Neid/Eifersucht im Freundeskreis?

13 Beiträge in diesem Thema

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Hi,

ich komme aus einer Kleinstadt und der Freundeskreis aus meiner Schulzeit bzw. die Paare übt "normale" Ausbildungsberufe aus. Während meines Studiums wurde es eher, wenn auch nicht boshaft, belächelt, dass ich in der Zeit nicht so viel Geld hatte, war halt "der Student" ^^ 

In letzter Zeit meine ich, dass ein zunehmender Teil der Leute sich eher distanziert. Meine Partnerin und ich sind beide Akademiker, ich bin Führungskraft beim größten Arbeitgeber im Ort.

Wir sind beide eher leger und sehr bodenständig. Eine der Arzthelferinnen fährt z.B einen dickeren Wagen(gönne ich ihr gern) als meine Freundin(promoviert)… Das einzige wofür wir Geld ausgeben ist, dass wir beide sehr oft und gerne auch mal sehr gut Essen gehen. Uns ist das Thema eher unangenehm, natürlich wird aber fünf mal nachgefragt was der Abend im 3 Sterner denn gekostet hat, sagt man das dann, sind gerade die Damen sichtlich schnippisch. Das die Arzthelferin aber einen dickeren Wagen als die Ärztin fährt scheint niemanden zu wundern^^

In letzter Zeit unternehmen wir, unbewusst, mehr mit anderen Paaren, die auch eher besser Verdiener sind.

Die Frage ist, kann man dagegen etwas machen? Oder ist dies, leider, normal oder unvermeidbar? 

 

Vielen Dank!

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vor 31 Minuten, Moin Moin schrieb:

Die Frage ist, kann man dagegen etwas machen? Oder ist dies, leider, normal oder unvermeidbar? 

 

Vielen Dank!

Die Fragen sind eher:

1. Warum interessiert es dich, was andere von dir denken?

2. Warum hast du Menschen in deinem privaten Umfeld, die anscheinend nicht zu deiner positiven Entwicklung beitragen?

 

Und wenn du wirklich so gebildet bist, wie du schreibst, lass die ^^ weg. Das lässt dich sonst wie ein 12 jähriges WoW-Forenkiddy wirken. 😉

Guten Rutsch!

bearbeitet von AmonLight
typo

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Wie bekommen die Leute denn überhaupt mit dass Ihr im 3-Sterne Tempel essen wart?

manche Dinge lassen sich nicht vermeiden. Kleidung sieht man. Uhren sieht man (es sei denn man legt die teure Uhr bei Treffen mit Freunden extra ab), Urlaube bekommt man eventuell noch mit....

Aber so wie Du das beschreibst ist das häufige teuer auswärts essen der einzige Anhaltspunkt und Unterschied. Bist Du Dir da wirklich sicher?

Ich glaube ich kann zu Deinem „Problem“ etwas sagen....  darum frage ich erstmal nach 😉

 

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Kenne dieses Problem sehr gut. Was passiert gerade bei dir? Deine peer-Group passt nicht mehr bzw. ändert sich.

Nicht umsonst gibt es den Spruch: Gleich und Gleich gesellt sich gern. Das ist auch bei Thema Wohlstand ein bekanntes Phänomen. Deswegen hält man ja auch mit dem Lottogewinn hinterm Berg und hängt das nicht an die große Glocke, weil sonst eben genau das passiert, was du da schreibst.

Ich habe im Freundeskreis ein ähnliches Problem. Durch Glück oder eben "nur Realschule, daher 3 Jahre früher im Job angefangen" sind die Leute aus meinem Umfeld bis 2015/ 2016 wirtschaftlich immer besser gestellt gewesen als ich. Das hat man mir sicherlich nie direkt aufs Brot geschmiert, aber man ist dann halt 3 mal im Jahr in den Urlaub gefahren, hat sich schicke Autos finanziert und auch immer mal wieder gerne fallen lassen, was Dieses und Jenes gekostet hätte.

Vor 2 Jahren konnte ich den Spieß umdrehen und nun werden spürbar kleine Brötchen gebacken. Eine gewisse Süffisanz kann ich mir da auch einfach nicht verkneifen, denn nach unten schaut es sich immer leicht, nach oben schon eher nicht mehr. Zumal unser Freundeskreis sich ja finanziell selber ins Knie f*ckt. Niemand hat die gezwungen, das viel zu teuere Haus zu finanzieren, niemand zwingt die Beiden, zwei Autos zu unterhalten. (Es bestehen also gewisse Ähnlichkeiten....)

Bevor jetzt hier irgendjemand den Zeigefinger mahnend hebt: Diese Menschen waren meine Freunde, sie sind meine Freunde und sie werden es auch bleiben. Geld ist und bleibt ein Thema bei uns, so dass auch dieses Delta immer präsent sein wird. Das muss ja auch nicht von Dauer sein, Zeiten können sich ändern. Familienplanung, Krankheiten, Unfälle, Trennungen usw. können die nächsten 50 Jahre die Finanzlage spürbar beeinflussen. Ich weiß, wie es sich in kleinen Verhältnissen lebt, mein Freundeskreis leider manchmal nicht. Ich weiß meinen Wohlstand zu schätzen, stelle mich aber auch darauf ein, dass irgendwann mal wieder andere Zeiten kommen können.

Zu Dir konkret: Wenn dich das Thema zu sehr abfuckt, such Dir neue Leute. Ganz einfach. Du wirst diesen Neid nicht abstellen können, solange es den Herren nicht besser geht als Dir. Wir leben unseren Wohlstand aus, gehen gerne gut essen, leisten uns teuren Fleisch und hochwertigen Fisch, lassen unsere Freunde auch teilweise daran teil haben, aber gönnen uns eben auch für uns alleine etwas Gutes. Wem das nicht passt, der hat in meinem Leben nichts mehr verloren. Klingt hart, geht aber nicht anders. Sich bewusst zurückhalten oder Lebensqualität abgeben, damit man in das Weltbild der anderen passt? Nein, ich denke nicht.

Aber immer den Unterschied zwischen Überheblichkeit/ Protzigkeit und gelebtem Wohlstand im Auge behalten.

 

bearbeitet von pyronoob
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Ist normal, damit kann nicht jeder. Es geht auch nicht darum, Dinge zu vermeiden - wenn man mit seinen Freunden nicht mehr über Urlaube sprechen kann oder sich extra schlicht anziehen muss, dann bringt das nix. Das ist ein ganz normaler Wechsel der peer group, wenn's aufgrund der beruflichen Entwicklung unterschiedlich weiter geht im Leben. Schau einfach, mit welchen Leuten es weiter Spaß macht und einfach ist - und mit welchen nicht.

Die Gründe... kann schon sein, dass Du da vielleicht unterbewusst mal etwas raus hängen lässt, oder? Genau so gibt's aber auch so eine Versnobtheit von unten - viele Leute brauchen diese Abgrenzung gegen 'Besserverdiener' oder 'die da oben', um sich ihre eigenen Limits zurecht zu rationalisieren. Die  müssen dann halt auch über 'die Bosse' schimpfen können - das kannst Du Dir als Führungskraft halt nicht so leisten. Gibt's oft auch nochmal, wenn Kinder kommen (oder auch nicht) - junge Eltern gegen Dauersingles. Identitätsbildung durch Abgrenzung. Und in letzter Näherung ein Mangel an Empathie. Kann man schade finden, aber ich hab gelernt, diese Dynamik im SC einfach zu akzeptieren.

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Am ‎31‎.‎12‎.‎2018 um 18:34 , AmonLight schrieb:

Die Fragen sind eher:

1. Warum interessiert es dich, was andere von dir denken?

2. Warum hast du Menschen in deinem privaten Umfeld, die anscheinend nicht zu deiner positiven Entwicklung beitragen?

 

Und wenn du wirklich so gebildet bist, wie du schreibst, lass die ^^ weg. Das lässt dich sonst wie ein 12 jähriges WoW-Forenkiddy wirken. 😉

Guten Rutsch!

1. Naja, wenn da Leute dabei sind mit denen ich schon in den Kindergarten ging interessiert mich das.

2.  Ich übe einen stressigen und sehr verantwortungsvollen Beruf aus. Nach Feierabend muss ich mich nicht zwanghaft "weiter entwickeln", geselliger Kurzweil reicht mir da.

3. Was Andere diesbezüglich denken interessiert mich überhaupt nicht.

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Am ‎01‎.‎01‎.‎2019 um 15:34 , Calara schrieb:

Wie bekommen die Leute denn überhaupt mit dass Ihr im 3-Sterne Tempel essen wart?

manche Dinge lassen sich nicht vermeiden. Kleidung sieht man. Uhren sieht man (es sei denn man legt die teure Uhr bei Treffen mit Freunden extra ab), Urlaube bekommt man eventuell noch mit....

Aber so wie Du das beschreibst ist das häufige teuer auswärts essen der einzige Anhaltspunkt und Unterschied. Bist Du Dir da wirklich sicher?

Ich glaube ich kann zu Deinem „Problem“ etwas sagen....  darum frage ich erstmal nach 😉

 

Danke für die konstruktiven Beiträge!

Das ergibt sich halt im Gespräch oder per Whatsapp, "was habt ihr am We. gemacht?", "am We. schon was vor?" usw. normale Konversation.

Also zumindest ich bin da sehr leger bzw. understandment war schon immer mein Ding. Uhren trage ich überhaupt nicht, mein Handydisplay ist seit ca. einem Jahr zersplittert und es interessiert mich überhaupt nicht, daran kann es nicht liegen 😄 

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so, nun habe ich mal wein wenig Zeit 🙂

Ich glaube was Du da spürst ist nur bedingt Neid auf Deine finanzielle Lage. Darum trifft es Dich auch obwohl Du nach außen hin keinen Status präsentierst, während andere teurere Autos fahren.

Ein Freundeskreis aus der Schulzeit, Kleinstadt.... das klingt nach einem bestimmten Milieu.  Wobei ich betonen möchte, dass "Milieu" hier rein beschreibend gemeint ist, als "soziales Umfeld, in dem ein Mensch lebt und das ihn prägt". Nicht abwertend.

Du gibst nicht so viele Informationen, darum kann ich auch daneben liegen. Aber Du hast studiert, Deine Freunde von früher nicht. Deine Partnerin ist auch Akademikerin, die Mädels aus Deinem alten Freundeskreis sind Arzthelferinnen.  Ich weiß nicht ob Deine Freunde Abitur oder einen anderen Abschluss haben, der "Sprung" zum Akademiker spätestens unterscheidet Euch nun. Sollten einige Realschulabschluss und einige Abitur haben, so ist durch die Ausbildung der Lebensweg zumindest später wieder ähnlich.

Durch Deinen Lebensweg hast Du das Milieu gewechselt. Und das spüren die Menschen. Und es ist nicht das Geld, es ist der Habitus.  Es ist nicht das Geld für den Restaurantbesuch, es ist der Restaurantbesuch an sich.  Sich selbst nimmt man weiterhin als "normal" und "wie immer" war, weil ja für viele Jahre im Studium das Umfeld auch entsprechend geprägt war.  Dir selbst fällt aber an den anderen auf, dass sie irgendwie anders sind als Du. Andere Prioritäten setzen. Glaub mir - das fällt denen auch auf. Vielleicht nicht bewusst, aber unbewusst.

Es ist nicht das Geld. Es sind die Bücher die man gelsen hat. Die Kneipen die man besucht hat. Das Semestertickt mit dem man gar selbstverständlich Bahn gefahren ist. Die Veranstaltungen in der Unistadt. Die Gespräche über Klausuren. Der Geruch einer Universität. Der Arbeitsbeginn als erwachsener  Uniabsolvent statt als Azubi im Betrieb. 

Das alles prägt. Und irgendwann ist die Schere groß genug dass es beiden Parteien auffällt. Dann bist Du plötzlich nichtmehr einer von "uns", sondern Du bist einer von "denen".  Manche Kleinstädte haben da eigene Begriffe für. "Städter" nennt man solche Leute da wo ich herkomme.  Meist mit einem leicht spöttischen, leicht abfälligen Unterton - weil man tief in sich drin eine diffuse Unterlegenheit der Person gegenüber fühlt die aus dem Tümpel hinausgekrochen ist und nun Lungen hat.

Klar, man kann zurück und mit den anderen schwimmen und tauchen - aber man ist halt immer der der ab und zu an die Oberfläche muss um Luft zu holen. Das spürst Du - das spüren auch die anderen.

 

Dagegen tun lässt sich nur bedingt etwas, siehe mein Beispiel mit dem Tümpel.  

 

Schau Dir mal die Leute an mit denen Du jetzt mehr unternimmst. Ist es wirklich as Geld? Oder ist es etwas anderes das dazu führt dass Du Dich "verstandener" fühlst? 

 

bearbeitet von Calara
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Am 31.12.2018 um 18:06 , Moin Moin schrieb:

ich komme aus einer Kleinstadt und der Freundeskreis aus meiner Schulzeit bzw. die Paare übt "normale" Ausbildungsberufe aus. Während meines Studiums wurde es eher, wenn auch nicht boshaft, belächelt, dass ich in der Zeit nicht so viel Geld hatte, war halt "der Student" ^^ 

Ich kenne meinen Freundeskreis seit der Kindergarten/Schulzeit und seitdem hat sich an dem Freundeskreis im großen und ganzen nicht viel verändert. Ca. 80% vom Freundreskreis sind 
Akademiker und 20% sind in ganz normalen Ausbildungsberufen. Allerdings wurde noch nie jemand belächelt/geärgert weil er zu Studienzeiten kaum Geld in der Tasche hatte.

Am 31.12.2018 um 18:06 , Moin Moin schrieb:

In letzter Zeit meine ich, dass ein zunehmender Teil der Leute sich eher distanziert. Meine Partnerin und ich sind beide Akademiker, ich bin Führungskraft beim größten Arbeitgeber im Ort.

Das muss aber jetzt nicht unbedingt etwas mit der beruflichen Situation zu tun haben. Kann auch einen ganz anderen Grund haben.

Am 31.12.2018 um 18:06 , Moin Moin schrieb:

Wir sind beide eher leger und sehr bodenständig. Eine der Arzthelferinnen fährt z.B einen dickeren Wagen(gönne ich ihr gern) als meine Freundin(promoviert)… Das einzige wofür wir Geld ausgeben ist, dass wir beide sehr oft und gerne auch mal sehr gut Essen gehen. Uns ist das Thema eher unangenehm, natürlich wird aber fünf mal nachgefragt was der Abend im 3 Sterner denn gekostet hat, sagt man das dann, sind gerade die Damen sichtlich schnippisch. Das die Arzthelferin aber einen dickeren Wagen als die Ärztin fährt scheint niemanden zu wundern^^

Die Frage "und? wieviel hat das gekostet?" wird bei uns im Freundeskreis eigentlich nie gestellt. Ich würde selber auch nie auf die Idee kommen eine solche Frage zu stellen. Völlig irrelevant.

Am 31.12.2018 um 18:06 , Moin Moin schrieb:

In letzter Zeit unternehmen wir, unbewusst, mehr mit anderen Paaren, die auch eher besser Verdiener sind.

Das ist immer eine gute Idee. Man braucht nicht jedes Wochenende mit den gleichen Gesichtern verbringen. 

Am 31.12.2018 um 18:06 , Moin Moin schrieb:

Die Frage ist, kann man dagegen etwas machen? Oder ist dies, leider, normal oder unvermeidbar? 

Ich glaube nicht, dass Neid/Eifersucht in deinem Beispiel das Hauptproblem ist. Es ist nur das Problem, dass du am deutlichsten spürst. Entweder habt ihr euch in andere Richtungen
entwickelt oder es geht in Wirklichkeit um ein ganz anderes Problem - wovon du noch gar nichts weißt. Du solltest einfach beobachten wie sich das ganze weiter entwickelt. Solltest
du allerdings irgendwann den Punkt erreichen - wo du dich in deinem Freundeskreis nicht mehr wohl fühlst - dann solltet ihr beiden den Freundeskreis verlassen und euch einen neuen suchen

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Am 31.12.2018 um 18:06 , Moin Moin schrieb:

Die Frage ist, kann man dagegen etwas machen? Oder ist dies, leider, normal oder unvermeidbar? 

Gibt eine Menge Menschen da draußen die in Schichten und Schubladen denken. Dagegen kann man nichts machen. Die egoistischen Reichen, die bösen Ausländer, die dumme Unterschicht, bla bla bla.

Ich persönlich bin auch froh wenn so etwas passiert. Mich interessieren solche Menschen recht wenig und wenn sie ihre Oberflächlichkeit zeigen spare ich Zeit welche ich dann lieber mit anderen verbringe. 

Einzige (übertriebene) Lösung wäre in meinen Augen ein Umzug in eine größere Stadt.

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Gast

Ich finde es schade, welche Überheblichkeit gegenüber "Nichtakademikern / Provinzlern" in manchen Beiträgen mitschwingt. Das Schichten- und Schubladendenken, das im Post vor mir noch kritisiert wird, ist hier nicht minder stark vertreten als bei der Krankenschwester, die neidisch auf das Gehalt der Frau Doktor schielt.

Mit dem kleinen Unterschied: Die Frau Doktor hat eine gewisse Belesenheit, einen höheren Bildungsgrad - und deshalb auch die Möglichkeit, die Gründe für den Futterneid und das Stautsdenken zu durchschauen und sich dadurch davon zu distanzieren. Bei solchen Konflikten muss ich immer an den Spruch einer alten Relilehrerin denken, der mich bis heute begleitet: "Wem viel gegeben ist, von dem wird auch viel verlangt." In dem Fall: Wer doch schon die Hintergründe des Handelns anderer durchschauen und reflektieren kann, sollte sich nicht über sie erheben und sie belächeln, sondern eher verständnisvoll sein.

Du und deine promovierende Freundin, ihr habt einen gewissen Bildungsgrad und allein durch eure Studienzeit Erfahrungen, die die Azubi-Freunde nicht haben. Deshalb ist es eigentlich ein Leichtes für euch, zu verstehen, warum sie sich jetzt so verhalten. Du durchschaust ja schon das Verhalten deines Freundeskreises. Scheinbar legen sie Wert auf Statussymbole und Außenwirkung (dickes Auto trotz schlankem Gehalt). Natürlich ist so jemand leicht getriggert, wenn die Besserverdiener im Freundeskreis chic essen gehen. Ob die Krankenschwester das selbst durchschaut? Du tust es jedenfalls. Und es liegt jetzt bei dir, was du daraus machst.

Die Frage dabei sollte ja auch sein: Was bedeuten, was geben dir diese Freundschaften? Welche Werte verbinden euch? Eine Freundschaft, die kriselt, weil der eine plötzlich mehr verdient als der andere, steht auf sehr schwachem Fundament. Vielleicht geben dir deine alten Freunde ja trotzdem noch etwas anderes. Ich selbst habe auch studiert, mit exzellenten Abschlüssen und allem pipapo. 80% meines Freundeskreises haben eine Ausbildung gemacht. Ich finde gerade diesen Unterschied, im Habitus, den unterschiedlichen Lebenskonzepten, Lebenserfahrungen, sehr bereichernd. Ich kriege so nochmal einen ganz anderen Input. Würde ich mich nur mit "meinesgleichen" umgeben - akademische Ausbildung bis Mitte/Ende 20, verschiedene Wohnorte bis teils ins Ausland, Karriere usw. - ich würde verrückt werden.

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vor 2 Stunden, Barbara schrieb:

Wer doch schon die Hintergründe des Handelns anderer durchschauen und reflektieren kann, sollte sich nicht über sie erheben und sie belächeln, sondern eher verständnisvoll sein.

Die Frage ist halt inwiefern das Verständnis irgendetwas an der Situation ändert. Dem TE geht es ja in erster Linie darum ob er irgendwie verhindern kann dass sein Freundeskreis sich distanziert oder ihn dezent anfeindet.

Ich würde grundsätzlich behaupten dass es drei Arten von Mindsets gibt, welche zu diesem Verhalten gegenüber Wohlhabenden führt.
1. Negative Glaubenssätze im Zusammenhang mit Geld. "Geld verdirbt den Charakter", "hinter jedem Vermögen steckt ein Verbrechen" und so weiter, gibts unzählige von. Das führt natürlich, ob bewusst oder unbewusst, zu einer ablehnenden Haltung gegenüber Wohlhabenden.
2. Stark ausgeprägter Materialismus. Viele Menschen haben eine "was du sein willst musst du kaufen" Mentalität, sind aber gleichzeitig finanziell eingeschränkt. Da brennt dann der Neid wenn ein anderer sich all diese heißersehnten Dinge kaufen kann (und das auch tut).
3. Eine verquerte Auffassung von Gerechtigkeit. Nicht wenige Menschen empfinden es pauschal als ungerecht wenn der eine deutlich mehr hat als der andere. Die Ursachen die zu diesen ungleichen Ergebnissen geführt haben spielen dabei kaum eine Rolle, deswegen lassen solche Leute ein "der ist reicher weil er mehr geleistet hat/mehr Verantwortung trägt/mehr arbeitet/etc" nicht gelten und werden es nach wie vor als Ungerechtigkeit auffassen.

Man kann nun Verständnis dafür aufbringen dass diese Menschen denken wie sie denken, aber das wird nichts daran ändern dass sie diese Gedanken haben und man (als das Feindbild) mit entsprechendem Verhalten konfrontiert wird. ich kenne einige solcher "Freundschaften" die halt einfach keine sind, weil der ärmere dem wohlhabenderen insgeheim nur das schlechteste wünscht. Außerdem haben all diese Denkmuster viel mit Emotionen zu tun, was es schwer macht die Leute zu erreichen und ihnen andere Sichtweisen aufzuzeigen.

Ich hatte zu Schulzeiten einen guten Kumpel der aus reichem Elternhaus kam. man hat ihm das aber kein bisschen angemerkt oder angesehen und außer den Leuten die Nachmittags mal bei ihm zu Besuch waren wusste das niemand so wirklich. Erst als wir dann alle 18 wurden und mit den Autos unserer Eltern zur Schule kamen wurde offensichtlich dass bei ihm viel Geld im Hintergrund ist. Auf einmal haben dann Leute mit denen er immer gut war angefangen schlecht über ihn zu reden, andere die sich vorher nie groß für ihn interessiert hatten suchten auf einmal den Kontakt. Da macht man nicht viel, das muss man einfach so hinnehmen wie es kommt.

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Gast
vor 34 Minuten, chillipepper schrieb:

ich kenne einige solcher "Freundschaften" die halt einfach keine sind,

Im Prinzip ist die Antwort damit ja schon gegeben und selbiges klingt auch in meinem Beitrag an. An den Gedanken seiner Freunde kann der TE nix ändern. Aber er hat eine Idee, woher sie kommen und wenn er das durchschaut hat, sieht er ja, dass er ihnen nicht nur finanziell etwas voraus ist. Dann muss er sich fragen, welchen (Mehr-)Wert die Freundschaften noch für ihn haben, dass er sich den Neid gibt. In diese Richtung ging ja auch meine Frage.

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