PU -Thema des Monats => Anziehung (Attraction) in einer LTR
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Am 13.2.2017 um 17:00 schrieb jon29:

Kann Attraction über Jahre oder Jahrzehnte überhaupt aufrecht erhalten, oder ist es eine Illusion und gute Ehen über Jahrzehnte sind letztlich nur tiefere Freundschaften?

Attraction nach 10 Jahren ist nicht das gleiche wie Attraction nach 10 Tagen. Wenn ich mit einer Frau 10 oder 20 Jahre lang verheiratet bin, dann tritt selbstverständlich Gewöhnung ein. Ich kenne ihren Körper in- und auswendig, kenne ihre Reaktion auf Reize, auf Stimmungen, auf Gedanken. Ich kann in vielen Fällen vorhersagen, wie sie reagieren wird. Und ich sehe, dass sie altert. Wenn ich Attraction an den gleichen Dingen fest mache wie zu Beginn der Bekanntschaft - in den Flitterwochen quasi - dann kann der Weg von dort aus nur bergab führen. Wenn Bindung nur darauf beruht, führt irgendwann eine kleinere oder grössere Krise zu Irritation und Bruch.

 Dass es doch möglich ist, bedeutet im Umkehrschluss, dass Neues, Anderes dazu kommen muss. Vertrautheit, blindes Verständnis, Erinnerungen an gemeinsam erlebtes, Stolz auf gemeinsam erreichtes. In anderen Worten, Liebe. Am Anfang hat man nur Augen füreinander - im wörtlichen Sinn; in einer guten LTR/Ehe schaut man weniger aufeinander, sondern gemeinsam in die gleiche Richtung. Stemmt das gemeinsame Leben. Reisst freiwillig alle Schranken zwischeneinander ein. Das ist eine Erfahrung, die mit dem Hormonrausch in den ersten Wochen nach dem Kennenlernen nichts, aber auch gar nichts zu tun hat. Und über Freundschaft weit hinaus geht. Einer der wesentlichen Punkte ist mMn, diesen Wechsel, diese Evolution zu akzeptieren. Wer erwartet, dass es da nach 10 Jahren immer noch so zu geht wie nach 10 Tagen, wird enttäuscht werden. Geht dann wieder auf die Suche nach der 'Richtigen', der 'Einen'. Segelt wieder durch die Flitterwochen, gewöhnt sich wieder, spürt, dass die ursprüngliche 'Attraction' nachlässt, und geht wieder auf die Suche. Übrigens ein Muster, das vielen Posts hier im Forum innewohnt.

Es ist ein Fehler, den Zustand des Kennenlernens oder von mir aus auch nach einigen Monaten konservieren zu wollen. Bei Problemen in einer LTR oder Ehe zu fragen 'Wie ist der Sex?' geht an der Sache völlig vorbei. Die Frage ist eher 'Was gibt es darüber hinaus?' Welche gemeinsamen Projekte, welche gemeinsame Basis? Vertraut und versteht man sich blind und ohne Vorbehalt?



Basiert die erotische Liebe auf Attraction, oder kommt die Liebe auch ohne sie aus. Also kann ich meinen Partner wirklich lieben, ohne Attraction?

Nein.



Attraction und Sex gehören zusammen. Klar, nach einigen Jahren pimpert man nicht xmal pro Tag miteinander. Aber kann eine Beziehung ohne Sex funktionieren?

Ganz offensichtlich kann sie das. Betrachten wir doch mal den 'Endpunkt', alterstechnisch. Was ist denn mit Paaren im mittleren oder hohen Alter, wo Sex (jedenfalls Sex nach dem Verständnis der meiste hier) zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich ist? Bleiben die etwas alle nur aus Gewohnheit zusammen oder resignieren die? Sex ist essentiell, wenn es um das Zustandekommen einer Beziehung geht, weil zu dem Zeitpunkt noch nicht klar ist, ob die weiteren 'Benefits' einer LTR eintreten werden. Um über diese Schwelle hinwegzukommen, braucht man den Hormonrausch, die animalische Anziehung, von mir aus auch das Verknalltsein, und den Sex. MMn verliert er aber diese überragende Bedeutung mit der Zeit. Ein gewisser individueller Level ist sicher erforderlich, und für viele geht es ohne auch nicht; aber es ist 'nur noch' eine Säule von mehreren.



Sind die Maßnahmen für Attraction in einer langjährigen Beziehung die gleichen wie beim frisch kennenlernen?

Ganz sicher nicht. Wenn ich meine Frau nach 20 Jahren Ehe 'in Konkurrenz setzen möchte', werde ich in vielen Fällen nur ein müdes Lächeln ernten. Wenn es sich wirklich um eine funktionierende Langzeitbeziehung handelt, dann beinhaltet sie so viel Mehrwert, dass eine 'Konkurrentin' mir das nicht wird bieten können. Weil man sich eben nicht sicher sein kann, gleiches mit einer anderen Frau neu aufbauen zu können. Und die Partnerin weiss das auch. (Wenn es dennoch viele versuchen, sind mMn diese Beziehungen meist dysfunktional, heisst es gibt große Fehlstellen, die eine Konkurrentin oder Affaire besetzt.) Dito für Push&Pull, Freezes etc. Das geht dann maximal noch spielerisch, als Rollenspiel - man kennt sich einfach zu gut.

Was schwieriger zu beantworten ist: was sind denn dann die 'Maßnahmen', die funktionieren? Folgt direkt aus der Frage, was die Anziehung in einer LTR ausmacht.

MMn läuft das über Value, auch wenn der sich anders definiert als beim Kennenlernen. Was macht den Wert eines Mannes aus in den Augen einer Frau, mit der er seit 10 Jahren zusammen ist? Warum ist die Hürde, sich einfach einen neuen zu suchen, so hoch? Klar, wenn sozialer und finanzieller Status vorher schon wichtig war, ist er das dann oft immer noch. Aber dann: Belastbarkeit. Verbindlichkeit. Ist irgendwie ein Thema, an dem ich hier immer wieder festhake, wenn ich mich durchs Forum lese. Ist am Anfang einer Beziehung meist nur eine Hoffnung oder ein Versprechen, weil noch nicht getestet. Erwartet man irgendwie, weiss aber nicht so genau. Und nach einigen Jahren Beziehung weiss ich dann, wie weit meine Partnerin belastbar ist. Vertraue ihr. Und sie mir. Ist für mich ein riesiger Value-Push.

Dann: Überraschung. Bei jeder, wirklich jeder längeren Unternehmung ist Langeweile der Staatsfeind #1. (Nicht umsonst wird in Betrieben ein solches Bohei um 'Change Management' betrieben.) Auch in Beziehungen. Konstante Entwicklung und Verbesserung der eigenen Person, aber zum Beispiel auch gelegentliche Überraschungen oder Roofblasts sind gefragt. Stillstand oder sogar Rückschritt zu akzeptieren - sich gehen zu lassen - ist ein Fehler.

Wenn sich das etwas nach 'an sich und der Beziehung arbeiten' anhört... ja.Ich lese hier im Forum häufig ein saloppes 'hat halt nicht gepasst', wenn in einer Beziehung Schwierigkeiten auftreten. Das ist zu leicht. Man sollte sicherlich keine toten Pferde reiten, aber umgekehrt auch nicht bei jeder Kleinigkeit die Flinte ins Korn werfen. Und versuchen, den eigenen Anteil an der Beziehugn zu verbessern. In dem Sinne kann man das als Beziehungsarbeit formulieren. Auch hier heisst es aber zu akzeptieren, dass eine funktionierende Langzeitbeziehung kein Status ist, sondern ein Prozeß. "Stillstand ist Rückschritt und der erste Schritt ins Grab" (Reinhold Würth)

 

Ist die lebenslange Liebe letztlich nur eine hehre Illusion, ein Konstrukt seitdem die romantische Liebe im 19.Jahrhundert als Ideal hochgehalten wurde (vorher standen andere Ziele und Zweckmäßigkeiten bei einer Ehe im Vordergrung)? Laufen wir einem Ideal hinterher, was wir nie erreichen können?

Zuerst einmal ist das ja nicht für alle ein Ideal - auch hier im Forum gibt's da ja eine große Vielfalt von Ansätzen, wie man sein Liebesleben führen kann. Falls man romantische Liebe aber doch für etwas mögliches und erstrebenswertes hält: Aim high! Man erreicht großes nicht, indem man sich mit dem status quo zufrieden gibt - gilt übrigens allgemein im Leben. Wenn ich wirklich an etwas glaube, höre ich nicht auf, selbst wenn ich denke, dass es immer noch besser geht. Das ist das Wesen von Idealen.  Man kann auf diese Unerreichbarkeit immer auf zwei Arten reagieren: mit Frustration oder mit Ehrgeiz. Das ist immer noch eine persönliche Wahl. Liebe ist kein WoW-Level, das man irgendwann erreicht und hält, sondern ein Prozeß. 
 

 

So, jetzt auch noch meinen Senf dazu. Vorweg: bin Ü40, werde dieses Jahr geschieden und bin dennoch ein Scheiss-Romantiker. Wird vielleicht noch editiert.

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Also vielen Dank  für die wirklich durchgängig hochwertigen Posts!

@bottes Post hat mir besonders gefallen, weil er mit seiner Erfahrung hier wirkich neue Aspekte aufgebracht hat. 20 Jahre Beziehung sind eben etwas anderes als vier oder fünf Jahre LTR.

In ein paar Tagen werde ich mal die Ergebnisse der Posts hier zusammenfassen.

----------

So jetzt mein Senf zu dem Thema. Ich möchte mich mit dem Thema "Konzept Liebesehe" befassen. Denn die ideale Vorstellung, dass man seine Liebe findet  und diese "wahre" Liebe bis in das hohe Alter Seite an Seite als Gefährten lebt, gibt es noch nicht lange.


für uns heute kommt es so vor, als wäre das einfach eine Vorstellung, die in unserer menschlichen Natur liegt. Dem ist aber nicht so. Das ist eine Idealvorstellung, die erst Anfang des 19 Jahrhunderts aufkommt und im Bürgertum beginnt.

Vorher galt nicht das Ideal der Liebe, sondernes  wurden Ehepartner danach ausgesucht, ob sie am besten den Zweck der Ehe erfüllen konnten: die wirtschaftliche Stabilität der (erweiterten) Familie garantieren und den gesellschaftlichen Status zumindest  festigen. Natürlich, nicht alle wurden zwangsverheiratet, und wenn man Glück hatte, war man in die/den Zukünftigen verliebt. Aber die obigen Kriterien mussten erfüllt werden. Ferner galten starre Regeln bei der Eheschließung. Nicht nur weltliche und geistige Herren, sondern auch Zunftregeln, wer wen heiraten durfte und vor allem ob überhaupt. Also nicht nur die Eltern, sondern das gesamte gesellschaftliche Gefüge bestimmte bestimmte wer wen heiratet. Viele blieben unverheiratet, und konnten (keine richtige) Familie gründen. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden diese Beschränkungen aufgehoben und Familiengründung war zumindest rechtlich eine individuelle Entscheidung. Das Bevölkerungswachstum in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts beruht auf diese Beseitigung der alten Beschränkungen. Die Effekte der neuen medizinischen Erkenntnisse setzen sich erst Jahrzehnte später durch.

Und fühlten sich die Eheleute drangsaliert und beschränkt? Nein. Denn in einem Kernpunkt waren die Menschen anders geprägt. Es galt nicht das Leitbild des Individuums und ob dieses sein Glück fand. Man war in die seine bestimmte Gemeinschaft eingebunden und lebte in dieser. Die Frage man selbst in der Ehe sein Lebensglück findet oder sich entfalten kann, stellte sich gar nicht und lag außerhalb der Vorstellungswelt. Die Familie war ein Gefüge (wozu auch das Gesinde gehörte) wo jeder seinen Platz einnahm. Natürlich spielte Liebe eine Rolle in den Köpfen der Menschen, und junge Menschen verliebten sich heute wie damals. Aber ein Konzept von lebenslanger Liebesheirat? Scheitern der Ehe, weil man den anderen nach vielen Jahren nicht mehr liebt? Man war froh, wenn man miteinander gut auskam.

Im heutigen Indien können wir das heute noch beobachten. Für den Großteil der Bevölkerung existiert die Liebesheirat nicht. Ehen sind arrangiert und folgen Überlegungen der ökonomischen Stabilität und den Regeln des Kastensystems, auch heute noch. Auf der anderen Seite gibt es seit vielen Jahrzehnten die kitschigen Bollywoodfilme, welche große Liebesgeschichten erzählen. Das ist aber Kino und spielt in der Realität keine Rolle. Nur in der neuen wachsenden Mittelschicht setzt sich so langsam das Konzept der Liebesheirat durch.


 

Das Konzept des individuellen Familienglücks an der Seite des geliebten Partners, also das Ideal der Liebesehe ist ein junges, das im frühen 19. Jahrhundert im aufstrebenden Bürgertum aufkommt. Also in einer neuen Schicht, die weder gesellschaftspolitischen Verpflichtungen (wie der Adel) noch ökonomischen Zwängen (wie die einfache Landbevölkerung) unterworfen war. Erst mit dem ökonomischen Wohlstand können sich die Menschen leisten, über individuelle Erfüllung nachzudenken, und auch in der Ehe persönliche Erfüllung zu finden. Damit kommt auch die andere Seite der Medaille. Das Scheitern der Ehe, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden.


 

Und da sind wir auch schon beim entscheidenden Punkt für uns moderne Menschen:

Wir haben haushohe Ideale, und wenn sie nicht erfüllt werden, sehen wir uns als gescheitert an. Eine Ehe (oder heutzutage Partnerschaft in welcher Form auch immer) muss unsere Vorstellungen des Glücks erfüllen: Jahrzehntelange Liebe, sexuelle Anziehung, Kinder im harmonischen Umfeld aufziehen. Das heute als „konservativ“ geltende Bild der Familie: Monogame Ehe, wo sie sich um die Kinder kümmert und die Familie heimeliger Ort des Glücks ist, ist genauso ein „modernes“ Konzept, wie neue Formen der Partnerschaften, wie Ehen in totaler gleichberechtigung, monogam oder nicht, usw. Denn immer steht die individuelle Entwicklung und das Glück der Partner immer Vordergrund. Erfüllen sich nicht alle Punkte, sehen sich viele Menschen als gescheitert und stellen die Ehe(Partnerschaft) schneller in Frage.


 

Die ökonomische Unabhängigkeit der meisten Menschen wuchs in den letzten 200 Jahren in dem gleichen Maße, wie immer weitere gesellschaftliche und rechtliche Beschränkungen wegfielen. Damit stieg auch die Bedeutung des individuellen Glücks. Doch die große Freiheit, die uns das individelles Glück ermöglicht, ermöglicht eben auch Leid: Wenn wir nicht die beruflichen Ziele erreichen, wenn wir nicht unsere Vision vom Familienleben können. Feministen/Linke und rechte Konservative sehen da immer gesellschaftliche Kräfte am Werk, die uns durch Zwang vom glück fernhalten. Es sind angeblich die alten misogynen/ konservativen Familienbilder oder der gleichmacherische feminismus/ Werterelativismus, die angeblich für unglückliche Ehen, Scheidungen usw. verantwortlich sind. Dabei ist es die immer größer werdende Freiheit, die das tut: Wenn wir die Freiheit der Wahl haben, müssen wir auch damit rechnen, falsch gewählt zu haben, und mit unseren individuellen Entscheidungen und Wünschen zu scheitern. Wir selbst setzen uns die hohen Ideale von Selbstverwirklichung und idealer Partnerschaft bis in den Tod. Wir sind unglücklich, nicht weil die Gesellschaft uns soviele Vorgaben macht, sondern weil wir keine Vorgaben mehr erfüllen müssen außer unseren eigenen. Damit ist schwer umzugehen. Fremden Ansprüchen nicht zu genügen, ist einfacher als die eigenen nicht zu err3eichen


 

Nun, welches Fazit können wir daraus ziehen: Wir müssen einfach unserer Erwartungen und Ideale von Ehe beziehungsweise Partnerschaft überdenken.

Die Anziehung wird in 30 Jahren nicht mehr stark sein, die Vorstellungen von lebenslangem Beziehungsglück werden sich relativieren,

keine Visionen, sondern ein immer neues adaptieren der aktuellen Lebensumstände

Wenn es mal nicht so läuft, ist das nicht unbedingt ein persönliches individuelles Scheitern.

Aber ich glaube Botte hat es viel besser beschrieben, als ich, wie man mit Bodenständigkeit und Realitätssinn eine erfüllende Beziehung führt. Sein Post ist die beste Folgerung, aus den obigen Erkenntnissen.


 


 


 


 

---------------------------

Ich möchte hier eine besondere Doku aus der hervorragenden Reihe 360 posten. Es geht um eine junge Frau in China, Teil einer ethnischen Minderheit, dass bis vor kurzem so traditionell lebte, wie vor Jahrhunderten. Doch sie gehört der ersten Generation ihres Volkes an, die von Chinas Modernisierung erfasst wird. Sie arbeitet nun in der Stadt, ist eine ökonomisch selbstständige Frau und gehört der unteren Mittelschicht an. Sie ist aber auch auf der Suche nach einem Mann. Auf der anderen Seite steht ein junger Mann, der noch ganz in der traditionellen Kultur des Landes verhaftet ist und auf die gleich Art und Weise eine ehefrauu sucht, wie die Generationen vor ihm

Ich finde es sehr faszinierend, weil die von mir beschriebene Entwicklung in Europa, welche 150 Jahre dauerte hier in Zeitraffer von 30 Jahren passiert. Auch hier entsteht plötzlich durch die neue Freiheit der Wunsch nach Selbstverwirklichung auch in der Ehe, Ansprüche, die auch entäuscht werden können. 20 Jahre zuvor wäre sie noch ganz zufrieden mit dem Angebot des jungen Mannes gewesen, der ihr ein solides Leben in alter Tradition gegeben hätte. Die Frage der Selbstverwirklichung hätte sich gar nicht gestellt.

 


hier nochmal auf der Arte Homepage

http://www.arte.tv/guide/de/056821-020-A/360-geo-reportage

 


 

bearbeitet von jon29
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Werte Debattierende, werter Jon

Ich halte das für ein recht wichtiges Thema, und würde vorschlagen das dieses noch einen weiteren Monat auf der Agenda hier steht.

Komm im Moment auch nicht dazu das zwar im Ergebnis einfache, aber auf den Weg dahin komplexe Thema in sauberen, nachvollziehbaren Gedanken zu packen.

LeDe

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vor 17 Stunden schrieb LeDe:

Werte Debattierende, werter Jon

Ich halte das für ein recht wichtiges Thema, und würde vorschlagen das dieses noch einen weiteren Monat auf der Agenda hier steht.

Komm im Moment auch nicht dazu das zwar im Ergebnis einfache, aber auf den Weg dahin komplexe Thema in sauberen, nachvollziehbaren Gedanken zu packen.

LeDe

Da das Thema ja mitten im Monat angefangen hat, lassen wir das Thema auch noch ein paar Tage weiterlaufen. Aber wenn irgendwann nichts mehr kommt, ist es Zeit für das nächste Thema. Da brauchen wir jetzt nicht bis Ende  März warten.

Ich freu mich aber auf deinen Beitrag.

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Wir verlangen eben heute auch viel mehr.

Im Mittelalter wurde die durchschnittliche Frau 25 Jahre alt. Wenn mit 15 geheiratet wurde, dann dauerte damals eine "Lebenslange Beziehung" 10 Jahre. Inklusive Kinder bekommen und aufziehen.

Heute soll die lebenslange Beziehung 50 Jahre und mehr überdauern. Das ist ein völlig anderer Anspruch. Wenn man dann noch mit einbezieht, dass natürlich in dieser langen Lebensspanne auch viel, viel mehr Entwicklung passiert, dann sind da Probleme vorprogrammiert.

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Werte Debattierende

So, nun muss ich mich selbst mal an der Nase packen und beginnen.

Allgemein:

Mit ist es ausdrücklich ein Anliegen, meine Haltung nicht als Absolut zu verstehen.
Das ist auch einer der Gründe, warum ich keine How to...Threads schreiben werde, da ich nicht gewillt, Dinge / Haltungen, welche für mich ganz gut funktionieren als "allwissend - nur so und nicht anders" verstanden zu wissen.
Jedem seine funktionierende Welt.

Da ich es bevorzuge meine Erfahrungen in einzelnen Posts auszudrücken, werde ich mich hier auch einiger Zitate meiner Selbst bedienen.

Es ist durchaus möglich, dass ich hier im Beitrag noch einige male editieren werde. Um der Verständlichkeit, Struktur, Nachvollziehbarkeit willen.

Ich möchte mal mein Ergebnis voran stellen:

Eine gute Beziehung unterscheidet sich in Nichts, von einer guten Verführung!
Alle gut funktionierenden Beziehung basieren auf den selben Grundlagen, ganz gleich ob SC, Familie, FB, LTR, Beruf.

Ein paar meiner Grundwerte, und somit Basics für das Screening allgemein:

Am 20.8.2015 um 18:09 schrieb LeDe:

Du hast Deine Standards. Tip top. So und nicht anders.

Nun schalte aber die zweite Ebene hinzu, in welcher Du unterscheidest zwischen Standards für Dich und dem aufbürden Deiner Standard auf Dritte.

Soll heissen:

So lange es keine Auswirkungen auf Dich und Dein Wohl hat, wenn Dritte etwas für sich tun, was Du selbst für Dich ablehnst, kannst Du es ihnen für sich selbst zugestehen, da Dein Standard für Dich nicht belastet ist.

Solange die beiden Ebenen nicht kollidieren, ist alles roger.

Das halte ich für eine der wichtigsten Grundlagen, da Beziehungen jedweder Art, aus einen Ich, einem Du und einem Wir bestehen.

Viel zu oft wird erwartet, gefordert, gemusst, gesollt etc., weil man davon ausgeht das alle Dinge, welche man SELBST für wertvoll und richtig, sowie schlecht und falsch erachtet ebenso für den Gegenüber gelten müssten, sollten.
Man stülpt quasi eigen Haltungen auf den Gegenüber drüber und wundert sich dann warum der sich angepisst fühlt.
Das ist, meiner Meinung, nach einer DER Reibungspunkte in Beziehungen.

Am 26.5.2015 um 16:34 schrieb LeDe:

Darf / Sollte / Kann man in einer Beziehung fremdgehen?

 

Statt Dir zu mit ja Du darfst / nein Du darfst nicht zu antworten, möchte ich Dir mit einem Gedankengang weiterhelfen.

Fremdgehen impliziert Betrug. Betrug wiederum Wortbruch. Wortbruch demnach Abmachung.
Eine Abmachung im Bereich des sexuellen Verlangens resultiert zu meist aus einem Anspruch an sein Gegenüber und ist ebenfalls nur ein argumentativer Mittelsmann um den Kern zu verschleiern.
Treue von Dritten zu fordern, resultiert aus der Angst eine Beziehung verlieren zu können, denn der Partner könnte feststellen, ein Anderer sei besser.
Um den Partner gar nicht erst in diese Situation des Wählens geraten zu lassen, wird auf Monogamie eingeschworen, denn mit dem Fickificki gilt hier zu Lande eine Beziehung weitgehend als besiegelt.
Das ist aber Besitzdenken, bzw. ein Anspruch für Dritte entscheiden zu dürfen, nicht für dessen Wohl, sondern für die eigene Scheinsicherheit.
Legt man nun den Anspruch an das Handeln Dritter ab, löst sich auch Deine Frage als irrelevant in Luft auf.
Faktisch hallt es als Echo eines, für einen Selbst nicht existentes Problems, einem vorbei.
Wenn die Kleine für sich nicht mehr möchte ist das OK. Wünscht ihr alles Gute, und freut sich für sie, dass sie weiss was sie (nicht mehr) will. Ganz ohne Groll.

Ich finde den Gedanken 'immer wieder auf's Neue, ohne Einschränkung, von der Dame ausgewählt zu werden' (sie wählt für sich, Du Deinen Partner für Dich) bei weitem erstrebenswerter, als in Angst zu Leben es könnte sein dass... .

Das Erste lässt einem die Freiheit zu sein, wie man ist, das Zweite führt zum Sein wie es der Partner vermeintlich gern hätte und Bevormundung.

Am 11.11.2015 um 10:42 schrieb LeDe:

Wenn all die Dinge, welche zum scheitern einer Beziehung führen, eintreten können, da Faktoren eine Rolle spielen, welche man nicht selbst in der Hand hat, was tun?

Meine Lösung hierfür heisst:

Akzeptanz. Wenn ich akzeptiere, dass all das eintreten kann, dann mache ich mich frei von Verhaltensweisen, welche darauf abzielen sich um einer Bindung willen, wieder seines eigenen Dafürhalten, zu verhalten.
Im Ergebnis verhält man sich so, wie man es für sich selbst möchte. Dann ist man jener, welcher man sein möchte.

Die Folge daraus ist jene, dass man Menschen begegnet, welche einen mögen, oder eben nicht und man selbst keine Veranlassung darin sieht sich um der Gunst des Gegenüberwillen zu verstellen, da beides OK ist.
Demnach lässt man dann Menschen näher an sich heran, bis hin zur LTR, welche wissen wie man ist, da man genau so ist, wie man vorgibt zu sein.

Die Mitverantwortlichkeit, kommt in soweit zu tragen, als das man zwar Äussere Faktoren nicht beeinflussen kann, sehr wohl aber den Faktor des Selbst.
Lass Dich nicht hängen, arbeite an Dir, sei das beste Selbst Deiner selbst sind da Stichworte.

Beziehungen scheitern nicht nur, weil andere besser sind als man selbst, sondern auch, weil man selbst schlechter ist als man sein könnte.
Das gilt für alle Beziehungen (SC / Familie / FB / Beruf / LTR usw.)
Das kann man auch den Partnern genau so vermitteln, und so wird es in meiner Welt auch gehalten.

"Es kann immer passieren, das Dir und / oder auch mir eine neuer Mensch begegnet, welcher einen völlig umhaut, das hat man nicht in der Hand. Beeinflussbar ist lediglich das Selbst und ob dieses den Partner von einem weg treibt, oder eben nicht."

Was bleibt? Ein sich jeden Tag neu für den Partner entscheiden. Ein jeden Tag neues verführen. Ein Genuss jeden Moments mit diesem.
Ein nicht selbstverständlich betrachteter Partner. Die Betrachtung des Partners als Geschenk, aber nicht als Notwendigkeit.

Dieser Gedankengang ist die Grundlage für mein Screening in welchem ich nach Verhaltensweisen mir gegenüber Ausschau halte, in welchem ich nach Widersprüchen Ausschau halte.

Das führt dann zu einem der Grundlagen hier:

Am 19.5.2016 um 15:07 schrieb LeDe:

Kurz und Knapp:

Beziehungen werden gelebt, nicht besprochen - eines der fundamentalen Basics hier.

Diese Art der gelebten Beziehung ist das, aus meiner Sicht, beste Modell was man Leben kann, da es einen von Erwartungen (blablabla...aber in erner Beziehung macht man das halt so), Selbstvernachlässigung (habe ja jetzt eine Perle / Freund, da muss ich nicht mehr so auf mich achten, da ist Couch Potato mal wieder öfter drin etc.), Abhängigkeit und "faulen" Kompromissen um der Beziehung willen befreit.

In diesem Modell versteht man auch ein weiteres PU Basic.
Eine Beziehung ist ein fortwährendes Bemühen um einander statt einer Selbstverständlichkeit. Ein Bonus und keine Notwendigkeit.
Dann erkennt man, was eine Beziehung sein sollte / könnte.
Ein auf Freiwilligkeit beruhendes, statt auf selbst gegebenen Zwängen basierendes Miteinander.
Ein stets neu entscheiden für den Partner.

In meiner Welt wird es nur so gehandhabt.

Wenn man im Ergebnis also, gern einen Partner hat, dieser aber für das eigene Glück nicht notwendig ist, diesem die Freiheit lässt so zu sein wie er will, und man selbst ist wie man sein möchte, da es keine Gründe mehr gibt sich zu verstellen, sich auf das WIR konzentriert, statt das DU zu bewerten, dann funktioniert das auch.

Die Schwierigkeit besteht meines Erachtens nur darin, einem Gegenüber zu begegnen, welcher ebenso handelt.

Im übrigen lassen sich diese Grundlagen auch auf die sexuelle Ebene übertragen.

Oftmals hab ich den Eindruck, viele würden meinen, dass die Welt des Miteinander ausschliesslich aus Spezialfällen bestünde, welche man nicht miteinander vergleiche könne, und es deshalb zu Differenzen führt, da die angelegten Massstäbe, Referenzen und Wertigkeiten sich von dem Einen Thema, welches eben doch vergleichbar ist, auf das Andere unterscheiden. Im Selbst.

Soll heissen: Das ist ein weiterer Knackpunkt wie ich meine.

Man selbst wähnt sich als kongruent, weil eben neue und andere und einzigartige Situation, während man vom gegenüber als willkürlich, oder inkongruent wahrgenommen wird.
Die Frage ist also nicht ob man Äpfel mit Birnen vergleichen könne, oder nicht - sondern auf welcher Ebene man vergleicht und was man von einem Vergleich erwartet.
Ein Vergleich erfordert nicht zwingend Übereinstimmung.

Ist beides Obst? Jap.
Haben beide die gleiche Form? Nope.

Die vorstehenden Grundlagen federn auch das Thema Zeit ab, also in gewissem Masse.
Keiner kann sich davon freisprechen sich mit der Zeit selbst, zu verändern. Das bekommt der Gegenüber auch mit. Logisch. Wenn Nun der Beziehungsfokus aber auf dem Wir liegt, fällt die Veränderung weniger ins Gewicht, bzw. erst, wenn es das miteinander beeinflusst.

Das klingt jetzt alles völlig theoretisch, und vielleicht nichts sagend, aber gerade weil mein Fokus nicht auf der Bewertung einzelner Details als etwas Spezielles / Einzigartiges liegt, entsteht genau die Freiheit, welche es meiner Meinung nach benötigt, um gute langfristige Beziehungen zu führen.

Banal runtergebrochen:

Wenn man Beispielsweise kein Outdoor / Adventure / Aktion Typ ist, es aber um der Muschi / des Schwanzes willen vorgibt zu sein, weil dieser dafür eine Affinität hat, fällt einem das irgendwann auf die Füsse.
Wenn man aber der (bewusst gegensätzliches Beispiel) Ruhige / Vernissage / Diskussionsabend / Opern Typ ist und sich nicht verstellt, dann lernt man Menschen kennen, welche genau das schätzen, weil sie ebenso ticken.

Dafür muss man aber erst einmal um seiner Selbst wissen - das ist schon schwierig genug.

Gut, das war jetzt vielleicht so ein Rundumschlag, aber da in meiner Welt alles miteinander zusammenhängt, kann ich auch nicht nachhaltig auf Einzelaspekte eingehen.

Gemäss meiner Signatur eigentlich.

 

LeDe

 

bearbeitet von LeDe
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