Wie aus dem Kampf um Anerkennung und Status aussteigen

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Hallo,

mir ist es jetzt schon öfters passiert,dass ich hinter die "Maske" von Menschen blicken konnte.

Zum Beispiel

- der gute Freund, den man immer für glücklich gehalten hat und der einem dann von Suchtproblemen erzählt

- die immer so glücklich wirkende Beziehung, wo man dann allerdings erfährt, dass er sie betrogen hat und dass es heftig kriselt

- die sehr anstrengende Chefin, die man nicht wirklich mag, wo man aber weiß das keiner im Unternehmen sie so wirklich leiden kann und es in ihrem Privatleben auch nicht gut aussieht.

- der gute Freund, der immer was unternimmt und Party macht, der einem dann aber gesteht wie sehr es an ihm nagt, dass er mit Mitte 20 noch nie eine Beziehung hatte und wie unglücklich er eigentlich ist

Ich bin dadurch zu der Erkenntnis gelangt, dass -unglaublich viele und vor allem viele Menschen bei denen man es nicht erwartet ein schweres Paket mit sich herumtragen und viele Verhaltensweisen, die diese an den Tag legen aus daraus folgenden Unsicherheiten mit sich selber resultieren. Sie also immer versuchen den anderen zu zeigen wie toll sie sind, weil sie selbst eben nicht mit sich zufrieden sind.

Mein eigenes Leben ist zwar relativ unspektakulär, aber ich bin in der glücklichen Situation nicht solche Probleme zu haben und ein zufriedenes Leben zu führen. Ich würde daher gerne einfühlsamer auf meine Mitmenschen zu gehen und nicht in diesem ewigen Kampf um Anerkennung mitmachen.

Mein Problem ist allerdings, dass ich zu leicht in den alten Modus zurückfalle. D.h. zum Beispiel hat man einen Arbeitskollegen und weiß eigentlich, dass seine Ehe nicht wirklich toll zu sein scheint und er erzählt einem immer von seinen tollen teuren Urlauben und anderen neuen teuren Anschaffungen oder Aktivitäten. Anstatt jetzt in alte Muster zu verfallen und zu denken was für ein Angeber und vielleicht dumme Kommentare zu geben oder mit eigenen Geschichten zu kommen um quasi meinen "Value" wieder zu erhöhen, möchte ich in dieser Situation eher den Fokus darauf richten ihn als Menschen mit Sorgen, Problemen und Unsicherheiten wahrzunehmen und zu sehen, dass er diese Geschichten erzählt, weil er Anerkennung von anderen Sucht und wohl tief innen nicht so wirklich zufrieden mit sich ist. Und hier dann einfach zu denken, dass ich selbst sehr froh sein kann, dass mein Leben bis jetzt gut verlaufen ist und ihn quasi zu helfen zufriedener mit seinem Leben zu sein, anstatt in diesen Kampf um die eigene Erhöhung des Egos einzusteigen.

Also wie kann ich am besten diese mitfühlenden Gedanken gegenüber meinen Mitmenschen in mir verwurzeln, sodass sie mir in solchen Situationen zuerst in den Sinn kommen, anstatt der alte Reflex sich möglichst selbst zu versuchen gut darzustellen.

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Gast

Jeder Mensch hat Probleme, das ist völlig normal und mit dem Alter lernt man auch die für sich zu behalten, nichts ist schlimmer als Nervensägen, die wenn man unterwegs ist und feiern will, nur über Probleme reden, dann sollen sie mehr saufen oder irgendwelche Fake-Geschichten über ihr tolles Leben erzählen. Wenn du dir darüber so ernste Gedanken machst, ist entweder dein Leben zu langweilig oder du arbeitest zu wenig.

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Ich möchte auch gar nicht mit den Leuten über ihre Probleme reden. Ich möchte nur stärker im hinterkopf behalten, dass ich Beweggründe und Geschichten anderer Menschen nicht kenne und daher mitfühlender mit ihnen umgehen sollte.

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Der Volksmund nennt das "unter jedem Dach ein Ach"....

Das sich gut darstellen wollen hängt mit Dir und Deinem Neidfaktor zusammen. Denn etwas in Dir sticht Dich, wenn Dir jemand beispielsweise von seinem teuren Urlaub erzählt. Das nagt in Dir und Deinem Bedürfnis gleichwertig zu sein. Aber warum meinst Du denn, dass all dieser Tand und all das Geld Menschen Wert verleiht? Woher kommt dieser Glaube?

Ich kann mich einfach für Menschen mitfreuen. Aber ich gehe auch davon aus, dass sie mir etwas erzählen, damit ich mich mitfreuen kann und nicht, um mir was zu demonstrieren. Sollte das doch einer wünschen würde es mir vermutlich nicht groß auffallen.

Vielleicht hast Du einfach Glaubenssätze und Überzeugungen, die Du mal beleuchten solltest und woher die kommen. Wen interessiert es, was die Menschen allgemein so denken und wichtig finden. Das ist eine Wahl. Wenn man das mal alles etwas gelassener sieht kommt auch das Lassenkönnen, das Gönnenkönnen. Weil Du auch ein wunderbarer Mensch bist. Bist Du doch, oder?

Es ist einfacher, Deine Überzeugungen mal zu hinterfragen als Millionär zu werden. Was auch nur meint, die Reisen werden noch teuerer und die Anschaffungen auch. Nur größere Spielzeuge. Früher hat man sich ins Gras gelegt in den Sonnenschein und nur den Wolken zugesehen, Bilder gesehen, die Luft flirrte und die Hummeln flogen vorbei. Was für ein Frieden.

Was uns besonders macht hängt mit unserer Einstellung zusammen. Nur wir geben uns Wert und entziehen uns Wert, niemand sonst ist dazu fähig.

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ihn quasi zu helfen zufriedener mit seinem Leben zu sein, anstatt in diesen Kampf um die eigene Erhöhung des Egos einzusteigen

Sind zwei verschiedene Ziele, die du da hast. Einerseits aus den Egospielchen aussteigen - andererseits ihm helfen.

Frage ist da erstmal, ob er überhaupt will, dass du ihm hilfst. Und nächste Frage ist, inwieweit es mit deinem Ego zu tun hat, dass du ihm helfen willst.

Ist tricky. Deine Erkenntnis, dass dieser ganze Kampf um Status und Value viel mit Kompensation zu tun hat, ist ohne Zweifel richtig und sicher wertvoll.

Nur bedeutet das ja nicht automatisch, dass man dadurch komplett aus diesem Kampf ausgestiegen ist. Weil jemandem zu helfen bedeutet ja immer auch, denjenigen in einer bedürftigen Position zu sehen - und sich selbst in einer helfenden Position. Was auch eine Projektion ist - und von daher auch wieder eine Kompensation. Man kämpft dann sozusagen um den Status des Helfenden. Was auch ein Egoding ist.

Also wie kann ich am besten diese mitfühlenden Gedanken gegenüber meinen Mitmenschen in mir verwurzeln, sodass sie mir in solchen Situationen zuerst in den Sinn kommen, anstatt der alte Reflex sich möglichst selbst zu versuchen gut darzustellen.

Mitfühlende Gedanken verwurzelst du durch Übung. Und durch Konsequenz.

Übung meint, Gedanken zuzulassen. Konsequent meint, Mitgefühl generell zuzulassen. Also nicht nur Anderen gegenüber, sondern generell - also auch und sogar in erster Linie, dir selbst gegenüber. Und zwar gegenüber allen Facetten deiner Persönlichkeit. Dein eigenes Ego ist dabei ausdrücklich mit einbezogen.

Bedeutet, du akzeptierst dich so, wie du bist - ohne dich zu bewerten.

Was nicht bedeuten kann, dass es nicht OK wäre, zu bewerten. Weil das wieder ne Bewertung wäre.

Geht also weniger um mitfühlende Gedanken und mehr um Mitgefühl. Also um Empathie und Akzeptanz. Achtsamkeit ist das das Stichwort.

Akzeptanz impliziert natürlich auch deinen Impuls, anderen helfen zu wollen. Wobei das indirekt funktioniert. Sich selbst gegenüber nicht empathisch zu sein, sondern nur anderen gegenüber, würde nicht funktionieren. Was funktioniert ist, sich selbst akzeptieren. Ein Seiteneffekt davon ist, dass andere deine Haltung dir selbst gegenüber wahrnehmen - und diese Haltung für sich übernehmen können, wenn sie wollen. Das kann dann helfen.

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