Tretboot statt Achterbahn - neue Beziehungsmuster lernen

61 Beiträge in diesem Thema

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Top Thema. Schön, dass Du es aufgreifst. Ich werde 'mal meine Gedanken sortieren und mich dann melden.

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Gast

danke, gutes Thema

ergänzende Frage: Wo ist der Unterschied zwischen toxischen Mustern und normalen Mann-Frau-Dynamiken? Passt es manchmal einfach nicht oder ist der Mann der Frau nicht gewachsen? Gerne auch mit Bezug auf die Ausführungen in Deida - Weg des wahren Mannes

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vor 1 Stunde, Herzdame schrieb:

Es gibt Menschen, die in der Kindheit gelernt haben, dass eine "normale Beziehung" stets eine Achterbahnfahrt zu sein hat. Eben immer ein Auf und Ab von meist hochdramatischen Trennungen und der größten Liebe des Lebens.

Dazu empfehle ich den Film "I, Tonya" vom 2018 zu gucken. 

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Bin mir nicht sicher, ob ich deine Frage verstanden habe. Dir geht es also darum mit der Frage, wie man sich an eine harmonische Beziehung gewöhnt bzw. diese einlebt, ohne mit der Illusion zu leben, dass ständiges Drama mit Höhen und Tiefen zum Alltag gehören? Habe ich das richtig verstanden? 

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Das Thema ist sehr interessant, da ich es gerade auch durchlebe und immer noch zwischen den beiden Seiten tangiere 

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Spannendes Thema. Ich bevorzuge allerdings das Tandem als Metapher. Genau wie beim Tretboot arbeitet man zusammen um sich gemeinsam vorwärts zu bewegen - mit dem Vorteil, dass ich ihr dabei auf den Arsch schauen kann.

vor 3 Stunden, Herzdame schrieb:

1. Könnt ihr für euch die Kernelemente bennenen, wie ihr von Achterbahn zum Tretbootfahren gekommen seid? Welche Stellschrauben waren das?

Meine Partnerin und ich waren früher..hmm Fuckbuddys? Freunde? Bekannte?... Als sich der Kontakt nach Jahren intensivierte ging es anfangs schon einige Male auf und ab. Ich wusste zu dem Zeitpunkt nicht wie sich eine "gesunde" Beziehung anfühlen kann. Bin inzwischen nicht mehr ganz so unreflektiert in dem Bereich. Es gab zwei oder drei gedankenlose Aktionen von mir in dieser Zeit. Nie schlechte Absicht dahinter, aber eben nicht so richtig angebracht. Die Monate darauf haben die Beziehung stabilisiert. Beiderseits Vertrauen aufgebaut, sich öffnen. Loyalität ist immens wichtig, gerade wenn man sexuell offen ist. Gemeinsame Pläne.

vor 3 Stunden, Herzdame schrieb:

Wart ihr irgendwann "fertig" und das war dann normal? Wie lange hat das gedauert? Oder bleibt es für euch ein dauerhaftes Thema, mit dem ihr immer wieder kämpft?

ob man jemals "fertig" sein wird, weiß ich nicht. Wir hatten uns kürzlich darüber unterhalten, dass wir uns sogut wie nie gestritten haben nach der Anfangsphase. Dabei ist es nicht so, dass es keine Meinungsverschiedenenheiten oder Diskussionen gäbe. Versuchen locker zu bleiben, nicht jede Befindlichkeit bierernst nehmen. Meist sieht die Welt kurz darauf schon wieder viel besser aus.

Das sonstige Leben wird hier und daTiefen bereit halten, da ist es schön wenn man zusammen auf ruhigem Gewässer treten kann oder eben auf dem Tandem.

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EnDas Thema existiert für mich immer noch. Mein Elternhaus war sehr toxisch für meine Entwicklung. Mein Vater war stark alkoholabhängig und gewalttätig. Er bleib die ersten sechs Monate in meinem Leben und soll mich einmal mit Bier abgefüllt haben. Mittlerweile ist er an seinem Alkoholkonsum gestorbenem. Hinzu kam, dass ich eine Frühgeburt war. Meine Mutter hat zudem noch eine diagnostizierte Angststörung. Das alles fürhte wohl dazu, dass meine eine extreme Symbiose zu mir aufbaute. So stand es auch in einem Psychiatriebericht. Ich habe noch eine Halbschwester, die vom Jugendamt weggenommen wurde, da meine Mutter ebenfalls gewalttätig war. Keiner aus meinem Umfeld weiß davon. Ich lebte auch für ca. einem Jahr in Jugendwohnhruppen. Bin aber ausgezogen und zurück zur Mutter gezogen, weil viele dort kriminell waren und vieles einfach nicht funktionierte. Auch Erfahrungen mit Mobbing in der Schule haben wohl zu einem ungesunden Beziehungsmuster beigetragen. Ich verstrickte mich in Lügengeschichten, um meinen niedrigen Selbstwert und fehlende  Annerkennung zu kompensieren. Die einzig positive Erfahrung in Sachen Bindung war tatsächlich mit einer Lehrerin und einem Psychotherapeuten, die ich als Elternfigur idealisierte. 

Draus restauriert bei mir eine enorme Angst vor Ablehnung und dem Verlassenwerden. Wenn ich Interesse an einer Beziehung hatte, traute ich mich nicht mein Interresse mitzuteilen. In einem Fall fing ich eine „Freundschaft“ mit einer an, die mich zunächst auch stark idealisierte und ich tat ihr gleich. Sie war vor allem auf meine akademische Leistung und meinen Status fixiert. Um es kurz zu halten, merkte ich, dass sie - sie stammte aus einer Magersuchtsfamilie - stark narzisstisch struktieriert war. Sie war extrem leistungsorientiert, lügte ebenfalls viel, hielt ewige Monologe über ihre Leistungen, gab viele falsche Versprechen und manipuliert ihr Umfeld.  Alles war ein riesiges Push-Pull. Ich dachte, ich hätte meine Seelenverwandte gefunden, weil sie Am Anfang genau derselben Meinung war wie ich. Doch widersprach sie sich im Laufe der Zeit zunehmend (z.B. einmal total gegen Partys und dann auf einmal rumprahlen, dass sie ständig eingelanden wird). Am Ende kam sie mit jemanden anderem zusammen und entsorgte mich mit einer kurzen WhatsApp-Nachricht. Dies führte mich in eine starke depressive Episode mit Suizidgedanken. Mein Verhalten während dieser „Freundschaft“ war im Endeffekt auch manipulativ. Sie war ein Spiegel meiner Selbst. Ich bemerke bei mir starke Klammerversuche durch dramatische Lügen und Theatralik. War extrem unterwürfig, aber auch wieder provokant. Ich wollte das kleine Kind sein, das wieder eine Symbiose mit einer nicht erreichbaren Mutterfigur eingehen wollte. Wiederholungszwang par excellence. Alles geht in Richtig histrionische und dependete Persönlichkeitsstörung. Ich merke, dass ich eine geringe Autonomie habe und keine Entscheidung treffen kann. Ich kann kaum führen und schlecht Nein sagen. Ich denke, dass man allen alles Recht machen muss. Unzufriedenheit habe ich meist auf passiv-aggressive Weise mitgeteilt. Direkte Konfrontation fürchte ich wie der Teufel das Weihwasser. Wobei ich bei einer Ablehnung extrem abwertend werden kann. Im Inneren wünsche ich immer noch eine Verschmelzung mit einer Mutterfigur. 

Trotz allem dem habe mittlerweile mit den Lügengeschichten aufgehört. Ich habe nur noch die Impuse, kleinere Lügen aus einem Angstgefühl heraus zu sagen. Freundschaften sind eher oberflächlich. Mein Bindungsverhalten ist immer noch stark ängstlich-vermeinend. Mich plagen noch Schuldgefühle wegen meiner Lügengeschichten und meines Verhalten. Machmal denke leider immer noch, dass der Suizid die einzige Möglichkeit ist, um Frieden zu finden. Ich würde gern ein autonomes Leben führen und mich von meiner Mutter distanzieren.  Ich habe mich sehr viel mit Psychologie (vor allem Psychodynamik, Bindungstheorie, usw.). Ich reflektierte mich mittlerweile selbst und versuche mittlerweile darauf zu achten, Nähe und Distanz richtig zu regulieren. Pick Up war ebenfalls ein Teil, um mit Frauen ehrlicher und selbstbewusster zu werden. Jedoch möchte ich (erstmal) keine Beziehung, weil ich meine Baustellen beseitigen muss. Aber zumindest hatte ich paar gute Flirt-Erfahrungen - ohne Theatralik oder Lügen. Auch vermeide ich andere Personen, die Red Flags zeigen. Bisher lebe ich meinen Wunsch nach Autonomie immer noch eher in der Phantasie aus. Ich lerne gerade wie ich mich auf ehrliche Weise mehr durchsetzen kann und nicht immer das kleine Kind spiele. Auch lerne ich, wie überhaupt eine gesunde Beziehung aussieht (John Gottman hat gute Literatur dazu gehabt). Freundschaften möchte auch intensiver pflegen. Vertrauen fällt mir immer noch schwer und keiner kennt mich völlig. Entweder ich vertraue zu schnell oder gar nicht. 

bearbeitet von GeilerHase123
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vor 7 Stunden, pMaximus schrieb:

Bin mir nicht sicher, ob ich deine Frage verstanden habe. Dir geht es also darum mit der Frage, wie man sich an eine harmonische Beziehung gewöhnt bzw. diese einlebt, ohne mit der Illusion zu leben, dass ständiges Drama mit Höhen und Tiefen zum Alltag gehören? Habe ich das richtig verstanden? 

Auf Kopfebene weiß man, dass Tretboot super ist. Man hat so weit gearbeitet, dass das technisch auch möglich ist und man es sich nicht automatisch selbst zerstört.

Trotzdem fühlt es sich komisch an, vielleicht sogar als würde etwas „fehlen“. Wie geht ihr mit diesen Gefühlen um und haben diese sich irgendwann gelegt, weil Tretboot zur Normalität geworden ist?

 

Danke schon mal für eure tollen und interessanten Rückmeldungen.

Ich möchte noch ergänzen: Ich denke nicht, dass ein Musterwechsel innerhalb einer Beziehung möglich ist, da käme zu viel zusammen. Ich denke, das geht nur mit einem neuen Partner, der (optimalerweise) von sich aus eher Tretbootfahrer ist.

bearbeitet von Herzdame

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vor 9 Stunden, Herzdame schrieb:

1. Könnt ihr für euch die Kernelemente bennenen, wie ihr von Achterbahn zum Tretbootfahren gekommen seid? Welche Stellschrauben waren das?

Ich wollte keine feste Beziehung. Mein Plan war drei FB's und mein Leben weiter genießen. Im Prinzip hat meine Partnerin das am Anfang auch so gesehen. Sie hat mich optisch nicht so krass getriggert wie das andere Frauen tun. Ich hab einfach die Zeit mit ihr genossen. Irgendwann nach ein paar Wochen fing sie dann an stärker zu binden. Ich hatte parallel noch eine andere Dame und musste mich irgendwann zwischen den beiden entscheiden. Da meine Partnerin mir fast ausschließlich eine gute Zeit bescherte war die Entscheidung einfach. Mittlerweile ist sie der tollste Mensch der Welt für mich.

Zitat

2. Wie habt ihr diese Umgewöhnung erlebt? Wie schwierig war das? Was war dabei hilfreich? Wart ihr irgendwann "fertig" und das war dann normal? Wie lange hat das gedauert? Oder bleibt es für euch ein dauerhaftes Thema, mit dem ihr immer wieder kämpft?

Da ich zwei Frauen parallel getroffen habe konnte ich "vergleichen" das war für mich sehr hilfreich. Und hier zeigte sich das meine Partnerin mir eigentlich immer nur gut tat. Mit der anderen Dame war das nicht so. Dafür konnte diese zwar garnichts aber ich hab es mal als Wink des Schicksals gesehen. Diese Phase dauerte nur zwei Wochen oder so - das hat mir aber gereicht. 

Eine Umgewöhnung habe ich nicht so erlebt. Das hängt aber wahrscheinlich daran das mir die Beziehung anfänglich nicht so wichtig war und ich mir nicht so einen Kopp gemacht habe. Mittlerweile nachdem ich erleben darf wie eine Beziehung sein kann, wird das bei der Partnerwahl das wichtigste Kriterium sein.

Es werden wahrscheinlich Zeiten kommen wo unsere Beziehung wieder auf dem Prüfstein steht. Bis jetzt war ich immer derjenige der die Sache locker gesehen hat. Ich weiß nicht wie es ist wenn meine Partnerin das auch mal tut. Außerdem halte ich mich nach wie vor auch für andere Frauen attraktiv um nicht komplett in ein Loch zu fallen wenn die Beziehung vorbei sein sollte. Diese "Absicherung" lässt mich entspannt bleiben und ich kann mit schwierigen Situationen souveräner umgehen, weil ich weiss das nach der Beziehung mein Leben auch wieder toll sein wird.

Toller Thread - Danke Herzdame das du ihn eröffnet hast 😘

bearbeitet von Sam Stage
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vor 11 Stunden, Herzdame schrieb:

1. Könnt ihr für euch die Kernelemente bennenen, wie ihr von Achterbahn zum Tretbootfahren gekommen seid? Welche Stellschrauben waren das?

Wie ich hier schon hin und wieder mal gepostet habe, habe ich eine 9 jährige beziehung hinter mir (so ca. 1,5 Jahre sind nun vergangen). Diese beziehung war wirklich ununterbrochen von achterbahnfahren geprägt. Sie war auch meine erste LTR und dieses Achterbahn ding wurde von ihr perfektioniert. Drama ohne ende... aber wirklich ohne ende. Dazu kam dann im laufe der zeit noch ein heftiger schicksalsschlag der uns locker 2 jahre beschäftige wozu aber keiner von uns beiden etwas konnte. Alles in allem war immer etwas los, reibereien, streitereien.

Warum ich das mitgemacht habe? Ich dachte das wäre normal und sie war unfassbar heiß.

Naja nach 9 Jahren wurde ich dann vor die Tür gesetzt wie das halt so in der quaterlife crisis der frauen manchmal so ist.

Beim Daten habe ich dann meine Aktuelle LTR kennengelernt. Ich hab nicht nach tretboot gescreent sondern bei ihr einfach gemerkt das sie extrem locker ist, überhaupt nicht zickig und kein drama usw. macht und habe mich dann auf eine LTR eingelassen.

vor 11 Stunden, Herzdame schrieb:

2. Wie habt ihr diese Umgewöhnung erlebt? Wie schwierig war das? Was war dabei hilfreich? Wart ihr irgendwann "fertig" und das war dann normal? Wie lange hat das gedauert? Oder bleibt es für euch ein dauerhaftes Thema, mit dem ihr immer wieder kämpft?

Am anfang war die umgewöhnung für mich total entspannt ich konnte mein glück kaum fassen das es eine so lockere und entspannte beziehung gibt. Aber so nach 3-4 Monaten fühlte die beziehung sich für mich bildlich gesprochen an als würde man mir einen toten fisch in die hand geben.... Also ein stückweit leblos. Irgendwie fehlte mir so ein bisschen das feuer. <--- ich hatte ja 9 jahre lang gelernt das dass normal ist. 

Problematisch sind an dieser stelle auch die Flashbacks und man vergleicht dann wirklich mit der letzten beziehung ... es war ja nicht 9 jahre alles scheiße.

Da ich aber weis das tretboot fahren auf dauer gesünder ist und ich an meiner LTR nichts auszusetzen habe und ansonsten alles läuft, denke ich das es für mich einfach ein gewöhnungsprozess ist an dem man nicht großartig rum doktorn muss. Einfach genießen und die frei gewordenen ressourcen anderweitig benutzen.

Fühlt sich gut an

bearbeitet von Problemkind
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vor 3 Stunden, Herzdame schrieb:

Auf Kopfebene weiß man, dass Tretboot super ist. Man hat so weit gearbeitet, dass das technisch auch möglich ist und man es sich nicht automatisch selbst zerstört.

Trotzdem fühlt es sich komisch an, vielleicht sogar als würde etwas „fehlen“. Wie geht ihr mit diesen Gefühlen um und haben diese sich irgendwann gelegt, weil Tretboot zur Normalität geworden ist?

 

 

Möchte dir da garnicht widersprechen, aber ich bin der Meinung, dass es eher umgekehrt ist.

Innerlich fühlt es sich gut an, man "weiß" das es so sein sollte (Tretboot). Der Kopf hingegen steuert dagegen und wägt ab, vergleicht, hängt in der Vergangenheit und löst damit das unbehagene Gefühl aus das etwas fehlen würde.

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vor 12 Stunden, Herzdame schrieb:

1. Könnt ihr für euch die Kernelemente bennenen, wie ihr von Achterbahn zum Tretbootfahren gekommen seid? Welche Stellschrauben waren das?

Bei mir ist das automatisch passiert. Früher war ich selbst ein Mensch, der ein Drama ab und zu mochte, weil ich dachte, das befeuert Beziehung und Leidenschaft. Irgendwie habe ich sogar unterbewusst auf das nächste Drama hingearbeitet und mir auch Partnerinnen gesucht, die ähnlich agierten.

Ich hab das aber nicht in der Kindheit gelernt (Geschiedene Eltern, alleine wohnend seit ich ganz jung war) oder von Bekannten abgeschaut, irgendwie kam das instiktiv weil ich damals noch viele Verlustängste hatte und gleichzeitig dennoch sehr destruktiv agiert habe. Es war einfach schön, sich nach einem Streit wieder zu vertragen und ein Pflaster auf mein emotional langweiliges Leben zu kleben.

vor 12 Stunden, Herzdame schrieb:

2. Wie habt ihr diese Umgewöhnung erlebt? Wie schwierig war das? Was war dabei hilfreich? Wart ihr irgendwann "fertig" und das war dann normal? Wie lange hat das gedauert? Oder bleibt es für euch ein dauerhaftes Thema, mit dem ihr immer wieder kämpft?

Eine Stellschraube habe ich dafür eigentlich nicht gedreht, das kam auch automatisch je mehr ich mich mit dem Thema Weiterentwicklung auseinandergesetzt habe und je älter ich wurde. Irgendwann hat man einfach die Maxime, sich das Leben so einfach wie möglich machen zu wollen und dazu gehört auch eine entspannte Beziehung führen zu können. Also screent man dann dementsprechend nach chilligen Mädels, mit denen man Tretboot fahren kann. Teilweise unterbewusst, teilweise nach Erfahrung.

 

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Als Teenager dachte ich, Liebe ohne Höhen und Tiefen sei langweilig. Wo echte Liebe, so meine implizite These, dort müsse auch Drama sein, denn sonst würde es an Leidenschaft fehlen.

Das hatte aber nichts mit meinem Elternhaus oder meiner Kindheit zu tun, sondern mit (a) Testosteron im Blut sowie (b) einer naiven, pathos-durchtränkten Sicht auf das Leben, wie sie für Teenies eben typisch ist. (Natürlich denken manche Ü30er, Ü40er und Ü50er noch immer so, aber wenn ich so jemanden treffe, habe ich stets das Gefühl, ich spräche mit einem Pubertierenden. Sorry.)

Was hat sich also geändert? Ich bin erwachsen geworden. Und verstehe heute, was die Stoiker bereits in der Antike stark gemacht haben, nämlich: dass eine gewisse Seelenruhe im Leben eben kein "Fehlen von extremen Höhen" (Zitat Ausgangspost) ist - sondern selbst eine extreme Höhe darstellt. Weil: so schön!

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Hallo, Herzdame,

das Thema hat mich bereits in dem Ausgangsthread angesprochen. Allerdings habe ich bei der Reflektion festgestellt, dass meine Erfahrung nicht ganz passt. 

Mein Thema ist nicht der Weg von der Achterbahn zum Tretboot, sondern der Weg von der Dreiecks- zur Paarbeziehung. Aber es ist ein ähnlicher Entwicklungsprozess erforderlich.

Ich bin als nichteheliches Einzelkind bei meiner Mutter aufgewachsen. Mein Vater war mit einer anderen Frau verheiratet und hatte schon drei Kinder im Alter meiner Mutter. Meine Mutter war seine Sekretärin und Geliebte. Mein Vater lebte bei seiner Familie.

Ich weiß nicht, ob meine Mutter versucht hat, meinen Vater durch mich an sich zu binden. War letztlich egal, denn er starb, als ich sechs war. Ungesundes Dreieck bei den Eltern.

Also: Kein Vater, keine männliche Bezugsperson, kein Rollenvorbild. Klassisches Muttersöhnchen. Mobbingopfer in der Schule. Schnell von "Führungspersönlichkeiten" begeistert. Da wohlbehütet, aber nicht schon in der Schulzeit auf die schiefe Bahn gelangt und daher gute Noten.

Erste Freundin mit 19 an der Uni. Sie hatte einen Freund in der Heimat. Oneitis. Ungesundes Dreieck.

Nachfolgende Affären und Beziehungen nicht dauerhaft exclusiv.

12 Jahre Beziehung mit Ehe. Ich bin treu. Tretboot. Offenkundig haben wir Probleme. Sie spricht sie nicht an. Ich spreche sie nicht an. Sie geht fremd. Ungesundes Dreieck. Ich beende die Beziehung. Sie wirft mir vor, sie habe zu wenig Achterbahn gehabt.

Danach Affäre. Sie hat einen Freund. Oneitis. Erneut ein Dreieck. 

Therapie, Coaching, PU, David Deida et al. ...

Stichworte, die bereits von Nahilaa und Geiler Hase genannt wurden und auf mich zutreffen:

# Mangelndes Selbstwertgefühl: "Ich habe eine funktionierende Beziehung nicht verdient."
# Angst vor Ablehnung und Verlassenwerden
# nicht NEIN sagen können
# es allen recht machen müssen
# Helfersyndrom
# passive Aggressivität
# keine direkte Konfrontation

Aktuell 3 Jahre Beziehung. Ich halte die Spannung hoch. Ein wenig Achterbahn für sie also. Sie spricht alle Probleme gnadenlos an. Ich versuche mich darin. Ich halte mich mühsam davon ab, fremd zu gehen. 

Wie bei Sam Stage und Doc Dingo ist diese Frau (erstmals in meinem Leben und dank Tinder und PU) aus einer Mehrzahl von Mädels hervorgegangen, indem sie am wenigsten von allen genervt und schließlich gebunden hat.

Es kostet mich Kraft und Mühe, die (wenigen) Probleme, die ich von meiner Freundin aufgetischt und gespiegelt bekomme, in der Beziehung zu lösen. Ich neige dazu, auszubrechen.

Fazit: Wo es sicher Achterbahn ist, habe ich Oneitis, wo es sicher Tretboot ist, habe ich Fluchtreflex.

Aber ich merke inzwischen, dass ich durch den Aufbau eines Dreiecks und Oneitis den Problemen nur ausweiche. Es ist wie mit Alkohol für mich, eine Flucht aus der Realität. Den Alkohol habe ich aus meinem Leben verbannt. In der Beziehung bin ich ebenso diszipliniert und widerstehe den Reflexen.

In Kindheit und Jugend hätte mir ein gesundes Dreieck mit Mutter und Vater gut getan, aktuell tut es mir gut, die Probleme in der Beziehung zu lösen und ihnen nicht auszuweichen.

Wenn ich es auf das Ausgangsbild übertrage: Die Entwicklung findet dort statt, wo es anders ist, als gewohnt, und daher Kraft kostet: für denjenigen, der Achterbahn fährt, im Tretboot und vice versa.

Ich selbst möchte mich zunächst dahingehend entwickeln, dass ich eine "gesunde" Paarbeziehung aushalte und Probleme ohne Flucht innerhalb der Beziehung löse.

Eine Zeit lang ist es mir in meiner langjährigen Beziehung gelungen. Aber die Beziehung war, jedenfalls am Ende, nicht glücklich. Aktuell gelingt es mir auch, ich werde jeden Tag ein wenig besser.

In einem nächsten Schritt möchte ich herausfinden ob ich vielleicht lieber offene Beziehungen leben sollte, um mir zumindest etwas Dreieck zu ermöglichen.

Also nicht als Form der Kapitulation, sondern als Entwicklungsschritt.

Viele Grüße 

Explorer

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vor 2 Stunden, Aldous schrieb:

Mal ein anderer Erfahrungsbericht:

Ich sehe nicht, dass sich Stabilität und Achterbahn gegenseitig ausschließen. Alle Frauen die ich mag, sind im Wechsel überraschend clever, als auch ausgesprochen hohl, und meist völlig durchschnittlich. Mal haben sie ziemlich kindische Anwandlungen, mal sind die beeindruckend erwachsen und die meiste Zeit sind sie völlig alltäglich. Je nachdem find ich das dann hinreissend, oder nervig, oder ich hab gar keine Meinung dazu. Ohne, dass dadurch die Beziehung in Frage gestellt würde. Kurz gesagt, bestehen Beziehungen doch meist aus Tretboot und auch aus Achterbahn - und laufen mal gut und mal schlecht.

Nach meinem Eindruck entstehen die meisten stabilen Beziehungen eh ohne, dass irgendwas geplant war. Man lernt sich kennen und es passt. Daraus entsteht eine Bindung. Und wenn die Bindung da ist, dann stellt sich die Frage, ob man die Bindung erhalten will - oder ob nicht. Ich denke, diese Frage ist der eigentliche Knackpunkt.

Eine ehemalige Praktikantin hatte so ein ähniches Thema, wie du beschreibst. Osteuropäerin, hübsch, extrovertiert - und zwanghaft untreu. Jeder neue Mann war erst die Liebe ihres Lebens, den sie heiraten will - und dann ihr größter Fehler. Ständige Achterbahnfahrt. Sobald die Phase der Verliebtheit vorbei war, ging sie fremd. So lange, bis es rauskam. Tretboot gab es in ihren Beziehungen nicht. Man könnte vermuten, dass die Kleine einen kompletten Vogel hat. Beruflich allerdings war sie eine ausgesrpochen zuverlässige und konstante Tretbootfahrerin.

Ihr privates Chaos hat sich dann ziemlich gut sortiert, als sie anfing Marathon zu laufen. Sie sagt, darüber holt sie sich jetzt ihre Kicks, die sie vorher in den wechselnden Beziehungen fand.

Auf der einen Seite stimme ich zu , jede Beziehung hat höhen und tiefen. 

Aber die Beziehung die zumindest ich meine bestanden elementar daraus diese höhen und tiefen zu forcieren. Beide Parteien haben ihr möglichstes getan damit es rauf und runter geht. Auch unbewussten haben beide Personen dafür gesorgt, dass sobald eine gewisse Ruhe da ist , die sagen wir mal durch irgendwelche Fehler gestört wird , hier praktisch absichtlicht sabotiert wird.

Da wo der normale Mensch vielleicht im halben Jahr 2-3 größere Dramen hat, hatte ich bspw schon jeden Monat um die 3-5. Dinge die auch so anstrengend waren dass ich sie mit zur Arbeit genommen habe oder ständig den Bekannten mit meinen Problemen in den Ohren liege.

Im Verhältnis bestanden bei mir die Zeiten aus 70-80% Drama und der Rest war Ruhe. 

Ein weiterer Unterschied ist, dass man eigentlich die Achterbahnfahrten unterscheiden muss. Bei einigen lassen sich Leute wie ich Dinge gefallen , wo einer wie du schon viel früher aussteigen würde. Einfach weil das auf Dauer zu selbstzerstörerisch ist, das schafft kaum ein Mensch.

bearbeitet von Shangtsung
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vor 39 Minuten, Shangtsung schrieb:

Ein weiterer Unterschied ist, dass man eigentlich die Achterbahnfahrten unterscheiden muss. Bei einigen lassen sich Leute wie ich Dinge gefallen , wo einer wie du schon viel früher aussteigen würde. Einfach weil das auf Dauer zu selbstzerstörerisch ist, das schafft kaum ein Mensch.

Sehe ich so wie du. Mein Posting bezieht sich auch auf das Zitat von @Herzdame Also auf den Wunsch nach Beziehung ohne Achterbahn.

Weil Achterbahn ist ja nicht per se verkehrt. Gibt beispielsweise auch Leute, die eher ängstlich vermeidend geprägt sind und ihre Themen still in sich reinfressen. Bis es ihnen deswegen schlecht geht. So jemand geht durchaus mal ein paar Jahre in Therapie, um ein wenig mehr von dem zu entwickeln, was dir zu viel ist.  Also um mehr in die Auseinandersetzung zu gehen.

 

PS

Von wegen Dinge gefallen lassen und aussteigen: Eine diagnostizierte und ausgesprochen beharrliche Borderlinerin hat mir mal von ihren Beziehungen erzählt. Ihr übliches Muster war, dass sie in vertrauten Situationen dramatisch austickte und dabei so verletzend wurde, wie möglich. Damit hat sie natürlich jeden Mann verscheucht. Der Klassiker halt. Lief mehr als 15 Jahre so und sie hat sich nicht in den Griff bekommen. Bis ein Typ mal wortlos ging, als sie das erste mal Gift gespuckt hatte. Sie hat dann noch etwas rumgewütet und lag danach heulend und am Boden zerstört auf dem Bett. So, wie sie das üblicherweise machte. Sie war überzeugt, ihn nie wieder zu sehen. Dann kam der Typ plötzlich wieder rein, setzte sich aufs Bett und hielt ihr seelenruhig einen Teller mit Bohnen und Speck unter die Nase. Mit dem Kommentar "Iss mal was. Du musst hungrig sein."

Sie war so geschockt, dass sie den Teller ohne Widerspruch leergemacht hat. Danach hat er ihr einen Kuß auf die Wange verpasst, sich schlafen gelegt - und sie hat ihn die halbe Nacht perplex angeguckt. Die beiden waren dann ein paar Jahre verheiratet. Sind es möglicherweise immernoch. Sie meinte, sie hätte zwar immernoch ihre Austicker, aber ihn würde das nicht stören.  Und im Gegenzug würde sie sich zusammenreissen, wie sie nur kann.

Soll jetzt keine Anleitung sein. Und ich hab keine Ahnung inwieweit die Story stimmt. Ist nur ein Beispiel, wie man mit so ner Achterbahnfahrt auch umgehen kann. Er hat sie halt fahren lassen - und danach weitergemacht, wie zuvor.

Ne Anleitung solls nicht sein, weil sowas auch eskalieren kann. Dann, wenn die gewohnte Reaktion provoziert werden soll. Und das kann ausgesprochen unschön enden. Darum keine Anleitung.

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vor 1 Stunde, Aldous schrieb:

Ne Anleitung solls nicht sein, weil sowas auch eskalieren kann. Dann, wenn die gewohnte Reaktion provoziert werden soll. Und das kann ausgesprochen unschön enden. Darum keine Anleitung.

Das funktioniert meiner Erfahrung nach dann ein paar Tage, vielleicht 2 Wochen. Danach wird wieder provoziert und die Grenzen immer weiter überschritten, bis die besagte Borderlinerin ihre gewünschte Reaktion hat. Dann gibts Streit / Drama und Symbiose. 

Das kann man dann so weiter spielen bis sich einer trennt, weil:

A: Die Borderlinerin jemand neuen hat

B: Der Partner komplett am Boden ist 

 

Allerdings kenne ich auch Paare die das Jahrzehnte lang so spielen. Die "hauen sich die Köpfe ein" hassen sich und 6 Monate später geht wieder die Blaulicht fahrt zur altbekannten Adresse und man bekommt gesagt: "Die letzten 6 Monate war alles gut" 

 

Manche brauchen das.

 

 

 

Magnetism

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