Studium fertig aber ziellos

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Hallo zusammen.

Ich erzähle mal ein wenig was zur derzeitigen Situation: Ich habe gerade mein Fahrzeugtechnik/Maschinenbau-Studium abgeschlossen (mit Ende 20) und schreibe Bewerbungen. Während des Studiums habe ich in 2 Dax-Unternehmen Praktikum und Werkstudi-Tätigkeiten gemacht, meine Noten sind gut und ich habe insgesamt etwas länger für den Master gebraucht. Durch meine Werkstudententätigkeit, die über 1,5 Jahre ging und ich nach und nach immer mehr Verantwortung übernommen habe, weiß ich wie der Berufsalltag aussieht und wie der Hase in einem Unternehmen läuft.

Nun zu meinem Anliegen: ich kann mir leider absolut null vorstellen, mein Leben lang als Ingenieur zu arbeiten. Die 1,5 Jahre als Werkstudent waren zwar eine tolle Zeit, das lag aber insbesondere an den jungen und dynamischen Kollegen, von denen ich viel für meine persönliche Entwicklung mitnehmen konnte. Mir hat insbesondere die Kommunikation und Zusammenarbeit mit vielen verschiedenen Menschen Spaß gemacht, wenig der technische Inhalt. Im Mittelpunkt steht für mich eigentlich immer die Weiterentwicklung meiner sozialen und generellen Kompetenzen wie Stressresistenz, Organisationsgeschick, kreative Problemlösung. Privat habe ich viele Freunde, die im medizinischen oder sozialen Bereich arbeiten und eben einen Beruf mit einem tieferen Sinn ausüben. Diesen Anteil möchte ich auch in meinem Berufsleben. Und das führt mich zu der unbeantworteten Frage: wie finde ich meinen Traumjob? 

Generell möchte ich keine Führungskarriere anstreben, weil meine Hobbys ein äußerst wichtiger Teil meines Lebens sind und ich bisher kaum eine Führungskraft kennengelernt habe, die trotz angehäufter Überstunden auch mal einfach so um 15 Uhr Feierabend machen konnte. Möglicherweise gibt es Tätigkeiten, für die ich einen größeren Teil meiner Zeit geben würde, jedoch nicht für ein technisches Angestelltenverhältnis in einem Konzern.

Mittlerweile habe ich schon einen Haufen Bewerbung verschickt und einige Vorstellungsgespräche gehabt, hauptsächlich klassische Ingenieursdisziplinen wie Versuch oder Projektmanagement. Mein Bauchgefühl war jedoch bisher mit keinem wirklich einverstanden und da ist immer diese Stimme die sagt, das sind sinnleere Tätigkeiten die am Ende ein paar Zahlen in der Konzernbilanz ausmachen. Und was bleibt sonst?

Ich weiß, dass es wichtig ist Dinge auszuprobieren, um das Richtige zu finden. Derzeitige Idee ist, mir trotz der Zweifel einen Job als Ingenieur zu suchen und das ganze mal ein Jahr auszuprobieren, Gerade am Anfang ist ja auch etwas Berufserfahrung wichtig. Dabei möchte ich mir jedoch alle Türen offen halten, vielleicht auch nochmal etwas ganz anderen zu machen. Deshalb scheint es mir sinnvoll, universellere Tätigkeiten zu lernen, wie etwa Projektmanagement oder Schnittstellen-Tätigkeiten.

Gibts hier Personen, die mal an einem ähnlichen Punkt standen? Wie seid ihr vorgegangen, wie habt ihr euren Traumjob gefunden?

Alles Gute aus Berlin

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Kenne mich im Engineering-Bereich jetzt nicht so aus, aber vielleicht gibt es in diesem Bereich ja Beratungen, welche moderate Arbeitszeiten anbieten?! Meistens Hidden Champions. Vorteil wäre, dass du verschiedene Themenfelder und Industrien siehst (was der Nachteil an DAX ist, da zum Einstieg oftmals nur Sachbearbeiterstellen mit stringent definiertem Arbeitsbereich angeboten werden) und somit herausfinden kannst, was dir am meisten zusagt. Eine andere Möglichkeit, insbesondere weil du aus Berlin kommst, wäre Start-Ups. Pay ist zwar oftmals Mist, arbeitest aber in jungen und dynamischen Teams während du dich oftmals frei entfalten und deinen eigenen Input einbringen kannst. 

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Hey berlin4life. Bin in der selben Situation. Habe während meines MB Studiums gemerkt das es mich nicht erfüllt. Bin im August fertig geworden und bis Dezember noch im Ausland. Wir können uns gerne austauschen. 

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Gast El Rapero

Das mit dem 1 Jahr arbeiten ist schonmal eine gute Übergangslösung, solltest du auf jeden Fall so machen, meiner Meinung nach.

IM Endeffekt kann dir hier aber keiner beantworten, was DU mit DEINEM Leben machen willst, wie und wo und wie viel du arbeiten willst. Das sind Fragen, die du selbst beantworten musst, auch wenn es Zeit und Nerven kostet.

 

Probiere doch einfach verschiedene Ansätze.

Meiner wäre z.B., vorerst zu sehen, ob ich mit dieser Qualifikation nicht eine Sparte erwische, in der ich eben doch gerne arbeite. Kenne mich im Ingeniuer Wesen nicht aus, aber Es gibt da doch unglaublich viele Berufsfelder, soweit Ich weiß. Also sogesehen verschiedene Arten vom Ingenieurberuf, wenn du weißt wie ich meine.

Wenn auhc das Alles Nichts für Mich wär und mich kein Angebot aus der Reserve locken kann, würde ich mir Gedanken dazu machen, ob ich eine meiner Hobbies / Leidenschaften zu einem Beruf machen kann, bzw. ob Es für Manche nicht schon ein Beruf ist und man damit wirklich Geld verdienen kann. Ist für Mich naheliegend, da ich gerne konstant meinem Ziel und meinen Leidenschaften folge. Es gibt z.B. für mich persönlich keine bessere Vorstellung, als in Vollzeit Musik zu machen.

Den Job würde ich jedoch solange behalten, bis sich konkrete Alternativen hervorheben. Also bitte nicht nach dem Motto " Ach Ich werde einfach Profisurfer! Dann kann ich ja schonmal meine Kündigung aufsetzen ! ", obwohl du erst 6 Monate surfst und noch überhaupt nicht abzusehen ist, dass du Jemals Geld damit verdienen könntest.

 

Ich hoffe, du kannst irgendeine Kleinigkeit aus dem Beitrag für Dich mitnehmen. Ich wünsche Dir auf jeden Fall eine "Erleuchtung" ( finde grad kein besseres Wort dafür ), damit du endlich weiß, was du wirklich machen willst. Solche Fragen sind unglaublich quälend und ich kenne das miese Gefühl. Wobei Es bei Mir eher so ist, dass ich genau weiß, was ich in Zukunft machen will, nur die richtigen Wege dahin noch nicht gefunden hab.

 

MFG,

Rapero

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Gast DerBauer

Jetzt sehe ich hier diesen Post und es scheint ja einigen Leuten genau so zu gehen wie mir. Siehe meinen Beitrag "Lebenskrise überwinden - Selbstfindung".

Mich würde brennend interessieren wie ihr gerade noch so mit euren Krisen umgeht. Hätte auch Bock ne' Whatsappkrisengruppe zu gründen :D:D Vielleicht kann man sich ja gegenseitig helfen. Bei Interesse PM

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Dann will ich auch noch meinen Senf dazu geben: Ich habe ebenfalls Maschinenbau studiert und bin mit einem sehr guten Master zu einem der größten Unternehmen im Automobil-Umfeld gegangen. Ich hatte ich im Studium immer schon enormen "Drive" und hatte Spaß an der Thematik. Im Unternehmen angekommen ging es dann abwärts, obwohl objektiv betrachtet alles super war: Top Bezahlung (~70k Jahresgehalt), flexible Arbeitszeiten, Home-Office, im Vergleich zum Studium sehr viel stressfreier... Und trotzdem unglücklich mit der Situation: Kleines Betätigungsfeld, kaum Einflussmöglichkeiten, träge Strukturen/Prozesse => Kein Spaß und keinen tieferen Sinn an der Arbeit...

Meine Stelle ist optimal für den 40 jährigen Vater von 3 Kindern, der wenigstens bei der Arbeit seine Ruhe möchte. Aber nicht für einen jungen Ing., der Spaß an der Thematik hat und etwas bewegen möchte.

Ich habe gekündigt und versuche mich jetzt in einer kleinere Firma bei schlechterer Bezahlung - Ob das richtig war? Wird nur die Zeit zeigen, aber ohne diesen Schritt wäre auch nichts voran gegangen.

 

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@berlin4life - zunächst mal: nach anderthalb Jahren Werkstudententum weisst Du einen Scheiss. Eben weil es ein Engagement mit geringer Verantwortung auf Zeit ist. Try walking in my shoes - wie es ist, als vollausgebildeter Ingenieur, Teamleiter oder gar im Management zu arbeiten, weisst Du erst, wenn Du es mal eine Weile ausprobiert hast. Und den Vollzeitjob für einen jungen Studierten, bei dem Du mal eben um 15 Uhr nach Hause kannst, wenn es Dich gerade juckt, den darfst Du mal suchen. Hört sich harsch an? Ist harsch.

Bewirb Dich breit, streu dabei auch mal links und rechts: große vs. kleine Betriebe, Linie vs. Projektarbeit/Beratung, fachspezifisch vs. fachfremd. Sprich mit vielen Leuten. Und sammel etwas Erfahrung - nach den ersten zwei, drei Jahren im ersten Job (nicht: ein Jahr) solltest Du Dich schon halbwegs finanziell auf die Füße gestellt haben und bewirbst Dich ganz anders, als als Absolvent. Schau Dir insbesondere die Unternehmensgröße und -kultur an: kleine Unternehmen fördern Vielseitigkeit, bieten aber oft weniger Entwicklungsmöglichkeiten. Große Unternehmen biten viele verschiedene Rollen, sind dafür aber meist in höherem Masse durchorganisiert - muss man mögen.

Was die Tätigkeit mit dem 'tieferen Sinn' betrifft - wer baut eigentlich zum Beispiel Krankenwagen? Denk mal seitwärts.

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Gerade im Ingenieurbereich gibt es viele "sinnvolle" Tätigkeiten, bspw. in der Medizintechnik oder technischen Entwicklungshilfe.

Und gerade als Ingenieur hast Du als seltene Spezies am ehesten die Chance, eine vernünftige Work-Life-Balance hinzubekommen.

Darüber hinaus hast Du die Option, Dich selbständig und viel Kohle zu machen und damit sinnvolle Sachen anzustellen.

Beneide nicht Deine Freunde im medizinischen und sozialen Bereich. Die werden meisten verheizt, insbesondere die, die guten Absichten haben und anderen helfen wollen.

Die Burn-Out Kliniken sind voll mit solchen Kandidaten.

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