Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT)

1 Beitrag in diesem Thema

Empfohlene Beiträge

Meine lieben Freunde. Heute hat sich etwas ganz entscheidendes geändert. Ich führe seit rund 18 Tagen ein Tagebuch, das mir darüber hinweghelfen soll, dass ich von meiner Freundin verlassen worden bin, respektive, wie ich das Leben als Neosingle zu meistern gedenke. War dieses Werk bislang geprägt von meinen Versuchen, über die gescheiterte Beziehung hinwegzukommen, über die Schilderungen aller Aktivitäten, den Schmerz zu lindern, zu bekämpfen und zu verdrängen, mit dem absoluten Tiefpunkt heute, wo ich mich taub und leer und versklavt von meinen Gedankengängen fühlte, so habe ich heute gefunden, was ich lange, lange gesucht und vermisst hatte:

Meine Leidenschaft. Meine Lebensfreude.

Ich habe sie wohl kurz nach meiner Kindheit verloren und sie gesucht. Überall. In Materiellem, in Anerkennung, in Liebe, in Hobbies, in Beruf, in Freiwilligenarbeit. Aber ich habe am falschen Ort gesucht.

Ich hatte sie immer in mir drin.

Und dort hatte ich nie gesucht. Ich war Zeit meines Lebens darauf bedacht, Fertigkeiten zu entwickeln, die mir auf der Suche nach Leidenschaft ausserhalb von mir selbst halfen. Ich lernte in der Schule, ich lernte, wie man Frauen für sich begeistert, ich kaufte mir Gadgets, versuchte mich in Musik, trainierte meinen Körper. Aber es hat in mir nie die Leere ausgefüllt, die ich in mir trug. Es gab nur einen einzigen Augenblick, wo diese Leere nicht bestand: Unmittelbar nach dem Sex. Wo ich für einmal im hier und jetzt war. Für diesen kurzen Moment habe ich alles getan, gearbeitet, gedacht, analysiert. Dabei hätte ich nur eins tun müssen: Mich einfach immer im Hier und Jetzt aufzuhalten. Zu sehen, zu hören, zu riechen, zu fühlen. Ohne immer zu analysieren, ob es gut oder schlecht sei, ob es gut oder schlecht war oder ob es gut oder schlecht sein würde in der Zukunft.

Ab heute werde ich verzichten, meine Stimmung zu messen und herauszufinden, was mir gut tut und was nicht. Es spielt einfach keine Rolle mehr. Daraus erwuchsen lediglich Kontrollstrategien, Vermeiden oder Bekämpfen, Flüchten und Verdrängen. Im Treibsand soll man nicht strampeln, sondern sich auf den Rücken legen und seinem Pferd pfeifen. Man muss sich der Angst stellen und nach seinen Werten agieren. Bis hierher war mein Tagebuch nur eine Prélude. Und wir haben Karfreitag.  Hier, wo meine wahre Reise beginnt. Bis heute war es eine Reise, die erst bis zum Rand des Hafens geführt hatte.

Ab heute geht es auf die grosse, weite See.

Das Buch, das ich gelesen habe (Akzeptanz- und Commitment-Therapie) seit gestern Nachmittag umschreibt die  Suche nach dem Glück. Und diese beinhaltet, dass man Glück findet, wenn man negative Emotionen und Gefühle akzeptiert und sie nicht versucht zu verdrängen oder zu lindern. All die Ratgeber, die hauptsächlich Kampfstrategien gegen negative Emotionen beinhalten („geh unter die Leute, iss dein Leibgericht, nimm ein Bad, fuck ten other women“) – sie alle funktionieren nicht. Sie übertünchen das Hauptproblem: Nur wer sich seinen Dämonen stellt, kann Glück finden. Negative Emotionen und Gefühle sind ein Teil von uns. Wir müssen sie zulassen, um uns nicht zu verleugnen. Ich hatte das nie so ganz begriffen. Heute ist es mir mit einem Schlag glasklar geworden: Das Glück liegt in einem selbst. Es hat mit der Akzeptanz aller Gefühle zu tun, die ein Mensch haben kann und darf. Dazu gehören auch Trauer, Wut, Hass, Verzweiflung, Depression, Angst. Man muss ihnen Raum und Beachtung schenken. Und man kann dann handeln, wenn man sie klar sieht.

Sich selbst gewahr sein. Das ist der Schlüssel zum Glück. Durch die Welt zu gehen und in Gedanken versunken zu sein, ganz woanders,  zu grübeln über das Gestern oder das Morgen – das war meine Haupttätigkeit in den vergangenen Jahrzehnten. Ich sah nicht mehr die Schönheit des Augenblicks. Die Zeit und das Leben zerrannen um mich herum und ich war nie da. Ich war nicht da, wenn meine lieben Menschen mit mir sprachen oder um mich herum waren. Ich war mit meinen Gedanken irgendwo. Ich habe viel Zeit vergeudet, auf Planung der Zukunft und Analyse der Vergangenheit. Und dabei die Genussfähigkeit des beobachtenden Ichs vernachlässigt.

Ich habe mich heute selbst gefunden.

  • TOP 1

Diesen Beitrag teilen


Link zum Beitrag
Auf anderen Seiten teilen

Erstelle ein Mitgliedskonto, oder melde Dich an, um zu kommentieren

Du musst ein Mitgliedskonto haben, um einen Kommentar verfassen zu können

Mitgliedskonto erstellen

Registriere Dich ganz einfach in unserer Community.

Mitgliedskonto registrieren

Anmelden

Du hast bereits ein Mitgliedskonto? Melde Dich hier an.

Jetzt anmelden

  • Wer ist Online   0 Mitglieder

    Aktuell keine registrierten Mitglieder auf dieser Seite.