Blackfree

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  1. Ja, das Mindset ist auch irgendwo resignativ/ verbittert, da hab ich nach Absenden des Beitrags auch drüber nachgedacht. Wäre damit eigentlich eher was für den Bereich Persönlichkeitsentwicklung 😄 Ich glaube ich fühle mich einfach als Opfer des Systems und der menschlichen Dummheit. Und würde das auch gerne irgendwie ablegen - zumal ich in der Vergangenheit eigentlich auch sehr lebensfroh war.
  2. Es gibt diese guten Sachen, definitiv. Aber für den Großteil der Bevölkerung wird marketing- und trendgesteuert eingekauft. Ich will auch nichts gegen Marketing im allgemeinen sagen. Aber die Manipulation ist, sagen wir mal seit den Fünfzigern, einfach tausendmal krasser geworden. Das Fach Wirtschaftspsychologie gab es nicht einmal. Marketingkampagnen kann man heute dank umfangreicher Analysetools maximal effizient und kostengünstig testen. Und und und. Und die krassesten Auswüchse im Jahr 2020 sind dann Abos für Boxershorts frei Haus, irgendwelche vermeintlich nachhaltigen Sachen, Pop-Up-Stores mit extrem überteuerten Pflanzen, beworben durch Influencer. Und es funktioniert ja sogar! Ich bin ja selber immer versucht, da etwas hochzuziehen, weil ich mich seit Jahren darin bilde und den Markt beobachte. Aber es ist halt bullshit. Und wenn das Dinge sind, wofür die Gesellschaft 40h die Woche arbeitet, dann sehe ich mich da einfach nicht. Das trifft den Nagel auf den Kopf. Alles ist durchreguliert, durch-engineered und zu 99% sicher. Ich hab den Bums studiert, etwas darin geforscht und gearbeitet aber sehe trotzdem - oder gerade deswegen - nicht, wie man da nennenswert wichtige gesellschaftliche Beiträge leisten kann. Klar, ich kann den Status quo erhalten, in dem ich angewandt z.B. in Neubauten eben diese Sicherheitstechnik plane. Aber es ist gefühlt alles zu Ende entwickelt. Mit meiner Bachelorarbeit habe ich zum Glück noch eine Nische abgedeckt, wo ich aus der Praxis weiß, dass es da noch viel Verbesserungspotential gibt. Und das führt dank guter Kontakte vermutlich auch zu bundesweiten Reformen. Aber das war mal ne positive Ausnahme. Hier ist es ähnlich. In meiner Jugend wurde digital fotografiert und wird es heute immer noch. Früher konnte man an Rechnern schrauben und diese Aufrüsten, an alten Radios, um Funk abzuhören, Smartphones reparieren und und und... Und heute? Alles auf Platinen vorgefertigt, nicht mehr zu reparieren, winzig konstruiert, digitalisiert. Klar, was jetzt noch geht ist irgendwelche IoT-Geräte zu basteln, aber da programmiert man doch auch mehr als dass man lötet. Ich geh mir ja selber auf die Nerven, wenn ich alle so schlecht rede. Aber das sind die Entwicklungen, die ich als junger Mensch wahrnehme. Wir haben eben nicht mehr 2010, sondern 2020 mit Klimakrise vor der Tür, Corona und gesellschaftlichen Problemen und Instabilität. Und dass ich mit meiner subjektiven Wahrnehmung nicht völlig daneben liege, zeigt eben meine Generation, für die psychische Probleme leider mehr die Norm als die Ausnahme darstellen. Das sieht man mit 40, 50 vielleicht nicht, aber bei Leuten in meinem Alter ist die direkte oder indirekte Verzweiflung über die globale und häufig auch persönliche Lage ziemlich groß und greifbar. Vielleicht muss ich die Dinge auch aus ner anderen Perspektive sehen. Denn ja, es ist wirklich verdammt geil, dass ich selbst einen schlecht bezahlten Job machen kann und davon leben kann. Und dass es völlig okay ist, sich auszuprobieren. Ich kann dir momentan nicht sagen, wofür ich brenne. Wie oben gesagt, die Dinge, für die ich gebrannt habe, sind uninteressant geworden. Aber ich probiere und wage neue Dinge. Es ist für mein Empfinden unschön, dass sich in den letzten Jahren unser Leben so radikal verändert hat. Aber das ist jetzt nun mal so und daran muss man sich anpassen. Vielleicht ist das auch die Herausforderung im 21. Jahrhundert - wäre zumindest immer noch besser als Krieg.
  3. Es fehlt halt einfach der Sinn. Vielleicht ist das so ein Generationen-Ding, aber ich bin mit "anything goes" aufgewachsen. Es ist alles da und alles im Überfluss. Vor 5-10 Jahren war das z.B. alles sehr aufregend und spannend, was durch das Internet alles möglich war. Aber heute? Jetzt ist 5G da. Aber wofür? Okay, industrielle Anwendung, autonomes Fahren und so. Aber was interessiert mich privat denn, ob ein Download jetzt in ein oder zwei Sekunden erfolgt? Alles ist da. (Fast) alles ist möglich. Es gibt wenig Notwendigkeit, Dinge zu verbessern. Ich bin viel in der Gefahrenabwehr und in der Sicherheit unterwegs. Und auch hier ist gefühlt alles "fertigentwickelt". Nicht, dass das wünschenswert wäre, aber wie oft passieren noch Unglücke? Es gibt viele Feuerwehrleute, die erst nach Monaten oder Jahren im Dienst ihr erstes "richtiges" Feuer haben. Es brennt halt einfach nicht mehr, weil alles durchoptimiert wurde. Wie gesagt, versteht mich nicht falsch. Das ist alles sehr, sehr gut und richtig so. Aber für mich als Berufsanfänger stellt sich halt auch die Frage, wozu man überhaupt arbeitet. Wenn es, zumindest mal gefühlt, nichts mehr zu tun gibt. Was mir vor 10 Jahren noch wichtig war und total meine Interessen waren, ist dadurch einfach wertlos geworden. So, sorry, soll jetzt nicht alles so depri klingen, in der Stimmung bin ich auch gar nicht, aber irgendwie beschäftigt mich das halt doch alles 😄
  4. Gut, ich sollte nicht den klassischen Fehler machen und von mir auf andere schließen, das stimmt schon. Ich persönlich brauche nicht viel. Mir reicht eine Wohnung in einer der lebenswertesten Großstädte Deutschlands, kein Auto, ab und zu mal Urlaub und ein gewisses Polster, damit man sich keine Sorgen machen muss. Kinder möchte ich zumindest in naher Zukunft keine. Und ja, vermutlich werde ich in den nächsten Jahren auch zwei mal etwas erben. Mit meinem Bachelor (Master in noch Arbeit) bewege ich mich momentan schon bei 45-55k im Jahr. Ich wüsste gar nicht, was ich mit dem Geld anfangen soll. Und das ist dann der Punkt, wo es für mich sinnfrei wird. Da sehe ich Freunde, die gefühlt aus Langeweile, jedenfalls ohne explizites Bedürfnis, viel Zeug kaufen, aber nicht glücklich sind. Sind immer gestresst und werden von der Firma verheizt - hab das auch schon hinter mir, aber dafür ist mir meine Gesundheit und Leben zu schade. Arbeiten will ich, um das wichtigste zu finanzieren und meinen Platz in der Gesellschaft zu haben/ etwas beizutragen. Daher ziele ich auch momentan auf einen halbwegs erfüllenden Job. Und da reicht dann auch eine 80%-Stelle. Und ansonsten halte ich es wie du, @Masterthief. Ich versuche nebenbei Geld zu machen, dass ich verbrennen oder ansparen kann- durch kluges investieren oder eigene Projekte. Hier habe ich in den letzten Jahren, im Prinzip schon seit der Schulzeit immer mal wieder Dinge gestartet, die auch Geld gebracht habe (Fotografie für dpa & co, An- und Verkauf, ...). Und das hat dann auch wirklich großen Spaß gemacht, wenn man durch sein eigenes Projekt sein eigenes Geld verdient hat. Hab es dummerweise nie skaliert, so dass es nie in die tausende € gegangen ist. Aber eigentlich wäre jetzt der beste Zeitpunkt, wo ich noch die Zeit dafür habe, sowas wieder ernsthafter aufzuziehen. Ja, darauf setze ich. Mache Yoga, meditiere und Kraftsport. Meide Bildschirme und das Internet wo es nur geht. Hauptsache wieder mehr in Richtung unserer Natur.
  5. Guten Morgen zusammen, ich muss ein paar Gedanken loswerden. Gestern hatte ich ein digitales Feierabendbier mit den Kollegen. Die Kollegen, das sind alles gutverdienende Wirtschaftsingenieure, während ich noch Student bin. Jedenfalls haben wir geplaudert und ich hab echt irgendwann nicht mehr die Welt verstanden - es hat regelrecht Klick gemacht. Auf der einen Seite vermissen Sie ihre Studentenzeit und die viele Zeit damals, auf der anderen Seite haben sie sich halt auch einen teuren Lifestyle geschaffen, mit dem sie eben auf ihren 40h-Job im Hamsterrad angewiesen sind. Da wird der Wocheneinkauf geliefert, Essen genauso, man hat ein Auto etc.. Was sich natürlich alles summiert. Ich meine das betrifft ja nicht nur meine Kollegen. Wir leben überhaupt in einer Hyperkonsum-Gesellschaft, wo man immer das neueste Smartphone will, tolle Pflanzen, was man zum Kochen benötigt wird abgestimmt per Paket geliefert (HelloFresh), genauso Kleidung (Outfittery etc.), vermeintlich nachhaltige Produkte werden einem überall angedreht, wo doch Konsumverzicht und Verwenden bereits existierender Produkte (die man selber hat oder von Großmutter) das nachhaltigste überhaupt ist. Der DIY-Trend wird mittlerweile von z.B. Baumärkten aufgeschnappt und man bekommt vorgefertigt Paletten, aus denen man sich dann ach so originelle Palettenmöbel bauen kann. WTF. Kurzgesagt: Seehr viele Menschen sind wahnsinnig Marketing-gesteuert. Ich will mich da ja nicht ausnehmen, falle auch manchmal drauf rein. Aber was mittlerweile abgeht, ist halt völlig krank. Statt einfach mal selber Dinge zu reparieren, Pflanzen selber zu züchten und zu tauschen, wirklich einzigartige Möbel selber zu bauen, selber zu kochen geben sich doch sehr viele Menschen einer totalen Gehirnwäsche durch sozialen Netzwerken hin und fressen das, was ihnen durch Werbung vorgesetzt wird. Und man wundert sich, warum so viele Menschen depressiv sind und Angststörungen haben. Prost Mahlzeit. Und damit schließt sich der Kreis zum 40h-Hamsterrad: Heutzutage muss, zumindest wer studiert hat, eigentlich niemand mehr volle 40h arbeiten, um ein "gutes Leben" zu führen. Wir haben eine extrem hohe Produktivität, können spätestens seit Corona von überall arbeiten, Lebensmittel sind spottbillig, Beiträge fürs Fitnessstudio und einen Internetanschluss ebenso. Wir haben das gesamte Wissen der Menschheit in der Hosentasche immer dabei. In der Realität aber leben die meisten doch den von mir oben skizzierte Lifestyle, der einfach wahnsinnig weit entfernt von einem Leben ist, dass unseren natürlichen Bedürfnissen nahekommt. Und nein, ich bin kein totaler Öko, habe auch Spaß an Technik und Mode und benutze soziale Medien. Aber ich verstehe nicht, wie man als aufgeklärter Mensch im Jahr 2020 einen Lifestyle haben kann, in welchem man sich mit Boni bei der Arbeit, z.B. Dienstwagen den man auch privat nutzen kann oder ein geschenktes Handy für privat, ernsthaft locken lässt. Ich kann doch nicht der einzige sein, der angesichts von Corona, Klimawandel und unfassbar häufigen psychischen und körperlichen Erkrankungen sieht, dass der Lifestyle des deutschen Michel völlig aus der Zeit gefallen ist.
  6. Auch von mir nochmal: Ja, diese Leute sind gefährlich! Ich will dir noch ein Beispiel geben. Ich erinnere mich an einen weiteren vermeintlichen Freund, den ich mit 16, 17 hatte. Haben uns gut verstanden, ich konnte ihm Geheimnisse anvertrauen. Dann, nach ca. einem Jahr, ist bei ihm alles durchgebrannt. Insgeheim stand er auf mich und kam nicht damit klar, dass ich großen Erfolg mit den Mädels in der Stufe hatte. Was hat er also gemacht? Eines Abends auf einer Party betrunken meine größten Geheimnisse enthüllt und nicht nur mir, sondern auch anderen damit geschadet. Dank ihm habe ich damals einen weiteren Freund und eine Freundschaft+ verloren. Keine Ahnung, ob er auch Narzisst war oder nicht, Fakt ist: Es können so unempathische und unmenschliche Dinge passieren, die kannst du dir nicht einmal vorstellen, weil sie einem so fremd sind. Ich kann das nur bestätigen. In den Wochen und Monaten nachdem ich den Narzissten aus meinem Leben entfernt hatte, hab ich mich jedesmal gewundert, wenn Leute freundlich und respektvoll zu mir waren. Hab gedacht: "Hö, was ist denn mit denen los?". Einfach, weil mir dieser normale zwischenmenschliche Umgang so fremd geworden war. Krass, oder? Hubyg93 und ich kennen dich nicht. Aber wir beide warnen dich hier nicht ohne Grund, sondern weil wir dich vor Dingen bewahren wollen, die man sich, wenn man normal aufgewachsen ist (so wie ich auch) einfach nicht vorstellen kann.
  7. Betrifft den Threadersteller aber fast genauso, wenn man mal guckt, was sein Freund macht: Das ist eigentlich überhaupt nicht lustig, sondern ziemlich krass.
  8. Er macht das nicht bewusst im Sinne von "jetzt hab ich mal Bock, ihn respektlos zu behandeln". Er hat einfach eine ganz eigene Wahrnehmung, die er glaubt (so wie jeder die Welt unterschiedlich wahr nimmt). Aber das macht im Endeffekt keinen Unterschied. Um nochmal von meinem "Freund" zu berichten: Er hat sich für jemand gehalten, der sehr intelligent, erfolgreich großzügig und liebevoll ist und sich auch anderen gegenüber so verkauft. In Wahrheit aber hat er sich reihenweise nicht an Gesetze gehalten, jemanden ausgeraubt, andere Leute beleidigt, war stolz drauf, wenn er von der Polizei bei etwas erwischt wurde, hat mit mir einem leicht stolzen Lächeln in seinem Gesicht gesagt, dass er meine Ex geballert hat, hat sich konsequent vorgedrängelt weil er was besseres ist, wollte in Therapie, aber nicht, weil er selber Hilfe braucht, sondern angeblich um noch erfolgreicher zu werden. Und und und... Solche Leute leben voll in ihrem eigenen Film. Und das was @hubyg93 sagt, kann ich nur bestätigen. Ich habe mich am Ende wie ein niemand, ein absoluter Looser gefühlt. War am Ende und kurz davor alles zu beenden. Lass. Es. Sein.
  9. Kontakt abbrechen. Wegrennen. Neue Leute kennenlernen. Solche "Freundschaften" können dich fürs Leben schädigen, ich kann dich wirklich nur warnen. Ich habe letztes Jahr meinen vermeintlichen besten Freund verloren. 10 Jahre lang sind wir durch dick und dünn gegangen, haben die krassesten Sachen zusammen erlebt. Die letzten drei Jahre haben wir sogar zusammen gewohnt, es war fast schon wie in einer Beziehung. Klingt ziemlich ähnlich zu eurer Bindung, ziemlich eng halt. Und jetzt, ein Jahr nachdem die Freundschaft abrupt vorbei ist (nachdem er mir meine Ex ausgespannt hat), bin ich immer noch nicht ganz drüber hinweg und es wird mich wohl für immer begleiten, wie sehr man sich in Menschen täuschen kann. Immer, wenn ich mit Kumpels oder Freunden besonders gut verstehe, bin ich gleichzeitig angespannt und überlege "könnte auch er ein Narzisst sein?" So viel mal zu den Spätfolgen. Von meiner Psyche will ich gar nicht erst anfangen, habe ich in anderen Beiträgen beschrieben. Diese Täuschung in ihm hat mich traumatisiert. Willst du das? Ich meine du erkennst es doch selber. Er ist total wechselhaft, strategisch vorgehend. Hat keine Empathie. Ist respektlos, manipulativ. Warum solltest du das mit dir machen lassen? Glaub es mir, das macht dich auf Dauer psychisch kaputt, spätestens wenn du ihm nicht mehr gut genug bist. Google das Thema einfach mal und schau dir an, wie viele Leben regelrecht durch Narzissten zerstört werden. Er catcht dich gerade noch mit seinem Charisma, aber am Ende bist du Arsch. Glaub es mir.
  10. Hast du Drogen genommen oder psychische Probleme? Schlafmangel? Dein Beitrag wirkt ein bisschen "off".
  11. Die Erfahrungen, die du früher gemacht hast, haben sich ganz tief bei dir eingebrannt und dich geprägt. Und die Dinge, die du beschreibst, triggern halt Erinnerungen an diese Zeiten und wie du dich damals gefühlt hast. Das ist erstmal soweit nachvollziehbar und "normal". Ich selber kenne das auch von mir, wenn plötzlich alte Unsicherheiten getriggert werden - das ist einfach unschön. Ein Patentrezept dagegen habe ich nicht. Im Grunde geht es aber denke ich darum, dass du einen gesunden Umgang mit deiner Vergangenheit findest. Dann lässt du dich auch nicht mehr so aus der Ruhe bringen, weil du mit der Vergangenheit im Frieden bist. Nebenbei bemerkt finde ich das ziemlich stark, dass du dich so entwickelt hast, umgezogen bist usw. Das ist nicht ohne!
  12. Ich möchte nochmal ein kleines Update geben. 5 Monate sind nun seit dem ersten Beitrag rum und es hat sich aus einiges getan. Vor allem ist mir klar geworden, wie mental krank ich war und immer noch bin. Positiv kann man hier berichten, dass ich keine Angst- und Panikattacken mehr erleide. Ich habe einen neuen Nebenjob, bin meistens arbeitsfähig und kann dort komplexe, rechtliche Fragestellungen und Probleme bearbeiten. Ich erkenne mich im Spiegel wieder und bekomme auch mehr und mehr ein Gefühl dafür, wer ich bin und was ich fühle. Habe mich auf verschiedene Studiengänge beworben und mich entschieden, vorerst in meiner Stadt zu bleiben. Andererseits bin ich nach wie vor traumatisiert und fühle mich manchmal wie ein Soldat, der aus Afghanistan zurückgekommen ist. Zum Beispiel hatte ich am Sonntag ein Date, eigentlich war alles cool. Wir waren im Museum, aber plötzlich holt es mich ein: Ich fange durch irgendwas getriggert an, den Kontakt zu mir zu verlieren (im Fachjargon Depersonalisation) und stehe neben mir, bin so ein bisschen weggetreten. Später, draußen auf einer Bank, quatschen wir und sie meint (nicht vorwurfsvoll), dass sie mich von den Nachrichten her etwas hibbeliger erwartet hätte. Ich sage ihr, dass das bei mir tagesformabhängig ist und ich auch einfach schlecht geschlafen habe. Sie glaubt mir das, da ich das ganze gut überspielen kann, aber tatsächlich sitze ich versteinert neben ihr und habe heftige Flashbacks. Sowas passiert mir fast jeden Tag, zu ganz unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten. Und das nimmt mir halt, wie ich es auch in einem anderen Thread angesprochen habe, einfach jede Lebendigkeit und Freude. Mit 18, 19, 20 war ich lebensfroh, hab Dinge probiert und gemacht, war lustig und wurde auf dem Campus angesprochen, die Leute haben sich gefreut, mich zu sehen und sind zu mir hin. Habe viele Projekte gemacht und mir viel zugetraut, war als Draufgänger bekannt. Dann aber kam irgendwann die Depression aus der Jugend wieder. Und Ängste. Beruflich war ich seit den Anschlägen in Paris 2015 stark mit dem Thema beschäftigt und da die Bedrohung teilweise sehr konkret war, haben sich hieraus reale Ängste und Albträume entwickelt. Zu allem Überfluss hab ich sogar noch einen der Gefährder, der konkret einen Anschlag vorbereitet hat, persönlich in einer JVA getroffen. Und Zuhause ballert der seit 10 Jahren vermeintlich beste Freund aka Narzisst deine Ex (und zu dem Zeitpunkt noch enge Vertraute). Fährste durch die Stadt, wird ein Junkie auf offener Straße reanimiert. Ne Woche später erlebst du, wie jemand vor deinen Augen stirbt, den du eigentlich retten sollst. Kannste dir nicht ausdenken sowas. Nur so Scheiße. Ich weiß auch, dass das nicht die Regel ist. Aber wenn man über mehrere Monate und Jahre nur sowas erlebt, dann hält man das irgendwann für normal. Das ist dann nämlich kein Spielfilm, sondern Realität. Die Therapie hilft da auch leider momentan wenig, ich bin jetzt schon seit eineinhalb Jahren dran. Die Depression ist zwar weg, aber die Flashbacks sind halt immer präsent. Wir arbeiten halt gerade noch daran, die Depersonalisation, also dass ich keinen Bezug zu mir und meinen Gefühlen etc habe, abzumildern. Ich würde einfach gerne die letzten drei Jahre aus meinem Leben "ausschneiden". Dann wäre wohl alles okay...
  13. Atmest du dabei tief mit dem Bauch oder sehr flach? Ich hab das gleiche Problem in sehr stressigen Situationen, wobei mir aufgefallen ist, dass ich beim sprechen kaum bzw. ganz flach ausatme und dass es deswegen so piepsig klingt. Jetzt ist es schon deutlich besser geworden. Kann das evtl. auch bei dir der Fall sein?
  14. Was ich jetzt schreibe ist nicht böse gemeint. Aber ich glaube wirklich, dass du mal auf die Zwölf bekommen musst. Mit Verlaub, aber was interessiert mich denn eine scheiß Klobürste??? Entweder ich will sie haben und kaufe sie mir, oder ich vergesse das ganze Thema. Weißt du, ich war auch mal so. Hab im Internet abgehangen, Listen geschrieben, organisiert. War unglaublich perfektionistisch und hab deswegen nichts gemacht. Und was hatte ich davon? Eine scheiß Depression. Du hast ja deinem vorletztem Beitrag nach scheinbar auch eine. Und ich würde einfach mal davon ausgehen, dass einer der Gründe dafür ist, dass du auf der Stelle trittst. Im gleichen Maße, wie ich aktionistischer und entscheidungsfreudiger geworden bin, nahm sie bei mir ab und es wird vermutlich bei dir ebenfalls stark helfen. Das Leben ist zu kurz für Perfektionismus, Youtube-Videos und Selfhelp-Bücher, ohne, dass man etwas mit den Informationen macht. Glaub es mir. Und das meine ich mit "du musst mal auf die Zwölf bekommen". Ich hab mein Leben schlagartig geändert, als ich im letzten und diesen Jahr mehrmals mit dem Tod konfrontiert war. Nachdem ich selber eine Zeit lang Suizid begehen wollte und Leute vor meinen Augen habe sterben sehen. Da wurde auf einmal alles in eine neue Perspektive gerückt. Glaubst du, ich verschwende meine Zeit jetzt noch mit Hirnwichserei und Prokrastination, wenn ich weiß, dass von jetzt auf gleich alles vorbei sein kann und nachdem ich soviel Elend gesehen habe? Entweder ich entscheide mich für eine Sache/ Tätigkeit oder nicht. Montag-Mittwoch arbeite ich als Werkstudent, Donnerstags schreibe ich Bewerbungen für Studiengänge und den Rest der Zeit genieße ich mein Leben. Wenn ich arbeite, dann arbeite ich. Und wenn ich frei habe, habe ich wirklich frei. Dann gönne ich mir Pornhub, gehe was trinken, treffe Freunde oder mache sonst was. Aber ich verbringe meine wertvolle Lebenszeit sicher nicht damit, über Wissensmanagement zu sinnieren, um dann nachher doch nie das Wissen irgendwo niederzuschreiben. Ich hatte in den letzten Jahren mit einigen Millionären und Chefs von 200+ Mitarbeitern Kontakt. Meinst du, die haben sich ein Whiteboard auf ihre ToDo-Liste geschrieben? Diese Leute haben innerhalb eines Tages Bedenkzeit ein Haus gekauft. Merkst du den Unterschied? Du wirst nie weiter kommen, wenn du so wie jetzt auf der Stelle trampelst. Dringende Buchempfehlung hierzu: Essentialism von Greg McKeown. Aber eigentlich solltest du es dir besser nicht kaufen, sondern einfach mal machen. Entscheidungen treffen und Dinge anstoßen. Klar fliegt man damit auch mal richtig auf die Schnauze, wenn man Verantwortung für sich und andere übernimmt. Aber das gehört dazu und tut auch nicht mehr so weh, wenn zu 95% alles glatt geht und man sich wundert, wie sehr sich das Leben ins positive verändert hat, weil man einfach mal Dinge gemacht hat. Bewerbungen geschrieben. Leute getroffen. Dinge ausprobiert. Oder was auch immer es gerade bei dir sein mag (man spürt sowas eigentlich immer ziemlich gut. Das, wo plötzlich ein innerer Widerstand oder Angst aufkommt). Alles Gute!
  15. GuMo Quantax, bin in ner ganz ähnlichen Situation. Studium vorbei, 23, Corona etc. Ich vermisse die Zeiten, in denen man jeden Tag in die Uni ist, da immer was abging, man sehnlichst von seinen Kommilitonen erwartet wurde und natürlich party- und mädelsmäßig viel ging. Das war für mich ne Zeit im Leben, in der ich richtig aufgeblüht bin. Und genau deshalb nehme ich das jetzt zum Anlass, das als Entwurf für meine weitere Lebensgestaltung zu nehmen. Habe auch schon überlegt, nochmal zu studieren und mich tatsächlich zum Wintersemester nochmal für einige Studiengänge beworben. Jedoch wird es tricky das zu finanzieren und mit Corona ist es jetzt eh mit dem socializen hart scheiße. Stattdessen mache ich es eher so: Viel, viel unterwegs sein und Leute treffen. Das hat sich jetzt schon etwas verselbstständigt und Leute kommen proaktiv auf mich zu, um mich irgendwo dabeizuhaben oder so zu treffen. Und fast jedes Wochenende treffe ich zufällig in der Stadt Bekannte, das ist schon cool. Dadurch bin ich weniger needy und es läuft auch mit den Frauen wieder mehr. Außerdem ziehe ich bald wieder eine WG, noch vor dem möglicherweise kommenden nächsten Lockdown - dann ist man nicht ganz alleine. Und ansonsten - das würde ich dir ebenfalls empfehlen und du hattest ja auch schon den Gedanken: Such dir ein neues Projekt. Am besten ein solches, wo du Leute mit reinbringen kannst. Ich mache gerade mit nem Kumpel eine kleine Videoproduktion. Das Thema verbindet uns einfach und wir können tolle Ideen austauschen. Das Studium war halt schon ziemlich geil in der Hinsicht, aber das kann es jetzt noch nicht gewesen sein. Weiter geht's mit dem geilen Leben 🙂