Die Perspektivlosigkeit des Erfolgreichen

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Liebe Community,

ich habe hier vor vielen Jahren oft mitgelesen und einige hilfreiche Dinge für mich abgeleitet; dann war ich lange Zeit kein stiller Leser mehr und zu beschäftigt damit, mein Leben und meine Karriere aufzubauen. Jetzt, da ich in einer Situation bin, in der ich allein keine Lösung mehr finde, versuche ich hier vielleicht den ein oder anderen Denkanstoß zu finden.

Zu mir in aller Kürze:
Ich bin 33 Jahre alt, verheiratet, studiert und promoviert, aus einer konservativen gehobene-mittelschicht Familie stammend, beruflich sehr erfolgreich (130T€ + pro Jahr bei einer 40-Stunden-Homeoffice-Woche), diagnostiziert mit Depressionen (gut medikamentiert), ADHS (gut medikamentiert) und Hochbegabung sowie einer stark ausgeprägten machiavellistischen Persönlichkeit, leider sehr unsportlich und entsprechend übergewichtig und unfit, sozial vernetzt aber wenig aktiv; meine Hobbies sind Kunst (ich male), Kino (ich habe ein „echtes“ Heimkino), Technik (IoT, Smart Home), Hunde (wir haben drei kleine Hunde) und „die schönen Dinge des Lebens“ (Essengehen, Wellness, Mode, Kunst, Design, etc.); zudem bin ich „shoppingsüchtig“, d.h. ich kaufe ständig Dinge ein und schaffe es deshalb, trotz Haushaltseinkommen von 200T€ + pro Jahr, ständig 10-20T€ im Dispo zu sein…

Zu meiner Welt bzw. meiner Situation, zu der ich Denkanstöße suche:


Das übergeordnete Problem: Ich fühle mich völlig perspektivlos. Ich habe beruflich jetzt das erreicht, was die meisten mit 55+ erreichen oder auch nie (und mein Job ist wirklich spannend und abwechslungsreich, ich habe große Führungsverantwortung und kann mir meine Aufgaben weitestgehend selbst aussuchen), ich besitze alles, was ich realistisch ohne „reich“ zu sein, besitzen kann (von der eigenen Wohnung über das große deutsche Auto bis hin zu Rolex, modernster Technologie und Kunstobjekten), bin mit einer schönen, erfolgreichen und schlauen Frau verheiratet, habe drei süße Hunde, bin promoviert, habe Hobbies die mir wirklich Spaß machen und in denen ich mich verlieren kann, bilde mich regelmäßig weiter und habe eine wirklich breite und exzellente (Allgemein)Bildung und kann mir neue Themen im Bruchteil der Zeit, die andere brauchen, aneignen und kenne eine Menge spannender Menschen aus allen Lebensbereichen, mit denen ich u. A. auch in Vereinen organisiert bin. Trotzdem, oder vllt. deshalb habe ich keine klaren Ziele oder Perspektiven mehr. Wenn ihr euch fragt, was mir fehlt, dann hat meine Innenschau dies ergeben:

·         Enge Freunde. Ich habe zwar gute Bekannte und Freunde, die ich mag, aber keine engen, vertrauten Freundschaften. Das liegt zum einen daran, dass ich wirklich schlecht darin bin, Freundschaften zu erhalten (mich melden, Treffen vereinbaren), weil ich meistens so unmotiviert bin, und zum anderen daran, dass ich intellektuell sehr anspruchsvoll bin und mich mit „Normalos“ (sorry) zwar sehr gut unterhalten kann, diese mich aber unfassbar
langweilen.

·         Fitness. Ich wäre gerne schlank, sportlich und fit und investiere dafür auch eine Menge Geld (im Sinne von: Ich ernähre mich wirklich substanziell gesund mit den bestmöglichen Produkten, esse kein Junk- oder Fastfood, keine Süßigkeiten, etc.), habe aber (warum auch immer) einen so geringen Grundumsatz, dass ich mich (viel) bewegen müsste, um abzunehmen – und ich schaffe es einfach nicht, egal was ich tue (und ich habe schon eine Menge probiert), mich sportlich zu aktivieren. So bleibe und bin ich ein extrem gesund ernährter Dicker, was ich traurig finde.

 

·       Sexuelle Erfüllung. Obwohl ich eine schöne Frau habe und wir sexuell auch durchaus extrem offen und experimentierfreudig sind (alles von regelmäßigem FFM über BDSM und Co) bin ich sexuell nicht wirklich erfüllt, da ich vor meiner Ehe immer ein „Jäger“ war, der viele und wechselnde Frauen hatte und dies jetzt nicht mehr leben kann, weil ich mich sonst auch ständig in neue Frauen „verliebe“, und ich das im Rahmen meiner Ehe weder möchte noch meiner Frau antun würde; somit habe ich akzeptiert, dass ich diese Art meiner sexuellen Erfüllung für die Liebe und Geborgenheit der Ehe opfern muss und mich dafür entschieden, da ich sonst mein Leben lang ein getriebener Junggeselle bleiben würde, bis es irgendwann nicht mehr geht.

 

·        Abenteuer. Insgesamt, insb. seit Corona, folgt mein Leben einer bleiernen Routine; Aufstehen, Kacken, Home Office & Zoom, Hobby, Abendessen, Netflix, Schlafen. Kleinere Abwechslungen gibt es natürlich (ab und zu eine Dienstreise, ein Familienbesuch, etc.), aber im Grunde war es das. Und ich fühle mich in dieser Routine, die natürlich auch Sicherheit bietet, gefangen, ohne die Epiphanie, wie ich sie durchbrechen kann.

 

Aber zusammengefasst sind die Dinge, die ich als „fehlend“ beschreibe, auch nur Symptome dessen, dass ich das Gefühl habe, komplett ziellos im Leben zu treiben. Wenn ich daran denke, dass ich jetzt noch 30+ Jahre berufstätig sein werde, und mein Leben jetzt so gesettelt ist, wird mir schlecht – obwohl ich objektiv so vieles habe (Liebe, Geld, Sicherheit, Intelligenz, etc.) wovon andere träumen… ich habe auch keine großen Ängste (z.B. vor Alter, Armut, etc.) sondern nur „kleine Unbehagen“ (Dinge die erledigt werden müssen, aber aufgeschoben werden, mal eine kurzfristige hohe Zahlungsverpflichtung, etc.).. es fühlt sich an als wäre ich in einer extrem komfortablen Kapsel gefangen, aus der jeder Ausweg in eine weniger gute Kapsel führt; natürlich habe ich auch schon diverse Eskapismus-Fantasien durchgespielt:

Vom Abbruch des bürgerlichen Lebens und dem Weg in die Berliner WG, vom neuen Studium, von der Widmung des Lebens an karitative Zwecke, von „der neuen Liebe und dem neuen Leben“, etc., aber spiele ich ein Szenario tatsächlich bis zum Ende durch, dann…

aa)       Ende ich nach einer gewissen Zeit wieder hier wo ich jetzt bin

bb)      Ende ich in einer Situation, in der ich objektiv nicht sein möchte

 

Alles in allem ergeben sich für mich folgende mögliche Schlüsse:

aa)       Meine jetzige Situation ist die realistisch bestmögliche Situation und meine Gefühle in der Situation und Blicke auf die Situation entstehen durch mich selbst und meinen Charakter bzw. Geist, der durch meine Rahmenbedingungen so gestaltet ist, dass er nicht in der Lage ist, einen positiven Zustand als solchen anzuerkennen und sich einzurichten; das würde bedeuten: Ich bin und bleibe ein Getriebener, der Glück zwar haben, aber nie finden und anerkennen kann

bb)      Meine jetzige Situation ist nicht die realistisch bestmögliche Situation und meine Gefühle und Wahrnehmungen sind begründet; ich besitze aber nicht den Intellekt und die Vorstellungskraft mir eine Situation vorzustellen, die realistisch dauerhaft besser wäre als die jetzige
 

cc)       Meine jetzige Situation ist gut, aber durch die zuvor genannten „fehlenden Bausteine“ wird sie schlecht; dadurch müsste ich mich auf die Heilung dieser Komponenten konzentrieren, ohne jedoch zu wissen wie dies geht, da ich diese Bausteine ja schon seit Jahren zu errichten versuche, was wiederum bedeuten könnte, dass es für mich nicht möglich ist, diese Bausteine zu errichten, so dass die jetzige Situation doch wieder die realistisch betrachtet bestmögliche wäre, weil die möglichen Verbesserungen nicht erreichbar sind.

Das war jetzt viel Text. Und ich würde mich im Grunde einfach über Gedankenanregungen dazu freuen; noch eine Anführung:

Die Aussage meines Psychiaters ist, dass der Zustand, in dem ich mich befinde, charakterlich bedingt ist und es nicht in meiner Veranlagung liegt, echte Zufriedenheit zu empfinden, sondern ich maximal ein Gefühl von „es ist schon okay“ erzielen werde. Diese Aussage möchte ich mit meinem Post auch challengen, da ich einfach nicht akzeptieren möchte, dass er eventuell recht haben könnte.

Danke

Clemens

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Gerade eben, Helmut schrieb:

Bist du aktuell in Therapie?

Ja, seit 2018. Die Therapie hilft mir auch in manchen Aspekten bzw. hat mir geholfen, jedoch bin ich laut Psychiater in div. Bereichen, unter Anderem wegen der Kombination machiavellistische Persönlichkeit und Hochbegabung, nicht bzw. kaum klassisch therapierbar, da es laut seiner Aussage Eigenschaften des Großcharakters sind, die zwar verhaltenstherapeutisch in ihrer Wirkung nach Außen angegangen werden können (und auch werden), jedoch nicht "wegtherapiert" oder substantiell veränderrt werden können.

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@AlphaMX

Ich find das so unpackbar geil, wie deine Texte sich heute lesen verglichen zu früher. Du bist der lebende Beweis, wie sehr man sich in diesen Dingen verändern kann.

 

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Der TE ist ein Opfer seiner Luxusprobleme, wie auch unser Neu-User Kaiser Wilhelm.

Den einen geht's zu gut und dem anderen nicht schlecht genug. 

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vor 12 Stunden, ennui schrieb:

dass ich intellektuell sehr anspruchsvoll bin und mich mit „Normalos“ (sorry) zwar sehr gut unterhalten kann, diese mich aber unfassbar
langweilen.

·        

Melde Dich mal bei einer karitativen Organisation für ein ganzes Monat.

Suppenküche, Kleider verteilen, überschüssige Lebensmittel aus einem Supermarkt mit einem Kleintransporter überstellen. 

Aber nicht wie im Zoo nur gucken. "Boah, sind das Assis" . Melde Dich dort mal an, arbeite 3x die Woche für jeweils drei Stunden. 

Da kannst Du sehen, sofern Dir dieses Leute nicht zu langweilig sind, wie so manche ganz schnell durch den Rost fielen. 

Kannst Dir aber auch das 10 Ipad zulegen und Dich im Moet baden und weiter raunzen. 

Auch Du hast nur in der Geburtenlotterie gewonnen. Deine Eltern ermöglichten Dir ein Studium. Finanziell und mit Kontakten. 

Wärst Du im Plattenbau groß geworden, würdest Du nicht so überheblich klingen. 

 

Nix für ungut, aber Deine Probleme sind keine. 

Nur zur Ergänzung: Ich bin auch ganz nett aufgewachsen, bin aber verwachsen mit allen Menschen meiner Stadt. Mit der Mentalität und Geschichte. 

Du wirst ja mit 200k im Jahr Menschen finden die Dir in den Arsch treten. 

Ich sage Dir was die machen: Die erzählen Dir alles was Du willst und das auf lange Zeit. Bist ja deren Finanzier. 

Ernsthaft, arbeite körperlich mit in solchen Organisationen. Nebeneffekt: Wenn Du mal buckelst nimmst Du auch ab. 

Deine schöne Frau und 3er hast Du sicher nicht wenn Du mit der S-Bahn in der Malerhose zur Arbeit fährst.

 

Sortiere mal Dein Leben und mach die Augen auf! 

 

 

bearbeitet von PaulPanzer79
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Klingt mir nach der Tretmühle des materiellen Wohlstandes. Der kann man im Regelfall (in diesem Fall leider) nicht unmittelbar mit Dingen entkommen, die es für Geld zu kaufen gibt.

Du müsstest Risiken auf dich nehmen, die dich aus dem bisher gebauten Nest hinausjagen.

Manche haben es mit einer umfassenden Reise geschafft. Manche mit einem wochenlangem Aufenthalt in der Wildnis. Manche mit Psychedelika. Alles hat seine Risiken. Alles kann nach hinten losgehen. Aber sich von empfundener Sinnlosigkeit freizukaufen, das wird leider nicht gehen. Was bist du wert aufzugeben? Zu riskieren? Oder ist am Ende des Tages der sichere Unterschlupf dann den potentiellen Herausforderungen und Gefahren eher doch vorzuziehen?

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Am 13.12.2021 um 11:08 , ennui schrieb:

versuche ich hier vielleicht den ein oder anderen Denkanstoß zu finden.

Zwei Anregungen:

a) Tu' was für andere Menschen. Das kann sinnstiftend und erfüllend sein. Finde ein Ehrenamt oder erfinde selbst etwas. Hilf Obdachlosen. Mache eine Ausbildung zum Sterbebegleiter. Bereichere das Leben anderer Menschen und schau' dir an, was es mit dir macht.

b) Wie es sieht es mit Religion bzw. spirituellem Leben aus? Schau' dir zum Beispiel den Buddhismus an. Oder ZEN-Meditation. Oder den Weg des Bogenschießens (finde ich besser als meditierend herumsitzen).

 

bearbeitet von RobinMasters
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Ich würde ganz pragmatisch anfangen: 

1. Kaufsucht + Krempel: 

Aus der Minimalismus-Community gibt es die NoBuy-Challenge.

Bedeutet: Für einen vorher gewählten Zeitraum werden außer Lebensmitteln und Hygieneartikeln KEINE andere Dinge gekauft. Probier das mal einen Monat.

Gleichzeitig sortiert du deinen alten Kram durch. Brauche ich 2 Rasenmäher, 4 Mixer, 3 Rolex Uhren, 10 iPads?

Antwort ist in der Regel: Nein!

Überflüssigen Kram verkaufst du schnell und unkompliziert und bezahlst deine Schulden. 
 

Wenn du richtig durchziehen möchtest schau dir generell mal Minimalismus, Marie Kondo etc. an und bring deine Bude komplett auf Vordermann. Alles weg was du nicht brauchst. 
 

Grade bei psychisches Themen ist oft eine gewisse „Ungreifbarkeit“ gegeben. In einem ersten Schritt die direkte Umgebung (dein Zimmer, deine Bude) zu analysieren und zu ordnen, bringt einfache Klarheit. 
 

Bin ja Peterson Fanboy. Check das mal:

Deine Kaufsucht ist ja eine Form von Ersatzbefriedigung. Solltest du mit NoBuy und einer Form des Außmistens recht unkompliziert angehen können. Guck mal was passiert.

 

2. Abspecken: 

Geh zum Arzt  und lass deine Werte checken. Schilddrüse etc. Nachdem das geklärt ist besorgst du dir einen Personal Trainer. Mit dem entwickelst du einen Plan. Wahrscheinlich 3 mal die Woche zu Anfang.

Der wird dir alles zeigen und mit dir Pläne für fressen und Sport entwickeln.

Vorteil ist auch, dass du regelmäßige Verpflichtung hast, dich mit ihm zu treffen und Sport zu machen. Auch wenn du dich mal nicht danach fühlst.

 
Wenn 1. und 2. ein paar Monate laufen, dann hast du schonmal eine kleine Grundlage. 

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Hallo Community,

vielen Dank erstmal für die vielen ehrlichen und auch direkten Antworten - darum schätze ich das Forum so. Ich habe etwas über eure Impulse nachgedacht und möchte noch Folgendes anführen:

  • Ich habe keine Schulden, das mit dem Dispo ist nur mein normales Konto. Das mit der Kaufsucht habe ich eher angeführt, weil es für mich etwas ist, was mir immer wieder als Ausweg erscheint, und dann doch keiner ist; sprich: Ich denke ich brauche unbedingt etwas, dann wird es mir besser gehen, dann kaufe ich es, freue mich auf das Paket, es kommt, und ein paar Tage später habe ich es vergessen. Ich würde mich so gerne wieder über Dinge freuen können, aber egal was ich kaufe, nach kürzester Zeit ist es mir egal.
     
  • Ernährung: Ich war schon beim Arzt, habe Schilddrüse etc. in den Blutwerten checken lassen, aber: alles normal. Die Krux ist, dass ich mich mit Ernährung halbwegs auskenne, also sowohl auf meine Nährstoffe achte, als auch auf meine Kalorienzufuhr, und mich objektiv gesehen wirklich wahnsinnig gesund ernähre und definitiv täglich nicht mehr als 2.000 KCAL zu mir nehme; scheinbar ist mein Grundumsatz aus irgendwelchen, bisher ungeklärten, Gründen so niedrig, dass ich trotzdem "stabil" bei 115 KG auf 182 cm liege.
     
  • Etwas für andere tun: Obwohl es mir wirklich schwerfällt, Freundschaften aufzubauen, tue ich trotzdem gerne Dinge für andere. Ich bin in einem caritativen Verein, Spende Geld, helfe ehrenamtlich Startups beim Wachstum und der Kapitalakquise und unterstütze generell mein Umfeld wo ich kann (z.B. meine Putzfrau seit 2 Jahren bei ihrer Integration, Behördengängen und zum Beispiel Arztbesuchen); es macht mir auch wirklich Freude, anderen Menschen Gutes zu tun, auch im Beruf, wo ich auch eine extrem beliebte Führungskraft bin, zu der Mitarbeiter aus dem ganzen Konzern wechseln (wollen), weil ich Themen wie Coaching, Leadership, Entwicklung usw. schon aus Gründen des Altruismus ernst nehme. Aber obwohl mir das alles gefällt, und ich gerne und oft anderen helfe, gibt es mir, ebenso wie Shopping, nur kurzzeitig (während ich es tue) Glück und Zufriedenheit - längerfristig kann ich daraus nichts ziehen.
     
  • Sport: Ich stimme euch völlig zu, dass es wichtig wäre, Sport zu machen. Und ich ärgere mich jeden Tag aufs Neue, dass ich es wieder nicht getan habe. Ich nehme mir oft vor, einen Sport "ernsthaft" anzufangen, zuletzt z.B. Golf: Dann kaufe ich alles an toller Ausrüstung, steigere mich vier Wochen total rein, und dann meide ich es, und kann mich nicht mehr aufraffen. Ich habe wirklich keine Idee, was ich tun kann, um mich zu motivieren - und das treibt mich schon seit Jahren um
     
  • Abwechslung: Ja, Abenteuer und Abwechslung, und Ungewissheit, das sind so meine Eskapismen; ich habe in diese Richtung schon viel probiert, also so viel mein bürgerliches Leben zulässt, ohne eben dieses selbst zu beenden: Sexuelle Experimente mit mehreren Frauen, Psychedelische Drogen (Ketamin, DMT, LSD), Roadtrips ohne Ziel, alleine im Wald übernachten, andere Drogen (Benzodiazepine, Kokain, Marihuana, Opioide)... das ist alles schön und gut, und macht mir auch Spaß, aber nachdem das Erlebnis vorbei ist, kehre ich immer wieder sofort zu meinem Zustand der Freudlosigkeit zurück. Auch Drogen faszinieren mich nur bedingt, so dass ich nie das Gefühl hatte, etwas häufiger als 1-2 mal nehmen zu müssen.

Alles in allem schreibt ihr sehr viele richtige Dinge; ich würde behaupten was mich zusammengefasst am meisten hindert, ist mein Phlegmatismus und meine Unfähigkeit, mich zu mehr dauerhaft selbst zu motivieren, als das absolute Minimum und die damit natürlich verbundene Unfähigkeit, an etwas "dran zu bleiben". Im Job klappt das (halbwegs), nur da hilft mir meine Hochbegabung und mein funktional extrem hoher EQ mit allem spielend fertig zu werden... das ist aber Fluch und Segen zugleich, denn ich erledige in meiner 40-Stunden-Woche das, was andere in gleicher Rolle in 60 Stunden nicht schaffen und war trotzdem seit Ewigkeiten nicht mehr gefordert, da alles so trivial ist (obwohl es durchaus hochkomplexe Aufgaben sind und ich regelmässig die Verantwortung für 'zig Millionen Euro trage)...

Zum Job nochmal: Ich habe natürlich auch schon darüber nachgedacht, den Job zu wechseln, und habe auch eine Menge Angebote, aber alles was mich dort erwarten würde ist mein jetziger Job in "etwas anders"... ich denke viel darüber nach, ob es eine Arbeit gäbe, die mich wirklich fordert, aber egal worüber ich mich informiere (und das ich mit meiner Fachrichtung so halbwegs glaubwürdig machen könnte), es ist alles so, dass es mir trivial erscheint bzw. ich mich damit etwas beschäftige, und ich es dann trivial finde (z.B. habe ich mir innerhalb einer Woche ein Thema beigebracht, in das sich andere ein Jahr und länger einarbeiten und fand es dann so langweilig, dass ich es nicht mehr angefasst habe, bei mir im Unternehmen jetzt aber als einer der Experten für das Thema gelte)..

Und das bringt mich zum Punkt Menschen: Wenn ich jemanden kenne, und das etwas besser, dann weiss ich im Regelfall immer, was die Person auf Themen im Gespräch, Fragen, etc. antworten wird, so dass ich das Zusammensein zum Teil als extrem langweilig empfinde oder, noch schlimmer, absichtlich Kontroversen provoziere, um Unberechenbarkeit zu erleben. Zudem haben (fast) alle Menschen aus irgendeinem Grund das Bedürfnis, sich mir "unterzuordnen", egal ob ich das möchte oder nicht - und ich möchte eigentlich sehr ungern auch privat das Gefühl haben, der "Verantwortliche" zu sein oder der "Leader"; eigentlich möchte ich nur in einer Gruppe mitschwimmen, ohne dass ich immer der sein muss, der die Führung hat... aber selbst wenn ich das aktiv zu vermeiden versuche (z.B. im Verein) ende ich damit, dass jeder denkt ich müsse im Lead sein...

In meiner Ehe ist es so, dass meine Frau selbst hochbegabt ist und zudem Borderline hat - was eine Menge Drama bedeutet, für mich aber, und das habe ich wohl akzeptiert, auch irgendwie Unberechenbarkeit, Spannung und Emotion bringt, und zwar auf eine Art, die ich oft nicht vorhersehen kann, so dass sie mich auch nach 6 Jahren noch überrascht - natürlich als Borderlinerin positiv und auch negativ. Zudem habe ich durch meine Persönlichkeit relativ wenige starke Emotionen, so dass ich gut mit schwankenden Stimmungen (etc.) umgehen kann, ohne dass ich dadurch belastet werde..

Schönen Abend

Clemens

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vor 4 Minuten, ennui schrieb:

Zudem habe ich durch meine Persönlichkeit relativ wenige starke Emotionen, so dass ich gut mit schwankenden Stimmungen (etc.) umgehen kann, ohne dass ich dadurch belastet werde..
 

Dieser Satz ist nicht gut. Gar nicht gut. 

Du bist sehr wohl belastet. 

Du beschreibst Dich selbst als süchtig und hast Schwierigkeiten in die "Gänge zu kommen." 

Übertüncht wird das mit Geld. 

 

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vor 38 Minuten, ennui schrieb:

Ich habe keine Schulden, das mit dem Dispo ist nur mein normales Konto.

Das kommt doch aufs gleiche raus. Den Dispo kannst du umbenennen in Kredit mit hohen Zinsen. 

Möglicherweise bist du nicht optimal medikamentös eingestellt. ADHS Medikation kann, wenn sie nicht gut eingestellt ist auch eine depressive Symptomatik machen. Würde ich an deiner Stelle mit deinem Arzt noch mal besprechen. 
Und deine Depression erscheint mir weder pharmakotherapeutisch als auch psychotherapeutisch gut behandelt zu sein. Dafür höre ich noch zu viele Symptome raus. Und es gibt Antidepressiva, die als Nebenwirkung Gewichtszunahme haben. 
Das waren jetzt nur kurz eins, zwei Punkte rausgegriffen, vielleicht schaffe ich ein ander Mal noch eine ausführlichere Antwort. 



 

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Am 13.12.2021 um 11:08 , ennui schrieb:

zudem bin ich „shoppingsüchtig“, d.h. ich kaufe ständig Dinge ein und schaffe es deshalb, trotz Haushaltseinkommen von 200T€ + pro Jahr, ständig 10-20T€ im Dispo zu sein

Benutzt du ein Kontenmodell? Lies dich mal dazu ein. Gibt auch gute und einfache Youtube-Videos dazu. 

Kurz gefasst: Du richtest dir ein weiteres (Konsum-) Konto ein und fütterst dies monatlich durch einen Dauerauftrag mit einer eingespielten Summe (ich nutze 10% meines monatlichen Nettoeinkommens). Das Hauptkonto schließt du am besten irgendwie weg. Lass die Karte zuhause, beantrage eine neue und lass den Pin ungeöffnet im Briefumschlag. So konditionierst du dich nur noch mit diesem Konsumkonto zu arbeiten. Das sollte dann natürlich keinen Dispo haben. 
So lernst du schnell, die vorhandenen Ressourcen zu nutzen und dich an den Konsum zu gewöhnen. Bei 200.000€ sind das immerhin 1.600€ / Monat (bei 10%). Das sollte also locker ausreichen. Andere leben von dieser Summe und finanzieren davon alles.

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@ennui

Klingt so, als würdest du dich gar nicht richtig fordern wollen beziehungsweise unterbewusst immer wieder in Bereichen bewegen, die für dich insgesamt leicht kontrollierbar sind? Wenn dir deine erdachten Alternativen allesamt trivial und unterfordernd erscheinen, würdest du wohl mit diesen dein Kompetenzregime noch nicht verlassen.

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Am 14.12.2021 um 20:05 , ennui schrieb:

Ich würde mich so gerne wieder über Dinge freuen können,

Wie soll dir denn hier jemand helfen, wenn du auf mehreren Substanzen bist?

Das kann ja de facto nur ein (sehr erfahrener) Arzt vom Fach einschätzen, oder jemand, der da war wo du gerade bist. Aber ganz genau.

 

Am 14.12.2021 um 20:05 , ennui schrieb:

und mich objektiv gesehen wirklich wahnsinnig gesund ernähre und definitiv täglich nicht mehr als 2.000 KCAL zu mir nehme; scheinbar ist mein Grundumsatz aus irgendwelchen, bisher ungeklärten, Gründen so niedrig, dass ich trotzdem "stabil" bei 115 KG auf 182 cm liege.

Hier ist allerdings relativ simpel, der Fall.
Weil Einzelfälle egal sind auf dem Feld.
Paar Axiome sind da einfach fix.

mehr Muckis = mehr Umsatz z.B.

Also weiß nicht. Gehört´s nicht auch irgendwie zum männlichen Selbstverständnis, selbst in faulen Phasen, allzeit zumindest mal 30 Push ups und´n halbes Dutzend Klimmzüge rauslassen zu können?
Sowas als Ziel ginge ja auch zu Haus. Muss man nicht ins Gym für.

 

Am 14.12.2021 um 20:05 , ennui schrieb:

Zum Job nochmal: Ich habe natürlich auch schon darüber nachgedacht, den Job zu wechseln, und habe auch eine Menge Angebote, aber alles was mich dort erwarten würde ist mein jetziger Job in "etwas anders"... ich denke viel darüber nach, ob es eine Arbeit gäbe, die mich wirklich fordert, aber egal worüber ich mich informiere (und das ich mit meiner Fachrichtung so halbwegs glaubwürdig machen könnte), es ist alles so, dass es mir trivial erscheint

Muss dich´n Job denn mental fordern?
Find ich z.B. gar nicht. Kann man auch zu Haus machen den Part.  Kaufste dir´n Buch von irgendwas, das dich halbwegs interessiert, wo de aber genau keinen Plan von hast.
Ziel. Plan haben und gut darin sein..
Dass man dann nicht stinomäßig 40 Jahre im gleichen Job hängt, weil alles eher früher als später bissl anödet.. ja. Ist halt so.

Find Games als Medium auch ganz cool, um die Birne auszulasten.
Ist eine Sache, n Game so zu daddeln. Aber ne andere, es so gut zu kennen, dass man die Meta brechen, oder zumindest beugen kann. Tickt ab diesem Punkt halt jeweils auch der Countdown und man muss sich demnächst nach was neuem umsehen.

 

Am 14.12.2021 um 20:05 , ennui schrieb:

Und das bringt mich zum Punkt Menschen: Wenn ich jemanden kenne, und das etwas besser, dann weiss ich im Regelfall immer, was die Person auf Themen im Gespräch, Fragen, etc. antworten wird, so dass ich das Zusammensein zum Teil als extrem langweilig empfinde oder, noch schlimmer, absichtlich Kontroversen provoziere, um Unberechenbarkeit zu erleben. Zudem haben (fast) alle Menschen aus irgendeinem Grund das Bedürfnis, sich mir "unterzuordnen", egal ob ich das möchte oder nicht - und ich möchte eigentlich sehr ungern auch privat das Gefühl haben, der "Verantwortliche" zu sein oder der "Leader"; eigentlich möchte ich nur in einer Gruppe mitschwimmen, ohne dass ich immer der sein muss, der die Führung hat... aber selbst wenn ich das aktiv zu vermeiden versuche (z.B. im Verein) ende ich damit, dass jeder denkt ich müsse im Lead sein...

Ist halt so bei Braniacs.
Weil schneller Kompetenz aufbauen und besseres Abstraktionsvermögen irgendwann bemerkt werden. Wird dieser Meinung logischerweise mehr Gewicht gegeben.

1. Biste der schlauste im Raum, biste im falschen Raum. Gibt´s so als Sprichwort (in schöner). Find ich nicht unbedingt. Aber als Denkanstoß evtl ganz gut.
 

also das eigentliche Erstens jetzt
1. Lern, deine Klappe zu halten, wenn du in bestimmten Umfeldern diese Rolle vermeiden willst. Da auch bissl rar machen, damit sie die unweigerlichen Hints und Dots schwerer kombinieren können. Im Notfall hilft kurz vor der Angst noch, ne Weile jeden zweiten Satz mit "bitch" zu beenden und mit dem Küchenmesser zu reden.
Klingt witzig, is aber so.

eigentlich gäb´s noch´n 2.
Sport. Auf Competition. Gut werden. Irgendwann in Regionen mitspielen, wo keiner zurückstecken muss, weil die tatsächlich ebenbürtig sind. Sehr befreiend.
Bist du halt´n bissl zu alt und zu dick für.
Aber Schach könnte was sein. Die Stinos hält dir dann der Elo aus den Füßen.

bearbeitet von Easy Peasy
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Am 14.12.2021 um 20:05 , ennui schrieb:

Zum Job nochmal: Ich habe natürlich auch schon darüber nachgedacht, den Job zu wechseln, und habe auch eine Menge Angebote, aber alles was mich dort erwarten würde ist mein jetziger Job in "etwas anders"... ich denke viel darüber nach, ob es eine Arbeit gäbe, die mich wirklich fordert, aber egal worüber ich mich informiere (und das ich mit meiner Fachrichtung so halbwegs glaubwürdig machen könnte), es ist alles so, dass es mir trivial erscheint bzw. ich mich damit etwas beschäftige, und ich es dann trivial finde (z.B. habe ich mir innerhalb einer Woche ein Thema beigebracht, in das sich andere ein Jahr und länger einarbeiten und fand es dann so langweilig, dass ich es nicht mehr angefasst habe, bei mir im Unternehmen jetzt aber als einer der Experten für das Thema gelte)..

Bin da bei @Waterbird

Die einen Sachen, die kannst du einfach nicht (so wie deine Gewichtsabnahme). Die anderen Sachen, die sind zu einfach.

Klingt halt stark nach solide einzementierter Komfortzone bzw. mangelnder Motivation, wirklich was zu verändern. Beispiel Diät: In meinen Abnehmephasen hatte ich abwechselnd Tage mit 1200kcal (niedriger Tag) und 1600kcal (hoher Tag). Hatte halt auch keine Muskeln und keinen Grundumsatz. Also, wenn du mit 2000kcal nicht abimmst... dann halt einfach mal die Hälfte essen. Und paar Musklen draufmachen.

Ist keine Raketenwissenschaft, aber du bewegst dich ja gar nicht.

Ansonsten bin ich da bei @Roja - check deine Medikamente.

Und letzter Punkt, der mir noch auffällt:

Am 14.12.2021 um 20:05 , ennui schrieb:

(z.B. habe ich mir innerhalb einer Woche ein Thema beigebracht, in das sich andere ein Jahr und länger einarbeiten und fand es dann so langweilig, dass ich es nicht mehr angefasst habe, bei mir im Unternehmen jetzt aber als einer der Experten für das Thema gelte)..

Ich kenn hochbegabte Menschen. Die sind echt unglaublich. Trotzdem kann von denen keiner in einer Woche, neben einer regulären Tätigkeit, alleine die Menge an Infos sichten, die jemand anderer ein Jahr lang integriert.

Also irgendwas stimmt da an deiner Selbstwahrnehmung meiner Meinung nach nicht. Oder du bewegst dich absichtlich unter Menschen (siehe Komortzone) die du dir so ausgesuchst hast, dass sie weit weniger draufhaben.

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vor 54 Minuten, Helmut schrieb:

Also irgendwas stimmt da an deiner Selbstwahrnehmung meiner Meinung nach nicht. 

Volltreffer.

Schrieb ich bereits weiter oben. Er musste sich nie irgendwo auf längere Zeit gerade machen.

Er meint er sei über alles erhaben. 

Ist er aber nicht. 

 

bearbeitet von PaulPanzer79

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