Kontakt-Abbruch zu Mutter / Bruder

12 Beiträge in diesem Thema

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Ich überlege mir gerade ernsthaft endgültig den Kontakt zu meiner Mutter abzubrechen. Sie hat mich eigentlich die komplette Kindheit emotional Misshandelt (oder wie man das umschreiben soll) manipuliert und beschimpft. Habe trotzdem richtig lange gebraucht bis ich von ihn unabhängig war, ich bin erst mit 24 ausgezogen.
Meine Eltern hatten auch eine höchst toxische Beziehung und ich erinnere mich nicht wirklich an friedliche Momente. Mit ca. 12 haben sie sich getrennt, weil ich meine Mutter darum gebeten habe. Das erzählt (hält es mir vor, ich muss ihr ja so dankbar dafür sein) sie mir bis heute immer wieder mal. Danach würde ich noch viel mehr antagonisiert. Denke Mal sie hat dann meinen Vater auf mich projektiert. Mein jüngerer Bruder wurde dann wohl bisschen ihr Ersatzmann. Er war immer perfekt und konnte sich erlauben was er will. Für die selben "Schandtaten" würden wir komplett unterschiedlich behandelt. Ich würde bestraft und bei ihm wurde darüber gelacht/es teilweise regelrecht gefeiert. Selbst heute noch.
Dementsprechend ist auch mein Verhältnis zu ihm.

Ich bin vor zwei Jahren knapp 1000km von meinem Zuhause, zusammen mit meiner Freundin weggezogen. Meine Mutter wohnt in einem großen (glaube 5 1/2 Zimmer) Haus. Ganz alleine. Ich habe beim Umzug nur das nötigste mitgenommen und den Rest bei ihr eingelagert. Mittlerweile habe ich so gut wie alles das ich nicht mehr benötige verkauft / entsorgt.
Habe noch einen Schreibtisch/Schrank und mein Bett dort, für wenn wir zu Besuch sind.
Ich habe zeitgleich mit dem Umzug auf zweitem Bildungsweg angefangen zu studieren.
Weil ich in meinem Heimatland deutlich mehr verdiene als in Deutschland und in der Arbeitswelt noch gut vernetzt bin gehe ich in den Sommersemesterferien immer Nachhause arbeiten.
Ich hatte meine Mutter gefragt ob ich in der Zeit bei ihr Leben darf. Soweit so gut. Das ist bis jetzt zweimal der Fall gewesen, das erste Mal ging so lala. Haben uns zwischen durch gestritten und auch sonst war die Stimmung halt immer Mal wieder angespannt.

Dieses Mal war grundsätzlich deutlich entspannter. Ich habe mich aber auch deutlich mehr zurück genommen/ bin ihr aus dem Weg wenn ich gemerkt habe das sie mich triggert.

Jetzt bin ich heute morgen abgereist und war mir unsicher ob ich die Haustüre abgeschlossen habe. Dann habe ich meinem Bruder geschrieben und darum gebeten das bitte bei Gelegenheit zu checken. Er wohnt 5min entfernt und meine Mutter ist im Urlaub.

Er hat dann direkt ein riesen Tamtam gemacht. "Eigentlich solltest du ja wissen ob du abgeschlossen hast, muss ich ja wohl" 
Habe dann ehrlich gesagt bisschen patzig, mit werd Mal erwachsen reagiert. Worauf ich natürlich was losgetreten habe. 

Ich hätte in der Zeit ja auch Mal den Garten machen können, nicht immer nur er, während er auch noch 60h die Woche arbeite, wenn ich schon gratis da wohne. Er sei ja gespannt wie ich alles hinterlasse etc. Ich nicht einmal Frage ob ich da wohnen darf etc. (was nicht Mal stimmt.) Die Opferrolle hat er gut von ihr gelernt.

Habe mich leider triggern lassen und habe auch nochmals nachgetreten und entgegnet das er sich um seinen Kram kümmern soll, es sei schließlich nicht sein Haus und wenn meine Mutter ein Problem damit habe, kann sie mir das ja selbst sagen ohne sich immer bei allen hinter dem Rücken anderer, als Opfer darzustellen.

Mich stört hier so einiges sehr. In erster Linie das ich mich von den beiden immer noch so sehr triggern lasse und es nicht einfach Mal sein lassen kann. Klar stört es mich auch von ihr Hilfe anzunehmen, in erster Linie weil mir der Preis einfach zu hoch ist, das wurde mir in dem Moment direkt wieder bewusst. 

Reagiere ich über? Bin ich das eigentliche Problem? Würde gerne die ein oder andere außenstehende Meinung hören.
Ich bin auf die Arbeit im Sommer angewiesen, ich finanziere mein Leben darüber. Aber ich habe echt keine Lust mir jedesmal so ein schlechtes Gewissen einreden zu lassen. Ich überlege mir gerade, sobald ich die Möglichkeit habe auch den Rest aus ihrem Haus zu schaffen und mich komplett von den zweien loszukapseln / den Kontakt abzubrechen, es tut mir einfach nicht gut. Was würdet ihr tun? Welche Baustellen sollte ich an mir selbst beheben? Überigens bin ich 34.
 

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Familie kann man sich nicht aussuchen. Das wissen wir alle. Aber zumindest zu deinem Bruder scheint es ja "nur" ein angespanntes Verhältnis wegen dieser Doppelmoral deiner Mutter zu geben.

Ist jetzt die Frage ob dein Bruder in der Lage ist sein eigenes Verhalten zu reflektieren und seine Rolle als "weißes Schaf" als solche anzuerkennen und dass er diese Rolle auch bereitwillig annahm. Sicherlich brachte das einige Vorteile. Das an sich würde ich nicht verurteilen. Als Kind hätte ich... nein warte.. habe ich wirklich jede Gelegenheit genutzt meinem Bruder eins auszuwischen oder mich in ein besseres Licht zu rücken. Es brachte viele Vorteile und machte Spaß. Es hat durchaus ein paar Jahre gebraucht bis ich meine Rolle von damals verstanden habe, die Konsequenzen, und mir klar wurde was für einen Schaden ich angerichtet habe.

Wenn man allerdings stets auf seinem hohen Ross verbleibt aka wegen jeder Lappalie gleich shootet "Eigentlich solltest du ja wissen ob du abgeschlossen hast, muss ich ja wohl" dann ist man womöglich noch der selbe kleine dumme Junge von damals, welcher sich so viele Jahre später immernoch als weißes Schaf sieht. Und in dem Falle sehe ich wenig Chancen da nochmal zusammen zu finden. Diesen ersten Schritt der Erkenntnis, dass man selber nicht perfekt ist, von seinem hohen Ross steigt, der muss selbst getan werden. Ansprechen könntest du es, aber du wirst sehr schnell an der Reaktion merken ob er bereit ist sich weiterzuentwickeln (oder sich sogar bereits weiterentwickelt hat)... oder eben nicht.🤷‍♂️

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Am Ende musst du es für dich entscheiden. BIFF hat es schon sehr gut auf den Punkt gebracht.
 

Für mich ist es jedenfalls immer ne riesige redflag wenn man sich nicht mit seinen Eltern/ Geschwistern versteht, sofern nicht wirklich was „Schlimmes“ vorgefallen ist und danach klingt es für mich nicht.

 

 

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da hilft nur eine familientherapie. 

ihr habt da sachen aus der vergangenheit die nicht richtig verarbeitet ist, wenn man miteinander wieder vernünftig umgehen will, müsst ihr eine therapie machen. alleine schafft man das nicht.

ansonsten natürlich kontaktabbruch weil so, tut ihr euch nicht gut. 

bearbeitet von Arbeiter

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Gast

TE, du bist derjenige der sich reflektiert und der damit einen Vorteil hat. Schau das du dich vernünftig abgrenzen kannst (machst  du ja schon) und das du das auch schaffst im direkten Umgang mit deiner Familie. 

Du kannst deine Familie nur ändern indem du ihnen einen für dich richtigen Umgang vorlebst. 

Solange dich die Aussagen noch triggern hast du es noch nicht geschafft dich richtig abzugrenzen. Keinen Kontakt mehr zu haben ist dabei allerdings durchaus auch eine Option.

bearbeitet von Gast

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Am 21.9.2022 um 23:20 , Lexar schrieb:

 

Für mich ist es jedenfalls immer ne riesige redflag wenn man sich nicht mit seinen Eltern/ Geschwistern versteht, sofern nicht wirklich was „Schlimmes“ vorgefallen ist

 

Interessant, für mich ist es eher ein Zeichen davon, dass man Selbstfürsorge betreibt und sich nicht mit Menschen umgibt, die einem nicht gut tun.

Frage: Wenn dich ein Kumpel schlägt, beleidigt, emotional erpresst- würdest du dich noch mit ihm treffen? Siehste. Von toxischen Menschen lässt man die Finger.

Ich habe ebenfalls seit 2015 keinen Kontakt mehr zu meiner Familie und es keinen Tag bereut, im Gegenteil. Ich blühe seitdem total auf.

Zweitstudium abgeschlossen, neuen Job, tollen Partner, super SC.

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vor 2 Stunden, Female_M schrieb:

Interessant, für mich ist es eher ein Zeichen davon, dass man Selbstfürsorge betreibt und sich nicht mit Menschen umgibt, die einem nicht gut tun.

Frage: Wenn dich ein Kumpel schlägt, beleidigt, emotional erpresst- würdest du dich noch mit ihm treffen? Siehste. Von toxischen Menschen lässt man die Finger.

Ich habe ebenfalls seit 2015 keinen Kontakt mehr zu meiner Familie und es keinen Tag bereut, im Gegenteil. Ich blühe seitdem total auf.

Zweitstudium abgeschlossen, neuen Job, tollen Partner, super SC.

Kann ich so bestätigen.
Hab' bei mir den Kontakt zwar nicht abgebrochen aber auf das Mindestmaß reduziert.
Seitdem geht's mir ebenfalls deutlich besser. 

Ich find' mittlerweile, dass es über Jahre verkrustete Dynamikmuster gibt, welche zuviel Energie kosten, um sie aufzubrechen.
Und selbst wenn: entweder es führt dann zu kaum lösbaren Konflikten oder man arbeitet kontinuierlich gegen die alte wiederkehrende Dynamik.

Ich würd' den Kontakt nicht gänzlich abbrechen, sondern mit dem Mindestmaß durchscheinen lassen, dass man sich selbst persönlich weiterentwickelt.

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vor 5 Minuten, MaleCharacter schrieb:

 

Ich find' mittlerweile, dass es über Jahre verkrustete Dynamikmuster gibt, welche zuviel Energie kosten, um sie aufzubrechen.
Und selbst wenn: entweder es führt dann zu kaum lösbaren Konflikten oder man arbeitet kontinuierlich gegen die alte wiederkehrende Dynamik.

Richtig.

Zumal die Gegenseite diese Muster gar nicht erst auflösen möchte, sich im Recht sieht und man einfach in die Ecke "schwierig" oder

"du bist aber empfindlich!" gestellt wird und einem so die eigene Wahrnehmung abgesprochen wird... ich sag es ja, toxisch.

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vor 9 Stunden, Female_M schrieb:

Interessant, für mich ist es eher ein Zeichen davon, dass man Selbstfürsorge betreibt und sich nicht mit Menschen umgibt, die einem nicht gut tun.

Frage: Wenn dich ein Kumpel schlägt, beleidigt, emotional erpresst- würdest du dich noch mit ihm treffen? Siehste. Von toxischen Menschen lässt man die Finger.

Ich habe ebenfalls seit 2015 keinen Kontakt mehr zu meiner Familie und es keinen Tag bereut, im Gegenteil. Ich blühe seitdem total auf.

Zweitstudium abgeschlossen, neuen Job, tollen Partner, super SC.

Wie bereits gesagt, „sofern nichts Schlimmes“ vorgefallen ist. Die Sache mit dem Bruder halte ich für harmlos, zumindest anhand der Schilderung hier im Thread des TE. Was die Mutter angeht, mag man drüber streiten können. 

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Gast
Am 21.9.2022 um 11:14 , wakoz0 schrieb:

Reagiere ich über?

Ja.

Am 21.9.2022 um 11:14 , wakoz0 schrieb:

Bin ich das eigentliche Problem?

Du bist zumindest Teil des Problems.

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Am 21.9.2022 um 11:14 , wakoz0 schrieb:

Ich überlege mir gerade ernsthaft endgültig den Kontakt zu meiner Mutter abzubrechen.

Hab ich vor inzwischen ca. 30 Jahren gemacht.

Hat mir nicht geschadet, allerdings auch keine Vorteile verschafft.

Am Ende ist es dein Leben. Und du kannst frei entscheiden wen du darin haben willst, und wen nicht.

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Am 21.9.2022 um 11:14 , wakoz0 schrieb:

Die Opferrolle hat er gut von ihr gelernt.

Du aber scheinbar auch.

Grob zusammengefasst liest es sich so, als hättest du weitestgehend mit der Familie gebrochen, kommst aber immer mal wieder zurück ins Nest um umsonst (?) zu wohnen.

Kontaktabbruch ist nach meiner Erfahrung -vorübergehend- eine gute Option, wenn man die Zeit denn für sich nutzt um die Beziehung(en) zu reflektieren zu zu verarbeiten.

Nach meiner Einschätzung hast du 3 Optionen:

1) alles bleibt so wie es ist!

2) du brichst den Kontakt komplett ab, gibst Mama und Brüderchen die Schuld (gern auch für andere Dinge, die bei dir nicht rund laufen)

3) du Verarbeitest das ganze mal für dich. Kann auch im therapeutischen Rahmen passieren. Im Idealfall gelingt es dir, deine Mutter irgendwann als den Mensch zu sehen, der sie ist. Dann kannst du eine neue/andere Beziehung zu ihr aufbauen und reagierst bei "toxischem Verhalten" ihrerseits eher mit Mitgefühl als mit Wut.

Liegt bei dir.

 

Und unabhängig davon: such dir für deinen Sommerjob ein anderes Quartier!

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