Fragerunde rund ums Training (mit Shao)

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Am 14.4.2021 um 12:17 , Stone Cold schrieb:

 

Hey Shao,

 

Was ist deine akademische Meinung zu folgendem. Hört sich flapsig an, ist aber ernst gemeint. Angeblich trainieren die Navy Seals ihre Azubis zu tode und bringen ihnen erst im erschöpften Zustand das Kriegshandwerk bei, damit sie alles auch in der schlimmsten Situation abrufen können. Würde das Prinzip auch woanders funktionieren, keine Ahnung, wenn ein Trader sich mit stundenlangen Matheaufgaben zermürbt, und er dann übt schnell Aktienbeträge oder was weiß ich und anderes im Kopf durchzurechnen? 

Handlungsabläufe im kaputten Zustand üben, sodass sie richtig in Fleisch und Blut übergehen?

 

 

Da muss ich jetzt ein wenig Ausholen. Ich habe ein zwei amerikanische Bekannte und Freunde die mit den Teams zu tun haben und daher einiges an Gesprächen geführt und Research in dem Bereich betrieben, weil es mich selbst interessiert. Allgemein ist taktisches Training eins meiner Lieblingsgebiete, obwohl es nur einen Bruchteil meiner Kunden ausgemacht hat.

 

Punkt 1: Jedes Verfahren für eine militärische Spezialeinheit beginnt NICHT mit Skill Training. Es beginnt mit der Identifikation der richtigen Attribute/mentalen Eigenschaften. Schau dir bspw. den Kanal "Jameson Travels" und die ganzen Dokus über Spezialeinheiten an. In den meisten wirst du in der Trainings Footage keine genaue Skill Lehre finden. Dazu gleich mehr.

Punkt 2: Die Anforderungen für Selektion und Training sind zwei völlig verschiedene Dinge. Was du in der realen Welt brauchst und was du zum Überleben der Selektion brauchst, ist oft sehr verschieden. 

 

Zu den SEALs selbst:

Das Training der SEALs ist nur zu einem gewissen Teil öffentlich, aber den kann man gut kommentieren. Ich werfe noch ein bisschen das ein, was man mir eben erzählt hat. Es ist mitnichten so, wie du beschreibst.

SEAL Training ist in mehrere Phasen aufgeteilt, die erste ist die Vorbereitungs Phase, die vergleichsweise harmlos ist. Nennt sich auch Naval Special Warfare Preparatory Training. In dieser Phase wird vor allem drauf trainiert, dass die Leute dem Programm gewachsen sein könnten und Nieten werden direkt aussortiert. Es ist mit normalem militärischen Training zu vergleichen. Das sind ca. 8 Wochen. Danach kommt INdoc für 3 Wochen, wo du den Komplex kennenlernst, die Hinderniskurse etc. Auch noch sehr freundlich alles.

Danach kommt das, was du aus dem Fernsehen und den  Medien kennst: BUD/S. Basic underwater demolition/SEAL Training. Hier wird ausgesiebt. BUD/S hat drei Phasen: Phase 1: Physische Belastung, Phase 2: Kampftaucherausbildung und Phase 3: Basic Land warfare training.

Phase 1 besteht fast vollständig aus Selektionstraining. Dort geht es nur um Mentales und Durchhalten. Die Rekruten werden permanent unter Druck gehalten und mit physischem Training zur Überlastung gebracht. Dann werden sie immer wieder in Teams eingeteilt, die sog. Bootscrews, und ins Wasser geschickt. Dazu kommen Dauerläufe und Aufgaben für die Teams, bei denen ihr Durchhaltevermögen, Führungsvermögen der Offiziere und auch "Attention to Detail" eine Rolle spielen. Attention to detail kann so etwas sein, wie einen Befehl wie "Rennt zum Wasser" richtig zu interpretieren. Man wird 15x hin und zurück geschickt, MIT dem Boot auf dem Rücken. Aber einmal oder zweimal wird nur gesagt "Rennt zum Wasser" ohne das Boot. Nimmt sich die Bootscrew das Boot, wird sie von den Instructorn zur Sau gemacht, weil sie nicht zuhören. Die Fähigkeit, unter Belastung zuzuhören und nachzudenken, wird hier massiv geprüft. Insbesondere bei den Offizieren, die am Ende fast sicher entweder ein Fire team oder eine Task Unit leiten, ist das essenziell. 

 Diese Phase endet mit der Hell Week, bei der quasi das Training im gleichen Tempo wie die letzten Wochen aufrecht erhalten wird, aber deutlich länger und unter Schlafentzug, während die Instructor für eine entsprechende Geräuschkulisse sorgen. Typisch für diese Phase sind dann auch gezielte Unterkühlung und das Aushalten von kaltem Wasser oder Schlamm für viele Stunden.

In dieser Phase werden nur selten Soldaten wegen ihrer Leistung aussortiert, obwohl das möglich ist. Die meisten geben freiwillig auf, ein kleiner Teil verletzt sich zu sehr (Medical Rollback). Der SINN dieser Phase ist tatsächlich das aussieben von Personen, die entweder mental nicht stark genug sind, fehlende Anpassungsfähigkeit haben oder unter Stress mental zusammenbrechen. Jeder, der dieses Training am Ende durchsteht, ist imstande unter hohem Stress eine gewisse Denkfähigkeit mitzubringen und auf Anweisungen zu reagieren sowie mental stabil.

Danach folgen Phase 2 und 3. In diesen Phasen werden immer noch Leute aussortiert, aber weniger wegen der mentalen Leistungsstärke. Zu diesem Zeitpunkt sind normalerweise zwischen 60 und 80% der Kandidaten bereits ausgeschieden. Den Rest der Ausscheider erledigt meist der Pool. Denn dort wird Drownproofing in der Combat Diving Phase trainiert, wo Tauchgear ebenso wie mentale Reaktionen unter Wasser trainiert werden, während man halb am Ertrinken ist. Die Fähigkeit, NICHT panisch zu sein, wird hier schlicht jedem Rekruten abverlangt, wer das nicht packt, wird aussortiert. Phase 3 ist Land Warfare, hier sind die wenigsten, die noch aussortiert werden, obwohl das passieren kann. Hier wird Umgang mit Waffen und gezielte Zusammenarbeit im Team gelehrt. Diese Phase ist ruhiger, zeigt aber wie Rekruten mit der Waffe hantieren, wie schnell sie lernen, ob sie mental adaptieren können für verschiedene Ziele usw. Hier werden vor allem Menschen mit schlechtem Charakter und fehlender Waffensicherheit aussortiert. Attention to Detail.

 

Nach 24 Wochen "graduieren" die SEALs aus diesem Training. Ab diesem Moment dürfen sie sich zwar SEALs nennen, sind aber quasi noch keine. Direkt nach Graduation werden sie normalerweise erstmal ins Jump Training geworfen und lernen bei der Army, wie man aus Flugzeugen springt. "Jump school" nennt sich das ganze auch.

 

Erst danach, also nach 28 Wochen, gehen die Rekruten in das eigentliche SEAL Training. Das sog. "SQT - SEAL Qualification Training." Alles was du an Skills lernst, lernst du dort während der SQT Phase. Da ist dann der ganze Fancy Shit dabei: Close Quarter Combat, Unterwasserkampf, unbewaffneter Kampf, SERE Training, Land/Wasser Navigation und Taktik für kleine Einheiten.

Das ist schon richtig anstrengender Scheiss. Aber nicht ansatzweise vergleichbar mit dem, was man in Phase 1 und 2 ableistet. Unter extremem Stress lernst du nicht gut. Also hat man die Rekruten ZUERST extremen Stressoren ausgesetzt und alles aussortiert, was der Belastung nicht gewachsen ist. DANN beginnt man in sehr ruhigem und für das Militär vergleichsweise freundlichem Setting, Skills beizubringen. CQC lernst du nicht unter totalem Stress. Das beginnt mit ner Schreckschusspistole und Simmunition, als Einzelperson. Dann kommt eine zweite dazu, eine dritte, eine vierte. Dann wird von Pistole auf verschiedene Waffen gewechselt. Zeigt sich ein Fire Team als gut, dann erst kriegen sie scharfe Munition und gehen das Thema langsam an, bis jeder Schritt sitzt. DANN wird unter völligem Stress simuliert, die Geschwindigkeit MASSIV angezogen und in der Gruppe mit scharfer Munition und Stress geschossen. Zu dem Zeitpunkt sitzt aber bereits jeder Handgriff, es wird nur geübt, das man auch unter Stress schon funktioniert.

DANACH kommt dann noch das sog. Troop Training. Nach dem SQT darf sich der SEAL dann auch mit dem Dreizack schmücken und wird offiziell in ein Team und damit auch sein Platoon versetzt. Dort beginnt dann eine 18 monatige Phase in der die Spezialisierung des Soldaten festgelegt und trainiert wird (ProDev Individual Specialty training) und das Training mit seiner Einheit beginnt. Erst wenn das alles fertig ist, nach ca. 2.5-3 Jahren, ist ein SEAL einsatzbereit.

Kommen wir also zu deiner Frage zurück: Trainieren sie und lernen sie gezielt unter Stress? Nein, das macht keinen Sinn. Handgriffe werden mit einem relativ erträglichen (Für einen Elitesoldaten halt) Stressniveau trainiert, das jeder dort gut aushält und guten Fokus hat. Erst wenn all diese Handgriffe absolut sitzen, wird das ganze auf einem entsprechend hohen Stresspegel und unter voller Belastung auch trainiert. Rich Diviney, ehemaliger SEAL, nennt das auch die Methode "Crawl, Walk Run." Du musst zuerst krabbeln, bevor du gehst, bevor du rennst. 

 

  Welche Lehren zieht man nun also daraus?
 

 

Zitat

Handlungsabläufe im kaputten Zustand üben, sodass sie richtig in Fleisch und Blut übergehen?

Nein. Zuerst Handlungsabläufe so üben, dass du sie Nachts im Schlaf könntest, immer und immer wieder, in Perfektion. DANN in kaputtem Zustand üben, dass sie Automatismen darstellen, die nicht unter Stress zusammenbrechen.

Aber: Die Fähigkeit, unter extrem hohen Stresspegel zu agieren und zu Denken, ist vermutlich zu einem Teil genetisch und zu einem Teil antrainiert. 

Diviney, Willinck und co. sagen alle, die Navy weiss wie man die Leute wirklich aussortiert. Aber viele der Fähigkeiten können sie noch NICHT entwickeln oder vorhersagen, weswegen nur die Aussortiermethode wirklich funktioniert.

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vor einer Stunde, Shao schrieb:

 

Da muss ich jetzt ein wenig Ausholen. Ich habe ein zwei amerikanische Bekannte und Freunde die mit den Teams zu tun haben und daher einiges an Gesprächen geführt und Research in dem Bereich betrieben, weil es mich selbst interessiert. Allgemein ist taktisches Training eins meiner Lieblingsgebiete, obwohl es nur einen Bruchteil meiner Kunden ausgemacht hat.

 

Punkt 1: Jedes Verfahren für eine militärische Spezialeinheit beginnt NICHT mit Skill Training. Es beginnt mit der Identifikation der richtigen Attribute/mentalen Eigenschaften. Schau dir bspw. den Kanal "Jameson Travels" und die ganzen Dokus über Spezialeinheiten an. In den meisten wirst du in der Trainings Footage keine genaue Skill Lehre finden. Dazu gleich mehr.

Punkt 2: Die Anforderungen für Selektion und Training sind zwei völlig verschiedene Dinge. Was du in der realen Welt brauchst und was du zum Überleben der Selektion brauchst, ist oft sehr verschieden. 

 

Zu den SEALs selbst:

Das Training der SEALs ist nur zu einem gewissen Teil öffentlich, aber den kann man gut kommentieren. Ich werfe noch ein bisschen das ein, was man mir eben erzählt hat. Es ist mitnichten so, wie du beschreibst.

SEAL Training ist in mehrere Phasen aufgeteilt, die erste ist die Vorbereitungs Phase, die vergleichsweise harmlos ist. Nennt sich auch Naval Special Warfare Preparatory Training. In dieser Phase wird vor allem drauf trainiert, dass die Leute dem Programm gewachsen sein könnten und Nieten werden direkt aussortiert. Es ist mit normalem militärischen Training zu vergleichen. Das sind ca. 8 Wochen. Danach kommt INdoc für 3 Wochen, wo du den Komplex kennenlernst, die Hinderniskurse etc. Auch noch sehr freundlich alles.

Danach kommt das, was du aus dem Fernsehen und den  Medien kennst: BUD/S. Basic underwater demolition/SEAL Training. Hier wird ausgesiebt. BUD/S hat drei Phasen: Phase 1: Physische Belastung, Phase 2: Kampftaucherausbildung und Phase 3: Basic Land warfare training.

Phase 1 besteht fast vollständig aus Selektionstraining. Dort geht es nur um Mentales und Durchhalten. Die Rekruten werden permanent unter Druck gehalten und mit physischem Training zur Überlastung gebracht. Dann werden sie immer wieder in Teams eingeteilt, die sog. Bootscrews, und ins Wasser geschickt. Dazu kommen Dauerläufe und Aufgaben für die Teams, bei denen ihr Durchhaltevermögen, Führungsvermögen der Offiziere und auch "Attention to Detail" eine Rolle spielen. Attention to detail kann so etwas sein, wie einen Befehl wie "Rennt zum Wasser" richtig zu interpretieren. Man wird 15x hin und zurück geschickt, MIT dem Boot auf dem Rücken. Aber einmal oder zweimal wird nur gesagt "Rennt zum Wasser" ohne das Boot. Nimmt sich die Bootscrew das Boot, wird sie von den Instructorn zur Sau gemacht, weil sie nicht zuhören. Die Fähigkeit, unter Belastung zuzuhören und nachzudenken, wird hier massiv geprüft. Insbesondere bei den Offizieren, die am Ende fast sicher entweder ein Fire team oder eine Task Unit leiten, ist das essenziell. 

 Diese Phase endet mit der Hell Week, bei der quasi das Training im gleichen Tempo wie die letzten Wochen aufrecht erhalten wird, aber deutlich länger und unter Schlafentzug, während die Instructor für eine entsprechende Geräuschkulisse sorgen. Typisch für diese Phase sind dann auch gezielte Unterkühlung und das Aushalten von kaltem Wasser oder Schlamm für viele Stunden.

In dieser Phase werden nur selten Soldaten wegen ihrer Leistung aussortiert, obwohl das möglich ist. Die meisten geben freiwillig auf, ein kleiner Teil verletzt sich zu sehr (Medical Rollback). Der SINN dieser Phase ist tatsächlich das aussieben von Personen, die entweder mental nicht stark genug sind, fehlende Anpassungsfähigkeit haben oder unter Stress mental zusammenbrechen. Jeder, der dieses Training am Ende durchsteht, ist imstande unter hohem Stress eine gewisse Denkfähigkeit mitzubringen und auf Anweisungen zu reagieren sowie mental stabil.

Danach folgen Phase 2 und 3. In diesen Phasen werden immer noch Leute aussortiert, aber weniger wegen der mentalen Leistungsstärke. Zu diesem Zeitpunkt sind normalerweise zwischen 60 und 80% der Kandidaten bereits ausgeschieden. Den Rest der Ausscheider erledigt meist der Pool. Denn dort wird Drownproofing in der Combat Diving Phase trainiert, wo Tauchgear ebenso wie mentale Reaktionen unter Wasser trainiert werden, während man halb am Ertrinken ist. Die Fähigkeit, NICHT panisch zu sein, wird hier schlicht jedem Rekruten abverlangt, wer das nicht packt, wird aussortiert. Phase 3 ist Land Warfare, hier sind die wenigsten, die noch aussortiert werden, obwohl das passieren kann. Hier wird Umgang mit Waffen und gezielte Zusammenarbeit im Team gelehrt. Diese Phase ist ruhiger, zeigt aber wie Rekruten mit der Waffe hantieren, wie schnell sie lernen, ob sie mental adaptieren können für verschiedene Ziele usw. Hier werden vor allem Menschen mit schlechtem Charakter und fehlender Waffensicherheit aussortiert. Attention to Detail.

 

Nach 24 Wochen "graduieren" die SEALs aus diesem Training. Ab diesem Moment dürfen sie sich zwar SEALs nennen, sind aber quasi noch keine. Direkt nach Graduation werden sie normalerweise erstmal ins Jump Training geworfen und lernen bei der Army, wie man aus Flugzeugen springt. "Jump school" nennt sich das ganze auch.

 

Erst danach, also nach 28 Wochen, gehen die Rekruten in das eigentliche SEAL Training. Das sog. "SQT - SEAL Qualification Training." Alles was du an Skills lernst, lernst du dort während der SQT Phase. Da ist dann der ganze Fancy Shit dabei: Close Quarter Combat, Unterwasserkampf, unbewaffneter Kampf, SERE Training, Land/Wasser Navigation und Taktik für kleine Einheiten.

Das ist schon richtig anstrengender Scheiss. Aber nicht ansatzweise vergleichbar mit dem, was man in Phase 1 und 2 ableistet. Unter extremem Stress lernst du nicht gut. Also hat man die Rekruten ZUERST extremen Stressoren ausgesetzt und alles aussortiert, was der Belastung nicht gewachsen ist. DANN beginnt man in sehr ruhigem und für das Militär vergleichsweise freundlichem Setting, Skills beizubringen. CQC lernst du nicht unter totalem Stress. Das beginnt mit ner Schreckschusspistole und Simmunition, als Einzelperson. Dann kommt eine zweite dazu, eine dritte, eine vierte. Dann wird von Pistole auf verschiedene Waffen gewechselt. Zeigt sich ein Fire Team als gut, dann erst kriegen sie scharfe Munition und gehen das Thema langsam an, bis jeder Schritt sitzt. DANN wird unter völligem Stress simuliert, die Geschwindigkeit MASSIV angezogen und in der Gruppe mit scharfer Munition und Stress geschossen. Zu dem Zeitpunkt sitzt aber bereits jeder Handgriff, es wird nur geübt, das man auch unter Stress schon funktioniert.

DANACH kommt dann noch das sog. Troop Training. Nach dem SQT darf sich der SEAL dann auch mit dem Dreizack schmücken und wird offiziell in ein Team und damit auch sein Platoon versetzt. Dort beginnt dann eine 18 monatige Phase in der die Spezialisierung des Soldaten festgelegt und trainiert wird (ProDev Individual Specialty training) und das Training mit seiner Einheit beginnt. Erst wenn das alles fertig ist, nach ca. 2.5-3 Jahren, ist ein SEAL einsatzbereit.

Kommen wir also zu deiner Frage zurück: Trainieren sie und lernen sie gezielt unter Stress? Nein, das macht keinen Sinn. Handgriffe werden mit einem relativ erträglichen (Für einen Elitesoldaten halt) Stressniveau trainiert, das jeder dort gut aushält und guten Fokus hat. Erst wenn all diese Handgriffe absolut sitzen, wird das ganze auf einem entsprechend hohen Stresspegel und unter voller Belastung auch trainiert. Rich Diviney, ehemaliger SEAL, nennt das auch die Methode "Crawl, Walk Run." Du musst zuerst krabbeln, bevor du gehst, bevor du rennst. 

 

  Welche Lehren zieht man nun also daraus?
 

 

Nein. Zuerst Handlungsabläufe so üben, dass du sie Nachts im Schlaf könntest, immer und immer wieder, in Perfektion. DANN in kaputtem Zustand üben, dass sie Automatismen darstellen, die nicht unter Stress zusammenbrechen.

Aber: Die Fähigkeit, unter extrem hohen Stresspegel zu agieren und zu Denken, ist vermutlich zu einem Teil genetisch und zu einem Teil antrainiert. 

Diviney, Willinck und co. sagen alle, die Navy weiss wie man die Leute wirklich aussortiert. Aber viele der Fähigkeiten können sie noch NICHT entwickeln oder vorhersagen, weswegen nur die Aussortiermethode wirklich funktioniert.

 

Ja, die Durchhaltefähigkeit ist einerseits genetisch, aber auch antrainiert.  Ich hab ein bisschen mit diversen mentalen Techniken experimentiert, wie zb einen Ort visualisieren in dem man sich sicher fühlt, oder sich nicht überfordern lassen, indem man lernt mental nicht alles auf einmal durchdenken zu wollen, also dass sowas erstaunlicherweise ein hohes Stressleve während einer belastenden Situation sehr schnell reduzieren kann. Wie stark könnten diverse Tools, aus Sportpsychologie einen Unterschied machen? Hast du auch Leute trainiert die sowas machen, hast du die einfach in den Boden gerammt, oder denen auch sowas beigebracht?

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vor 3 Minuten, Stone Cold schrieb:

 

Ja, die Durchhaltefähigkeit ist einerseits genetisch, aber auch antrainiert.  Ich hab ein bisschen mit diversen mentalen Techniken experimentiert, wie zb einen Ort visualisieren in dem man sich sicher fühlt, oder sich nicht überfordern lassen, indem man lernt mental nicht alles auf einmal durchdenken zu wollen, also dass sowas erstaunlicherweise ein hohes Stressleve während einer belastenden Situation sehr schnell reduzieren kann. Wie stark könnten diverse Tools, aus Sportpsychologie einen Unterschied machen? Hast du auch Leute trainiert die sowas machen, hast du die einfach in den Boden gerammt, oder denen auch sowas beigebracht?

Disclaimer: Ich mache Performance Coaching, Mental Training etc. ja auch seit 10 Jahren, daher bringe ich natürlich solchen Kram auch bei 😉 Das ist jetzt so der "Self-serving" bias. Ich denke man kann sehr viel lernen. Darf es aber auch nicht überschätzen.

Die brutale Realität ist, dass es wenn es um den absoluten Top Bereich geht, aber Ende so ist, dass Talent und innewohnende Eigenschaften entscheidend sind. 

Wenn du von den Top 1% auf die Top 0,1% und co willst, dann ist Talent quasi der entscheidende Faktor. Da arbeiten einfach ALLE ultrahart, da ist mit reinem Willen nix zu machen.  

Das bedeutet aber nicht, dass es keine Coping Techniken gibt. Tatsächlich beginnen einige SEAL Klassen zu singen, während sie im Schlamm stecken. Das stärkt die Moral und ein "Gemeinsam gegen die Instructor, wir packen das, wir wollen das Gefühl" und hilft. Es gibt da einiges, was da passiert.

Ich arbeite selbst mit einer ganzen Reihe an Werkzeugen, ein paar Beispiele wären Atemtechniken, Self Talk aufnehmen und aufschreiben und dann den "inneren Coach" trainieren, lösungsfokussierte Methodiken, wissenschaftliche Zielsetzungstheorie und anderem Deep Work Kram wie Gratitude Practice, Mindfulness, usw.

 

Was geht damit? Sicherlich sehr viel. Mein Mantra bleibt immer noch: Nicht jeder wird Großmeister, aber jeder kann Meister werden. Die absolute Spitze in bestimmten Bereichen sind genetische und mentale Ausnahmetalente. Aber die eigenen Spitzenleistungen erreichen, Stresstoleranz erhöhen, sich selbst sortieren usw., ja das geht absolut. Manche Sachen sind dabei eben "Hacks" wie wir sie eben beschrieben habe. Andere langfristige Habits und das Ausnutzen von Neurologie. Der komplette Prozess kann hier Jahre dauern, auch wenn sehr viel anfangs passiert. 

 

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vor 13 Stunden, Shao schrieb:

Ich arbeite selbst mit einer ganzen Reihe an Werkzeugen, ein paar Beispiele wären Atemtechniken, Self Talk aufnehmen und aufschreiben und dann den "inneren Coach" trainieren, lösungsfokussierte Methodiken, wissenschaftliche Zielsetzungstheorie und anderem Deep Work Kram wie Gratitude Practice, Mindfulness, usw.

Könntest du zum Bereich Atemtechnik noch was schreiben, v.a. im Bereich der Übungen? Falls du das schon hattest, ich hab's nicht gefunden. :)

 

Am Rande, wie unterscheiden sich eigentlich Team 6, 4, ...  von den anderen Seals?

 

 

 

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Bin von 25min joggen (Kondi gefühlt mittelprächtig) auf 10/20/30 HiiT umgestiegen (1-2/w). Hab jetzt vereinzelt bißchen Herz-Stechen während oder kurz nach all-out-Sprint. What do - Belastungs-EKG machen? Zwingend, oder kann ich mich auch einen Gang ruhiger an die Intensität rantasten (gern PM, kann ja falsch verstanden werden..)?

bearbeitet von Jingang

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vor 9 Stunden, smallPUA schrieb:

Könntest du zum Bereich Atemtechnik noch was schreiben, v.a. im Bereich der Übungen? Falls du das schon hattest, ich hab's nicht gefunden. 🙂

 

Am Rande, wie unterscheiden sich eigentlich Team 6, 4, ...  von den anderen Seals?

 

 

 

Was die Teams im einzelnen bis ins Detail unterscheidet, kann ich dir nicht sagen. Ich kann dir zumindest sagen, dass die Teams jeweils eine Hauptbasis und ein Hauptoperationsgebiet haben. Dabei sind die Geraden Einheiten (2, 4, 8, 10) vor allem in Wüsten und urbanen Gebeiten unterwegs, während bspw. 1 und 7 Ausbildungen für den Dschungel haben, Team 5 wiederum ein Gebiet für die Arktis. Die lernen dann direkt nach der Ausbildung Ski fahren. Vielleicht meinst du damit auch DEVGRU, aber da die Amis bis auf "Das sind die besten der Besten der Besten, Sir, mit Auszeichnung," quasi nix rausgeben, wirst du die exakten Unterschiede nicht feststellen können ohne einen tiefen Einblick zu haben, der mir fehlt. 

 

Was Atemtechnik angeht: das kommt auf die Situation an, ich drille solche Sache wie Box Breathing während ich Circuit Training mache, also dass derjenige einen Zirkel ballert aber währenddessen und in der Pause so nah wie möglich an ein 4-4-4-4 Pattern kommt. Breathing ladders benutze ich um Panic Breathing zu vermeiden und zu trainieren, Wim Hof Atmung ist eine nette Methode um Stress resistenter zu werden usw.

 

Zitat

Bin von 25min joggen (Kondi gefühlt mittelprächtig) auf 10/20/30 HiiT umgestiegen (1-2/w). Hab jetzt vereinzelt bißchen Herz-Stechen während oder kurz nach all-out-Sprint. What do - Belastungs-EKG machen? Zwingend, oder kann ich mich auch einen Gang ruhiger an die Intensität rantasten (gern PM, kann ja falsch verstanden werden..)?

Wenn es tatsächlich Herz-Stechen ist, sollte erstmal abgeklärt werden, dass das wirklich harmlos ist.

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