages loslassen können. Leicht und schwer - hält er mich an der Hand Leicht und schwer - lenkt er meinen Gang So ist das mit dem Schmerz. Er wird noch eine Weile bei mir bleiben. Bis er es eines Tages nicht mehr sein wird. Und dann wird alles anders sein. Er hat mir so weh getan. So viele Male sagten wir einander "Ich liebe dich" und nun weine ich seinetwegen so viele Tränen, schaue jedes Mal auf die Straße hinab, wenn ich mein Schlafzimmerfenster öffne, er wird nicht kommen, weil er vielleicht selbst in seinem Zimmer sitzt und sich fragt, wie all das geschehen konnte, wie es sein kann, dass wir einander nun so fern sind, dass unsere entzweiten Herzen einander rufen, aber keine Antwort mehr erhalten, keinen Widerhall, nichts. Dass wir einander nun so fern sind. Weil wir Menschen sind. Und weil jenes zum Leben gehört. "Wenn du bereit gewesen wärst, dann hätte ich dich geliebt. Bis ans Ende meines Lebens." Ich habe gemalt. So in etwa hätte ich gerne das Bild für den Blog. Noch trifft es aber nicht den Blick, den ich gerne hätte..
  5. Tag 35 Ich war auf dem Weg nach Hause, um mich für ein Date fertig zu machen. Ich stieg jedoch in seiner Straße aus dem Bus aus, lief den Weg zu seiner Wohnung, klingelte und stapfte die Stufen hoch. Es war wie immer, nur dass er nicht allein war und mich nicht beachtete. Kurz danach jedoch lag ich auf ihm, sah das Licht um uns herum, zeichnete die Konturen seines Gesichts mit meinen Fingern nach, als wollte ich es für immer in meine Erinnerung einschließen. Unsere Seelen ein letztes Mal verschmolzen. Unsere Aura erleuchtete ein letztes Mal unsere Welt. Es war der Abschied. Ich spürte, dass es das allerletzte Mal sein würde. Es fühlte sich so real an, dass ich mich verwirrt in meinem Jugendzimmer umsah, als ich aufwachte. Seit ich bei meinen Eltern bin, träume ich jede Nacht von ihm. Sehr klare, sich real anfühlende Träume. In Hamburg hatte ich ihn nur düster und verschwommen wahrgenommen. Durch den Abstand bin ich nun wohl stark genug, um ihn noch einmal anzusehen und dann loszulassen. Ich möchte euch gerne von der Sitzung bei meiner Therapeutin berichten. Seit nunmehr 15 Jahren kenne ich sie und sie ist seither keinen Tag gealtert. Immer strahlend schön, glänzend und lichtvoll, so war sie auch dieses Mal wieder. Als zitterndes, verstörtes Mädchen saß ich einst vor ihr und sie hat mich all die Jahre begleitet und geführt, ebenfalls den Weg des Lichts zu gehen. Ich kann leider nicht mehr alles exakt wieder geben, aber ich werde es versuchen, auch wenn meine Worte ihr nicht gerecht werden. Ich habe es der Einfachheit halber in direkter Rede aufgeschrieben, aber es sind nicht 1:1 ihre Worte. Es ist nur eine Geschichte. Zuerst berichtete ich ihr von der Zeit bevor ich ihn traf, dem Kiffen, der sexuellen Gewalt, der Dunkelheit, dem Gefühl der Kaputtheit, der Einsamkeit und der Leere, die mich beinahe zerbersten ließ. Ich erzählte von der ersten Begegnung, als ich wusste, dass er mich beschützen würde, den Erinnerungen, die in der Anfangszeit in mein Bewusstsein strömten, davon, dass ich die Arbeitslosigkeit ohne ihn nicht überstanden hätte, von der Leichtigkeit unserer Liebe, dem bis zuletzt liebevollen, zärtlichen Umgang, auch wenn er sich mehr und mehr zurückzog, je mehr Verbindung ich suchte. Dass ich leidend verharrte, obwohl ich spürte, dass es längst vorbei war. Dass er mir gesagt hatte, dass er gut zu mir sein würde. "Und das war er, Sala" sagte sie. "Er hat dich oft allein gelassen, aber da war keine Demütigung und keine Gewalt mehr. So eine Beziehung sucht man sich, wenn die letzten Schmerzen heilen. Wenn du dir noch einmal eine gewalttätige Begegnung gesucht hättest, dann wärst du wahrscheinlich wirklich eine Zeit lang in der Psychiatrie gelandet, aber so warst du noch nie: Deine Seele ging den Weg oft bis zum Abgrund, aber gesprungen ist sie nie. Auch mit den Drogen. Nie hast du die Linie zur Selbstzerstörung überschritten. Bei ihm durfte sich deine Seele ausruhen, sich niederlegen und heilen. Mach dir keine Vorwürfe, dass du so lange geblieben bist. Menschen wie du, die so viel wahrnehmen und spüren, brauchen Zeit, um all die Informationen zu verarbeiten, die Gefühle hinken da hinterher. Du hast beobachtet und dadurch langsam gelernt, was du in einer Beziehung brauchst und vor allem, wie du es deinem Partner gegenüber kommunizieren kannst. Nach eurer Beinahe-Trennung im Juli hat er es ebenfalls versucht, aber er konnte es nicht. Er ist in seiner seelischen Entwicklung weiter als deine Eltern, die in deiner Kindheit wie verletzte Tiere in ihrem Schmerz wild um sich bissen, ohne zu bemerken, dass du noch viel verletzter bist. Er hingegen lebt keine Gewalt. Er kann lieben. Dennoch kann er sich nicht verbinden. Noch keine echte Nähe zulassen. Aber er hat dich gesucht, Sala, und das kann etwas in ihm eröffnen. Es liegt jetzt an ihm, daraus etwas zu machen. Eine Begegnung mit dir, Sala, verändert. Deine Seele hat sich dieses schwere Leben, diese Familie, ausgesucht, weil du diese Erfahrung gebraucht hast, um das zu werden, was du jetzt bist. Du hast das alles jetzt überstanden. Kennst du die Geschichte mit dem Frosch und der Milch? Der Frosch fällt in einen Krug voller Milch. Er zappelt und schlägt mit den Beinchen, es wird schwerer und schwerer und schließlich glaubt er: Jetzt ist es vorbei. Jetzt werde ich ertrinken. Doch kurz vor dem Ende hat er die Milch zu Butter geschlagen, sie ist fest und er hüpft hinaus und ist frei. So auch du, Sala." "Ohne dich hätte ich das nicht geschafft" antwortete ich leise mit Tränen in den Augen, in Demut und Ehrfurcht vor allem, was sie für mich getan hat, was sie mich gelehrt hat, was sie mit mir geteilt hat. "Ich habe dich auch gebraucht, Sala. Du hast mich ebenfalls vieles gelehrt, was das Studium nicht vermochte." "Du kannst in einer Beziehung Leichtigkeit leben, da du sie in der Schwere deines Lebens gefunden hast. Die echte Leichtigkeit, die niemals ohne die Schwere existiert. Viele Menschen suchen die Abkürzung über Drogen und verlieren sich darin, andere wiederum springen mit einem Wingsuit trotz der zahlreichen Todesfälle in die Tiefe. Es gibt keine Abkürzung und ohne die Schwere, das Erforschen, die abertausend Testsprünge und das Wissen, kann es keine Sicherheit in der Leichtigkeit geben. Sie springen und sterben. Dein Exfreund ist seinem Schmerz nie begegnet. Er hat sich ihm nie gestellt." "Es ist ihm schwer gefallen zu gehen, weil ihr einander geliebt habt. Aber das Universum sorgt schon dafür, dass man gehen muss, indem es die Liebenden so unterschiedlich sein lässt, dass die Liebe alleine keine Brücke sein kann." "In euren letzten gemeinsamen Wochen seid ihr beide dem Weg der Seele gefolgt. Ihr hattet eine Stop and go Beziehung, so dass eure Seelen sich langsam voneinander lösen konnten. Ihr habt den jeweils anderen nicht aus euch herausgerissen wie einen Stachel. Bei diesem Herausreißen würde die Seele regelrecht ausbluten. Du hast das bereits erlebt, Sala, als du die Verbindung zu deiner arabischen Liebe abgebrochen hast. Du kennst diesen Schmerz. Er ist wie ein tiefer Schnitt, eine klaffende Wunde, aus welcher dein ganzes Blut quillt. Von deinem Exfreund hingegen durfte deine Seele sich langsam zurückziehen. Ganz ohne Schmerz geht es jedoch nie. Das weißt du jetzt." "Du kannst lieben und jetzt kannst du dich auch verbinden. Du kennst jetzt deine Bedürfnisse und kannst sie mitteilen. Du wirst ab jetzt Männer anziehen, die auf deiner Ebene resonieren. Aber vielleicht noch nicht jetzt. Du wirst vielleicht noch eine Weile brauchen, bis du wieder eine Beziehung eingehen kannst." "Mir fällt es vor allem so schwer ihn gehen zu lassen, denn mit ihm habe ich mir eine Zukunft gewünscht, Kinder..." "Sala, du kannst das jederzeit anders entscheiden, aber vielleicht willst du gar keine Kinder. Du hast dein Leben lang gekämpft und du weißt, dass das System, in welchem wir im Moment leben, Kampf bedeutet. Seit einigen Jahren werden sehr sensitive Kinder geboren, die eines Tages ein neues Bewusstsein auf dieser Erde erschaffen werden. Aber solange sie in der Übergangszeit leben, werden sie leiden. Du weißt das. Du hast das selbst erfahren. Außerdem, Sala, du hast deinen Teil bereits geleistet. Du bist aus der Gewalt emporgestiegen und hast Liebe gefunden. All deine Erfahrungen werden in das große Ganze eingespeichert und dort kommt es allen zugute. Du hast deinen Teil bereits geleistet. Du musst nicht mehr kämpfen." Das alles sind nur Ausschnitte unseres dreistündigen Gesprächs. Ich vermag es nicht, all das in Worten wiederzugeben, was sie mir geschenkt hat. Es war Liebe. Sie gab mir Liebe. Außerdem nahm sie mir die Angst vor dem Schreiben. Dem Schreiben in der Öffentlichkeit. Und so habe ich nun Mut, den Blog bald mit Leben und Liebe zu füllen. Ich habe ihr auch von diesem Thread erzählt. Davon, welch unendlichen Reichtum ich hier gefunden habe, welch unendlich großen Geschenke ich hier empfange, welch Liebe mir hier entgegengebracht wird. Jedoch auch, dass hin und wieder das Thema Borderline angesprochen wird. "Sala, wenn es danach geht, dann haben wir alle Borderline. Das ist nur ein Etikett, ein Urteil, das vergeben wird. Aber es führt dazu, dass man in krank und gesund unterteilt, sich abgrenzt, anstatt sich in den anderen hineinzufühlen, ihn zu verstehen und ihm beizustehen. Man zementiert so einen Menschen in eine Krankheit hinein, anstatt ihm das zu geben, was er benötigt. So ein Etikett sollte man nur vergeben, wenn jemand eine Auszeit von der Welt braucht. Und wenn es nötig ist, dass ein Mensch eine Auszeit von der Welt braucht, dann sollten wir alle uns fragen, ob dieser Mensch krank ist oder die Welt. Borderline ist ein Urteil und Urteile fällen Menschen dann, wenn sie nicht verstehen können oder wollen. Können, weil ihnen die Erfahrung fehlt, und wollen, wenn sie lieber die Schotten dicht machen, anstatt Nähe zu einem anderen Wesen zuzulassen. Zu einem Wesen, welches an den eigenen Schmerzen rühren könnte. Sala, du kannst diesen Menschen sagen: Es ist in Ordnung, wenn ihr mich nicht verstehen könnt oder wollt, aber kleinmachen werde ich mich von euch nicht lassen." Es hat sich alles verändert. Mein Elternhaus ängstigt mich nicht mehr. Die Geister, die mich hier verfolgten, sind nun erlöst von ihrem unbarmherzigen Los. Das Haus ist nun wieder das, was es eigentlich ist: Nur ein Haus. Wie es angefüllt ist, kann ich nun mitgestalten. Und wie sollte es auch anders sein, es wird ein Haus voller Liebe. Meine Eltern geben sich viel Mühe, mich aufzupäppeln. Sie haben mich Brot backen gelehrt, meine Mutter bekocht mich mit frischem Gemüse aus dem Garten, mein Vater erklärt mir die verschiedenen Vogelarten, die den ganzen Tag unseren Balkon besuchen, auf dem meine Eltern ihnen sehr liebevoll eine Futterstelle eingerichtet haben. Ein selbstgebautes Vogelhäuschen und ein halbes Dutzend Tannenzweige mit Meisenknödeln hängen von den Balken. Sie leben hier in Einklang mit der Natur und es scheint mir, als hätten sie ihren Frieden gefunden. Ich gönne es ihnen von Herzen. Denn ich sehe nun auch ihr Leid, welches sie erlebt haben. Ihnen selbst sind Tragödien widerfahren. Ich sehe das nun alles und ich hege keinen Groll. Ich habe ihnen längst vergeben und wünsche ihnen, dass sie ihren Lebensabend glücklich verbringen dürfen. Die beiden sind alt geworden und meine Mutter wird meiner geliebten Großmutter immer ähnlicher. Noch drei Nächte. Dann geht es zurück nach Hamburg. In die große Stadt. Jetzt, da ich hier jeden Tag umgeben bin von meiner Familie, Onkeln, Tanten, Cousins und Cousinen, Menschen, die mich lieben und vermissen, habe ich erst bemerkt, wie sehr ich das alles in Hamburg vermisse. Eine letzte Sache wollte ich noch erzählen: Als ich am Montag in der nächstgrößeren Stadt bei meiner Therapeutin war, hatte ich am Abend dort noch ein Tinder-Date. Wir gingen ein bisschen spazieren und als ich das Gefühl hatte, ihn einschätzen zu können, kam ich auf einen Tee mit in seine Wohnung. Nachdem wir etwa eine Stunde geredet hatten, küsste er mich. Es war der erste Kuss seit der Trennung. Der Kuss war nicht nur anders und ungewohnt, sondern leider ganz, ganz fürchterlich. Die Details erspare ich euch, nur so viel: Ich war heilfroh, als ich endlich zuhause war und meine Schnute mit Wasser reinigen konnte. Ihn jedoch log ich an. Ich sagte ihm, dass ich noch nicht bereit und emotional blockiert sei, mich noch nicht auf einen anderen Mann einlassen könne. Ich wollte ihn nicht verletzen, aber vielleicht seid ihr anderer Meinung und ich hätte bei der Wahrheit bleiben sollen. Nämlich, dass mir seine Küsse nicht gefallen haben. Das widerlich und ekelhaft hätte ich der sich gebietenden Höflichkeit zufolge ohnehin zensiert. Ich verabschiedete mich nach dem Kuss und im Auto dachte ich darüber nach, ob es zum Sex gekommen wäre, wenn der Mann mehr meinem Beuteschema geähnelt und es zudem verstanden hätte, eine Frau zu verführen. Ich habe darauf keine Antwort gefunden. Ich weiß nur, dass ich nicht mehr so needy nach Nähe bin, dass ich mit einem Mann schlafe, zu dem ich keinerlei Verbindung spüre. Vielleicht kann ich aber jetzt auch keinen Sex mehr außerhalb einer Beziehung haben. Wer weiß. Im Moment habe ich noch einige an der Angel, vielleicht ergibt sich eine FB. Nach meiner Oneitis hatte ich auch einen wirklich ganz bezaubernden Mann an meiner Seite, dessen sehr ausdauernder Charakter sowie sein riesengroßes Herz mir eine große Hilfe waren. Ich könnte noch so viele weitere positive Attribute wie ausdauernd und riesengroß aufzählen, aber es ist schon spät. Hach, so jemand wäre toll. So, ich muss jetzt schlafen. Ich glaube, heute Nacht wartet ein schöner Traum auf mich ;) "Wenn du bereit gewesen wärst, dann hätte ich dich geliebt. Bis ans Ende meines Lebens."
  6. Tag 29 Gemischte Gefühle. Morgen wird mich der Zug weit fort von all dem bringen und von dort werde ich mit Abstand all das anschauen können - mit Hilfe meiner Therapeutin. Ich will verstehen, weshalb ich in einer Verbindung verblieben bin, welche mir all meine Freude, all meine Energie raubte. In welcher ich so schlecht behandelt wurde. Ich kenne die Antworten ja. Aber ich will darüber sprechen. Es aussprechen. Es benennen. Damit es heilen kann. Ich habe heute übrigens das Date von gestern noch einmal nachgespürt. Da ist etwas, das mir nicht gefallen hat. Ich kann noch nicht genau sagen, was, aber irgendetwas ist da. Habt eine schöne Nacht. Ich werde mich noch ein bisschen vor der Heizung dehnen. Im Schein der Kerzen, die meine Wohnung so wundervoll warm beleuchten.
  7. Tag 28 - Tag des ersten Dates Ich muss mich jetzt beeilen, einen Impuls, einen Gedanken, niederzuschreiben, damit ich ihm auf keinen Fall folge. Etwas in mir will ihn kontaktieren und sagen: "Ich hatte heute ein Date mit einem anderen Mann. Jetzt ist wirklich die aller, allerletzte Chance mich zurückzuholen." Puh, Gottseidank ist das draußen. Jetzt kann ich das ziehende Schmerzgefühl in meinem Bauch akzeptieren und gemeinsam mit ihm von meinem Date berichten. Wer hier seit Anfang an dabei ist, weiß, wie meine Dates sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. Alles begann mit "Lass uns das Kaffeetrinken mal überspringen und gleich ficken". Dann kamen die Spaziergang-Dates, dann die Weihnachtsmarkt-Dates und schließlich die was-trinken-geh-Dates. Heute nun war ich mit jenem Mann etwas essen. Gesten beim Telefonieren hatten wir beschlossen, uns bei mir in der Ecke zu treffen und nicht im 5 Sterne Hotel, da sein Fitnessstudio in der Nähe ist. Es war ein wirklich schöner Abend. Ein schöner Mann, ein besonderer Mann. Sehr besonders. Er scheint, wie ich, etwas an sich zu haben, das anders ist. In seinen Erzählungen erkannte ich mich wieder. Sehr viele Ähnlichkeiten. Er ist sehr spirituell, ich habe jedoch das Gefühl, als sei die Spiritualität für ihn ein rein geistiges Konzept, welches er in seinem Kopf lebt, jedoch nie sein Herz durchdrungen hat. Er sagte, er sei schon mal verliebt gewesen, geliebt hätte er jedoch noch nie. Sein Geständnis verwunderte mich nicht, denn ich empfand ihn zwar als geistig hoch entwickelt, viel weiter als ich es bin, doch sein Herz schien mir verborgen. Weit fort. Es war ein wundervolles Gespräch und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Habe gelacht und mich lebendig gefühlt. Ich hatte keine Angst. Ich habe keine Angst mehr. Wir waren beinahe drei Stunden in dem Restaurant und zum Abschied gab es eine sanfte Umarmung. Keinen KC. Danach ging ich meines Weges. Den belaubten Gehsteig nach Hause, mit den Händen in den Taschen meines dunkelblauen Mantels, meinen neuen, schwarzen Stiefeln und die geglätteten Haare seitlich getragen. Adrett wie eine Lady. Da war keine Dunkelheit in mir, kein tiefes, schwarzes Loch, voller Leere, welches mich schmerzte, unendliche Sehnsucht, all das, was mich zuvor zu jenem selbstzerstörerischen Verhalten antrieb. Mich hinfort spülte, mich hineintrieb, in Arme, die mich schlugen, die sich um meine Kehle legten und sie zuschnürten. Heute war ich eine ganz normale, junge Frau. Eine ganz Hinreißende und Bezaubernde sogar. Er möchte mich wiedersehen. Und ja, ich ihn auch. Aber ab Freitag bin ich erstmal eine Woche bei meinen Eltern. Den beiden gebe ich immer mal wieder die Chance auf Wiedergutmachung. Und sie machen das ganz großartig. Ohne es auszusprechen, haben unsere Seelen das vereinbart. Und so dürfen sie auch dieses mal wieder meinen Herzschmerz beherbergen und mich aufpäppeln. Heftige Entwicklung bei mir. Habe ich heute ganz deutlich gemerkt. Ein Date im Restaurant mag für andere Menschen eine Selbstverständlichkeit sein, ich habe hierfür jedoch jahrelang gekämpft und an mir gearbeitet. Und so bin ich heute sehr, sehr stolz auf mich. Und auch, dass ich dem Impuls, ihm zu schreiben, widerstehe und die Kontaktsperre weiterhin einhalte. Eines Tages jedoch, da werde ich vor seiner Tür stehen und ihn umarmen. Und ihm sagen: "Diese Umarmung hättest du zum Abschied bekommen sollen. Doch dann hätte ich dich nicht mehr loslassen können. Du bekommst sie jetzt, denn jetzt habe ich dich bereits losgelassen." Vielleicht werde ich ihn aber auch nur in seinen Träumen besuchen. Wer weiß. Ich weiß nur, dass es vorbei ist. Denn die Frau, die ich mit ihm war, die bin ich nicht mehr. Das Vermissen ist nur ein weiterer Schritt im Prozess des Loslassens. Danke, dass ihr alle mir geholfen habt, so weit zu kommen. Wer weiß, was noch alles möglich ist. Danke.
  8. Kenjii, na dann ;) Loverboy, das Lied ist cool und ja, sehr passend. Aber das hier ist in Wahrheit meine Hymne: Sugar, honey, honey von The Archies Tag 27. Heute habe ich ihn sehr, sehr, sehr vermisst. Wirklich sehr. Lange Zeit waren wir wie beste Freunde, haben gekichert, gelacht und geschäkert, miteinander gespielt wie zwei Schmetterlinge, die umeinander flatternd ihren Liebestanz aufführen. Morgen habe ich ein Date mit einem Mann, der ihm gar nicht unähnlicher sein könnte. Wir haben eben kurz miteinander telefoniert. Er ist beruflich sehr erfolgreich, seinen Sport Calisthenics sieht man ihm an und er ist spirituell, was man ihm rein äußerlich zum Glück nicht ansieht. Wir haben uns am Telefon gleich gut verstanden und mit Sicherheit wird das morgen ein sehr spannendes Gespräch. Aber ist es nicht noch zu früh? Die offizielle Trennung ist erst vier Wochen her. Ich habe noch diesen Mann überall in mir, in jeder Faser, der nicht bodenständiger sein könnte, der mich als "Weib" oder "Frau" bezeichnete wie ein primitiver Urmensch. Und ich habe es geliebt. Und wie ich es geliebt habe. Dann konnte ich so wunderbar affektiert und aufgebracht mit betont weiblicher Stimme zetern: "Nenn mich nicht Weib. Und hör auf mich schon wieder zu begrapschen. Ich bin kein Objekt." Und während ich meinen Kopf beleidigt zur Seite geneigt hätte, die Lippen zum Schmollmund verzogen und die Arme verschränkt, hätte er mich lachend nachgemacht und mich gleich darauf gepackt, aufs Bett geworfen und spielerisch hätten wir gekämpft, bis ich mich ergeben hätte und zärtlich mit ihm eins geworden wäre. Und morgen wird alles anders sein. Es wird alles anders sein. Aber ich habe das alles doch so sehr geliebt. Er wollte keine Beziehung mit mir, weil es einfach nicht gepasst hat. Aber ich wollte doch zusammen mit ihm ein primitiver Urmensch werden, kiffen und Sex haben. Das Spirituelle in mir, das Feinfühlige, das hätte ich doch für mich behalten. Das hätte ich doch für immer vor ihm verborgen. Ja, heute vermisse ich ihn sehr. Vielleicht, weil ich morgen einen anderen Mann treffen werde. Es spielt gar keine Rolle, dass dieser Mann anders ist. Es geht nur um die Tatsache, dass ich jetzt erst begreife, dass ich ihn loslassen muss. Dass ein anderer Mann eines Tages an meiner Seite sein wird, und dass ich so viele Eigenschaften und Eigenheiten von ihm vielleicht nie wieder finden werde. Diese kleinen Dinge, die ich so sehr geliebt habe. So sehr. Heute sind Tränen mein Thema. Nicht Wut. Nur Tränen. Ich vermisse ihn.
  9. Tag 26. Die Wut hätte mich heute beinahe überwältigt in manchen Augenblicken. Meine Schwester half mir wieder heraus, als ich drohte vollständig hineinzufallen in jenen Wirbelsturm, in welchem Gefühle und Gedanken wild kreisen und jagen um sich und alles sonst, bis nichts mehr übrig bleibt. "Aus seiner Sicht hat er dich gut behandelt." So legte sich meine Wut wie die Flocken einer eben geschüttelten Schneekugel. Kein Tosen mehr in mir, kein Wallen, kein Aufschäumen. Ruhe und Stille, weite See, ein schneebedecktes Tal in der Nacht, welches durch die Reflexion des Mondscheins glitzert und funkelt wie ein Meer aus Kristall. Am Wochenende bei meiner Yogalehrer-Ausbildung beobachtete ich etwas Interessantes an mir. Ich meldete mich zu Beginn nur wenig zu Wort, doch wenn ich es tat, dann sprach ich so, wie ich hier schreibe. Die Worte strömten aus mir, ein kraftvoller, aber zugleich sanfter Fluss, perlmuttfarbene Klänge, so tief und energievoll wie der Atem, wenn man zu einem geliebten Menschen eilt, den man nach langer, langer Zeit endlich wieder in die Arme schließen darf, die Bilder tauchten in meinem Kopf auf und ich legte mich hinein, ließ mich von ihnen umhüllen und tragen als seien sie der Nordwind, welcher mich gen Süden in die Wärme treibt, herz- und seelenöffnend spürte ich dabei das Licht in mir und um mich, alles in mir war Licht. Alles war Licht. "Ich weiß, das klingt so abgespaced, doch genau so fühle ich das" hörte ich mich sagen, beinahe ekstatisch, voller Freude und Glückseligkeit, das alles überstrahlende Feuer in meiner Seele so greifbar, als läge es bereits in meinen Händen. Doch kaum hatte ich das letzte Wort gesprochen, sah ich mich im Raum um. So viele Augen auf mir. Ich blickte zu Boden. Verschüchtert und etwas erschrocken, dass ich meinen Brustkorb aufgespreizt und meine Seele hatte fliegen lassen. Beim Abschlussgespräch sagte eine der Teilnehmerinnen, dass sie sehr glücklich sei, dass ich in der Gruppe bin. Sie würde es lieben, mir zuzuhören und ich würde völlig neue Aspekte einbringen. Als ich mich nach dem Kurs draußen im Regen an meinem platten Reifen zu schaffen machte, kam eine andere Sadhaka auf mich zu: "Du warst teilweise so verunsichert, nachdem du erzählt hattest, deshalb wollte ich dir sagen, dass ich es wunderschön finde, wie du sprichst, in so lebendigen Bildern, sie sind so greifbar, man fühlt jedes Wort mit. Und es ist nicht abgespaced. Bitte mach weiter damit. Es bereichert uns alle." Als ich mit meinem klapprigen Rad durch den Regen nach Hause fuhr, dachte ich darüber nach, was mich so verunsicherte. Ich hatte mich so gezeigt, wie ich bin. Da waren keine Masken und keine Mauern mehr, ich war das, was ich eigentlich bin: Ein Gefäß. Ein leeres Gefäß, durch das alles strömt, was strömen soll. Ich war so verunsichert, weil ich so viele Jahre meines Lebens bangte, dass die Menschen um mich herum mein Gefäß zerschlagen würden, es zertrümmern und zermalmen bis nichts mehr davon übrig bliebe als Staub. Es ist in Ordnung, dass es mich noch verunsichert und ängstigt. Denn, auch wenn es langsam vorangeht, ich werde immer mehr zu der Frau, nach der ich mich mein Leben lang sehnte. Auch Natarajasana macht Fortschritte. Ganz Kleine nur, aber Fortschritt ist Fortschritt :) Es geht mir ganz gut soweit. Ich habe seit 7 Tagen nicht geraucht und es fühlt sich großartig an. Ach ja, ich habe am Mittwoch ein Tinder-Date. Mal schauen, wie das wird. Er will sich in einer Bar in einem 5-Sterne Hotel treffen. Das ist eigentlich nicht meine Lebenswirklichkeit, aber gut, einen Abend mal rausputzen und das Kontrast-Programm zum stoned auf der Couch sitzen erleben. FTOM ist keine Option. Das habe ich während meiner Oneitis ausprobiert und ist ziemlich nach hinten losgegangen. Das kann für eine Frau mE nicht funktionieren, da sie das passive Yin ist, der dominante Yang jedoch den Sex gestaltet. Männer können einfach drauflosficken, Frauen hingegen müssen sehr genau screenen, um zu vermeiden, dass schlechter und billiger Sex sie emotional zurück in die Arme des Verflossenen treibt. Falls es aber demnächst Sex geben sollte, werde ich berichten. Ich hatte jetzt seit fünf Wochen keinen Sex mehr, nachdem ich es zuvor gewöhnt war, so oft und noch viel mehr Sex zu bekommen, wie und als ich wollte. In diesem Punkt war die Beziehung schon ein Schlaraffenland für mich. Ich musste teilweise wirklich nichts, aber auch gar nichts tun und wurde trotzdem beackert. Einfach herrlich, denn ich brauche viel Sex. Das fehlt mir jetzt natürlich sehr. Es ist vor allem schön, immer wieder mit ein und demselben Mann zu schlafen. Mit jedem Mal wurde es intensiver für mich. Zu Beginn war ich - bedingt durch meine gewaltvollen Erfahrungen die Monate zuvor - sehr verkrampft und hatte jedes Mal Schmerzen. Es dauerte zirka ein Viertel Jahr, bis ich aufhörte zu bluten, wenn ich mit ihm schlief. Mit jedem Mal öffnete ich mich mehr, körperlich und geistig. Ich vertraute ihm. Und auch, wenn er mir weh getan hat, ich will wieder einem Mann vertrauen und ihm schenken, was mir am Kostbarsten ist: Mein Herz. Ich werde ihn lieben, als wäre ich nie verletzt worden. Oh Gott, schon so spät. Jetzt wird`s aber Zeit für`s Bett. Habt eine schöne Nacht Eure Candy
  10. Tag 25. Ich vermisse ihn genauso sehr, wie ich das Rauchen vermisse. Ich weiß, dass es nicht gut für mich ist, und doch will ich es. Noch. Kalter Entzug. Ich war heute den ganzen Tag beim Yoga-Unterricht und wurde mit Theorie zugeballert. Dabei sind ein paar Geschichten entstanden, aber ich kann sie euch heute nicht mehr erzählen, da mein Kopf nur noch Ruhe will. Keine Worte mehr, keine Gedanken. Nur Ruhe. Ich werde meine Beine jetzt noch etwas bewegen und in die Sauna gehen. Auf dem Weg dorthin kann ich mich auch gut mit der Trennung auseinandersetzen. Da ist noch sehr viel, was gefühlt werden will. Die Wut ist wieder da. Habt einen schönen Abend. Namaste
  11. Kaiserludi, du Charmeur ;) In der Tat konnte ich gestern nicht gut schlafen - trotz warmen Zuckerherzchens. Jede Nacht sehe ich ihn in meinen Träumen und so auch letzte Nacht. Ich lag mit ihm im Bett, im Burgturm eines fernen Reiches. Dort lasen wir die Nachricht seines Cousins: "Ihr beide gehört zusammen. Ich mochte dich immer sehr gerne, Candy und es tut mir so leid für dich." Danach schlief ich mit ihm und dachte dabei: "Wer so miteinander schläft, der muss sich doch lieben. Bestimmt wird er es jetzt erkennen." Nach dem Akt wandte er sich ab und sagte: "So gut war der Sex mit dir nicht, wie ich ihn in Erinnerung hatte." Mein Herz zerbrach und als ich aufwachte, spürte ich es immer noch zerbrochen in meiner Brust. Das alte Thema, nicht wahr? Das kleine Kind in mir, das in endlosem Entsetzen fragt: "Wieso liebt ihr mich nicht?" Kaiserludi hat sicher recht damit, dass ich mich nicht mehr habe jagen lassen. Er hatte mich sicher, ja. Vielmehr noch, ich bin zur überfürsorglichen Ehefrau mutiert, vor der man eher weglaufen wollte. Sie war ja ohnehin da, wenn man sie brauchte. Große Baustelle hier! Und keine Sorge, die Sportpause war meiner Erkältung geschuldet. Sobald ich wieder fit bin, geht`s weiter mit Kniebeugen, Kreuzheben und dem ganzen anderen geilen Scheiß. Im Moment arbeite ich außerdem an Natarajasana, dem Tänzer. Das wird Kraft und weibliche Eleganz in mir vereinen und mich für etwas Neues öffnen. Ich will mich verändern. Jetzt. In etwas Neues hineinwachsen und jeden Tag daran arbeiten, so anstrengend und ermüdend es auch sein mag. Natarajasana soll ein Symbol dafür sein, was ich in meinem Leben erreichen will. Ich will mich hingeben, in Demut und Liebe, durch das Leben tanzen, leichtfüßig und grazil. Heute war Tag 24. Mittlerweile muss ich schon nachschauen. Bald schon wird wieder irgendein Tag sein. Ein Tag ohne Nummer. Aber noch nicht jetzt. Heute werde ich nochmal aus dem Fenster schauen und wissen, dass er nicht kommt. Ich war heute bei meiner Yogalehrer-Ausbildung und morgen geht es weiter. Es ist kein Zufall, dass die Trennung genau jetzt geschah. Ich gehe in ein neues Leben über und ich hätte ihn hierhin nicht mitnehmen können. Wohl trauere ich nur so sehr, weil ich mich nicht nur von ihm verabschiede, sondern auch von mir selbst, von meinem alten Leben. Ich gehe jetzt einen Weg, welcher mich jeden Tag ein Stück weiter davon weg bringt und ich kann noch nicht sehen, wo er mich hinführen wird. Wer ich sein werde. Aber tief in mir drin, da ahne ich es. Es wird etwas Großes sein. Ich habe es jetzt verstanden... Nur weil ich die tiefsten Tiefen erfahren habe, die unendlichen Täler des Schmerzes, kann ich auch die höchsten Höhen erklimmen, vom Gipfel aus die Sonne hinter dem Horizont aufsteigen sehen. Die Sonne im Regen sehen, das Herz hinter einer Brust, die zugemauert ist mit abertausend Steinen. Ich sehe und erkenne. Und eines Tages wird einer kommen, der mich sieht und erkennt. Eines Tages. Wenn ich Natarajasana bin. Zum Abschied Ich gehe mit dir nicht mehr dein Dunkel Da Dunkelheit nicht länger mein Leben ist Aus Nebelschwaden und Schleiern Riss ich mich los Lauf und schau nicht zurück, mein Herz. Brich dich nicht selbst, mein Herz. Lass los und gib dich dem Leben hin. Sei Licht, mein Herz.
  12. Kaiserludi, danke :) Und wie schön sich "unsere kleine Candy" anhört. Da wird mir richtig warm ums Herz <3 Tag 23. Ich habe jetzt zwei Tage lang mein "Trennungstagebuch" ruhen lassen und nur meine Gedanken und Gefühle wahrgenommen, ohne ihnen Namen zu geben und sie in Geschichten zu verwandeln. Negative und positive Erinnerungen an die Beziehung und an ihn nahmen sich gegenseitig an die Hand und tanzten im Kreis, sich wirbelnd drehend, immer schneller werdend, bis aus dem Schwarz und Weiß ein silbriges Grau wurde. Ja, grau, denn nichts von alledem könnte nur schwarz oder weiß sein. Da war Liebe. Harmonie. Seelenklänge, nächtige Träume, die ihre Melodien nur für uns sangen. Und dann waren da zwei Menschen mit Geschichten. Ihren Erfahrungen. Ängsten und Gefühlen. Ihren Egos und Projektionen. Er stand nicht vor meiner Tür. Jede Nacht sitze ich am Fenster und warte nicht mehr auf ihn. Schaue hinaus und sehe die Welt. Schaue ihr einfach nur zu, wie sie sich weiterdreht. Wie ein Mann mit Hund und eine Frau mit Regenschirm vorübergehen. Die Blätter fallen. Der Wind weht. Die Welt tut, was sie eben tut und ich stehe am Fenster und sehe ihr zu. Ja, ich bin gerade schwermütig, aber da ist auch etwas anderes in mir. Ich habe überall im Wohnzimmer Kerzen aufgestellt, die alles in warmes, wunderbares Licht tauchen, die Heizung ist an und mir ist mollig warm mit meiner Kuscheldecke auf der Couch. Ich habe außerdem Yoga gemacht und danach ausgiebig geduscht. Jetzt sitze ich hier, schreibe und freue mich über das Schreiben. Ich schreibe das so genau, weil ich vorher überlegt habe, was ich während der Beziehung an einem Freitag für gewöhnlich tat. Ich wäre ins Fitnessstudio gegangen, und danach zu ihm, hätte mich auf die Couch gesetzt und mehrere Zigaretten geraucht, während er irgendetwas herumgekramt oder gekocht hätte, oder was auch immer. Später hätten wir eine Serie geschaut oder Wii gespielt und dabei gekifft. Irgendwann, wenn mir schon die Augen zugefallen wären, hätte er mich an der Hand genommen und ins Bad geführt, wo ich während des Zähneputzens an seiner Schulter halb weiter geschlafen hätte. Im Bett angekommen wäre ich wieder so wach gewesen, dass wir noch tollen Sex gehabt hätten. Wobei der tolle Sex mit der Zeit immer mehr dieses seltsam schale Gefühl in mir hinterließ. Mein Freitag heute war besser. Ich fühle mich gesund. Ich habe seit 4 Tagen nicht geraucht und ich arbeite intensiv an mir selbst. Mache Yoga, schreibe, entwickle mich weiter. Weshalb also diese Schwermut? Ich habe mir heute die gemeinsamen Bilder angeschaut... Ich vermisse das alles. Nicht ihn, aber das alles. Das Lachen, das Berühren, das sich in die Augen schauen, das Kribbeln. Ich will das wieder haben. Und doch, ein bisschen auch ihn. Aber ich muss ihn gehen lassen. Seinen eigenen Weg. Kalter Entzug. Erinnert ihr euch noch an meine Wohnungssuche? Ich habe damals einen Satz gesagt, nachdem ich eine Wohnung nicht bekommen hatte. Ich sagte: "Wenn ich nun diese Wohnung nicht bekomme, dann nur, weil noch etwas Besseres auf mich wartet." Und so kam es auch. Und so wird es auch jetzt kommen... Ich weiß es. Ich habe mir im Winter 2015, kurz bevor ich ihn traf, ein kleines Büchlein gekauft. Es ähnelt sehr meinen alten Tagebüchern. Ich wollte darin eigentlich Ideen für meine Texte sammeln, doch ich schrieb nur wenige Gedanken nieder, legte das Büchlein dann beiseite und vergaß es. Vorgestern dachte ich nun wieder daran und las mir die wenigen Worte durch. Am 30.12.2015 ging ich an meinem alten Internat vorbei, sah das Fenster meines alten Zimmers, an dem ich immer saß und abwechselnd in die Ferne schaute oder schrieb. Ich setzte mich auf eine Steintreppe außerhalb der Mauer des Internats und schrieb in mein Büchlein: "Ich fühlte mich eingesperrt, aber mein Herz wusste, dass die Mauern mich schützen sollten. Die Orte triggern Erinnerungen und ich werde traurig. Da ist viel Schmerz. Leid. Ein gebrochenes Herz. Ein viel zu junges Mädchen, um das alles alleine zu tragen. Deswegen der Blick in die Ferne. Immer schon. Er drückt die Sehnsucht aus. Die Sehnsucht nach Liebe. Das ist die Antwort auf das Rätsel." Vielleicht erinnert ihr euch noch, als ich hier fragte, was dieser Blick in die Ferne zu bedeuten hat. Die Antwort fand ich an diesem Tag. Und noch etwas anderes: "Es kommt niemand. Es kommt niemand, der dich rettet. Aber ich werde kommen, um euch zu sagen, dass niemand kommen wird, euch zu erretten. Es wird niemand kommen." 31.12.2015 (Der Tag, an dem ich ihn zum ersten Mal sah) "Mein Vater fragte mich: "Fährst du weg oder nach Hause? Ohne zu überlegen antwortete ich ihm: "Nach Hause." Ja, ich fahre nach Hause. Weil der Ort, an dem ich zuhause bin, mein Herz ist." 03.01.2016 (Die zweite Nacht mit ihm) "Und immer wieder das gleiche Gefühl nach solchen Nächten. Der Wunsch wegzulaufen, allein zu sein, für mich zu sein, zu verschwinden. Was ist das in mir? Weshalb kann ich mich nicht verbinden?" 12.01.2016 Wenn ein Buch vollgeschrieben ist, muss man ein neues Kapitel beginnen. Leere, weiße Seiten liegen vor einem, welche man mit Leben/Inhalt füllen kann/muss. So wie mein Leben gerade. Das große Unbekannte wartet. Oder soll es das Kleine sein? Wo geht mein Leben hin? Was ist für mich angedacht? Universum, zeig mir den Weg..." Die restlichen Einträge werde ich euch nicht mehr mitteilen, aber ich kann euch sagen, dass er zur richtigen Zeit kam. Ohne ihn hätte ich diese schwere Zeit nicht überstanden. Ich hatte ja meinen Job verloren und war viele Monate lang arbeitslos. Die Einträge enden im März, aber ich erinnere so gut, welch unendlich deprimierten Gedanken ich monatelang hatte. Er kam genau zu richtigen Zeit und er blieb so lange, wie ich ihn gebraucht habe. Das Universum sorgt für uns. Es geschieht alles aus Liebe. Und selbst mein jetziger Schmerz ist nichts anderes als Liebe. Und ich erwähnte ihn mit keiner Silbe in diesem Buch. Er war für mich lange Zeit nicht der Traummann, nach dem ich mich gesehnt hatte. Ich glaube, es hat etwa sechs Monate gedauert, bis ich mich voll und ganz auf ihn einließ. Und es ist seltsam, aber rückblickend glaube ich beinahe, dass er begann sich abzuwenden, nachdem ich begann mich wirklich auf ihn einzulassen. Ich bin müde und werde langsam ins Bett gehen. Das Wochenende wird lang - Yogawochenende meiner Ausbildung. Habt eine schöne, warme Nacht. Danke, dass ihr bei mir seid.
  13. Danke Chopin, für dieses wunderschöne Bild! Ich kann es genau vor mir sehen... Und ganz besonders Danke hierfür: Heute ist Tag 20 und ich bin wirklich grumpy. Aber der Reihe nach. Gestern schickte mich mein Kollege wegen meines Fiebers nach Hause und heute bestand meine Ärztin darauf, mich bis Freitag aus dem Verkehr zu ziehen. Was war nochmal das schlimmste für Candygirl? Richtig, an ihre Wohnung gefesselt zu sein. Nun denn, meine schlechte Laune hat auch was mit dem Rauchstopp zu tun, denn heute ist Tag 1 ohne Zigaretten. Gott argh grhhh. Die vergangenen 19 Tage bin ich umher gerannt wie eine Irre. Ständig bei Freunden, meinen Geschwistern, in Cafes, Clubs, beim Sport, beim Training. Und jetzt, so plötzlich, an meine Wohnung gefesselt. Ich konnte ihn richtig spüren, diesen Gefühlsklumpen in mir, Panik, Schmerz und Unbehagen stiegen auf, wollten in mein Bewusstsein und die Lust auf eine erlösende Zigarette wurde beinahe übermächtig. Glücklicherweise habe ich mir zuvor ein passendes Mantra zurecht gelegt: Ich muss es jetzt schaffen, sonst hört es nie auf. Dieses Mantra hat mich schon ein paar Mal weitergebracht. So geschah es auch dieses Mal: Als der Gefühlsklumpen zur Übermacht in mir wuchs, versuchte ich nicht, ihn wegzudrücken wie all die Jahre zuvor. Ich ließ einfach zu, dass er sich in mir ausbreitete. Das war nicht schön, aber es hat mich auch nicht umgebracht. Ich habe mich sehr hilflos und gedemütigt gefühlt, an die Wand gedrückt und weggeworfen. Da war sehr viel Schmerz. Jemand hat vor kurzem zu mir gesagt: "Das, was dir am schwersten fällt, das brauchst du am meisten." Ich bin sehr gut darin, jeden Abend zum Training zu gehen, selbst dann, wenn da kein Muskel mehr ist, der noch nicht weh tut. Viele bewundern mich für meine Disziplin und Willensstärke. Wenn sie doch nur wüssten, dass ich jeden Abend vor mir selbst weglaufe. Genau das habe ich seit der Trennung getan. Und ja, das war in Ordnung. Jetzt aber bremst mich mein Körper aus und sagt: "Bleib endlich stehen, jetzt bist du stark genug, bleib stehen und schau hinein. Schau alles an: den Schmerz, die Wut, den Zorn, die Hilflosigkeit, die Demütigung, den Verrat, den Vertrauensbruch, die Trauer, das Verlassensein, das Benutztwordensein. Schau an und fühle! Und schau noch viel tiefer..." Und so habe ich einfach gefühlt. Das ist unglaublich! Ich habe einfach innegehalten und gefühlt! Ich gebe zu, lange habe ich das nicht ausgehalten, dann bin ich spazieren gegangen. (Aber zumindest ist der Anfang gemacht) Genau, der Spaziergang. Davon wollte ich berichten. Es trieb mich aus dem Haus, als Trauer und Schmerz mich überschwemmten. Ich erinnerte jene kleine Outdoor-Sportanlage in meiner Gegend, an welcher ich mit ihm ein paar Mal trainiert hatte. Eigentlich nur zweimal, aber diese zweimal waren sehr schön. Es muss irgendwann im Mai gewesen sein. Auf dem Weg dorthin konnte ich mich kaum satt sehen an den Herbstfarben, satt hören an dem raschelnden Laub. Überall so viel Schönheit. Und noch dazu war ich fest entschlossen, mir meine Gegend wieder zurückzuerobern, die Erinnerungen mit ihm durch neue zu überschreiben. Ihn Stück für Stück aus meinem Leben zu vertreiben. Und als ich endlich da war, hatten das bereits andere Menschen für mich getan. Meine gesamte Erinnerung - ausgelöscht. Die Sportgeräte weg, der Boden umgewälzt, mit schweren Reifenspuren darauf, kein Strauch mehr da, nichts. Nur der Geruch von Erde und zerstoßenem Wurzelwerk. Einzig und allein die Dipstangen und das Klettergerüst waren noch da. Ich sah mich um und da erst bemerkte ich sie - die rote Blutsonne. Sogar die Sonne war eine andere heute. Mein ganzes Leben ist ein anderes nun. Und da verstand ich es: Ich muss Erinnerungen nicht überschreiben, denn ohnehin ist alles im Wandel und alles im Fluss. Nichts bleibt, alles verändert sich und je mehr ich mich an etwas klammere, desto schneller rinnt es durch meine Finger hindurch wie Wüstensand. Wenn etwas vergeht, ist es niemals das Ende. So wie dieser Platz, er liegt jetzt eine Zeit lang brach, um eines Tages etwas Neues, etwas Schöneres, etwas Besseres zu tragen. Ich fühlte mich zufrieden, als ich nach Hause ging. Und seitdem ich wieder zuhause bin, bin ich wieder grumpy. Aber vielleicht muss ich das jetzt einfach sein. Einfach nur grumpy sein und fühlen. Bis der Schmerz nachlässt.
  14. Koffer packen?

    Das hier und auch alles andere, was du oben schreibst, finde ich so unendlich traurig... Ich hätte fast geweint. Glaubst du das alles wirklich? Dass es dort draußen nicht dein Yin gibt, das dich zum Lachen bringt, mit dir weint, wenn du traurig bist, dich sanft berührt, wenn deine Hand zur Faust geballt ist? Dass es dort draußen diesen einen Menschen gibt, der so viel mehr ist als nur Sex? Der dich lieben wird? So wie du bist, für alle Zeit dieser Welt? Also ich glaube daran.
  15. Koffer packen?

    Das, was Sprachlos sagt. Sexentzug kann bei Frauen ein Mittel sein, um herauszufinden, wie der Mann wirklich zu ihr steht. Das heißt: Wenn er nicht mehr von mir kriegt, was er will, geht er dann oder bin ich ihm wichtig genug, dass er herausfinden will, WESHALB ich mich distanziere? An manchen Punkten in einer Beziehung muss man einfach miteinander reden. Auch mal sagen: Hey, wenn du dich in letzter Zeit vernachlässigt gefühlt hast, dann tut mir das leid. Ich werde das jetzt ändern. Und dann den Worten Taten folgen lassen. Ab und an muss man die Frau ernst nehmen. Und nicht nur durch.