Freundin hat stressbedingtes Stimmungstief/Burn-out, wirft mir vor, dass ich nicht zu ihr stehe; wie damit umgehen?

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  • Mein & ihr Alter: 31, 28
  • Art der Bezeihung: monogam
  • Dauer der Beziehung: 1,5 Jahre
  • Gemeinsame Wohnung: nein
  • Kennenlernphase: 2-3 Monate
  • Qualität/Quantität Sex: gut, fast jedes Mal beim Treffen 

Jetzt muss ich kurzzeitig noch ein Thema aufmachen:

Meiner Freundin geht es im Moment sehr schlecht. Sie hat immensen Lernstress für ihre letzten Prüfungen seit ca einem Monat und nimmt deswegen auch Angstlöser. Ich habe es bis dato mit spontanen Ausflügen und kleineren Überraschungen gut hingekriegt, sie abzulenken, ihr Spass und Freude zu bereiten und sie war auch dankbar mit Zuneigung in Wort und Tat.

Sie (HSE und normalerweise HD) ist auch jemand, die ihren Freiraum und Zeit für sich alleine braucht. In der zuletzt zunehmenden Stressphase dachte ich, dass sie noch mehr Freiraum als sonst braucht und wollte ihr bewusst nicht auf die Nerven gehen. Wir haben ab und zu telefoniert und geschrieben und ich habe betont, dass wenn was ist, sie sich melden darf und soll.

Vorgestern wollte ich mit ihr auf einem Konzert einen schönen Abend machen und habe sie von zu Hause eingesammelt. Sie fing gleich mit der Prüfungs- und Stressthematik an und ja, es war unkalibriert, ich habe sie schroff abgeschnitten und ihr gesagt, dass ich heute nichts davon hören will und wir genau deswegen ausgehen, um weg von den Alltagssorgen zu kommen. Sie hat geschluckt und der Abend war dann eigentlich gelaufen. Sie war total distanziert und danach habe ich mich entschuldigt, dass ich vorhin zu harsch war. Sie meinte dann kalt, dass ich nicht bei ihr sei (psychisch) in schweren Zeiten und dass sie mein Verhalten nicht partnerschaftlich findet. Hat mir echt eine in die Magengrube gehauen und ich war voll neben der Spur. Ich erklärte ihr, dass ich gerne mit ihr Quality Time und Auszeit habe und mich bewusst auch etwas im Hintergrund zurückgehalten habe, weil ich das Gefühl hatte, dass sie das brauchte. Sie war aber weiterhin verärgert, nicht gesprächig, enttäuscht, zeigte mir die kalte Schulter.

Es tut immer noch weh die Aussage von ihr und ich habe ihr noch am nächsten Tag gesagt, dass wir mehr kommunizieren müssen und wir auch mehr gemeinsam schwierige Zeiten durchstehen.

Ich habe das Gefühl, dass sie kurz vor einem Burn-Out steht und mit nichts in der Welt momentan zufrieden sein kann.

Hat jemand Erfahrung, wie man einer sonst liebenswürdigen Freundin in so einer Zeit (geht noch bis Januar) unterstützen kann? Verbesserungsvorschläge zu meinem aktuellen handeln? Bin ich ihr Ablassventil gestern einfach gewesen? Und ja, wenn kein beruflicher/Prüfungsstress vorhanden ist, ist es eine tolle, ausgeglichene und erfüllende Beziehung.

Danke!

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Erster Schritt, und das gilt eigentlich immer beim Umgang mit psychischen Erkrankungen und emotionalen Krisen andere, egal obs der Partner, die Familie oder der beste Kumpel ist: Dich selbst schützen. Basiert auf mehreren Dingen:

 

- innerlicher Abstand. Heisst: Zeug nicht auf Dich beziehen. 

- Abgrenzen und sich rausziehen. Du bist weder Fußabtreter noch Psychotherapeut. Versuch dennoch, das so zu machen, dass das nicht passiv-aggressiv oder trotzig rüberkommt.

- Mach Dir bewusst, dass du jemanden nicht heilen kannst. Du kannst da sein, du kannst bestimmte Dinge anbieten - aber du kannst das Problem des anderen nicht lösen. Und Du kannst auch nicht mehr geben, als Dir selbst noch gut tut.

In ner ruhigen Minute kannste das auch durchaus Mal vermitteln.

 

Gleichzeitig ist's auch sein Job, dich nebenher zu reflektieren. So ne gewisse Grundrücksicht, dass dem anderen manche Dinge schlechter reinlaufen als sonst, die solltest Du mitbringen.

 

 

Als Mann sollteste am Ende der Fels in der Brandung sein. Zu dem gewissen Teil ihr nicht übel nehmen, wenn sie über die Stränge schlägt, dafür wird man Dir hintenraus evtl sogar dankbar sein( gleichzeitig ist das kein Freibrief , wenns zu übel ist: Zieh Dich raus).

 

Wenn sie dir die Geschichte jetzt Länger nachträgt, sollteste allerdings ne deutliche Grenze ziehen. Du warst evtl etwas taktlos - Du hast es selbst eingesehen, du hast Dich entschuldigt. 1-2 Tage Nachwehen ist noch okay. Leute brauchen auch bei Klärungen durchaus Mal Zeit, das zu verdauen (und insgeheim auch dafür, mit ihrem eigenen Verhalten in der Situation klarzukommen - so lange wird aber gern noch auf den anderen eingebauten).

Wenn sie da jetzt in ihrer angeschlagenen Situation da aber weiter n riesen Drama draus macht - dann würde ich a) ne klare Grenzen ziehen b) ihr dabei vermitteln, dass Du auf ihrer Seite bist, aber c) auch klar machen, dass Du auch nur n Mensch und nicht endlos belastbar bist.

Im Zweifelsfall beendest Du das ganze bitte, falls sie dich längerfristig in die Schublade "Du kümmerst Dich nicht gut genug um mich" stecken will. Und nein, "wenn ich mit den Prüfungen durch bin wird alles gut" ist KEINE Kooperation ihrerseits. Sie unterstützen ist grundsätzlich gut. Fussabtreter sein ist niemals gut.

 

Und jo - Leg Dir soweit ggf mehr Empathie zu, als dass Du besser einschätzen kannst, wenn die Zündschnur bei ihr Grad etwas kurz ist. Mach Dir aber auch bewusst, dass Du nur ein Mensch bist und nicht immer perfekt sein kannst.

bearbeitet von Dustwalker
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vor 8 Minuten, nutshells schrieb:

Ich habe es bis dato mit spontanen Ausflügen und kleineren Überraschungen gut hingekriegt, sie abzulenken.

...

Vorgestern wollte ich mit ihr auf einem Konzert einen schönen Abend machen

Das kommt jetzt darauf an, wie viel Du da grade rumwirbelst.

Wenn sie seit 4 Wochen im Prüfungsstress ist, dann kann das auch ganz gut sein, mal einen Gang runterzusschalten und weniger Aktion zu machen. Die Menschen sind da unterschiedlich. Dem einen hilft Ablenkung (zum Beispiel auf einem Konzert). Dem anderen mehr Ruhe und viel Schlaf.

Drei Monate Power-Lernen bekommt man immer irgendwie gebrückt. 
Warum da heutzutage alle immer direkt einen Burnout bekommen, geht mir sowieso nicht in die Rübe.

Aber wenn Deine Freundin durch die Lernphase und den Prüfungsdruck so sehr aus dem Ruder gerät, würde ich an Deiner Stelle eher ruhige Qualitytime anbieten. Abends rüber fahren und für sie kochen. Oder mal einen Nachmittag in eine Saunalandschaft zum runterfahren. 

Zum aktuellen Stressauslöser:
Dein Mädel ist grade komplett mit sich selber beschäftigt. Ich werte Ihre Reaktion auf Dein dezent empathieloses Abwürgen als "Boah, jetzt soll ich hier funktionieren und die Klappe halten, damit er für sich das Konzert genießen kann." Ich würde Dir empfehlen, mit Ihr zu reden und dann sie reden zu lassen: Was sie meint, was für sie grade gut wäre. Und dabei dann zuhören. Und wenn Du sie unterstützen willst, das dabei zu berücksichtigen. Spontane Ausflüge sind ja nett - können aber in einer Stressphase auch noch mehr Stress aufbauen.

Und nimm Ihren Frust-Ausbruch nicht so hart an. Wenn einer scheiße drauf ist, reagiert man auch schnell mal über. Wenn Du Dir das jetzt direkt als Respektlosigkeit wertest, dann gibt das eine Dramaspirale vom feinsten. Nimm das mal was lockerer - Fels-in-der-Brandung und so.

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Lieber TE, du solltest auch immer den Invest im Auge behalten!

Wenn ich lese, dass du in wenigen Wochen mehrere Ausflüge und Überraschungen arrangiert hast, dann frage ich mich, ob du deinen Invest/dein eigenes Leben noch in einer richtigen Balance hast...

Frag dich das. Und frag dich, was nach der Lernphase kommt. Du pustest deiner Freundin gegenwärtig evtl so viel Zuckerin den Arsch, dass sie das/dich für selbstverständlich hält - und was dann passiert, das respektlose Verhalten, das kennen wir alle.

Schau daher, ob du den Invest in letzter Zeit nicht zu sehr erhöht hast - ob du dieses Mädl und ihre Probleme auf ein zu hohes Podest gestellt hast.

Sei stattdessen der benannte Fels in der Brandung. Und was machen Felsen? Genau, sie radeln nicht aller Furz lang in den Blumenladen oder nerven mit "romiantischen" Überraschungen... Felsen sind einfach da, wenn jemand kommt und Halt braucht. 

 

Abschließend musst du als Mensch dir aber auch bzgl deiner Freundin als Mensch darüber im Klaren sein, dass deine Freundin so oder so eine Lebenskrise hat. Sie nimmt ja immerhin Psychopharmaka d.h. ist in ärztlicher Behandlung? und du bist kein Therapeut, merk dir das!

Auch scheint sie evtl gar nicht für das Studium gemacht zu sein? Wenn sie so sehr unter der Prüfung leidet und so lange mit dem Studium braucht? Sie ist immerhin schon 28 Jahre alt - natürlich ist das evtl ihre 2. Ausbildung, aber vllt auch nicht? - Will sagen: meine Kollegin war 2 Jahre jünger und fertig mit Studium und fertig mit anschließender Promotion und nein, das war kein Ramsch-Doktor-"zähl mal die Binden-im Verbandskasten"-Med.

Also stell dich drauf ein, dass ihr Verhalten sich noch lange so abspielen könnte, wenn sie auf die Ergebnisse wartet, sie eine "ungerechte" Note bekommt, sie durchfällt, sie nach den Eierschaukel-Jahren/Studium nun von der Realität wach geküsst wird und sie mit ihrem BSc in vergleichenden Genderwissenschaften nicht instant in den VW Aufsichtsrat kommt.

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@Sprachlos - top! Fast alles drin.

TE, das ist kein Burnout, den bekommt man nicht von vier Wochen lernen. Einfach etwas Stress und Prüfungsangst, nix pathologisches. Und wenn‘s bei der Freundin mal dick kommt, ist weniger mal mehr. Nicht ständig ansagen, sondern fragen. Nicht ständig machen, sondern kommen lassen. Nicht ablenken, sondern ernst nehmen. Das führt nicht direkt in die Betaisierung, sondern vertieft auch mal die emotionale Bindung. Sie muss lernen, mit ihrem Stress umzugehen; Du auch.

Vögeln könnt ihr ja trotzdem, baut Stress ab wie wenig sonst.

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