Große Selbsterkenntnis nach Oneitis

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Hallo Bro's,

 

vor drei Wochen hat meine EX unsere LTR nach 2 Jahren beendet. Ich muss nun etwas weiter ausholen, um die ganze Geschichte und worauf ich hinaus will, verständlich zu machen. 

Ich war seit Wochen, ja Monaten nicht mehr glücklich in meiner LTR. Wollte mich ständig trennen aber hab irgendwie nie die Eier in der Hose gehabt die Sache zu beenden. Ich hab mich ihr gegenüber ziemlich Kalt verhalten, kein Bock mehr auf Sex gehabt, heimlich andere HBs gedatet, ihr kennt das. Sie hat deswegen viel geweint, wollte sie über die Zukunft sprechen, habe ich den Gedanken an Kinder und Heirat belächelnd als "mit-mir-nicht" abgetan. Ich war ehrlich gesagt ein Arschloch, sie total geduldig, aber irgendwann war's ihr dann wohl doch zu viel und boom kam die Trennung. Ich sollte also glücklich sein, hat sie doch endlich den Schritt gewagt und die Sache beendet. Aber nein, statt Erleichterung und Wohlsein über den neuen Duft der Freiheit, bahnte sich langsam aber sicher eine Oneitis an. 

Als sie mir morgens mitteilte, dass sie Schluss machen wolle, sagte ich ihr, dass ich es akzeptiere, packte meine Klamotten und ging. 10 Tage lang meldete ich mich nicht bei ihr und  von ihr kam auch nichts, bis ich den klassischen Fehler machte und mit ihr nochmal über alles reden wollte. Sie wollte auch hören, was ich zu sagen hatte, aber quittierte meine Rede mit einem kühlen "es ist vorbei. Ich will das du das akzeptierst" no more-no less.

Ich glaube nichtmal, dass meine Rede schlecht war, sondern eher, dass sie bereits in der Beziehung losgelassen hat und nun so weit emotional von mir entfernt war, dass sie diesen Schritt gehen konnte. Es gab Zeiten, da hätte ich meine Liebe beteuert und gefleht und gebettelt, dass sie es sich bitte nochmal überlegen solle. Mit Geschenken hätte ich sie überhäuft und mit Vorwänden, sie zu treffen strapaziert, aber diesmal nicht.

Ich tat etwas, was ich früher nie konnte. Ich akzeptierte tatsächlich, dass sie nicht mehr will. Ich stand auf und ging und plötzlich fing es an. Wann war sie zuletzt online? Wo treibt sie sich zurzeit rum? Denkt sie auch an mich? Oneitis - ich bin betroffen!

Aber wie kam es dazu? Ich sollte glücklich sein, den Ballast der Beziehung endlich abwerfen zu können, war es doch genau das, was ich mir die ganze letzte Zeit gewünscht habe. Doch statt Erleichterung nur ein beklemmendes Gefühl in der Brust. Ich musste mir eingestehen, dass sie mir fehlt. Ein Teil von mir trichtert mir ein, dass ich sie doch liebe und kämpfen soll, der andere Teil freut sich auf den neuen Lebensabschnitt und genießt die Freiheit. Für mich war das alles unverständlich, so ambivalent, bis ich anfing zu reflektieren, zu meditieren und jeden kleinsten Gedanken zu durchleuchten. Ich schlief irgendwann ein und hatte einen seltsamen, sehr intensiven Traum: Ich lief durch die Stadt und fragte Leute nach dem Weg, jedoch ignorierten mich alle oder beschimpften mich und mir wurde immer unwohler, bis ich weinend wach wurde und die größte Erkenntis meines Lebens hatte. Ich fand die Ursache all meiner Probleme und plötzlich machte alles einen großen Sinn.

Ich hab eine scheiß Angst vor Ablehnung!  

Meine Oneitis resultiert nicht aus meiner Liebe zu ihr, sie ist das Ergebnis ihrer Abfuhr. Ich hatte keine Macht mehr, sie hat die Sache beendet und dadurch das Zepter in der Hand. Ich kann sie nicht mehr haben, jetzt will ich sie. Wahrscheinlich wäre ich, würde ich meinen Willen kriegen und sie mir verzeihen, nach 'nem Monat wieder ein Arsch und hätte kein Bock mehr. Das weiß ich und kann ich auch rational so verstehen, weshalb ich sie gar nicht zurück will, was die Oneitis eigentlich noch absurder macht. 

Mein nächstes großes Projekt zur Persönlichkeitsentwicklung ist also meine Angst vor Ablehnung zu bekämpfen. Mein kleineres Projekt, die Erkenntnis, dass ich sie nicht wirklich liebe so über meine Oneitis zu schieben, dass diese verdeckt wird. Ich hoffe ihr seid mir dabei durch regen Austausch behilflich und könnt mir ein paar Tipps geben.

Ich bin übrigens 30, aber das ist auch nur eine Zahl.

 

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Wow, schön, dass du das erkannt hast.

Das sind die Dinge, die einem im Leben weiterbringen. Plötzlich Dinge benennen zu können, die schon immer da waren. Rückwirkend Dinge zu verstehen.

Ich wünsche dir viel Kraft und Hartnäckigkeit um das Thema zu bearbeiten!

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Danke Dir, Herzdame! Ich denke, dass dies die bisher größte Aufgabe meines Lebens, in Bezug auf meine Persönlichkeitsentwicklung und Gefühle, sein wird, die ich aktiv angehe. 

Doch worauf kommt es jetzt an? Ich habe die Ursache meiner Probleme erkannt und akzeptiere sie. Wie geht es nun weiter? Was kann ich machen, um die Ursache, den Fehler in meinem Unterbewusstsein, zu beheben? 

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Also was du auf jeden Fall tun solltest, immer wieder bewusst werden, wann du im Alltag getrieben von Verlustangst handelst. SIch darüber möglichst jedes Mal bewusst zu werden. Dann hast du überhaupt mal einen Überblick, wie sehr das dein Leben beeinflusst (ist vermutlich mehr als du denkst!).

Das ganze mal retrospektiv zu betrachen, wo es dich früher beeinflusst hat, das macht dir den Einfluss auch nochmal deutlich.

Außerdem würde ich im Zuge der Reflexion des Ganzen (siehe auch meine Signatur) versuchen die Verlustangst weiter zu zerlegen. Warum ist die da? Woher kommt die? Was passiert denn überhaupt im Worst Case, wenn du xy verlierst? Und vor welchem Teil dieses Worst Cases hast du Angst? Und ist es überhaupt realistisch und sinnvoll da Angst zu haben?

vor 7 Minuten schrieb JohnDoe86:

Was kann ich machen, um die Ursache, den Fehler in meinem Unterbewusstsein, zu beheben? 

Und weil das gerade wichtig ist: Das ist kein "Fehler". Es gibt kein richtig oder falsch. Ängste haben ihren Sinn, sonst würden wir ständig in Bärenhöhlen laufen und von Klippen springen. Es wird eine Zeit in deinem (frühen) Leben gegeben haben, wo diese Angst gut und sinnvoll war. Wer Verlustangst hat bleibt zum Beispiel näher an der Familie - entdeckt vielleicht nicht so viel, wird dafür aber auch nicht vom Raubtier gefressen.

Was ich damit sagen möchte: Es ist kein Fehler. Es hat seine Berechtigung gehabt. Auch wenn es dich heute ausbremst. Sieh es also nicht als "Fehlerbeseitigung" sondern als Weiterentwicklung. Ablegen alter Verhaltensweisen, die dir heute nicht mehr nützen. Keine Vorwürfe, weil du seit Jahren etwas falsch machst. Ein früheres ich von dir hat diese Strategie gebraucht.

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Servus @JohnDoe86!

 

Wir sind im selben alter und haben dieselben Probleme, du bist also nicht allein. Ich durchlebe ebenfalls gerade eine oneitis, es war so erdrückend dass ich anfangs nicht mal mehr meinen arm heben konnte, ich war wie ohnmächtig. Wie bei dir war es so, dass mich die Beziehung zu keinem Zeitpunkt glücklich gemacht hat, im Gegenteil. Du kannst dir dazu auch gern meinen threat anschauen, hat sogar fast denselben Namen ^^

 

Was ich dir auf jeden Fall raten kann, mir hat da ein Forummitglied sehr viel geholfen, schau dir ganz genau an wo du her kommst. Rede mit deinem Vater und deiner Mutter und ich meine wirklich Reden. Frag sie, was sie in ihrer Kindheit für Sorgen und Ängste hatten, wie ihre ersten Beziehungen liefen, hinterfrage warum sie so sind wie sie sind. Ich bin so draufgekommen, dass ich ganz tief drinnen meinen Vater ablehnte - meine Herkunft verleugnete und somit auch mich selbst. Und das obwohl ich eine wunderschöne Kindheit hatte, deswegen hab ich da auch nie gesucht. Seit ich das gemacht hab hat sich mein Leben total verändert, ich bin viel ruhiger und positiver geworden, ich geh ganz anders auf Menschen zu und merke auch, dass da irrsinnig viel zurück kommt.

 

Das war bei mir zumindest der erste Schritt in ein neues Leben, also sich anzusehen, wo man herkommt und damit aufräumen.

 

Hoffe, dass dir das vielleicht auch helfen wird :good:

 

LG botti

 

 

 

 

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