Beeinflussung durch hysterischen Borderline Vater?

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Ich (21) frage mich momentan, wie sich mein Vater und sein Verhalten auf mich und meine Persönlichkeit auswirkt bzw. in der Zukunft auswirken wird. Mein Vater war nicht viel zu Hause, meistens in der Arbeit und viel im Ausland, wenn er jedoch zu Hause war, machte er Terror und meine Mutter war sein Hausmädchen, die gehorchen musste. Die Diagnose Borderline ist einfach nur von mir geschätzt, weil es zu gut zu ihm passt. Er war immer sehr hysterisch, machte aus jeder Mücke einen Elefanten und brüllte hauptsächlich. Die ganze Nachbarschaft hat über uns gesprochen und uns bemitleidet, weil seine Wutausbrüche unüberhörbar waren. Meine Schwester und ich wurden mit harter Hand von ihm erzogen und daher war ich so bis zum 12. Lebensjahr das bravste und bescheidenste Kind überhaupt. Danach hab ich meinen Eigengeist entdeckt, er war fast nie zu Hause und meine Mutter konnte sich kaum durchsetzen, zum Glück wurde ihm eh immer alles verschwiegen, um den Haussegen zu bewahren und ich kam relativ gut mit allem durch.

In der Jugend war es ein harter Weg für mich, dass ich meine brave, schüchterne Art ablege und auch mal den Mund aufbekomme. Mittlerweile bin ich kontaktfreudig und habe meine schüchterne Art ableget, bin aber eine ruhige Person, kann durch die Gewohnheit sehr gut mit dominanten Autoritätspersonen umgehen. Meiner großen Schwester gelang das nicht so, die hat schon lange eine eigene Familie, aber wenn sie mit meinem Vater spricht, steht sie wie ein kleines Mädchen ehrfürchtig neben ihm und sagt nur "ja".

Ich wohne nicht mehr zu Hause, aber der Kontakt ist regelmäßig, ca. jedes zweite Wochenende fahre ich mal nach Hause. Meistens, weil ich am Haus helfen muss und umso älter er wird, desto weniger Nerven hat er, es endet also fast jedes Mal in alt gewohntem Terror. Umso älter ich werde, desto schwerer fällt es mir, dieses "ich muss sofort hüpfen, wenn er schreit und wehe es dauert zu lange, dann wird wieder gebrüllt" über mich ergehen zu lassen, da ich sonst auf respektvollen Umgang überaus viel Wert lege. Aufgrund seinem Verhalten will natürlich niemand außerhalb der Familie Kontakt zu ihm, da er jeden so behandelt.

Für mich ist es ausgeschlossen den Kontakt abzubrechen und ebenso, dass sich etwas ändern wird. Mir geht es nur darum, wie sich diese Erniedrigungen auf eine männliche Persönlichkeitsentwicklung auswirken werden, hat da jemand von euch Erfahrungen?

 

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vor 5 Minuten, vertikalerHorizont schrieb:

Mein Vater war nicht viel zu Hause, meistens in der Arbeit und viel im Ausland, wenn er jedoch zu Hause war, machte er Terror und meine Mutter war sein Hausmädchen

das wird sich massiv auf dein ganzes restliches leben auswirken. wahrscheinlich mehr als du überhaupt ahnst im moment.

was man machen kann? psychotherapie vielleicht ... ich weiß nicht.

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Uff... Da hast du dir ja nen einfachen Vater ausgesucht... Wird er denn auch handgreiflich bzw. wurde er es in der Vergangenheit?

Grundsätzlich sind die frühe Kindheit und mit etwas Abstand das Jugendalter in der Regel diejenigen Zeiten, in denen unsere Persönlichkeit am stärksten von unserem sozialen Umfeld (und dabei natürlich insbesondere von den Eltern) geprägt werden. Natürlich hatte dieses komplizierte Elternhaus starken Einfluss auf deine Entwicklung, aber die Vergangenheit lässt sich jetzt ohnehin nicht mehr ändern und offenbar ist es dir ja gelungen, das Beste daraus zu machen und dich trotzdem weitgehend in eine gesunde Richtung zu entwickeln (Props dafür!). Inwieweit da heute trotzdem noch "Nachwirkungen" in Form von (bewussten oder unbewussten) desktruktiven Denk- oder Verhaltensmustern vorliegen, lässt sich aus der Ferne und mit so wenig Hintergrundinformationen nicht sagen und gehört ggf. eher in den Rahmen einer Therapie.

Wenn ich dich richtig verstehe, zielt deine Frage aber auch mehr auf das Hier und Heute. Grundsätzlich bin ich auch kein Freund davon, die Beziehungen zu den Eltern abzubrechen, selbst wenn sie schwierig sind (insbesondere, da deine Mutter sich dir gegenüber ja offenbar liebevoll verhält und wohl keine direkte Verantwortung an den Wutausbrüchen deines Vaters trägt). Gelegentliche Besuche halte ich auch zunächst einmal für relativ unproblematisch, sofern es dir gelingt, die Art deines Vaters nicht zu sehr an dich herankommen zu lassen. Dazu ist es allerdings m. E. erforderlich, dass du die Regeln mitbestimmst und klare Grenzen ziehst. Zeitlich und bezüglich des Verhaltens, das du (noch) tolerierst. Wenn du allerdings schreibst "meist besuche ich meine Eltern, weil ich etwas im Haus helfen MUSS", klingt das für mich erst mal weniger nach einer autonomen Entscheidung deinerseits.

Du könntest dich einmal fragen, ob das zeitliche Ausmaß der Besuche (Frequenz und Länge) überhaupt zu deinen Lebensvorstellungen passt. Den Kontakt abzubrechen wäre sicher ein extremer Schnitt. Aber vielleicht steigert sich dein Autonomiegefühl und vielleicht verringert sich dein Stress bereits deutlich, wenn du den Kontakt etwas einschränkst und den Besuchen eine "freiwilligere Note" gibst. Wenn du an einem Wochenende keine Zeit hast, aber du zu Hause helfen "musst": Kommunizierst du das dann oder gibst du automatisch den Wünschen deiner Eltern bzw. deines Vaters den Vorrang gegenüber deinen eigenen Plänen? Wenn du ganz frei entscheiden könntest: Wie oft würdest du deine Eltern sehen wollen? Deckt sich das mit der Realität?

Was das Verhalten deines Vaters betrifft: Hast du denn einmal versucht, in ruhigem, aber bestimmten Ton etwas zu sagen wie "Hör zu Papa, ich bin hier, um euch bei XY zu helfen. Das mache ich gern, aber ich habe keine Lust, mich dabei so von dir behandeln zu lassen. Entweder du gehst anständig mit mir um oder ich steige wieder ins Auto und fahre nach Hause"? (Natürlich müsstest du es dann auch durchziehen) Was denkst du, wie er auf so etwas reagieren würde?

Ideal (wenn auch etwas spät) wäre in so einem Fall wohl eine Familientherapie, jedoch bezweifle ich, dass dein Vater dazu zu bewegen wäre. Ich denke aber, dass auch ein Therapeut im Rahmen einer Einzeltherapie dir helfen könnte: Einmal könnte er dich dabei begleiten, die nötigen Grenzen zu ziehen, für dich einzustehen sowie deine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und zu kommunizieren. Dann könntet ihr Strategien erarbeiten, um die emotionale Belastung durch die Besuche möglichst gering zu halten und konstruktiv zu verarbeiten. Und nicht zuletzt könntet ihr gemeinsam auch destruktive Denk- und Verhaltensmuster deinerseits aufdecken, die du evtl. (trotz deiner positiven Entwicklung) noch als Päckchen aus deiner Kindheit mit dir herumträgst. Käme so etwas für dich in Frage?

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vor 2 Stunden, vertikalerHorizont schrieb:

Mir geht es nur darum, wie sich diese Erniedrigungen auf eine männliche Persönlichkeitsentwicklung auswirken werden, hat da jemand von euch Erfahrungen?

Da wirste jede Menge Männer mit ähnlichen Erfahrugen trefen. Allerdings reagiert jeder anders auf seine Biographie. Insofern sind auch die Erfahrungen sehr individuell. Beispielweise könnte man es als ungewöhnlich sehen, dass du als jüngeres Geschwister derjenige bist, der zu mehr Selbstständigkeit gefunden hat, als deine große Schwester. Meist isses andersrum. Insofern siehste, dass jede Erfahrung individuell ist.

Von wegen Therapie: Du schreibst nix davon, wie es dir selbst geht. Sondern nur davon, wie du mit anderen Leuten umgehst. Was naheliegend erscheint, wenn deine Eltern so eine Konstellation hatten, bei der es in der Familie sehr darauf ankam, sich nach dem Vater zu richten. Sowas kann eine ziemlich nützliche Kompetenz sein. Beispielsweise im Berufsleben. Es kann aber langfristig auch ein Problem werden, Gibt Leute, die sind überaus erfolgreich im Job - und kippen irgendwann aus den Latschen, weil sie sich selbst komplett hintenan gestellt haben. Und nie gelernt haben, auf sich selbst zu achten.

Da könnteste beispielsweise ansetzen, wenns dir um Entwicklung geht.

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vor 1 Stunde, tonystark schrieb:

Uff... Da hast du dir ja nen einfachen Vater ausgesucht... Wird er denn auch handgreiflich bzw. wurde er es in der Vergangenheit?

Grundsätzlich sind die frühe Kindheit und mit etwas Abstand das Jugendalter in der Regel diejenigen Zeiten, in denen unsere Persönlichkeit am stärksten von unserem sozialen Umfeld (und dabei natürlich insbesondere von den Eltern) geprägt werden. Natürlich hatte dieses komplizierte Elternhaus starken Einfluss auf deine Entwicklung, aber die Vergangenheit lässt sich jetzt ohnehin nicht mehr ändern und offenbar ist es dir ja gelungen, das Beste daraus zu machen und dich trotzdem weitgehend in eine gesunde Richtung zu entwickeln (Props dafür!). Inwieweit da heute trotzdem noch "Nachwirkungen" in Form von (bewussten oder unbewussten) desktruktiven Denk- oder Verhaltensmustern vorliegen, lässt sich aus der Ferne und mit so wenig Hintergrundinformationen nicht sagen und gehört ggf. eher in den Rahmen einer Therapie.

Wenn ich dich richtig verstehe, zielt deine Frage aber auch mehr auf das Hier und Heute. Grundsätzlich bin ich auch kein Freund davon, die Beziehungen zu den Eltern abzubrechen, selbst wenn sie schwierig sind (insbesondere, da deine Mutter sich dir gegenüber ja offenbar liebevoll verhält und wohl keine direkte Verantwortung an den Wutausbrüchen deines Vaters trägt). Gelegentliche Besuche halte ich auch zunächst einmal für relativ unproblematisch, sofern es dir gelingt, die Art deines Vaters nicht zu sehr an dich herankommen zu lassen. Dazu ist es allerdings m. E. erforderlich, dass du die Regeln mitbestimmst und klare Grenzen ziehst. Zeitlich und bezüglich des Verhaltens, das du (noch) tolerierst. Wenn du allerdings schreibst "meist besuche ich meine Eltern, weil ich etwas im Haus helfen MUSS", klingt das für mich erst mal weniger nach einer autonomen Entscheidung deinerseits.

Du könntest dich einmal fragen, ob das zeitliche Ausmaß der Besuche (Frequenz und Länge) überhaupt zu deinen Lebensvorstellungen passt. Den Kontakt abzubrechen wäre sicher ein extremer Schnitt. Aber vielleicht steigert sich dein Autonomiegefühl und vielleicht verringert sich dein Stress bereits deutlich, wenn du den Kontakt etwas einschränkst und den Besuchen eine "freiwilligere Note" gibst. Wenn du an einem Wochenende keine Zeit hast, aber du zu Hause helfen "musst": Kommunizierst du das dann oder gibst du automatisch den Wünschen deiner Eltern bzw. deines Vaters den Vorrang gegenüber deinen eigenen Plänen? Wenn du ganz frei entscheiden könntest: Wie oft würdest du deine Eltern sehen wollen? Deckt sich das mit der Realität?

Was das Verhalten deines Vaters betrifft: Hast du denn einmal versucht, in ruhigem, aber bestimmten Ton etwas zu sagen wie "Hör zu Papa, ich bin hier, um euch bei XY zu helfen. Das mache ich gern, aber ich habe keine Lust, mich dabei so von dir behandeln zu lassen. Entweder du gehst anständig mit mir um oder ich steige wieder ins Auto und fahre nach Hause"? (Natürlich müsstest du es dann auch durchziehen) Was denkst du, wie er auf so etwas reagieren würde?

Ideal (wenn auch etwas spät) wäre in so einem Fall wohl eine Familientherapie, jedoch bezweifle ich, dass dein Vater dazu zu bewegen wäre. Ich denke aber, dass auch ein Therapeut im Rahmen einer Einzeltherapie dir helfen könnte: Einmal könnte er dich dabei begleiten, die nötigen Grenzen zu ziehen, für dich einzustehen sowie deine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und zu kommunizieren. Dann könntet ihr Strategien erarbeiten, um die emotionale Belastung durch die Besuche möglichst gering zu halten und konstruktiv zu verarbeiten. Und nicht zuletzt könntet ihr gemeinsam auch destruktive Denk- und Verhaltensmuster deinerseits aufdecken, die du evtl. (trotz deiner positiven Entwicklung) noch als Päckchen aus deiner Kindheit mit dir herumträgst. Käme so etwas für dich in Frage?

Er war mir gegenüber als Kind wenige Male handgreiflich, nichts schlimmes, meine Mutter hatte da manchmal leider weniger Glück. Mit ihm reden macht keinen Sinn, sobald man ihn kritisiert oder ihm widerspricht sieht er rot, der müsste natürlich in Behandlung, aber das seh ich nicht als meine Aufgabe. Seit ich älter bin, respektiert er mich eh noch am meisten von allen und ich sage ihm oft meine ehrliche Meinung, welche seiner gegenspricht, aber niemals, wenn es ihn persönlich betrifft, nur sachliche Themen. Die Besuche gestalte ich schon relativ freiwillig, es gibt wenige Situationen im Jahr da "muss" ich mal helfen, ich bestimme dann aber wann genau ich kann und sonst komme ich, wanns mir passt, also das ist eigentlich kein Problem.

Wenige Male habe ich sowas wie in deinem Beispiel von mir gegeben, also dass ich nur helfen möchte und nicht mehr komme, wenn er sich so benimmt. Letztes Mal war vor ca. einem Jahr, er war schwer krank und kam gerade von einem langen Krankenhausaufenthalt, dann sieht er sich sofort in der Opferrolle, ihm kamen die Tränen und er sagte: "du kannst mich doch jetzt nicht so fertig machen, wenn es mir so schlecht geht".

Danke für deine Tipps, Familientherapie ist ausgeschlossen, da macht er nicht mit. Ich habe das Gefühl, dass ich gut mit der Belastung klar komme, es hilft, dass ich ihn als krank ansehe und ihn augrund seiner Inkongruenz nicht mehr ernst nehmen kann. Sobalds mir zu viel wird oder ich Probleme bemerke, werde ich aber definitiv eine Therapie machen.

vor einer Stunde, Aldous schrieb:

Da wirste jede Menge Männer mit ähnlichen Erfahrugen trefen. Allerdings reagiert jeder anders auf seine Biographie. Insofern sind auch die Erfahrungen sehr individuell. Beispielweise könnte man es als ungewöhnlich sehen, dass du als jüngeres Geschwister derjenige bist, der zu mehr Selbstständigkeit gefunden hat, als deine große Schwester. Meist isses andersrum. Insofern siehste, dass jede Erfahrung individuell ist.

Von wegen Therapie: Du schreibst nix davon, wie es dir selbst geht. Sondern nur davon, wie du mit anderen Leuten umgehst. Was naheliegend erscheint, wenn deine Eltern so eine Konstellation hatten, bei der es in der Familie sehr darauf ankam, sich nach dem Vater zu richten. Sowas kann eine ziemlich nützliche Kompetenz sein. Beispielsweise im Berufsleben. Es kann aber langfristig auch ein Problem werden, Gibt Leute, die sind überaus erfolgreich im Job - und kippen irgendwann aus den Latschen, weil sie sich selbst komplett hintenan gestellt haben. Und nie gelernt haben, auf sich selbst zu achten.

Da könnteste beispielsweise ansetzen, wenns dir um Entwicklung geht.

Das habe ich ganz gut im Griff, glaube ich. War mal 3 Monate im Praktikum einem Vorgesetzten ausgeliefert, der meinem Vater sehr ähnlich war. Mir fällt auch erst gerade auf, dass ich das mit der gleichen Strategie gemeistert habe, sobald ich zu Hause war, habe ich den hysterischen, brüllenden Mann innerlich etwas belächelt und hatte sogar etwas Mitleid, muss ja auch stressig sein, so ein Puls von 180 und das den ganzen Tag, hab ihn also nicht ganz ernst genommen. Generell ist für mich Arbeit eh nur Mittel Zweck, um meine Bedürfnisse zu befriedigen, zumindest solange ich für jemand anders arbeite, das sollte kein Problem darstellen.

Den Punkt mit der Therapie werde ich trotzdem im Hinterkopf behalten, vielleicht erkenne ich auftretende Probleme früh genug und ich kanns rechtzeitig angehen!

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Okay, hier aus erster Erfahrung.

Ich habe das Ding mit einem dominanten/cholerischen Vater jahrelang durchgezogen. Meine Arbeit unterbrochen um im Betrieb zu helfen, Probleme mit männlicher Identität und Konflikt, eine verquere Einstellung zu Autoriät, etc.

Hier die Denkanstösse nach denen du anscheinend fragst:

a) Du hast ungemeines Aggressionspotential in dir. Was sich sehr gut positiv nützen lässt. Aber du wahrscheinlich eine hohe Aversion dagegen hast. Hast du schon eine Möglichkeit gefunden wie du dich männlich auslebst?

z.B. Bei mir ist es Arbeit/Handwerk/Beruf

b) Du hast eine hohe Leidenstoleranz. Du scheinst dich jedoch damit zu brüsten. Musst aufpassen das du nicht manchmal "Unfähigkeit zum Konflikt" bist und deshalb lieber auf deine Leidensfähigkeit vertraust.

c) Du hast stellst wahrscheinlich deine Männlichkeit infrage, da das väterliche Bild von Männlichkeit das dir vorgelebt ist, dir so gar nicht passt.

 

Was mir negativ auffällt, du stellst keine konkrete Frage was du willst.

Dein Thread ist eher ein "Hey, ich will darüber reden", es sei denn du willst wirklich nur Denkanstöße.

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Was du beschreibst, klingt erst mal nach nem reifen, gesunden Umgang mit der Situation. Trotzdem teile ich auch die Bedenken von Aldous, dass ggf. dein eigenes Gefühlsleben auf der Strecke bleibt bzw. dass du möglicherweise vieles verdrängst. Ich denke, es ist wichtig, sehr genau in dich reinzuhorchen, ob du das wirklich so locker wegsteckst oder ob da nicht irgendwas unter der Oberfläche brodelt - und ggf. entsprechende Maßnahmen zu ergreifen (Kontakt weiter einschränken oder ggf. Therapie). Ein Tagebuch kann evtl. helfen, die Gefühle an die Oberfläche zu bringen.

Davon abgesehen scheint es tatsächlich so, als hätte vor allem dein Vater eine Therapie nötig. Aber das ist - wie du selbst schreibst - letztlich nicht deine Aufgabe und solange er nicht einsichtig und schon gar nicht willens ist, etwas zu verändern, hätte es auch keinen Wert.

Die Situation, in der du "kontra" gegeben hast, war sicherlich eine unter erschwerten Umständen. Die Krankheit hat es ihm natürlich leicht gemacht, in die Opferrolle zu schlüpfen. Einerseits glaube ich, dass es trotzdem gut gewesen wäre, standhaft zu bleiben - andererseits kann ich mir vorstellen, wie schwierig das in so einer Situation ist. Eine andere Idee wäre noch, in einer emotional unbelasteten Situation mal das Thema zur Sprache zu bringen. Du könntest ihn zum Essen einladen, zuerst über neutrale Dinge quatschen. Dann das Gespräch auf die Beziehungsebene lenken und schließlich vorsichtig schildern, wie DU dich in eurer Beziehung fühlst. Dass es dich verletzt, wenn er häufig so aufbrausend ist. Dass du gern eine engere, liebevollere Vater-Sohn-Beziehung hättest, aber dass du nicht weißt, wie du an ihn herankommen kannst. Etwas in diese Richtung. Falls dir das schwer fällt, könntest du sonst auch überlegen, ihm einen Brief zu schreiben. Vielleicht erst mal als Entwurf, damit du frei bist, alles niederzuschreiben, was dich bewegt und was in dir vorgeht. Danach kannst du ja immer noch Dinge herausstreichen oder umformulieren. Und auch wenn du ihn letztlich doch nicht abschicken bzw. überreichen willst, kann es trotzdem eine Hilfe für dich selbst sein (ähnlich wie das Tagebuch).

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vor 6 Stunden, tonystark schrieb:

Und auch wenn du ihn letztlich doch nicht abschicken bzw. überreichen willst, kann es trotzdem eine Hilfe für dich selbst sein (ähnlich wie das Tagebuch).

Jap. In Sachen Beziehung gehts ja letztendlich nicht darum, wie das Gegenüber ist. Sondern darum, was man selbst draus macht.

Bedeutet, man kann mit so fast allen Elternhäusern klarkommen. Erstmal als Kind, indem man sich an die vorgegebenen Gegebenheiten anpasst und sich damit arangiert. Ne andere Wahl hat man in der Situation ja auch nicht, weil man emotional und auch existenziell auf seine Bezugspersonen angewiesen ist. Da muss man Kompetenzen entwickeln, durch die man mit seinen Eltern klarkommt.

Später als Erwachsener, ist man dagegen autonom - also faktisch autonom. Man ist nicht mehr auf die Eltern angewiesen. Üblich ist aber, dass man sich immernoch in der gewohnten Abhängigkeit sieht. So wie beispielsweise deine Schwester schnell wieder in ihre Rolle als Kind zurückfällt, sobald sie eurem Vater begegnet, @vertikalerHorizont.

Ist die Macht der Gewohnheit. Neurophysiologisch gesehen hat man über Jahre sozusagen Autobahnen in den eigenen Synapsen entwickelt. Kommt ein Sinnesreiz rein, dann wird der sofort über die gewohnten und gut ausgebauten Highways geschickt. Und man reagiert wie gewohnt. Neue Denkweisen sind dagegen wie unübersichtliche Trampelpfade, deren Ende man noch nicht kennt. Geht man die öfters, werden sie alledings breiter - und mit der Zeit kann man auch da Autobahnen draus machen.

Das ist mehr oder weniger der Weg, den Therapie geht. Indem der Therapeut alternative Sichtweisen anbietet - und der Klient selbst entscheidet, ob und welche er annehmen und ausbauen will. Man nimmt damit einerseits die Möglichkeit wahr, sich zu entscheiden. Die Möglichkeit hat man ja als Erwachsener, im Gegensatz zu der Situation als Kind. Beschleunigt wird das Ganze dadurch, dass man in dem Therapeuten ein Gegenüber hat, das ne ausgesprochen breite Palette an möglichen Sichtweisen anbieten kann.

Anders gesagt, kann man darüber entscheiden, wie man mit der Prägung durch die Eltern umgehen will. Damit verändert man zwar nicht die Eltern als reale Personen - brauch man auch garnicht - sondern man verändert das eigene innere Bild, das man von den Eltern hat. Und damit verändert man die Beziehung zu den Eltern. Ohne, dass man dabei darauf angewiesen ist, dass die Eltern selbst sich verändern.

Bedeutet meist in erster Linie, dass man die Beziehung zu sich selbst verändert. Ist man es beispielsweise gewohnt, sich selbst persönlich zurückzunehmen, wel man sich mit nem dominierenden Vater arrangieren muss - dann kann man sich das als Kompetenz durchaus bewahren. Für die Situationen, in denen es nützlich ist. Also im Umgang mit Autoritäten. Und gleichzeitig kann man zusätzlich lernen, sich selbst dann nicht zuürckzunehmen, wenn man es nicht muss. Also die Kompetenz ausbauen, sich selbst zu spüren. Für Situationen, in denen es nützlich ist. Wobei es genau genommen kaum Situatoinen gibt, in denen ein guter Draht zu dem eigenen emotionalen Erleben nicht nützlich ist.

Nochmal anders gesagt, kann man sozusagen den Referenzrahmen verändern. Konkret könnte bislang der Referenzrahmen einerseits der dominante Vater sein -und andererseits die Mutter, die sich danach richtet. Der Weg könnte dann sein, sich selbst und das eigene emotionale Empfinden mehr als Referenzrahmen zu sehen. Und zwar nicht mit dem Tunnelblick, den die Eltern vorgelebt haben, sondern  offener und im Austausch mit dem emotionalen Empfinden der Menschen im Umfeld.

Klassisches beispiel aus der Praxis wären hocheffektive Manager, die einerseits im Job permanent Leistung bringen - und andererseits lernen müssen, in den wenigen Stunden Privatleben am Tag loszulassen. Und dann auf dieser entspannten Basis ihre zwischenmenschlichen Beziehungen zu erleben.

Im PU würde man sagen, man lernt zu Führen. Indem man nach eigenen Regeln lebt. Andere auch nach ihren eigenen Regeln leben läßt. Und die daraus entstehenden Gemeinsamkeiten kultiviert.

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vor 12 Stunden, Shibiku schrieb:

Okay, hier aus erster Erfahrung.

Ich habe das Ding mit einem dominanten/cholerischen Vater jahrelang durchgezogen. Meine Arbeit unterbrochen um im Betrieb zu helfen, Probleme mit männlicher Identität und Konflikt, eine verquere Einstellung zu Autoriät, etc.

Hier die Denkanstösse nach denen du anscheinend fragst:

a) Du hast ungemeines Aggressionspotential in dir. Was sich sehr gut positiv nützen lässt. Aber du wahrscheinlich eine hohe Aversion dagegen hast. Hast du schon eine Möglichkeit gefunden wie du dich männlich auslebst?

z.B. Bei mir ist es Arbeit/Handwerk/Beruf

b) Du hast eine hohe Leidenstoleranz. Du scheinst dich jedoch damit zu brüsten. Musst aufpassen das du nicht manchmal "Unfähigkeit zum Konflikt" bist und deshalb lieber auf deine Leidensfähigkeit vertraust.

c) Du hast stellst wahrscheinlich deine Männlichkeit infrage, da das väterliche Bild von Männlichkeit das dir vorgelebt ist, dir so gar nicht passt.

 

Was mir negativ auffällt, du stellst keine konkrete Frage was du willst.

Dein Thread ist eher ein "Hey, ich will darüber reden", es sei denn du willst wirklich nur Denkanstöße.

Triffts schon ganz gut, was du da ansprichst. Zu deinen Punkten: ich habe tatsächlich Aggresivität in mir, diese habe ich gut unter Kontrolle, außer ich fühle mich ungerecht/respektlos behandelt. Gab da zum Beispiel mal ein Gespräch unter vier Augen mit einem Professor, weil ich mit der Korrektur nicht zufrieden war, da wurde ich etwas impulsiv, aber nicht respektlos, er fühlte sich trotzdem angegriffen. Mit 19 hatte ich so eine Phase, da musste ich irgendwas machen, um mich männlich zu fühlen, also habe ich Kampfsport (MMA) gemacht, jedoch  nach einem Jahr aufgehört, da ich bemerkte, dass es nicht meine Welt ist. Seitdem mache ich Kraftsport und kan mich dabei auch gut abreagieren.

Alkohol ist etwas problematisch, wenn mich dann jemand anpöbelt oder Freunde belästigt, sehe ich leider sehr schnell rot.

Ich habe keine konkrete Frage und erwarte daher auch keine konkrete Antwort, allerdings wollte ich einfach nur Erfahrungen und Einschätzungen, wie sich das mal auswirken könnte und worauf ich allgemein achten sollte.

@Aldous Deine Antwort mit den Denkweisen als Kind und Erwachsener hat mir viel Input zum Arbeiten gegeben, danke dafür.

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vor 20 Stunden, vertikalerHorizont schrieb:

Für mich ist es ausgeschlossen den Kontakt abzubrechen und ebenso, dass sich etwas ändern wird. Mir geht es nur darum, wie sich diese Erniedrigungen auf eine männliche Persönlichkeitsentwicklung auswirken werden, hat da jemand von euch Erfahrungen?

 

Ich kann dir ein wenig über meine Vergangenheit mit meinem Vater erzählen.

Mein Vater hat auch alle terrorisiert, wenn er denn mal zu Hause war. Eigentlich aber nur, weil er sich in seiner eigenen Haut unwohl gefühlt hat und er merkte, dass ihn niemand "liebte". Dadurch entstand eine Art Teufelskreislauf.

Mich und meine Geschwister hat er oft geschlagen. Gebrüllt hat er immer. Es war wie bei dir: Selbst die Nachbarn wollten die Polizei rufen. Es war teilweise auch peinlich.

Mein Vater hat mich quasi "genutzt", um seinen Wutausbrüchen freien Lauf zu lassen. Ich war eine Art Ventil für ihn.

Zum Glück bin ich irgendwann ausgezogen, Studium. Ein Jahr später ist er verstorben, das "Ventil" war nicht mehr da. Ich hatte alles ertragen, die Wut staute sich in ihm auf und killte ihn letztendlich. Karma, würde ich sagen.

Natürlich war er nicht komplett scheiße. Er hat auch eine gute Seite gehabt. Aber sein schlechtes Verhalten hat immer überwogen. Er kam einfach mit seinem Leben nicht klar, mit dem ganzen Druck, mit meiner narzisstischen Mutter, die einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet hat, dass er so jähzornig wurde. Mein Vater war, bevor er meine Mutter kennenlernte, ein Alpha wie aus einem Bilderbuch: Er hatte überall auf der Welt Freunde und Bekannte, hatte viele Frauen, auf allen Fotos sieht man ihn charmant am Lächeln und die Leute haben ihn wirklich gern um sich herum gehabt. Aber, er hatte ein schlechtes Screening: Er hat aus einem Notfall heraus meine Mutter geheiratet und schließlich ist er so geworden, wie er war.

Nach seinem Tod dachte ich, dass ich nun alles hinter mich lassen kann. Aber nichts da. Um auf deine Frage einzugehen: Es hinterlässt gewaltige Spuren in deinem Unterbewusstsein.

Ich selbst habe gemerkt, dass ich mich unbewusst hart kritisiere/verurteile und mich genau so behandelt habe, wie mein Vater mich behandelt hat. Ich habe auch eine Therapie angefangen, um das alles zu verarbeiten und mir geht es besser denn je. Ich merke einfach, wie viel Bullshit ich von meinem Vater übernommen habe: Streng zu leben, wenig Lebensfreude, Angst vor dem Zeigen der eigenen Emotionen, etc. Das alles ist verschwunden. Ich gehe gütiger und liebevoller mit mir um.

_________________________________

Dein Vater lebt. Was ich dir empfehlen kann ist, versuchen ihn zu verstehen. Das ist sehr sehr wichtig. Es hat einen Grund, warum er brüllt (vllt. hat er das Gefühl, dass ihn sonst niemand aus der Familie wahrnimmt?). Es hat einen Grund, warum er terrorisiert. Warum er "wenig Liebe" schenkt. Wahrscheinlich, weil er sich selbst ungeliebt fühlt.

Von daher: Nimm es nicht persönlich, was dein Vater tut. Versuch ihn zu verstehen, er hat definitiv seine eigenen inneren Dämonen. Und lerne auch, dich innerlich von ihm abzugrenzen, wenn er sich dir gegenüber schlecht verhält. Es ist im Endeffekt dein Leben, was du leben musst. Weiter unnötig Ballast mit sich rumzutragen, weil "is ja Familie unso" ist schwachsinnig. Familie, die einen tyrannisiert, wenn auch nicht absichtlich, hat keinen Anspruch auf den Kontakt mit dir. Musst dich auch nicht schuldig fühlen, wenn du den Kontakt zu ihm abbrechen würdest, irgendwann.

LG
 

bearbeitet von DrHitch
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On 5/19/2018 at 8:20 PM, endless enigma said:

das wird sich massiv auf dein ganzes restliches leben auswirken. wahrscheinlich mehr als du überhaupt ahnst im moment.

was man machen kann? psychotherapie vielleicht ... ich weiß nicht.

Kann ich nur zustimmen. 

Ich habe mich mal damit sehr ausführlich befasst - meine ex-Freundin hatte einen ähnlichen Vater, entsprechend hat sie ihr Verhalten auf die Beziehung projeziert, in eine feminine Art und Weise.

Klopf dein gesamtes Leben mal durch und schau, in welcher Hinsicht dir etwas nicht normal vorkommt. Und an diesem Punkt setzt du an.

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