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Einen wunderschönen guten Abend an die Forengemeinde.

Ich durfte im laufe der Jahre viele Erfahrungen zum Thema inner Game sammeln. Vieles von dem was damals für mich noch absolut neu war, und mein Weltbild auf den Kopf gestellt hat, ist heute ein alter Hut. Daher tue ich mich ein wenig schwer mit dem Anfang dieses Themas. Ich setze Stillschweigen vorraus das ihr euch schon einiges angeeignet habt, und ein brauchbares Modell mit dem sich viele dinge Logisch und schnell entzerren lassen gebrauchen könnt.

Grundlage für einen gigantischen Hirnfurz der mich beim bestreichen meines Toasts mit Butter heimsuchte war folgender Satz im Radio...

"... haben Forscher nun nachgewiesen das der menschliche Verstand bei Entscheidungen so gut wie nichts zu melden hat. Die Entscheidung ist bereits emotional getroffen, der Verstand erklärt uns diese plausibel..."

Zu erst ploppte bei mir die frage auf "Wozu haben wir denn dann unseren Verstand?", dicht gefolgt von eben jenem Gehirnfurz den ich geistesgegenwärtig direkt zu Papier brachte :huh:

Man könnte über das Modell auch schreiben "Wie funktioniert ein Limiting Belief?"

4i6thgfr.jpg

Also... Fangen wir mal oben an...

Zu beginn des Kreislaufs steht eine Erfahrung, bzw. eine Entscheidung.

Zirkelchien entscheidet sich auf eine glühende Herdplatte zu fassen...

Die dabei entstehende Erfahrung wir sowohl auf der Emotionalen als auch auf der Rationalen Ebene erlebt und bewertet.

Emotional: UUUUHHHHH Ha ha ha ha das tut ja schweine-weh, ausserdem klebt meine Hand an der Platte...

Rational: Merke => glühende Gegenstände verursachen brutale körperliche schmerzen. NIE WIEDER!

Diese Erfahrung + Entscheidung wird im emotionalen Verstand hinterlegt und dient von nun an als Grundlage für zukünftige Entscheidungen und wird in den Filter gefüttert.

Was ist der Filter, gekoppelt mit dem emotionalen Verstand?

Nun, den Filter können wir tagtäglich erleben. Ist deine Freundin schwanger werden dir viele schwangere Frauen oder Frauen mit Kinderwagen auffallen. Hast du ein neues Auto wird dir auffallen wie oft der Wagen im Straßenverkehr vorkommt.

Unbewusst trifft der Filter für uns die Vorauswahl welche Informationen direkt ausgesiebt werden, und welche Informationen in die Wahrnehmung gespült werden. Der emotionale Verstand verpasst dem ganzen dann das "wie erlebe ich für mich diese Information" auf der Grundlage an Erfahrungen die wir gemacht haben.

Der untere teil der Grafik beschäftigt sich mit dem "wie werden Erfahrungen als Grundlage gespeichert".

Also, die Information "heiße Herdplatte" wird gespeichert als NEIN Erfahrung. Denn, eine verbrannte verletzte Hand kann sogar Lebensgefahr bedeuten (vom schmerz mal abgesehen). Dementsprechend wir die Erfahrung als "NEIN => weil Lebensgefahr => Nie wieder oder keine Wahl" gespeichert.

Keine Wahlmöglichkeit im eigentlichen Sinne bedeutet das der Filter die Information demnächst gar nicht mehr weiterleitet, da wir auf glühende Herdplatten konsequent mit "NEIN" reagieren werden. Eine art Lebensrettender Automatismus. Die Entscheidung auf eine Glühende Herdplatte zu fassen wird in Zukunft keine Entscheidung mehr sein, sondern ein Dogmatisches NEIN, MACHEN WIR NICHT!!!!

Kleines Praxisbeispiel, versucht mal (so richtig) vergammelte Kartoffeln zu Essen. Da werdet ihr sehr schnell merken was ich mit "keine Wahl haben" meine.

Das gleiche passiert auf der positiven Seite. Auto, oder Fahrrad fahren beispielsweise, ist eine Sache die in der Regel spaß bereitet. Also grundsätzlich eine Ja Erfahrung, da unser Limbisches System (Belohnungszentrum) uns mit guten Gefühlen flutet wenn etwas gelingt, oder sogar Lebensförderlich ist (Sex zum Beispiel).

Eine positive Erfahrung oft genug wiederholt ergibt eine Positive keine Wahl, und somit einen positiven Automatismus. Notwendige Entscheidungen werden auch hier automatisch getroffen und vom Filter übernommen. Das ist beim Autofahren auch gut so.

Beim Glücksspiel weniger gut ;)

Ok, wozu der grüne Balken mit dem "Vielleicht"?

Nehmen wir mal an wir entscheiden uns eine Frau anzusprechen und kassieren einen derben Korb.

Nein => schmerz => keine Wahl =>

Jetzt kommt der Punkt an dem der emotionale Verstand einsetzt... überleben ist schließlich stärker und Sex ne schöne sache. Also kommt der verstand und wandelt die "keine Wahl" in eine schmerzhafte erzwungene Wahl um, die uns für das nächste mal in eine position des Vielleicht bringt.

Nein => schmerz => keine Wahl => emotionaler Verstand => schmerz ==erzwungen Wahl==> Vielleicht

Die Information wird bei nächster gelegenheit also nicht gefilter, sondern nochmal ins bewusstsein gespült. Um uns daran zu erinnern wie es beim letzten mal war wird trotzdem eine emotionale Färbung der Erfahrung hinterlegt. Angst! "Sei vorsichtig, beim letzten mal tats weh." Deswegen heißt das Feld "emotionaler Verstand". Unser Verstand ist emotional vorbelastet, und füttert nun auch unseren Filter mit der emotionalen Färbung.

Jetzt kommt der Trick...

Situation: Das Mädel verpasst uns nen derben Korb. Wir haben jedoch eine pervers Positive Grundeinstellung und sehen alles "POSITIV"!

"Wow, dank dieses Korbes weiß ich jetzt wie ich es auf keinen Fall machen sollte"

Das ergibt...

Nein (die Erfahrung bleibt negativ) => wird allerdings vom verstand als Positiv bewertet und führt zum Akzeptieren und zum erneuten vielleicht. Ohne schmerzhaft erzwungene neue Wahl.

Je öfter wir beim Ansprechen Positive Erfahrungen machen, desto kleiner wird die Ansprechangst.

An der stelle möchte ich darauf hinweisen das dies natürlich nur für eure natürliche Persöhnlichkeit gilt. Mutiert ihr fürs Sargen zu einem Huttragenden Sunnyboy, macht diese Persöhnlichkeitsabsplitterung (oder dieser Frame) die entsprechenden Erfahrungen. Seid ihr ohne euren tollen Hut unterwegs kann es durchaus vorkommen das ihr wieder die gleiche scheiss Angst habt.

So, das war jetzt ne ganze menge geschreibsel, aber das Finale folgt auf den Fuß.

Stellt euch jetzt bitte vor das ihr dieses Schema in allen alterstufen eures Lebens so gespeichert habt.

Stück für Stück wurde jede Erfahrung gespeichert und auf dem jeweiligen stapel übereinander abgelegt.

Das hat den riesen Vorteil, das wir den ganzen murks jetzt einfach von hinten aufrollen können.

Angst vorm ansprechen... ok.

Wo kommt sie her?

Welches gespeicherte Schema ist das Anfangsglied der Erfahrungs-Kette?

(Ja, genau deswegen wühlen Psychiater immer in der Kindheit rum.)

Ein Grund warum ich immer relativ schnell Needy geworden bin, lag darin das ich damals mit 13 bei Daniela mit ner üblen Needy Tour erfolg gehabt habe. Nach Daniela kam bis ich 16 war keine weiteren Erfahrungen dazu (das sah für Daniela natürlich anders aus). Mit 16 hat sich dann ein Mädel inner Disco einfach betrunken auf meinen Schoß gesetzt und mit mir rumgeknutscht. Zack hatte ich "ne Beziehung".

Das Mädel danach habe ich Romantisch zum Pizza essen eingeladen, und nach nem Spaziergang mit "eingeritztem Herz im Baum" kam es zum Kuss und zur nächsten Beziehung.

Mit dem Mädel war ich 7 Jahre zusammen. Nach der Beziehung war ich mit 23 raus aus der Pubertät, aber Frauentechnisch auf dem Erfahrungsstand eines 14 Jährigen.

Alleine das zu akzeptieren, (da ist das Wort wieder "Akzeptanz") brachte mich in die Position deutlich angstfreier die nächsten Ansprechversuche zu starten, denn mir war klar das ich einfach keine Erfahrung hatte, und das die gemachten Erfahrungen nicht so ganz der Realität entsprechen.

Dieses Schema gilt grundsätzlich für alle Gefühle. Unter diesem Licht betrachtet sollte auch klar werden was Drama wierklich ist.

Drama heißt nicht "fick mich du geiler Hengst". Drama bedeutet "keine Wahl" zu haben. Drama ist nichts anderes als die pure nackte Angst, und der versuch Herr (oder Frau) dieser zu werden.

------> Bitte betrachtet dies als die erste Fassung dieses Themas, die erste Auflage quasi. Ich bin müde und hab jetzt kein Lust mehr zu Tippen, würde mich aber wahnsinnig freuen wenn die erfahreneren User für die das alles hier sicher ein alter Hut ist, helfen das ganze zu korrigieren und zu vervollständigen. Ich werd in den nächsten Tagen noch n paar mal drüber lesen und ändern/vervollständigen usw. Für heute bin ich Platt <----

Der muss noch drunter, den find ich einfach sehr treffend:

Jede Form von Angst - namentlich aber die Angst vor Armut - lähmt die Verstandeskräfte, zerstört die Imaginationsfähigkeit, lähmt die Initiative, untergräbt die Begeisterungsfähigkeit, fördert die "Aufschieberitis", löscht jeden Enthusiasmus und macht Selbstbeherrschung unmöglich. Sie beraubt uns der Fähigkeit zum folgerichtigen Denken, unterminiert unsere Ausdauer und Beharrlichkeit, verschwendet unsere Willenskraft an Belanglosigkeiten, zersetzt unseren Ehrgeiz, trübt unser Gedächtnis und zieht den Misserfolg in jeder nur denkbaren Gestalt an; sie tötet die Liebe, erstickt alle edleren Gefühle im Menschen, untergräbt jede Freundschaft, verursacht Schlaflosigkeit, Not und Leid - und das alles, obwohl wir doch in einem Teil der Welt leben, in dem es alles, wonach unser Herz begehrt, im Überfluss gibt und in der uns nichts von der Verwirklichung unserer Träume abhält als die Unfähigkeit, uns ein klares Ziel zu setzen!

bearbeitet von Zirkel

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Hey Zirkel,

von der Grundidee her ist das ein schönes Modell. Ich habe in meiner Beschäftigung mit dem Thema oft die Erfahrung gemacht, dass in Glaubenssatzdingen kein „Vielleicht“ existiert. DER Kernaspekt von Beliefs ist ja gerade die universelle Gültigkeit für das entsprechende Individuum. Ein „Vielleicht“ ist als Ressource zwar vorhanden, doch auf unbewusster Ebene nicht prinzipiell als dritter Weg angelegt. Er muss in der Regel erst erschlossen werden.

Ist ein Belief erst einmal etabliert, setzt er direkt an der Filterinstanz an bzw. ist ein Filter. Das heißt, hätte ich den Belief „Keiner mag mich“ so würde ich nach Reaktionen anderer Menschen auf mich filtern, die das bestätigen und alles, was dem nicht entspricht, würde gar nicht bei mir ankommen. Ich bin der Ansicht, dass „erzwungen“ oder nicht in diesem Kontext für das Unbewusste keine Rolle spielt. Ich glaube vielmehr, dass signifikante emotionale Erfahrungen (SEEs) dazu führen, je nach Outcome einen der beiden extremen Wege einzuschlagen. Je nach Stärke kann bereits eine Erfahrung (Trauma) ausreichen, einen starken Glaubenssatz zu formen, oft sind es aber mehrere aufeinander folgende, die eine sogenannte gestalt bilden, also ein Thema generalisieren. Das entspricht ja genau dem, was du als „Stapel“ bezeichnest.

Es gibt Menschen, die würden eher die Hand auf besagte heiße Herdplatte drücken als eine Frau anzusprechen. Die zeigen wortwörtlich Todesangst. Auch wenn der Verstand ganz genau weiß, dass eine Frau ihn in der Regel nicht töten würde, entspricht die Angst doch dem Niveau „Lebensgefahr“. Eine tiefgreifende SEE (bis hin zum Trauma) ist psychologisch durchaus in seiner Konsequenz gleichzusetzen mit einer starken physischer Verletzung. Beide führen zu einem konsequenten Nein. Der Volksmund spricht nicht umsonst vom „gebrannten Kind“, das „das Feuer scheut“. Bei einem richtig alten, festen, etablierten Belief hast* du i.d.R. schlicht keine Wahl. (*besser gesagt, du glaubst, keine Wahl zu haben obwohl es objektiv gesehen viele Möglichkeiten gibt. Doch Glaube schafft subjektive Realität)

Emotional: UUUUHHHHH Ha ha ha ha das tut ja schweine-weh, ausserdem klebt meine Hand an der Platte...

Rational: Merke => glühende Gegenstände verursachen brutale körperliche schmerzen. NIE WIEDER!

Das Ganze funktioniert psychisch genauso, nur dass der Leitsatz im Falle eines traumatischen Erlebens wäre „Frauen anzusprechen verursacht brutale psychische Schmerzen. Nie wieder!“

Was für den Körper gilt, gilt auch für den Geist, denn sie sind systemisch untrennbar. Ich sehe das so, die beiden Wege „Weg von Schmerz“ (Nein) und „Hin zu Freude“ (Ja) sind obligat, die Veränderung durch einen „Vielleicht“ Zustand optional. Dieser Mittelweg kann einerseits wiederum durch SEEs erschlossen werden, d.h. wenn der Leidensdruck groß genug ist, wird die Schwelle überschritten, in der ein anderer Wert zunehmend in den Vordergrund gerät.

Viele hier im Forum werden folgenden inneren Dialog kennen: „So kann das nicht weitergehen! Ich muss was ändern sonst geh ich vor die Hunde!“

Was dazu geführt hat, dass sie das Forum schließlich gefunden und durch es die eine oder andere Ressource erschlossen haben.

Allerdings führt das meist zu einem inneren Konflikt, wenn zwei Seelen –ach! in meiner Brust wohnen und eine schreit „Lass das!“ und die andere „Mach es!“ Oft gewinnt dann der Platzhirsch, der ältere Belief, der wie an einer Perlenkette hunderte in seinem Sinne gefilterte Referenzbeispiele aufgereiht hat, warum er Recht hat. Hier können andererseits Ressourcen durch aktive Arbeit mit dem Unbewussten (z.B. Glaubenssatzarbeit) systematisch aufgebaut, ein „Nein“ über ein „Vielleicht“ in ein „Ja“ umgewandelt werden. Auch lässt sich durch intensivere Formate ein Nein aufheben und stattdessen ein Ja etablieren (Timelinetherapie, V-K Dissoziation etc).

Jetzt kommt der Trick...

Situation: Das Mädel verpasst uns nen derben Korb. Wir haben jedoch eine pervers Positive Grundeinstellung und sehen alles "POSITIV"!

Der positiven Grundeinstellung liegt i.d.R. bereits ein starker Belief oder eine geschaffene „Vielleicht“ Option zugrunde, die dir die Möglichkeit gibt, aus der „Allmacht“ des negativen Beliefs herauszutreten, dir Ressourcen zur Verfügung stellt, getreu der Grundannahme (die wiederum auch nur einen extrem positiven Glaubenssatz darstellt), dass kein Scheitern sondern nur Feedback existiert. Durch konsequentes Handeln baust du dann eine neue gestalt, neue Stapel an diesmal positiven Referenzen auf.

Alleine das zu akzeptieren, (da ist das Wort wieder "Akzeptanz") brachte mich in die Position deutlich angstfreier die nächsten Ansprechversuche zu starten, denn mir war klar das ich einfach keine Erfahrung hatte, und das die gemachten Erfahrungen nicht so ganz der Realität entsprechen.

Du hast sozusagen den Rahmen der Erfahrung verändert. Im NLP nennen wir das Reframing und es führt zu mehr Ressourcen und neuen Erkenntnissen. Ich selbst gehe nach der Akzeptanz meist einen Schritt weiter und verändere die emotionale Färbung der Vergangenheit. Da sie auch nur in unserem Kopf stattfindet lässt sie sich durchaus nach eigenem Gusto bearbeiten. Nicht das Wühlen in der Vergangenheit selbst bringt Befreiung, sondern das positive(!) Nutzen der gewonnenen Information.

Ich hoffe, wir haben nicht allzu sehr aneinander vorbeigeredet. Du weißt ja, Worte sind nicht die Dinge, die sie beschreiben und so werden wir nie ganz frei von Missverständnissen sein. Falls ich also etwas missverstanden haben sollte, sieh es mir nach ;-) Alles in Allem ein schöner Post und gute Ideen. Ohnehin ist in meiner Welt das Thema Angst und wie man mit ihr umgehtein zentraler Aspekt menschlichen Wohlbefindens. Eine angstfreiere wäre so durchaus eine bessere Welt, sei es im Mikrokosmos unseres individuellen oder im Makrokosmos unseres gesellschaftlichen Systems.

Herzliche Grüße,

Tsukune

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