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Nabend die Damen und Herren,

tja, wie fängt man so ein Thema am besten an...

Wer meine früheren Posts kennt, weiß, dass ich ein ziemlich kopflastiger Mensch bin, der Probleme und Aufgaben mit aller Aufrichtigkeit zudurchdringen versucht. Vielleicht ein kurzer Abriss der letzten 12 Monate:

- 04/16 - 10/16: Masterarbeit geschrieben, mit 1,0 abgeschlossen (nach Angaben des Prof's war es erst die vierte 1,0, die er jemals in einer Master-Thesis vergeben hat - der Stress hat sich also "gelohnt")

- seit 10/16 fest übernommen in einer Consulting-Bude bzw. Ingenieursdienstleister;

Zu meiner beruflichen Tätigkeit: Aktuell stampfe ich eine neue Business Unit aus dem Boden und habe auch (endlich) zwei Kollegen zur Unterstützung bekommen, insofern würde ich mich als Projektleiter bezeichnen, da ich mittlerweile auch Arbeitspakete verteile usw. Mein Alltag sieht so aus, dass ich die ersten 60-90min des Tages Fachliteratur lese, damit ich genügend Info's für die Geschäftsfeld-Entwicklung "akkumulieren" kann. Mittlerweile läuft auch das erste "Produkt" beim Kunden an (von mir "entwickelte" Beratungsdienstleistung). Demnächst soll ich mich dann auch noch um Akquise kümmern...

Tja, was soll ich sagen... Ich bin erschöpft, das trifft es wohl ziemlich gut. Unter der Woche gehe ich noch 4x zum Sport, was der einzige wirklich Ausgleich ist - wenn ich mich 90min lang ausgepowert habe und danach in die Sauna gehe ist das "Hirn" leer. Ohne Sport würde ich durchdrehen. ABER (und das ist ein verdammt großes, fettes Aber): An den WE's bin ich nur noch erledigt. Ich meine wirklich platt. Der Druck auf Arbeit ist immens (da die Firma recht klein ist gibt es keine große Hilfe, ich habe die ersten vier Monate komplett alleine gearbeitet, hinzu kommt der Druck, dass ich mich "rentieren" muss - aber direkt nach Job-Einstieg?)

Ich trinke nicht mehr, weil der Kater so unmenschlich ist, dass ich mehrere Tage ausgeknockt bin, außerdem "beißt" es sich zu sehr mit meinen sportlichen Ambitionen. Was mir aber auffällt: Ich meide große "soziale" Veranstaltungen. Frauen kennenzulernen ist so anstrengend; mir fehlt jegliche Lust und Motivation. Ich bin einfach platt, wache oft mit Kopfschmerzen auf, kann einfach nicht abschalten. Nachdem ich jetzt gefühlt eine Million Tests gemacht habe, ist die Wahrscheinlichkeit naheliegend, dass ich wohl unter einer Erschöpfungsdepression (Burnout) leide. Das Studium war schon ziemlich nervenaufreibend, aber da habe ich die Zähne zusammengebissen - den Titel nimmt mir schließlich keiner mehr... Nur zerrinnt aktuell mein Leben so wie Sand zwischen meinen Händen. Auf Arbeit läuft es folgendermaßen: Ich habe eine Idee, dann noch eine, und noch eine... und noch eine... und es trägt ja auch Früchte, weil ich mich nunmal gerne durchbeiße und meine Aufgaben mit einen ganz bestimmten Anspruch (sicherlich perfektionistisch) erledigen will. Es schwankt zwischen Zwanghaftigkeit und Hingabe, schwer zu beschreiben.

Nur das Privatleben geht komplett flöten. Es ist Samstag-Abend, ich bin total k.o., freue mich auf die Badewanne, einen guten Film und dann auf's Bett. Das kann es doch mit 29 nicht sein?! Im Prinzip habe ich die letzten Jahre (und insbesondere die letzten 12 Monate) komplett für die  Karriere aufgeopfert. ich gehe weder auf Facebook noch schaue ich mir großartig Nachrichten an, weil es meine Laune noch mehr drücken würde. Abends schalte ich dann in den Flugzeug-Modus, einfach um Ruhe zu haben. Ich kann die "Manager" immer besser verstehen, die sich für drei Wochen ins Schweigekloster zurückziehen.. Einfach mal die Schnauze halten, nichts hören, nichts sehen - mal wieder runterkommen... Irgendwie finde ich kein Maß mehr, es ist ja auf Arbeit auch alles interessant: die Technologie, das Management, die Datenanalysen usw. Nur wünsche ich mir immer öfter mein "altes", einfaches Leben zurück, als die Welt noch klein, überschaubar und weniger beängstigend und komplex war.

Lange Rede, kurzer Sinn: Was ratet ihr mir? Mir geht es nicht darum, der Oberplayer zu werden. Mir würde eine Beziehung glaube ich am besten tun, einfach mal eine Frau, die mich "erdet"...

Hat jemand hier schonmal solche Erfahrungen gemacht? Wie seid ihr damit klar gekommen?! Es ist bei vor allem immer dieser Gedanken "Es geht ja doch noch mehr... Und  noch mehr... und noch mehr..." - irgendwann zerstört mich dieser Prozess, ich spüre das geradezu...

VG bondig

bearbeitet von Bondig

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vor 13 Minuten schrieb Bondig:

Hat jemand hier schonmal solche Erfahrungen gemacht? Wie seid ihr damit klar gekommen?! Es ist bei vor allem immer dieser Gedanken "Es geht ja doch noch mehr... Und  noch mehr... und noch mehr..." - irgendwann zerstört mich dieser Prozess, ich spüre das geradezu...

Arbeite nicht hart, sondern smart. 

Geht das in einem Umfeld nicht, wechsele das Umfeld. 

Ansonsten habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, phasenweise sehr hart zu arbeiten, wenn die Energie und Motivation da war. Mich dann aber erstmal wieder zu erden. Zu reisen, private Dinge zu verändern, über mein Leben nachzudenken. 

Es hätte Dir wahrscheinlich gut getan, nach dem Studium erstmal 6 Monate zu reisen. Vllt. kannst Du mit Deinem Chef mal reden, ob Du nachdem der heissen Phase erstmal 4 Wochen Urlaub machen kannst. Dann aber einfach mal weg und mal ein paar andere Eindrücke sammeln. Passiert einem schnell, dass man durchpowern möchte und dann merkt, dass man entweder freiwillig ab und zu ne Pause macht oder früher oder später dazu gezwungen wird. 

Aber so generell: Ich arbeite heute selbstständig 10-20 Stunden pro Woche. Damit bekomme ich mehr vom Tisch, weil ich mich einfach auf das wesentliche konzentrieren und den Rest delegieren muss. Funktioniert auch gut. Muss man aber auch drauf hinarbeiten und das geht nicht in jeder Situation. Manchmal muss man solche Rahmensituationen erst schaffen. 

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vor 41 Minuten schrieb Bondig:

Hat jemand hier schonmal solche Erfahrungen gemacht? Wie seid ihr damit klar gekommen?!

Geht alles klar wenn ich hinter dem stehe, was ich tue. Dann isses OK, wenn mal ein paar Monate der Schlafsack nebem Schreibtisch liegt.

Mach ichs allerdings nur wegen Kohe, Karriere, Beziehungen, oder ähnlichem - dann gehts mir tierisch auf den Sack. Und zwar zunehmend. Bin dann latent der Meinung, nicht dahinter zu stehen. Ist zwar kurzsichtig und albern, aber komm ich irgendwie nicht weg von.

So wie du, wenn du schreibst, dass du "12 Monate für die Karriere aufgeopfert" hättest. Haste nicht. Also haste nicht geopfert. Sondern haste freiwillig gemacht.

Mach dir das mal klar. Dann läßt erfahrungsgemäß der Stress nach. Also der, den du dir selbst machst.

 

Steckste allerdings schon im Burnout, dann isses zunehmend schwer, dahin zu kommen. Dann kanns schlau sein, erstmal den Stresslevel runter zu schrauben. Beispielsweise im Sport jegliche Ambitionen sausen lassen. Also Sport nur als Regeneration sehen. (Führt übrigens nebenbei bemerkt nicht selten zu Leistungsschüben - aber nur dann, wenn die Ambitionen tatsächlich sausen gelassen werden.)

Gleichzeitig kannste anfangen, dich beim Stress zu erholen. Stichwort Achtsamkeit. Schon mal gehört? Ist grad modern. Schaffste das alleine nicht, dann ab zum Therapeuten. Und zwar je eher, desto besser. So, wie die Manager das machen. Also angeblich.

Grundsätzliche Richtung bei Burnout ist gegenwärtig diese:

 

 

 

 

vor 33 Minuten schrieb Neice:

Arbeite nicht hart, sondern smart. 

Ne, nicht machen. Wär weiter die Denke, dass ja noch mehr geht.

 

 

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vor 2 Minuten schrieb Aldous:
vor einer Stunde schrieb Neice:

Arbeite nicht hart, sondern smart. 

Ne, nicht machen. Wär weiter die Denke, dass ja noch mehr geht.

Ne. Machen. Das klappt super. Zumindest für jemand, der realisiert, dass ihn hart arbeiten nicht erfüllt. 

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Also Workaround klappt das - als Lösung aber nur sehr eingeschränkt. Merkste daran, dass du immer wieder aufhören musst zu arbeiten.

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Ich will die harte Arbeit vom TE überhaupt nicht runterspielen. Die Leistung hat Respekt verdient. Aber wir reden hier von einem Jahr. Der TE hat ein Jahr hart gearbeitet. Dass er erschöpft ist glaub ich sofort, aber Burnout? Nee, da mag ich nicht so recht dran glauben. 

Deshalb wäre mein Rat auch eher: kurzfristig: mach mal Urlaub. Langfristig: lerne es Auszeiten zu nehmen. Feierabend zu machen. Loslassen können ist unglaublich wichtig. Zwinge Dich dazu, nicht an die Arbeit zu denken. Such Dir Hobbies und reaktiviere Deine alten Freundschaften und lerne neue Leute kennen. Verabrede Dich mit den Jungs und geh dann auch hin. Verschaff Dir schöne Momente. 

Das wird sich am Anfang alles komisch anfühlen, weil Du im Kopf all die offenen Enden Deiner Arbeit hast. Vielleicht wirst Du sogar ein schlechtes Gewissen verspüren. Aber das legt sich mit der Zeit. Wenn Du nicht auf Dich aufpasst, dann macht das niemand. Und dann landest Du am Ende vielleicht tatsächlich noch im Burnout.

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vor 12 Stunden schrieb Bondig:

Lange Rede, kurzer Sinn: Was ratet ihr mir? Mir geht es nicht darum, der Oberplayer zu werden. Mir würde eine Beziehung glaube ich am besten tun, einfach mal eine Frau, die mich "erdet"...

Hat jemand hier schonmal solche Erfahrungen gemacht? Wie seid ihr damit klar gekommen?! Es ist bei vor allem immer dieser Gedanken "Es geht ja doch noch mehr... Und  noch mehr... und noch mehr..." - irgendwann zerstört mich dieser Prozess, ich spüre das geradezu...

Eine Beziehung kann ich aufjeden Fall in deiner Situation nicht empfehlen.

Gibt nur noch mehr Stress und blendet deine Herausforderung nur kurzzeitig ab.

 

vor 11 Stunden schrieb Aldous:

Geht alles klar wenn ich hinter dem stehe, was ich tue. Dann isses OK, wenn mal ein paar Monate der Schlafsack nebem Schreibtisch liegt.

Mach ichs allerdings nur wegen Kohe, Karriere, Beziehungen, oder ähnlichem - dann gehts mir tierisch auf den Sack. Und zwar zunehmend. Bin dann latent der Meinung, nicht dahinter zu stehen. Ist zwar kurzsichtig und albern, aber komm ich irgendwie nicht weg von.

So wie du, wenn du schreibst, dass du "12 Monate für die Karriere aufgeopfert" hättest. Haste nicht. Also haste nicht geopfert. Sondern haste freiwillig gemacht.

Mach dir das mal klar. Dann läßt erfahrungsgemäß der Stress nach. Also der, den du dir selbst machst.

Steckste allerdings schon im Burnout, dann isses zunehmend schwer, dahin zu kommen. Dann kanns schlau sein, erstmal den Stresslevel runter zu schrauben. Beispielsweise im Sport jegliche Ambitionen sausen lassen. Also Sport nur als Regeneration sehen. (Führt übrigens nebenbei bemerkt nicht selten zu Leistungsschüben - aber nur dann, wenn die Ambitionen tatsächlich sausen gelassen werden.)

Gleichzeitig kannste anfangen, dich beim Stress zu erholen. Stichwort Achtsamkeit. Schon mal gehört? Ist grad modern. Schaffste das alleine nicht, dann ab zum Therapeuten. Und zwar je eher, desto besser. So, wie die Manager das machen. Also angeblich.

Dein zweites Video passt gut.

Es gibt kein lineares Verhältnis.

Ich habe mal als Hiwi gearbeitet und zur Mitte des Projektes kam heraus, dass das Projekt "tot" ist, aber aus bürokratischen Gründen beendet werden muss (und dann in der Schublade landet). Jede Stunde, an der ich folgend daran gearbeitet habe, hat sich wie ein Dolchstoß ins Herz angefühlt. Teilweise war ich 2h im Büro und hab mich danach unglaublich schlecht und erschöpft gefühlt.

Auf der anderen Seite im Praktikum unbezahlt 70h pro Woche im Büro gewesen und jeden Abend schon wieder auf morgen gefreut.

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Mir kam es am Anfang im ersten "echten" Job so vor, als ob ich ständig auf einer Bühne stehe und alles richtig machen muß. Diese "soziale Anstrengung" war viel viel erschöpfender, als alles was inhaltlich zu tun war. Auch wenn der Chef freundlich und per Du war, die Kollegen nett - irgendwie schwang für mich immer so ein "Du könntest was falsch machen" mit. Mittagspause war äußerlich betrachtet auch nett, danach noch Kaffeetrinken mit den Kollegen. Aber Gesprächsthemen Projekt X, Kunde Y, blabla. Und damit auch kein Abschalten.

Mir kams irgendwie so vor, als schwebte ständig eine Gewitterwolke mit einem Aufpasser drin über mir.

Nach einiger Zeit entdeckte ich, daß ein jüngerer Kollege seine Mittagspause "mit seinem Harem" verbrachte, wie ein anderer Kollege freundlich lästerte. Dem habe ich mich dann mal angeschlossen. Tatsächlich war das einfach eine Gruppe fachfremder Kollegen, wo eben mehr Frauen dabei waren. Natürlich alle vergeben und kurz vor dem Hausbau und Mariä Empfängnis. Aber da war für mich das erste Mal innerlich abschalten angesagt. Die Themen waren dann auf einmal privater Natur (ohne daß ich Angst haben mußte, daß sich da etwas negativ auf meine direkten Kollegen auswirken könnte. "An den Arbeitsplatz zurückkehren" hat sich dann auch so angefühlt, als ob ich tatsächlich weg war, und nicht nur die Gespräche in die Kantine verlagert hatte.

Als diese Gesetzesänderung mit der Teilzeit für jedermann kam, habe ich auf 4-Tage-Woche umgestellt. Davor hatte ich es auch schon versucht, aber da hat ewig ein Abteilungsleiter rumgezickt "da lenken Sie einen Fokus auf sich" und das Ganze blockiert. War mir zu dem Zeitpunkt aber schon egal, ob mir sein Lokus im Nacken brennt. Und tatsächlich, es ist auch nichts passiert. Jedenfalls gings mir nicht schlechter als manchen Kollegen, die Dutzende Überstunden zu Gunsten der Firma verfallen ließen, anstatt sie abzufeiern.

"Burn Out" ist einfach ein riesen Sammelbegriff für alles Mögliche. Du mußt da schon genau in Dich reinhören, was Dich erschöpft. Dieselbe Situation kann völlig verschiedene innere Auswirkungen haben.

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Hey,

wie immer: Vielen Dank für die vielen und gutgemeinten Ratschläge.

Ich glaube, "Erschöpft" trifft meinen aktuellen Zustand am besten. Gestern bin ich auch um 23:00 ins Bett, war total erledigt, habe bis um 9:30 geschlafen und könnte jetzt schon wieder schlafen. Ich glaube wirklich, dass ich mal eine längere Auszeit bräuchte.

Für meine Master-Thesis bin ich übrigens in eine neue Stadt gezogen, parallel zu Thesis habe ich noch einen 90min-Vortrag für Austausch-Studenten an unserer Hochschule vorbereitet (auf englisch). An der Arbeit selbst habe ich pro Tag ca.5 Seiten geschrieben; am Ende musste ich 40 Seiten rausnehmen, um nicht den Rahmen zu sprengen. Direkt nach der Übernahme habe ich nach zwei Wochen Pause (eigentlich nur geschlafen) direkt mit dem Arbeiten angefangen. Warum? Geld - ich kann mir eine Auszeit einfach nicht leisten, hinzukommt, dass ich einen Studienkredit i.H.v. 15.000 abbezahlen muss. Auf Arbeit wurde ich dann wieder komplett ins kalte Nass geschmissen, NIEMAND auf Arbeit konnte bzw. kann mich wirklich unterstützen, da ich zu weit von deren Arbeitsinhalten entfernt bin. Ich verdiene zwar als Einsteiger "aktzeptabel", weiß aber, dass es besser geht.

Wie gesagt, es geht jetzt schon seit einem Jahr so. Und es nervt. Natürlich macht mit die Arbeit inhaltlich Spaß, aber wenn ich mir alle paar Wochen anhören muss, dass ich ja bitteschön "endlich mal rentabel" sein muss (und das als Berufsanfänger nach nur wenigen fünf Monaten Arbeitserfahrung), dann denke ich mir schon immer öfter: "Leckt mich". Ich bewerbe mich schon alternativ, denn mittlerweile sehe ich es einfach nicht mehr ein. Im Prinzip hätte ich mich auch selbstständig machen können, da ich neben den Inhalten auch die Angebote und die Abschlussberichte entwerfe. Mir ist das einfach zu doof, ich liege oft im Bett und rege mich darüber auf. Fazit: Ich fühle mich ausgenutzt. Mir wurde von Kollegen bestätigt, dass die Einarbeitungszeit wohl bei ca. einem Jahr liegt (oder länger) - und ich soll jetzt schon produktiv sein? Ohne Berufserfahrung?

Ich stelle selbst hohe Ansprüche an mich, aber meine Lebensqualität sackt immer weiter ab - und das nervt. Warum ich keine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekomme (Industriekkfm mit 1,6; Wirt.-Ing.: auf beide Thesen (BA und MA) gab es eine 1,0, beide Studiengänge habe ich insgesamt mit 1,8 abgeschlossen, eine Fremdsprachenkorrespondenz habe ich auch noch und ich war mehrmals als HiWi tätig - da müsste doch mal was passieren...) ist mir ein Rätsel. Am liebsten würde ich den Leuten meine Kündigung auf den Tisch knallen.

Sry, es musste mal raus...

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Nur kurz weil Handy, aber ist mir so ins Auge gesprungen.

Du hast 10einhalb Stunden geschlafen? Versuche Mal das zu reduzieren. Abgesehen davon, dass leichter Schlafentzug ein erprobtes Mittel gegenaufkommende Depression ist. Nach zu viel Schlaf fühle ich mich auch eher erschöpft. 

Vielleicht fehlen Dir tatsächlich nur gute Gewohnheiten.

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Guten Abend lieber "bondig",

ich glaube, aufgrund meines eigenen Lebensweges (0,8 Abi, Stipendiat der Studienstiftung, BWL-Prädikatsexamen, Berufseinstieg bei einem amerikanischen Top-Consulting-Unternehmen, seelischer "Zusammenbruch" nach 1 1/2 Jahren dort), deine aktuelle Situation recht gut verstehen zu können.

Hier meine "Analyse" hoffentlich für dich als Unterstützung: was ich aus deinen Zeilen meine deutlich herauslesen zu können, ist, dass deine Ansprüche an dich selbst bereits immens (auf Dauer leider ungesund) hoch sind. Das wird nun auch noch verstärkt durch entsprechende Ansprüche von außen (Arbeitgeber, Umfeld), zudem sehr lieblos, d.h. ohne große Anerkennung für deine tolle Leistungen, was ich im Hinblick auf deine Persönlichkeitsstruktur für das pure Gift halte. Wenn du ganz viel Glück hast, wirst du an dem Punkt vielleicht gerade noch so die Kurve bekommen, d.h. ohne ärgere nachhaltige Schäden. Dann müsste es dir meiner Einschätzung nach aber gelingen, so umgehend wie möglich in ein für deine Persönlichkeit auf Dauer gesund zu beherrschendes Umfeld zu wechseln, liebevoll gegenüber deiner eigenen Bedürftigkeit und ohne jede Rücksichtnahme auf andere oder deren Vorstellungen bzw. dessen, was du wohl schon vor langer Zeit von anderen Menschen (Eltern?) verinnerlicht hast. Kann deswegen sehr gut sein, dass das mit deinem Ego und seinen Prägungen nicht funktioniert. Ich glaube nicht, dass es ausreicht, an kleinen Stellschrauben etwas zu ändern. Allenfalls wird das das Auftreten des von dir beschriebenen Problems noch ein wenig in die Zukunft verlagern.

Die von mir vermutete Alternative, so wie du dich und deine aktuelle Situation beschreibst, wird die sein, dass dir deine Seele über welche Symptome auch immer (hoffentlich eher über die Seele, d.h. Burnout, Ängste, Depressionen etc. als über den Körper, d.h. Schlaganfall, Krebs, Herzinfarkt etc.) die offensichtlich (längst!) benötigte Auszeit zwangsverordnet, die du dir mit einem freiem Willen gegen deinen persönlichen (kindlichen) Prägungen (Pflichtgefühl, Leistungsorientierung, Perfektionismus bis hin zur Zwanghaftigkeit) leider nicht imstande bist, selbst zu verschaffen. Sorry für dieses harten, aber wohl eher realistischen Ausblick. Ich habe viele Jahre lang erfolgreich Selbsthilfegruppen geleitet, so dass ich glaube, im dem Bereich einige Erfahrung zu haben und zu wissen, wovon ich rede bzw. hier schreibe. Aber ich kann auch immer falsch liegen und eine Situation falsch einschätzen, zumal in dem Rahmen hier mit der Menge an Informationen und Eindrücken.

So oder so, wenn es dir noch mit eigenem proaktivem Handeln gelingt oder zwangsverordnet, dass du frei verfügbare Zeit für dich hast, wirst du aus meiner Sicht auf Dauer nicht umhin kommen, deine Persönlichkeit tiefgehend umzustrukturieren, d.h. dich von einer Vielzahl von auf welchem exakten Weg auch immer entstandenen frühen Prägungen zu trennen bzw. sie durch Eigenschaften, d.h. Haltungen und nachfolgend Verhaltensweisen zu ersetzen, die dich den Rest deines Lebens auf gute, gesunde, stabile und glücksbringende Art und Weise tragen können. Ich gehe davon aus, dass dir sehr viel Arbeit bevorsteht. Good news: du bist analytisch klug. Das wird dir immens helfen und der Prozess könnte dir viel Spaß machen, für dich und dein Wohl zu arbeiten, anstatt für einen Arbeitgeber. Vielleicht gelingt es dir sogar, parallel dazu noch Geld zu verdienen, auf welchem Weg auch immer, d.h. arbeitsfähig zu bleiben, was bei mir leider irgendwann nicht mehr der Fall war. Mich hatte nach dem ersten Zusammenbruch und dem nachfolgenden erfolgreichen Umsteuern dann ein weiterer nicht erwarteter Schickssalschlag leider für eine Weile gänzlich niedergestreckt. Mit Happy-end heute. Für nichts auf der Welt möchte ich diese Chance gemisst haben, mich so tiefgehend neu erfunden haben zu dürfen. Wie du deine persönliche Umstrukturierungsarbeit organisierst, liegt allein an deine Neigungen bzw. Kanälen, ob mit (Psycho-)Therapeuten, wie oben schon empfohlen, Büchern, Infos aus dem Internet (wie hier im Form, leider habe ich mir obige Videos nicht anschauen können, werde ich aus eigenem beruflichen Interesse aber nachholen), Selbsthilfegruppen, Coaches, Seminaren etc. etc., die verfügbaren Stellen in unserer Gesellschaft sind mannigfaltig.

Ich drücke dir von Herzen alle Daumen, du bist ein toller Typ, nutze deine Fähigkeiten zu deinem wirklich Wohl, das wäre mein Wunsch.

"jensmann"

 

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Meister Bondig. Schade zu hören, dass es Dir in der Zwischenzeit eher schlechter als besser ergangen ist. Hier wurde schon einiges Gutes gesagt, aber ich gebe auch noch mal meinen Senf dazu. Ich war selbst schon mal an ähnlicher Stelle, habe auch eine Partnerin durch Burnout 'verloren'.  Also ein paar Dinge:

- lass Dich von den Begrifflichkeiten hier nicht verwirren. Ob man dazu nun Burnout sagt oder Erschöpfungsdepression , ist nahezu egal. Lass Dich nur nicht darauf ein, Deine Situation als 'ein paar schlechte Gewohnheiten' abzutun. Was Du durchmachst, ist ernst, und es kann Deine Persönlichkeit dauerhaft verändern.

- Deine Situation am Arbeitsplatz ist toxisch. Jemanden, der nach allem Dafürhalten noch in der Probezeit ist, abzuverlangen seine Stelle zu 'verdienen', ohne ihm dabei jegliche Hilfestellung angedeihen zu lassen, ist in hohem Maße kalt und zynisch. Und bedenke: Du und Dein Arbeitgeber, ihr seid noch in den Flitterwochen. Wie sieht das ganze zum Beispiel in drei Jahren aus? In zehn Jahren? Du kannst in solchen Situationen nicht gewinnen. Es wird nie genug sein. Und lass Dir bitte von niemandem einreden, dass das ja so sein müsse weil a) Berufseinstieg und b) die Arbeitswelt heutzutage. Das ist apologetischer Bullshit. Es gibt bessere Arbeitsplätze, und Du solltest alles tun, einen solchen zu finden. Pfeif auf einen eventuell 'ungraden Lebenslauf' durch eine kurze Verweilzeit in Deiner ersten Stelle - ein ausgebranntes Wrack mit drei Monaten Klinikaufenthalt ist auch nicht attraktiv als Bewerber.

- Du tust das richtige, wenn Du Dich bewirbst. Wichtig ist m.E. in Deiner Situation nicht nur die reine Arbeitsbelastung an sich. Wenn Die Motivationsstruktur stimmt, es klare Ziele gibt und auch mal eine Pause absehbar ist, dann kann man durchaus sehr lange sehr viel arbeiten, ohne Schaden zu nehmen. Und ein weiteres ist für mich wichtig: das Gefühl, die Kontrolle über das Leben nicht an andere abzugeben. Schon gar nicht an Leute, von denen man irgendwie das Gefühl hat, dass sie das nicht wert sind. Selbst wenn es nicht sofort klappt: mit Deinen Bewerbungen hast Du begonnen, die Kontrolle über die Dinge wieder an Dich zu ziehen. Alternativen sind essentiell, nicht nur in Sachen PU. Überleg auch mal zur Seite: hast Du Dich nur bei der Konkurrenz bzw. bei ähnlich gelagerten Firmen beworben? Oder auch mal an etwas ganz anderes gedacht?

- Du hast immerhin den Vorteil, dass Du bis zu einem gewissen Grad schon weisst, was Dich triggert und wie Du in diese Situation hinein gekommen bist. Das ist mehr als viele andere wissen. Ich lese bei Dir so eine Mischung aus Leistungsbereitschaft, Perfektionismus und (sorry) Obrigkeitshörigkeit heraus. Aus professioneller Sicht, vor allem aus Chefsicht, macht Dich das zu einem sehr geschätzten Mitarbeiter ;) aber es ist nicht gut für Dich. Auch hier: erkenne Deinen eigenen Anteil. Hol Dir die Kontrolle zurück.

Ach, schwierig. Was ich Dir eigentlich raten würde: bewirb Dich weiter. Denk da auch unorthodox, also an anders gelagerte Tätigkeiten, wenn es irgendwie geht. Mach Urlaub, so bald es geht. Nicht unter drei Wochen, um mal wieder gedanklich frei werden zu können. Und denk vor allem dran: es ist Dein Leben. Lass es Dir nicht aus der Hand nehmen.

 

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vor 13 Stunden schrieb jensmann:

Guten Abend lieber "bondig",

ich glaube, aufgrund meines eigenen Lebensweges (0,8 Abi, Stipendiat der Studienstiftung, BWL-Prädikatsexamen, Berufseinstieg bei einem amerikanischen Top-Consulting-Unternehmen, seelischer "Zusammenbruch" nach 1 1/2 Jahren dort), deine aktuelle Situation recht gut verstehen zu können.

Hier meine "Analyse" hoffentlich für dich als Unterstützung: was ich aus deinen Zeilen meine deutlich herauslesen zu können, ist, dass deine Ansprüche an dich selbst bereits immens (auf Dauer leider ungesund) hoch sind. Das wird nun auch noch verstärkt durch entsprechende Ansprüche von außen (Arbeitgeber, Umfeld), zudem sehr lieblos, d.h. ohne große Anerkennung für deine tolle Leistungen, was ich im Hinblick auf deine Persönlichkeitsstruktur für das pure Gift halte. Wenn du ganz viel Glück hast, wirst du an dem Punkt vielleicht gerade noch so die Kurve bekommen, d.h. ohne ärgere nachhaltige Schäden. Dann müsste es dir meiner Einschätzung nach aber gelingen, so umgehend wie möglich in ein für deine Persönlichkeit auf Dauer gesund zu beherrschendes Umfeld zu wechseln, liebevoll gegenüber deiner eigenen Bedürftigkeit und ohne jede Rücksichtnahme auf andere oder deren Vorstellungen bzw. dessen, was du wohl schon vor langer Zeit von anderen Menschen (Eltern?) verinnerlicht hast. Kann deswegen sehr gut sein, dass das mit deinem Ego und seinen Prägungen nicht funktioniert. Ich glaube nicht, dass es ausreicht, an kleinen Stellschrauben etwas zu ändern. Allenfalls wird das das Auftreten des von dir beschriebenen Problems noch ein wenig in die Zukunft verlagern.

Die von mir vermutete Alternative, so wie du dich und deine aktuelle Situation beschreibst, wird die sein, dass dir deine Seele über welche Symptome auch immer (hoffentlich eher über die Seele, d.h. Burnout, Ängste, Depressionen etc. als über den Körper, d.h. Schlaganfall, Krebs, Herzinfarkt etc.) die offensichtlich (längst!) benötigte Auszeit zwangsverordnet, die du dir mit einem freiem Willen gegen deinen persönlichen (kindlichen) Prägungen (Pflichtgefühl, Leistungsorientierung, Perfektionismus bis hin zur Zwanghaftigkeit) leider nicht imstande bist, selbst zu verschaffen. Sorry für dieses harten, aber wohl eher realistischen Ausblick. Ich habe viele Jahre lang erfolgreich Selbsthilfegruppen geleitet, so dass ich glaube, im dem Bereich einige Erfahrung zu haben und zu wissen, wovon ich rede bzw. hier schreibe. Aber ich kann auch immer falsch liegen und eine Situation falsch einschätzen, zumal in dem Rahmen hier mit der Menge an Informationen und Eindrücken.

So oder so, wenn es dir noch mit eigenem proaktivem Handeln gelingt oder zwangsverordnet, dass du frei verfügbare Zeit für dich hast, wirst du aus meiner Sicht auf Dauer nicht umhin kommen, deine Persönlichkeit tiefgehend umzustrukturieren, d.h. dich von einer Vielzahl von auf welchem exakten Weg auch immer entstandenen frühen Prägungen zu trennen bzw. sie durch Eigenschaften, d.h. Haltungen und nachfolgend Verhaltensweisen zu ersetzen, die dich den Rest deines Lebens auf gute, gesunde, stabile und glücksbringende Art und Weise tragen können. Ich gehe davon aus, dass dir sehr viel Arbeit bevorsteht. Good news: du bist analytisch klug. Das wird dir immens helfen und der Prozess könnte dir viel Spaß machen, für dich und dein Wohl zu arbeiten, anstatt für einen Arbeitgeber. Vielleicht gelingt es dir sogar, parallel dazu noch Geld zu verdienen, auf welchem Weg auch immer, d.h. arbeitsfähig zu bleiben, was bei mir leider irgendwann nicht mehr der Fall war. Mich hatte nach dem ersten Zusammenbruch und dem nachfolgenden erfolgreichen Umsteuern dann ein weiterer nicht erwarteter Schickssalschlag leider für eine Weile gänzlich niedergestreckt. Mit Happy-end heute. Für nichts auf der Welt möchte ich diese Chance gemisst haben, mich so tiefgehend neu erfunden haben zu dürfen. Wie du deine persönliche Umstrukturierungsarbeit organisierst, liegt allein an deine Neigungen bzw. Kanälen, ob mit (Psycho-)Therapeuten, wie oben schon empfohlen, Büchern, Infos aus dem Internet (wie hier im Form, leider habe ich mir obige Videos nicht anschauen können, werde ich aus eigenem beruflichen Interesse aber nachholen), Selbsthilfegruppen, Coaches, Seminaren etc. etc., die verfügbaren Stellen in unserer Gesellschaft sind mannigfaltig.

Ich drücke dir von Herzen alle Daumen, du bist ein toller Typ, nutze deine Fähigkeiten zu deinem wirklich Wohl, das wäre mein Wunsch.

"jensmann"

 

hey jensmann - danke für empathische Antwort. Ich kann dir nur zustimmen: unsere Lebensläufe ähneln sich stark: ich war ebenfalls Stipendiat; innerhalb der ersten drei Semester immer unter den besten 5-10% meines Matrikels - dann iwann ging es mit der Ex in die Brüche und ich glaube, dass ich mir da das Trauern "verkniffen" und durch "Studieren" zu kompensieren versucht habe. Das Studium hat auch nicht wirklich viel Freiraum gelassen. Ständiger Prüfungswahnsinn, nur Stress - hinzu kommt bzw. kam noch mein schier unbändiger Wissendurst. Ich bin regelrecht süchtig geworden nach Wissen: Je mehr ich weiß und kann, desto schneller kann ich Probleme lösen. Sobald ich ein Problem habe, lese ich entsprechende Literatur. Nur zehrt das so unglaublich viel Energie. Ständig dieser Informations-Input... Mittlerweile habe ich Facebook auf OFF gesetzt und fokussiere nur noch die Arbeit. Das WE hat mir mal wieder gezeigt, das iwas schief läuft: Am Sa bin ich aufgewacht und musste erstmal eine Kopfschmerzen-Tabellete schmeißen, damit ich klar komme.

Ich war bei zwei Hausärzten und habe ihnen von meinen Symptomen erzählt: Beide meinten "Burnout", erschöpft - ob ich denn mal länger Urlaub machen könnte... Wie denn - über mir schwebt das Damokles-Schwert des Sachzwangs, ich muss Geld verdienen, um leben zu können. Ich hoffe/glaube auch nicht, dass der Sport so krass zu Buche schlägt, schließlich betreibe ich es hobby-mäßig und es ist die einzige Freude, die ich jetzt noch habe. Mein "Vertriebschef" meinte neulich zu mir, dass er ja letzte WOche 100h abgerissen hat. Nichts für ungut, aber es kommt wohl auch darauf an, wie man Arbeit definiert... Ich habe seit meiner FEstanstellung im November knapp 1000 Seiten Fachliteratur + Studien gelesen (themenspezifisch, damit ich überhaupt Konzepte für die Beratungsleistung entwicklen kann). Ich glaube langsam, dass mein Kopf dicht macht, ich kann einfach nicht mehr abschalten. Es fühlt sich so an, als ob ich permanent ÜBER meine Leistungsgrenze gehe. Ich habe das selbstregulierende Moment verloren, schwierig zu beschreiben. Hinzukommt, dass ich alleine bin und dann auch noch fachfremd. Oft rede ich mit den Kollegen "chinesisch", sie haben keine Ahnung von dem was ich tue, dem Chef muss ich immer wieder erklären und begründen, warum und wieso ich dieses oder jenes tue. Klar - ich habe damit auch gewisse Freiheiten, aber ich muss jeden Schritt komplett durchdenken.

Kurz: Ich kann meinen Geist nicht ausruhen. Ständig rasen Gedanken und Informationen durch meinen Kopf. Es entstehen Konzepte und Ideen, werden verworfen, dann wieder neu strukturiert und wieder von vorn. Innovieren macht Spaß - aber es kostet so unglaublich viel Kraft. Ich beiß halt die Zähne zusammen, weil ich denke: "Heul nicht rum, zieh's durch. Du packst das" usw. usf.

 

vor 10 Stunden schrieb botte:

Meister Bondig. Schade zu hören, dass es Dir in der Zwischenzeit eher schlechter als besser ergangen ist. Hier wurde schon einiges Gutes gesagt, aber ich gebe auch noch mal meinen Senf dazu. Ich war selbst schon mal an ähnlicher Stelle, habe auch eine Partnerin durch Burnout 'verloren'.  Also ein paar Dinge:

- lass Dich von den Begrifflichkeiten hier nicht verwirren. Ob man dazu nun Burnout sagt oder Erschöpfungsdepression , ist nahezu egal. Lass Dich nur nicht darauf ein, Deine Situation als 'ein paar schlechte Gewohnheiten' abzutun. Was Du durchmachst, ist ernst, und es kann Deine Persönlichkeit dauerhaft verändern.

- Deine Situation am Arbeitsplatz ist toxisch. Jemanden, der nach allem Dafürhalten noch in der Probezeit ist, abzuverlangen seine Stelle zu 'verdienen', ohne ihm dabei jegliche Hilfestellung angedeihen zu lassen, ist in hohem Maße kalt und zynisch. Und bedenke: Du und Dein Arbeitgeber, ihr seid noch in den Flitterwochen. Wie sieht das ganze zum Beispiel in drei Jahren aus? In zehn Jahren? Du kannst in solchen Situationen nicht gewinnen. Es wird nie genug sein. Und lass Dir bitte von niemandem einreden, dass das ja so sein müsse weil a) Berufseinstieg und b) die Arbeitswelt heutzutage. Das ist apologetischer Bullshit. Es gibt bessere Arbeitsplätze, und Du solltest alles tun, einen solchen zu finden. Pfeif auf einen eventuell 'ungraden Lebenslauf' durch eine kurze Verweilzeit in Deiner ersten Stelle - ein ausgebranntes Wrack mit drei Monaten Klinikaufenthalt ist auch nicht attraktiv als Bewerber.

- Du tust das richtige, wenn Du Dich bewirbst. Wichtig ist m.E. in Deiner Situation nicht nur die reine Arbeitsbelastung an sich. Wenn Die Motivationsstruktur stimmt, es klare Ziele gibt und auch mal eine Pause absehbar ist, dann kann man durchaus sehr lange sehr viel arbeiten, ohne Schaden zu nehmen. Und ein weiteres ist für mich wichtig: das Gefühl, die Kontrolle über das Leben nicht an andere abzugeben. Schon gar nicht an Leute, von denen man irgendwie das Gefühl hat, dass sie das nicht wert sind. Selbst wenn es nicht sofort klappt: mit Deinen Bewerbungen hast Du begonnen, die Kontrolle über die Dinge wieder an Dich zu ziehen. Alternativen sind essentiell, nicht nur in Sachen PU. Überleg auch mal zur Seite: hast Du Dich nur bei der Konkurrenz bzw. bei ähnlich gelagerten Firmen beworben? Oder auch mal an etwas ganz anderes gedacht?

- Du hast immerhin den Vorteil, dass Du bis zu einem gewissen Grad schon weisst, was Dich triggert und wie Du in diese Situation hinein gekommen bist. Das ist mehr als viele andere wissen. Ich lese bei Dir so eine Mischung aus Leistungsbereitschaft, Perfektionismus und (sorry) Obrigkeitshörigkeit heraus. Aus professioneller Sicht, vor allem aus Chefsicht, macht Dich das zu einem sehr geschätzten Mitarbeiter ;) aber es ist nicht gut für Dich. Auch hier: erkenne Deinen eigenen Anteil. Hol Dir die Kontrolle zurück.

Ach, schwierig. Was ich Dir eigentlich raten würde: bewirb Dich weiter. Denk da auch unorthodox, also an anders gelagerte Tätigkeiten, wenn es irgendwie geht. Mach Urlaub, so bald es geht. Nicht unter drei Wochen, um mal wieder gedanklich frei werden zu können. Und denk vor allem dran: es ist Dein Leben. Lass es Dir nicht aus der Hand nehmen.

 

 

hey botte - schön mal wieder von dir zu hören.

Deine Analyse bzgl. der Arbeitsplatzsituation ("toxisch") ist ziemlich treffend. Das Problem: ich habe keine Referenz. Ich gehe eigentlich gerne arbeiten (bzw. würde gerne gehen), aber dass es derartig überhand nimmt, auch im Privaten, kann nicht angehen. (Gestern habe ich bei der Nachbarin geklingelt, um ein Paket zu holen. Die Frau ist über 70, schaut mich eine Sekunde an und sagt: "Sie sehen ganz schön abgespannt aus". Ich bin noch nichtmal 30!!!! Am liebsten würde ich mich komplett abnabeln. Handy aus, Internet aus, keine Fachliteratur. Am WE habe ich nichts gemacht, niemanden gesehen oder gehört. ich kann das aktuell einfach nicht - es ist so aufreibend, jemanden zu hören oder ein Gespräch zu führen. Außerdem bin ich ziemlich dünnhäutig geworden. Im Privaten wie im Beruflichen herrscht eigentlich nur ein Gedanke vor: Effizienz.)

Mittlerweile habe ich doch einige Firmen in meinem Berufsleben kennengelernt und soviel kann ich sagen: die aktuelle ist ein Notnagel. Miese Strukturen, viel Murks, schnell viel Umsatz, am besten alles gleichzeitig usw. Kaum erfahrene Leute usw usf. Beratung gefällt mir so gar nicht, das sich "Anbiedern" und "Klinkenputzen" nervt. Wie gesagt: Neben der Produktentwicklung bzw. Konzeption der Beratungsleistungen soll ich nun auch noch Akquise machen, dann die Leistungen beim Kunden implementieren und im Anschluss die Analyse und Auswertung fahren. Die Chefen meinten: 2,5 Abschlüsse pro Monat (ab März) bis Jahresende, damit ich mich rechne. Ich stecke noch in der Probezeit und frage mich, ob das alles i.O. so ist oder ob sie ihren Spaß doch ein wenig übertreiben. Ich baue das Geschäftsfeld komplett neu auf. Inhaltlich gab bzw. gibt es intern dazu NICHTS. Prinzipiell hätte ich mich auch Selbstständig machen können...

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vor 3 Stunden schrieb Bondig:

Mein "Vertriebschef" meinte neulich zu mir, dass er ja letzte Woche 100h abgerissen hat. Nichts für ungut, aber es kommt wohl auch darauf an, wie man Arbeit definiert... [...]

Ich glaube langsam, dass mein Kopf dicht macht, ich kann einfach nicht mehr abschalten. Es fühlt sich so an, als ob ich permanent ÜBER meine Leistungsgrenze gehe. Ich habe das selbstregulierende Moment verloren, schwierig zu beschreiben. Hinzukommt, dass ich alleine bin und dann auch noch fachfremd. [...]

Kurz: Ich kann meinen Geist nicht ausruhen. Ständig rasen Gedanken und Informationen durch meinen Kopf. Es entstehen Konzepte und Ideen, werden verworfen, dann wieder neu strukturiert und wieder von vorn. Innovieren macht Spaß - aber es kostet so unglaublich viel Kraft. Ich beiß halt die Zähne zusammen, weil ich denke: "Heul nicht rum, zieh's durch. Du packst das" usw. usf. [...]

Am WE habe ich nichts gemacht, niemanden gesehen oder gehört. ich kann das aktuell einfach nicht - es ist so aufreibend, jemanden zu hören oder ein Gespräch zu führen. Außerdem bin ich ziemlich dünnhäutig geworden. Im Privaten wie im Beruflichen herrscht eigentlich nur ein Gedanke vor: Effizienz. [...]

Das hört sich alles nicht gut an. Weisst Du, wo ich damals hellhörig geworden bin? Als mir ein englischer Kollege und Beer-Buddy, der mich eine Weile nicht gesehen hatte, sagte, dass ich mich doch sehr verändert hätte. Ich sei so dünnhäutig, leicht reizbar. Hört sich vertraut an? Sei Dir bitte über eins bewusst: was Du da durchläufst, wird Dich als Mensch, als Person verändern. Und nicht zum besseren.

Was Dein Arbeitgeber mit Dir tut: das komplette Risiko für das neue 'Produkt' auf Dich abzuwälzen. Wenn es fliegt und Du Abschlüsse und Umsatz machst: schön. Die Lorbeeren wird mit großer Sicherheit ein andere einfahren. Wenn es nicht fliegt: sollte es halt nicht sein, 'wir' haben's versucht. Mit dem geringstmöglichen Aufwand. Mund abputzen, weitermachen. Brauchen wir den Herrn Bondig dann noch im Unternehmen? Und wenn Du in gesundheitliche Probleme kommst: hast Du es halt nicht gepackt. Kann man nichts machen, die Absolventen halten halt nichts mehr aus heutzutage. So wird das gespielt.

Ganz ehrlich: eine Firma, die Einsteiger auf diese Weise 'verbrennt', wird sich nicht ändern. Ändern musst Du es selbst. Es gibt nichts, wofür Du Dich rechtfertigen musst. Du wirst schon das richtige tun. 

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Lieber Bondig, lieber Botte,

ich finde, Botte hat es in seinem langen Beitrag fast noch passender und vor allem aber wohlwollender bzw. konstruktiver auf den Punkt gebracht als ich es formuliert habe, worum es geht. Nur in einem Punkt zweifele ich stark bzw. drücke es ohne lange Ausführungen hier klar aus: wenn es dir nicht gelingt Bondig, dich selbst noch proaaktiv ziemlich zügig aus dieser üblen Situation befreien zu können, dann werden meiner Einschätzung nach und dem was du beschreibst, zunehmend starke seelische und körperliche Symptome dich aus dieser Situation zwangsbefreien. Meiner Meinung hättest du dich bereits jetzt krank schreiben lassen sollen, aber gerade in dem von dir beschriebenen Umfeld gelten seelische/emotionale nicht als Krankheit, so dass es allein an dir liegt, das einzufordern, gegen alle sonstigen Interessen und Widerstände. Ich befürchte, es geht schon eine Weile nicht mehr allein um die momentane Situation, sondern dass du nicht aus lauter "weiter so, egal was kostet" für eine ganze Zeit deine gesamte Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit vor die Wand fährst. Meist führt erst brutalster Leidensdruck zu wirklicher Änderung. Wir schauen zu und hoffen das beste.

Alles Gute von "jensmann" (Krisencoach :-))

bearbeitet von jensmann
Korrektur Schreibfehler für besseres Verständnis

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Werter TE

Ohne Anspruch auf eine allumfassende Lösung ein paar Gedanken.

Nicht abschalten können vom Projekt:

Bin auch so ein Typ. Was da alles durch's Hirn rattert in anspruchsvollen Phasen ist unglaublich. Abschalten? von wegen, gibt's nicht. Kann man nichts gegen machen, wenn das Hirn extrem fokussiert ist.
Aber es gibt Tricks, welche einem helfen. Neben dem Bett ein Notizbock - kommt nicht selten vor das ich Nachts aufwache und tatsächlich wichtige Dinge (Projekt bezogen) durch die Hirnwindungen jagen. Statt das in dem Moment "auszudenken, fertig zu denken" gibt's die wichtige Notiz auf den Block. Befreit von der Last etwas "vergessen zu können" - Schlaf wird besser.

Delegieren:
Unwichtige, bzw. banale Dinge, bzw. Routinekram delegieren, statt selber machen.

Schlafrhythmus:
Viel schlafen hilft nicht immer. Auch nicht zwingend wenig. Viel wichtiger für Dich ist es zu erkennen, WANN Du WIEVIEL schlafen musst um erholt zu sein.
Ich für meinen Teil bin ein Abendmensch, bzw. merke ich sehr deutlich, das ich am Abend am produktivsten bin.
Habe für mich herausgefunden, das 6 Stunden Schlaf genügen, wenn ich von 02.00 / 03.00 Uhr bis 08.00 / 09.00 Uhr schlafen kann.
Genau so festgestellt, dass wenn ich später oder eher ins Bett gehe, das ich gut 1.5h mehr Schlaf brauche.
Im Groben (musst da mal nachschauen) wiederholen sich Schlafphasen im 1.5h Rhytmus.
Kann also gut sein, dass Du bei 7h fitter bist, als nach 8h, weil Du im falschen Schlafstadium aufwachst. (Tiefschlafphase z.B.)
https://de.wikipedia.org/wiki/REM-Schlaf

Mini Auszeiten:
Wochenende. Wenn es geht, versuche Dir das WE, oder min. einen Tag frei zu halten. Für Nichts. Zum aktiv ausschlafen, oder runterfahren, oder was z.T. auch funktioniert Ablenkung.
Warum zum Teil? Je nach dem was Du da machst, lenkt Dich das zwar vom Projekt ab, Dein Hirn kommt aber nicht zur Ruhe.

LeDe
 

bearbeitet von LeDe
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vor 19 Stunden schrieb botte:

Das hört sich alles nicht gut an. Weisst Du, wo ich damals hellhörig geworden bin? Als mir ein englischer Kollege und Beer-Buddy, der mich eine Weile nicht gesehen hatte, sagte, dass ich mich doch sehr verändert hätte. Ich sei so dünnhäutig, leicht reizbar. Hört sich vertraut an? Sei Dir bitte über eins bewusst: was Du da durchläufst, wird Dich als Mensch, als Person verändern. Und nicht zum besseren.

Was Dein Arbeitgeber mit Dir tut: das komplette Risiko für das neue 'Produkt' auf Dich abzuwälzen. Wenn es fliegt und Du Abschlüsse und Umsatz machst: schön. Die Lorbeeren wird mit großer Sicherheit ein andere einfahren. Wenn es nicht fliegt: sollte es halt nicht sein, 'wir' haben's versucht. Mit dem geringstmöglichen Aufwand. Mund abputzen, weitermachen. Brauchen wir den Herrn Bondig dann noch im Unternehmen? Und wenn Du in gesundheitliche Probleme kommst: hast Du es halt nicht gepackt. Kann man nichts machen, die Absolventen halten halt nichts mehr aus heutzutage. So wird das gespielt.

Ganz ehrlich: eine Firma, die Einsteiger auf diese Weise 'verbrennt', wird sich nicht ändern. Ändern musst Du es selbst. Es gibt nichts, wofür Du Dich rechtfertigen musst. Du wirst schon das richtige tun. 

Das "Abwälzen" wird mir gerade erst so richtig bewusst. Gerade zu Beginn dachte ich mir "Was für eine Ehre - MIR wird derartiges Vertrauen geschenkt, MIR wird ein solches Projekt direkt zum Berufseinstieg anvertraut" usw. Mittlerweile bin ich der Meinung, dass sie ganz gezielt meinen Ehrgeiz und mein Engagement ausgenutzt haben. Welcher guter Chef lässt einen Berufsanfänger (mag er noch so engagiert, zielstrebig oder belastbar sein) zum Beginn seiner Karriere so ein Projekt stemmen; OHNE Hilfe, OHNE gesunden Rahmen; OHNE Einarbeitung. Schon in der Phase der Masterarbeit habe ich keine Hilfe bekommen: Weder mein Prof hatte Zeit für mich (ich habe ihn genau zwei Mal getroffen: Bei der Themeneingrenzung und bei der Verteidigung, das war's) noch die Vorgesetzten. Ursprünglich wollte ich einen wöchentlichen joure-fixe definieren (30min, nicht mehr), einfach nur um den aktuellen Stand zu präsentieren und Feedback zu erhalten. Antwort: "Keine Zeit - du machst das schon". Der Stress war, insbesondere in der Ausarbeitungsphase (permanentes Trial-and-Error-Verfahren) immens. EINMAL kam mein sog. Betreuer und hat mir ein paar Tipps gegeben (die auch nützlich waren - immerhin; nur: wieviel Stress hätte ich mir bei adäquater Betreuung sparen können?!)

Jedenfalls habe ich mir einerseits zu viel selbst zugemutet - andererseits spricht es Bände über das Management, wenn man einen frischen Absolventen derartig "verheizt". Es ist einfach too much und mein Körper gibt mir die Signale dafür. Der Witz schlechthin: Bis Ende letzten Jahres war noch ein weiterer Kollege beschäftigt (er hat in etwa zeitgleich mit mir zu Arbeiten begonnen), der dann aus nachvollziehbaren Gründen gehen musste (auch diese Personalentscheidung spricht Bände über das "managerielle Versagen"). Wäre dieser MA noch da, müsste man ihn doch auch entlohnen, nicht wahr? Da er gegangen ist und auch kein neuer MA seitdem eingestellt wurde, müsste ich doch noch "tragbarer" sein?! All diese Fakten stoßen mir massiv sauer auf, zu Recht glaube ich.

Die Frage ist nur, was ich tun muss/sollte. Ich war erst im Februar eine Woche krank - schon beißt mich wieder das schlechte Gewissen krank zu machen. Probezeit usw...

vor 3 Stunden schrieb jensmann:

Lieber Bondig, lieber Botte,

ich finde, Botte hat es in seinem langen Beitrag fast noch passender und vor allem aber wohlwollender bzw. konstruktiver auf den Punkt gebracht als ich es formuliert habe, worum es geht. Nur in einem Punkt zweifele ich stark bzw. drücke es ohne lange Ausführungen hier klar aus: wenn es dir nicht gelingt Bondig, dich selbst noch proaaktiv ziemlich zügig aus dieser üblen Situation befreien zu können, dann werden meiner Einschätzung nach und dem was du beschreibst, zunehmend starke seelische und körperliche Symptome dich aus dieser Situation zwangsbefreien. Meiner Meinung hättest du dich bereits jetzt krank schreiben lassen sollen, aber gerade in dem von dir beschriebenen Umfeld gelten seelische/emotionale nicht als Krankheit, so dass es allein an dir liegt, das einzufordern, gegen alle sonstigen Interessen und Widerstände. Ich befürchte, es geht schon eine Weile nicht mehr allein um die momentane Situation, sondern dass du nicht aus lauter "weiter so, egal was kostet" für eine ganze Zeit deine gesamte Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit vor die Wand fährst. Meist führt erst brutalster Leidensdruck zu wirklicher Änderung. Wir schauen zu und hoffen das beste.

Alles Gute von "jensmann" (Krisencoach :-))

Und was könnte bzw. sollte ich jetzt konkret tun?

Eine mehrwöchige Auszeit inkl. Arbeitsplatzwechsel wäre eine Idee, leider gab es bis jetzt keine Einladungen oder Rückmeldungen... Es stimmt schon: Ich "beiße" mich durch, ignoriere meine Symptome. Am ehesten merke ich das an meiner Libido, die im Prinzip seit dem Studium mehr oder weniger stark "leidet". Das ging konkret im ersten Semester an: Meine Ex kam dann irgendwann auf mich zu und meinte zu mir: "es ist sechs Wochen her..." Ich war/bin einfach mit den Gedanken nur noch in dieser abstraken, intellektuellen Gedankenwolke. Emotionen sind mittlerweile auch ziemlich banane... Ich war schon ewig nicht mehr wirklich verliebt, im Prinzip waren alle sexuelle Kontakte im Studium ONS unter Alkoholeinfluss. Die Mischung aus Trennungsschmerz, Studienstress und gigantischen Anforderungen an mich selbst haben diese Lebenseinstellung wohl "provoziert." Wie bereits erwähnt: ich werde bald 30 und habe die letzten 5 Jahre eigentlich nur für die "Karriere" bzw. das Studium geopfert. Das letzte Jahr war dabei wohl das Schlimmste, weil ich wirklich ALLES hinter den den erfolgreichen Abschluss und den Job-Einstieg hintenan gestellt habe. Und diese "Einstellung", dieser "mode" in dem ich mich befinde, läuft einfach so weiter... Keine Schwäche zeigen, noch mehr lernen, noch mehr leisten - über seine Grenzen hinausgehen - man wird ja den ganzen Tag damit konfrontiert: Kaizen, KVP,  Standardisierung, Effektivitäts bzw. Produktivtätsschübe... Selbstoptimierung, im Privaten wie im Beruflichen, und dieser ständige Zwang noch mehr zu lesen, noch mehr zu wissen... Nur ist es eben eine "never ending story"; schaffe ich mehr in der gleichen Zeit muss ich morgen noch mehr schaffen. Ob das sinnvoll ist, danach fragt kein Mensch. Die €uros entscheiden. Gestern habe ich seit langem mal wieder eine Folge von Don Camillo und Peponne gesehen: Wie entspannt - als ob die Zeit stehen geblieben wäre. Der Mensch bzw. das Leben steht in den Filmen vielmehr im Mittelpunkt. Das zur Schau gestellte wirkt viel entspannter, warmherziger, erstrebens- und lebenswerter. Der Geist kommt einfach mal zur Ruhe. Was soll das ganze Gehetze? Wofür? Natürlich will ich einen Beitrag leisten, für die Menschen und die Gesellschaft. Irgendwas stimmt aktuell vorne und hinten nicht...

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Lieber "Bondig",

a) wenn ich dich richtig verstanden habe mit der Diagnose "Burnout", dann MACHST du nicht krank, sondern BIST es bereits, Schuldgefühle sind allein ein weiteres ungesundes Symptom deiner Persönlichkeitsstruktur, die anderen hilft, dich in ihrem Interesse, zu ihrem Vorteil und zu deinem Nachteil zu manipulieren (dagegen gibt es prima Bücher)

b) ich kenne bis dahin zu wenig deine tatsächlichen oder vermeintlichen wirtschaftlichen Zwänge,, Restriktionen oder anderen Möglichkeiten, so dass ich diesen wichtigen Aspekt aus der Entfernung schwerlich gut mit berücksichtigen kann, aber ...

c) wenn ich deine aktuelle Situation nach all den momentan erhaltenen Informationen beurteilen sollte, dann würde ich zweierlei  Optionen prüfen

1.) gibt es ein zu deiner gesundheitlichen Situation, die ich glaube, dass du sie ziemlich unterschätzt, für dich passendes (wo du auch bereit bist, die entsprechenden Konsequenzen zu tragen) Sicherheitsnetz, d.h. krank schreiben lassen mit evtl. passenden nachfolgenden Maßnahmen wie einer Kur, Reha, vielleicht sogar eine Zeit lang Arbeitslosigkeit, um GANZ VIEL freie Zeit für dich zu haben und eine Menge an deiner Persönlichkeit zu entwickeln, denn je mehr du schreibst, um so mehr kommen noch immer weitere Punkte an die Oberfläche, die aus meiner Sicht dringend des Kümmerns bedürfen, falls du nicht auf mittlere oder lange Frist ein kreuzunglücklicher Mensch sein möchtest oder

2.) siehst du dich vielleicht imstande, auf für dich befriedigende Weise moderat so kürzer zu treten, dass du aber in finanzieller Hinsicht nicht auch noch (weiter) in Bedrängnis gerätst, indem du irgendetwas findest, was dich unter 30 Stunden pro Woche beschäftigt, d.h. 4 Tage die Woche mit auch das VIEL freier Zeit für dich, deine Entwicklung, andere Interessen und die Möglichkeit, einen Plan zu machen, wie du dein Leben wieder zurück in ein gutes Gleichgewicht bekommst, um ihn dann auch umzusetzen

1.) + 2.) in beiden Fällen hieße es erstmal Abschied nehmen von nahen tollen Karriereentwicklungen und da du anscheinend vor allem dafür in der letzten Zeit (Jahren?) vordergründig zu Lasten fast aller anderen Bereich gelebt zu haben scheinst, ist das ein verdammt saures Brot, in das du jetzt wirst beißen müssen

d) in der Zeitschrift Spiegel gab es mal einen ganz tollen Artikel über uns "unsecure Highperformer", deren Neurosen in jungen Jahren bei ihren Einstiegsjobs brutal ausgenutzt werden und die sich aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur davor nicht bewahren können bzw. es ist für sie auch stimmig passend ist, da mitzumachen, insofern von mir auch kein Vorwurf (mehr) an diese Organisationen, sie folgen im Sinne der Eigner dem Prinzip der Marktwirtschaft und sind keine Gutmenschen-Clubs, und wenn dann mal einer schon sehr früh "verbrannt" worden ist, dann wird er eben ausgesteuert, nächster bitte ...

e) sehr gut, du bist dabei, dich mit der Situation intensiv zu beschäftigen, aber auch wenn ich mich wie eine Schallplatte anhöre, das wird eine Menge harter Arbeit, die meiner Einschätzung nach auf dich zukommt

f) WIRD SCHON!

Schönen Nachmittag

"jensmann"

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vor 7 Minuten schrieb jensmann:

Lieber "Bondig",

a) wenn ich dich richtig verstanden habe mit der Diagnose "Burnout", dann MACHST du nicht krank, sondern BIST es bereits, Schuldgefühle sind allein ein weiteres ungesundes Symptom deiner Persönlichkeitsstruktur, die anderen hilft, dich in ihrem Interesse, zu ihrem Vorteil und zu deinem Nachteil zu manipulieren (dagegen gibt es prima Bücher)

b) ich kenne bis dahin zu wenig deine tatsächlichen oder vermeintlichen wirtschaftlichen Zwänge,, Restriktionen oder anderen Möglichkeiten, so dass ich diesen wichtigen Aspekt aus der Entfernung schwerlich gut mit berücksichtigen kann, aber ...

c) wenn ich deine aktuelle Situation nach all den momentan erhaltenen Informationen beurteilen sollte, dann würde ich zweierlei  Optionen prüfen

1.) gibt es ein zu deiner gesundheitlichen Situation, die ich glaube, dass du sie ziemlich unterschätzt, für dich passendes (wo du auch bereit bist, die entsprechenden Konsequenzen zu tragen) Sicherheitsnetz, d.h. krank schreiben lassen mit evtl. passenden nachfolgenden Maßnahmen wie einer Kur, Reha, vielleicht sogar eine Zeit lang Arbeitslosigkeit, um GANZ VIEL freie Zeit für dich zu haben und eine Menge an deiner Persönlichkeit zu entwickeln, denn je mehr du schreibst, um so mehr kommen noch immer weitere Punkte an die Oberfläche, die aus meiner Sicht dringend des Kümmerns bedürfen, falls du nicht auf mittlere oder lange Frist ein kreuzunglücklicher Mensch sein möchtest oder

2.) siehst du dich vielleicht imstande, auf für dich befriedigende Weise moderat so kürzer zu treten, dass du aber in finanzieller Hinsicht nicht auch noch (weiter) in Bedrängnis gerätst, indem du irgendetwas findest, was dich unter 30 Stunden pro Woche beschäftigt, d.h. 4 Tage die Woche mit auch das VIEL freier Zeit für dich, deine Entwicklung, andere Interessen und die Möglichkeit, einen Plan zu machen, wie du dein Leben wieder zurück in ein gutes Gleichgewicht bekommst, um ihn dann auch umzusetzen

1.) + 2.) in beiden Fällen hieße es erstmal Abschied nehmen von nahen tollen Karriereentwicklungen und da du anscheinend vor allem dafür in der letzten Zeit (Jahren?) vordergründig zu Lasten fast aller anderen Bereich gelebt zu haben scheinst, ist das ein verdammt saures Brot, in das du jetzt wirst beißen müssen

d) in der Zeitschrift Spiegel gab es mal einen ganz tollen Artikel über uns "unsecure Highperformer", deren Neurosen in jungen Jahren bei ihren Einstiegsjobs brutal ausgenutzt werden und die sich aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur davor nicht bewahren können bzw. es ist für sie auch stimmig passend ist, da mitzumachen, insofern von mir auch kein Vorwurf (mehr) an diese Organisationen, sie folgen im Sinne der Eigner dem Prinzip der Marktwirtschaft und sind keine Gutmenschen-Clubs, und wenn dann mal einer schon sehr früh "verbrannt" worden ist, dann wird er eben ausgesteuert, nächster bitte ...

e) sehr gut, du bist dabei, dich mit der Situation intensiv zu beschäftigen, aber auch wenn ich mich wie eine Schallplatte anhöre, das wird eine Menge harter Arbeit, die meiner Einschätzung nach auf dich zukommt

f) WIRD SCHON!

Schönen Nachmittag

"jensmann"

hey

zu a) keine Ahnung... Ich war bereits mal beim Psychologen (glaube um die 6 Sitzungen) - wirklich gebracht hat es Nichts, die Chemie hat nicht gepasst. "Krankhaft" an meiner Person ist es, dass ich einfach nicht mehr weiß, wann genug genug ist. Erst durch die Leistungen im Studium konnte ich mir "Respekt" verschaffen. Ich war ein mieser Schüler, habe Verweise und schlechte Noten gesammelt, viel Mist gebaut etc. JETZT bin ich nur noch auf Optimierung aus, habe kein Erbarmen, vor allem nicht mit mir selbst. Schwächen zu zeigen oder mir einzugestehen passt einfach nicht in mein Weltbild...

zu b) eine Krankschreibung unter aktueller Lage könnte schon funktionieren... Ich würde zwar nur 2/3 meines Gehalts bekommen, könnte aber davon "leben", wenn auch nicht auf großen Fuß... Wie gesagt: das Gewissen würde mich plangen + die Tatsache, dass ich nach einigen Wochen wieder Langeweile bekomme. Oder anders ausgedrückt: Ich MUSS etwas tun... Irgendwas...

zu c1) Was soll ich mit der ganzen Zeit anfangen? Das wäre ja "Verschwendung"...

zu c2) das wäre eine bessere Option für mich (vllt) - aber wie realisieren? Kein AG würde mich unter den Umständen einstellen glaube ich...

Insgesamt komme ich immer mehr von diesem Karrierewahnsinn weg... Früher, als ich noch in der Beziehung war, habe ich immer davon geträumt ein Haus im Wald zu haben. Im Grünen, in der Nähe zur Familie, damit die Kids mit bei den Großeltern aufwachsen können. Die Natur wirkt so beruhigend... Irgendwie scheint es im Ländlichen ruhiger, entschleunigt und entspannter zuzugehen. Ich frage mich mittlerweile auch, ob die Großstadt wirklich die Erfüllung schlechthin ist oder ob ich es nicht eine Nummer kleiner bräuchte...

zu d) Natürlich - das System verlangt es ja so. Das "System" wurde von mir auch schon in einigen Studienarbeiten kritisch angeprangert; ich bewundere, ja beneide einige Kommilitonen von mir regelrecht, weil sie es schaffen, sich ihren "Glauben ans System" zu bewahren. Ich bin von Natur aus kritisch, glaube Nichts, was man nicht beweisen kann. Unser Wirtschaftssystem ist eine Glaubensfrage und wir alle sind nur so viel wert, wie auf unserem Bankkonto an Kapital geparkt ist. Spätestens seit dem Studienende merke ich den Sachzwang immer mehr. Und es ist egal, in welchem Bereich man arbeitet: Es geht immer nur darum aus Geld (qua Warenproduktion) noch mehr Geld zu machen (oder nach Marx: G - W - G'). Die vermeintliche Bedürfnisbefriedigung ist ja nur herbeifantasiert: Etliches von dem, was wir konsumieren brauchen wir nur bedingt oder gar nicht. Die ökonomischen und ökologischen Kennzahlen sprechen hingegen eine klare Sprache: Mit steigender Produktivität müssen auch immer mehr Waren hergestellt udn verkauft werden, um die Profite "oben" zu halten. Wir produzieren auf Teufel komm raus Waren, nur um Geld zu verdienen. Die Bedürfnisse der Menschen fallen hinten ab. Der Mensch wird als "Humankapital" definiert, welches doch bitte schön "arbeiten und sich rentieren" muss. Die Wertkritik bezeichnet Menschen in diesem System als "automatische Subjekte", die, ganz einer Patronenhülse gleich, in den Verwertungsauf geschoben und dann verschossen ("vernutzt") werden. Auf der anderen Seite zerstören wir unsere Umwelt nachhaltig (ob nun Fukushima, jedewede Öl-Katastrophe oder der nachhaltige psychische Stress in der Gesellschaft). Ich würde mir wünschen, es würde bald einen riesen Schlag tun, damit dieser ganzen Wahnsinn endlich ein Ende nimmt.

zu e) Du sagst, es wird viel Arbeit kosten, um wieder in die Spur zu kommen. Was genau meinst du damit? Sry wenn ich so naiv frage, aber ich kann mir darunter einfach Nichts vorstellen...

zu f) Danke - ich hoffe es. Ich meine, ich hoffe es wirklich.

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Guten Tag noch ein weiteres Mal,

zu c1) und e): wenn mir spontan zwei schöne Übungen für dich einfallen sollen, um dich etwas mehr mit dir selbst auseinander zu setzen, könnten das vielleicht folgende sein:

1.) Was sind deine Lebensziele? Mittelfristig, langfristig? Was ist dir wichtig, was von Bedeutung, was unwichtig? z.B. eine eigene Familie mit Kindern, viel oder guter Sex, Gesundheit, ein tolles Auto, schöne Reisen, Sport treiben zu können, viel zu lernen, viel Anerkennung zu bekommen, berühmt zu werden, viel zu lachen, gute Freunde, ein eigenes Haus, viel Freiheit, berufliche Unabhängigkeit etc. etc. um das anschließend zu priorisieren, mit Zahlen oder in eine Reihenfolge, analytisch bist du doch sicher schlau genug, dir ein eigenes für dich passendes System auszudenken, was dir Erkenntnisgewinne verschafft

2.) eine ganz tolle Übung für mich war damals alle meine Glaubenssätze zu formulieren, an die ich mehr oder weniger stark in einem Zwangsformat gebunden war, d.h. alle "ich muss" oder "ich darf nicht", Beispiele gefällig? ich muss ... zu allen Menschen freundlich sein, immer fleißig sein, beruflichen Erfolg haben, immer ehrlich sein, meine Eltern lieben, immer pünktlich sein etc. etc. und ich darf nicht ... Frauen direkt und dreist ansprechen, jemand ohne Absage versetzen, stehlen, lügen, ungerecht gegenüber anderen sein, Geburtstage vergessen, Namen vergessen, unordentlich sein etc. etc. - auf dem Weg zu Freiheit und Glück galt es dann diese nach und nach aufzulösen in Richtung "ICH MUSS GAR NICHTS" und "ICH DARF ALLES", aber ich habe die Konsequenzen zu tragen, deswegen habe ich meiner Erinnerung nach immer noch nichts wirklich gestohlen, aber es steht mir frei, es zu tun - so wie ich den Eindruck habe, dass du lebst, könnte allein dieses Thema dich über Monate hinweg intensiv beschäftigen, aber vielleicht auch nicht, ich vermute aber, dass sehr viele, die hier im Forum landen, da mehr oder weniger großen Einschränkungen unterliegen und sich gerne freier verhalten können würden - läuft hier wohl unter "Innergame"

Und von solcherlei Umstrukturierungen, Umlern- bzw. Reifeprozessen gibt es eine ganze Menge. Das läuft ja noch sehr über den Kanal Kopf, irgendwann geht es zunehmend über den Bauch und die Intuition, so wie bei Spitzensportler und hier auch PUAs, die brauchen in keiner Situation mehr groß was analysieren oder nachdenken, sondern tun einfach. Wahrscheinlich kennst du diese Meisterschaft in manchen Bereichen deines Lebens auch, aber in anderen Regieren doch sehr Angst, Schuldgefühle etc.

Sehr schade, dass es beim ersten Versuch mit dem Psychologen nicht gut geklappt hat.

Schönen Nachmittag

"jensmann"

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Gast الحكيم

Tut mir schon jetzt leid, aber ich kann mir eine Schelle einfach nicht verkneifen.

So wie ich das sehe definierst du dich nahezu 100% über externe Dinge. Karriere machen, Leistung bringen, höher, schneller, weiter. Koste es, was es wolle. Das das irgendwann knallt, ist klar. Du bist ein Opfer deiner eigenen, wenig entwickelten Persönlichkeit. Alles, was ich aus deinen Beiträgen raus lese ist "böses System", "böse Firma", "böser Chef", "niemand hilft mir" und "mimimi". Die Menschen behandeln dich so, wie du dich behandeln lässt. Anscheinend bist du nicht in der Lage, für dich klare Grenzen zu ziehen, sonst wärst du jetzt nicht in der Situation, in der du dich befindest.

vor 2 Stunden schrieb jensmann:

d) in der Zeitschrift Spiegel gab es mal einen ganz tollen Artikel über uns "unsecure Highperformer", deren Neurosen in jungen Jahren bei ihren Einstiegsjobs brutal ausgenutzt werden und die sich aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur davor nicht bewahren können bzw. es ist für sie auch stimmig passend ist, da mitzumachen, insofern von mir auch kein Vorwurf (mehr) an diese Organisationen, sie folgen im Sinne der Eigner dem Prinzip der Marktwirtschaft und sind keine Gutmenschen-Clubs, und wenn dann mal einer schon sehr früh "verbrannt" worden ist, dann wird er eben ausgesteuert, nächster bitte ...

Interessant finde ich deine Antwort auf den Beitrag von @jensmann

vor 1 Stunde schrieb Bondig:

zu d) Natürlich - das System verlangt es ja so. Das "System" wurde von mir auch schon in einigen Studienarbeiten kritisch angeprangert; ich bewundere, ja beneide einige Kommilitonen von mir regelrecht, weil sie es schaffen, sich ihren "Glauben ans System" zu bewahren. Ich bin von Natur aus kritisch, glaube Nichts, was man nicht beweisen kann. Unser Wirtschaftssystem ist eine Glaubensfrage und wir alle sind nur so viel wert, wie auf unserem Bankkonto an Kapital geparkt ist. Spätestens seit dem Studienende merke ich den Sachzwang immer mehr. Und es ist egal, in welchem Bereich man arbeitet: Es geht immer nur darum aus Geld (qua Warenproduktion) noch mehr Geld zu machen (oder nach Marx: G - W - G'). Die vermeintliche Bedürfnisbefriedigung ist ja nur herbeifantasiert: Etliches von dem, was wir konsumieren brauchen wir nur bedingt oder gar nicht. Die ökonomischen und ökologischen Kennzahlen sprechen hingegen eine klare Sprache: Mit steigender Produktivität müssen auch immer mehr Waren hergestellt udn verkauft werden, um die Profite "oben" zu halten. Wir produzieren auf Teufel komm raus Waren, nur um Geld zu verdienen. Die Bedürfnisse der Menschen fallen hinten ab. Der Mensch wird als "Humankapital" definiert, welches doch bitte schön "arbeiten und sich rentieren" muss. Die Wertkritik bezeichnet Menschen in diesem System als "automatische Subjekte", die, ganz einer Patronenhülse gleich, in den Verwertungsauf geschoben und dann verschossen ("vernutzt") werden. Auf der anderen Seite zerstören wir unsere Umwelt nachhaltig (ob nun Fukushima, jedewede Öl-Katastrophe oder der nachhaltige psychische Stress in der Gesellschaft). Ich würde mir wünschen, es würde bald einen riesen Schlag tun, damit dieser ganzen Wahnsinn endlich ein Ende nimmt.

Was für eine wall of Text! Was ein rant auf das böse böse System. Dabei hast du imho den wichtigsten Aspekt des Beitrages nicht erkannt oder ignoriert

vor 2 Stunden schrieb jensmann:

die sich aufgrund ihrer Persönlichkeitsstruktur davor nicht bewahren können bzw. es ist für sie auch stimmig passend ist, da mitzumachen

Thats it. Du lässt dich wie Scheiße behandeln, weil deine Persönlichkeitsstruktur dich nicht davor bewahren kann, da unterentwickelt. Also machst du munter mit, bis du merkst, dass du komplett ausgebrannt bist und fängst dann das schimpfen an. Schimpf lieber mit dir selber.

Du allein bist für dein Leben verantwortlich. Kein Professor, kein Chef, keine Firma und kein System. Mach dir das nochmal in aller Deutlichkeit klar.

vor 1 Stunde schrieb Bondig:

zu b) eine Krankschreibung unter aktueller Lage könnte schon funktionieren... Ich würde zwar nur 2/3 meines Gehalts bekommen

Erst nach 6 Wochen Krankheitsdauer wird dein Gehalt gekürzt. Dafür gibt es Krankentagegeldversicherungen, die dir die finanzielle Lücke, die entsteht, schließen können. Würde ich unter den Umständen überlegen abzuschließen.

vor 1 Stunde schrieb Bondig:

zu a) keine Ahnung... Ich war bereits mal beim Psychologen (glaube um die 6 Sitzungen) - wirklich gebracht hat es Nichts, die Chemie hat nicht gepasst.

Sowas passiert. Such dir einen neuen Psychologen, Mentor, was auch immer, bei dem die Chemie stimmt. Dir muss dringend mal der Kopf gerade gerückt werden.

Zum Glück fängst du langsam an, diesen Weg zu gehen. Bleib dabei, sonst implodierst du bald komplett.

Tut mir leid wegen der harten Worte, aber mit Kuschelkurs kann man dir imho nicht helfen.

Alles Gute!

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vor 1 Stunde schrieb Schwielenschorsch:

So wie ich das sehe definierst du dich nahezu 100% über externe Dinge. Karriere machen, Leistung bringen, höher, schneller, weiter. Koste es, was es wolle. Das das irgendwann knallt, ist klar. Du bist ein Opfer deiner eigenen, wenig entwickelten Persönlichkeit. Alles, was ich aus deinen Beiträgen raus lese ist "böses System", "böse Firma", "böser Chef", "niemand hilft mir" und "mimimi". Die Menschen behandeln dich so, wie du dich behandeln lässt. Anscheinend bist du nicht in der Lage, für dich klare Grenzen zu ziehen, sonst wärst du jetzt nicht in der Situation, in der du dich befindest.

Die Kritik ist ja angebracht - solange es nicht beleidigend wird, ist alles gut. Natürlich sind immer zwei Parteien (oder mehr) an der Situation Schuld: all die anderen - und ich.

Fakt ist (und da gebe ich die vollkommen Recht): in den letzten Jahren habe ich meine eigene Persönlich komplett hintenangestellt. Das Studium produziert Technokraten, funktionale Subjekte, die sich nur darum kümmern, Umsätze zu steigern und Kosten zu senken. Als mir dann ab Semester 4 langsam das Licht aufging, dass das ein ziemlich "hohler" Prozess ist, begannen die Kopfschmerzen und das Bauchweh.

Lange Rede kurzer Sinn: Ja, ich fühle mich depersonalisiert und auf "Funktionieren" reduziert. Wahrscheinlich war die Trennung damals doppelt Gift für mich: Als Reaktion habe ich eine "Jetzt erst Recht"-Einstellung entwickelt, meine Gefühlswelt komplett hintenangestellt und nur auf ein Ziel hingearbeitet: Studienabschluss mit mindestens 1,x. Ziel erreicht - aber zu welchem Preis... Danke für den Hinweis mit dem Krankengeld, vielleicht wäre eine Kur wirklich eine Idee...

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vor 3 Minuten schrieb Bondig:

Die Kritik ist ja angebracht - solange es nicht beleidigend wird, ist alles gut. Natürlich sind immer zwei Parteien (oder mehr) an der Situation Schuld: all die anderen - und ich.

Fakt ist (und da gebe ich die vollkommen Recht): in den letzten Jahren habe ich meine eigene Persönlich komplett hintenangestellt. Das Studium produziert Technokraten, funktionale Subjekte, die sich nur darum kümmern, Umsätze zu steigern und Kosten zu senken. Als mir dann ab Semester 4 langsam das Licht aufging, dass das ein ziemlich "hohler" Prozess ist, begannen die Kopfschmerzen und das Bauchweh.

Lange Rede kurzer Sinn: Ja, ich fühle mich depersonalisiert und auf "Funktionieren" reduziert. Wahrscheinlich war die Trennung damals doppelt Gift für mich: Als Reaktion habe ich eine "Jetzt erst Recht"-Einstellung entwickelt, meine Gefühlswelt komplett hintenangestellt und nur auf ein Ziel hingearbeitet: Studienabschluss mit mindestens 1,x. Ziel erreicht - aber zu welchem Preis... Danke für den Hinweis mit dem Krankengeld, vielleicht wäre eine Kur wirklich eine Idee...

Ich bin da irgendwie mit Schwielenschorsch d'accord. Es gibt sie noch da draussen, die vernünftigen Arbeitsplätze und Lebensentwürfe, wo - ja - hart gearbeitet wird, aber es guten Gegenwert und insgesamt auch eine brauchbare Work/Life-Balance gibt. Schütte mal das Kind nicht mit dem Bade aus, sonst bist Du etwa so reflektiert wie viele Forumskollegen hier, die alle Frauen dämonisieren bzw. erniedrigen, weil sie ein paar Mal abgeblitzt sind oder vielleicht auch wirklich einmal (!) an ein Miststück geraten sind. Und daher gibt's auch einen ähnlichen Rat: arbeite an Frame und Game. Denn das 'Schweinesystem' - wenn's denn ein solches gibt - kannst Du eh nicht von einem Tag auf den anderen ändern. Und es produziert nur dort einen Technokraten aus Dir, wenn Du das zulässt.

Was mir bei Deinen Schilderungen so ein bischen durchscheint: Du definierst Dich nur und ausschliesslich über Deine Leistung, Deine Performance. Je messbarer, desto besser. Noten, Einkommen. Kenne ich ein wenig von mir selbst, ich hab  mir sehr lange Zeit Anerkennung und Zuneigung auch über Leistung zu erkaufen versucht. War Bücherwurm, Musterschüler, Klassenüberspringer, Vertrauensmann, Stipendiat, Chefliebling, Teamleiter. Wenn's Probleme gab: härter arbeiten. Wenn man schon nicht geliebt wurde, wurde man wenigstens geachtet. Findest Du Dich da so ein bischen wieder? Ob ja oder nein - überleg Dir Deinen eigenen Anteil. Was kickt, was motiviert Dich ausserhalb von Lernen und Leistung. Wessen Anerkennung würde Dir am meisten bedeuten? Von wem würde Dir ein Lob wirklich was bedeuten? Wann hast Du selbst zuletzt jemanden gelobt oder motiviert? Das gehört mMn alles so ein bischen zusammen. Ich vermute, Du fährst seit langem eine emotionale Monokultur.

Und ja, ein guter Psychologe oder selbst ein Coach kann helfen. Auch da gibt's durchaus gute. Mir hat vor fünf Jahren mal einer geholfen, eine ähnliche Tretmühle zu verlassen. Großen Respekt übrigens dafür, dass Du auch hier schon sehr offen und reflektiert Dein Seelenleben ausbreitest und auch auf Kritik oder Anregungen einzugehen versuchst. Das kann zum Beispiel nicht jeder.

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Hey Hey,

ich bin ein bisschen arg spät zur Party und muss wirklich sagen, dass es gut und richtig ist, was so viele vor mir schon geschrieben haben. Eine Sache wollte ich noch hinzufügen.

Bis vor 3 Jahren hatte ich eine sehr ähnliche Situation. Ich bin 8 Jahre lang in so einer Situation gewesen und habe sie immer mit einem Satz überlebt "Work hard, play hard".

126 Stunden pro Wochen sind vorgekommen. In dem Fall Server einrichten, systeme configurieren, programmieren und noch support für die Kunden von der Woche davor leisten.

Das ging irgendwie, weil ich immer mal, so mindestens 1x im Monat ein langes Wochenende gemacht habe... Donnerstags bis Sonntags weg... Und dann bin ich fast immer ohne handy verreist. Prypjat Tour, Irland bereisen, Paris Katakomben, mit dem Motorrad durch den Harz... sowas... meist auch Action... aber das hat dafür gesorgt, dass meine Gedanken komplett weg waren. Und auf der Heimfahrt/dem Heimflug konnte ich dann fast immer total entspannen. Auch wenn es wieder los ging Montags.

Das Gefühl Selbstbestimmt zu sein gab mir immer die Grundlage, dass ich weiter gemacht habe... Ich war damit auch sehr erfolgreich eigentlich...

ABER:

Nach 8 Jahren war ich beim Doc, weil ich mich auch müde gefühlt habe. Ergebnis: Ruhepuls 160, d.h. Herz schlägt doppelt so schnell... und was doppelt so schnell schlägt, das hält auch nur halb so lang. Sowie massiver Bluthochdruck. Das ganze hat ein paar Gefäße geschädigt, weil der Druck sie zerdrückt hat. Mit mitte 20 hab ich das noch nicht gemerkt. Jetzt bin ich knapp über 30 und merke, dass mir leichter mal die Finger/Beine einschlafen und mir "Gefühl" fehlt.

Nach nem Jobwechsel hat sich alles normalisiert. Bin jetzt wieder von nem Ruhepuls von um die 50-60.

Egal wie du weitermachst. ich denke so viel wie jetzt lernst du nie wieder im leben für deinen Bereich. Aber nimm dir Auszeiten... Als kurzfristige Lösung.

Und im Idealfall seh zu, dass du das änderst, bevor du an Schlaganfall oder Herzinfarkt verreckst... Je früher desto besser.. als Langzeitlösung.

 

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vor 18 Stunden schrieb botte:

Was mir bei Deinen Schilderungen so ein bischen durchscheint: Du definierst Dich nur und ausschliesslich über Deine Leistung, Deine Performance. Je messbarer, desto besser. Noten, Einkommen. Kenne ich ein wenig von mir selbst, ich hab  mir sehr lange Zeit Anerkennung und Zuneigung auch über Leistung zu erkaufen versucht. War Bücherwurm, Musterschüler, Klassenüberspringer, Vertrauensmann, Stipendiat, Chefliebling, Teamleiter. Wenn's Probleme gab: härter arbeiten. Wenn man schon nicht geliebt wurde, wurde man wenigstens geachtet. Findest Du Dich da so ein bischen wieder? Ob ja oder nein - überleg Dir Deinen eigenen Anteil. Was kickt, was motiviert Dich ausserhalb von Lernen und Leistung. Wessen Anerkennung würde Dir am meisten bedeuten? Von wem würde Dir ein Lob wirklich was bedeuten? Wann hast Du selbst zuletzt jemanden gelobt oder motiviert? Das gehört mMn alles so ein bischen zusammen. Ich vermute, Du fährst seit langem eine emotionale Monokultur.

Das trifft es ziemlich genau. Obwohl ich VOR dem Studium eher durschnittlich bis schlecht in der Schule war. Im Studium haben mich vor allem die MINT-Fächer gepackt, die BWL war mir, wie bereits erwähnt, ab einem gewissen Punkt zuwider... Ich bin gerade (mal wieder) von Arbeit heim, schleppe mich schon seit Montag durch die Woche... Ich kann es nur schwer beschreiben: es ist keine wirklich physische Erschöpfung, sondern wirklich eine psychische... Konzentration fällt mir unglaublich schwer, jedes Klopfen an der Tür lässt mich zusammenzucken. Ich bin echt für jede freie Minute dankbar. Arbeiten - insbesondere kopflastiges - zu quantifizieren ist schwierig. Manch einer arbeitet wohl 60h pro Woche; dann liegt ihm vllt die Arbeit oder sie ist nicht sonderlich schwer usw. Bei mir ziehen sich aktuell die Stunden wie Kaugummi, wenn ich daran denke, dass ich komplett alleine für die zukünftigen Entwicklungen tätig bin, beschleicht mein erdrückendes Gefühl. All meine Energie der letzten Jahre und Monate ist nur und ausschließlich in das Studium bzw. die Arbeit geflossen.

Ich für meinen Teil merke gerade eins: es geht kaum noch. das bisschen Energie, dass ich noch habe, geht für die Arbeit drauf. Die Anforderungen, die an mich gestellt werden bzw. wurden, sind einfach too much. Komplett alleine ein funktionierendes Geschäftsfeld aufziehen, das nicht endenwollende Recherchieren an Informationen, das Verstehen und Durchdringen abstrakter Sachverhalte, das Konstruieren von Checklisten, Berichten, Datenerfassungsblättern und Charts - es geht nicht mehr. Und jetzt auch noch "Akquise". Ich hab mir auch zu viel zugemutet glaube ich. Man denkt halt: "das pack ich schon, das geht schon noch, da schlaf ich am WE einfach länger" - irgendwie läuft das nicht mehr... Ich hätte spätestens nach der Masterthesis eine Auszeit nehmen sollen, aber was hätte ich all die Zeit tun sollen? Geld habe ich keins, im Gegenteil: Schulden müssten bezahlt werden.

Leider neige ich im Leben immer zu Extremene: Extrem feiern und trinken, extrem intesiv studieren und lernen, extrem Sport machen... ich bin einfach nur erschöpft, wirklich erschöpft. Am schlimmsten ist das Gefühl der Einsamkeit und das ich mich selbst von mir so krass entfernt habe.

bearbeitet von Bondig

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