Verlust eines geliebten Menschen

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Hallo Community.

Gerne würde ich hier mit euch über eines der Themen diskutieren, welches als Individuum sehr schwer zu verstehen und bewältigen ist- den Tod eines geliebten Mitmenschen.

Ich bin in einer solchen Situation und stehe kurz vor den Prüfungen und habe sonst auch noch sehr viel um die Ohren.

Die Situation, um die es geht, zieht mich sehr nach unten und macht mich verdammt traurig. Aus privaten Gründen möchte ich hier jedoch nicht weiter darauf eingehen, da es mich sehr traurig macht und ich grosse Mühe damit habe über die Gründe und Ursachen zu schreiben wie es dazu kam. Ich kann einfach soviel sagen, dass dieser Mensch für mich der wichtigste in meinem Leben ist und es auch immer war.

Ich schreibe von meiner Mutter - meiner grossen Liebe in meinem Leben und meiner Stütze, die in jeder noch so schweren Stunde immer für mich da war und mich unterstützte. Sie wird mich in den nächsten Tagen verlassen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ihr Lebenslicht erlischt. Sie freut sich darauf und ich mich auch, weil ich weiss, dass es ihr dann endlich besser gehen wird und sie keine Schmerzen mehr haben wird. Es wäre ein Wunder, wenn sie bis am Dienstag noch hier sein würde. Wer weiss, ob sie morgen noch aufwacht oder nicht ...
Sie wird erlöst von all dem und ich freue mich für sie, dass sie an einen Ort kommt, an dem sie nicht mehr so leiden muss wie jetzt. Trotzdem zerreisst es mich und ich habe wirklich keine Ahnung,wie ich mit meinem Leben weiterfahren soll und wie ich mich so auf die Prüfungen in 4 Wochen konzentrieren kann, wenn ich dauernd an sie denken muss und mich die Emotionen dermassen aus dem Konzept bringen. Ich habe keine Lust mehr auf Essen und mein Hals fühlt sich so an, als ob ihn jemand zuschnüren würde..

Während dem Sport machen kullern mir plötzlich Tränen übers Gesicht und auf dem Weg in die Uni muss ich mich stark zusammenreissen, da ich mitten im Zug akut weinen könnte weil ich dauernd an sie denken muss.
Ich weiss, dass ich mein Leben trotzdem weiterleben muss und es mich auch ablenken könnte. Doch finde ich das verdammt schwer und habe echt grosse Mühe, das alles so sachlich anzuschauen. Ich bin jemand, der seinen Gefühlen immer freien Lauf lässt. Doch wie soll ich dies tun, wenn ich dauernd in Vorlesungen sitzen muss, die mich momentan einfach überhaupt nicht interessieren, da ich immer abschweife mit meinen Gedanken. Dazu kommen dann noch gut gelaunte Mitstudentinnen und Mitstudenten, die die Sache nicht wirklich einfacher machen.

Natürlich weiss ich, dass soziale Netzwerke in solchen Situationen eine Bereicherung und grosse Stütze sind, doch kann ich einfach nicht die Augen vor der aktuellen Situation verschliessen und so tun, als ob nichts wäre und glücklich sein.
Die Frauenwelt lässt mich momentan auch sehr kalt. Mein Handy ist seit einer Woche ausgeschaltet und ich weiche eigentlich allem aus, ausser heute diesem Forum nicht, da ich schon zu mancher Situation Hilfe erhalten habe.

Für mich ist das Pick up Forum nicht einfach ein Forum wo man lernt, Frauen aufzureissen und sich über irgendwelche HB's austauscht - es ist viel mehr für mich. Es ist eine Lebenseinstellung, ein Ventil und eine Bereicherung für mein Leben. Ich kann hier zu allem, was mich beschäftigt, Fragen stellen und erhalte von zig Leuten eine Meinung, was ich sehr schätze.
Deswegen ist dies hier eigentlich ein Vertrauensbeweis an die Community und deren User in diesem Forum.

Doch genug davon. Mir geht es mit diesem Thread darum, dass ich von euch vielleicht Ratschläge, Hilfestellungen oder gute Ideen erhalte, die ich in meinen Alltag einbeziehen kann. Ich bin sehr dankbar für jeden Tipp, da es mir momentan - wie ich bereits geschrieben habe- sehr schwer fällt, meinem normalen Studentenleben nachzugehen.

Deshalb meine Frage:

Wie geht man mit dem Tod eines Freundes, Familienmitgliedes, Partners oder sonst einem geliebten Menschen um?

Ich danke euch bereits jetzt für eure Antworten!

bearbeitet von Tschurikin
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Hey!

Klingt doof: Nimm dir die Zeit die du brauchst, zu trauern. Das letzte, dass du brauchen kannst, ist es, wenn du dich an Orten aufhälst, an denen du deine Gefühle zurückhalten musst.

Vielleicht kannst du ja den Professoren deine Lage schildern, so dass du deine Prüfungen (oder zumindestens ein paar davon) nachholen kannst - falls zwingend wichtig für dein Studiumfortschritt?

Keine Ahnung wie das wirklich ist, wenn die eigene Mutter stirbt. Sollte ich in deiner Lage sein, dann würde ich mir Zeit nehmen, zu trauern. Alles andere ist nebensächlich. Vor allem wenn es um die Person der eigenen Mutter geht.

Ich würde meiner Mutter für alles danken, sie umarmen und sie wirklich meine Liebe spüren lassen - und ihr für etwaige Verletzungen verzeihen.

Als ein guter Freund von mir gestorben ist, habe ich mir auch Zeit genommen, zu trauern. Ich habe mit gemeinsamen Freunden viel Zeit verbracht, dies hat viel geholfen - auch unsere Beziehungen in der Gruppe gestärkt. Wir haben uns an alle schönen Ereignisse mit ihm erinnert und auf ihn angestoßen. Vielleicht kannst du ja zusammen mit deiner Familie trauern, wird euch zusammenschweißen.

Ich schicke dir auf jeden Fall viel Kraft!

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Natürlich weiss ich, dass soziale Netzwerke in solchen Situationen eine Bereicherung und grosse Stütze sind, doch kann ich einfach nicht die Augen vor der aktuellen Situation verschliessen und so tun, als ob nichts wäre und glücklich sein.

Hast Du also den Leuten in Deinem nahen Umfeld nicht von der Situation erzählt? Ich denke das könnte Dich schon entlasten, denn dann musst Du auch nicht froh tun.

Mein Papa ist Anfang des Jahres gestorben. Ich hatte z.B. in meiner WG erzählt, dass er so krank ist. Irgendwann kam der Anruf von meiner Mutter: "Also, wenn Du ihn nochmal sehen möchtest, dann solltest Du jetzt kommen." Meine Geburtsstadt ist etwa 2 Zugstunden von meiner Studiumsstadt entfernt. Also bin ich gefahren. Und ich habe meinen Mitbewohnern vorher gesagt: "Wenn ich wieder komme, und ich will keinen sehen, oder ich bin nur traurig, dann ist es deswegen und hat nichts mit euch zu tun." Und ich habe das Gefühl dadurch, dass ich es gesagt habe, kam es dann auch gar nicht so krass. Hätte ich das jetzt unterdrücken wollen um nach außen hin tough zu sein, währe die Trauer sicher fordernder geworden. Ich hab eh ganz viel Verständnis erfahren in der Zeit und das hat gut getan. Plötzlich habe ich von vielen erfahren, dass sie ähnliche Situationen schon durch haben. Ich war noch nicht besonders erfahren mit dem Tod, aber viele konnten das komplett nachvollziehen und Erfahrungen mitgeben. Ich denke die Menschen machen das schon, wenn Du sie lässt.

Fröhlich zu spielen kostet Dich Kraft die Du um Deine Mutter zu begleiten und für die eigentliche Trauerarbeit sicher besser brauchen kannst.

Das war übrigens auch der meist gehörte Rat: Lass die Trauer zu. Machen ansonsten was Du willst, aber fang nicht an das zu verdrängen, und es dauert so lange wie es dauert.

Unsere Familie ist während der Krankheit und nach dem Tod meines Vaters nochmal richtig zusammengewachsen. Ich fand das auch notwendig mit den Leuten offen sein zu können, die alle ähnlich betroffen sind. Es ging mir soviel durch den Kopf in der Zeit, die Prioritäten haben sich verschoben und ich hab mir selbst auch viele neue Fragen gestellt. Ich fand's wichtig zu wissen, dass ich damit nicht allein bin.

In Zügen weinen halte ich übrigens auch nicht für ein Problem. Die meisten Leute achten doch eh nur auf sich selbst auf ihren Wegen von A nach B.

Ich konnte einen Härtefall zur Studienverlängerung geltend machen. Ich weiß nicht, wie das mit Prüfungen ist, aber habe die Erfahrung gemacht, dass einem eigentlich immer Rücksicht widerfährt, wenn man rechtzeitig auf eine schwierige Situation hinweist. Ich würde mir bei den zuständigen Stellen Rat holen.

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Lieber Tschurikin,

es tut mir unendlich leid, das zu lesen. Ich kann mich absolut in deine Situation reinfühlen, weil ich selbst in genau der gleichen war. Ich habe meine Mutter verloren, als ich 15 war und denke in letzter Zeit sehr häufig daran, da wir seit rund zwei Monaten wissen, dass auch meine Stiefmutter erkrankt ist.

Jetzt aktuell ist das meiner Meinung nach allerwichtigste, dass ihr die Zeit, die euch noch bleibt, gemeinsam verbringen könnt. Auch wenn es dir dein Herz in klitzekleine Stücke bricht - ich würde nochmals genau das machen, was ich immer mit meiner Mutter gemacht habe. Sei es ein Spiel, das man früher gespielt hat, ein Film, den man gemeinsam gesehen hat, das Lieblingsessen - all die kleinen Kleinigkeiten, die den Alltag ausmachen. Und ich würde Erinnerungen austauschen, Dinge, die dir vielleicht nur deine Mutter erzählen kann oder an die du dich erinnerst, weil sie dir als Kind wichtig erschienen. Das hätte für mich in diesen Tagen absolute Priorität.

Als es dann bei meiner Mutter so weit war, blieben meine Schwester und ich eine Woche Zuhause. Ehrlich gesagt weiß ich von dieser Woche nichts mehr. Ich habe wirklich keine Ahnung, was wir gemacht haben. Danach ging ich wieder zur Schule und habe versucht, in den Alltag zu finden.

An deiner Stelle würde ich mich krankschreiben lassen, unser Hausarzt hat das ohne zu zögern gemacht. Auch wenn es so klingt, als käme das nicht unerwartet und ihr hättet Zeit gehabt, euch an den Gedanken zu "gewöhnen" - wirklich real wird es wohl erst, wenn der Moment gekommen ist, Abschied zu nehmen. Und dann muss Raum und Zeit sein, hemmungslos heulen, den ganzen Tag im Bett verbringen, stundenlang schweigen oder schreien zu können. Und erst wenn diese erste Woge des Schmerzes dich mitgerissen hat, kannst du wieder anfangen, zurück in dein eigenes Leben zu gehen. Und dann wird es dich von ganz alleine mitziehen. Ich denke, ich würde mit meiner Familie und den besten Freunden versuchen, den Schmerz zu verarbeiten und in der Uni den Alltag zu leben. Wissen deine Leute dort denn, wie es dir geht und was los ist? Aber selbst wenn - deren Leben dreht sich normal weiter, natürlich werden sie scherzen und lachen wie sonst auch. Aber das ist auch gut so. Anfangs wird es dir zum einen Ohr rein und zum anderen raus gehen, irgendwann wird sich ein Mundwinkel heben und irgendwann ist dann ein lächeln. Und so wie das Lächeln zurückkommt, werden die Tränen weniger werden. Sie werden zwar nie ganz verschwunden sein, es wird immer Momente geben, in denen alles wieder hoch kommt. Aber ich glaube, das ist normal.

Ich denke an dich und wünsche dir, deiner Familie und deiner Mutter von ganzem Herzen die nötige Kraft für die kommende Zeit. Wenn es irgendetwas gibt, was du wissen möchtest oder los werden willst - zögere nicht, zu fragen.

Alles, alles Liebe

C

bearbeitet von *Anya*
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"Die Liebe deines Lebens ist tot".

Meine Ohren hören. Aber mein Geist versteht nichts. Sofort fängt es in meinem Kopf an zu rattern, mein Hirn versucht zu begreifen, was da gerade passiert ist und sucht zugleich nach dem besten Schutzmechanismus für das, was gleich kommen wird: der schlimmste Schmerz, den ich jemals gefühlt habe. Aber bis dahin bin ich wie in Trance. Ich sehe, aber ich reagiere nicht darauf. Ich funktioniere nur noch. Mein Gehirn tut so, als wäre es mit wichtigeren Informationen beschäftigt ("Jetzt höflich nicken") um mich noch immer vor dem stillen Schrei zu bewahren. Bis ich endlich in der Dunkelheit in meinem Bett liege. Und dann trifft mich der Schlag, plötzlich versteht mein Kopf, mein Ich und damit auch mein Herz und meine Seele. Es sticht, es piekst, es brennt, es reißt gleichzeitig, die Tränen laufen, das Schluchzen wird erst hörbar und dann unerträglich laut, bis meine Augen zugeschwollen sind, mein Kopfkissenbezug vollkommen nass ist und keine Tränen mehr kommen können, so sehr meine Schultern auch weiterzucken.

Der letzte Gedanke beim Einschlafen. Der erste, sobald ich aufwache. Ist es nur ein böser Traum? Nein. Ich sitze lethargisch in meinem Zimmer. 1 Stunde. 2 Stunden. Mein Opa ruft an. 3 Stunden. 4 Stunden. Meine Oma ruft an. 5 Stunden ...

Beim ersten Mal teile ich es keinem mit, denn ich weiß nicht, wie man das, was ich gerade fühle, in Worte fasst. Ich habe es noch nie zuvor gefühlt, ich kenne meine Reaktionen auf die Nachricht nicht, ich weiß nicht, wie und ob ich und mein Leben jemals wieder so wird wie es mal war (später weiß ich: Nein!). Ich warte, bis die anderen mich auf auf meinen Zustand oder Tage später auf die Person ansprechen. Das kann unangenehm sein. Beim zweiten Mal erzähle ich den wichtigsten Menschen sofort "Er ist tot".

Ja, du wirst die Menschen in eine unangenehme Situation bringen. Sie werden nicht wissen, was sie tun, was sie sagen sollen. Und du wirst vielleicht auch nicht wissen, was du tun und was du sagen sollst. Das ist absolut okay. Vielleicht wirst du versuchen stark zu sein, weil du andere so schwach siehst und das Gefühl hast, nicht auch noch schwach sein zu können. Vielleicht willst du reden, vielleicht willst du Ruhe. Vielleicht willst du die 1. Seite deiner Uni-Arbeit deiner Mama widmen.

Das einzige, was wirklich hilft, ist Zeit. Der (starke) Schmerz geht vorbei, die Lücke bleibt. Es wird nie wieder so, wie es mal war. 1.) Mir hat geholfen, dass meine Oma mich bereits als kleines Mädchen mit zum Friedhof genommen hat, für mich ist das ein schöner Ort voller Erinnerungen und Blumen, wie ein Park, eine Oase der Ruhe. 2.) Wenn in mir Chaos herrscht, räume ich auf. Als ich vom Tod erfahren habe, bin ich in die Wohnung der verstorbenen Person und habe aufgeräumt. Im nachhinein klingt das verdammt merkwürdig. Aber da hat es mir geholen. All die vertrauten Dinge. Das Anfassbare. 3.) Auf den Beerdigungen selber habe ich Rotz und Wasser geheult. Und danach, bei Kaffe und Kuchen habe ich unter Tränen gelächelt, weil alle nochmal die schönsten und witzigsten Momente mit der Person wiedergeben.

Ein Freund von mir, dessen Mutter verstorben ist, ist zusammengebrochen und ein Kumpel ist eine Woche lang bei ihm eingezogen, damit er nicht alleine ist. Er wollte nicht zur Therapie gehen und hat sich mit Selbsthilfebüchern ca. 1,5 Jahre lang selber therapiert. Ein Bekannter, dessen Vater verstorben ist, hat einfach weitergemacht und jetzt, ein halbes Jahr später, ist er depressiv und seine Freunde kümmern sich intensiv um ihn.

Ich denke täglich an die beiden. Vielleicht. Ich habe keine Angst vor dem Tod, wohl aber vor dem Vergessen. Ich rufe mir ihre Stimmen in meinen Kopf, weil ich gelesen habe, dass man die Stimmen als erstes vergisst.

Es hilft auch, mit anderen - älteren - Menschen über den Tod zu reden. Ich habe einen anderen Blickwinkel darauf erhalten, als die 70-, 80-, 90-jährigen davon erzählen, wie es ist, damit zu leben, dass schon so viele Bekannte, Verwandte, Geschwister, Eltern, Freunde, Partner oder gar Kinder verstorben sind. Und dass das Leben weitergeht. Anders. Aber es geht.

Dir, Tschurikin, viel Kraft.

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Hallo lieber Forumgeselle ,

Ich hatte als ich 7 war eine Schwere Zeit , so wie du jetzt auch ..

Meine Mum war Monatelang im Koma und sie verstarb an meinem 8 Geburtstag.

Es ist sehr sehr hart diese zeit durchzustehen . Deswegen gebe ich dir sehr viel Kraft und Mut um diesen Kampf zu gewinnen.

Viel Glück und alles Gute ,

Cino

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Vielen Dank für eure Antworten!

Zu den Fragen betreffend meinem Umfeld, Freundeskreis und den weiteren System, in die ich eingebettet bin:

Die Leute, die mir nahe stehen, sei es in der Schule oder sonst wo, wissen um meine Situation und was mit meiner Mutter los ist. Viele Freunde an der Uni sprechen mich auch immer wieder darauf an und bieten mir ihre Hilfe und Unterstützung an, falls ich sie brauchen sollte. Letzte Woche bin ich ein paar mal bei ner Kollegin oder nem Kollegen geblieben und habe dort geschlafen. Wenn ich von zu Hause weg war, konnte ich immer ein wenig einen klaren Kopf bekommen und so hart wie es klingt, alles ein wenig vergessen lassen.

Zu Hause holte mich jedoch immer wieder die Realität ein, ohne Gnade und auf eine traurige Art und Weise. Meine Mama ist auf der einen Seite ganz gelähmt und deshalb bettlägerig. Aufstehen geht nur noch ganz schwer und meist zu zweit, da sie sich nicht mehr selbst auf den Beinen halten kann.
Ich schlüpfte in den letzten Wochen vermehrt in die Rolle des Pflegers und half ihr bei alltäglichen Dingen und brachte ihr Medikamente, Essen und war immer für sie da, so gut ich halt konnte.

Wenn ich anderen von meiner Situation erzählt habe, fingen die meist an zu weinen und ich fühlte mich noch schlechter, da ich sie mit der ganzen Sache belastet habe. Die Gespräche mit anderen Menschen waren aber für mich wunderschön, da ich auf viel Unterstützung und Verständnis stiess. Ich kann froh sein, dass ich solche Mitstudentinnen und Mitstudenten habe in meiner Klasse. Ich habe somit zu Beginn des Studiums wundervolle Freundschaften schliessen können, auf die ich jetzt zurückgreifen kann und die mir in allen Situationen den Rücken stärken und mich auch von den anderen in der Klasse in Schutz nehmen und mit abschirmen, wenn es nötig sein sollte.

Momentan beschäftige ich mich stark damit, wie es sein wird, wenn sie nicht mehr da ist. Es bleiben mir noch gute 2-3 Tage, um ihr Fragen zu stellen und auf sie zuzugehen. Ich weiss jedoch nicht, was ich sie noch fragen soll... Ich will nachher nicht traurig sein und es bereuen, dass ich gewisse Dinge nicht gefragt habe. Ich hatte zu meiner Mutter die schönste Beziehung, die man sich als Sohn und Kind nur vorstellen kann. Wir unterhielten uns über alles und ich konnte mit jedem Problem zu ihr kommen. Sie hatte immer ein offenes Ohr für mich und wir kommunizierten offen über alles, was mich im Leben so beschäftigte und sie hatte auf jede noch so schwierige Frage eine sinnvolle und gute Antwort, wie man sich das halt wünscht.
Wir unternahmen sehr viel zusammen und teilten viele Dinge, wie den Sport, die Natur und hatten beide immer unendlich viel Spass, wenn wir zusammen unterwegs waren. Wir wollten in diesem Sommer zusammen nach Florenz- sie wollte mir ihre Lieblingsstadt zeigen. Diese Reise werde ich jedoch alleine unternehmen müssen. ich bin mir sicher, dass sie bei mir sein wird und immer auf mich schauen wird, auch wenn sie nicht mehr da ist.

Wir unterhielten uns in den letzten Tagen auch immer wieder, doch wegen ihrem Gesundheitszustand ist es ihr nicht mehr möglich, lange zu reden, da ihre Kräfte schnell schwinden und sie dermassen schnell müde wird. Trotzdem erläuterte sie immer wieder, was für ein wunderbarer Sohn ich doch bin und wie stolz sie auf mich ist. Solche Aussagen zerreissen mir das Herz und bringen mich zum Weinen. Ich habe Angst davor, wie es mit mir weitergehen wird, wenn sie nicht mehr da ist. Wie ich Krisen in meinem Leben bewältigen werde, mit wem ich mich über dermassen intime Dinge austauschen kann und wer immer für mich da sein wird.
Diese Trauer ist unbeschreiblich. Ich fühle eine Leere in mir, die ich mit nichts kompensieren kann und es auch nicht will. Ich will traurig sein, ich will mich bewusst mit der Situation auseinandersetzen.

Meine Mutter spricht dermassen offen und ehrlich mit mir. Sie meinte, dass es schon bald viel viel besser gehen würde. Sie freut sich riesig auf den Tag, an dem sie gehen darf. Ich soll mich mit ihr freuen und sie ist dankbar, dass ich eine Bereicherung für ihr Leben war.
Sie spricht immer wieder von folgendem Bild, welches sie im Kopf hat :

"Ich fühle mich wie eingesperrt. Ich bin ein Vogel und sitze in einem sehr engen Käfig und ich kann einfach nicht raus. Ich sehne mich nach nichts mehr, als aus diesem Käfig raus zu kommen. Ich will fliegen. Die Käfigtür wird sich bald für mich öffnen und ich fliege weg- an einen schönen Ort- weg, in die Freiheit"

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Die Palette an Gefühlen, die man in dieser Situation hat, ist so groß - Wut auf sich, die Welt und auch auf die Person, weil sie krank ist und man sie dabei doch so sehr liebt und braucht. Schuldbewusstsein, weil man auf den Menschen, den man liebt und der für diese Situation absolut nichts kann, wütend ist. Gewissensbisse, weil man flüchtet und glaubt, den Menschen alleine zu lassen. Trauer und Angst angesichts des bevorstehenden Todes und der Einsamkeit danach. Unsicherheit und Überforderung, weil man der Helfer sein muss, obwohl man selbst keine Kraft mehr hat...

Ich vermute, dass es auch Gefühle sind, die du hast. Gewissensbisse, weil du Abstand brauchst und auch mal zu deinen Freunden gehst. Trauer, Schuldbewusstsein, Überforderung Zuhause. Angst vor den nächsten Tagen, Monaten, Jahren.

Aber sie alle gehören dazu und sind es, was wir fühlen, wenn wir in diese Situation geraten. Und dass du dich davor nicht verschließt und darüber sprichst, halte ich für absolut wichtig und richtig. Wenn mir jemand von seinem Kummer erzählt und ich daraufhin weinen muss, sind es diese Tränen tausendfach wert, wenn es meinem Gegenüber danach ein kleines bisschen besser geht. Mach dir daher keine Sorgen, wenn deine Freunde mit dir fühlen - es sind meiner Meinung nach die Menschen, mit denen du lachen und weinen kannst.

Du wirst ihr nicht alle Fragen stellen können. Das geht auch gar nicht. Es werden Fragen nach deiner Kindheit auftauchen, die dir manchmal auch deine Familie nicht beantworten kann. Es werden vielleicht auch viele Fragen nach der Kindheit und dem Leben deiner Mutter auftauchen - was hat sie gefühlt, was hat sie bewegt, ihre Entscheidungen so zu treffen, wie sie es getan hat?

Aber manche Dinge wirst du und werde auch ich nicht erfahren und es ist sinnlos, sich darüber zu grämen. Wir können es nicht ändern.

Darf ich fragen, wie dein Verhältnis zu deiner Familie ist? Deinem Vater? Hast du Geschwister? Ich war immer ein absolutes Mama-Kind. Mein Vater wusste zwar zu jedem Zeitpunkt, was in meinem Leben vorgeht, aber wenn ich Sorge, Kummer, Angst oder einfach nur Scheiße gebaut hatte, war immer meine Mutter meine Ansprechpartnerin. Der Tod meiner Mutter hat meinen Vater, meine Schwester und mich noch näher zusammen gebracht. Zudem habe ich gelernt, viele Dinge mit mir selbst auszumachen, später wurde mir meine Stiefmutter eine neue Freundin und "Beraterin in allen Lebenslagen". Heute führe ich viele Gespräche mit meiner Schwester und es ist noch nicht lange her, als ich genau diese Worte zu ihr sagte: "Mit Mama kannst du nicht darüber sprechen, dann sprich mit mir darüber. Wenn du nicht mit mir jederzeit offen und frei sprechen kannst, mit wem dann?".

Keiner wird deine Mutter ersetzen können. Niemand. Aber du wirst lernen, wie du deine Probleme lösen kannst, mit wem du sprechen kannst und willst. Mir hat sich ein Gedanke, ein Moment eingebrannt, den ich bis heute nicht vergessen habe. Ich saß danach bei uns Zuhause am Esstisch und dachte: "Du hast es schon kaum ausgehalten, wenn sie ein paar Tage weg war. Wie sollst du ein ganzes Leben ohne sie aushalten?". Ein ganzes Leben ist es zwar nicht, aber mittlerweile sind es 13 Jahre. Ich habe sie nicht vergessen, ich denke oft an sie und ganz besonders an bestimmten Anlässen, wie beispielsweise damals meinen 18. Geburtstag, die Hochzeit meiner Schwester..., an denen sie einfach hätte da sein müssen. Es sind Momente, in denen die Trauer wieder voll und ganz da ist. Aber trotzdem liebe ich mein Leben und habe bisher noch jedes Problem gemeistert. Und ich bin mir sicher, dass es dir auch so gehen wird, auch wenn du es dir jetzt vielleicht nicht vorstellen kannst.

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Tschurikin, hab Kraft. Verbring die nächsten Tage mit Deiner Mutter, so es irgendwie geht - diese Zeit bringt niemand wieder. Nichts anderes ist so wichtig, nicht im Studium und nicht bei der Arbeit.

Was die Zeit danach betrifft - es fällt mir schwer, Dir etwas zu raten. Das ist glaube ich für jeden und jedes Mal anders. Wenn es andere Menschen gibt, die Deine Mutter kennen und lieben, dann verbringe Zeit mit Ihnen. Versucht über die guten Zeiten mit ihr zu sprechen - tut zwar weh, aber es hilft vielleicht, das eigene Erinnern etwas von der Krankheit weg zu bekommen. Ansonsten hilft manchen die Arbeit oder das Studium, anderen Sport - irgendeine Ablenkung. Nimm Dir aber die Zeit, die Du brauchst. Und wenn Du merkst, dass Du da nicht heraus kommst, sprich mit Freunden. Nach dem, was Du beschrieben hast, weisst Du schon, wen Du damit belasten kannst und wer Dich stützen wird. Können leider nicht alle Menschen - viele haben keinen Umgang mit Krankheit und Tod, das liegt nicht daran, dass sie es nicht wollen, sondern sie können es einfach nicht besser.

Alles Gute in einer harten Zeit.

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Hey Tschurikin,

...für mich ist es immer sehr schwer einen Anfang bei solchen Thematiken zu finden. Meine Mum ist nicht tot aber sie hatte Krebs. Ich weiß also nicht wie es ist wenn jmd. mit so hohem Stellenwert im eigenen Leben geht. Lediglich kenne ich das Gefühl wie es ist wenn man Angst hat diesen zu verlieren.Auch wenn man sich immer sagen soll " denk nicht so ( an das Schlimmste) in gewissen Situationen begleitet es dich obwohl du weißt, dass es dir nicht gut tut.

Ich möchte keine Tipps geben weil es unangemessen wäre. Da bist du bei den anderen besser aufgehoben.

Mir kam nur eben der Gedanke auch verbunden mit Zeit und Verarbeitung. Gibt es irgendetwas was deine Mum immer mal machen wollte ? sehen wollte ? etwas was ihr unglaublich wichtig war ? Ich glaube ich würde es am besten verarbeiten wenn ich etwas schaffe/mache wenn ich mich komplett mit der Person auseinander setze..Familie, Orte, Wünsche..so dass sie nie in Vergessenheit für mich gerät ( ich weiß, dass wird sie auch so nie). Ich hoffe du verstehst was ich meine. Meine komplette Trauer ausleben. Im Endeffekt wirst du es selbst einen passenden Weg finden.

Ich würde mir jegliche Zeit nehmen die ich kann um es zu verarbeiten. Prüfungen wären für mich total irrelevant. Es gibt Urlaubssemester / Ausnahmesituationen.

..Ich habe gerade deinen zweiten Post gelesen. Mein Freund, mir kamen die Tränen. Ehrlich gesagt nicht, weil es mich erdrückt hat sondern weil einfach so viel Gutes und Menschliches zwischen den Zeilen steckt.Ein reines Herz.

Deine mum wird immer bei dir sein.Egal wo.Daran glaube ich.

Ich wünsche dir alles erdenklich Gute mein Freund.

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Hallo zusammen.

Ich danke euch ganz herzlich für die lieben Worte und die berührenden Antworten zu diesem Thema. Ich bin froh, dass man hier in der Community auch über solche Dinge, die für mich das Leben auch mit sich bringen, diskutieren kann und ich auch eine Art Ventil besitze mit diesem Forum und mir geholfen wird. Danke!


Meine Mutter ist heute mittag von ihren Leiden befreit worden und hat mich und den Rest meiner Familie verlassen. Ich fühle mich komplett leer, hilflos und unendlich traurig. Mein Hals zieht sich ganz zu und es schmerzt bei jedem Atemzug. Ich starre auf den Bildschirm und verfasse diese Zeilen mit Tränen in den Augen, den Gedanken, die ich an sie habe und all die wunderschönen Momente, die ich zum Glück mit meiner Mutter verbringen durfte. Sie konnte 52 tolle Jahre auf dieser Welt sein, ehe sie nun heute an einen anderen Ort gegangen ist.
Weg wird sie für mich nie sein, auch wenn ich sie nicht mehr sehe. Immer wird sie den grössten Platz in meinem Herzen haben, den niemals jemand anderes so einnehmen kann, wie sie es konnte. Ich zittere und fühle mich richtig verwundbar.

Ich war bei ihr, als sie die letzten Minuten noch da war und hielt ihre Hand, strich ihr über die Wangen und sagte ihr, dass alles gut sein wird, so wie es ist.
Ich habe noch nie in meinem Leben einen solch emotionalen Moment erlebt, wie heute. Niemals hätte ich mir auch nur vorstellen können, auf welche Art und Weise meine Mutter von mir gehen würde. Ich konnte zum Glück richtig Abschied nehmen und bei ihr sein. Es war absehbar, dass sie gehen würde und trotzdem macht es die ganze Situation nicht einfacher. Das ganze Hause ist voller Leute, auch Polizei und Ärzte sind da. Es wird mir alles zu viel.
Ich bin in meinem Zimmer und höre Musik, die meiner Seele gut tut und verfasse diese Zeilen. Die bewusste Auseinandersetzung mit dem Tod war für mich die schwierigste Sache in meinen 24 Jahren, in denen ich jetzt auf der Welt bin. Doch wird dieser Prozess und die damit zusammenhängende Verarbeitung noch andauern...

Es ist für mich einfach unvorstellbar, dass sie jetzt nicht mehr da ist und ich nicht mehr mit ihr reden kann. Sie nicht mehr berühren, küssen und mit ihr über alles mögliche diskutieren kann. Nie mehr ihre Nähe spühren oder mit ihr lachen. Nie mehr Rat suchen und Antworten auf unzählige Fragen erhalten, die mich in meinem Leben beschäftigen. Nein, ich denke, dass ich sie wieder sehen werde. Ihr geht es jetzt viel besser und das macht mich trotz der Trauer auch glücklich. Ich freue mich für sie, dass sie es jetzt besser hat!

Ich erwähnte in einem Post vorher, dass sie sich fühlt, als wäre sie ein Vogel - eingesperrt in einem Käfig- und dessen Tür sich bald öffnen würde.
Heute - an diesem regnerischen Tag- wurde sie erlöst und die Käfigtür öffnete sich und sie flog davon. An einen besseren Ort, ohne Schmerzen und Kummer. An einen Ort, wo ich mich schon jetzt freue, sie eines Tages wieder sehen zu dürfen. Wo auch immer das sein wird und wann wir uns wieder sehen werden, ich sehne mich bereits heute danach.

Ich möchte zum Schluss noch mit zwei Zitaten, welche sie für ihre Todesanzeige ausgesucht hat, diesen Post abschliessen.Sie stammen aus dem Buch "Der Kleine Prinz", welches ich euch sehr empfehlen kann:

"Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."

"Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können."


bearbeitet von Tschurikin
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Nimm dir die Zeit für deine Trauer, versuch alles rauszulassen. Der Tod ist die einzige Wahrheit die es gibt auf dieser Welt, denn irgendwann werden wir alle Sterben.

Es ist wie du sagst eine Erlösung, für den Menschen, die Erringerung wird immer bleiben Pflege die Liebe in deinem Herzen denn diese Gebundenheit wird dir niemand wegnehmen können.

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An manchen Tagen ist man zufrieden mit der Welt und allem... Kurze Zeit darauf bricht aber einem die Erde unter den Füssen. Das kann man leider nicht voraussehen. Wir alle werden leider irgendwann ein wichtiges Familienmitglied verlieren. Auch wenn man weiß das es passieren wird..man kann nicht mehr und will nicht mehr weitermachen. Das Leben erscheint sinnlos ohne diesen wichtigen Menschen weiterzumachen. Die Person die von uns gegangen ist, hätte sich aber genau DAS gewünscht...... das wir nämlich unseren Weg wie gewohnt weitergehn und sie weiterhin für immer im Herzen tragen. Irgendwann mal sieht man sich bestimmt wieder.

Die Trauer muss raus. Erst alleine für sich und später in der Familie zusammen. Du bist ja schon mittlerweile Onkel wie du sagtest. Daher hast du viele Familienmitglieder gehe ich von aus. Ihr alle seid nun das Erbe deiner geliebten Mutter. Jeder von euch trägt auf Ewigkeiten ein Stück von IHR in sich. Tragt dieses mit Ehren weiter...

Denk an die schönen Momente die ihr zusammen hattet. Lass dein ganzes Leben zusammen mit deiner Mutter und der Familie revue passieren. Es wird der Moment kommen an dem du wieder voller Stolz durch die Straßen gehst und Ihren Traum und Wunsch weiterlebst. Den Traum und den Wunsch den jede Mutter hat. Das ihr Kind glücklich wird und den Weg weitergehen wird.

Menschen die ihre Mutter ehren haben einen großen Platz in meinem Herzen. Du bist ein klasse Junge. Wann immer dir was auf dem Herzen liegt. Das Forum ist da für dich BRO

Peace

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Hey Tschurikin,

ich kann dir leider keine Tipps geben, da ich bis dato eine solche Situation noch nicht bewerkstelligen musste, aber alleine der Gedanke daran, dass meine Eltern einmal sterben werden, macht mich schon sehr, sehr traurig, da ich beide wirklich über alles liebe und ich sie nie missen möchte. Ich kann mit dieser Thematik einfach noch gar nicht umgehen.

Ich kann mir in keinster Weise vorstellen wie du dich gerade fühlst, jedenfalls wünsche ich dir alles erdenklich Gute und ganz, ganz viel Kraft. Ich denke fest an dich!

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Ich habe in meinem Leben noch niemals etwas derart Emotionales und Trauriges erlebt.

Die Fassungslosigkeit über die ganze Situation ist omnipräsent und ich habe grosse Mühe, wieder in den normalen Alltag einzusteigen und meinen Sachen nachzugehen.

Mir war bis jetzt nie bewusst, wie viel Aufwand hinter dem Verlust eines Verwandten steckt und was alles erledigt werden muss. Durch diese grosse Liste an Dingen, die man obligat erledigen muss war ich einigermassen im Flow und abgelenkt.

Doch mehrmals am Tag holt mich die Situation ein und es treibt mir einfach die Tränen in die Augen. Gestern fiel es mir sehr schwer, Joggen zu gehen. Die ganze Strecke über musste ich immer wieder Pausen machen, weil ich dauernd an meine Mama denken musste und so im Laufen gebremst wurde.

Lieder, die man irgendwo hört erinnern einen an gemeinsam erlebte Dinge und auch alles im Haus wurde durch meine Mutter geprägt. Sie hat unser zu Hause so gemacht, wie es heute ist. Jede Ecke erinnert mich an sie und Abends wenn ich einschlafen will bleibe ich stundenlang liegen und werde dermassen traurig, dass ich oft bis in die frühen Morgenstunden nicht einschlafen kann.

Gestern Abend habe ich den Lebenslauf für die Kirche und die Beerdigung zusammen mit meinem Vater verfasst. Auch das war gar nicht einfach, da es mir schwer fiel die passenden Worte zu finden und über das Leben meiner geliebten Mama zu schreiben.

Trotzdem denke ich an die guten Seiten und probiere mir immer wieder vorzustellen und einzureden, dass es ihr jetzt endlich wieder besser geht und sie durch meine Liebe zu ihr in mir weiterlebt.

Ich war erstaunt, wie viele Menschen bereits von ihrem Tod erfahren haben und erhielt bereits jetzt- noch bevor ich die 400 Todesanzeigen versendet habe - etliche Briefe von allerlei Freunden und Leuten, die meine Mutter kannte.

Ich habe richtig Angst in die Uni zu gehen, da ich auch dort mit ihrem Tod konfrontiert werde. Ich weiss nicht wie ich damit umgehen soll und ob ich direkt weinen muss, wenn mich nur jemand auf sie ansprechen sollte. Es ist alles noch viel zu unwahr und trotzdem ist es passiert und ich frage mich immer wieder, ob diese Schmerzen weniger werden und ich es mit der Zeit besser verarbeiten kann als jetzt.

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Vielleicht wäre der Jakobsweg etwas ?

Nicht aus religiösen Gründen sollte das nicht dein Ding ist sondern weil du einfach nur eins hast...

Zeit.

Mir hat es geholfen. Vielen anderen auch.Vielleicht wäre da auch was womit du deiner Mum ein Lachen schenken könntest.Irgendwas wo du dir denkst,dass passt zu mir und das ist ein Teil den deine mum in dir geprägt hat was du auf Dauer fördern könntest. Du nutzt deine Zeit sinnvoll und verarbeitest etwas ohne sie zu vergessen.

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Ich habe selber grade den übelsten Kloß im Hals und wusste für eine halbe Stunde nicht was ich schreiben soll da ich mir vorstellen kann was du durchmachst und es mir selbst schwer fällt darüber zu schreiben, aber:

Nutze die Zeit mit deinen Verwandten oder Partnerinnen so gut es nur geht, drücke deine Gefühle aus, lebe leidenschaftlich.

Wann du auch an den Punkt kommst einen geliebten Menschen zu verlieren , denke immer an die gute Zeit und sei tief dankbar für die wunderschönen Momente die er dir gegeben hat.

Versinke in Demut und lasse deine Gefühle zu - auch wenn das bedeutet tage,- oder wochenlang zu weinen.
Du findest die Kraft in der Stille und Bescheidenheit die du nach dem Verlust spürst - genau das wird dein Leben extrem vertiefen, vor allem emotional bist du viel empfindlicher und lernst gemeinsame Momente mit tollen Menschen zu schätzen.
Der Tod oder Verlust ist dann ein ständiger Begleiter und macht wunderschöne Momente im Leben erst möglich, da durch ihn das Leben erst recht genossen wird.

Ich kann natürlich nur aus meiner Erfahrung sprechen und dir Tipps ans Herz legen.
Ich war um einiges jünger wie du, habe mich bewusst dem Tod der Eltern hingegeben und bin dadurch in eine Art vollkommene Akzeptanz des Moments aufgegegangen.
Sozusagen mitgestorben, der Kopf war schon bei der Diagnose wie leergeblasen, hat das Zeitgefühl weggeschnitten und dann kam paradoxerweise eine große innere Ruhe + Freude.
Es war wie ein ruhiges im Sessel sitzen und aus dem Fenster schauen wie die Wolken vorüber ziehen.
Kein Nein mehr, kein Wiederstand.

Versinke in der Trauer, verschliesse dich ihr nicht und wenn du nach den ersten Monaten plötzlich merkst " Es ist okay, ich habe genug gelitten " dann widme dich wieder deinem Alltag.
Das klingt komisch, aber wenn man wirklich komplett sich der Trauer hingibt ist es nach ein paar Monaten vorbei - wie ein Nebel der wegzieht und die Sonnenstrahlen durch und sogleich das eigene Leben in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Was bleibt ist Liebe.

Dir Alles Gute und viel Kraft! :good:

bearbeitet von SyrusBaxxter
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Gast

Jeder Moment ist einzigartig.

Trauer ist das Gefühl, jemanden oder etwas, dass man liebt, nicht mehr um sich zu haben, zu vermissen.

Dankbarkeit ist das Gefühl, sich darüber bewusst zu sein, mit welchem Reichtum man im Leben durch eine tolle Mutter und schöne Kindheit gesegnet ist. Unendlicher Reichtum, der ein ganzes Leben lang trägt.

Freude ist das Gefühl, mit einem Lächeln der unzähligen wundervollen Momente zu gedenken, die ihr gemeinsam genossen habt. Jeder von diesen Momenten ist einzigartig wie der jetzige Moment, der sich gerade vor dir entfaltet.

Stolz ist das Gefühl, durch dein Leben und Wirken im diesem gegenwärtigen Moment deine Mutter zu ehren und in ihrem Gedenken so zu gestalten, dass sie auch durch dich wirkt.

Auch in schwierigen Momenten wie diesen bist du es, der ihnen ihre Bedeutung geben kann.

Und inmitten der Verletzlichkeit des Jetzt kannst du eine ungeahnte innere Stärke entdecken.

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So etwas ist immer sehr schwer zu verdauen und jeder hat eine andere Art damit zurechtzukommen...

Einen universellen Rat kann man da wohl niemals geben.

Mein Dad ist vor etwa 8 Wochen verstorben.

Nachdem er einen Tag nach seinen Geburtstag in Krankenhaus kam und von dort viel zu spät in die Uni-Klinik geflogen wurde, viel er eine Woche später bei dem Versuch zu Intubieren ins Koma.

Da die Untersuchungen ein absolut katastrophales Ergebnis zu tage brachten, mussten wir seinen Wünschen nachkommen.

Meine Mutter und meine Schwester verabschiedeten sich an einem Sonntag (waren mehrere Stunden bei ihm, viel vorgelesen etc...).

Ich war dann an dem Montag bei ihm und hielt seine Hand während die Maschinen abgestellt wurden und er (zum Glück) nach nur einer Stunde ging.....

Definitiv der härteste Tag in meinem Leben!

Der Tag der Beerdigung war ein Witz dagegen...

Ich denke oft an ihn... allerdings nicht an die letzten Stunden, sondern an die vielen schönen Jahre davor.

Und wenn ich im Club bin, stoße ich mit dem 1. Drink gedanklich immer mit ihm an ;)...

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Tschurikin, wenn ich jetzt bei Dir säße, nähme ich dich in den Arm und bestellte eine Flasche Scotch und zwei Gläser. Virtuell geht das nicht so gut. Deswegen gibts nur Worte. Die fallen allerdings an einem Freitag Abend etwas unstrukturiert und dem Thema eigentlich unangemessen ungeordnet aus.

Zum einen hat viel von dem, was wir unter Trauer subsumieren, mit Egoismus zu tun. Das will keiner hören, schon gar nicht Trauernde. Aber viel des Gefühls hat etwas damit zu tun, dass man sich verlassen fühlt, dass einem im eigenen Leben nun was fehlt, dass man Angst vor der Lücke hat. Wie konnte er/sie mich nur alleine lassen? Das meine ich mit egoistisch. Ich will nicht so weit gehen und mir überlegen, ob ich im Hinblick auf meinen Vater sowas wie eine Oneitis haben könnte, aber Parallelen zwischen Tod und Oneitis sind da. Ich habe versucht, mir ein Leben aufzubauen, das auch ohne meinen Vater funktioniert. Ich habe mal gelesen, ein Mann sollte das Mindset haben: In mindestens 50% meines Lebens hat mein Vater nichts verloren. Das alles wird mir nicht über den Punch hinweghelfen, der mich erwischen wird, wenn er mal stirbt. Ich bin aber wenigstens in der Lage, dann meine Steuererklärung alleine zu machen oder mir andere Teilnehmer für ein Mittagessen am Sonntag zu suchen.

Dann: die Persönlichkeit stirbt nie. Sie lebt in der Erinnerung weiter. Auf die körperliche Hülle kommt es nicht an. Keine Angst, ich bin nicht unter die Esoteriker gegangen. Aber der Gedanke hat mir bei entstellten Toten oder bei Tod durch Unfall oder Gewalt immer geholfen. Was da liegt ist nur eine Hülle, bestehend aus einer bestimmten Anzahl Knochen, viel Flüssigkeit und anderem. Das ist eine austauschbare Hülle. Es ist nicht der Mensch, die Persönlichkeit. Es ist nur die Menge Knochen und Flüssigkeit, die da im Sarg oder dem Bahngleis liegt. Kinder haben die selbe Anzahl Knochen, aber weniger Flüssigkeit und Masse. Es ist nicht die Persönlichkeit eines Kindes, die in Form der Hülle da liegt. Das macht Kinderleichen erträglicher.

Trauer ist was höchstpersönliches. Man selbst entscheidet ganz allein, wie sehr man trauert oder einen Verlust empfindet. Es geht niemanden was an, ob man seinem geliebten Haustier mehr nachtrauert als der blöden Tante. Ob man dem saufenden blöden Bruder gar nicht nachtrauert oder der Tod der Nachbarin einem total mitnimmt. Keine Rechtfertigungen, kein Nachgeben dem gesellschaftlichen Druck.

Tod darf kein Tabuthema sein. Was man tabuisiert, trifft einem irgendwann härter. Meine inzwischen auch tote, aber geliebte Oma hat in ihren letzten Lebensjahren sehr offen über den Tod geredet mit mir. Meine Mutter wollte das nie hören, sie hat sofort geheult. Mir und der Oma hat das, glaube ich, ziemlich gut geholfen.

Ein Spruch meiner Oma: "In der Mitte der Nacht beginnt auch schon der neue Tag". Jede Zäsur im Leben, jeder Bruch durch einen Verlust bedeutet den Anfang eines neuen Abschnittes. Trauer und Tod hinterlassen Narben und machen älter. Und das sollen sie auch. Aber man wächst auch damit. Wenn mein Vater stirbt, dann weiss ich, dass irgendwie auch eine neue Ära beginnt. Vor der ich mich etwas fürchte, mehr aber gespannt warte, was auf mich zukommt.

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Dann: die Persönlichkeit stirbt nie. Sie lebt in der Erinnerung weiter. Auf die körperliche Hülle kommt es nicht an. Keine Angst, ich bin nicht unter die Esoteriker gegangen. Aber der Gedanke hat mir bei entstellten Toten oder bei Tod durch Unfall oder Gewalt immer geholfen. Was da liegt ist nur eine Hülle, bestehend aus einer bestimmten Anzahl Knochen, viel Flüssigkeit und anderem. Das ist eine austauschbare Hülle. Es ist nicht der Mensch, die Persönlichkeit. Es ist nur die Menge Knochen und Flüssigkeit, die da im Sarg oder dem Bahngleis liegt. Kinder haben die selbe Anzahl Knochen, aber weniger Flüssigkeit und Masse. Es ist nicht die Persönlichkeit eines Kindes, die in Form der Hülle da liegt. Das macht Kinderleichen erträglicher.

Man könnte auch sagen, solange du jeden Sonntag an ihm denkst, ist er noch sehr existent oder auch lebendig. Er lebt in dir weiter und das höchstwahrscheinlich bis an das Ende deiner Tage. Kopf hoch. Bei den letzten 3 Todesfällen, (Opa väterlicherseits, Oma väterlicherseits und Vater vom Lebensgefährten meiner Mutter), habe ich nicht eine Träne vergossen, als ich ein Mädchen, das ich 2 Monate nur übers Internet kannte und dann noch 3 Tage bei mir persönlich zu Besuch war und sie dann gegangen ist, wusste ich erst was Trauer bedeutet und da hat auch Fastlane, etwas sehr wichtiges angesprochen. Trauer bedeutet, das dir irgendetwas einen Axthieb in dein Herz gegeben hat. Dein Ego wurde zu tiefst verletzt.

Ich hatte mal eine ziemlich kurze Diskussion, mit meinen Opa, über das Grab meiner Uroma und Uropa. Da sagte er nur soviel, wenn sich keiner mehr drum kümmert oder weiter die Freidhofsgebühr bezahlt, geraten sie in Vergessenheit und dabei hat er sehr betroffen geschaut.

Noch eine andere Geschichte.

Als meine Tante gestorben ist, wusste nur meine große Schwester Bescheid und keiner wollte uns jüngerin Kindern erzählen was los war und ich wusste ganz genau das was Schlimmes passiert sei, aber ich habe nie wegen meiner Tante getrauert. Jetzt wo ich mal so darüber nachdenke ziemlich komisch und war in meiner Kindheit sehr, sehr oft dort. Hmm.

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Heul dich mal so richtig aus und lass alles raus was da ist. Dann setz dich mal alleine/in Gesellschaft hin und trinke gemächlich einen guten Whiskey während ihr über deine Mutter sprecht. Konzentrier dich auf die positiven Erfahrungen und versuch auch mal zu Lachen wenn du dich an was Lustiges erinnerst.
Als mein Onkel gestorben ist hat mich mein bester Kumpel in den Arm genommen und gar nichts gesagt weil es einfach nichts zu sagen gab. Das muss irgendwie jeder selber regeln.
Es gibt kaum einen universellen Ratschlag der da helfen könnte aber ich denke du fährst am besten damit wenn du einfach das machst worauf du jetzt am meisten Lust hast!

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Gast Quanah

Lass dir die Zeit und den Raum zum Trauern, Tschurikin. Das ist jetzt einfach dran.

Ich kann deine Worte ebenfalls sehr gut nachvollziehen, obwohl meine Eltern noch leben. Meine erste Kindheitserinnerung hängt mit dem Tod meines Großvaters zusammen, da war ich vier. Im Laufe der Jahre habe ich verschiedene Verwandte in den Tod begleitet, irgendwann dann eine Ausbildung in der ehrenamtlichen Hospizbegleitung gemacht. Dennoch kann ich nicht ermessen, wie es sein wird, meine Eltern zu verlieren. Bis dahin verbringe ich gerne "quality time" mit ihnen - ich kreiere Situationen und Begegnungen mit ihnen und lasse mich auf diese bewusst ein. Ich erfrage Dinge aus meiner Kindheit oder der Familie, die ich immer schonmal wissen wollte und die nach ihnen sonst niemand mehr wissen kann.

Solltest du das Gefühl haben, dass dich deine Trauer schier überwältigt und möchtest evtl. persönlichen Kontakt in deiner Stadt mit Menschen in ähnlichen Situationen haben, bieten sich Trauercafés als Möglichkeit an (http://www.trauercafe.de/).

Alles Gute!

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Hallo alle. Ich danke euch herzlich für die vielen Antworten, Anregungen und die hilfreichen Posts!


Am Donnerstag war die Beerdigung meiner Mutter. Ich hatte ziemlich Angst davor, da dies die endgültige Verabschiedung bedeutete und alles noch einmal sehr emotional werden würde. Auch wenn ich weiss, dass meine Mutter immer bei mir sein wird- auch wenn ich sie nicht mehr sehe- sah ich in eben dieser letzten Ruhestätte eine Art Abschied. Dazu kam, dass es für mich auch eine Erleichterung ist, da mich die ganze Arbeit in den letzten Tagen und Wochen seit ihrem Tod sehr gefordert hat. Ich habe jetzt realisiert, wie viel Arbeit der Verlust eines Familienmitgliedes eigentlich bedeutet. Die ganze Auseinandersetzung mit dem Erbe und die ganze To-Do-List, was man alles erledigen muss, wenn ein Mensch nicht mehr da ist. Deswegen habe ich in den letzten Tagen auch nur funktioniert und konnte die Situation noch gar nicht richtig neutral betrachten. Ich war die ganze Zeit über gefordert und musste immer alles organisieren helfen und stets zur Verfügung stehen für irgendwelche Leute, die etwas von mir oder meinem Vater wissen wollten.

Am Donnerstag war wie bereits erwähnt die Beerdigung. Wir haben viele Einladungen versandt, doch war ich überwältigt von allen Trauerkarten, die wir erhielten. Meine Mutter war sehr beliebt. Sie war Lehrerin, Masseuse und bildete sich stets in verschiedenen Bereichen weiter. So baute sie sich in ihrem Leben ein riesiges soziales Netzwerk auf.
Als ich bei der Kirche ankam, hatte ich grosse Angst vor der Konfrontation mit ihrem Tod und der Menge an Menschen, die auf mich zukommen würden. Am Vorabend (Mittwoch) erhielt ich jedoch noch Besuch von meinen besten Freunden/Freundinnen aus der Universität, welche mit mir studieren. Diese Menschen bieten mir sehr viel Halt und unterstützen mich extrem, was mich sehr berührt. Nebst meinen Geschwistern und meinem Vater sind es genau solche Menschen, die das Leben ausmachen. Wir verbrachten den Mittwoch bei uns zu Hause und gingen noch in die Stadt bis in die frühen Morgenstunden. Auch bei der Beerdigung waren sie dabei und schirmten mich fast ein wenig von der grossen Masse ab. Ich fühlte mich sehr wohl und geborgen - genau durch diese Nähe und dieses Gefühl, dass man so gute Freunde im Rücken hat. Auch andere gute Freunde von mir kamen, obwohl ich nicht mit ihnen gerechnet hatte. Ich war einfach überwältigt, wie viele Menschen an dieser Zeremonie teilnahmen.

Die Kirche war komplett voll. Nicht, dass es eine kleine Kirche war... Aber ich war wie bereits erwähnt überwältigt und zugleich Erstaunt, wie viele Menschen da waren. Ich wusste zwar, dass es nicht wenige sein würden, weil ich meine Mutter ja sehr gut kannte und wusste, was sie für ein Mensch war. Einen Menschen, den man einfach lieben musste! Doch war ich trotzdem sehr erstaunt, als ich merkte, dass viele der Anwesenden sogar stehen musste hinten, weil es keine freien Plätze mehr hatte...Einerseits war ich froh, dass ich so viele bekannte Gesichter sah. Andererseits war es sehr schwierig, mich mit allen zu unterhalten und stets Stellung zu nehmen. Ich kam mir vor, als ob ich mein Gegenüber trösten musste. Doch wäre es ja an mir, traurig zu sein und zu weinen. Doch nicht immer muss ich weinen. Manchmal geht es erstaunlich gut und ich verspühre gar nichts sondern höre mir einfach das an, was mein Gegenüber erzählt, nicke und bin froh, wenn sie fertig sind mit reden.

Trotzdem war die Beerdigung für mich dermassen emotional, da das ganze Leben von ihr noch einmal aufarbeitet wurde und man so wirklich realisierte, was sie für ein Mensch war und wie fest man sie vermissen wird. Dazu kamen die wunderschönen Lieder, die Begleitung durch ein Klavier und die Rede meines Bruders, der extra einen Text verfasste. Spätestens da weinte die ganze Kirche und ich war sehr stolz auf meinen Bruder, da er genau die richtigen Worte fand und auf eindrückliche Art und Weise erzählte, was wir Kinder für ein Verhältnis zu unsere Mutter hatten und wie stolz er sei, dass sie unsere Mutter war. Es rührte mich zutiefst und ich staunte, wie stark er doch war. Ich hätte es nicht gekonnt vor allen anderen so eine Rede zu halten, ohne in Tränen auszubrechen.

Wir spazierten dann von der Kirche zu uns nach Hause und auch hier war ich erstaunt, wie viele Briefe, Blumen etc wir wieder erhielten. Ich hörte auf zu zählen und die grosse Menge an Menschen bei unserem Haus erdrückte mich förmlich. Auch hier zog ich mich hinter meinen Schutzwall meiner Kommilitonen zurück. Wieder merkte ich, was sie eigentlich für mich bedeuten. Seit einem Jahr kenne ich sie nun. Doch ist diese Freundschaft zu diesen 5 einfach schon viel intensiver und authentischer, als zu manch einem anderen guten Freund in meinem Leben. Durch diese Menschen geht es mir im moment sehr gut! Auch wenn ich immer wieder am Boden zerstört bin - ich bin auch oft traurig und weine und ziehe mich zurück- kann ich mit ihnen Lachen, Weinen und über ganz viele Dinge, welche das Leben ausmachen, reden.

Der Wiedereinstieg in der Universität verlief auch viel besser, als ich es gedacht hätte. Zuvor erhielt ich auch von meiner Klasse unzählige Briefe und Karten, was ich sehr schön fand. Trotzdem hatte ich vor der direkten Konfrontation grosse Angst. Doch ich wurde mit Samthandschuhen angegangen, was mich auch berührte. Niemand überrumpelte mich- sondern ich wurde stets mit viel Fingerspitzengefühl auf meine Situation angesprochen. Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich einen sozialen Beruf erlerne und ich grosses Glück habe, solche Mitstudentinnen und Mitstudenten zu haben.

Zu Hause bin ich zwar gerne, aber ich vermisse meine Mutter stark. Im Haus, wo ich wohne, erinnert mich alles an sie und das tut sehr weh. Doch lasse ich auch das zu und verdränge es nicht. Ich verbringe viel Zeit bei Freunden zu Hause und bin oft unterwegs und mache Sport, was viele Glückshormone ausschüttet. Dazu kommt, dass ich regen Kontakt zu Frauen habe. Manchmal frage ich mich, ob dies überhaupt okay ist, wenn ich Dates habe und mit Frauen schreibe, die Interesse an mir haben. Irgendwie war mir die Frauenwelt egal und sogar meine Oneitis geht mir am Arsch vorbei. Doch genau deshalb geht es ja so gut mit den HBs und ich werde dauernd auf ein Treffen eingeladen...

Wie seht ihr das? Ich weiss, dass meine Mutter wollte, dass ich mein Leben weiterführe und glücklich bin. An meine Zukunft denke und mich nicht zurückziehe. Doch mit den Frauen tue ich mich schwer, da es für mich doch irgendwie komisch ist, fremde Frauen zu treffen und meine Mutter erst vor knapp zwei Wochen von mir gegangen ist. Doch bietet es mir viel Ablenkung und neue Lebensfreude. Ich weiss nicht so recht, wie ich hier vorgehen soll und ob das moralisch vertretbar ist....Wie gesagt, ich musste meiner Mama versprechen, dass ich nicht zu fest traurig bin und trotzdem versuche, wieder einen geregelten Alltag zu haben. Ich werde ihren Wunsch gerne erfüllen und arbeite bereits fleissig für die Semesterprüfungen in ein paar Wochen.

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