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Dolce far niente

Eintrag erstellt von Zlatanos · - 833 Ansichten

Dolce far niente

Ich sitze gerade entspannt auf Arbeit. Die Sonne scheint mir ins Gesicht, ich mache eine kurze Pause. Ein doppelter Espresso, dazu Tiramisu und Musik von Al Green. Mein Gott, das Leben kann so einfach und doch so schön sein. Ich surfe gedankenversunken in Facebook rum. Was für ein absoluter Blödsinn diese Plattform eigentlich ist. Aber dann seh ich doch etwas Brauchbares: Nächste Woche ist Thorsten Havener in Schwerin. Ich bestelle reflexartig eine Karte für mich. Der Typ ist genial. Körperspracheprofi und Hypnosekünstler. Auf sowas steh ich. Die letzte Karte. Ich grinse süffisant und geb mir mental ein High Five. Da sitzt bestimmt noch jemand irgendwo in der Nähe und weint jetzt. hähä

Eine Freundin meldet sich. "Nächsten Freitag sind Motörhead in Hamburg, gehst du mit mir hin?" Natürlich, Zuckerarsch, sagt die Stimme in meinem Kopf die wie Mickey Rourke klingt. Wenn es erstmal läuft, dann läuft es einfach. Ich erinnere mich an Sin City. Der erste Teil war grandios. Ich merke, dass grandios mein neues Lieblingswort ist.

"Here I am come and take me" säuselt mir Al durch die Lautsprecher. Mein Gott, der Typ ist echt ein Büchsenöffner.

Ein Kumpel schreibt mir. Er ist wieder Single, wir müssen unbedingt was machen. Gott sei Dank, seine Freundin war eine Mischung aus Carmen Geissen und Kim Jong Un. Dabei fällt mir auf, dass momentan viele wieder Single sind. Ungewöhnlich, da der Winter eigentlich genau das Gegenteil bewirkt. Aber wir haben keinen Winter. Kein Kuscheln? Irgendwie gerät so einiges aus den Fugen.

Ich beschließe mit ihm demnächst feiern zu gehen. Der Junge braucht Spaß und ein wenig Ablenkung. Er ist einer von der Sorte, die nach einer Trennung rotzevoll jede Frau anquatschen und nach ausbleibendem Erfolg - wen wunderts - dann vollkommen deprimiert sind. Wird schon, denk ich mir.

Eine Kollegin kommt in mein Büro. "Na, du bist ja auch voll entspannt, was?"

"I am so full of fire" singe ich im Duett mit Al. Unschlagbares Team, wir zwei. Meine Kollegin geht leicht verstört, aber meiner Meinung nach auch sichtlich angetan von meinem musikalischen Talent wieder aus meinem Büro.

Dolce far niente. Das süße Nichtstun.

Es ist die italienische Lebensweise schlechthin. Die haben es einfach drauf, was das genießen angeht. Ich liebe es. Tolles Land!

Den Spruch kenne ich aus dem Film "Eat, Pray, Love". Guter Film, trotz Julia Roberts. Grandioser Film. Haha, grandios. Nice.

Ich beschließe eine Freundin anzurufen und sie auf einen Film - Eat, Pray, Love - einzuladen. Die Frau kocht wie eine Göttin und tanzt dabei. Es ist hypnotisierend. Dabei fällt mir auf, dass ich absolut nicht mehr tanzen kann. Ich frage mich, ob ich einen Kurs besuchen sollte. Facebook gibt mir leider kein Feedback. Ich beschließe daraufhin diesen Text zu schreiben.

Eine Freundin macht sich darüber lustig, dass ich eine Nachricht bei Whatsapp gelesen, aber nicht beantwortet habe. Stasi Whatsapp, nennt sie es. Blaue Häkchen. Heißes Thema heute. Alle Welt diskutiert darüber.

Ich trinke derweil meinen Espresso und kratze mich am Rücken.

Diese Mischung aus entspannter Musik und starkem Kaffee lässt mich durch's Büro tanzen und singen.

Es kam zum Glück keiner rein, wobei die mich eh alle für bekloppt halten. Vielleicht haben sie auch Recht.

Ich höre, wie sich Kollegen über die Bahn aufregen. Ich unterbreche kurz meinen Tanz, der - wie ich finde- keines Kurses bedarf, muss eh was drucken. Dabei gehe ich an ihnen vorbei und frage nur kurz, wie die Umstände der Leute sind und wofür sie eigentlich streiken.

Fragende Gesichter. "Hab ich mir gedacht."

Damit war das Thema geklärt.

Ich wundere mich, worüber sich die Leute alles aufregen. Dabei komm ich zu dem Ergebnis, dass es total egal ist. Hauptsache man kann sich über irgendwas aufregen. Typisch deutsch.

Ich setze mich wieder in mein Büro und die Entspannung ist wieder voll auf ihrem Höhepunkt. Boom shakalaka.

Mir fällt ein, dass Ende November Atze Schröder nach Schwerin kommt und meine liebe Schwester mir Karten geschenkt hat. Bester Mann. Atze. Grandios.

Ich beschließe, dass dieser Monat mein absolutes Highlight dieses Jahr wird. Wann immer sich eine Gelegenheit ergibt, werde ich sie wahrnehmen.

Letztes Wochenende, 1. November, Monatsanfang, Reeperbahn. Eskalationsabend, mit allem, was sich ein Mann so wünscht. Hotelzimmer, Mädel, coole Kumpels und Bayern hat auch gewonnen. Da wusste ich schon, dass dieser Monat unsterblich wird.

Ich denke kurz über das Wort "Unsterblichkeit" nach. Wie macht man sich selbst eigentlich unsterblich? Ich denke über den Film Troja nach. "Man wird sich in Tausend Jahren noch an ihn erinnern". Cool, das will ich auch. Aber wie mach ich das?

Ich merke, die Antwort auf diese Frage könnte etwas länger dauern und verschiebe kurzfristig.

Mein Kaffee ist leer und ich merke schlagartig, dass Unendlichkeit so eine Sache ist.

Ein Geschäftspartner ruft mich an und bestätigt mir, dass ich verdammt gute Arbeit gemacht habe. "Put it on paper" singt Al und unbewusst antworte ich so dem Kunden, der daraufhin kaum mehr aufhören kann zu lachen. Nachdem ich realisiert habe, was da gerade abging, gibt mir Mickey ein High Five.

Ich habe Anfang der Woche in Dortmund schon gemerkt, dass die Zukunft erfolgsversprechend sein wird.

Und das nicht nur beruflich.

Mickey Rourke nickt mir zu und ich weiß, der Monat wird ein Highlight.



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