Ideen, um gut mit (eigenen) Kindern umzugehen

37 Beiträge in diesem Thema

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Eine kleine Literaturempfehlung zu dem Thema als Inspiration. Vorneweg: ich hab keine Kinder. Vielleicht kann da wer mit mehr Erfahrung bissl was mitnehmen und Evtl in den Guide einbauen. Es ist primär ein Buch wie man mit Kindern kommunizieren soll/kann/darf damit man gut miteinander auskommt.

Ich hab’s für mich bissl zweckentfremdet, denn ich finde die beschrieben Kommunikationshilfen funktionieren prima mit Erwachsenen. Man darf es denen nur nicht erzählen, sonst schauen sie nur komisch.

 

„How to talk so kids will listen and listen so kids will talk“ von Faber, Adele und Mazlish, Elaine

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Am 26.9.2019 um 11:20 , capitalcat schrieb:
  • Grundlagen werden im ersten Jahr gelegt
    • danach noch bißchen Einfluß bis 3J
    • Stimmt so, Quelle?

Es gibt auf jeden Fall Hinweise, dass väterliche sensitivity + involvement bei ca. einem Jahr die Vater-Kind Beziehung nach drei Jahren teilweise vorhersagt. Aber das Verhalten der Väter war glaube ich recht stabil, weswegen es da schwierig ist kausale Rückschlüsse zu ziehen. Wenn es @Jingang (Deinen letzten Beitrag check ich übrigens nicht) sehr interessiert, suche ich Dir die Quelle heraus. Weiß aber nicht so richtig, ob das hilfreich wäre, sich da wissenschaftlich mit in der Tiefe auseinander zu setzen. Meine Einschätzung ist, dass ohnehin zu viele Wirkfaktoren die auf die Gen-Umwelt-Interaktion Einfluss haben, vorhanden sind, so dass Dich letztlich der gesunde Menschenverstand am weitesten bringen wird. Letztlich kann man eh nicht alles richtig machen, sondern es nur weniger falsch.

Eine ehemalige Schullehrerin von mir hat mal gesagt, dass man Kinder bis 3 wie Götter, bis 12 wie Sklaven und ab da wie Freunde behandeln sollte. Ist natürlich sehr überspitzt, aber ich denke der Punkt der Aussage kommt durch.

Was ich noch hinzufügen würde: Eine gesunde Streitkultur. Die hast Du ja angedeutet, aber ich behaupte, dass mit den Jahren auch mal die Fetzen fliegen können, sofern dabei klar ist, dass man trotzdem füreinander da ist. Das Streitigkeiten eben nicht bedeuten, dass man den anderen verlässt und man unangenehme Emotionen aushalten kann. 

Allgemein lernen Kinder natürlich viel vom zuschauen. Auf Dinge wie Emotionsregulation können und sollten Eltern natürlich unterstützend einwirken, letztlich passiert das aber automatisch, sofern keine extremen Lebensumstände dazukommen. Wenn Du zum Beispiel willst, dass Dein Kind alleine aufs Klo gehen kann, ist der einfachste Weg, die Toilettentür aufzulassen, wenn Du selbst drauf bist und es Dich dabei sehen kann. Ob man das so machen will, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Was noch für die Einordnung des geschrieben wichtig ist: Hab selbst keine Kinder und plapper nur Sachen aus der Uni nach.

bearbeitet von Jigga
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Hey Jingjang,

ich finde deine Idee eines Methoden/Handlungskoffers für Väter/Mütter super!

Habe selbst ein 9 jähriges Kind.

Meine Erfahrungen dazu: Es ist immer das gleiche Programm!

Hauptaugenmerk liegt auf der eigenen Person: ausgeglichen, mit sich selbst im Reinen, eigene Ziele und Hobbys, gesunden sozialen Kreis

Genau wie beim Pickup! Genau dann kann ich gut auf das Kind eingehen, ein guter Ansprechpartner und eine Vorbildfigur sein.

Ansonsten genau deine beschriebenen Basics:

  • klare Regeln (Handlung-Konsequenz)
  • klare ehrliche Kommunikation
  • Routinen (z.B. Abendlicher Ablauf)
  • uuuuuuuuuuuuuund... das Kind Kind sein lassen! Scheiß drauf wenn das Bad mal überschwemmt ist - Mitmachen! Kleine Mehlschlacht beim Plätzchen backen. Ja - gerne. Gemeinsam saubermachen nicht vergessen ;-)

Zuneigung und Liebe für das Kind setze ich voraus. Genau wie eine vernünftige Kommunikation. Das alles klappt ganz entspannt wenn... trommelwirbel... man selbst an sich arbeitet und mit sich im Reinen ist!

Es ist immer das gleiche Programm!

Grüße, Thalim

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Am 26.9.2019 um 10:19 , Jingang schrieb:

+ Freiheit lassen
    = bestes Lernumfeld
++ Grenzen setzen
    ++ gibt Sicherheit = essentiell - nichts ist belastender als Orientierungslosigkeit
    ++ nicht an Gesellschaft orientieren, sondern nur was mich WIRKLICH persönlich stört = authentisch
        . schwierige Grenzfälle, wo sich Außenstehende nicht wehren = kein Feedback für doofes Verhalten
    ++ konsequent
        + liebevoll durchziehen
(...)
++ kenne Grenzen des Kindes, nichts unmögliches verlangen (auch wenns nervt)

M.E. sollte man das nach Alter und Entwicklungsstand des Kindes differenzieren, evtl. noch nach Geschlecht sowie Situation der Familie.

Grundsätzlich fühlen sich Kinder bis zum Grundschulalter am wohlsten, wenn sie gut "beschützt" werden. Ab dem Grundschulalter bis vor der Pubertät am wohlsten, wenn sie innerhalb klarer Grenzen ihre Freiheit haben. Wobei es Sinn von Erziehung ist, die Grenzen neu zu setzen bzw. die Entwicklung des Kindes so zu fördern, dass neue Grenzen und neue Freiräume erschlossen werden. Z.B. Schulweg und nach der Schule mit Freunden auf den Spielplatz.

In der Pubertät mögen sie keine Grenzen, brauchen sie aber, auch um Konfliktfähigkeit und Frustrationstoleranz zu steigern bzw. um sie vor sich selbst zu schützen (je nach Temperament).

Finde das Thema aber sehr schwierig, weil die Kunst m.E. darin besteht, gewisse Erziehungsideale auf Alltagssituationen herunterzubrechen und das in einer nicht-perfekten Welt, wo man als Eltern auch nur begrenzte Ressourcen hat. Und manche Sachen wie z.B. das Thema mit dem "Schreien lassen" sind m.E. auch ziemlich kompliziert, weil es auf die Art des Schreiens ankommt. Sicher ist es richtig, nicht bei jedem Schreien zum Kind zu flitzen und das volle Programm der Bedürfnisanalyse zu veranstalten. Dennoch sollte man sich um ein Baby, das wg. voller Windel schreit, kümmern.

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Am 26.9.2019 um 10:19 , Jingang schrieb:

+ nicht soviel erklären, können sie eh nicht verstehen (je nach Alter)

Kommt drauf an, wie man es auslegt. Klar erklärste einem Kindergartenkind nicht den Brexit. Grundsätzlich sollte es Anspruch sein, alters-/kindgerecht zu erklären. Bzw. auch Quality-Time bewusst zu organisieren, wo man mit dem Kind rausgeht und auch ´mal ´ne Viertelstunde sich mit Marienkäfern befasst, danach mit Enten, dann mit der Beschaffenheit der Rutsche und der Schaukel etc.pp.

Oder Vorlesen: Meine Tochter hat Vorlesen geliebt oder früher Bilderbücher angucken und wollte alles erklärt haben.

Das hat m.E. mit "Zugewandtheit" zu tun oder "Emphatie", wobei beide Begriffe etwas anderes beschreiben

Am 26.9.2019 um 10:19 , Jingang schrieb:

++ Werte vorleben
    ++ einfach an sich selber arbeiten (statt heile Welt faken)

Faken ist natürlich kritisch. Aber heile Welt ist gut. Ich halte es für wichtig, dass wenn ein Kind zur Welt kommt, die Eltern sich "am Riemen reißen" und ihre "Werte" auch anpassen. Und wenn bspw. zu den Werten bislang gehörte, dass jeder sich etwas zu Essen machte, wenn er gerade Appetit hatte, dann ist es mit Kind angebracht, feste Zeiten bzw. Tagesabläufe für die Mahlzeiten zu haben. Mehr Regelmäßigkeit, mehr Rituale, mehr Verbindlichkeit, wenn man so will mehr "Spießigkeit". An letzterem arbeiten dann eher "freiheitsliebende" Elternpersönlichkeiten.

Bei sehr strukturierten Elternpersönlichkeiten könnte die genau entgegengesetzte Herangehensweise sinnvoll sein: Also anstatt darauf zu bestehen, dass das Mittagessen genau um 12.30 Uhr ansteht, auch ´mal fünfe gerade sein zu lassen und das Kind sein Spiel zu Ende machen lassen. Oder zulassen, dass das Kind sich wie ein Wildschwein im Schlamm wälzt, auch wenn´s nicht den eigenen "Werten" entspricht.

 

bearbeitet von tomatosoup

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Am 14.11.2019 um 19:58 , tomatosoup schrieb:

M.E. sollte man das nach Alter und Entwicklungsstand des Kindes differenzieren, evtl. noch nach Geschlecht sowie Situation der Familie.

Grundsätzlich fühlen sich Kinder bis zum Grundschulalter am wohlsten, wenn sie gut "beschützt" werden. Ab dem Grundschulalter bis vor der Pubertät am wohlsten, wenn sie innerhalb klarer Grenzen ihre Freiheit haben. Wobei es Sinn von Erziehung ist, die Grenzen neu zu setzen bzw. die Entwicklung des Kindes so zu fördern, dass neue Grenzen und neue Freiräume erschlossen werden. Z.B. Schulweg und nach der Schule mit Freunden auf den Spielplatz.

In der Pubertät mögen sie keine Grenzen, brauchen sie aber, auch um Konfliktfähigkeit und Frustrationstoleranz zu steigern bzw. um sie vor sich selbst zu schützen (je nach Temperament).

Finde das Thema aber sehr schwierig, weil die Kunst m.E. darin besteht, gewisse Erziehungsideale auf Alltagssituationen herunterzubrechen und das in einer nicht-perfekten Welt, wo man als Eltern auch nur begrenzte Ressourcen hat. Und manche Sachen wie z.B. das Thema mit dem "Schreien lassen" sind m.E. auch ziemlich kompliziert, weil es auf die Art des Schreiens ankommt. Sicher ist es richtig, nicht bei jedem Schreien zum Kind zu flitzen und das volle Programm der Bedürfnisanalyse zu veranstalten. Dennoch sollte man sich um ein Baby, das wg. voller Windel schreit, kümmern.

Ich würde da nach Kind differenzieren, und nicht Schablonen anlegen. "Erziehungsideale" u "fördern" u "Freiräume auf dem Schulweg erschließen" klingen für mich superschlimm u ziemlich nach helikoptern. Kann ich aber falsch rausgehört haben.

Beispiel fördern: Mit andern Kindern spielen ist (bis zu bestimmten Alter) mit Abstand die beste "Entwicklungshilfe" für Kinder. Irgendwelches Reindrehen von Sprachen/Instrumenten.. belastet nur. Der ganze Leistungsquatsch kommt früh genug. Ich finds zum kotzen, daß Kinder heute keinen Freiraum mehr für ganz normale Entwicklung haben (keiner hat mehr Zeit wg irgendwelcher Kurse) und "zusammen spielen" großteils verlernt haben. Oder sich mal n Tag selber im Wald beschäftigen - gibt wenige, die das können u cool finden. Bin froh noch die Zeit "ab auf den Acker, wenn die Lampen angehen nach Hause" erlebt zu haben.

Am 14.11.2019 um 20:58 , tomatosoup schrieb:

Kommt drauf an, wie man es auslegt. Klar erklärste einem Kindergartenkind nicht den Brexit. Grundsätzlich sollte es Anspruch sein, alters-/kindgerecht zu erklären. Bzw. auch Quality-Time bewusst zu organisieren, wo man mit dem Kind rausgeht und auch ´mal ´ne Viertelstunde sich mit Marienkäfern befasst, danach mit Enten, dann mit der Beschaffenheit der Rutsche und der Schaukel etc.pp.

Welt erklären ist super (für beide), keine Frage. Kontext war aber Grenzen. Seh da öfter mal stundenlange Erklärungen und gleichzeitig wenig Konsequenz. Beispiel Straßenverkehr: Kannste nem Kleinkind nicht erklären, Prinzip "Tod" schnallen die ab vielleicht 6 Jahren. Eins der wenigen Dinge, die man nicht durch Erfahrung lernen lassen kann. Aufgeforderte Erklärungen sollte man natürlich versuchen.

Kindgerecht "dutzi dutzi" (hast du vermutlich nicht so gemeint) find ich auch schwierig. Man kann die Racker auch einfach ernstnehmen. Hatte da mal in meinen 20ern ein Erweckungserlebnis - unterhalte mich mit FB, Sohn (6) wird zickig. Sie so "Na, bist bißchen eifersüchtig?". Er nickt, kapiert, grinst und gut war.

Am 14.11.2019 um 20:58 , tomatosoup schrieb:

dann ist es mit Kind angebracht, feste Zeiten bzw. Tagesabläufe für die Mahlzeiten zu haben.

Find ich nicht. Hat eh nie Hunger wenn es soll. Und kapiert das "auf Vorrat essen" nicht, kein Zeitgefühl. Nichts nervt mehr als 18:00 leerer Spielplatz weil die andern Eltern so Zeug denken 🙂 Aber kann natürlich individuell sein, daß das dem Kind Sicherheit gibt (dürfte wenige betreffen).

Ich hab immer geguckt, einfach (unkonventionell) zu machen und gucken, obs paßt. War sehr sehr pflegeleichtes Kind im Vergleich wurde immer von andern betont, vielleicht dadurch.

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Bitte hier nicht(!) darüber diskutieren ob dieser Thread Sinn macht!

Vielen Dank!

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vor 1 Stunde, Jingang schrieb:

Find ich nicht. Hat eh nie Hunger wenn es soll. Und kapiert das "auf Vorrat essen" nicht, kein Zeitgefühl. Nichts nervt mehr als 18:00 leerer Spielplatz weil die andern Eltern so Zeug denken 🙂 Aber kann natürlich individuell sein, daß das dem Kind Sicherheit gibt (dürfte wenige betreffen). 

Ich hab immer geguckt, einfach (unkonventionell) zu machen und gucken, obs paßt. War sehr sehr pflegeleichtes Kind im Vergleich wurde immer von andern betont, vielleicht dadurch.

Hast du ein Kind/Kinder?

Finde unkonventionelle Ansätze auch spannend und versuche im Alltag immer Platz dafür zu lassen. Finde aber gerade gemeinsame Malzeiten sehr wichtig. Und sobald man nicht mit dem Kind allein ist wird es aber schwierig, wenn jeder nur dann isst, wenn er gerade Hunger hat. Bis zu einem gewissen Alter finde ich solche mehr oder weniger festen Abläufe wichtig. Zumal man bei aller Fürsorge auch aufpassen muss nicht alles nach dem Kind / den Kindern auszurichten. Sonst kommen nach ein paar Jahren Tanz ums goldene Kalb ganz andere Probleme auf dich zu.

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Bei uns gabs auch nie "feste Essenszeiten", aber man hat praktisch immer zusammen gegessen bzw. am Tisch gesessen. Bin früher, trotz Ferien, manchmal morgens mit meiner Mutter aufgestanden (freiwillig) um ihr beim morgendlichen Tee Gesellschaft zu leisten. 
Finde gemeinsames Essen als Ritual auch sehr schön, wobei ich da mehr nach "Hungergefühl" und induvidueller "Tagesablauf" gehen würde, als danach auf eine feste Uhrzeit zu bestehen - und darauf das tagtäglich zu machen sowieso nicht, falls Kind im Sommer mal etwas länger draußen ist, Stichwort Autonomie fördern. 

bearbeitet von capitalcat
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Schwierig wird es eben wenn du verschiedene individuelle Tagesabläufe unter einen Hut bekommen willst. Bei zwei Erwachsenen und 2-3 Kindern in unterschiedlichem Alter wirst du eher selten den Moment abpassen, in dem alle gleichermaßen Hunger haben. Ging mit dabei aber auch weniger um das Essen zu Uhrzeit XY sondern mehr um die festen Tagesabläufe (mit gemeinsamen Malzeiten), die bis zu einem gewissen Alter (11-13?) für Kinder oft wichtiger sind, als man denkt.

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vor 2 Stunden, a.supertramp schrieb:

Hast du ein Kind/Kinder?

Tochter (12).

vor einer Stunde, capitalcat schrieb:

Bei uns gabs auch nie "feste Essenszeiten", aber man hat praktisch immer zusammen gegessen bzw. am Tisch gesessen. Bin früher, trotz Ferien, manchmal morgens mit meiner Mutter aufgestanden (freiwillig) um ihr beim morgendlichen Tee Gesellschaft zu leisten. 
Finde gemeinsames Essen als Ritual auch sehr schön, wobei ich da mehr nach "Hungergefühl" und induvidueller "Tagesablauf" gehen würde, als danach auf eine feste Uhrzeit zu bestehen - und darauf das tagtäglich zu machen sowieso nicht, falls Kind im Sommer mal etwas länger draußen ist, Stichwort Autonomie fördern. 

This. Wobei ich meist allein mit ihr war, alles noch bißchen flexibler.

Erster Absatz klingt nach cooler Kindheit ❤️

bearbeitet von Jingang
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vor einer Stunde, capitalcat schrieb:

Finde gemeinsames Essen als Ritual auch sehr schön, wobei ich da mehr nach "Hungergefühl" und induvidueller "Tagesablauf" gehen würde

Ist es aber nicht so, dass durch Regelmäßigkeit auch irgendwann automatisch der Körper reagiert? Dass man automatisch um 19.00h Hunger bekommt wenn es um diese Zeit normalerweise Essen gibt? Oder man zu seiner üblichen Bettgehzeit auch müde wird (auch wenn Kinder das natürlich nie zugeben würden)?

Ich halte Rituale und Regelmäßigkeit für enorm wichtig. Je jünger das Kind ist umso mehr.

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vor 28 Minuten, Hexer schrieb:

Ist es aber nicht so, dass durch Regelmäßigkeit auch irgendwann automatisch der Körper reagiert? Dass man automatisch um 19.00h Hunger bekommt wenn es um diese Zeit normalerweise Essen gibt?

Genau daran dachte ich beim schreiben. Deswegen ergibt sich das von selbst.

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vor einer Stunde, Hexer schrieb:

Ist es aber nicht so, dass durch Regelmäßigkeit auch irgendwann automatisch der Körper reagiert? Dass man automatisch um 19.00h Hunger bekommt

Jein. Hilft, aber keine Garantie. Jeder Tag ist anders (Belastung), Wachstumsschübe..

Der äußere Einfluß "wie sind die Eltern gerade drauf" ist meiner Erfahrung nach viel wichtiger als irgendwelche Zeiten. Kinder kopieren sauviel, eben auch die eigene Stimmung.

Man kann denk ich merken, welche Rituale RICHTIG was bringen, und welche eher egal sind / die Flexibilität fördern. Einschlafen dürfte bei den Meisten ein wichtiges Ding sein, wo so ein kompakter immergleicher Ablauf extrem hilft. Bei meiner war's wie so ein 5min-Ausschalter.

Hab das auch anders erlebt - 1h vor Wunsch-Einschlaf-Zeit (nach Lehrbuch) wird rumgestreßt, daß es ja bald soweit ist. Dann liegt die Göre 1h später für >1h wach im Bett rum und alle sind genervt. War einfach noch nicht müde und destruktives Ritual. Würde ich einfach zu dieser tatsächlichen Einschlafzeit mit kurzem Prozeß machen und bißchen drauf achten, ob sie vorher schon Anzeichen zeigt.

Oder eben Fehler, feste Zeit durchzuziehen, wo Kind schon völlig offensichtlich 5min vor Alarm (übermüdet, kippt) ist, wo man einfach mal kurz durchziehen muß.

Ich glaub ja oft sinds die Eltern die, die sich feste Zeiten für sich selber wünschen ^^

bearbeitet von Jingang

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vor 1 Stunde, Jingang schrieb:

Ich glaub ja oft sinds die Eltern die, die sich feste Zeiten für sich selber wünschen

Möglicherweise. Bei uns stands aber auch in den Elternbriefen, die wir bekommen haben, und der Kinderarzt hat das auch abgefragt. Was ja nicht heisst, dass man immer um Punkt soundsoviel Uhr Mittagessen auf dem Tisch stehen haben muss sondern dass es einen geregelten Tagesablauf gibt.

Für manche ist das wahrscheinlich völlig selbstverständlich, für manche ist völlig selbstverständlich, dass jeder dann isst, wenn er Hunger hat.

Und die Fachleute sagen, dass für kleinere Kinder ein geregelter Tagesablauf förderlich ist.

vor 7 Stunden, Jingang schrieb:

"Freiräume auf dem Schulweg erschließen" klingen für mich superschlimm u ziemlich nach helikoptern

Bei uns (Großstad) war das ab dem Grundschulalter ein wichtiges Thema, dass die Tochter alleine bzw. mit Freunden den Weg zur Schule und zurück macht. Finde das eigentlich nicht helikoptermäßig sondern als Beispiel dafür, dass man Eigenständigkeit fördert.

vor 7 Stunden, Jingang schrieb:

Beispiel Straßenverkehr: Kannste nem Kleinkind nicht erklären, Prinzip "Tod" schnallen die ab vielleicht 6 Jahren.

Genau. Deswegen war das bei ja bei uns Thema mit dem Schulweg, weil es einen kürzeren, gefährlicheren Weg (Hauptverkehrsstraße mit Lkw-Verkehr) und einen etwas längeren am Park vorbei durch die Seitenstraßen gab. Da die Gruppe aber den kürzeren Weg nehmen musste, habe ich lieber ab und zu den Erklärbär gemacht von wegen wie man sich im Straßenverkehr verhält.

vor 7 Stunden, Jingang schrieb:

Der ganze Leistungsquatsch kommt früh genug. Ich finds zum kotzen, daß Kinder heute keinen Freiraum mehr für ganz normale Entwicklung haben (keiner hat mehr Zeit wg irgendwelcher Kurse) und "zusammen spielen" großteils verlernt haben.

Sarah Lesch hat dazu ja ein schönes Lied geschrieben:

 

Dennoch halte ich es auch für wichtig, Kindern auch Leistungsbereitschaft und Disziplin beizubringen, damit sie die Schule schaffen und die Chance haben, sich zu entwickeln. Meine Tochter war bis 12/13 auch absolut pflegeleicht und hat die Schule locker geschafft und ich hätte ähnlich geschrieben wie @Jingang. Heute mit 15 sieht das anders aus und die "Fridays for Future"-Sache hat noch einmal einen Schub in Richtung "Schule ist nicht so wichtig" gegeben. Wo halt viele sagen ist doch toll, dass die Jugend sich engagiert und Jugendliche sich darin bestärkt fühlen, Schulstreik für das Klima zu machen, müsste man eigentlich dazu sagen: "Ja, stimmt, die Regeln für die Versetzung bleiben aber bestehen". Kinder entwickeln sich zuweilen zu Schulschwänzern bzw. Schulverweigerern. Aus dem älteren Bekanntenkreis habe ich mehrere Entwicklungspfade gehört, drei mal als Beispiel:

- Jugendlicher gerät auf die schiefe Bahn, fängt an zu kiffen, geht gar nicht mehr zur Schule, Probleme mit Polizei, lebt teilweise bei Freunden, verwahrlost und bekommt mit Ende 20 die Kurve zu normalem Job und eigener Wohnung.

- Jugendlicher hat keinen Bock auf Schule, Leistungen werden immer schlechter, wechselt vom Gymnasium zur Realschule und bekommt mit Mitte 20 die Kurve zu Ausbildung und Studium, wohnt die ganze Zeit zu Hause.

- Jugendliche vernachlässigt die Schule, wird von der Mutter eine Zeit lang an die extrem kurze Leine genommen und schafft das Abitur ziemlich gut.

 

Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, dass es ein harter Kampf ist, wenn man nicht am Ball bleibt und das Kind zu Leistungsbereitschaft erzieht, das Ding dann später in eine andere Richtung zu lenken. Und zwar übrigens nicht, weil ich als Vater gerne möchte, dass die Tochter dies oder jenes wird oder schafft, sondern weil die Tochter selbst mit ihren Freunden zusammen ihren Weg in der Schule machen möchte.

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vor 1 Stunde, tomatosoup schrieb:

das Kind zu Leistungsbereitschaft erzieht

Wie soll das gehen (außer vorleben)?

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Am 18.11.2019 um 23:51 , Jingang schrieb:

Wie soll das gehen (außer vorleben)?

Ich bin da nicht so ein guter Ratgeber, weil ich das nicht so gut hinbekommen habe. Aber wir arbeiten an dem Problem, auch mit professioneller Unterstützung.

Vorleben alleine reicht in der Pubertät m.E. nicht, weil ein pubertierender Teenager den Mehrwert eines guten Jobs und eines gewissen Lebensstandards nicht sieht. Das wird eher kritisch gesehen. Es bringt auch wenig, irgendwelche Zukunftsszenarien zu besprechen, so nach dem Motto wenn du später ein schönes Leben und die Freiheit haben möchtest, dir auszusuchen, was du ´mal machst, dann wäre es ganz gut, wenn du die Schule halbwegs ernst nimmst. Das ist alles viel zu weit entfernt in der Zukunft. Das soll nicht bedeuten, dass man darauf verzichten sollte.

Bei uns steht verhaltenstherapeutisch an, klare Regeln zu haben und mit mehr Konsequenz darauf hinzuwirken, dass die Tochter zu Hause für die Schule arbeitet. Das ganz normale, spießige Programm. Smartphone-Nutzung beschränken, Computerspielerei einschränken und einfordern und durchsetzen, dass dann eben in der Küche oder im Wohnzimmer für eine Stunde gelernt wird, anstatt im Kinderzimmer, wo immer Ablenkung da ist. Gleichzeitig Sportverein reaktivieren, weil sportliche Erfolge gut für´s Selbstwertgefühl sind und weil es gut ist, wenn das Kind neben dem Schul-Freundeskreis weitere Freunde hat. Da sollte man sich m.E. als Eltern schon drum bemühen. Es kann bspw. passieren, dass es im Schul-Freundeskreis Stress gibt und da ist es immer gut, wenn das Kind quasi noch einen anderen social-circle hat.

Das muss alles eingeübt und praktiziert werden im Alltag. Bei manchen klappt das ganz spielerisch nebenbei, bei manchen ist etwas mehr Engagement durch die Eltern erforderlich. Das meinte ich mit "neue Freiräumen und Grenzen erobern". Bei dem einen Kind reicht es, es einmal zum Probetraining im Sportverein zu bringen und danach klappt alles wunderbar, ein anderes Kind braucht es, dass der Papa es drei,viermal zum Training bringt und wieder abholt.

Klingt zwar möglicherweise alles banal und die meisten kriegen das alles auch hin. Selbstverständlich ist es aber nicht. Solange es gut läuft, macht man sich da keine Gedanken drüber, wenn es dann nicht mehr so gut läuft, wird einem bewusst, wo man in der Vergangenheit sich vielleicht mehr Mühe hätte geben sollen.

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Thx.

Hmm, ist ja mehr Leistungszwang-Umgebung in erster Näherung. Könnte sich evtl. zu -bereitschaft ändern - bei Erfolgen.

Ich denk man hat langfristig fast keinen direkten Einfluß. Indirekt über Selbstwert mitgeben kann ich mir eher vorstellen. Wobei wenn's nicht klappt auch oft unklar ist warum eigentlich.

Komplex diese Menschen.

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Meine Mutter hat mir seit meiner Kindheit gesagt, wenn ich nicht lerne, arbeite ich später als Putzfrau oder lebe unter der Brücke - und auch wenn sie sich nachträglich ganz allgemein als "zu streng" betrachtet, fand ich das eigentlich ganz gut. 
Nichtsdestotrotz war ich was Schule und Studium anging immer ein extremer Minimalist - für die Schule so gut wie nie Hausaufgaben gemacht, oder Bücher/ Unterlagen mitgebracht, weil ichs nicht eingesehen habe so viel zu Schleppen.
Studium, kann man die Anzahl an Vorlesungensstunden, die ich pro Semester besucht habe an einer Hand abzählen, weil ich mich vorwiegend auf den Job nebenbei konzentriert habe - da ich das Studium immer nur als "Eintrittskarte" gesehen habe. Habe dennoch einen guten Abschluss gemacht, wurde im Unternehmen sehr gefördert und entsprechend übernommen. 

Bei mir gab es nie "Feste Zeiten zu denen gelernt wird/ Hausaufgaben gemacht werden müssen". Meine Mutter hat sich immer informiert welche Klausuren anstehen, ob ich nicht noch HAs machen müsste und über die reine Nachfrage schon ganz gut gesteuert.
Ich denke ein sehr wichtiger Faktor ist aber, dass meine Mutter selbst studiert ist und mir über die Jahre den Gedanken "Du wirst auch studieren" immer irgendwie subkommuniziert hat. Es war einfach immer selbstverständlich, dass egal was, ich am Ende vom Tag ein Studium Anfangen werde und ich habe das auch nicht angezweifelt, dass das der Weg für mich ist. Kann das schwer beschreiben, aber es war wie eine "zukünftige Tatsache". 

bearbeitet von capitalcat
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vor 14 Stunden, tomatosoup schrieb:

Ich bin da nicht so ein guter Ratgeber, weil ich das nicht so gut hinbekommen habe. Aber wir arbeiten an dem Problem, auch mit professioneller Unterstützung.

Vorleben alleine reicht in der Pubertät m.E. nicht, weil ein pubertierender Teenager den Mehrwert eines guten Jobs und eines gewissen Lebensstandards nicht sieht. Das wird eher kritisch gesehen. Es bringt auch wenig, irgendwelche Zukunftsszenarien zu besprechen, so nach dem Motto wenn du später ein schönes Leben und die Freiheit haben möchtest, dir auszusuchen, was du ´mal machst, dann wäre es ganz gut, wenn du die Schule halbwegs ernst nimmst. Das ist alles viel zu weit entfernt in der Zukunft. Das soll nicht bedeuten, dass man darauf verzichten sollte.

Bei uns steht verhaltenstherapeutisch an, klare Regeln zu haben und mit mehr Konsequenz darauf hinzuwirken, dass die Tochter zu Hause für die Schule arbeitet. Das ganz normale, spießige Programm. Smartphone-Nutzung beschränken, Computerspielerei einschränken und einfordern und durchsetzen, dass dann eben in der Küche oder im Wohnzimmer für eine Stunde gelernt wird, anstatt im Kinderzimmer, wo immer Ablenkung da ist. Gleichzeitig Sportverein reaktivieren, weil sportliche Erfolge gut für´s Selbstwertgefühl sind und weil es gut ist, wenn das Kind neben dem Schul-Freundeskreis weitere Freunde hat. Da sollte man sich m.E. als Eltern schon drum bemühen. Es kann bspw. passieren, dass es im Schul-Freundeskreis Stress gibt und da ist es immer gut, wenn das Kind quasi noch einen anderen social-circle hat.

Das muss alles eingeübt und praktiziert werden im Alltag. Bei manchen klappt das ganz spielerisch nebenbei, bei manchen ist etwas mehr Engagement durch die Eltern erforderlich. Das meinte ich mit "neue Freiräumen und Grenzen erobern". Bei dem einen Kind reicht es, es einmal zum Probetraining im Sportverein zu bringen und danach klappt alles wunderbar, ein anderes Kind braucht es, dass der Papa es drei,viermal zum Training bringt und wieder abholt.

Klingt zwar möglicherweise alles banal und die meisten kriegen das alles auch hin. Selbstverständlich ist es aber nicht. Solange es gut läuft, macht man sich da keine Gedanken drüber, wenn es dann nicht mehr so gut läuft, wird einem bewusst, wo man in der Vergangenheit sich vielleicht mehr Mühe hätte geben sollen.

Das ist ja gruselig, du projizierst deine Wertvorstellungen in dein Kind und versuchst es danach zu formen. Am besten lernen Menschen immer noch, wenn sie Freude an den Dingen haben, besonders Kinder und weil du meinst ein Schulabschluss sei wichtig, heißt es nicht, dass es für alle so sein muss.

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vor 15 Stunden, tomatosoup schrieb:

Ich bin da nicht so ein guter Ratgeber, weil ich das nicht so gut hinbekommen habe. Aber wir arbeiten an dem Problem, auch mit professioneller Unterstützung.

Vorleben alleine reicht in der Pubertät m.E. nicht, weil ein pubertierender Teenager den Mehrwert eines guten Jobs und eines gewissen Lebensstandards nicht sieht. Das wird eher kritisch gesehen. Es bringt auch wenig, irgendwelche Zukunftsszenarien zu besprechen, so nach dem Motto wenn du später ein schönes Leben und die Freiheit haben möchtest, dir auszusuchen, was du ´mal machst, dann wäre es ganz gut, wenn du die Schule halbwegs ernst nimmst. Das ist alles viel zu weit entfernt in der Zukunft. Das soll nicht bedeuten, dass man darauf verzichten sollte.

Bei uns steht verhaltenstherapeutisch an, klare Regeln zu haben und mit mehr Konsequenz darauf hinzuwirken, dass die Tochter zu Hause für die Schule arbeitet. Das ganz normale, spießige Programm. Smartphone-Nutzung beschränken, Computerspielerei einschränken und einfordern und durchsetzen, dass dann eben in der Küche oder im Wohnzimmer für eine Stunde gelernt wird, anstatt im Kinderzimmer, wo immer Ablenkung da ist. Gleichzeitig Sportverein reaktivieren, weil sportliche Erfolge gut für´s Selbstwertgefühl sind und weil es gut ist, wenn das Kind neben dem Schul-Freundeskreis weitere Freunde hat. Da sollte man sich m.E. als Eltern schon drum bemühen. Es kann bspw. passieren, dass es im Schul-Freundeskreis Stress gibt und da ist es immer gut, wenn das Kind quasi noch einen anderen social-circle hat.

Das muss alles eingeübt und praktiziert werden im Alltag. Bei manchen klappt das ganz spielerisch nebenbei, bei manchen ist etwas mehr Engagement durch die Eltern erforderlich. Das meinte ich mit "neue Freiräumen und Grenzen erobern". Bei dem einen Kind reicht es, es einmal zum Probetraining im Sportverein zu bringen und danach klappt alles wunderbar, ein anderes Kind braucht es, dass der Papa es drei,viermal zum Training bringt und wieder abholt.

Klingt zwar möglicherweise alles banal und die meisten kriegen das alles auch hin. Selbstverständlich ist es aber nicht. Solange es gut läuft, macht man sich da keine Gedanken drüber, wenn es dann nicht mehr so gut läuft, wird einem bewusst, wo man in der Vergangenheit sich vielleicht mehr Mühe hätte geben sollen.

Die meisten Menschen, die mit Kindern zu tun haben, d.h. primär Lehrer und Eltern, sind sehr schlecht in Marketing und Sales.

Das führt dazu, dass es in der Regel zu einem Stellungskampf führt.
Gleichzeitig gibt es einem das Gefühl von Hilflosigkeit, weil man "ja irgendwas getan hat" und Zeit investiert hat.

Im Endeffekt gibt es meiner Meinung nach 2 große Fehler:
1. rational verkaufen wollen mit technischen Details
2. seine Zielgruppe nicht kennen

Der einzige für mich  erlebte Unterschied war, dass Erwachsene sich selbst mit rationalen Gründen ein wenig "stretchen" können, so dass sie ihre Emotionen ein wenig überspielen können und für die rationalen Gründe handeln. Wie gut das klappt, kann ja jeder in seinem eigenen Leben sehen, wenn er Tätigkeiten erledigen soll, die generell nicht cool sind.

---
In der Regel laufen die normalen Gespräche meiner Erfahrung nach so ab:
Eltern: "Komm mal ins Wohnzimmer, sofort, wir müssen reden. Wir haben deine Noten gesehen, wieder ein 4-5. Warum schon wieder so eine schlechte Note?"
Hans (*peinlich berührt, Selbstvertrauen gesenkt, Identität verfestigt*): "Ja, total scheiße, ich hab das Thema nicht gecheckt."
Eltern: "Ja, du sitzt halt immer nur am Handy rum und lernst nie. Das MUSS sich ändern. Sonst gibt's Ärger. Handy kommt sonst weg."
Hans (*Defensive aufgebaut, keine Unterstützung*): "Ja, ich check das halt nicht. Hab mir das angeschaut und es war so schwierig. Die anderen waren auch schlecht."
Eltern: "Die anderen interessieren uns nicht. Ab jetzt kein Handy mehr. Nach der Schule wird ab jetzt gelernt!!! Ansonsten Internetsperre."

Jetzt weiß das Kind, dass es scheiße, dumm und faul ist, bravo.
Und dass die Eltern keine Unterstützung leisten.

Zielführender finde ich sowas:
Eltern: "Hey Hans, wie fühlst du dich momentan so?"
Hans (*Eltern sind interessiert*): "Ja, ist okay."
Eltern: "Wir haben gesehen, dass du eine 4-5 geschrieben hast. Wir möchten dich gerne dabei unterstützen. Wie können wir das tun?"
Hans: "Gar nicht, ich hab das Thema nicht gecheckt."
Eltern: "Ja, das verstehen wir, das kommt oft vor, dass man etwas nicht versteht. Aber das kann man mit Lernen verändern. Was denkst du, was passiert, wenn du bessere Noten schreibst?"
Hans: "Weiß nicht. Eigentlich nichts."
Eltern: "Wie hat sich das angefühlt, als der Lehrer an deinen Tisch kam, dich enttäuscht angeschaut hat und du die 4-5 gesehen hast?"
Hans: "Ja, nicht so gut."
Eltern: "Wenn du ein wenig mehr lernst, dann hast du schnell gute Noten. Stell dir mal das Gefühl vor, wenn du eine 2 schreiben würdest und du richtig stolz auf dich wärst. Und wenn alle wüssten, dass du eine gute Note geschrieben hast und schlau bist."
Hans: "Ja, stimmt."
Eltern: "Lass uns doch direkt mal anschauen, was wir verbessern können."
...


Das Spannende ist, dass sich bei nahezu allen Menschen positive Habits verfestigen, wenn sie die Tätigkeit an sich mit etwas Positivem verknüpfen.
Und Lernen wird den meisten eben als nutzlos, "muss man machen", "steht im Lehrplan", "damit man später einen Job bekommt" und Grundlage für multiple Drohungen verkauft.

Ich glaube, dass jeder Mensch Lernen liebt. Jeder Mensch hat irgendwas, worin er tief versinken kann. Meistens sind es eben die Sachen, die wir als nutzlos betiteln. Ich sehe so viele Kinder, die sich unglaublich gut mit Gaming, Instagram, Rapmusik, Fußball auskennen, also ist doch die Frage, warum sie dort neugierig und mega lernbereit sind, aber in Mathe & Physik nicht. Weil es eben im Endeffekt eine Sache von Marketing & Sales ist. Wer das Wie entschlüsselt, der kann es auf das Was umsetzen.

Das ist dann eben der Unterschied zwischen "von 14-16Uhr kein Smartphone, weil ich das sage!!!!!!!" und "Kennst du das Gefühl, wenn du an einer Sache sitzt und du so krass darin vertieft bist, dass die Zeit nur so verfliegt? Wenn du viel Mühe reinsteckst und du dann das Ergebnis siehst und dir denkst "Wow, krass, das ist so cool & das habe ich selbst geschafft!!"? Das ist doch schon ein geiles Gefühl. Um das Gefühl super einfach zu bekommen, legen wir jetzt mal für paar Minuten das Smartphone ins andere Zimmer.".

 

 

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vor 2 Stunden, SilverStar01 schrieb:

Das ist ja gruselig, du projizierst deine Wertvorstellungen in dein Kind und versuchst es danach zu formen. Am besten lernen Menschen immer noch, wenn sie Freude an den Dingen haben, besonders Kinder und weil du meinst ein Schulabschluss sei wichtig, heißt es nicht, dass es für alle so sein muss.

Nach wessen Wertvorstellungen soll man ein Kind sonst formen, wenn nicht nach den eigenen?

Letztlich ist es doch so, dass -die meisten- Eltern es so gut machen wie sie können. Muss da immer das dieses Zitat denken "Das Wichtigste, was Eltern den Kindern beibringen können, ist, wie sie ohne sie zurecht kommen". Dazu gehört nunmal auch die finanzielle Selbstfürsorge, deren Voraussetzung in unserer Gesellschaft ein ordentlicher Schulabschluss ist. Es mag Ausnahmen geben aber i.d.R. möchte man da doch auf Nummer sicher gehen.

Bei einem Eltern-Kind-Verhältnis, wie dem zwischen @capitalcat und ihrer Mutter braucht es da weniger Intervention weil das Ziel über Subkommunikation klar vorgegeben wurde. Das ist eine tolle Sache - lässt sich aber nicht beliebig auf jeden übertragen.

Das Beispiel von @saian zeigt auch schön, wieviel Fingerspitzengefühl und Empathie von Eltern täglich gefordert wird und im Idealfall reagieren die Eltern wie im zweiten Fall. Ich denke aber dass den wenigsten das Eltern-sein in die Wiege gelegt wurde und man auch als Mutter/Vater immer wieder dazulernen muss. Ich für meinen Teil mache bei der Erziehung weißgott nicht alles richtig, aber ich hinterfrage mein Tun regelmäßig und kalibriere das dann gerne neu. Ist ja für beide ein Lernprozess.

Beim Thema Schule gehe ich zum Beispiel noch einen Schritt weiter als im o.g. Beispiel: ich schaue mir mit meinem Sohn jeden Mittag an, was an dem Tag in der Schule gemacht wurde, frage ob es Unklarheiten gibt und erkläre es im Bedarfsfall nochmal in Ruhe. Kostet uns jeden Tag 5 Minuten aber seitdem ist zum Beispiel Mathe vom Hass- zum Lieblingsfach geworden - werden wir also mal beibehalten.

vor einer Stunde, saian schrieb:

Eltern: "Wenn du ein wenig mehr lernst, dann hast du schnell gute Noten. Stell dir mal das Gefühl vor, wenn du eine 2 schreiben würdest und du richtig stolz auf dich wärst. Und wenn alle wüssten, dass du eine gute Note geschrieben hast und schlau bist."

Hans: "Ja, stimmt."

Das funktioniert bei uns zum Beispiel garnicht. Ich glaube dass viele Kinder (zumindest mein Sohn - will nicht verallgemeinern) viel zu sehr im hier und jetzt leben als dass sie sich dieses Gefühl in dem Moment, in dem sie sauer/enttäuscht sind, vorstellen können.

bearbeitet von a.supertramp
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