Tiefe/Start der Persönlichkeitsentwicklung

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Hallo Zusammen,

Vorwarnung: Text ist nicht ganz einfach für "Anfänger" :D

Ich brauche erneut eure Hilfe.

Ich möchte gerne endlich aktiv beginnen meine Persönlichkeit zu entwickeln, verfalle aber noch oftmals in den Mindfuck zurück herausfinden zu wollen was in unseren Köpfen wann, wie, wo, warum passiert (Theorie), um es "richtig" zu machen. Ich starte zB mit einem Bereich aktiv und trainiere (mental), verfalle aber dann in mein Muster zurück herausfinden zu wollen warum ich das überhaupt so trainieren soll und wie sich es auswirkt. Anschließend versuche ich die Erkenntnisse zu beweisen indem ich alle Medien (Bücher/Foren/Artikel) durchforste... Das beschert mir Mindfuck ohne Ende und nervt mich richtig, weil es massig entgegengesetze Tips und Erkenntnisse gibt. Ich gebe meist erst Ruhe, wenn ich "alles darüber weiß (ist ein guter Glaubenssatz, will den behalten, aber ich geh meist zu tief rein, was Energie kostet).

Frage dazu: Gibt es überhaupt einen Punkt in dem man weiß, dass man alles darüber weiß? Eigentlich nicht, oder? Wo ist dann die Grenze zw. darüber "ausreichend Wissen zu haben" und wo endet sie? Ich bin einfach so mega wissbegierig, weiß aber nicht wo ich stoppen soll.

Hilfe benötige ich beim Einwerten der Art wie ich meine persönliche Entwicklung starte und wie tief ich die Techniken und wissenschaftliche Erkenntnisse gehe (obwohl mir bewusst ist, dass mein Mindfuck bereits eine Angewohnheit an sich ist).

Und zwar habe ich mir eine Liste an destruktiven Denkmustern/Gewohnheiten und dessen Zielveränderungen erstellt, die ich gerne an mir ändern möchte (zB. "hab'n kleinen Buch" zu "will Sport machen" oder destruktive Denkmuster: "Ich bin ungeduldig" ändern zu "ich bin geduldig" oder "Ich muss" ändern zu "Ich kann/ will" oder "ich bin undiszipliniert" zu "Ich bin diszipliniert" usw.).

Hierbei unterscheide ich zwischen mentalen und physischen Veränderungen (obwohl die physischen auch aus dem mentalen kommen :D ).

Ich suche mir dazu nun immer 3 heraus und trainiere diese für einen Monat minimum mit meinem theoretischen Wissen und setze diese praktisch um.

Altuelle Zielveränderungen Beispiel:

1. Akzeptieren lernen (meine Gedanken, Schwächen, Stärken, Muster, einfach alles!)

2. Langsam und deutlich sprechen lernen

3. Gut drauf sein- Einstellung trainieren

Ich habe mir dazu eine kurze Grundanleitung geschrieben, aus all meinem Wissen über das Thema was mir bisher am besten geholfen hat:

1. Entgegengesätzen Glaubenssatz schwächen/anzweifeln (Was bringt er mir in 10,20,30,40 Jahren für Nachteile?)

2. Zielveränderung permanent visualsieren (Fütterung der neuen Gewohnheit/Denkmuster für Praxis), jede Situation nach geplanter Zielveränderung umdenken und Gefühl danach enden lassen.

Ich frage mich jetzt, wie tief sollte ich in der Praxis darauf eingehen?

Eine neue physische Gewohnheit zu installieren ist leicht zB. Sport machen. Diese ist messbar, sichtbar, planbar.

Aber wie siehts aus mit bereits bestehenden Gewohnheiten, vorallem Denk- und Verhaltensmustern aus, die ich ändern möchte? Ist mein Plan so realistisch und bringt auf beiden Ebenen Erfolg?

Ich sehe in diesem Forum meist nur Beispiele/Empfehlungen in Form von "lerne Disziplin", "lerne Unabhängigkeit", "lerne Loslassen", "lerne allein glücklich zu sein", "lerne weniger Angst zu haben", aber das wars auch schon. Das kann mein Kopf persönlich nicht verwerten, weil es zu schwammige Tips sind.

Nur packt sich an dieser Stelle der Hund beim Schwanz. Dadurch, dass ich mir soooviele Infos über das Thema ziehe, verstricken sich Bereiche wie ein Puzzle für mich, sodass ich nicht mehr weiß wie ich starten soll, ob das so richtig ist, es überhaupt was bringt und bleibe dadurch passiv in der Theorie hängen. Ich fange an daraus eine Wissenschaft und es kompliziert zu machen. Ist daran ein Glaubenssatz schuld?

Ich finde es wichtig viel zu Wissen, nur wo ist die Grenze (siehe Frage oben)? Am welchem Punkt ist sich das massive Informieren schädlich? In meiner jetztigen Situation bringt es mir massiv Mindfuck, weil ich alles darüber wissen will, wie es funktioniert, es aber nicht korrekt einwerten kann um endlich dauerhauft praktisch zu starten.

Und wo ist der Unterschied zwischen grundlosem Grübeln und aktivem Nachdenken um ein Problem zu lösen? Ist für mich Beides dasselbe.

Anderes Thema:

Bringt zuviel Bewusstheit Nachteile?

Durch meine aktuelle stark erwachte Bewusstheit bin ich permanent im Analysemodus und sehe jedes Verhalten an mir. Damals wollte ich aus diesem Grund alles an mir sofort ändern, was zum Scheitern verurteilt war. Daher meine Zielveränderungsliste. Jedoch komme ich dadurch nicht zur Ruhe, weil mein Kopf permanent am Denken ist.

Ich vermute, dass es falsch ist sich so sehr und vorallem so tief mit dem Thema zu beschäftigen, weil es massive Mindfucks zur Folge hat.

Auf der einen Art ist es wichtig hohe Bewusstheit zu erlangen, weil viele es gar nicht erreichen. Auf der anderen Art ist es ein Fluch sich permanent "sehen" zu können. Fühle mich dadurch irgendwie wie eine Hülle, die ich nach belieben verändern kann - keine Stabilität.

Ich möchte auch anfangen zu lernen all diese Themen an der Oberfläche und minimalistisch zu bearbeiten, obwohl mir das mittlerweile sehr schwer fallen wird. Was meint ihr dazu?

Danke!

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Nachdem ich deinen Text durchgelesen hab musste ich an Maximizer und Satisficer denken.

In der Psychologie wird bei der Entscheidungsfindung zwischen Maximizer und die Satisficer unterschieden. Die Maximizer wollen nur das Beste und gehen alle Möglichkeiten durch und die Satisficer wollen einfach nur gut genug sein. Bei dir geht es auch, um die Entscheidungsfindung, ist es der richtige Weg sich persönlich in die Richtung zu verändern, oder sollte ich mich eher in die Richtung orientieren? Ist das Training wirklich das beste für mich und nicht das usw.

Grob zusammengefasst:

Der Maximizer brauch viel Zeit und fährt einen hohen Aufwand, er ist ein Perfektionist. Wenn der Maximizer eine Entscheidung getroffen hat, dann verfällt er oft in Zweifel, den irgendwo könnte es eine noch bessere Entscheidung geben. Der Maximizer ist deswegen auch oft weniger glücklich und anfälliger für Depressionen.

Der Satisficer ist in der Lage seine Suche nach einer geeigneten Lösung zu beenden, wenn er etwas gefunden hat, das gut genug ist. Er entscheidet sich für diese Lösung und muss nicht – wie der Maximizer - alle Alternativen abwägen. Er spart so viel Zeit und Energie, er kann abschließen und ist zufrieden.

Du scheinst auch ein Maximizer zu sein, welcher nach der besten Alternative in Foren, Büchern sucht bevor er sich entscheidet und wenn du dich entschieden hast dann verfällst du in Zweifel.

bearbeitet von Vojislav
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Hey Vojislav,

nachdem ich mich über diese Gruppen informiert habe, muss ich dir Recht geben. Das passt ja wie die Faust aufs Auge!

Es stimmt tatsächlich, dass ich erst ins Handeln komme, wenn ich sämtliche Wege erkannt und ausgewertet habe.

Und selbst dann mit dem Erfolg nicht zufrieden bin.

Ein Satisficer zu werden kommt auf meine todo-Liste!

Danke Dir!

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Kein Wunder dass man davon Mindfuck bekommt. Schon mal daran gedacht ein konkretes Lebensziel zu haben bzw. danach zu streben, statt ziellos alles durchzulesen?

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Erkenne mich hier nahezu deckungsgleich wieder.

Kein Wunder dass man davon Mindfuck bekommt. Schon mal daran gedacht ein konkretes Lebensziel zu haben bzw. danach zu streben, statt ziellos alles durchzulesen?

Und woher soll man wissen, ob das Lebensziel auch wirklich das Lebensziel ist? Könnte statt a oder b ja auch x oder y sein... und wenn der eingeschlagene Weg nicht mit solidem und fundiertem Faktenwissen untermauert ist, könnten die Entscheidungen auf der Reise ja falsch und haltlos sein, oder (so fühle ich mich oft) es fehlt aufgrund mangelnden Wissens die "Berechtigung" dies oder jenes zu tun, denn ohne Wissen ist Scheitern wahrscheinlich.

--> Also muss das WIssen angeeignet werden, was wiederum der entspannteren Variante (welche ich mir btw. sehnlich wünsche) des Satisficer im Wege steht - denn ein bisschen zu wissen, fühlt sich einfach extrem schwammig an.

Das darauf folgende ´mehr wissen müssen´ wiederum erschlägt einen durch die Intensität.

Keine Ironie Violin, ich meine das nicht sarkastisch, sondern kann den TE 100%ig nachvollziehen. Befinde mich in der selben Lage, was das betrifft.

Die krasse Selbstbeobachtung, Haltlosigkeit und die damit einhergehende Inkonsistenz teile ich ebenso. Entweder ich bin in diesem Muster, oder aber im kompletten Gegenteil, wenn mir total alles am Arsch vorbei geht und ich sage was ich denke und nur tue, wonach mir ist. Beides bescheiden, um in unserer Gesellschaft zurecht zu kommen. Noch habe ich keinen soliden Weg gefunden.

Das Zauberwort lautet Selbstabgrenzung, ist aber auch wieder nur eine Definition auf Papier und ein Begriff... es muss greif- und erlebbar werden und das braucht wahrscheinlich einfach sehr lange Zeit und ggf. Unterstützung eines Profis.

Sehr interessanter Thread, wollte nur meine Erfahrung und meinen Eindruck dalassen.

Du bist also nicht allein mit deiner Suche nach Tiefe und den damit verbundenen abgefuckten Problemen.

Bin gespannt, wie sich das hier entwickelt.

Beste Grüße!

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Ich hab paradoxerweise meinen Mindfuck kurz darauf komplett eingestellt bekommen. Willst du wissen wie?

Ich habe mir eine Zielliste an Veränderungen gemacht, die ich an mir vornehmen möchte.
Mein Mindfuck entstand vorallem dadurch, dass ich viele Dinge an mir sah, die mir missfallen haben und ich sofort ändern wollte. Ich war pausenlos im Kampf mit mir.

Mich und meine Gedanken/Gefühle akzeptieren zu lernen war der Schlüssel.
Ich habe begriffen, dass es unmöglich ist alles sofort an mir zu verändern! Ich habe begriffen, dass sich das darüber ärgern, wenn eine blöde Gewohnheit erschien, das Problem nur stärkte.

Ich habe mir einen Weg/Technik heraus gesucht, die ich nutzen möchte und habe mir 2 Gewohnheiten/Denkmuster herausgesucht und übe diese nun.
Unter anderem war es die Akzeptanz. Durch die Akzeptanz kriegst du keinen Mindfuck mehr, weil du den Mindfuck selbst akzeptierst. Und sobald du diesen akzeptierst verliert er an Macht und verschwindet, so bei mir.



Mach dir eine Zielliste, suche dir eine Methode und nehm dir 1-2 Punkte heraus.
Den Rest gehst du an, wenn die beiden ersten Punkte emotional sitzen.
Mir jedenfalls gehts zur Zeit wieder bestens, seit fast über 2 Wochen (und das war noch nie solange, seitdem ich mich mit der Persönlichkeitsenwicklung beschäftige). Ich fühle mich wieder klar und stabil, weil ich jetzt Häppchen esse, anstatt der kompletten Kuh auf einmal :D

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Am 13.3.2016 um 22:48 schrieb Dietz:

Und woher soll man wissen, ob das Lebensziel auch wirklich das Lebensziel ist?

Genausowenig wie es "Die Eine" gibt, gibt es DAS Lebensziel.

Wenn du merkst es passt mit einer Kirsche nicht so gut, versuchst du herauszufinden wo der Schuh drückt und das zu beheben (instrumentelles Coping--> auf Problemlösung gerichtet). Wenn dies nach X Versuchen / X verstrichener Zeit nicht klappt, beginnst du dich umzuschauen. Wenn du keine Alternativen hast, fängst du an, verzweifelt und übertrieben weiter daran zu basteln, oder schaltest auf Akzeptanz um, beginnst, das Problem in einem anderen Licht zu sehen und irgendwann nichtmehr davon gestört zu werden (emotionales Coping --> einen Stressor durch Umdeutung zu "entwerten"). Das kann nun zu echter, wirksamer ausgeglichenheit führen oder aber dir irgendwann um die Ohren fliegen, wenn doch eine zersetzende, schwelende problematik vorlag.

Mit (Lebens-)Zielen verhält es sich ähnlich. Menschen sind zu unterschiedlichen Handlungen und Zielen motiviert, aus individuell unterschiedlichen Gründen. Aber allen gemein ist, dass sie die Ziele, die für sie attraktiv sind, erreichen wollen. Kommt es zu wiederholten Schwierigkeiten, führt dies zu aktivierenden Emotionen wie Ärger oder Wut und es wird noch akribischer nach Wegen gesucht, das ziel zu erreichen. Der Körper stellt durch diese Emotionen mehr Energie zur Verfügung, um Hindernisse zu überwinden. Gelingt dies wiederholt (was das bedeutet, dazu gleich mehr) nicht, beginnt ein Ablöseprozess von diesem Ziel. Bald darauf wird ein neues gefunden - der Mensch ist immer motiviert und Wünsche sind nicht endlich. Wenn dich das mehr interessiert, schau mal nach dem "Rubikonmodell" der Handlungssteurung.

Wichtiges wurde ja schon gesagt: Als Perfektionist/Maximiser dauert der Prozess des Ablösens von Zielen länger. Da dies mitunter zwanghafte und zeitverschwenderische Züge annehmen kann und das ja schade um die schöne Zeit ist, empfiehlt es sich für Betroffene, ein bisschen Lässigkeit von den Satisficers zu lernen. Nur gibt es keine Uhr, die einem anzeigt: "Genug genau jetzt!".

Hilfreich scheint mir eine Mischung:

  1. Des nach innen Hörens (Brenne ich immer noch für Sache X?)
  2. Der Klarheit über die Problematik (Habe ich eine mentale Karte vom Problem, der Lösung und dem Weg, der dahin führt?)
  3. Des nüchternen, objektiven Blickes auf die bisherigen Ergebnisse (Renne ich immer gegen die gleiche Wand, oder sind die Schwierigkeiten normal und sinnvoll beim Trial&Error- Vorgehen?)

1. Beim Nach-innen-Hören lohnt es sich, seine eigenen Gefühle zu beachten: Ärger und aktive Verbissenheit sind Indikatoren dafür, dass du noch an relativ frischen Problemen nagst --> weitermachen. Enttäuschte Wut und eine gewisse Müdigkeit ("Ich bin es Leid") zeigen, dass der Punkt überschritten ist, bei dem der Körper noch Energie bereit stellen will. Dann ist es Zeit, über Alternativen nachzudenken, mindestens etwas Abstand zu nehmen --> Akzeptanz und ggf. Neuorientierung

(Passender Einschub:)

Am 7.3.2016 um 14:51 schrieb ZkeL:

Frage dazu: Gibt es überhaupt einen Punkt in dem man weiß, dass man alles darüber weiß? Eigentlich nicht, oder? Wo ist dann die Grenze zw. darüber "ausreichend Wissen zu haben" und wo endet sie? Ich bin einfach so mega wissbegierig, weiß aber nicht wo ich stoppen soll.

2. Um Klarheit über ein Problemfeld zu erlangen, ist es gut, Informationen und Wissen aufzusaugen. Gerade das beschreibt der TE ja ganz explizit. Hierzu meine ich: Man muss bei weitem nichtalles wissen, sondern das Paretoprinzip greift. Mit 20% des Aufwandes erreicht man 80% des Erfolgs, die restlichen 80% des Aufwandes werden dann nurnoch in die maximale Verfeinerung gesteckt. Dieser Feinheitsgrad ist nicht in vielen Bereichen des Lebens nötig. Auch Persönlichkeitsentwicklung ist keine Raketenwissenschaft. Aber sie braucht ein Ziel: Wer/wie willst du sein?

Konkreter Tipp: Von Groß zu Klein --> identifiziere grobe Merkmale zuerst, dann erst schau dir die Unteraspekte dazu an. Beispiel Berrufsfindung: Überleg dir erst, was dich ganz allgemein interessiert (erste Anhaltspunkte: Kindheit!), dann ganz allgemein welche Art zu arbeiten dir gefällt (wieviel Struktur magst du vorgegeben haben, wieviel Kontakt zu anderen/Teamwork, mit Gegenständen oder Menschen arbeiten, wie wichtig ist Freizeit, Gehalt, soziales Ansehen usw.) dann schau nach konkreten Kombinationen aus beidem.

3. Deine Ergebnisse sind messbar. Nachdem du ja durch dein Wissen bezüglich der angestrebten Veränderung weißt, welche Schritte zu unternehmen waren, kannst du nun genau diese Schritte bei dir selbst analysieren: z.B. Ziel: Sozialer werden --> "Wie viele Angebote zu Unternehmungen/Einladungen auf Partys etc. habe ich angenommen? Wie viele habe ich abgelehnt, weil ich mich schlecht fühlte, müde war oder am Pc sitzen wollte?". Das Große Ganze wirst du erst mit zeitlichem Verzug, im Rückblick, merken. Die kleinen Dinge kanst du on-the-go überprüfen, und solltest du auch.

Und nochmal deutlich: Nachdenken, Analysieren muss zweckmäßig sein. Wenn es zur Angstbewältigung bzw. Ablehnung von aktiven Handlungsaufgaben genutzt wird, indem man das dritte Buch über "Selbstvertrauen aufbauen" liest, aber seitdem noch nicht eine Sache außer Haus anders gemacht hat, ist es zu viel.

Faustregel für Vieldenker: Mehr Handeln als Nachdenken. Immer. 

Schlaue Leute und Nachdenker haben sehr schnell den nötigen Wissensstand erreicht und lenken sich danach gerne ab, da sie eben (oft unbewusst) konkreten Handlungen und Misserfolgen (da ist er wieder, der Perfektionismus) vermeiden wollen. Ihre sichere Welt ist eben die Gedankenwelt.

Bottom Line: Fast alle Ziele der Persönlichkeitsentwicklung speisen sich aus:

  • Selbstbewusstsein entwickeln (kommt durch Erfolge, Übung!)
  • Sozial geschmeidig agieren lernen (Übung!)
  • Unerreichbares akzeptieren können (Lässigkeit praktizieren, wann immer es auffllt und passt, wannimmer nicht, kein Beinbruch!)

Wer sich auf diesen Ebenen etwas verbessert, beeinflusst damit extrem viel. Nun sollte man schauen, welche Verhaltensweisen diese Punkte verbessern, und wiederum deren kleinere Teilhandlungen ergründen. (Vom Großen ins Kleine)

Dabei im Zweifel mehr machen als Nachdenken! Es gibt kein "ausreichende Maß" an Informationen, wohl aber verschwendete Zeit durch Zaudern. (Der Rat würde andersherum lauten für "impulsive Macher", die oft in Problemen landen, die durch etwas Vorsicht vermieden werden könnten - trifft auf den TE wahrscheinlich nicht zu)

 

 

 

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vor einer Stunde schrieb Boris K:

Ärger und aktive Verbissenheit sind Indikatoren dafür, dass du noch an relativ frischen Problemen nagst --> weitermachen. Enttäuschte Wut und eine gewisse Müdigkeit ("Ich bin es Leid") zeigen, dass der Punkt überschritten ist, bei dem der Körper noch Energie bereit stellen will.

Danke für diese Aussage. Die werde ich mir irgendwo hin nageln. Man sollte in allen Lebenssituationen einen Impuls Richtung "Ich bin es Leid" wirklich ernst nehmen und sich die Situation dann nicht weiter schönreden. :-)

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Boris, starker Text! Hut ab.

Vieles wurde mir mittlerweile klarer und vieles von dem, was du beschreibst, konnte ich mittlerweile integrieren.   Mein bisher unlösbares Hauptproblem ist nur einfach nach wie vor: Ich habe nun zwar Zugriff auf einen Werkzeugkasten und kenne einige Werkzeuge, weiß sie zu benutzen. Allerdings habe ich keinen Plan, was ich damit Reparieren/erschaffen soll und kann.

Was du beschreibst mit dem Finden der eigenen Passion, dem Schauen vom Großen ins Kleine, dem Verknüpfen - da bin ich derzeit dran, habe allerdings das dumpfe und quälende Gefühl, noch ganz am Anfang meiner Reise zu stehen.

Und im Kontrast dazu rinnt die Zeit mir durch die Finger, habe ich das Gefühl, nicht in Ruhe suchen und testen zu dürfen, denn "jeder außer mir macht etwas mehr oder minder Sinnvolles und in unserer Gesellschaft ist alles, was nicht mit Leistung zu tun hat, unerwünscht" und ich schlage Zeit tot und komme einfach auf keinen grünen Zweig. Der Hund beißt sich hier also immer und immer wieder in den Schwanz.

Das Gefühl des "etwas leid sein" habe ich im Gegensatz zu früher sehr oft. Ich kann dir, wenn du mich hier fragen würdest, nicht mal eine wirkliche Leidenschaft meinerseits nennen, etwas wofür ich brenne. Was es noch schwerer macht, eine Richtung zu finden. Mein einziger Wunsch derzeit und mein "Ziel" ist es, einfach meine Ruhe zu haben. Selbst ich finde das armselig, aber alles andere stresst mich allerdings nur noch und Kleinigkeiten werfen mich aus der Bahn. Wenn ich "Arbeitswelt", "Studium" und alles was damit zusammenhängt höre, bekomme ich einen Knoten im Magen.

Einerseits will ich dazugehören zum großen Ganzen, andererseits fühle ich mich dem total unterlegen und unfähig, daran teilzuhaben.

Und an diesem Punkt helfen mir derzeit keine meiner Werkzeuge wirklich. Meditation, Trancearbeit und Therapie verbessern meine emotionale Situation, die Faktenlage bleibt davon jedoch unberührt und erzeugt immer wieder einen gegenläufigen Strudel.

 

Das Einzige, was mir annähernd Spaß macht und mich fasziniert, ist das Schreiben und die Beschäftigung mit den tiefen Inhalten der menschlichen Psyche/der Persönlichkeitsentwicklung. Doch selbst hierbei verurteile ich mich selbst für mangelnde Kompetenz. -> der Kreis dreht sich weiter

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Am 18.3.2016 um 21:49 schrieb Dietz:

Vieles wurde mir mittlerweile klarer und vieles von dem, was du beschreibst, konnte ich mittlerweile integrieren.   Mein bisher unlösbares Hauptproblem ist nur einfach nach wie vor: Ich habe nun zwar Zugriff auf einen Werkzeugkasten und kenne einige Werkzeuge, weiß sie zu benutzen. Allerdings habe ich keinen Plan, was ich damit Reparieren/erschaffen soll und kann.

Ich weiß leider zu wenig über dich, aber deine Ausführungen lassen mich fragen, ob du dich häufig depressiv fühlst? Hohe Erwartungen an sich selbst, gleichzeitige Antriebslosigkeit und gefühlte Sinnlosigkeit, auch Schuldgefühle (sich für "mangelnde Kompetenz" verurteilen) klingen danach. Bist du deswegen in Therapie?

Ungeachtet dessen: Was du beschreibst deutet darauf hin, dass Werkzeuge, "Vorankommen" und die praktische Arbeit an einem (nicht bekannten!) Ziel nicht das passende Stadium zu sein scheinen, das für dich anliegt:

"Wenn man nicht weiß, welchen Hafen man ansteuert, ist kein Wind günstig." (Seneca)

Das gute alte "zu sich selbst finden" ist natürlich ein leicht dahergesagter Ratschlag - das hilft dir jetzt wahrscheinlich nicht. Aber ich meine, weiter gegen irgendwelche Windmühlen ankämpfen solange du nicht weißt welche und wofür, ist nicht hilfreich.

Wenn ich mal nicht weiter weiß, bereite ich mich auf den Winterschlaf vor (und mit ihm auf den folgenden Frühling):

  1. Bemühungen am Leben halten, die fürs unmittelbare Auskommen nötig sind (Lebensstandard halten --> Job, egal wie nervig; bei Unerträglichkeit Krankschreibung)
  2. zusätzlich solche Bemühungen am Leben halten, die das Potenzial haben, gemessen an ihrem Aufwand überproportional viele Türen offen zu halten (Entscheidungsfreiheiten und Möglichkeiten zu haben, egal ob sozial, beruflich oder sonstwie, ist extrem wichtig für Gesundheit, Ausgeglichenheit und Lebensfreude) --> das sind also extrem leichte oder extrem wichtige/lohnende Aspekte
  3. Alles andere kappen, was an einem zerrt und negativen Gefühlsload verursacht. Das können kräftezehrende Bekanntschaften sein, berufliche Verpflichtungen die nirgendwohin führen, ein langweilig gewordener Theaterkurs, zeitverschwenderische Angewohnheiten etc.
  • Achtung: Je mehr man "die Dinge leid ist", desto höher setzt man die Schwelle für das an, was in Kategorie 2 rein darf. Irgendwann kann das ein irrationales Ausmaß erreichen, wo man überproportional viel wegwirft für eine kleine Entlastung! Man ist dann aus Kurzsichtigkeit bereit, Dinge aufzugeben, deren große Auswirkungen man nicht berücksichtigt. (Ich habe eine Weile damit gehadert, mein fast fertiges Studium abzubrechen - später habe ich mich wieder re-identifizieren können und war froh, die viele Arbeit durch die "schwere Entscheidung, weiterzumachen" vor der Mülltonne gerettet zu haben)
  • Achtung: Je größer die innere Müdigkeit, desto eher wählt man beim Kappen der Dinge aus Kategorie 3. Kanonen, um auf Spatzen zu schießen. Beispielsweise ist es besser, eine ungewollte Bekanntschaft einfach im Sande verlaufen zu lassen als klagend die Freundschaft zu kündigen.

Die Hauptmaximen sind also: Gewähre dir und deinen Gefühlen Freiheiten, soweit es geht. Bleib da am Ball, wo du bei aller Genervtheit noch mögliche Chancen für die Zukunft siehst. Ist das kaum der Fall, dann ist das Loslassen ok. Aber es ist nicht ratsam, in den kompletten Nichts-tu-Modus zu verfallen und "alles hinzuschmeißen". Dadurch verliert man wichtige Bezugspunkte und re-entry-points. Von nichts kommt nichts, das gilt also unbenommen. Es ist wieder eine Abwägungssache.

Dadurch kann es passieren, dass du wieder Bewegungsspielraum fürs Nachdenken und Aufspüren dener Bedürfnisse bekommst.

Eins noch: Ich denke Leidenschaften zu suchen wird überbewertet. Sie sind das, was gerade wahnsinnig offensichtlich sein sollte. Schau zurück in die Kindheit und Jugend - was hat dich da fasziniert? Was konntest du stundenlang tun ohne auf die Uhr zu schauen, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten? Wofür wurdest/wirst du besonders gerne gelobt?

Was hingegen schwerer ist, sind zwei Dinge:

1. seine Leidenschaften einzugestehen, wenn sie verschüttet sind von Anforderungen und Glaubenssätzen, z.B. moralischen Regeln oder Perfektionismus.

2. ein praktisches, machbares Anwendungsfeld zum Ausleben der Leidenschaften zu finden, ggf. dafür noch bezahlt zu werden

Wie gehts weiter?

bearbeitet von Boris K
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Hey ZkeL,

bin momentan selber dabei sehr viel an meiner Persönlichkeit zu arbeiten, zusätzlich noch an meinen Gewohnheiten (daily habits).

Ich war vor einigen Wochen noch exakt gleich wie du, ein Maximizer, wollte alles perfekt und sofort erkennen. Total falsch.

Endete damit das ich nicht viel weiterkam und zusätzlich gar keine Nerven mehr übrig hatte am Ende des Tages, habe mich selbst ins Dauerfeuer gebracht.

 

Pick dir lieber 1-2 wichtige Dinge raus und arbeite daran einige Wochen, funktioniert viel besser - zumindest bei mir.

Ist auch wissenschaftlich so bestätigt, dass man sich nur wenige Dinge gleichzeitig raussuchen sollte um daran effektiv zu arbeiten, "Way to change habits successfully" :)

 

Hört sich zwar lange an wenn man mehrere Monate braucht um sich richtig viele geile Gewohnheiten aufzubauen oder mit sich selbst klar zukommen oder an etwas zu arbeiten, aber letztendlich hat man es dann richtig verändert und nicht nur für ein paar Tage.

So ging es jedenfalls mir.

Wünsche dir das Beste und geb Bescheid wie es klappt :)

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Hi Boris!

Sehr tiefgehender Inhalt deine Antwort... ich muss es noch ein paar Mal lesen und wirken lassen. Danke dafür.

On 21.3.2016 at 10:08 PM, Boris K said:

Ich weiß leider zu wenig über dich, aber deine Ausführungen lassen mich fragen, ob du dich häufig depressiv fühlst?

Absolut. Meinem Therapeuten und auch mir selbst fallen Schwankungen auf, "bipolar" hält er jedoch für an den Haaren herbei gezogen und auch ich glaube das nicht - ich habe weder 3-tägige Wachphasen, noch unglaubliche Produktivitätsschübe und extremste Abstürze.

Aber es schwankt.  Ist eher weicher das ganze und abgefedert. Aber ja, unter anderem deswegen bin ich in Therapie. + Wegen extremer Unsicherheit und Ängsten. Meine dauernd vorhandene Grund-Angst als täglicher Dauerzustand ist jedoch nach meinem absolvierten Workshop um ein Vielfaches weniger geworden und ich sehe klarer.

On 21.3.2016 at 10:08 PM, Boris K said:

Das gute alte "zu sich selbst finden" ist natürlich ein leicht dahergesagter Ratschlag - das hilft dir jetzt wahrscheinlich nicht. Aber ich meine, weiter gegen irgendwelche Windmühlen ankämpfen solange du nicht weißt welche und wofür, ist nicht hilfreich.

Das merke ich auch. Seit 2013/14 beschäftige ich mich ernsthaft mit meiner eigenen Persönlichkeit und Entwicklung und lerne mich immer besser kennen. Aber das ist ein Prozess, kein Ereignis. Vielmehr kleine Mosaik-Steinchen, die nach und nach ergänzt werden und sich zusammenfügen. 

Loslassen und Annehmen ist der erste und wichtigste Schritt. "Where attention goes, energy flows" - Das ist eine Schlüsselerkenntnis. Braucht noch, bis ich sie wirklich verinnerlicht habe, aber führt kein Weg dran vorbei. Solange der Fokus auf Mangel liegt, wird der Mangel genährt. Unweigerlich. Ungesunde Verbindungen kappe ich oder lasse ich ausschleichen, hier gibt es derzeit kein Problem.

Privat habe ich zu tun und möchte dieses Jahr noch reisen. Das ist mein Ist-Zustand. Über alles Weitere habe ich beschlossen, mir keinen Kopf mehr zu machen, sondern das nächste halbe Jahr erstmal zu leben und die Dinge zu ordnen. Schritt für Schritt. Der ganze Hirnfick vernebelt nur die Sicht und schürt Panik.

On 21.3.2016 at 10:08 PM, Boris K said:

Was hingegen schwerer ist, sind zwei Dinge:

1. seine Leidenschaften einzugestehen, wenn sie verschüttet sind von Anforderungen und Glaubenssätzen, z.B. moralischen Regeln oder Perfektionismus.

..... Wie gehts weiter?

Absolut... komme ich nur ganz schwer ran. Ist extrem zugemüllt von Vielem. Aber ich bekomme leise eine Ahnung allmählich. Wie es weiter geht ist erstmal mein privates Umfeld auf die Kette zu bekommen - tun was getan werden muss und erst dann wieder über Berufe/Studium etc nachzudenken.

 

Danke nochmal! Und beste Grüße

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