Frau wird needy und betaisiert sich selbst

16 Beiträge in diesem Thema

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Hallo liebes Forum,

nachdem mir das Lesen hier schon oft weitergeholfen hat, wollte ich hier meine Gedanken auf den Bildschirm bannen und hoffe auf etwas Input - und sei's nur, dass mir der Kopf mal ordentlich gewaschen wird.

Bevor es Verwunderung wegen des bereits bestehenden Threads mit diesem Nicknamen gibt: das damalige Problem schrieb ich zusammen mit einem Kumpel (er hat die Dame übrigens nicht bekommen) nieder und der Account ist auf meine Mailadresse registriert.

Ich bin allerdings eine Frau und wollte nicht unnötig neue Accounts generieren - bitte um Entschuldigung bei den Admins, falls dies zu Irritationen führt.

1. Dein Alter 26
2. Ihr/Sein Alter 29
3. Art der Beziehung (monogam / offen / polyamor / LDR / weitere (bitte erläutern) monogam
4. Dauer der Beziehung 8 Monate
5. Dauer der Kennenlernphase vor LTR einige Wochen
6. Qualität/Häufigkeit Sex beides stetig nachlassend
7. Gemeinsame Wohnung? Nein
8. Probleme, um die es sich handelt 

Ich habe mich selbst betaisiert.

Stellt euch eine Beziehung vor, die genauso abläuft, wie es hier oft geschildert wird, allerdings mit vertauschten Rollen.

Ende letzten Jahres lernte ich auf einer Datingplattform einen Typen kennen, der mich optisch sofort ansprach. Er textete, flirtete, verführte mich und ich - aus einer sehr langen Beziehung kommend - wollte es bei einem unverbindlichen Sexabenteuer belassen. Was ich auch so kommunizierte. Straight ahead, Ehrlichkeit siegt. Er sah das anders. Wollte was Ernstes, sprach (viel zu früh) von Liebe, wartete mit dem Sex, bis ich mich emotional etwas geöffnet hatte. Und dann, Beziehung, von ihm gefordert. 

Ich wollte die Schmetterlinge, die Herzchen, den Thrill und ließ mich Hals über Kopf darauf ein. Rosarote Phase. Ich bewunderte seine anscheinende Alphaness, sich zu holen, was er will. Hatte ziemlichen Respekt vor ihm, er verhielt sich wie der perfekte Freund - dominant, führend, gleichzeitig einfühlsam und bereit, seinen Teil dazu beizutragen, dass zwei Menschen, die sich kaum kennen, auch im Alltag harmonieren. Uns war klar, dass hier zwei Sturköpfe aufeinanderprallen würden, doch wir waren guten Willens. Und man unterschätze nicht den Effekt, den es hat, wenn zwei Quasifremde herausfinden, dass sie sich in vielerlei Hinsicht verdammt gut ergänzen, ähnliche Wertvorstellungen, Pläne etc.haben. Dass beide Seiten (die es aus vorherigen Beziehungen gewohnt sind, zu dominieren) sich 50% entgegenkommen können, um sich dann in der Mitte zu treffen. Ich verliebte mich. Heftig.

Innerlich zweifelte ich aber von Anfang an. Es schien zu schön, zu easy, zu perfekt. (Hier ist mir durchaus klar, dass das Folgende ein Spiegelprozess ist - indem ich mir selbst nicht den Wert zuschrieb, so etwas zu verdienen, verlor ich auch in seinen Augen an Wert). Joa, nun folgten die Machtkämpfe. Wir sind beide Persönlichkeiten mit nicht zu wenig LSE-Anteilen und brauchten wechselseitige Bestätigung. Die wir uns schleichend begannen, vorzuenthalten.

Er wurde extrem eifersüchtig, unterstellte mir Fremdgehen, ich provozierte ihn, indem ich nächtelang unterwegs war. Je mehr Kontrolle er verlangte, desto weniger gab ich sie ihm.

Ich wollte eine liebevolle Beziehung, er provozierte mich, angekrochen zu kommen, indem er mauerte. Je mehr ich Harmonie brauchte, desto mehr verweigerte er sie mir.

Beide sahen wir uns als Opfer und begannen in dieser Phase (angeregt von mir) die Problematik zu analysieren. Und hier begann vermutlich meine Selbstbetaisierung. Mir war es plötzlich verdammt wichtig, das Ding am Laufen zu halten. Ich wollte den ursprünglich unbekümmerten Verknalltheitszustand wiederherstellen, indem wir unsere Muster offenlegen. Und nahm die Beziehung langsam wichtiger als mich selbst. Wurde needy. Wollte Liebesschwüre hören. Jegliches Verhalten seinerseits, das nicht meinen ultrahoch angesetzten Standards entsprach, verursachte eine Reaktion bei mir, die ich selbst für maßlos übertrieben hielt. Umgekehrt dasselbe. Er begann - ich kann es nicht anders nennen - Drama vom Feinsten zu schieben. Kleinigkeiten wurden aufgebauscht, die ganze Beziehung in Frage gestellt. Dabei entwickelte sich ein interessantes Phänomen: er begann, den Sex zu verweigern. Und ich machte alle Fehler, die man in diesem Bereich nur machen kann: wollte darüber reden, fragte nach, ob ich unattraktiv sei, blablabla.

Ich hingegen wollte immer Sex mit ihm. Keine Ahnung warum. Immenser Attractionboost durch Pseudoalphaness?

Und tja, nachdem das ganze Gerede nur kurzzeitige Verhaltensänderungen zur Folge hatte, er immer überzeugter davon wurde, dass ich Grenzen bräuchte, die er mit Aggression, Beleidigungen und Unfreundlichkeiten ("hau doch ab" "Lauf mir nicht nach wie ein Hündchen" "Verhalt dich gefälligst normal") durchzusetzen versuchte und ich daraufhin nicht in der Lage war, meine eigenen Grenzen aufzuzeigen, sondern immer und immer wieder ankam, mit der Intention alles wieder gut zu machen, ist vor zwei Tagen alles eskaliert.

Stundenlanges demonstratives Ignorieren meiner Person und Abblocken meiner Versöhnungsversuche als Strafe für Kleinigkeiten, ich hatte irgendwann die Schnauze voll und wollte gehen, er schmiss mir die Worte nach "Besser wenn wir uns trennen, das läuft schon lange nicht mehr". Heftiges Erschrecken meinerseits (ICH hatte schon lange mit dem Gedanken gespielt, aber Verlustangst is a bitch), Panik, er erklärte, er sei dermaßen angenervt von mir und meinen Diskussionsversuchen, er könne nicht mehr. Ich war emotional am Durchdrehen, fragte, ob ich noch hier schlafen dürfte, wir pennten aneinandergekuschelt ein. Am Morgen war er liebevoll und ich erlitt eine Panikattacke vom Feinsten (sind wir jetzt GETRENNT???) während der er mich heftig anschnauzte, da er der Meinung war, ich wolle ihm nicht sagen, warum ich zitternd vor ihm stehe (ich KONNTE es nicht). Dieser Moment war wie eine kalte Dusche. So etwas wollte ich nicht, ich konnte keine Beziehung mehr führen, in der ich mich selbst ständig hintenanstellen muss, um sein Ego nicht zu zerstören. Ohne ein Wort fuhr er mich nach Hause, ich stieg, ohne mich umzudrehen aus, und flüchtete in meine Wohnung. Seitdem Funkstille und ich schätze, wir sind nun getrennt.

Nun hört sich das Ganze sehr extrem nach einer immens destruktiven Beziehung an. War es zweifelsfrei. Aber gleichzeitig habe ich so verdammt viel über mich selbst gelernt, wie in meinem ganzen Leben vorher nicht. Mein Fokus liegt im Moment darauf, zu analysieren, welche Mechanismen er bei mir aktivierte (und umgekehrt) um eine Wiederholung dieses Spiels zu vermeiden. Ich möchte auch keine Schuldzuweisungen aussprechen, da mir durchaus bewusst ist, dass wir beide uns gegenseitig hochgeschaukelt haben. 

Ja, ich liebe ihn noch. Nein, ich will die Beziehung nicht weiterführen, weil das Ganze mir schadet. Ich brauche Zeit für mich, zu reflektieren, warum ich bei jedem Schritt von seiner Seite einen zurückging und er dies mit erneutem Vergrößern des Abstands beantwortete. 

Ich glaube, dass hier verdammt viel Potenzial verschleudert wurde und die Antwort "es passt einfach nicht" zu kurz gedacht ist, eben weil ohne eine tiefe Verbindung derartige Verletzungen gar nicht möglich wären. 

Und auch wenn ich mich hier wie die schlimmste Freundin ever anhöre, so etwas habe ich noch nie erlebt. Meine bisherigen Beziehungen waren weit mehr von Wohlwollen geprägt und auch Streits liefen weit weniger emotional ab. Meist wollte ich halt irgendwann keinen Sex mehr ;) 

Im Moment will ich eigentlich nur, dass er reflektiert. Mich nicht abschreibt. An das Schöne denkt, an unsere Gespräche, an die Momente, in denen wir uns so verbunden fühlten, als könnte uns nichts trennen. Uns eine klitzekleine Chance lässt.

 

TL;DR

er wollte mich, ich wollte Sex, er quatschte mich in eine Beziehung, ich verknallte mich, entwickelte vermutlich Oneitis und provozierte damit, dass er mich mies behandelte (weil ich es zuließ). Viele Machtspielchen, in der wir uns beweisen wollten, dass wir nicht so abhängig vom anderen waren, wie es in Wirklichkeit der Fall war. Ich wurde needy, er distanziert(e) sich.


9. Fragen an die Community

- habt ihr Erfahrungen mit Beziehungen, in der beide an krasser Verlustangst leiden?

- gibt es einen Weg aus diesem Teufelskreis?

- ich habe ihn auf allen Kanälen blockiert. Möchte kein erneutes Gespräch, in dem jeder darauf wartet, dass der andere Schwäche zeigt. Sinnvoll oder wieder destruktiv?

- ich war immer diejenige, die den Kontakt bei Streits wieder initiiert hat. Das Abhauen meinerseits war das erste Mal, dass derartiges vorgefallen ist. Greift hier das Nähe-Distanz-Prinzip, indem ich ihm Luft lasse und schaue, ob seinerseits der Wunsch nach Kontakt besteht? Ich möchte keinesfalls wieder in ein destruktives Muster rutschen und frage deshalb die Profis um Rat.

- ich schätze mal, der Tenor hier wird lauten: seid beide froh, dass ihr euch losgeworden seid. Verständlich. Für darüber hinausgehenden Input wäre ich allerdings sehr dankbar.

Liebe Grüße und verzeiht mir die wall of text, ich bin im Moment ziemlich durch den Wind.

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Sieh das Positive - manche Paare brauchen ein halbes Leben, um sich in eine solche Hölle hineinzusteigern, ihr habt das in ein paar Wochen geschafft und jetzt hinter euch. 

Du solltest nur für dich reflektieren, nur an dich denken. Mach dich frei davon, was er denken oder machen könnte. Ob er reflektiert, kann dir egal sein - und auch, ob er an dich denkt oder nochmal Kontakt will. 

Versuch nicht, diese Beziehung wieder aufzunehmen, es führt nur wieder ins selbe Chaos. Lerne etwas für die nächste - damit die nicht auch so destruktiv wird. Eine solche verkorkste Beziehung im Leben kann man haben. Aber besser nicht mehr. 

Das vermeidest du am besten, in dem du deine Rolle reflektierst, deine Mechanismen und auch deine Versuche, ihn zu manipulieren. Auch wenn immer zwei dazu gehören und er dich auch manipuliert hat, kannst du nur aus deinem eigenen Verhalten für die Zukunft etwas lernen. 

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vor einer Stunde, botte schrieb:

Kontaktsperre und Entzug, und zwar sofort.

Ja das habe ich sofort umgesetzt. 

Jetzt kommt's aber: mit dem Ergebnis geht es Dir nicht gut. Du entwickelst massive Verlustängste. Heisst, Du kannst mit der Rollenverteilung, die diesen Mann einerseits für Dich sehr attraktiv gemacht hat, andererseits nicht dauerhaft gut und entspannt leben. Wie war es eigentlich mit Eifersucht bei Euch bestellt? 

Ich vermute hier fand ein Spiegelprozess statt - wir beide reflektierten unsere Rückzugsgedanken (die ja bis zu einem gewissen Grad normal sind) so stark, dass gleichzeitig die eh schon latent vorhandenen Verlustgefühle verstärkt wurden.

Er war extrem eifersüchtig, ich weniger. War auch nie so eine, die Handys sehen will etc.

vor einer Stunde, botte schrieb:

Ich denke zweierlei. Kurzfristig solltest Du dir mal um Dein Selbstwertgefühl Gedanken machen. Wenn der drohende Verlust der Beziehung bei Dir wirklich Panikattacken hervorruft, dann lastest Du dieser Beziehung zu viel Wert auf. Nebenbei: woher weisst Du, wie sich eine Panikattacke anfühlt - hattest Du da Vorgeschichte?

Eben habe ich uns zu viel Wert gegeben - und ich weiß nicht ob er es jemals getan hat.

Ja, habe ich. Es war gottseidank keine ''komplette'' Attacke, eher die Anfangssymptome (zittern, Übelkeit, Verengung des sichtfelds)

vor einer Stunde, botte schrieb:

Mittel- und langfristig solltest Du mal überdenken, welche Art von Mann Du suchst. Welche Art von Beziehung Du suchst. Und welches Deine Rolle ist in einer solchen Beziehung. Wie viel Dominanz erwartest Du von einem Mann? Und wie kannst Du ihn die leben lassen, ohne diese ständig testen zu müssen oder andererseits selbst verloren zu gehen? Wie kannst Du mit einer solchen, 'klassischen Frauenrolle' (wenn man so will) gut leben lernen? Und wie findest Du einen Mann, der sich ebenfalls nicht in Machtspielchen verliert? Der 'alpha' leben kann, ohne es in jeder Situation demonstrieren zu müssen?

Sehr gute Fragen - ich denke ich möchte schon etwas in die Richtung, allerdings keinen Mann, dessen Frame so fragil ist. Am besten hat es mit uns funktioniert, als er der Gelassene, Souveräne blieb. Keine Ahnung womit ich sein Drama provoziert habe.

Mit den anderen Fragen werde ich mich auseinandersetzen wenn das ganze nicht mehr so frisch ist.

Bernd-Das-Brot: das wird wohl das Vernünftigste sein. Aber in solchen Momenten klingt es halt wieder verführerisch, sich einzureden dass man es schaffen könnte... Mann, er fehlt mir.

By the way, wie wahrscheinlich ist ein Melden seinerseits? Ich weiß wie idiotisch das klingt, aber ich will...Keine Ahnung was ich will. Egopush ist es nicht.

Vielen Dank für die Anregungen, ihr habt mir ziemlich geholfen. 

 

 

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vor 20 Minuten, MementoMori schrieb:

 

Bernd-Das-Brot: das wird wohl das Vernünftigste sein. Aber in solchen Momenten klingt es halt wieder verführerisch, sich einzureden dass man es schaffen könnte... Mann, er fehlt mir.

By the way, wie wahrscheinlich ist ein Melden seinerseits? Ich weiß wie idiotisch das klingt, aber ich will...Keine Ahnung was ich will. Egopush ist es nicht.

Vielen Dank für die Anregungen, ihr habt mir ziemlich geholfen. 

Du bist auf Entzug. Von Emotion. Von Drama. Meinetwegen auch von ihm. Aber sei Dir bei einer Sache sicher: es gibt noch andere. Bessere. Die ihr 'Alphasein' (kann den Begriff bald nicht mehr sehen, abgegrabbeltes Wort) nicht über Beschimpfungen und Entzug von Nähe sicher stellen müssen.

Eines noch: ich glaube, Du weisst Deinerseits auch sehr wohl, wie Du ihn dahin gebracht hast. Zu einem Spiel gehören immer mindestens zwei Parteien.

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Ich habe genau dasselbe gemacht...mich selbst profiliert durch Näheentzug und Provokation seiner Eifersucht :O

Und ja, der Entzug ist hart. Und ich wünsche mir, dass er den Zugang zu mir findet und ich zu ihm. Ach.

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vor einer Stunde, MementoMori schrieb:

By the way, wie wahrscheinlich ist ein Melden seinerseits? Ich weiß wie idiotisch das klingt, aber ich will...Keine Ahnung was ich will. Egopush ist es nicht.

Du bist gerade dabei, ihn zu testen und wir dürfen daran live teilhaben....

vor 3 Minuten, MementoMori schrieb:

Und ich wünsche mir, dass er den Zugang zu mir findet und ich zu ihm. Ach.

genau in diesem Moment...

vor einer Stunde, MementoMori schrieb:

ich denke ich möchte schon etwas in die Richtung, allerdings keinen Mann, dessen Frame so fragil ist. Am besten hat es mit uns funktioniert, als er der Gelassene, Souveräne blieb. Keine Ahnung womit ich sein Drama provoziert habe.

mit Deinen ständigen Tests vielleicht ?!?

 

vor 16 Stunden, MementoMori schrieb:

warum ich bei jedem Schritt von seiner Seite einen zurückging und er dies mit erneutem Vergrößern des Abstands beantwortete. 

 

Das war ein Compliance Test von Dir und er wiederum hat nichts anderes getan, als das, was wir ALLEN Männern hier im Forum IMMER wieder raten. Lauf ihr nicht hinterher, zieh Dich zurück und warte auf IHREN Invest...

 

 

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Charons: oh. Dann läuft es vermutlich darauf hinaus, dass er sich ähnliche Gedanken macht wie ich und wir beide die Kontaktsperre durchziehen, bis der out of sight, out of mind Prozess beendet wurde. Hm.

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Gast Berserker

Ihr seid beide LSE und versucht durch aufgesetztes Verhalten wofür ihr nicht die Eier habt, euch gegenseitig zu Manipulieren. Daher kommt mal der krasse Alpha move, gefolgt von der Beta-Todesspirale abwärrts.

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Gast Rapunzel

Guten Morgen

Schon dein Anfang lässt mich die Stirn krausen, um ehrlich zu sein: Du wolltest ein unverbindliches Sexabenteuer - er wartete mit dem Sex, bis du dich emotional etwas geöffnet hattest.
Wie passt das zusammen?
Normalerweise würde ich davon ausgehen, dass man, mit der Intention ein unverbindliches Sexabenteuer zu haben, direkt mit Sex beim Kennenlernen startet!?

Da hast du entweder deine Bedürfnislage schon ganz fix an seine angepasst, schließlich hattest du erstmal den gesunden Impuls, nichts neues festes so schnell in deinem Leben zu installieren, oder du hast es nur kognitiv für die besser Idee gehalten, erstmal keine neue Partnerschaft einzugehen, aber deine Bedürfnisse waren in dem Moment eigtl ganz anderer Natur, schließlich hast du deinen Ursprungsplan sehr bereitwillig komplett gekippt.
Hat es dich kein bisschen verschreckt, dass da jemand so dringlich eine Beziehung mit dir eingehen wollte?
Wenn jemand so schnell so viel will, so viel gibt und sich direkt komplett auf "Beziehung" einnordet, dann könnte einem das ja auch zu denken geben.
Wieso will er das so dringlich? Braucht er das?
Das hat sehr selten was mit der anderen Person zu tun, denn die ist noch kaum bekannt, Anfangsfaszination hin oder her. 
Du hast dir sogar sein Konzept des Zusammenseins überstülpen lassen, unter dem Deckmantel des emotionalen "Wartens" darauf, dass du für etwas (vollkommen anderes als gewünscht^^) bereit ist. Du wolltest Sex, er wollte Beziehung. Ergebnis: Er wartet mit dem Sex, bis du für eine Beziehung bereit bist, und du empfindest das als einfühlsam. Das is bissl verrückt, merkst du das??

Deine Zweifel von Anfang an, waren deswegen vermutlich nicht nur da, weil alles "zu schön und zu perfekt" war, sondern weil die Grundkonstruktion schon sehr schief stand. 

Ich sehe da auch keine ausbalancierte Mitte zweier dominanter, sich selbst bewusster Charaktere, die beide 50% reingeben. Das riecht zu ungesund dafür.
Und es passt auch nicht zu eurem Verhalten.
Wenn bei beiden ein guter Ausgleich hinsichtlich Dominanz und Unterordnung besteht und beide genug Selbstwert und zugleich Bezug auf den Partner aufweisen, kommt es meistens nicht zu solchen Konflikten, wie sie bei euch entstanden sind, und ich glaube nicht, dass ihr die erst im letzten Abschnitt der acht Monate miteinander kultiviert habt, auf Grund schlechter Dynamiken, die innerhalb der Beziehung, aufgrund der "Perfektion des Anfangs", aufgetreten sind, sondern dass ihr beide schon vorher etwas mit reingebracht habt, das keine gute Ausgangslage für eine so schnelle Beziehungsbildung darstellte.
Und ich sage bewusst "ihr beide", denn Botte hat natürlich Recht damit, dass Konflikte nicht einseitig nur dem einen Partner und seinem Fehlverhalten zugeschrieben werden können.

Mich erschrecken auch die Extrema bei euch. Das idealisierende "perfekt", "Lass uns direkt eine Beziehung führen", beide "stark und dominant", beide 'voll gewillt sich entgegenzukommen und in den Idealen und Vorstellungen ja ach so gleich' auf der einen Seite - auf der anderen Seite Verlustängste, Abwertungen, Unsicherheiten, Bestrafungen..
Ihr habt irgendwie eure eigene und gegenseitige Bedürfnisbefriedigung zum Kampfplatz gemacht, angetrieben durch ungesunden Impuls, das "Anfangsglück" erhalten zu wollen, das aber sehr sicher auch noch von Projektionen bestimmt war.
Ihr habt es darüber irgendwie versäumt, eine gesunde Entwicklung der Beziehung stattfinden/beginnen zu lassen, oder seid dazu, in der Konstellation, evtl einfach nicht in der Lage. Es sollte nicht  darum gehen, sich an einer Idee von Nähe und "zusammenpassen" krampfhaft festzuhaten, sondern eher darum, Nähe zunehmend zuzulassen und sich zugleich weiterhin als Individuum abzugrenzen.
Ein "wir" ist nur so lange schön, solange es auch ein "Ich" gibt.
Es ist ein Fehler "möglichst dicht und gleich" und möglichst hohe Intensität als gesunde Form der Nähe anzusehen. Der Wunsch nach absolutem Gleichklang und Symbiose geht verflucht schnell nach hinten los und endet nicht selten in schmerzhafter Aufreibung aneinander.
Wie es bei ihm ausschaut, is ohne Eindrücke von seiner Seite, schwer zu sagen, aber du machst dein Befinden und dein Selbstbewusstsein von ihm und seinen Reaktionen und seinem Wohlwollen abhängig und kämpfst, selbst bei wirklich beleidigendem Verhalten (s. nachlaufen wie ein Hund), weiterhin um ihn und seine Aufmerksamkeit. Du reagierst sogar körperlich darauf.


Alles Anzeichen dafür, dass es das beste ist, was dir/euch passieren kann, wenn sich einfach keiner von euch beiden mehr meldet.

Vielleicht brauchst du wirklich mal eine längere Zeit ohne Beziehung oder auch irgendwas ganz anderes, aber das, was ihr da macht, ist mMn nicht einfach nur "Betaisierungsfalle", "shittests" und "zwei dominante Alphas treffen sich".. das is was wirklich, wirklich uncooles, das hinten raus mehr kaputt macht als bereichert.

 

bearbeitet von Rapunzel

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Also eine ungute Konstellation. 

Und das Schlimmste ist, dass ein kleiner Teil von mir einfach gewinnen will, indem ER sich meldet. Der andere Teil will ihn in den Arm nehmen und ihm versichern, dass ich ihn liebe und meine Spinnereien nur Ausdruck dafür waren, wie sehr ich Angst habe, ihn zu verlieren. Hirnfick vom feinsten.

Rapunzel: verdammt. Das muss ich erstmal reflektieren. Antworte anschließend. Danke auf jeden Fall.

bearbeitet von MementoMori

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vor 54 Minuten, MementoMori schrieb:

Und das Schlimmste ist, dass ein kleiner Teil von mir einfach gewinnen will, indem ER sich meldet

Hier ist wohl einer der springenden Punkte: ihr habt beide eine Beziehung im Modus eines Machtkampfes geführt. Wie schon @Rapunzel schön gesagt hat: hier ging es nicht um eine ausgeglichene, reife Beziehung zwischen zwei ausgereiften Persönlichkeiten. Es trafen sich zwei Menschen, die sicherlich beide noch Einiges an Arbeit an sich selbst haben.

Du hast schon sehr gut erkannt, dass es jetzt am Besten ist, wenn du die Zeit nutzt zu reflektieren, welche Mechanismen er in dir getriggert hat. Auch, dass ihr Beide an der destruktiven Dynamik, die sich mit der Zeit bei euch entwickelt hat, Schuld seid. Schlussendlich ist es oft so, dass man Beziehungen eingeht und länger in ihnen bleibt, je nachdem auf welcher Entwicklungsstufe man sich befindet. Für mich sieht es ganz danach aus, als ob ihr eine koabhängige Beziehung geführt habt. In so einer Beziehung brauchen zwei Menschen, die nicht gelernt haben, sich selbst zu mögen, Kontrolle und Bestätigung. Man kann es dem anderen nicht überlassen, ob er einen mag oder nicht, sondern versucht Bestätigung und Liebe herbeizumanipulieren. Dabei werden Grenzen nicht respektiert  - so wie er dir zB ein Ultimatum mit Beziehung auferlegt - , man versucht das Verhalten des Gegenübers zu kontrollieren und das eigene Ich "über" jemanden anderen zu stellen, die Macht an sich zu reißen - so wie du ihm durch exzessives Feiern demonstrativ zeigen willst, dass er dich nicht kontrollieren kann usw. 

Schlussendlich sind solche Beziehungen jedoch immer ein Verlieren. Es wird immer darum gehen, wer momentan den anderen "dominiert", wer den anderen gerade mehr braucht, wer besser manipuliert; ein ewiges Hin-und Her eines Machtspiels zwischen zwei unsicheren Personen. Man entzieht Zuneigung und Liebe nur um das Verhalten des Anderen kontrollieren zu können. 

Wie auch hier schon gesagt wurde, können solche Dynamiken - außerordentliche Hochs und Tiefs, Bestätigung durch den anderen - sehr süchtig machen. Das ist wohl das, was dich momentan so zweifeln lässt. Du willst, dass er sich meldet. Auf der einen Seite, hast du jetzt bestimmt, was passiert (=du hast ihn blockiert/hast die Kontrolle), willst aber weiterhin die Bestätigung, dass er dich will.

Vielleicht ist es auch wichtig für dich, dir bewusst zu sein, dass dieses "verdammt viel über dich selbst gelernt" nicht ihm direkt zu verdanken ist. Ob man es esoterisch (i.e.  "man zieht Menschen an, um etwas zu lernen") sehen will, oder nicht: du bist diejenige, die nun reflektiert und reflektieren wird und lernen kann. Das ist nicht sein Verdienst, du kannst und wirst auch weiterhin ohne ihn lernen können, bzw. momentan sogar weitaus besser ohne ihn, da du dich so mehr mit dir selbst auseinandersetzen kannst; deine Energie läuft nun nicht mehr darauf hin, ihn zu beeindrucken, seine Liebe festzuhalten und ihm zu gefallen.

Du hast schon erkannt, dass du jetzt analysieren solltest, wie es zu dieser Beziehungsdynamik kommen konnte. Das ist gut. Die Tatsache, dass es so weit kommen konnte, liegt zwar an euch beiden, für dich relevant ist jedoch vor allem: was hat dich dazu gebracht, so zu sein? Es tut mir Leid, auch wenn du sagst, du siehst euch beide als selbstbewusste Menschen: ein solches Machtspielchen entwickelt sich nicht bei Menschen, die sich selbst genug sind. Fange hier an zu überlegen, was dir fehlt? So abgedroschen das auch klingen mag: arbeite an deinem Selbstwert. Setze dich mit dir selbst auseinander, evtl. sogar mit Vergangenheit, und fange aktiv an an deinem Inneren, an der Liebe zu dir selbst zu arbeiten. 

Dafür ist die Kontaktsperre sicherlich nicht schlecht gewesen. Nicht als Kontrollmechanismus, um ihm zu zeigen, dass du gerade die Stärkere bist, als Versuch ihn zu manipulieren. Sondern damit du nun tatsächlich die Zeit für dich hast. Es wird jetzt bestimmt nicht einfach. Du wirst hoffen, dass er sich meldet, ihn vermissen, ihn zurückwollen, das typische Spiel, dass umso stärker ist, wenn man in einer koabhängigen Beziehung war (sich also schon davor nicht genug war und diese genutzt hat, um sich etwas zu geben, was man selbst nicht kann).

Wenn du aber wirklich etwas daraus lernen willst und diese Beziehung so nicht mehr wiederholen möchtest - ob jetzt mit ihm, oder in einer nächsten, die dann whh ähnlich ablaufen wird - dann nutze die Chance. Geh deiner Intuition nach und reflektiere die Mechanismen, sei gut zu dir selbst und lerne, wie du besser eine Beziehung zu dir selbst aufbauen kannst (da gibt es zahlreiche Literatur, auch hier im Forum, um nur einen Anfang zu setzen). Es sind diese Tiefs im Leben, die so viel Potential in sich halten, an sich zu arbeiten, Spaß, Freude und Sinn im Leben zu finden, der nichts mit anderen zu tun hat, sondern für dich ist und aus dir heraus kommt. Nimm keinen Kontakt mit ihm auf, denn gleich, wie die Zukunft für euch beide aussehen sollte, momentan habt ihr beide riesige Baustellen, die ihr erstmal selbst bewältigen müsst. Gehst du zu ihm zurück, verschenkst du diese große Chance, die dir diese Beziehung gegeben hat, etwas wirklich gelernt zu haben, selbst an dir zu arbeiten, zu wachsen und einen großen Schritt weiter zu kommen. 

bearbeitet von TheChild
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Gast eswareinmal

Mir fällt auf, dass Du sehr viel reflektierst. Das ist in gewissem Umfang sicher gut und hat Dir in der Vergangenheit vielleicht auch schon geholfen, Du erwähnst ja Erfahrung bei Panikattacken.

Bei Deiner Geschichte habe ich allerdings das Gefühl, dass Du es vielleicht zu weit treibst mit dem Analysieren und das auch ein Punkt war, mit dem Du ihn überfordert hast. Die Gefahr, die ich bei zu viel Reflexion sehe, ist, dass man darüber das - ich nenne es mal - unverkrampfte Sein verliert. Dann steckt man so fest in diesen Erklärungen und auch irgendwie immer Festlegungen seiner selbst. Du merkst ja selber, dass Du eigentlich weisst, dass die Trennung das Beste war. Nur bis die Einsicht sich auch auf allen Ebenen duchsetzt, dauert das halt. Das kann man nicht Herbeireflektieren.

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Das meiste wurde eigentlich schon von den anderen User gut erklärt, da musst du nun wirklich einen Cut ziehen.
Diese Dynamik die Ihr an den Tag gelegt habt ist halt schon ziemlich Derbe und das nach gerade mal 8 Monaten, dass ist eine ziemlich kurze Zeit und eigentlich ist eine anfängliche Beziehung ohne das man im selben Haushalt lebt etwas vom einfachsten einer Liebesbeziehung, daher würde ich es jetzt auf jeden Fall gut sein lassen.

 

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Gast Forbiddengirl

Woher kommt diese Einstellung “Wenn ich Mr. Perfekt treffe und er mit mir eine Beziehung möchte, DANN kann ich die Verantwortung dafür völlig abgeben und er soll angekrochen kommen"?

 

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Am 10.10.2017 um 08:47 , botte schrieb:

Du bist auf Entzug. Von Emotion. Von Drama. Meinetwegen auch von ihm. Aber sei Dir bei einer Sache sicher: es gibt noch andere. Bessere. Die ihr 'Alphasein' (kann den Begriff bald nicht mehr sehen, abgegrabbeltes Wort) nicht über Beschimpfungen und Entzug von Nähe sicher stellen müssen.

Eines noch: ich glaube, Du weisst Deinerseits auch sehr wohl, wie Du ihn dahin gebracht hast. Zu einem Spiel gehören immer mindestens zwei Parteien.

Wunderbar diese Antwort. Klar, scharf, und alles in einem Dreizeiler. Schließe mich voll an.

Das einzige was in dieser Beziehung ausgelebt wurde, ist die Leidenschaft, mit der jeder von euch seine Wünsche realisieren wollte.

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