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3 Beiträge in diesem Thema

Empfohlene Beiträge

Soziologische Perspektive auf „sozial bedingte Gewichtung“

1. Soziales Kapital (Bourdieu)

In Foren ist Reputation eine Form von symbolischem Kapital.

Wer viele Punkte, Likes oder Auszeichnungen hat, verfügt über „soziales Kapital“ und kann es einsetzen, um Gehör zu finden.

Dadurch wird eine Hierarchie zwischen den Usern sichtbar: Ein Kommentar von einem „renommierten Autor“ wird eher ernst genommen oder wahrgenommen, egal wie gehaltvoll er ist.


2. Matthäus-Effekt

„Wer hat, dem wird gegeben“ (Merton).

Wer schon einen Status (z. B. Punkte oder Rang) hat, wird überproportional weiter bestätigt.

Ein neuer oder unbekannter User müsste viel bessere Inhalte liefern, um die gleiche Resonanz zu bekommen.


3. Vergemeinschaftung & soziale Rollen (Weber, Goffman)

In Online-Foren bilden sich Gemeinschaften mit eigenen Regeln und Hierarchien.

User übernehmen Rollen: der „Spaßmacher“, der „Analytiker“, der „Autorität“.

Ein Kommentar wird immer auch durch die Rolle des Autors gelesen: Von einem „ernsten“ Mitglied wird ein Scherz anders bewertet als von jemandem, der ohnehin für flapsige Kommentare bekannt ist.


4. Symbolische Interaktion (Mead, Blumer)

Bedeutung entsteht nicht allein durch den Inhalt, sondern im sozialen Prozess der Zuschreibung.

Ein „Tööörke“-Kommentar von einem unbekannten User wäre vielleicht ignoriert worden.

Von einem sichtbaren Mitglied wie „Drachenlord“ bekommt er Gewicht, weil andere die Interaktion aufgreifen (z. B. Danisol mit der Korkenzieher-Replik).


5. Reputationsmechanismen als Machtstruktur

Forensysteme mit Punkten, Ranglisten, „Mitglied des Monats“ sind institutionalisierte Mechanismen, die Gewichtung sozial sichtbar machen.

Man könnte sagen: Das Forum konstruiert eine Machtordnung auf Basis von Anerkennung (Likes, Punkte), die den Diskurs beeinflusst.

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👉 Fazit soziologisch:
Die Gewichtung der Kommentare entsteht nicht (nur) durch den Inhalt, sondern durch soziales Kapital, Rollen, und die durch das Forum geschaffenen Reputationsstrukturen. Das führt dazu, dass ein inhaltlich belangloser Kommentar von einem „renommierten Autor“ mehr Resonanz erzeugen kann als ein reflektierter Beitrag eines Unbekannten.


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Sozialtheoretische Ergänzungen

1. Systemtheorie (Luhmann)

Kommunikation ist nicht primär an Individuen gebunden, sondern an Systeme (wie das Forum selbst).

Das Forum operiert mit spezifischen Codes: sichtbar hier z. B. „+ Punkte“ oder „Likes“.

Gewichtung entsteht also nicht durch „Wahrheit“ oder „Relevanz“ an sich, sondern durch Anschlussfähigkeit im System: Beiträge, die Likes generieren, sind systemintern „wertvoller“.

Daraus folgt: Ein Scherzbeitrag kann systemtheoretisch genauso „erfolgreich“ sein wie eine fundierte Analyse, solange er Resonanz erzeugt.


2. Habermas: Theorie des kommunikativen Handelns

Habermas unterscheidet zwischen kommunikativem Handeln (auf Verständigung ausgerichtet) und strategischem Handeln (auf Erfolg, Macht oder Anerkennung gerichtet).

In Foren kippt die Kommunikation oft ins Strategische, weil Anerkennung (Likes, Status) ein eigenes Ziel wird.

Die „sozial bedingte Gewichtung“ bedeutet hier: Manche Beiträge haben diskursive Macht, unabhängig von ihrer Argumentationsqualität.

→ Das kann die ideale Sprechsituation (wo nur das bessere Argument zählt) verzerren.


3. Bourdieu: Feldtheorie

Ein Forum ist ein soziales Feld mit eigenen Spielregeln und Kapitalformen.

Kapitalformen:

Kulturelles Kapital → Wissen, kluge Argumente

Soziales Kapital → Beziehungen, Netzwerke

Symbolisches Kapital → Status, Anerkennung (Likes, Punkte)


Das Feld des Forums belohnt v. a. symbolisches Kapital → Wer „renommiert“ ist, wird überproportional gehört.

→ Die Gewichtung ist also eine Feldlogik: Status schlägt Inhalt.


4. Foucault: Diskursmacht

Diskurse sind nicht neutral, sondern durchzogen von Macht.

„Renommierte Autoren“ haben durch ihre Positionierung im Diskurs mehr Definitionsmacht.

Selbst ein kurzer oder banaler Kommentar von ihnen kann den Diskurs lenken (z. B. weil andere User ihn zitieren oder weiterverarbeiten).

Gewichtung ist also nicht nur Anerkennung, sondern Macht über den Diskurs.

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Zusammenfassung

Sozialtheoretisch kann man also sagen:

Luhmann → Gewichtung entsteht durch systeminterne Anschlussfähigkeit (Likes, Punkte).

Habermas → Gewichtung kann den Diskurs von argumentativer Qualität hin zu strategischem Statusspiel verschieben.

Bourdieu → Gewichtung basiert auf Kapital (symbolisches Kapital > kulturelles Kapital im Forum).

Foucault → Gewichtung ist Ausdruck von Macht im Diskurs, nicht nur Popularität.

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👉 Damit lässt sich dein Phänomen klar einordnen: Die soziale Gewichtung von Kommentaren in Foren ist weniger eine Funktion ihrer inhaltlichen Substanz, sondern das Ergebnis von sozialer Positionierung, symbolischem Kapital und den Machtstrukturen des Kommunikationsraums.

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Das hast du schön von ChatGPT analysieren lassen 😄

Ich finde es prinzipiell gut, dass man sich dieser potenziell verzerrenden Effekte bewusst ist, aber die beschriebenen Grundzüge wirst du nicht so leicht loswerden, weil sie sich auch außerhalb des Forums, z.B. in der Politik zeigen. Wenn dir was nicht passt, kannst du ja konkrete Verbesserungsvorschläge machen.

 

vor einer Stunde, Felm schrieb:

„Renommierte Autoren“ haben durch ihre Positionierung im Diskurs mehr Definitionsmacht.

Die renommierten Autoren sind diejenigen, die das Forum über Jahre geprägt haben und dementsprechend auf den aktuellen Zustand des Forums hingearbeitet haben. Sie haben damit auf natürliche Weise definiert, was im Forum diskutiert wird und welches Mindset die Community hat. In einer Partei sind die Altmitglieder diejenigen, die über viele Jahre die Entwicklung mitgetragen haben und dementsprechend auch diejenigen, bei denen sich andere Rat holen.

 

vor 1 Stunde, Felm schrieb:

In Foren kippt die Kommunikation oft ins Strategische, weil Anerkennung (Likes, Status) ein eigenes Ziel wird.

Es ist eine in vielen Aspekten des Lebens hilfreiche Fähigkeit inhaltslose Strategiebeiträge als solche zu erkennen. Ich kann jedem User empfehlen, sich dahingehend zu sensibilisieren. Und für die Qualität der Diskussionen hier wäre es ein Gutes, wenn solche Beiträge nicht hervorgehoben werden oder wenn man nachbohrt.

 

vor 1 Stunde, Felm schrieb:

Ein Scherzbeitrag kann systemtheoretisch genauso „erfolgreich“ sein wie eine fundierte Analyse, solange er Resonanz erzeugt.

Die Leute sind letztendlich auch zur Unterhaltung hier. Ich bin für mehr erfolgreiche Scherze.

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