Welcher Jura-Student oder Absolvent hat Lust, sich mal ein wenig auszutauschen?

14 Beiträge in diesem Thema

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Hallo lieber Komilitone,

ich studiere Jura (mit großer Begeisterung und guten Noten bei mäßigem Aufwand) im bereits 7. Semester und bin bald in der heißen Phase der Examensvorbereitung. Ich suche kreative, aufgeschlossene Leute, die mit mir ein wenig über das Studium (und natürlich Beruf) quatschen oder schreiben wollen.

Was mein konkretes Ziel ist: Ein Leben rund um mein Studium und später Beruf aufbauen, welches befriedigend, kreativ ist und nicht dem mainstream entspricht. Ein Leben, welches mir die Selbstverwirklichung und das Ausleben meiner Hobbies (Jura, guter Wein, reisen, mit einem Sixpack und engen Freunden bei Nacht durch die Stadt laufen, urban exploration, gute Gespräche, schlechte Parties. Jede Menge Kaffe. Fremde Leute und Mädels kennenlernen,... Museum, Theater, Sport.)

Wie sieht Euer Lebensentwurf, liebe angehende Juristen, aus? Kritischer freier Autor? Eine Stelle in der Lehre mit vielen Reisemöglichkeiten? Forschung? Oder eher das große Geld in der Großkanzlei, Anzüge und ein "high-society life"? Doktor, LLM? Oder nach dem ersten Examen direkt ins Ref? Zwischendurch eine Weltreise oder ein Zweitstudium? Gesellschaftliches Engagement? Soll es Richtung Staat oder Wirtschaft gehen? Oder doch lieber in die Kommune und Gras rauchen?

Erzählt mir von Euch und ich erzähle Euch von mir - und vielleicht führt ein reger Austausch zu mehr Kreativität, anderen Blickwinkeln - oder einfach nur zu ein paar spannende Diskussionen (Sollten wir den Mordparagraphen neu fassen? Kennt Art. 16a die "Obergrenze"? Welche Rolle werden TTIP und Schiedsgerichtsbarkeiten in Zukunft spielen? Lassen sich PU-Regeln erlernen und anwenden wie unsere geliebten §§?)

Ich freue mich über PNs oder Antworten hier im Thread.

lg

N

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Gast Idioteque

Ich fange mal an und provoziere ein bisschen indem ich erstmal kritisiere.

Erstmal ist es fragwürdig überhaupt von einem Studium der Rechtswissenschaft zu sprechen. Mir persönlich fällt immer wieder auf das der Hauptteil des Studiums hauptsächlich auf das Erlangen von Wissen beruht. Man lernt im Prinzip überwiegend irgendwelche Paragraphen anzuwenden, das könnte man auch genauso gut an der FH unterrichten. Wenn man in der Jura-Vorlesung sitzt, wird diese These bestätigt, es kam wirklich nie der Zeitpunkt, bei dem die Komplexität irgendwie besonders hoch wurde, sodass man erst nicht durchblickt, ich habe nie diesen wirklichen Aha-Effekt gehabt, den man bei dem Verstehen beispielsweise eines mathematischen Beweises hat. Klar versteht man übergreifende Prinzipien in den Rechtsgebieten immer mehr, erkennt immer mehr Muster und Strukturen, die einem helfen können mit der unglaublichen hohen Stoffdichte umzugehen. Aber das ist echt nichts verglichen mit dem Verständnis das man in naturwissenschaftlichen und mathematischen Fächern erlangt.

Wenn man sich etwas mit juristischer Logik und Argumentationstechnik beschäftigt, merkt man auch relativ schnell, dass diese Arten von Argumenten auch nicht wirklich logisch einwandfrei sind. Beispielsweise der berühmte Analogie-Schluss, man stellt eine Gemeinsamkeit zwischen sei Objekten her und schlussfolgert aufgrund dieser Gemeinsamkeit, dass das eine Folge dieser zwei Objekte auch ähnlich sein muss. Das ergibt logisch keinen Sinn, frei nachdem Motto "Es könnte so sein, aber es könnte genauso so gut anders sein"

Bei den Studentenschaft mir auf, dass diese überdurchschnittlich langweilig und unbegabt ist.

Der Rest gefällt mir eigentlich ganz gut :-D Am liebsten mag ich Klausuren oder Hausarbeiten. Bei Klausuren muss du innerhalb kürzester Zeit abstrakte Regelungen auf einen konkreten Sachverhalt anwenden und ein vernünftiges Gutachten erstellen, ich mag den Kick unter Zeit zu arbeiten und die Überraschung durch den Sachverhalt. Bei der Hausarbeit hat man mehr Zeit, da mag ich es, mich unglaublich tief in die jeweiligen Problematiken einzuarbeiten und für mich selbst immer zu entscheiden, welcher Meinung ich mich anschließe. Auch gerade die Herausforderung den Leser maximal von meinem Standpunkt zu überzeugen, reizt mich.

Lieblingsfach ist definitiv Zivilrecht dogmatisch am überzeugendsten, insbesondere Sachenrecht ist cool, weil es nicht so larifari ist, entweder A oder B hat Eigentum.

Wie sieht Euer Lebensentwurf, liebe angehende Juristen, aus? Kritischer freier Autor? Eine Stelle in der Lehre mit vielen Reisemöglichkeiten? Forschung? Oder eher das große Geld in der Großkanzlei, Anzüge und ein "high-society life"? Doktor, LLM? Oder nach dem ersten Examen direkt ins Ref? Zwischendurch eine Weltreise oder ein Zweitstudium? Gesellschaftliches Engagement? Soll es Richtung Staat oder Wirtschaft gehen? Oder doch lieber in die Kommune und Gras rauchen?

Professor wäre echt cool, am besten Rechtsphilosophie. Richteramt interessiert mich auch, einfach weil es darum geht Gerechtigkeit und Recht zu verbinden.

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Ich hab nach dem 4. aufhören müssen.

Trotz übermäßigem Einsatz, untermäßige Zensuren.

WEnns klappt, machs weiter. Ich vermute, dass du weder in FFM noch Mz studierst.

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Ich hätte als aussenstehender mal eine Frage zu Jura:

Mit einem jurastudium hier ist man doch sein leben lang an deutschland gefesselt oder? Denn die gesetze in anderen ländern sind ja ganz anders und auch anders aufgebaut. Wie kommt es dann dass manche für ihr referendat oder nach dem abschluss in eine kanzlei nach z.b. miami gehen? Beschäftigen die sich dort mit juristischen fällen die us firmen am deutschen markt betreffen? Zur beratung im amerikanischen recht haben sie ja keine befugniss?

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Richterliche Unabhängigkeit bringt neben der Verantwortung Freiheiten mit sich, die man sonst wohl nur in der Selbstständigkeit hat, das allerdings mit hoher Sicherheit.

Die R1-Besoldung steht natürlich hinter den Gehältern im magic circle zurück, gut leben kann man davon aber schon, ausleben kannst du dich in der Freizeit.

Einfach im Ref. alles austesten, gerade auch Großkanzlei.

Im Ausland arbeiten ist so eine Sache, jedenfalls in der Großkanzlei oder etwa beim auswärtigen Amt geht das aber natürlich. Da wird ja auch nicht überall ausschließlich nationales Recht des jeweiligen Kanzleisitzes/Dienstortes angewandt.

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vor 4 Stunden, Linus Just schrieb:

Kip, du machst richtig Lust auf den Rechtsanwaltsberuf. Doch was ist eine Juristenpersönlichkeit?

@Linus Just, der gute Kip war zuletzt 2016 hier (kannst Du auch sehen, wenn Du auf seinen Usernamrn gehst), die Antworten im Thread sind von 2015. Mach mal lieber nen eigenen Thread auf.

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vor 6 Stunden, botte schrieb:

@Linus Just, der gute Kip war zuletzt 2016 hier (kannst Du auch sehen, wenn Du auf seinen Usernamrn gehst), die Antworten im Thread sind von 2015. Mach mal lieber nen eigenen Thread auf.

Der hat die bodenlos niedrige Qualität dieses Forums erkannt und die richtigen Schlüsse gezogen.

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vor 2 Stunden, Linus Just schrieb:

Der hat die bodenlos niedrige Qualität dieses Forums erkannt und die richtigen Schlüsse gezogen.

Es ist das, was Du mit hineinbringst an Fragen - ist so meine Erkenntnis. Überleg Dir halt, ob es für Dich lohnt.

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Am 28.8.2018 um 13:05 , Linus Just schrieb:

Der hat die bodenlos niedrige Qualität dieses Forums erkannt und die richtigen Schlüsse gezogen.

So wird das übrigens schon mal nix mit dem Juristsein.

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Ich wär tatsächlich daran interessiert nochmal so ne Diskussion in puncto Jura und Studium, etc. anzustoßen. Besonders nach der Ansprache von Kip. Das deckt sich mit meiner Erfahrung, dass das Studium eine juristische Parallelwelt ist, in der die praktischen Skills nur bedingt vermittelt werden. Ich war eine Zeit lang im Ausland, habe mich mit internationalem Recht befasst und dabei die Studiensysteme anderer Länder kennengelernt. Da läuft einiges anders. Was denkt ihr. Sollte das Jurastudium umgekrempelt werden? Und wenn ja, in welche Richtung? Ist am Markt wirklich ein Einheitsjurist gefragt?

Oder ist der Thread endgültig tot?

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vor 9 Stunden, ásványvíz schrieb:

Ich wär tatsächlich daran interessiert nochmal so ne Diskussion in puncto Jura und Studium, etc. anzustoßen. Besonders nach der Ansprache von Kip. Das deckt sich mit meiner Erfahrung, dass das Studium eine juristische Parallelwelt ist, in der die praktischen Skills nur bedingt vermittelt werden. Ich war eine Zeit lang im Ausland, habe mich mit internationalem Recht befasst und dabei die Studiensysteme anderer Länder kennengelernt. Da läuft einiges anders. Was denkt ihr. Sollte das Jurastudium umgekrempelt werden? Und wenn ja, in welche Richtung? Ist am Markt wirklich ein Einheitsjurist gefragt?

Oder ist der Thread endgültig tot?

Liest Du so Zeitschriften wie Audimax Jura und ähnliches? Es gibt auch so Zeitschriften von den ganzen Rechtsanwaltskammern in Europa. 

Da stehen immer und immer wieder die gleichen Gedanken zum Thema Spezialisierung, warum überhaupt Staatsexmanen usw. usf. Von den immer gleichen Kanzleien kann man die immer gleichen Meinungen lesen. 

 

Was ich ja sehr interessant finde: In den Niederlanden beispielsweise muss man als Anwalt jedes Jahr eine gewisse Anzahl an "Studienpunkten" sammeln im Rahmen gewisser Fortbildungsveranstaltungen. Meistens abgehalten von anderen Anwälten, die sich gut auskennen, das halt dürfen und daran recht gut verdienen. 

In anderen Ländern gibt es eine oder zwei Hammerprüfungen und lebenslang kann man da eigenverantwortlich rumwerkeln ohne verpflichtet zu sein, irgendwo mal sein Wissen auffrischen zu müssen bzw. zu erweitern. 

Kann einem ja keiner erzählen, dass manchen das nicht mal gut tun würde in Deutschland...

 

Rechtskostenbeihilfe auch sehr interessant und wichtig für total viele Anwälte. Momentan: Jo, bist Anwalt und darfst alles machen. 

Ggf. besseres System: es gibt 30-40 Kategorien, wenn man in der Rechtskostenbeihilfe mitmischen möchte, dann darf man da maximal drei auswählen und nur noch in den Bereichen unterwegs sein. Also beispielsweise Versicherungs-, Nachbarschafts- und Mietrecht. 

Nix mehr mit Strafrecht, Autounfall, Wasserschaden, Erbschaft und alles durcheinander und teilweise fachlich unterirdisch.

Aber da gibt es in anderen Ländern schon voll die Diskussionen drum, ob man das so einführen soll. Ich glaube, die Niederlande sind da Vorreiter und da gibt es momentan voll Stress, weil man da nicht mehr "algemene praktijk" auswählen darf, was momentan noch geht, also den Allrounder. Da kotzen die sich gerade aus, was denn das soll, dass man nicht mehr machen darf, was man sich zutraut, sondern nur in festen Rechtsbereichen tätig werden darf. 

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vor 13 Stunden, ásványvíz schrieb:

Ich wär tatsächlich daran interessiert nochmal so ne Diskussion in puncto Jura und Studium, etc. anzustoßen. Besonders nach der Ansprache von Kip. Das deckt sich mit meiner Erfahrung, dass das Studium eine juristische Parallelwelt ist, in der die praktischen Skills nur bedingt vermittelt werden. Ich war eine Zeit lang im Ausland, habe mich mit internationalem Recht befasst und dabei die Studiensysteme anderer Länder kennengelernt. Da läuft einiges anders. Was denkt ihr. Sollte das Jurastudium umgekrempelt werden? Und wenn ja, in welche Richtung? Ist am Markt wirklich ein Einheitsjurist gefragt?

Oder ist der Thread endgültig tot?

 

Um es wahnsinnig simpel runterzubrechen: In Studium und Ref musst du in erster Linie kontinuierlich lernen, stressresistent sein und gut strukturiert argumentieren können unter Zeitdruck. Also jedes Argument, jedes Problem an der richtigen Stelle bringen. Sprache und der Aufbau sind dein Handwerkszeug. Dann wird das auch was. Das ist aber auch etwas, was du dir zu 90 % selbst reinpauken musst. Jura studieren bedeutet viel Freiheit. Das ist Chance und Risiko zugleich. Das sollte jedem klar sein.

Im Beruf menschelt es auch oft. Im Strafprozess z.b. kannst du auch über Psychologie manchmal noch sehr sehr positiv einwirken als Strafverteidiger. Andererseits empfinde ich es neben dem Fachlichen als weiteres wichtiges Qualitätsmerkmal eines Richters, wenn er den Parteien oder dem Angeklagten das Urteil gut vermitteln und erklären kann (also z.B. warum leider keine Bewährung). Selbst bei langjährigen Haftstrafen steigert das die Akzeptanz der Verurteilten ungemein. Ich finde das wichtig.

Die Juristenausbildung generell ist ein (zu) weites Feld. Da könnte man sicher viel optimieren. Aber das wäre teuer. Die Justiz als dritte Gewalt hat gerade mal so 4 % des Haushalts. Das ist in meinen Augen zu wenig. Ein Politikum.

In meinen Augen sind Spezialisten gefragt. Du kannst dich ja selbst mal fragen: Die Polizei schnappt dich. Es ist 0:15 Uhr. Vorläufige Festnahme wegen mutmaßlichen Raubes. Ob du es warst oder nicht, lassen wir mal offen. Die Handschellen klicken jedenfalls. Am darauffolgenden Tag Vorführung beim Haftrichter. Es kann sein, dass du bis zum Urteil in Haft bleibst. U-Haft. Evtl. wirst du dann zu mehreren Jahren verurteilt. Ohne Bewährung, wenn es dumm läuft für dich. Wer soll dich nun verteidigen? Wer soll mit dem Haftrichter reden, wer verhandeln? Anwalt A, der alles macht? Oder Anwalt B, der jeden Tag ausschließlich Strafrecht macht? Meine Antwort wäre 100 % klar.

Das sind aber natürlich nur meine Meinungen/Erfahrungen.

 

Ling Ling

 

 

 

bearbeitet von Ling Ling

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