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Ich: 35
Mutter: 58
(Stief)Vater: 67
 

Hat jemand vielleicht gute Literatur oder auch persönliche Erfahrungen, wenn es um die eigenen Eltern geht?

Was mich konkret interessiert:

Ich nehme wahr, dass es meinen Eltern gerade nicht sehr gut geht. Irgendwas zwischen genereller Grundunzufriedenheit, Midlifercrisis und Depression. Das geht so weit, dass es oft zu Drama kommt, ich z.B. mich nicht wohlfühle meine Freundin mit zu denen zu nehmen und mich die Negativität von denen oft runterzieht etc.

Background: Unternehmerfamilie, früher wirtschaftlich besser gestellt; seit dem Renteneintritt vom Vater und Verkauf des Unternehmens ging es aber eher bergab. Finanziell ist objektiv betrachtet eigentlich alles gut. Großes Haus und Grundstück sind abbezhalt, Ersparnisse für "etwas kleineres für später" sind vorhanden, wenn auch keine Unsummen. Einkommen ist auch da, von dem man zwar nicht im Luxus leben kann, aber für genug gutes Essen und den alltäglichen bedarf ist immer was da. Eigentlich könnten sie sich auch etwas gönnen, tun sie aber nicht, weil sie angst haben in Altersarmut abzurutchen, wenn alles scheiße läuft.

 

Ich mag jetzt nicht die ganze Familienstory ausrollen, aber um einige Beispiele zu nennen:

Meine Mutter war zwar immer eher ein Eigenbrödler, aber sie war früher gefühlt eine deutlich lebensfrohere und leidenschaftlichere Person. Gerne oft im Garten, gerne daheim etwas am machen und tun. Spaß an Details und kleinen Dingen also eher HSE Persönlichkeit. Das kippte aber ziemlich in Richtung LSE. Viel Drama, nichts ist richtig, es gibt immer was zu meckern und alle anderen sind sowieso Arschlöcher, auf die man sich nicht verlassen kann und alleine fährt man am besten. Sie ist extrem schnell auf die Palme zu bringen und fängt auch mal streit aus dem nichts an.

Sie weiß, dass es ihr nicht "gut" geht, aber sie will nicht in den Urlaub (hat sie eigentlich nie wirklich gemocht, eher Heimatverbunden, bis auf kleinere Ausflüge mit dem Wohnmobil ins Nachbarland) und sie sagt dauernd, dass sie auch schon zu alt ist, um an sich zu arbeiten, um etwas zu verbessern, um was neues zu starten (Mit 58!!). Alles tut auf einmal weh und ist super anstrengend. Zu einem Therapeuten oder auf Kur will sie nicht.. sie will lieber daheim sein, aber da nervt irgendwie auch dann alles, wenn sie da ist.

Beim Vater ist ähnlich. Dementsprechend ist deren Verhältnis scheisse. Es war ohnehin nicht immer das beste, da sie mehr aus Geschäftsgründen und auch wegen mir zusammen waren / zusammen geblieben sind; aber mittlerweile arrangieren sie sich gar nicht mehr. Wenn ich mal da bin gibts dauernd Stress, wenn ich weg bin auch. Eine ziemlich vergiftete und toxische Atmosphäre, die mit meinem Lebensstil und Lebenseinstellung einfach NULL einhergeht. Mir fehlt die Motivation, die mal länger zu besuchen. Wir sind zwar oft telefonisch im Kontakt (wohne rund 8h entfernt), aber ich darf mir dann 30min anhören, was alles scheisse ist und ich hinmachen soll, um viel kohle zu machen, damit es mir besser geht, aber gleichzeitig mache ich auch nix richtig. das zieht mich dann natürlich irgendwo runter.

Ich will, dass es denen gut geht, dass sie etwas verändern und wieder auf eigene beinen stehen. ich denke aber, dass sie Angst haben und nicht den Mut es anzugehen. Hoffnungslosigkeit und Resignation macht sich breit und ich will einfach nicht in ein paar Jahren ein paar depressive Pflegefälle als Eltern zu haben. Schon jetzt habe ich das gefühl, dass die sich extrem abhängig von meiner Entwicklung machen. Sozusagen haben wir die Eltern-Kind rolle mittlerweile getauscht. 

Wie kann man dieser Festgefahrenheit entgegenwirken? Muss es erst krachen, damit die es kapieren? Ist es normal, dass es zu sowas kommt? 

 

 

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Ist deren Leben und deren Verantwortung glücklich zu sein. Aber ich kann sehr gut verstehen das es dich belastet. 

Deine Mutter ist 6 Jahre älter als ich und fängt sehr früh an zu resignieren. 

Ich denke den beiden würde mehr Abstand gut tun. Mal wieder jeder was für sich zu unternehmen, ist wichtig. Mein Eindruck ist, das die beiden in ihrer Beziehung festsitzen und sich nicht trauen wieder ein eigenes Leben zu führen. Das muss ja nicht unbedingt mit Trennung einhergehen, sondern kann ja auch nen Hobby oder mal nen Urlaub ohne den Partner sein. Jeder sollte eigenen Bereich haben, die er auch ohne Partner genießen kann. Wenn nicht schon vollzogen sind getrennte Schlafzimmer auch gut damit jeder seinen Rückzugsraum hat.

Als Berufstätiger sollte man sich auf die Rente vorbereiten, sich rechtzeitig Hobbys suchen damit man in der Rente klarkommt damit, nicht mehr den ganzen Tag zu arbeiten und gebraucht zu werden. Oder man suchst sich wieder eine Tätigkeit die man bis zum Tod noch leisten kann. 

 Was ich beobachte ist das Menschen sich auf das sterben vorbereiten. Sie schalten sich ab. Nehmen nicht mehr am Leben teil, ziehen sich zurück, interessieren sich für nichts mehr. Wenn ich sowas sehe, weiß ich schon das dieser Mensch bald gehen wird. 

Wie gesagt ist es nicht deine Verantwortung. Du kannst versuchen den beiden ein paar Tipps zu geben, aber umsetzen müssen sie die selber.

 

 

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@Paladion

Es ist schon ein gute Antwort auf deine Fragestellung erfolgt. Als Ergänzung würde ich noch eine Regelung in Sachen Vollmachten, Patientenverfügung,Testament usw. forcieren, sofern nicht schon erfolgt. 

Besser früh das unangenehme Thema angehen, als zu spät. Macht niemand gerne, ich habe das Thema an der Backe und es macht keinen Spaß sich mit Eltern bzw. einen Elternteil rumzuärgern. 

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vor 21 Stunden, Fastlane schrieb:

Wenn du eine Fleißaufgabe erledigen willst: frage dich, warum du das Bedürfnis mit dir herum trägst. Ist es ist nur die Liebe gegenüber deinen Eltern oder schleppst du irgendeinen Schuldkomplex mit dir rum

Vielen Dank für die Antworten bisher!

Ich glaube ein Schuldkomplex spielt eine gewisse Rolle. Ich wrde es weniger als komplex sehen, aber doch als ein gewisses "ind er schuld stehen". Meine Mutter hat gefühlt ihr ganzes Leben aufgeopfert, damit aus mir was besseres wird. Sie war sehr fokussiiert darauf, dass es mir gut geht und ich stand bei ihr immer an erster Stelle (bin jetzt nicht verweichlicht oder ein verwöhntes Einzelkind Arschloch geworden, aber ich musste die schon öfters mal bremsen mich nicht als erste Prio zu behandeln). Dementsprechend habe ich auch hohe Erwartungen an mich und meinen Werdegang sowie auch gefühlt eine starke Verantwortung (oder Schuldigkeit) gegenüber meiner Mutter. Kann man natürlich einfach sagen: "Naja, ist nicht mein bier, hat dich keiner drum gebeten. komm klar mit dir selbst." und NEXT. Aber Augen schließen und weglaufen war halt immer die einfachere Variante und ich fände es irgendwie auch ignorant und egoistisch. Aber ja, @Fastlane, du hast da einen guten Punkt erwischt, der mich zum Nachdenken bringt.

 

vor 6 Stunden, Niemann-N schrieb:

sofern nicht schon erfolgt

Das ist eigentlich alles geregelt, bis auf eines. Danke für den Reminder. (Gesundheitlich sind die aber fit zum Glück)

vor 10 Stunden, Sam Stage schrieb:

Ich denke den beiden würde mehr Abstand gut tun.

Auch was dran. Glaub die sind mittlerweile nur noch zusammen, weil sie keine kraft haben die Konsequenzen aus einer Entscheidung zu tragen. Zusammen sind sie ökonomisch besser dran als gemeinsam.

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Deine Schilderung klingt sehr nach depressiven Verstimmungen und toxischen Persönlichkeitsmustern (-> "Opferrolle"). Opfer erkennst Du daran, dass sie sich stets beklagen und die Anderen an ihrem Leid schuld sind, sie aber nichts aktiv ändern. Solche Menschen vergiften sich gegenseitig die Stimmung bzw. verstärken sich in ihrem Opferdasein. Das führt dann natürlich schnell in eine Depression.

Wenn der Wille sich zu ändern aber nicht da ist, wirst Du daran nichts ändern können. Normalerweise braucht es ein krasses Negativereignis dass jemand sich Hilfe sucht. Wenn der Leidensdruck dann nicht mehr auszuhalten ist. Solange es einigermaßen erträglich ist, wird nichts geändert.

Ist natürlich hart wenn es die Eltern sind. Das Gute: Grundsätzlich ist das therapierbar und medikamentös behandelbar (Depression).

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Am 12.9.2020 um 02:13 , Dude33 schrieb:

Solange es einigermaßen erträglich ist, wird nichts geändert.

ja, das befürchte ich auch. Ich versuche es mal mit ein paar intensiven Gesprächen und Aufzeigen, was noch alles geht. Ansonsten hilft wohl am Ende nur klar die Kante zeigen, sprich: Entweder wird hier zusammengearbeitet, oder sie können die schöne graue Raufaser mit ihrem Scheiß nerven.

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Systemisch betrachtet bist du immer das Kind, und sie immer die Eltern.

Heißt: Du sie "retten" geht sich nicht aus, wiewohl wir alle uns das wohl irgendwann irgendwo mal gewünscht haben.

Klär deine eigenen Grenzen, und schau wie du das Bedürfnis nach gemeinsamer Zeit unter den Hut bringst mit "dich nicht anfucken lassen".

Wäre z.B. eine Möglichkeit, dass du sie einzeln triffst?

Oder dir eine dickere Haut wachsen lässt, und deren Stress einfach ignorierst wenn du auf Besuch bist?

Würde auch aufpassen, dass du nicht deine eigenen Maßststäbe "was gut ist" an die Beziehung deiner Eltern anlegst. Vielleicht geht's denen in ihrer Welt viel besser als du dich aus deiner Warte nachspüren kannst.

 

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Man kann Menschen grundsätzlich (nur) auf 3 Arten überzeigen: emotional, rational oder autoritär.

Das Problem, was Du haben wirst, ist, dass wenn Du Deine "Lösung" vorgibst, diese nicht angenommen werden wird. Bei normalen Menschen funktioniert das schon nicht. Das Problem bei "Opfern" ist zusätzlich, dass das Problem nicht bei Ihnen liegt, sondern bei allen anderen. Du kannst keinem eine Therapie aufdrücken, derjenige muss das selbst aktiv wollen. Du kannst es höchstens mal mit dem Vorschlag einer Therapie für die Depression versuchen (aber nix von Opfer sagen!!!!!), so kann man manchmal jemand eine Therapie schmackhaft machen (schnelle Lösung durch Medikamente und Depression ist sozial kein tabu mehr).

Generell würde ich nicht auf die Opferthemen eingehen und sofort auf ein positives Thema umlenken, ansonsten zieht der Mist dich nur runter.

 

 

 

 

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