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es ist schön euch wie-der-zu-sehn ; )

Laaaange habe ich mich nicht mehr gemeldet, aber das letzte Jahr hat mir viel abverlangt. Letzte Semester Studium und die Masterarbeit mussten erfolgreich absolviert werden. Alles geklappt, hab jetzt meinen M.Sc. als W-Ing. Die letzten drei-vier Monate meiner Masterarbeit haben mich wohl in den Burn-Out getrieben. Ich schrieb nicht einfach die MA, ich WAR die MA... Na jedenfalls habe ich (mal wieder) meine kompletten Bedürfnisse hinten angestellt: Ich habe die WE's durchgearbeitet, habe ALLES ausgeblendet, keine Feiern, Kollegen habe ich manchmal erst nach drei Wochen wieder gesehen. Ich bin geistig total in der Arbeit versunken. Da einige Themen nicht Bestandteil des Studiums waren und der Prof auch keinen Schimmer hatte bin ich zwischenzeitlich mehrmals "gestorben". Mit Kopfschmerzen ins Bett, mit Kopfschmerzen aufgestanden etc.

Jedenfalls bin ich seit Mitte Oktober endlich fertig, vor allem mit mir und der Welt. Beruflich läuft ja der Laden, umsonst habe ich mir nicht den Arsch aufgerissen. Aber mir geht diese totale Selbstaufgabe mächtig gegen den Strich. Leider bin ich als Mensch schlecht im "Maß halten", da neige ich lieber zum Extremen, egal ob im Studium, in der Liebe oder im Sport. Nach der Abgabe meiner Arbeit hatte ich zwei Wochen frei, aber erholt fühle ich mich nicht. Abends schlafe ich meist schon um 21:00 ein,  Bin auch oft erkältet oder fühle mich extrem angeschlagen. Alkohol wird mir immer mehr zu wider (liegt vllt auch am Alter, bin jetzt 29) und wenn ich trinke dauert der Kater gefühlt eine Woche. Innerlich fühle ich mich dauerangespannt. Dieses Gefühl zieht sich jetzt schon mehr oder weniger durch mein Studium. Auslöser war die Trennung von meiner damaligen Ex (warmer Wechsel mit einem der dicksten Kumpels nach knapp 5 Jahren + weitere "Unannehmlichkeiten"). Es wäre wohl am treffendsten wenn ich sagen würde, dass mich das Studium aufgefressen hat.

Jetzt war ich bei zwei Ärzten, habe mir Blut nehmen lassen und ins Becherchen gepisst. Fazit: Körperlich alles ok, Aber: Psychisch erschöpft (ich nehm es nur ungern in den Mund, aber dazu sagt man wohl "Burnout"). Der zweite Doc hat mir den Kopf gewaschen und sinngemäß Folgendes gesagt: "Such dir ne Frau, bau dir einen ordentlichen Freundeskreis und ein Privatleben auf. In zehn Jahren wirst du mir für den Tipp danken". Das fand ich sehr fachmännisch, da er wohl mehrere Bekannte in seinem Umfeld hat, die den Tipp ignoriert haben und jetzt mit Ende 30/ Anfang 40 alleine dastehen.

Mir hat mein Studium inhaltlich Spaß gemacht. Beim Job ist es das Gleiche. Ich habe kein Problem mit Verantwortung oder komplexen Aufgaben. Das Problem ist nur das Abschalten. Neulich war ich noch um 21:30 Uhr für ein Projekt am googeln, weil mir "noch was eingefallen". Oft liege ich noch im Bett und denke über den ganzen Mist nach. Nur geht es mir so sehr auf den Sack, dass mir mein Leben regelrecht zwischen den Figern zerrinnt. Ich habe irgendwie keinen Selbstbezug mehr, kann das schwer beschreiben. Mir fehlt ein positives Selbstbild. Und der Genuss am Leben. Ich habe das im Studium richtiggehend verlernt. Trotz Erfolge bei Frauen, im Studium und jetzt im Job bin ich einfach nicht glücklich und überarbeitet. Zurzeit bin ich krank und ich habe tatsächlich ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht auf Arbeit gehen kann.

Leute ich habe keinen Bock mehr. Seit Wochen bin ich platt, war im August das letzte Mal zum Sport, weil das Schreiben der Arbeit soviel Energie gezogen hat (nebenbei war noch ein Umzug zu stemmen und eine Sommergrippe konnte nicht wirklich auskuriert werden). Auf Arbeit soll ich nun ein neues Geschäftsfeld aufbauen (mit Aussicht auf Geschäftsführung) - der Druck wird also nicht weniger. Mir fehlt Lebensfreude, Spaß am Flirten und Vögeln, Spaß am Weggehen, Spaß am Treffen mit den Freunden. Mich kotzt es an, aber sowas von. Jahrelang hab ich mich durch das Studentenleben gequält (beknackte Stadt (bin jetzt in einer richtigen Stadt, also hier wurde schon verbessert ;-)), langweilige Kommilitonen, wahnsinnig viel Prüfungen), weil ich mir gesagt habe: "Wenn du xyz hast, DAAAANNNNN wird es wieder besser". Nur ist es irgendwie nicht besser geworden.

Ich freue mich auf Antworten, vielleicht gibt es ja Leute mit ähnlichen Lebenserfahrungen - es tut gut mal wieder hier zu sein.

VG

bondig

PS: Bekomme ich eine Benachrichtigung, wenn der Schiebebalken "rot" oder "grün" angezeigt, der Regeler (weißer Punkt) links oder rechts steht?!

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Zuerst mal - Glückwunsch! Du hast was erreicht, was viele nicht auf die Kette bringen, nämlich einen guten Abschluss gemacht in einem Thema, dass Dir Spass macht, und auch gleich im Anschluss einen guten (gut bezahlten?) Job gefunden.  Was Du jetzt erlebst... ist nicht selten, im Gegenteil. Ich bin kein Psychologe oder ähnliches, aber ich habe beruflich etwas Erfahrung und arbeite viel mit Masteranden/Doktoranden und sehe, wo es bei denen hin geht. 

Eigentlich alle, die ich kenne, waren nach Abschluss ihres Studiums erst einmal erschöpft. Ausgepowert. Leer. Du bist dazu noch direkt eingestiegen. Bist umgezogen. Warst krank. Und hast dann nur 2 Wochen Pause gemacht, das ist viel zu kurz, um sich zu erholen, wenn Du längere Zeit unter Vollast gelaufen bist. Klar - wenn direkt der Arbeitseinstieg lockt, sagt man nicht 'nein'. Aber dennoch: schau mal, ob Du nicht in absehbarer Zeit mal einen längeren Urlaub planen kannst, zum Beispiel nach einem halben Jahr Arbeit oder so. Das ist zwar noch ne Weile hin, gibt aber immerhin Perspektive.

Urlaub ist aber ein Pflaster. Um langfristig erfolgreich und entspannt zu sein, musst Du ein paar Dinge grundlegend umstellen:

- lerne, Dich nicht über Deine Qualifikation, Dein Thema und Deine Arbeit zu definieren. Natürlich ist das wichtig und gehört zu Dir. Und ja, Du kannst und solltest stolz darauf sein. Aber das bist eben nicht Du. Ein Problem hier ist, dass leider viele Arbeitgeber diese 'Selbstaufgabe', dieses Verschwimmen von Person und Beruf befeuern. Die sind froh, wenn der Neue abgeht wie Schmitz' Katze bei der Arbeit - Gung Ho! Leider ist ihnen die Privatperson Bondig in allerletzter Näherung völlig egal - solltest Du wirklich irgendwann mal ausbrennen, warst Du halt nicht ganz stabil, und es kommt der nächste. Egal, ob Dir Chef, Personalkonzept und Firmenmarketing was anderes suggerieren: so sieht's aus. Sie meinen nicht Dich. Sie meinen das, wa Du für sie tun kannst. Dafür gibt's dann Geld. Alles andere ist falsche Romantik. Die leider gerade in den Bereichen Wirtschaftsingenieurwesen und auch Wirtschaftsberatung sehr hoch gehalten wird.

- wenn Du Schwierigkeiten hast, Dich zeitlich abzugrenzen von Deiner Arbeit, dann schaff Dir eine Routine. Feste Zeiten für Sport, für Freunden, mindestens mal einen völlig arbeitsfreien Tag am Wochenende. Manchmal muss man sich selbst organisieren und auch zu seinem eigen Glück zwingen. Die wenigsten lernen das übrigens während des Studiums, weil im Studium selbst (liebe Studenten: mal weghören!) kaum so fokussiert und ausdauernd gearbeitet werden muss. 

- neue Stadt, neuer Freundeskreis - muss her! Da Du zeitlich stark eingbunden bist, hält der alte Freundeskreis oft nicht - kann man nicht entsprechend pflegen, und durch die räumliche Distanz bricht naturgemäß vieles weg. Schau Dich mal um - Du bist in einer großen Stadt, wie kannst Du Deine freie Zeit anders als mit Kollegen verbringen?

Was Du gerade erlebst, sollte eigentlich ne super Zeit sein, ist aber in der Tat für viele ziemlich schwer. Wird aber bei den meisten auch wieder. Pass auf Dich auf. Und schau in Deine Signatur: 'Pain is temporary, pride is forever'.

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vor einer Stunde schrieb botte:

Zuerst mal - Glückwunsch! Du hast was erreicht, was viele nicht auf die Kette bringen, nämlich einen guten Abschluss gemacht in einem Thema, dass Dir Spass macht, und auch gleich im Anschluss einen guten (gut bezahlten?) Job gefunden.  Was Du jetzt erlebst... ist nicht selten, im Gegenteil. Ich bin kein Psychologe oder ähnliches, aber ich habe beruflich etwas Erfahrung und arbeite viel mit Masteranden/Doktoranden und sehe, wo es bei denen hin geht. 

Eigentlich alle, die ich kenne, waren nach Abschluss ihres Studiums erst einmal erschöpft. Ausgepowert. Leer. Du bist dazu noch direkt eingestiegen. Bist umgezogen. Warst krank. Und hast dann nur 2 Wochen Pause gemacht, das ist viel zu kurz, um sich zu erholen, wenn Du längere Zeit unter Vollast gelaufen bist. Klar - wenn direkt der Arbeitseinstieg lockt, sagt man nicht 'nein'. Aber dennoch: schau mal, ob Du nicht in absehbarer Zeit mal einen längeren Urlaub planen kannst, zum Beispiel nach einem halben Jahr Arbeit oder so. Das ist zwar noch ne Weile hin, gibt aber immerhin Perspektive.

Urlaub ist aber ein Pflaster. Um langfristig erfolgreich und entspannt zu sein, musst Du ein paar Dinge grundlegend umstellen:

- lerne, Dich nicht über Deine Qualifikation, Dein Thema und Deine Arbeit zu definieren. Natürlich ist das wichtig und gehört zu Dir. Und ja, Du kannst und solltest stolz darauf sein. Aber das bist eben nicht Du. Ein Problem hier ist, dass leider viele Arbeitgeber diese 'Selbstaufgabe', dieses Verschwimmen von Person und Beruf befeuern. Die sind froh, wenn der Neue abgeht wie Schmitz' Katze bei der Arbeit - Gung Ho! Leider ist ihnen die Privatperson Bondig in allerletzter Näherung völlig egal - solltest Du wirklich irgendwann mal ausbrennen, warst Du halt nicht ganz stabil, und es kommt der nächste. Egal, ob Dir Chef, Personalkonzept und Firmenmarketing was anderes suggerieren: so sieht's aus. Sie meinen nicht Dich. Sie meinen das, wa Du für sie tun kannst. Dafür gibt's dann Geld. Alles andere ist falsche Romantik. Die leider gerade in den Bereichen Wirtschaftsingenieurwesen und auch Wirtschaftsberatung sehr hoch gehalten wird.

- wenn Du Schwierigkeiten hast, Dich zeitlich abzugrenzen von Deiner Arbeit, dann schaff Dir eine Routine. Feste Zeiten für Sport, für Freunden, mindestens mal einen völlig arbeitsfreien Tag am Wochenende. Manchmal muss man sich selbst organisieren und auch zu seinem eigen Glück zwingen. Die wenigsten lernen das übrigens während des Studiums, weil im Studium selbst (liebe Studenten: mal weghören!) kaum so fokussiert und ausdauernd gearbeitet werden muss. 

- neue Stadt, neuer Freundeskreis - muss her! Da Du zeitlich stark eingbunden bist, hält der alte Freundeskreis oft nicht - kann man nicht entsprechend pflegen, und durch die räumliche Distanz bricht naturgemäß vieles weg. Schau Dich mal um - Du bist in einer großen Stadt, wie kannst Du Deine freie Zeit anders als mit Kollegen verbringen?

Was Du gerade erlebst, sollte eigentlich ne super Zeit sein, ist aber in der Tat für viele ziemlich schwer. Wird aber bei den meisten auch wieder. Pass auf Dich auf. Und schau in Deine Signatur: 'Pain is temporary, pride is forever'.

Vielen Dank für die ausführliche Antwort!!

Tja - das mit dem "Akku leer" wollte ich nie wahrhaben. Eigentlich habe ich immer dann weitergemacht, wenn es weh getan hat. Ich dachte, dass man nur an Herausforderungen wächst usw. Das Ergebnis ist ja benebest, aber mittlerweile ist auch mal wieder gut. Ich will keine 60h im Büro rumrennen, auch wenn ich könnte. Das kreative Arbeiten macht zwar Spaß, aber im Prinzip geht es ja nur darum aus Geld noch mehr Geld zu machen (hab n bissl Marx gelesen und seine These bewahrheiten sich ja immer mehr, das nur am Rande...). Daher sehe ich halt auch nicht ein, warum ich mich jetzt nach bestandenen Abschluss noch weiter derartig aufopfern soll?! Mein Prof würde mir auch eine Promotion ohne Weiteres zutrauen. Ich bezweifle, dass es mir gut tun würde.

Ich möchte mich eigentlich wieder mehr um mich selbst kümmern können, möchte auch mal wieder weg und einfach Lust auf Muschis haben ^^ Seit Jahren versuche ich dieses Gefühl wieder zu erzwingen, aber meine Gedanken kreisen nur um schwere Themen wie Wirtschaft, Technik, Philosphie usw. Die "Soziale Schmiere" ist irgendwie total untergegangen und das obwohl ich prinzipiell ein kommunikativer, unterhaltsamer Typ bin.  In der Zeit vorm Studium lief es ja auch gut mit den Frauen. Und aktuell bin ich, wie gesagt, einfach nur erledigt. Die Tipps sind auf jeden Fall gut, es "beruhigt"  mich auch irgendwo, dass ich kein Einzelfall bin. Andererseits verbittert es mich auch. Ich versuche fast schon krampfhaft positive Emotionen zu provozieren. Früher war das toll, wenn mich Frauen angegrinst haben. Heute ist es nur noch nett. Anstatt an Frauen/Sport/Freunde zu denken habe ich mich gestern dabei ertappt, wie ich bei einer Fernhochschule nach akademischen Weiterbildungen Ausschau gehalten habe... Es macht mir ja Spaß, das Lernen, Verstehen und Anwenden. Je mehr ich weiß, desto besser kann ich arbeiten; ich kann die "Nerds" am CERN oder ITER oder in Greifswald einfach verstehen, so eine Welt nimmt einen regelrecht gefangen - da gibt's dann nicht mehr viel außenrum. Nur vergesse ich mich selbst dabei immer mehr und ich merke, wie es mir auch regelrecht "physisch" weh tut. Innere Anspannung, Druck auf den Schädel usw.

Ich muss da schleunigst was unternehmen, ansonsten geh ich jämmerlich ein glaube ich...

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vor 7 Minuten schrieb Bondig:

Tja - das mit dem "Akku leer" wollte ich nie wahrhaben. Eigentlich habe ich immer dann weitergemacht, wenn es weh getan hat. Ich dachte, dass man nur an Herausforderungen wächst usw. Das Ergebnis ist ja benebest, aber mittlerweile ist auch mal wieder gut. Ich will keine 60h im Büro rumrennen, auch wenn ich könnte. Das kreative Arbeiten macht zwar Spaß, aber im Prinzip geht es ja nur darum aus Geld noch mehr Geld zu machen (hab n bissl Marx gelesen und seine These bewahrheiten sich ja immer mehr, das nur am Rande...). Daher sehe ich halt auch nicht ein, warum ich mich jetzt nach bestandenen Abschluss noch weiter derartig aufopfern soll?! Mein Prof würde mir auch eine Promotion ohne Weiteres zutrauen. Ich bezweifle, dass es mir gut tun würde.

Ist gut, dass Du das erkannt hast. Wenn man sein Studienfach oder spaeter seinen Job liebt, liegt der Gedanke sehr nahe, mehr Belastung oder hoehere Ansprueche einfach durch mehr Arbeit und mehr Aufmerksamkeit zu kontern. In der Schule oder im Studium geht das meist auch, da man nicht ueber laengere Zeit an seiner Belastungsgrenze arbeiten muss. Das kommt dann aber bei der Abschlussarbeit bzw. wenn man anfaengt, in einem vermeintlichen Traumjob Vollzeit zu arbeiten. 

Mehr Invest wird Dich nicht retten. Du kannst den Berg an Arbeit, der jetzt auf Jahre vor Dir liegt, nicht einfach so durchtunneln. Du musst Dein Game in Bezug auf die Arbeit und Deine Zeit- und Lebenseinteilung umstellen, um das langfristig stabil durchziehen zu koennen und auch weiterhin Erfolg zu haben. Anders arbeiten, nicht mehr. Und mit etwas mehr Musse kommt dann auch wieder die Lust auf Muschis. Nicht andersrum bitte - wenn Du versuchst, auf Deinen jetzigen Alltag eine Beziehung oder Sport oder Aktivitaet einfach noch oben drauf zu legen, geht das wahrscheinlich irgendwann schief. Been there, done that.

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vor 2 Stunden schrieb botte:

Ist gut, dass Du das erkannt hast. Wenn man sein Studienfach oder spaeter seinen Job liebt, liegt der Gedanke sehr nahe, mehr Belastung oder hoehere Ansprueche einfach durch mehr Arbeit und mehr Aufmerksamkeit zu kontern. In der Schule oder im Studium geht das meist auch, da man nicht ueber laengere Zeit an seiner Belastungsgrenze arbeiten muss. Das kommt dann aber bei der Abschlussarbeit bzw. wenn man anfaengt, in einem vermeintlichen Traumjob Vollzeit zu arbeiten. 

Mehr Invest wird Dich nicht retten. Du kannst den Berg an Arbeit, der jetzt auf Jahre vor Dir liegt, nicht einfach so durchtunneln. Du musst Dein Game in Bezug auf die Arbeit und Deine Zeit- und Lebenseinteilung umstellen, um das langfristig stabil durchziehen zu koennen und auch weiterhin Erfolg zu haben. Anders arbeiten, nicht mehr. Und mit etwas mehr Musse kommt dann auch wieder die Lust auf Muschis. Nicht andersrum bitte - wenn Du versuchst, auf Deinen jetzigen Alltag eine Beziehung oder Sport oder Aktivitaet einfach noch oben drauf zu legen, geht das wahrscheinlich irgendwann schief. Been there, done that.

Das mit dem "Durchtunneln" dämmert mir auch langsam... Aktuell besteht die Aufgabe im Business Development, also dem Aufbau eines neuen Geschäftsfeldes (Asset Management bzw. Instandhaltungsmanagement). Das macht mir schon mal ein schlechtes Gewissen - im Gegensatz zu meinen Arbeitskollegen erwirtschafte ich ja noch Nichts für das Unternehmen. Das wurmt schon und ich möchte natürlich auch etwas mit Hand und Fuß auf die Beine stellen. So viel Spielraum zu haben ist für einen Berufsanfänger sicherlich ungewöhnlich, ich sehe das auch als riesen Chance. Man vertraut mir und ich habe viel getan, um diese Vertrauen in mein Können zu gewinnen. Andererseits setzt es eben unter Druck. Frisch vom Studium hat man einfach keinen Dunst, wahrscheinlich ist alles halb so wild wie ich es mir gerade vorstelle, aber Glauben ist nun mal nicht Wissen...

Hinzu kommt meine "Lernsucht". Wenn ich könnte würde ich den ganzen Tag nur lesen, rechnen und mich weiterbilden. Für die Thesis habe ich mehr als 2000 Seiten Fachliteratur durchgearbeitet. Die ersten drei Monate habe ich nur gelesen, Informationen gesammelt und mir eine Gliederung aufgebaut. Die Arbeit habe ich im Großen und Ganzen in 2,5 Monaten runtergeschrieben. Das ging dann auch mächtig an die Substanz. Nur ist es so befriedigend neues Wissen zu erlernen und dann auch anzuwenden. Man kann sich dann einfach die Welt nach den eigenen Vorstellungen immer besser gestalten. Wenn ich könnte hätte ich Maschinenbau, WiWi und Philosphie seperat studiert. Und Sport natürlich ^^ Aktuell grinst mich, wie bereits erwähnt, eine Weiterbildung bzw. ein Hochschulzertifikat von der AKAD-Fernhochschule an. Da muss ich mich selbst auch mal ausbremsen. Manachmal fühlt sich mein Schädel so an, als ob er wegexplodiert. Ich habe permanent Ideen und Gedanken, das ist eine regelrechtes Assoziations-Feuerwerk - nur kostet es so unglaublich viel Energie. Ich kann das schwer beschreiben...

Du schreibst "been there, done that" - ich schließe, dass du einen ähnlichen Leidensweg hinter dich gebracht hast. Was hat geholfen? Freundin? Freunde? Sport? Alles zusammen? Oder "Reframing"??? Wobei ich keine Ahnung habe, wie ich das Deichseln soll...

Danke auf jeden Fall ; )

PS:

Was mir gerade noch einfällt: Mir wird meine eigene Sterblichkeit (und somit auch Gesundheit) immer bewusster. Ich lebe (wie man es denke ich auch aus meinen Posts herauslesen kann) intesives Leben. Wenn ich etwas tue, dann immer mit voller Hingabe. Ich möchte es "durchdringen", es komplett verstehen. Leider steigert das den Druck jetzt noch mehr. Druck ist glaube ich das treffende Wort für alle meine Probleme. Ich muss vögeln, ich muss Sport machen, ich muss ein Geschäftsfeld aufbauen, ich muss lernen und noch mehr wissen, ich muss gut aussehene, witzig/charmant/ gebildet sein usw. usf. Das Leben ist so reich an Themen und Dingen die man entdecken kann, dass es mich manchmal regelrecht überwältigt. Öffnet man einen Raum hat man wieder drei Türen zu drei weiteren Räumen usw. Und je mehr ich über die Sterblichkeit nachdenke, desto mehr möchte ich wieder "empfinden". Lieben, lachen, traurig sein, sich mal auf etwas freuen etc. Nach der Trennung habe ich es verlernt, Emotionen wirklich zu leben. Aber wirklich lebenswert ist der Zustand nicht, da bringen mir auch die Erfolge nichts...

bearbeitet von Bondig

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Sollte eigentlich ein geiler Zustand sein, oder? Dieses Gefühl, dass Dir das Leben mehr bietet, als Du zu Lebzeiten verarbeiten oder genießen kannst. Zuerst mal: ist das ein totales Luxusproblem, die meisten Menschen sind schon froh, wenn Ihnen eine halbe Stunde ihres Tages interessant und lebenswert erscheint. Sei auch dankbar dafür.

Ein Problem ist es aber dennoch, da Du es derzeit anscheinend nicht filtern, moderieren oder kanalisieren kannst. Weil Du für Dich noch keine Prioritäten gefunden hast, und die Prioritäten anderer Instanzen in Deinem Leben noch nicht einordnen kannst. Kleiner Tipp vielleicht an der Stelle: durchdringe nicht nur Dinge und Themen. Lerne auch Leute zu studieren. Beobachte Deinen Chef, Deine Kollegen, Kunden. Vieles im Leben ist verhandelbar, wenn Du Dein Gegenüber kennst. Das wird Dir mittelfristig zumindest helfen, den Druck von aussen zu reduzieren. Der Druck, den Du Dir selbst machst, ist ein anderes Ding.

Patentrezepte habe ich übrigens auch nicht, hab aber ein paar Dinge auf die harte Tour gelernt ;)

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vor 20 Stunden schrieb botte:

Sollte eigentlich ein geiler Zustand sein, oder? Dieses Gefühl, dass Dir das Leben mehr bietet, als Du zu Lebzeiten verarbeiten oder genießen kannst. Zuerst mal: ist das ein totales Luxusproblem, die meisten Menschen sind schon froh, wenn Ihnen eine halbe Stunde ihres Tages interessant und lebenswert erscheint. Sei auch dankbar dafür.

Ein Problem ist es aber dennoch, da Du es derzeit anscheinend nicht filtern, moderieren oder kanalisieren kannst. Weil Du für Dich noch keine Prioritäten gefunden hast, und die Prioritäten anderer Instanzen in Deinem Leben noch nicht einordnen kannst. Kleiner Tipp vielleicht an der Stelle: durchdringe nicht nur Dinge und Themen. Lerne auch Leute zu studieren. Beobachte Deinen Chef, Deine Kollegen, Kunden. Vieles im Leben ist verhandelbar, wenn Du Dein Gegenüber kennst. Das wird Dir mittelfristig zumindest helfen, den Druck von aussen zu reduzieren. Der Druck, den Du Dir selbst machst, ist ein anderes Ding.

Patentrezepte habe ich übrigens auch nicht, hab aber ein paar Dinge auf die harte Tour gelernt ;)

Sry, wollte gestern noch schreiben, aber die Erkältung hat mich umgehauen...

Den Hinweis, Menschen zu studieren, werde ich in Zukunft mehr beherzigen ; ) Und ja: Aktuell bin ich wohl noch am modulieren bzw. "einschwingen". Danke auf jeden Fall für die Tipps bis hierhin

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Unfassbar, finde mich da selbst voll wieder in deinen Worten @Bondig. Bin selbst kurz vor Abschluss des Masters und haue jetzt noch nebenbei 2 Onlinekurse rein, weil ich mich ein wenig umorientieren will und dafuer Programming-Skills benoetige. Was mein Studium allerdings angeht, fuehle ich irgendwie eine gewisse Leere, da eine gewisse Unterforderung besteht. Hoffe du ueberstehst deinen derzetigen Slump und berichtest weiter, damit auch andere wie ich davon lernen koennen.  

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vor einer Stunde schrieb suchti-one:

Unfassbar, finde mich da selbst voll wieder in deinen Worten @Bondig. Bin selbst kurz vor Abschluss des Masters und haue jetzt noch nebenbei 2 Onlinekurse rein, weil ich mich ein wenig umorientieren will und dafuer Programming-Skills benoetige. Was mein Studium allerdings angeht, fuehle ich irgendwie eine gewisse Leere, da eine gewisse Unterforderung besteht. Hoffe du ueberstehst deinen derzetigen Slump und berichtest weiter, damit auch andere wie ich davon lernen koennen.  

Danke dir ; ) Übertreib es nicht mit deinen "Add Ons"... Menschen sind natürlich individuell belastbar; ich für meinen Teil hätte neben dem Studium keine Onlinekurse bewältigen können. Dazu war es einfach zu viel an Stoff und Prüfungen. Ich habe nach der Trennung damals alles hinten an gestellt. Prio hatte das Studium. Dafür muss man natürlich auch einen bestimmten Preis bezahlen ; )

Irgendwann muss man sich selbst eingestehen, dass man nicht alles wissen und können kann. Auch wenn die intellektuellen Kapazitäten da sind - das Leben ist vielleicht doch zu kurz, um nur zu lernen.

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Melde mich aus dem komplett anderen Lager.

Wärend der Studi Zeit das Leben genossen, viel mit Frauen gemacht, schöne Autos gefahren...auf Messen im VIP Bereich rumgehangen ohne Eintrittskarte 🙂

Natürlich konnte man da auch nie genug bekommen, vor allem Sex/Frauen und Alkohol, von da her würd ich da sogar Parallelen sehen. 

Ich würde das Ganze auch nicht bewerten, ehrlich gesagt bewundere ich dich sogar! 
 

So eine Disziplin, so einen Lerneifer, das hat schon was! Was du aber echt machen solltest, ist einen Gang zurückschalten.

Egal ob Studium oder Job, eine gewisse Balance muss eingehalten werden, sonst ist man bald am Ende.

 

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